Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 18 (2.3.1934)
- Date
- 1934-03-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 jüdische Rundschau Die Erforschung der Iicljiiisdien kltsssischcn Dichtung (!ן!0]וז;<• kau1tH!1.11t;nl. rjln|!־] )!) |׳ Alnlt im k tik-es Auf ״tlZf‘:i Vt1־-«p<Uvl.) 1, Salomo ihn (ln hi ml: Scliire,... Buch 7, Milttim III. Hernusgogeben v. (;11. N. Bialik und J. CI1. Rawnit/ki. Td-Awiw, ״Dwir“ 19)2, IW) S. 14 Todros Almd-'aiiab: Gau Ita-Meschalim wcha-Cliidot, erster Teil. Vokalisicrt 11ml mit 1,1 i< I n imgeii licraiisgcgcbcn von Dawid Jeilin. Jerusalem 1932. 3 Bl. |- XVIII -|- 194 -|- 142 S. 3. Iniamid Frauccs: Divan, nach I lamlsdiriften und mit I r- Läuterungen licTaiispeoebcii v. Dr. Simon Bernstein. Tel- Awiw, ״Dwir“ 1932.’ XXXVI -|- 301 S. 4. Leo De Modena: Divan, mit 1 -rl.intertmtrett licrausgcgehcn v. Dr. Simon Bernstein, Philadelphia 1032. 258 -[- XXVIIi S. Die natiomde Wiedergeburt bewirkle auch Wissenschaftliehe Bearbeitungen und Editionen eines Teiles der hebräischen klassischen Dichtung, die fast ganz vernachlässigt da lag. Naturgemäß fand zuerst die Glanzzeit der hebräischen Dichtung — die spanisch-arabische Lpochc -- Interesse. Später wurden auch Dichtungen anderer Zeiten wissenschaftlich erforscht und bearbeitet. In den letzten zehn Jahren wurde das Interesse für dieses Gebiet reger als je. Prof. I. Davidson, New York, gibt ein jetzt unentbehrliches Oiielleulnich für die hebräische Dichtung heraus, von dem bis jetzt drei Bünde erschienen sind (,,Ozar iia-Scliira wcha-Pijut“, New York 1924 1930), Bialik und Rawnit/ki begannen 1921 in Berlin die Gedichte des Salomo ihn Gabirol, deren 7. Teil oben verzeichnet wurde, herauszugeben. 192S gab Prof. J. Davidson in ״Ginsc-Scliechtcr“ III, 241 Pijutim heraus. 1020 gründete Satmnn Schocken, Berlin, das von Dr. Ch. Brody, früher Oherrabhiner zu Prag, geleitete Forsclumgs- Institut für hebräische Dichtung. Studenten der Universität Bonn (Seminar von Professor P. Kahle) erlangten durch Arbeiten auf dem Gebiet der synagogalcn hebräischen Dichtung fiir. Kober: Zum Machsor Jannai... Frankfurt a. M. 1929; Dr. Zulay: Zur Liturgie der babylonischen Juden... Stuttgart 1932) die Doktorwürde. 1939 erschien das 4. Buch des von Dr. Ch. Brody herausgegebenen Divan von Jelmda ha-l.cwi. Die Arbeiten von Zimz, Rapoport, LaudsImUi, Luzzatto, Sachs und Dukes werden somit würdig fortgesetzt. Das 7. Buch «ler Gedichte Salomo ihn Cinhirol s (11. Jahrhundert) enthalt neben (ieiliditlexien Verbesserungen und Erklärungen zu allen früher erschienenen Teilen, von verschio denen Gelehrten, darunter auch von Dr. Ch. Brody. Bialik und Rawnit/ki sind sieh bewußt, daß sic noch nicht alle Gedichte ihn Gabirols erfaßten, trotz Sammelfleiß und Mühe!st noch vieles in Handschriften geblieben. Diese Ausgabe ist nun abgeschlossen, die Herausgeber hoffen jedoch, die geplante zweite Ausgabe vollständig gestalten zu können. ״Oan Iia-Mesclialim weha-Chidot“ von Todros Abu-l-'afiah (Spanien 1217 bis ca, 1309) enthält reizende Gedichte für jede Gelegenheit. Schon 1929 gab Dr. M. < '«.!