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Jüdische Rundschau · 1934-03-02 · Heft 18 (2.3.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 18 (2.3.1934)
Date
1934-03-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Anx«lg»n!«rlf t Di# I2ff*#p«lt*1t• M(1ltm«t«r*Z#I1• MM- -20,״, für Stell*71ß*nurh• RM. —40, lür F#mllJennschrtchfen RM —45• Fjn*#!#nt#lj*m nur g#£#n Voraus* ■•Klung ■ul Pr*1«t Wk-Knmn P#tU» 16לSH *<Uv In dar Anreisen-Annshmst Mr»nt•! bl• Frsitag 9—15־־ Uhr, Ann«h1n»tf h1<1A lür di« Di#n<H#1-Atto*aHe Montag 10 t 01 r für di# I-reitsg-AuagsHe Mtttworh 13 Uhr (F*mlli#n1n»dg#n hi■ Donnerstag IO Uhr) .iaitUr Programm1 ך~'' k. *eP .SSi "?0,י dem Zentrum des organisierten Gemeinschaftsbj|(U״ ן ״• Selbst solche Minderheiten, die als Eroberer staats- Vtm"u ware״. haben auf diese Weise die Mehrheit der Bevol- 8"״ angezogen. So geschieht es, daß zugunsten des Staates ך־—p j \ J * ■'!7 ג kJ p—*׳•Kaj ■1^ 7 I I Es ist ein Charakteristikum der Erörterungen, die heute im deutschen Judentum geführt werden, daß der Begriff der Assimilation in ilimn eine entscheidende Rolle spielt. Keine ci״/i;,׳e Gruppe der deutschen Juden ist jetzt bereit, den Vorwurf Imi/umlimen, sie sei ״assimilatorisch“ eingestellt. Oleicn/citig spielt in der Beweisführung der verschiedensten!,״lisrlieii Riehlimgen der Vorwurf, dal! ihre Gegner den Weg der Assimilation gehen, eine erhebliche Rolle. Dabei iibernelimen nidif/ionislische Gruppen eine Terminologie, die seit Jahr-;fhnten vom Zionismus angewandt worden ist. liier bade nain* lieh der Begriff der Assimilation den Beigeschmack einer AI* «trlimg, weil man von der Voraussetzung ausging, daß die Erhaltung der eigenen Art ein Grundwert ini Leben der Volker und der menschlichen Gemeinschaften überhaupt sei. Um mm Klarheit darüber zu gewinne», ob es zuiriflt, wenn »ir heute die Behauptung aulsleilen, da ft diejenigen Gruppen in deutschen Judentum, die seit jalir/cluiteii den Weg der Assiinldion gegangen sind, auch heute wieder den Versuch machen, ihn fort/nsctzvii, iiml oh die Redewendungen richtig sind, die mi! von dieser Seite aus teilweise gegen die Kreise gebraucht, ie den Ansciiluli an den Zionismus gefunden haben — sie ■een ,,assimilatorisch״ im Sinne einer Anglelchung an die natbulen Gedanken, die heute in Deutschland und Europa bestimmend sind — ist es erforderlich, sich über das Wesen des Assimilationsvorganges Rrctienscli.!ft zu geben. An den Anfang unserer Erkenntnis haben wir den Satz zu sidlen, dali die Assimilation, d.h. die Angleichung einer mcnscli- Wien Gruppe an eine andere ein zwangsläufig e i 11 tr e« tind er Vorgang im Zusa m m c n I c 1» e n v c r s c 11 i c - den e r M c 11 sehe n g r 11 p p e 11 ist. Es fragt sich, welche Motive als Ursarlicn für das Ziiemandcrstreben dieser Orup- חיי auftreten, da diese die Richtung des AssimilatiousVorganges 'd'Hnrnm! werden. Wir können eine ganze Reihe solcher Ur■*׳ vicliet! der Anziehungskraft, die eine Gruppe an die andere an• ׳kihcrt, unterscheiden, wobei im einzelne» Falle je nach den g'rhiditlielu'u Umstünden eines, mehrere oder sämtliche dieser Motive wirksam werden. Die erste Ursache der Attraktivität — lind zwar in der Rfgcl die wichtigste — ist das Bestellen eines Verhältnisses von Mehrheit und Minderheit. 