Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 17 (27.2.1934)
- Date
- 1934-02-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 17, 27. II,!934 für mit mimlcr z,־!Innen Geschieht sarten kaum so leicht fertig wird. Die Zweifel an dem Uebergewidite <ler Kultur fuhren zu einem fortwährenden Suchen, dessen vortreff• liehe 1 Ergebnis, eine soziologische Katcgorlenlehre Ist, die bc/cicluiemh•rweise den Titel ,,Ideen zur Philosophie der K 111 tu r“ (ulirt. Nicht im K1lt'[1׳*, dem Keinen vergebens sein Geheim■ nis;1b/11l;msehen sucht, sondern Im Wirbel der russischen Revolutionen wird ilini die I 1 kennt nis zuteil, da fl (ieschichte lind Kultur immilhi’bbar v e r s c 11 i e d e n 1׳ Ur• und Gruiulfflrmtii des menschlichen Lebens, daß sic Wirktmgs/usauuneiihänge eigener Art sind, deren 1111• überbrückharcs Nebeneinander In den Fpoclicn historischer I loclispannlinken und kultureller t Imslelhmgcn besonders klar zutage tritt; dal) sie Lchcnskomplevc sind, deren Verneinung ziiiii Untergang, /um physischen Tode fuhren muH. Koigeu ertrag( das nunmehr enthüllte Antlitz der Geschichte nicht; er fliieldet unter I chensgcfahr aus dem bolschewistischen Rulllaiid, 11m den Kiilturmensclieii und das Individuum in *Ich zu retten. Von dieser Geschichte fuhrt ein Weg zum Indent u m zurück, zum paradoxen gesehiclitslosen Volke der üc• schichte, das fast zwei Jahrtausende lang (ksehiclite nur erlitten, nicht gemacht und sein Haus bloß aus Hausteinen seiner Kultur errichtet hat. Koigeu erkennt wohl, daß ,,cs im historischen Tun vornehmlich auf das Bis-zu-Ende-gchen• Wollen mul •Können iinkommt'‘, aber er stellt sich zugleich die Frage: ״Dürfen wir Juden bis zu L.mle gehen, können wir cs?•‘ Zwischen dieser in den ״Apokalyptischen Reitern1‘ aufgeworfenen Frage und der im ״I lause Israel" gegebenen Lösung stehen die einzigartigen Untersuchungen über ״de• schichte und Kultur“ und ״Ueber letzte Fragen «ler Historie‘‘; sie bieten eine ungeheure Fülle von Erkenntnissen und stellen schlielilich einen Vorstoll in das Hereieh der ״vorletzten Dinge" dar, um an den gemeinsamen Uripicll von Geschichte und Kultur, an das primäre Geschehen, hcran/ukoinmen. Auch der ״Aufbau der sozialen Well“ setzt diese Linie fort; sein Gegenstand ist der primäre, noch nicht in Geschichtliches und Kulturelles geschiedene soziale llamllungsvorgaiig._ Koigeu steht in diesen Werken sichtlich vor einem Zaun, über den er nicht hinweg will oder kann, über den er aber weltweit hinaussebnut. In seinen letzten Jahren hat Koigen in jeder Hinsicht, in religiöser wie in nationaler, nun posi• tiven Judentum zuriiekgefunden, obgleich er freilich in den Gnnulelementen seines Denken» stets zutiefst jüdisch war, Koigen ist jetzt mit unendlichem Fleillc daran gegangen, die Bibel, die Wissenschaft des Judentums kcnnen/ulcrnen. Er wollte eine I listoriologic und eine Historiosophie der jiidi* scheu Geschichte seinem Volke schenken. Frez Israel, wo• hin er innerlich schon längst heimg cfunden hat, wühlte er zur Sliitte seiner Arbeit au diesem Werke. Koigeu erkannte nunmehr die Grolle, die in dem Teilhaben an der Ge• schichte des jüdischen Volkes liegt, voll und ganz an; *einen einstigen Standpunkt, die Hypertrophie des Gemeinschaft»• nrin/ips im Judentum, seine Konstruktion über ״Tragödie des Judentums“ hat er längst überwunden und nbbcscliworcn. Lin Stück Tragödie lies Judentums, in einem anderen Sinne als Koigeu gemeint hat, liegt darin, dall ihm David Koigeu