-!er, London, eine Faksimile-Ausgabe dieses Buches nach der eigenhändigen Ab- Schrift von Saul Joseph aus Hongkong heraus. Diese Ausgabe ist aber durch die orientalische Kursivschrift der breiten Oeffentlichkeit unzugänglich. Jeilin voka'isiertc die Texte und erlauterte sie so, daß sie jedem hebräischen Leser zugänglich sind. Imanuel Fra ne es (Livorno 1913 bis nach 1710) kann noch zu «len Klassikern gezählt werden. Seine Sprache ist meisterhaft und seine Dichtung voll Herz und Phantasie. Hof- (entlieh wird sich bald ein Herausgeber auch fiir die Gedichte seines Bruders Jakob Frances finden. Leo De Modena (Venedig 1571—1913), der Verfasser des sogenannten ,,Divan", war wohl alles andere eher nls Dichter. Dichtung erfordert eine natürliehe Begabung und Leo De Modena war dichterisch unbegabt. Er lernte wohl die Technik der Dichtkunst und verstand auch, gelungene Reime zu schreiben, es fehlt jedoch der dichterische Schwung. Diese Ausgabe ist nur berechtigt, da die Texte zum Teil einen historischen b/w. kulturhistorischen Wert haben. Die Benennung ״Divan“ geziemt aber allen liier vcr/eichrieten Gedichtsammlungen nicht. Unter ״Divan“ ist eine Snmmlim(T von Gedichten, die nach dem Reim alphabetisch geordnet sind, zu verstehen. Diese Gedichtsammlungen sind jedoch nicht aut diese Weise geordnet. R. M. C h a s a n. Eine Palästina - Kunde Die große Aklualitä! der Jtidciifrage während des Jahres 1933 und die verstärkte Einwanderung von Juden aller Länder nach Palästina hat begreiflicherweise «las Bedürfnis einer sachlichen Information über Palästina seiir gesteigert. Wurde früher vielfach Palästiiiakiinde in zionistischen Kreisen außerhalb Palästinas aus einem mehr gcsinmmgsmälticcn Interesse betrieben, so hat Palästina heute für Tausende von Juden eine ganz konkrete praktische Bedeutung erlangt. Nicht nur die, welche jetzt hinübergelien, sondern auch ihre Augehörigen, Freunde sind häufig über die l.andesvcrhältnisse völlig im unklaren. Leider ist heute auch schon zu merken, daß diese Uniiiformieitbeit in manchen Fällen bedauerliche Eilttäiischmigen zur Folge halte. Fs ist anzinieliincn, daß in Zukunft noch mehr als bisher jüdische Menschen cs für notwendig empfinden werden, über die Realitäten des heidigen Palästinas Bescheid zu wissen; das gilt vor allem auch für die Jugend und fiir die zahlreichen jetzt nctientstehcmlcn jiidisehen Schulen. Unter diesen Umständen kann cs sehr begrüßt werden, daß Dr. Hugo H 1• r r in a 1111, der durch das B11011 ״Palästina, wie cs wirklich ist" im letzten Jahre sehr bekannt geworden ist und der sich auch früher schon durch verschiedene Publikationen auf diesem Gebiete Verdienste erworben hat, jetzt eine systematische P a I ä st i 11 n - K 1111 d e herfiusgiht. Das erste lieft dieses Werkes liegt soeben vor. Es behandelt die Geographie Palästinas (Hugo llerrmann ״Pnlnsünakuiidc", 1, Teil Geographie, mit 21 Abbildungen, riha-Verlag, Wien, 1,50 M.). Das ganze Werk soll