1ו1״ז eine Minderheit im gleichen Raum zusammen mit einer Htlers gearteten Volksmeiniicit lebt, dann tritt naturgemäß der Zidand ein, daß alle Lebens Verhältnisse von der Art und dein '*illfn dieser Mehrheit bestimmt werden, und daß demzufolge 47 einzelne Angehörige der Minderheit im Kampf ums Dasein;willigen ist, sieh diesen von der Mehrheit geschaffenen VeriUtimscn an/upasscu. Hs kommt dann sehr leicht dazu, daß fest Verhältnisse nicht nur als eine tatsächliche Notwendigkeit «gesellen werden, sondern daß mau sic idealisiert und sich »ach Mwn auch gef.ihlsmällig ausrichtet. Ganz besonders wirksam st dieses Verhältnis von Mehrheit zu Minderheit auf dem Ge- 1׳d der;i 11 ß c r e n Lehenssitte 11■ Man nimmt Gewöhnnle״ zivilisatorischer Art an, die die Umgebung hat, richtet Slcil in Mode mul Tracht nach ihr und tut so sehr oft den JUcn Schritt, der zur Auflösung der eigenen Cienieinsclialt Wirt. Wir wisse» ja, daß im östlichen Judentum in zahlreichen dfn die Ahicgimg von Kaftan und I'cjotli ein umwälzendes -flebiii«,!•״, den Einzelnen ist und oft genug als jüdisch-auf- ״fndes Moment gewertet werden muß. Ln /weik-s Motiv der Attraktivität einer Gruppe für die 1"hrc ist d ,1 n » gegeben, wenn die eine Gruppe, die in diesem Mb stets Minderheit ist, nicht auf alle sozialen Schichten dem 8Mmalen Zustande entsprechend verteilt ist, sondern w'«nn diese Gruppe auf die abgeleiteten Funktionen der Volkswirtschaft beschränkt bleibt. : viele l.ebeiisbezieliungeii werden eben von denjenigen be- 71״t,di<׳ im engeren Sinne produktiv Schaffende sind, d. 11. von .'׳ grolle» Zahl der — zugleich Konsumenten darstellenden — ׳ Wuzcnte״ in Landwirtschaft und Industrie. Der Kaufmann ",1י auch der geistige Werte vermittelnde Mensch ist gc/.wttn• '111, sielt 11,ach diesen Schichten auszuriclitcn, und er nimmt äh'rMcs Sv1״hol der Angüedmmg! - sehr bald ihre Sprache 11111 sieh mit ihnen zu verständigen, was zur Erhaltung >1 lflfr Existenz, ja unbedingt erforderlich ist. < Ei» diittes. Element der Anziehung bildet dann dh! Tatsache, daß von mehreren Gruppen die eine staatsbildend ist. t , \'.r ויין stets SO, daß der Staat als das Zentrum der poli• .1״eil Macht für jeden, der in seinem Territorium lebt, eine uj״. Attraktivität besitzt, und daß es nicht allein zweck- 1Ä.sondcr" a״c11 vom Gefühl her geboten ist, diesem wJ l 'c״c*ctl Element zuzustreben. Der Mensch als zur Oe- *hebt - 1‘1l11 zur Formung des Lebens berufenes Wesen jm | . ^*■11 n« I*׳■״•. 1 die e f g c n e n O r g a 11 i s a t i 011 s f o r ווו c n der sich nssimiliercuden Gruppe gelockert und ihres Inhaltes entleert werden. Wir sehen z. B., wie die j ii d i s c h c G c m e i 11 d e in Deutschland aus der alten Kchillali, die fast alle Lcbcnslunktioncn ihrer Mitglieder umspamitc, zur Synagogengcmciiule geworden ist, ilic sieh zurzeit ihres stärksten Verfalles in der Hauptsache mit religiösen 11ml höchstens einigen charitativen Aufgaben bcschäftigic. Zu diesen drei Elementen der Attraktivität kann min als viertes ein kultureller Faktor liiuzutrctcn. Dieser ist allerdings an besondere historische Umstände gebunden und wird dann wirksam, wenn eine Minoritlitsgruppe in einem Milieu lebt, das kulturell besonders Intensiv bcweßt Ist. Die Zeilen des geistigen Umbruchs sind naturgemäß äußerst anzichungskräftig fiir alle, die an sieh außerhalb dieser geistigen Entwicklung stehen, aber von ihr durch die Kraft der geisti• gen Neiiformung angezogen werden. Dann entsteht auch in Gruppen, die auf eine alte, in sieh gefestigte und reiche Killtiin'ntwkUlung zmiiekbliekeu, die Bereitschaft, diese Werte zugunsten des Neuen, noch nicht völlig Uchcrschbarc n a 11 f z u g c b e n, das sich dran Ben gestalt et. Die Lage der Juden, die um das Jahr 1800 aus dem Ghetto hinaustraten und in eine Welt der stärksten Bcwcgimg gerieten, in der gesellschaftlich und kulturell ein neues Element zum Durchbruch gelangte, wird durch diese Ersehe!