in dem Augenblick entrissen wurde, in welchem er der Ge• schicldc, um die er in einer fremden Welt ein Leben laug vergebens gelungen lud, im eigenen Volke habhaft geworden und an ihr persönlich leil/uiu'hmcn bereit war. »fl יי^ m:*m *41411 In der Sitzung des Beiräte» der Rclchsvertrelimg der deutschen Juden am II. Februar hohen, wie wir berichteten, die einzelnen Organisationen sich neuerlich zu einer soliduri• sehen Z.nsainmeiiaiheit im Rahmen der Reiclisvertretung ver* pllichtet. Auch der ״R c I c h » b u 11 d Jüdischer Front- Soldaten", mit dessen zweideutiger Politik gegenüber der Reichsvertrelung wir uns bereits mehrfach beschäftigen muflteii, hat in der erwähnten Sitzung eine Solidaritätscrkiiirimg ahgegeben. Wie Jedoch diese Organisation ihre Ver■ pfliciitungen gegenüber der Reiclisvertretung miffaflt, geht an» einem Artikel hervor, den der llumlesfiihrcr des 14, I. F. in 1U sseii Vereinsblatt ״Der Schild" veröffentlicht. Es heißt darin: ״|)cr Kjl'. Mclit die■ (öimdl.ig1' seiner Arbeit In einem reitla.cn Itcki'imlnb *ur drtiNekeu lleiinut. Kr hat kr 111 Ziel mul Stieben mitte rlmll! dir,er deutschen 110111111 und wendet »ich »11(» M־li.11Ule gesell jede lie»treliung, die ult» deutsche Juden in dieser deutschen Ilein1.it in eine ITenHlitclIimB bringen will. Er glaubt;ui, 11, daß auf dimer ('.inmlliige und im Kidimcn des heutigen St,mir» iiml ׳.einer licilligen (ie-etie eine 011 reut 1 nft 1• Utfricdimg der jüdischen Kragen in Drinsehluud tluiehlülirhur ist, Von diesem Slandjtiinkl erseheint cs Ulla 11U » g r s C 11 Itm c II, mil jiidlsehm Organi-.iiionen, die mil einem anderen Standpunkt stehen, in Fragen, hei denen dir (!csl.illung de« Verlädtui»««?1! denlsetier Uinwrlt, m deutschem Volk und Staat in Urirachl kommt, lu-ninmeiiiiigrhrn. Ks erscheint uns dnlicr mieh tt »1 111 ö g 1 i e 11, daß die Keielisvertretung eine r.c»»n1tvrrtretm1g der deutschen Juden auf diesem (ir biete iiliernfhmen kann, solange in ihr t>ci der Behandlung dieser!,'rtigen versehicd.’mirlig, I» outgegrtig,•.ritt ringe«trlllc, Kichmngrn gleicherweise Kinlluü au«- tlbfil kdimen.“ Wir wissen nicht, ob der R. J. F., wenn er »Ich ״aufs schärfste gegen jede Bestrebung, die 1111* deutsche Juden zu dieser deutschen Heimat in eine Freindstcllung bringen will", wendet, damit zu den bekannten Bestrebungen des National• Sozialismus mul zu einem Teil der deutschen Gesetzgebung Stellung׳■ nehmen will. Wir müssen leider vermuten, d»ll der R. J, F. mit dieser Aeulterung eine Abgrenzung innerhalb des j ii d i s c 11 e n Lagers vornehmen will. Gegen diesen Versuch mutt protestiert werden, und wir hoffen, daß die R c i c h s v e r t r e 11111 g, deren Autorität durch die letzte Tagung entsprechend gestärkt worden Ist, solchen Auslassimgen mit aller Entschiedenheit entgegentreten wird, Diese Kund• gcbiing des R. J.F. bedeutet nicht nur eine Erschütterung der ganzen Basis der Reiclisvertretung, sondern beweist auch eine völlige Verkennung der Situation der ,imi.ri Juden. Der R, J. F, will 11 ie Relelisvertretung zu einer Wd'h tätigkclts/entr.de hcruiitn drucken. In Wahl heit scheint! ’ die Haujilaiilgahe der Rrichsvcitrehmg gerade die ״, die der R, J. F. ihr streitig maclicn will, nämlich die Sor׳■' um die staatsbürgerlich e Stellung (| f r (!c f scheu Juden Im neuen diutsehen Staat, Ls gellt hier n1r;* um riuorini, um die man sich früher in ruhigercri ZötV. Innerhalb des jüdischen I ngcre streitcn konnte. Heute k'tC|'n wir vor Realitäten, Darum