ein Leitfaden über Geographie, Geschichte, Bürgerktiude, Wirt- Schaft des Landes und schließlich über das jüdische Aufbnuwerk sein. Der Autor charakterisiert in einem kurzen Vorwort seine Absicht selbst wie folgt: ״Dieser Versuch einer ,Paliistinakunde‘ hat nicht den Ehrgeiz, als wissenschaftliche Leistung gewertet zu werden. Er will das vielfach in Büchern, Zeitungen und Broschüren verstreute Material zur Kenntnis Palästinas sammeln und in systematische Form!)ringen, und zwar, wie bei dem ungeheuren Umfang der Palästinalitcratur nicht anders möglich, in einer knappen Auswahl, die aber das Wichtigste vollständig enthält. Das Buch will ein Leitfaden sein für Vortragende, fiir Kurse, für den Schulunterricht und für das Selbststudium. Der Verfasser hat bei der Leitung vieler Kurse und Seminare, besonders in zionistischen Jugend- und Studentcnorganisatimien, schmerzlieh empfunden, wie sehr es an einer solchen /.usammcnlassenden Darstellung mangelt, und aus den dadurch bedingten Schwierigkeiten und der Bemühung, sie zu überwinden, ist der Gedanke entsprungen, das Fehlende zu schaffen.“ Wir nehmen an, daß das Büchlein reichlich Verwendung finden wird. Nr, 18, 2. IIJ. 1934 I W*. ' ,<«-*4 flfcl Olli S.l. ץ"» a:J Vw* Särtä! '«äs*,, jfcl Der gelbe Fleck Von Dr. Ernst Simon.!Durch die Ereignisse des Jahres 1933 hat der ״Gelbe Fleck“ eine neue Aktualität erhalten, und die von dieser Zeitung aiisgchcinle I.osimg, ihn ״mit Stolz.״ zu tragen, hat weitgehende Wirkungen geübt. So 11mg es nicht uniiüt/licli sein,, daran zu erinnern, daß der erste — freilich noch zaglinft-ironischc — Versuch, das Zeichen der Schande in ein Ehrenmal zu verwandeln, von Heinrich Heine unternommen worden ist, dem daun später die zionistischen Verbindungen in ihrer Fnrhenwahl gefolgt sind. Die Stelle, auf die wir anspielcn, steht im ״Rabbi von llacharach“. Nachdem der Rabbi mit seiner Frau, der ״schönen Sarah“, mitten in der Peliaclinaclit wegen eines drohenden . Pogroms nach Frankfurt a. M. geflohen ist und beide dort ,1111 Morgen den Gcmeindegoltesdienst mitgemaclit haben, wird Sarah im Hofe «ler Synagoge von einem spanischen Ritter Angesprochen, ״auf dessen jugendlichen Gcsichtsziigen jene reizende Blasse, lag, welche die Frauen gewöhnlich einer unglücklichen I lebe, die Männer hingegen einer glücklichen •ziischreibo.u“. So frivol wie diese Schilderung sine! auch die Reden, mit denen der Spanier sich der schönen Frau als ihr Rider anbietet. Er bekommt die folgende Antwort: ״Edler Herr! Wenn Ihr mein Ritter sein wollt, so müßt Ihr gegen pnze Völker kämpfen, und in diesem Kampf gibt cs wenig Dank und noch weniger Ehre zu gewinnen! und wenn Ihr gar meine Fahne tragen wollt, so müßt Ihr gelbe Ringe auf Euren Mantel nähen oder eine blau gestreifte Schärpe umbinden: denn dieses sind meine Farben, die Farben meines Hauses, des Hauses, welches Israel heißt, und sehr elend ist, und auf den Gassen verspottet wird von den Söhnen des Glücks.