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Jüdische Rundschau · 1934-01-26 · Heft 8 (26.1.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 8 (26.1.1934)
Date
1934-01-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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2!j 1.t33 jjr, 8 / Jahrgang 39 דיזווו ^nrl. 3ןוןן 6ו׳יו, * >i״״c fj ן".■.-,.;! ןץ,. .■.!■■«■;/?ן L, T'l ך r~1 n i ( ■5 \ ן l״״J V'‘.1 V w / / Pro!• RM -.23 »*r1nl*l‘'׳״<״V•1׳“» A»».l *M.vww.1»״»,, Bwll״ wis, 1a F(1״״|:S.״״^Nr Jm.״״ck318«,82 7,65/70,7240/« . ״ ,»״״,״״״״r0 mJ״., rMi-, P״ O1״״״ RM 5■75־־ ־ P1*״»ch«k-Kont«> d«r Ak(.nn.mem,.Al״1|,״n., ״ ,״״ M» 715-0(1«׳ Gr״S-B«rl|n>, B.rlto 17 392 (tUf d״ UM,״ R־kh)< AmUn*tm י חלצ ל ״**tal«״«״״׳ L»nde*wUtrun*. Er.d,.l״t J^.״ Dl״«״״* ttnd 1.״»«,; FREITAG, 26, JANUAR 1934 per Zlonltmu» erstrebt für da« JQdltcha Volk die Schaffung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten t,.j t u ג k 1 AnMlf«nl«rif 1 Di• 12g#«p*h»n• Mitlim«t«r-Z*iU RM. —,20, für 8t#llen*rsurlt* RM. —401 für F*mi!irnn»cl5richten RM• -J5- Eln»el*n?eißen nur ו*יןהן Vt1־*u«* Xfthiimg •uf Po«1»chpck-Konto Berlin 71618 oder in der Anrpigen-Annshtne Montif Vti Freitag 9—15־ Uhr. Annihmecehluft lür di« Dienitag-Auegah• Montag 10 Uhr für die Freltag-Auageb* Mittwoch 13 Uhr (FamiHenanreigen hi• Donnerstag 10 Uhr) Heimstätte In Palästina. ,,Baseler Programm" ' ml ־,״ff׳•« tn trn «« I m Ü •יי p!•״«*׳ ץ־"׳ r\( \ ך״י לו"יןן~ץ ( I : .{ . , 1 r '] > i i i j ii 1 W.-«i m lyi■ul iai 1d lw> ^czc1״bcr 1933, intensive Bautätigkeit. Noch nachts bei Lampenschein sind Vt’ic wirkte das heutige Palästina auf mich als d c ut s ch e Arbeiter am Werk, und der Mittclstock wird manchmal Christin? Ich will versuchen, davon so objektiv wie mötrschon von eiligen Mietern bewohnt, wenn noch oben das altrtlüg I W 50 1■ 1124 ״i׳t10״n4 ״*״fl. r;,K, "H "'lUnn, I, Sc Weid, .11»,ל ג •י f ißbl, z, l.M. ״<•׳*.־, D.vidiafi, Ir. 15, C,(h.i 1r Herr Dam! tnUiv’i, rt,!•»htivoiie »l«n. •il«147Rl, nuiim AiMrtm!**., ,-R״)m v j״. •rmlcten, ^3a H, Am. m*kmtr. 1Ö!immer f•!. *,*«I- *ptrttr. 15 , Um IttPf. N.1'1 «öhlx. Oil 63 i. Am• dtkeitr.!5 . Koml.-L SnrM״ P«t V• isan^h. di« An?.״ •krttr. 10. Itci» tltuhtl) 1 II—' .so M 1b«l' lieh zu berichten. Mir scheint nämlich, daß die meisten neuen jüdischen Einwanderer uiclit objektiv genug sind. Denn der probte Teil von ihnen kann es heute kaum sein, da er sich eilig in dein neuen Lande eine neue Existenz aulbauen muß ״nd deshalb mit seinen persönlichen Sorgen viel zu wenigfreien Blick haben kann, um die jüdische Arbeit im Land mit den Lebensformen des umliegenden Orients ruhig zu vergleichen. Und dann habe ich den Eindruck, daß es eine tiefe, ilfc Weisheit des echten Judentums ist, nicht zu schnell über die eigene Leistung zu jubeln. Nur so kann ich cs mir erklaren, daß die meisten Juden über das heutige Palästina nicht objektiv, sondern, wie ich glaube, viel zu kritisch urteilen. Ich weif), jeder Bericht wird schließlich subjektiv bleiben!missen, und ich hatte cs als Tourist viel besser als die Familien, die vom ersten Augenblick an für alle täglichen Bedürfnisse durch ihre Arbeit selbst sorgen müssen. Aber deshalb glaube ich doch auch, wenigstens einen Teil der Wahrheit gesehen zu haben und möchte ehrlich getreu davon erzählen. Ich bin von dem Eindruck des Landes und der jüdischen Arbeit in ihm vom ersten Tag an überwältigt gewesen. Schon auf der Reise erfuhr ich manches Lehrreiche. Der letzte deutsche Bädekcr von Konstantinopel (1911) betont, daß das dortige Jndenvicrtel Balat besonders schmutzig sei. In Wahrheit aber sind die sephardisehen Juden, die ja auch in Palastin,1 einen alten Grundstock der Bevölkerung bilden, und ihr Stambulcr Balat viel sauberer und freundlicher als zahlreiche andere Winkel der Altstadt am Bosporus. Auf der Pnnkipo-inscl fragte der Portier im Hotel meinen Mann nach seiner Religion für den Empfangs-Fragebogen. Auf die Auskunft Jude lautete die prompte, klassische Antwort: Mes compüments, je suis aussi juif. Der Portier war der Sohn eines »!!palästinensischen Arbeiters, mit einem höchst denkwürdigen, aber sehr natürlichen und sympathischen Selbstbewußtscin. Zu diesem Selbstbewußtscin aber hat der jüdische Arbeiter Palastas allen Grund. Man kann sagen: der jüdische Arbeiter hat bereits