kann es nur eine ei n I! 11 e 11 e link• der Politik gehen, die durch die Tatsachen . ' geschrieben Ist, Der neue deutsche St,ul, der das W.isse״״, . zip zu uneiii Dcstaiidicil der Gesetzgebung gemach! I14 u.j der seine gesamte Kulturuml Lr/ielitiiigspoUtik auf ein״ bintgebundenen völkischen Wcllnnschatuiiig aufh.iut, betr 1chtf die A 1! d e r sa rt 1 g k e i t der Juden als feststehend. Ha ״ Juden an den Grundlagen des Staates nicht rütteln kr, so kommt es darauf au, die Stellung der Juden als Staat, hürger so zu verankern, dall ohne Antastung der Staat-. iiltercMcn . unsere Lebensbedürfnisse erfüllt werden. (Irrade wir Zionisten, die stets die Gefahren einer I1enmu111״0|»״! Assimilation erkannt linbeit, waren der Ueherzcuguna ,u״ wir unsere richtige Stellung ini Staate nur als bewußt, Jude n finden können. Das deutsche Volk hat unzweideuti״ zu erkennen gegeben, daß cs seine Angelegenheiten nicht von Juden tfduhrt scIhui will, AU Juden, die sieh ihrer Anders, artigkeit bewußt sind, glauben wir —und gerade Hie ,,Jüdische Rundschau“ hat dies seit einem Jahre mit allem Naclulruck vertreten — daß unsere Cinglicderimg in die neue deutsche Staatsordnung möglich ist. Lin seinem Judentum treuer ungrtarnter Jude muß auch für den neuen deutschen Staat ein besserer Burger sein als ein getarnter, imicrlich haltloi gewordener Jude. Wir glauben, daß die Postuhitc, die sich aus dieser Situation ergehen und die zuletzt von Dr. Frist Meyer in Nr. 11 der ״Jüdischen Rundschau" dargclcgt «׳»!, den, tatsächlich a I I e 11 d e u t s c 11 e n Juden heute gt, meinsani sind. Die Reichsvertretung bat daher eine klirr A k t i o 11 s I i n i c. Vor allem muß die Reiclisvertretung sich aber gegen den unfairen Versuch wenden, von jüdischer Sehr eine Diskriminierung zwischen Juden ein treten zu lassen — ,״ן Verfahren, das unabsehbare Folgen haben kann. Wir können — insbesondere nach der letzten Sitzung -- nicht aunchniM, daß die Reiclisvertretung in dieser Frage, die die Frage ihre! Seins oder Nichtseins ist, anderer Meinung Ist, und wir glauben daher, daß die aus dem hier zitierten Artikel d« RTF, sieh ergebenden Zweifel 80 schnell wie möglich gt. klart werden müßten. Zur Lade in Oesterreich Der Bürgerkrieg in Oesterreich bat, wie uns aus Wien geschrieben wird, in verschiedenen jüdischen Zeitungen ins• besondere Pt■ len 8 und an.lerer östlicher Länder zu uurieh• tigen Darstellungen bezüglich Ger Lage der Juden An• laß ergeben. Wir 11ahin schon häufig den bedauerlichen Zitsl,irnl geißeln müssen, daß ein Teil der jüdischen Presse jedes Vorkommnis zu Sensationen ansscblaebtct und auch bei der Darstellung von Ereignissen, die für die Juden sehr ernst sind, tl u r e 11 m a III o s e U c h e r t r c i b u n g c n die j i'i d i s c h e S a c he ko m p r o m i 11 i e r t. Was nun die letzten Berichte über das Schicksal der Juden in Oesterreich betrifft, so hat die ״Jüdische Rundschau“ bereits in ihrer Ausgabe vom 16. Februar auf Grund direkter Mitteilungen aus Wien feslgestellt, daß die österreichischen J11 d e 11 als s o 1 e 11 e nicht i n M i 11 e i d e n s e 11 a f t g e zogen worden sind. Tatsächlich hat auch die anti■ semitische Agitation in den tragischen Auseinandersetzungen gar keine Rolle gespielt. Ls bat den Anschein, als ab gewisse jüdische ZeitungskorrespondeiiUm es geradezu als Kränkung empfänden, wenn es bei einem solchen Anlaß nichts Trauriges über die Juden zu berichten gibt. Die letzten Erklärungen der maßgebenden