“ Was bedeuten diese Sätze fiir Heines jüdische Entwickhing, und inwieweit sind sie geeignet, unsere heutige Situation zu erhellen? Wie neuere Forschungen wahrscheinlich gemacht haben, ist der ״Rabbi von llacharach“ in drei verschiedenen Stadien entstanden. Der Beginn wurde 1821 gemacht, ah Heine inilor dem Eindruck seiner Mitarbeit im Berliner ״Verein für Iviillur und Wissenschaft des Judentums" stand 11ml mit Zu״/, Gaus, Moser 11 sw. befreundet war. Die Stimmung ist damals geteilt zwischen jenem Haß gegen die Verfolger, den das Begleilgedieht ״An Fdom“ ausdrückt, und jener l iebe für Israel, die uns der ״Widmung“ spricht. Einen Einschnitt bilden dann die Taufe von Eduard Gans, Heines Examen und vor allem seine eigene Taufe. Unter ihrem Eindruck verschiebt sieb der Hauptakzent der Dichtun״ von dom objckiiv behandelten Rabbi Abraham auf che״ jenen spanischen Ritter, den — Renegaten Isaak Abarhnnel. Das war eine Art SelbstbekenntnisI Freilich gerade dazu reichte die Kraft nicht mehr lange aus, unter dem Einfluß der Zwiespältigkeit, die die Taufe in Heines l eben und Herz gebracht hatte. Er ließ das Manuskript liegen, und cs mag ihm nicht ganz unlieb gewesen sein, als das — angeblich — vollendete im Jahre 1833 bd einem Bram! im Hause seiner Mutter vernichtet wurde. Sieben Jahre später, 1810, war die ganze jikliselie Welt, und dazu ein großer Teil der nichtjiidisclien, bewegt von der R i 111 a 1111 o r d a 11 V1 a g e, die damals gegen die Juden von Damaskus erhoben würde. Sie zeitigte ein erstes Wiedererwachen jüdisch-nationaler Solidarität: Moses Montcfiorc machte sich aus London und Adolphe Cremlcux aus Paris narb Damaskus auf, um der unglücklichen Gemeinde in ihrem Kumpfe hei/usichen, Bemühungen, die später bekanntlich in der Gründung der ״Alliance israelite Universelle“ eine dauernde organisatorische Form gefunden haben. In diesem Jahr faßte Heine den, Entschluß, «las Fragment irgendwie abzurmidcn und im vierten Bantle seines bei I!offmann ft Campe in Hambnrg erscheinenden ״Salon“ zu drucken: bewogen, wie er dein Verleger schreibt, von Geldnot und der Hoffnung auf eiitseblagciidc Wirkung des wieder aktuell gewordenen TI ic inas. Das damals eiligst ergänzte Kapitel aber ist eben jenes dritte, in Frankfurt spielende, in dem der Satz über den ״Gelben Ring“ steht. Mag auch die erste Konzeption dieses Gedankens einer der früheren Fassungen angeboren, die Antwort, die Ritter Heine gibt, stellt ganz, auf der spöttischen ״lidlenischeu“ llülie von 1840: nach den Kämpfen 11m das Judentum und vor dem Beginn der ״Mntratzengriift“, wie er hekanntlieli seine jahrelange schwere Krankheit bezeichnet hat. Diese Antwort wehrt zunächst zwar «len Verdacht ab. er, der Sproß Israels, könne etwas gegen seine frühere Gemeinschaft sagen wollen, bekennt dann nber. 711• nächst frivol: ״Ich liebe Eure Küche weit mehr als Euren Glauben; es fehlt ihm die rechte Sauce“, und daun pal hetisch: ״Ja, ich hin fleide und ebenso zuwider wie die dürren, freudlosen Hebräer sind mir die trüben, qualsiichtigrn Nazarener. Unsere liehe Frau von Sidon, die heilige Astarte, mag es mir verzeihen, daß feil vor der sehincrzensreichen Mutter des Gekreuzigten niederknie und bete ... mir mein Knie mul meine Zunge huldigt dem Tode, mein Herz hleilit treu dem Leben! ...