- nung gekennzeichnet. So stellt sich 1ms die Assimilation einer Ortippc als nattirlieber Prozeß dar, in ihren Einzelheiten geformt durch die jeweilißen ,Motive, die die Attraktion an eine andersartige Gruppe bewirken. Aus diesem ״natürlichen‘‘ Vorgang kann nun eine Ideologie erwachsen, die die Bewegung bewußt vorwärts treiben will und Ihr dann neben der Ver- Stärkung des Tempos auch ein ganz eigenartiges Gesicht gibt. Die deulsclien Juden haben eine solche Ideologie der Assi* milatiou aufs feinste ausgearbeitet und sind damit Lehrmeister aller jener Gruppen des jüdischen Volkes geworden, die den Weg der Auflösung bejahen, Wir finden eine Reibe von eigentümlichen Merkmalen, die diese Ideologie charakterisieren. Das erste und wichtigste Kennzeichen ist eine Vorwegnahme des Endzustandes, der durch die natiirllchc Entwicklung clntrcten kiinntc, den man als Idealfall auffaßt und von dem man behauptet, daß er bereits eingetreten sei. Aus dem Judentum wird auf diese Weise eine bloße Konfession — allerdings auch nur im Sinne eines judaisierten ״Protestantismus״ — oder etwas später ein ״Stamm“, den man nach Möglichkeit auf eine Ebene mit anderen deutschen Stammen setzen möchte. Man bemüht sich damit festzustellcn, daß der Prozeß der Auflösung bereits zu — allerdings nur nahezu! — ICK) Prozent durcligefuhrt sei. Doch man entschließt sieh nicht Ranz, diese 100 Prozent wirklich zu zugestehen. Und damit sehen wir ein weiteres Kennzelchcn dieser Assimilationsideotogic. Sie wird nämlich trotz, allem durch chic Scheu vor der Selbstaufliisung gekennzeichnet. Man will zwar ein denaturiertes Judentum erreichen, aber es soll doch immer noch Judentum bleiben und nicht völlig Aus dem Inhalt: Fahrt Ium Totcn Meer — Huber- . mann über Palästina—Die Formen• weit de» Scbabbath — Berliner Aerzte und Judenfrage — Mit Flugzeug und Tonfilm-Kamera in Erez Israel — Berichte aus Paris und Warschau — Purim• Aufführung des Kulturbundes (Bilder). Im ״Literatur-Blatt“ u. a.s Zu Heines ״Rabbi von Badiarach" Jüdische Inhalte. ״Sport-Rundschau“ (mit Bildern). ״Berliner Rundschau‘1 Hebräischer Fernunterricht Reichsverirelung (Jeöcn SpaUungsversuche Die ReichsverlreUing der deutschen Juden hat In einer Erklärung gegen die Spaltungsversuchc Stellung genommen, die in der letzten Zeit von gewissen Gruppen, Insbesondere mit Hilfe von Veröffentlichungen In der Zeitschrift des Rclclislnindes jüdischer Frontsoldaten unternommen worden sind. Wir geben die bedeutsame Erklärung auf S. 3 wieder. Die Unterredung Weizmanns mit Mussolini Fesfempfang der Jüd. Gemeinde Rom tßr Wclzmamt Rom, 28. Februar. (J.T. A.) Dr. Chaim W c i z. mann, der sich auf der Durchreise nach Palästina ln Rom aufhielt, ist vom Ministerpräsidenten Mussolini In längerer Audienz, empfangen worden. Die Unterredung galt In erster Reihe Fragen, die die aus Deutschland ausgewanderten Juden mul ihre Seßhaftmachung In Palästina betreffen. Ministerpräsident Alussolini erkundigte sich mit großem Interesse nach Fm/ellicifen der allgemeinen Lage In Palästina und bekundete anläßlich der Erörterung von Problemen der zionistischen Aufbauarbeit aufrichtige Sympathie lür die jüdischcn Erneticrungsbcstrebungcn. Zu Ehren Dr. VVciz.manns veranstaltete die Jüdische Ci «mcl n d e R o m einen F c s t c rn p I a n g, hei dem der Vorsitzende der Gemeinde, Ing. Rccanatl, und der Vlzepräsldent der zionistischen Ortsgruppe Rom, Ing. Mincrbl, An- 8pradien hielten. 