Persönlichkeiten der österreichischen Re• gicruug haben auch ausdrücklich wieder hervorgellaben, daß die jetzt au der Macht befindliebe I leimwehrbewegiiiig voll Rassciianliscmilismus vollständig frei ist. Daß, unabhängig von der letzten blutigen Entladung, die Juden frage in Oes t e r r e i c b zur Diskussion steht und daß von verschiedenen Gruppen eine Einschränkung der Rechte der Juden gefordert wird, ist in der ,Jüdischen Rundschau‘‘ gleichfalls bereits berichtet worden. Wir haben aber hervorgehoben, daß' die maßgebenden Führer der österreichischen Juden überzeugt sind, daß die Regierung die Rechtsstellung der Juden, die auch im Friedensvertrag verankert ist, wahren wird. Wien, 23. Februar. (J.T. A.) Vor aiigb-amcrikanisclicn Journalisten hat sich Bundeskanzler Dr. Dollfuß über die Stellung der österreichischen Regierung zum A » 11 s e mit i s• 111118 geäußert. Hierzu wird von Regierungsscite erklärt; Bundeskanzler Dollfuß hat gestern vor den anglo-aincrikani• sehen Pressevertretern auf eine Anfrage erwidert, die österreichische Regierung stehe nicht auf' dem R a s s e 118 t a n <1 p 1111 k t e und sei auch nicht antisemitisch. Die Regierung denkt nicht daran, inner• politisch eine Acnderung im Sinne des Arierstaudpiinktcs eintrcten zu lassen. ________ Da» Judentum in der Sowjet-Union Der Direktor der Deutschen Hochschule für Poli• tik, Dr. Bruno I*. Kleist, hielt vor Schillern lind Gästen der Selmle einen Vortrag über ״Nationalsozialismus und Bolschcwismus“. Zum Seid tili seiner Ausführungen kam Dr. Kleist nach dein Bericht des ,,Berliner Tageblattes“. vom 2-1. 2, auch auf das J u d c 11111111 in der So w j e t u 11 i o 11 zu sprechen. Er hob hervor, daß man hier die verschiedensten Meinungen höre. Auf der einen Seite wird behauptet, daß die Führerschuft des Sowjetstaates zu 95 ״;« aus Juden bestehe, auf der anderen Seite werde von Juden gesagt, daß der Prozentsatz, der Juden in der Führerschaft Rußlands vollkommen normal und nicht höher sei, als in vielen anderen Ländern der Welt. Genaue Erhebungen hätten aber mm ergeben, daß der tatsächliche Anteil der Juden an der Führer- Schaft Rußlands 36—40 0׳״ betrage, dabei dürfe man aber nicht vergessen, daß vielfach in einflußreichen Komitees lind Gruppen bei weitem mehr Juden als Russen säßen. Als eine Auswirkung dieses Zustandes könne inan beispielsweise das Ergebnis eines kürzlich in Rußland ausgetragenen inusikalischru Wettbewerbes werten. Zwölf Bewerber seien preisgekrönt worden; dieses Dutzend habe aber durchweg aus Judea bestanden. Der jüdische Anwalt Aus Kreisen jüdischer Anwälte wird uns geschrieben: Die ״Jüdische Rundschau" hat schon mehrfach darauf hin* gewiesen, «laß nach der ntminehr erfolgten und gemäß Er- Klärung des Reii lisjiistizkommi uirs und anderer Regicrungsmitgliciler als abgeschlossen zu betrachtenden Regelung die jüdischen Anwälte in ihrer Bcriifsausübuug In keiner Weise gestört werden. Der jüdische Anwalt, der zur Vertretung zugclasscn Ist, kann die Interessen seines Mand,inten vollständig wahren und findet vor allen deutschen Gerichten ein völlig objektive* Gehör. Leider kann man je- «loch die Beobachtung machen, daß jüdische Mandanten zuweilen der Meinung sind, daß Ihre Interessen bd nicht* jüdischen Anwälten besser aufgehoben sind als bei jüdischen. Durdi ein solches Verhalten von Juden, die unter anderen Umständen jüdische Anwälte beschäftigt hätten, wird ein eigentümliches l.iclit auf das mangelnde jüdische Selbstgeht