“ Wollen wir die Bedeutung dieses Dialogs fiir die Erkeimüiis Heines auswerten, so müssen wir zunächst bedenken, da 11. ein Dichter sich nur selten mit einer seiner Gestalten völlig identifiziert: oft wird er sich auf die widerstreitenden verteilen. So eiwa, wie Goethes Stellungnahme zum Problem des Theaters nicht nur im ״Dichter“, sondern auch im ״Theaterdirektor“ und sogar noch in der ״Lustigen Person“ des ״Vorspiels auf dem Theater“ steckt, so spricht Heine die eigenen Ueherzcmpingeii aus sowohl in dem ironi* sehen Stolz auf den Gelben Fleck, (ler aus den Worten der sei innen Sarah spricht, wie in seiner Zuriiekweisimg durch den Ritter. Daß hehles nebeneinander in ihm Platz hatte, dies ist rin Teil des jüdischen Problems Heines — und nicht nur Heines. Dorli inwieweit Heines Problem auch unser heutiges Problem ist, wird sich noch deutlicher ergeben aus einer kurzen Analyse seines ״Hellenentums“, das er in den oben zitierten Sätzen, wie mich sonst so häufig, dem Juden- und Christeiiitim gemeinsam gegenüberstellt, Sein Evangelium irdischer Arbeit und. irdischer l iebe unterschied sich einerseits von dein prinzipiell gleichfalls ״heidnischen“ Bekenntnis Goethes,, gegen den er sich immer wieder heftig abgrenzte, durch die ^Betonung der sozialen, werktätigen Komponente, wie sie in Frankreich Saint Simon’s ״Lc nouveau Christianismc“ und dessen Schüler Enfantin in ein Lehr- bzw. Lebenssystem gebracht .hatten; aber die Hauptgcgnerschaft bestand doch gegen, ei.11 angeblich allzu metaphysisch-lebensfremdes und verweichlichtes jüdisch-christliches ״Na/arcnortiim“. Die heute vorkonimnidc.Ablehnung des Alten Testamentes betont nun ebenfalls häufig eine Moral der ungebrochenen, natürlichen Kraft, und geht ans von einem biologischen Begriff der Heiligkeit. Ihre Argumente gegen das Alte Testament sind daher völlig andere, als jene der christlichen Gnostiker des 2. und 3. lahrhunderts, vor allem auch Marcions, die die jüdische Bibel als das Buch des nur gerechten und daher nicht vollkommen guten, ja böswilligen and gleichsam allzu irdischbiologischen Schöpfuugsgottes scharf von der erst im pv. j geliiim geschelieilen Verkündigung des bis dahin völlig' l’m‘ i bekannten“ Gottes der l iebe, B.irmlierzigkeit und Frlosiif' 4 abgehoben hatten, und deren Bewertung des Alten ״<ך? I mentes sich, trotz aller Abwehr gegen sie, in verwässern!' 1 Ferm auch im ofli/iellen Christentum fand und findet, f! i Fs ergibt sich also die merkwürdige Situation, d!B ,1•! modernste Ablehnung des Alten Testamentes nicht 'sehr ) von der durch tleine formulierten zu stehen kommt, die alif! ׳) dings — wie dies ja auch heute gelegentlich geschieht; das Neue Testament mit ebe.cltloß. Und auf der nndereT '■ Seite begegnet man heute jüdischen Versuchen, unsere Biy '■ so zu interpretier«!!!, daß Marcions einstige Verwertung J : reelltigt und die Heines als ein groteskes Mißvcrständri« erscheint. s * Und der Gelbe Fleck? Was hat er mit all dem ai tun5 Ehen: nichts. Und dies ״nichts“ will besagen, «lall der stob« auf ihn zwar, eine berechtigte, vielleicht gar hemise!1c"(ieu־ der Abwehr im Augenblick der größten seelischen l'rsclnittc rung war, aber ninunermchr genügen kann zum Aufbau viiuj jüdischen Lebens und einer jüdischen Weltanschauung. j)ie,Cf Stolz .,illein ist, wie jede rein formale Gesinnung, mit allen Inhalten vereinbar: sogar mit ״rassehewußtem“ Taidjudentum und der Verwerfung der Bibel. Wern! der Stolz nicht zu nciider und tätiger Umkehr fortschreitet, dann Bleibt er" die Aufforderung zu einem Ritterdienst, der keine Gelob. Schaft geleistet wird. *' (Ä n in. d. Rc<l.: Um Mißverständnisse zu vermeiden, *cj bemerkt, daß die von der ״Jüd. Rundschau“;111 «gegebene Parole, den ״gelben Meck mit Stolz zu tragen", im Gegen• satz zu Heine selbstverständlich mir so gemeint war, Dr. Simon es in seinem Schlußalu,atz treffend anssprich!: ak ein Aufruf zu einer Umkehr, die erst am Anfang stell!, und für die unablässig zu wirken die ״Jikl. Rundschau״ nichi ablasscn wird.) KunstfjcschichtHche Betrachtungen Von R a 11 e 1 W i s c h n i 11. e r - B c r n s t c i n.! Im Rabbi von Racharaeh tragen die Juden schwarze Mäntel, schwarze I ,lattlinte, weiße I talsberge. Die Tischdecke ist mit Goldiransen verbrämt, der samtene ThoravorInnig kt mit Gold Hitler, Perlen und bunten Steinen bestickt, es gibt rote Samtkissen, sowie mit bunten Edelsteinen hcset/le goldene Thoraschilder und buutbcstickte Tliorawimpcln zum Entwickeln der Gcsctzesrollcn, ferner ein in Samt gebundenes Amlachtsbuch. Zieht man zu!11 Vergleich literarische Quellen und Bildmaterial heran, so ergibt sich die über• I raschciule Feststellung, daß Trachten, Hausrat und Kult• gerät der Juden, wie Heine sie schildert, dem 17, und 18, Jahrhundert, nicht aber dem 15. Jahrhundert entsprechen. Mühelos lassen sieh auch die Werke naclnvciscn» aus denen Heine seine Kenntnis geschöpft hat. Er hatte nicht bloß mittelalterliche Chroniken gelesen, sondern auch Schuts J1V dischc Merkwürdigkeiten“ mit Bilderstichen, aus den! Jahre 1717. Ein Buch aber, das ihn besonders stark anregte, war fine auf Pergament geschriebene und mit vielen farbigen Jlüde/a ausgcsclmuickte llapgadnli, die er im Rabbi. von fhtharacl׳ auch beschreibt und als altes Erbstück bezeichnet. Es in י ו sein, daß Heine den Pergamentkodex fiir sehr alt hielt und die Bilder ins Mit lelaltcr datierte. Die von Heine hcnulzte I Liggadnh ist erhalten geblieben; es ist eine 1723 ,uipeffr• tigte Handschrift mit liandgcm,alten Miuiatnrbildeni. (N.du׳rc1 darüber in meinem Aufsatz ״Die tiaggadah Heinrich Hein«*, Gcuieindehlatt der Gemeinde Leipzig, vom 7. April 1.033.1 Es ließe sich denken, daß die Bilder dieser llaggadah, «lie Ileine fiir mittelalterlich gehalten haben mag, tatsächlich ans;dtcren Handschriften übernommen worden waren. Heinrich Heine beschreibt im Rabbi von Baeharacli den ganzen BildcrzvUiu daraus, so daß kein«* Verwechslung möglich ist• Da1’ Bkl• malrriaf, das Heim• zur Verfügung stand, war somit durchaus nicht mittelalterlichen Uisprung■:. Zu Heines Zeiten gab auch keine jüdische stilkritische 1 La n d sei! ri f t <־n forse in!