2205 Juden im Januar nach Palästina eingewandert Jerusalem, 28. Februar. (J.T. A.) Soeben werden die amtlichen Einwandcrungszahlcn für Januar veröffentlicht. Danach sind in diesem Monat insgesamt 2278 Personen, unter ihnen 2205 Juden, nach Palästina cingcwandert. Von den jüdischen Einwanderern gehörten 285 der Kapitalistenkategorie an. Mit ihnen kamen 271 Angehörige ins Land. 143 Touristen erhielten Nicdcrlassungserlaubnis, 45 Personen wurde die Niederlassung verweigert. in dem Sinne aufgchcit, wie einst die 10 Stämme aus dem Buch der jüdischen Geschichte aitsgclöscht worden sind. Diese Scheu vor der Sclbstaaflösiing finden wir schon bei einem Mann wie David F r i c d I ä!1 d e r, der bereit war, die Taufe zu nehmen, aber die Befreiung von der Anerkennung gewisser Dogmen des Christentums verlangte mul damit in der Christliehen Gemeinschaft doch wieder eine Erhaltung des jüdischen. Kreises bezweckte — mochte ihm diese Tatsache auch nicht bewußt sein. Und diese Erscheinung, daß man eine gewisse Reservatio mentalis mit dem Willen zur Assimilation verbindet, finden wir bis in unsere Tage hinein bei denen, die diese Ideologie akzeptieren. So hat Max Naumann seinen Verband gegründet, der eigentlich als jüdische Gruppe, getrennt von den anderen Teilen des deutschen Volkes keinen Sinn hat, und imillte ihn doch als eine jüdische Gruppe schaffen, damit wiederum ein Instrument des jüdischen gesellschaftlichen Zusammenhaages bildend. Und ein Constantin Brunner behauptet zwar, daß das Judentum ganz, und gar aufgelöst utul entleert sei, aber er muß, auch wen» er den Namen ״Jude“ für sich ablelint, doch das Wort von der ,,jüdischen Abstatnmung“ in seine Definition dessen, was wir Jude nennen, hinentnehmen. Hier zeigt sich eben, daß auch in den Rahmen einer Assiinilationsidcologic ein Element der E r h a I - tu 11g sich cinschlcicht, das — mag es noch so abgcblaßt sein — aus der Lebenskraft und dem Lebenswillen einer jeden Gemeinschaft heraus entstellt. Ein weiteres Kennzeichen dieser Haltung ist dann die Idealisierung der Umwelt. Sic ist cs, die die eigene Wertskala beherrscht, und wird darum sehr bald in alle» ihren Lebeitsbezichungei! 111־ dem absoluten Wert schlechthin. Assimilation ist ja stets auf etwas Gegenwärtiges hin orientiert, sie ist in stärkstem Maße diesseits gebunden und glaubt, im Leben einer bestimmten Generation sei eine entscheidende Kraft verborgen. Darum setzle man den Liberalismus als den Endzustand der gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung an in dem Sinne, daß einem die liberale Welt «als das denkbar höchste Produkt der menschliche» Entwicklung erschien. Und entsprechend wurde der Rationalist» u s, dem man begegnete, als man die Mauern des Ghetto verließ, als Spitze der geistigen Pyramide empfunden, hinter der keine grundsätzlichen Neuformungen geistiger Haltung mehr möglich sind. Dabei ernp* fand man gewiß instinkiiv, dal) Liberalismus und Rationalisimis mit ihrer Lehre von der ״Gleichheit all dessen, was Menschen,antlitz trägt“ und mit ihrer Auflösung liistorischer mul kollektiver Bindungen die Voraussetzung dafür sind, daß Juden aus dem Leben der Gebundenheit im Ghetto befreit werden. Es war also keine N ii t z. I i c h k e i i s Erwägung, die die Juden zu dieser Idealisierung der Umwelt bewog, sondern eine richtige Empfindung für die Voraussetzungen ihres Weges in die offene Welt. Wenn seit* dem jüdische Gruppen stell teilweise anderen, auf die Schaffung eines ״gebundenen“ Lebens gerichteten Bewegungen »!!geschlossen haben und wiederum zu einer Idealisierung dieser neuen Umwelt gelangten, so darf man nicht verkeilneu, daß cs sich bei diesen jüdischen Gruppen um Mensehen handelt, die bereits die erste Stufe der ״liberalen“ Assimilation durchgcmaelit hatten und dadurch erst fähig wurden, diesen neuen Weg zu beschreiten. Jedenfalls ist es dazu gekommen, daß Juden damals, als Liberalismus und Rationalismus jung und umkämpft waren, an der Front der geistigen Bewegung ihrer Zeit standen, daß sie aber in einer Epoche, die längst eine neue Basis des Denkens und Handclns gefunden hat, zumeist noch bei Vorstellungen und Be- I

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