hl der Betreffenden geworfen. Zugleich aber «Irückt sich darin aurlt ein Mißtrauen gegen die erfolgte Regelung aus, das in keiner Weise berechtigt Ist. Die Erfahrung zeigt, daß jüdische Rechtsanwälte nicht nur in Zivilsachen, sondern auch in Strafsachen völlig unbefangen auftreten und die I n t c r c s s c 11J 11 r e * Klienten walirnehmen können. Der Titel Rechtsanwalt a. D. Vor dem Berliner Amtsgericht hatte sich, laut ״Voss. Zeitung" vom 23. L, ein nichtarischcr ehemaliger R e c 111 s a n w a 11 wegen unlauteren Wettbewerbs zu verantwarten. Der Angeklagte hatte Rundschreiben verschickt, in denen er mitteilte, daß er Häiiserverwaltungen zu übernehmen bereit sei, und für diese Rundschreiben Kopfbogen mit seiner alten R c c h t a a n w a I ts f I r nt a verwandt. In einem!■'all Unterzeichnete er das Schreiben auch als Rechtsamvalt. Der gleiche Fall hatte schon mehrfach deutsche Oerichte beschädigt, zuletzt das Oberlaiulesgericht Gelle, ln der Verhandlung bezog sicli der Berliner Fnehdc/erneiit für unlauteren Wettbewerb auf dieses Geller Urteil und äußerte, er habe keine Bedenken, wenn ein auf Oritml des Aricrparagraphen ausgesehiedeiicr Anwalt sich Rechtsanwalt a. D, nenne. Keinesfalls sei der Gebrauch de* Titels aber zu billigen, wenn er allzu betriebsam zum Kundenfang oder zu Reklamezwecke n ausgenutzt werde. Juden als Kolonisatoren Bei der Londoner Tagung des E in i g r a n t f n h i 11»• Werkes hielt Dr, W e i 1 m a 11 n bekanntlich eine Rede, in der er sich 11. a. mit den verschiedenen Projekten brselialtigte, Juden in irgendeinem neuen, noch unbesinitlten Lande, etwa in Afrika oder Amerika, anzusicdeln. Dr. Weilmann wandte sich gegen derartige Projekte, da ein Lind erst vorbereitet werden muß, bevor Menschen wie die tleutscheu Juden «ich in ihm uiederlasseii können. Als Am• nähme be/cichnete er etwa Argentinien, wo die lea 50 Jahre lang erfolgreich gearbeitet hat. Mit diesen Ausführungen Dr. Wci/tnmms bescluMgfe sieh nun der ,,Völkische Beobachter“, Muiuhrn, in seiner Ausgabe vom 21. Februar. Unter Hinweis aut die Arbeit europäischer Kolonisatoren in Iremden Ländern wird dort gesagt: ״l'.inc »olchc enl .,!guiig-vull(' l’ioitiei 1,11 igkrit c1>t«pr*111] luf dem W'rsro der Juden, lii'-imdrr» nirlit der J u« 1■■ 11, dir l);!11.ch- 1.1 ml verließen. Sic »ollrn und kannen nicht ,.im Sclw.'dl,• ihm AngcsichU‘ ntlicilen . . . (I'ulgl Zil.U «u» der Rede Dr. \\f.l• mnmi«. - Red.) Hä H ul.n Atgi'idiiürn Inneil» liiim i< I kul■ livicil iü, wird r. 1|,n (duck hdieo, jmli-ehe bmigMiitcn Mwbergen!11 dürfen!'1 זז"* scheint, dnß diese Charakterisierung der Worte Weizmamis an den wirklkhett Problemen vorbeigehl. Dr. Weizmanu wollte nicht etwa behaupten, daß die jüdischen Auswanderer aus Deutschland zu körperlich schwerer Arbeit ungeeignet seien. Wogegen er sich wandte, <1?־ waren nur die in gewissen jüdischen Kreisen vorhin• denen phantastischen Projekte von neuer Siedlung in Ländern, die bisher kaum bekannt waren. Wenn er dem• gegenüber die Arbeit in Argentinien und natürlich in erster Linie in I* a I ä s t i n a in den Vordergrund seiner Betrachtungen rückte, so bedeutet dies keine Absage in Produkt i v c, schaffende Arbeit, sondern Im Giegenteil die Möglichkeit, daß indische Auswanderer aus Deutsch■ land den Weg zur Arbeit in Landwirtschaft und Industrie finden. In der gleichen Rede wies Dr. Weizmanu darauf ״!