ח g. Ei fehlte überdies die Erkenntnis, daß ein Bilderkreis nichts l» veränderliches dnrstcllt, sondern Wandlungen, Urndeutiingcn, Verschleihmgen mul Ergänzungen unterworfen ist. So p• stattet eine spätere Version gerade vom Slilmäßißcn aus ge scheu keine Rückschlüsse ,־mf äliere Fasumgen. I )ic Erkenntnis des jüdischen Mittelalters machte Ho* nicht zu bewältigende Schwierigkeiten, weil cs an Vorarbeit« aut dem Gebiete der jüdischen Mittel;ilterforsclmng noch so« mangelte. Die jüdische Wissenschaft war noch in ihren M׳ fängen, auch hatte sie zunächst dringlichere Aufgaben als* Erforschung von Kunstdenkmäiern. ., Heinrich Heines Haltung dem jüdischen und (lein liehen Mittelalter gegenüber spiegelt den bedeutenden מחיי■ schied im Stand der kmistgescliiehtliehen Forschung. wanTfls die christliche Baukunst und Malerei des Mittelalters zu scitt Zeit Gegenstand der wissenschaftlichen Untersuchung bleiben die jüdischen Kunst,äußcrungeii des Mittelalters . verschlossenes Gebiet. So findet die eigentümliche Stiliim-uW•1! — eine Darstellung von Juden aus dem 17. und dem 18. 13•; hundert auf einem deutschen Hintergründe aus dem 15. ja« hundert — ihre Erklärung. א ״ Das jüdische Mittelalter zog Heilte geheimnisvoll חג, suchte es, nicht allein aus literarischem, künstlerischem tcresse, wie wir wissen, nicht bloß ״wegen Berührung ״״’ Rabbi“, «len! Helden einer Erzählung. Heine gibt, selW ״׳ daß es ihn anzog ״auch wegen inneren Bedürfnisses . Beschäftigung mit jüdischen geschichtlichen Quellen "'jr, gleichbedeutend mit Familienforschiuig, mit der thuersn( ׳ י «jes eigenen Stammbaumes. Nicht umsonst gab I!cinncl1 1 . fitjeiit Kind in der Sippschaft des Rabbi von .Barhnr.if * Namen Gottschnlk, einen höchst merkwürdigen M'T für einen mittelalterlichen Juden. Aber Heinrich Uf1n ״ vatcr hieß Gottschnlk van Geldern. Uiese Na ׳׳ gebung beleuchtet mehr als alles andere die getuhlsb( ״ stark persönliche Beziehung I Icmcs zum jüdischen .׳ " alter. Es war ihm der Inbegriff des I feimailichen. Nah'. denen, Ureigenen, Nur konnte dieses innige Verhalt! ‘ seiner Zeit nicht zuverlässig wissenschaftlich unterbaut w Im Ausstellungssaa! ״Preslnw“ zu Sofia wurde Ausstellung der Werke des vor einigen Jahren auf einer ., rika-Reisc verstorbenen jüdischen Bildhauers Professor Schatz frierlieh eröffnet. Schatz, war der Begrün Kunstakademie in Bulgarien, wo er von 1895 bis von dort iibersicdeltc er, dem Rufe Theodor Flerzis nach Palästina, wo er 1900 die Kunst- und Kunstge"׳er ״Bczalcl“ gründete. . ht( Ende Februar begann eine Ausstellung i •Künstler aus Deutschland in der Galerie sie.. Jerusalem. Die Ausstellung wird in Tel-Awiw, später auch auf dem Ki'mstlcrpavillon sowie in Aegypten gezeigt werden. ilCin•--■1 1W1NV, 111 11Ätesst der Levante-- ^•41 ן