״> daß nach seiner Schätzung etwa die Hälfte derjenigen׳ Beut• sehen Juden, die für eine Auswanderung nach Palästina ijj Frage kommen, junge Menschen sein werden, die gewillt sind, sich der Landarbeit zuzuwenden. Kleine Nachrichien Das Landesjugcndamt und Jugendamt Hamburg teilte den jüdischen Kindergärtnerinnen (Besitzerinnen von Kindergärten usw.) mit, daß ihnen nach den bestehenden Vorschriften, wonach die Erziehung und Pflege arischer Kinder nur durch Arier geschehen darf, die Erziehung und Pflege arischer Kinder untersagt wird. Bis zum 31. März, 1931 müssen die arischen Kinder *11» diesen Kindergärten «!!*geschieden sein. Vom Thüringischen Justizministerium ist eine Verord• mnig über die Zulassung von l’roz. eßagenten veröffcntlicht worden. Von dieser Zulassung sind ausgeschlossen: NiehUleufsohe, ferner Personen n Ichtarlseher Absta inmung und solche, deren Frauen nichtarischcr Ah• sf.rnmung sind. Für Frontkämpfer, die bis zum Inkrafttreten der Verordnung die Besorgung fremder Reclitsangclegenheilen vor Gericht bereits geschäftsmäßig betrieben haben und förmlich oder durch Hebung zum mündlichen Ver• handeln vor Gericht zugclasscn waren, können Ausnahmen in dem für Beamte geltenden Umfange zugelassen werden. Ausgeschlossen sind 11. a, Personen, die als Rechtsanwälte ausgt'sehicden sind oder als Rechtsanwälte nicht zugclasscn werden. Wie die ״Frankf. Zeitung" vom 24. 2. berichtet, ist nach einer amtlichen Mitteilung die kürzlich erschienene Geschichte der Stadt Lüneburg von Prof. Dr. Rcineeke auf Veranlassung des Geheimen Staatspolizeiamts Harburg-Wilhelmsburg hesehla״nahmt worden, und zwar wegen der Ausführungen über die Judenfrage am Schluß des zweiten Bandest Dieser Tage feierte der bekannte holländisch• jüdische Maler B*ruch Lope» de L c » 0 lagun* «einen 70. Geburtstag. 45 Jugendliche auf dem Wcfjc nach Palästina Die Enipfanßsvorbcreitungcn Aus einem bei der ״Jüdischen Jiigcndhilfe‘' und «Jjf״ Palästina-Amt in Berlin eingetroffenen Schreiben von ■1י Hcnrielte S/old (Jerusalem) vom 15. 2. 31: ״. .,. Ich war vor wenigen Tagen in Fn-Gharod, um ein Urteil über die Vorbereitungen zu bilden, die für die cp Aufnahme vqii Jugendlichen aus I )etüschlaiul gctrollcי ״1« ״ Aut Grund dieses Besuchs kam! ich Urnen die yasu'lif1״ * gehen, daß die Baracken, die für die provisorische l ך ' bringnng der Jugendlichen errichtet wurden, in jeder ' zichtmg ausgezeichnet sind. Sic sind gut gebaut, die 'י•' sind gegen Kälte und Feuchtigkeit gesichert, der hulint» ist sorgfältig belegt, und die Größe der Räume gleicht 1 ׳ die von der technischen Abteilung der Jewish Agency bfr ciulgülügcn Ihiterbringiuigsräumc vorgesehen ist. 01ף ... den Fitem volle Gewähr gehen, dall sie hinsiclithcl! vorläufigen Unterbringung ihrer Kinder keinerlei 1';.u zu haben brauchen, in Wirklichkeit Bandelt cs sie11 ״ um Baracken, sondern um ״Holzhäuser“. _ .... Die Schiflsgcsellschaft teilt mir soeben mit. dal ״Martha Washington" am Montag, dem 19. 2., in .1? ,,e. wartet wird. Alle Vorbereitungen für den Empfang *ina V troffen. En-Charod ist benachrichtigt. Der Vertreter Jewish Agency, der die Immigrations-Angclcgenhcitc! Haifa bearbeitet, wird anwesend »ein; ferner die Kupat ff. (Krankenkasse) und ihre Aerzte, die sich vergewissern den, daß die jugendlichen die Reise gut Ühcrstanaen n Außerdem stehen die Dienste gut aiisgcbikletcr Fürsorge nett zur Verfügung. Es ist meine Absicht, die Gruppe ן״ח( En-Charod zu begleiten und dort eint Reihe von Tagen ihr zusammen zu sein, um mich des Erfolg» der <י»זוז «tallierung zu vergewissern.“