das neue Palästina auf gebaut. Was jetzt ge- Schicht und noch weiter geschehen muß, ist nur Sicherung und Itcilich ein dringend wünschenswerter Ausbau des Bishörigen. Dabei gibt es gewiß noch viel Gefahren. Aber keine scheint mir unüberwindlich zu sein. Schon in dem Hafen von Jaffa wird man von einem Sprachgewirr begrüßt; auf unseren kleinen Boot, das die kleine Strecke vom Schiff ans Land fuhr, wurde arabisch, englisch, französisch und hebräisch gesprochen. Aber man erlebt schon da, das schließt die Verständigung absolut nicht נm. Audi der arabische Arbeiter versteht ״tow tow“ usw,, und man kann seltsam die Lücken, die man in der einen Sprache 11,at, durch das Wissen in einer anderen stopfen. Dann Int man Bedenken, die Reisekoffer am Hafen einer kleinen f’ferdedroschke anzuvertrauen, obwohl sic billiger sind als Autos. Aber einer der sehr tüchtigen jüdischen Vertrauens- Ifutc beruhigt, die Straße nach Tel-Awiw sei gar nicht Iwlprig. Und er hat recht: sie ist viel besser als so manche in den westlichen Vororten von Berlin. Sie führt unmerklich ws dem malerischen, winkligen Jaffa in das brcitangclegte, funkelnagelneue Tel-Awiw. Man sicht belebteste Straßen, den Boulevard Rothschild, eine besonders schöne Allee mit zwei Baumreihen in der Mitte, aber gar nicht protzig, nur leicht gebaut, wie auch sonst die Häuser meist nicht eng ancin- 3״der gereiht werden, sondern Luft für ein Gärtchen oder mindestens einen Gang zwischen sich offen lassen. Man fährt mit dem Autobus zum Meer und braucht niemals lange auf 'men Wagen zu warten. Aber der sehr rege Verkehr wickelt *1{1י Ranz ohne die sogenannte ״jüdische Hast“ ab. Die Chauffeure besonders sind von einer imponierenden Ruhe und Sicherheit. Sie sind Fahrer, Kassierer und Ordner im Wagen Zugleich. Und gelegentlich ersetzt einer auch das Kinderkaulein. Fr nimmt, wenn der Wagen voll ist, ein Kind auf Schoß, und heute sah ich sogar einen, der als ein J| '''!Mich netter Spielkamerad einem Jungen seine Knipsznngc || ilr die Billette gab, damit er sich bei der Fahrt an einem fl Ml|ck Papier üben konnte. Zugleich wird streng darüber ge- || J3d1t, daß niemand im Wagen steht; wenn die Sitzplätze ij fdzt sind, heißt es: cjn makom (kein Platz mehr). Aber II!r a^cs "'irkt nicht pedantisch, sondern selbstverständlich 1 diszipliniert und geschieht ohne das Schreien und Schimpfen, || sonst besonders in orientalischen Städten üblich ist. I T1 Rer Strand des schon als mondän vielyerlästertcn p Pl-Awiw ist noch gar nicht gepflegt, man sieht noch die II «mldiinen in ihrer natürlichen Verwilderung, darauf Hutten ff 2י״״ Spiel für die zahlreichen Kinder, die mit,ihren Kinderpflnerinncn oft im Extra-Autobus hierher zup Erholung |>; kommen. Nur ein paar hübsche Hotels und Pensionen sind I 5™״n auf der vordersten Düne gebaut. Und davor im »*na, ״ den ganzen weifen Strand lang stehen sehr bequeme Liegei!?״Me mit einem praktischen Dach darüber gegen die Sonnen- H i1'״• Am Wasser lang ziehen oft Reihen von Kamelen.;1 faden mit Säcken von Sand und Baumaterial... Ideht und II!e1cN n«r getrieben von einem kleinen Araberjungen ziehen J| "■ iliren Weg. im Süden thront auf cincm J.£C,IC•" HS ff J[3, vor ihm die aniegenden Dampfer, das Bild eines sehr ,1 chl׳chfen, aber sehr schönen weiten Strandes, der durch *3 ff feinkörnigen Sand und nicht zuletzt durch das voll!ן ständige Fehlen der lästigen Moskitos getrost den Wett J ktwerb mit den beliebtesten Seebädern des Südens auf nehme? zumal da er noch in strahlendem Sonncnglanz liegt, : *enn a« der italienischen und französischen Rjvicra un f fst m Süditalien längst Regen und empfmdhehe Kuh gezogen sind. In der oberen Strandstraße aber, die J feCn Yarkonstraße erhalten hat (nach dem wasserre che [K der sich im Norden der Stadt in das Meer ergießt), ״״seht wie überall sonst in der äußeren Stadt e«e Dach und unten die Türen gehämmert werden. Trotzdem wird dieser Lärm vom Rauschen des Meeres übertönt, und er stört uns gar nicht, wenn wir weiter vorn nach dem Wasser zu auf das Zwitschern der kleinen Singvögel hören, die — wahrscheinlich auch aus pcutschland hicrhcrgcllogcn — iu den paar Tamarisken unseres kleinen Pensionsgärtchens den warmen Winter des Südens verbringen. Abends in der Stadt führt der Weg an der ganz stattliehen Oper vorbei zu der belebtesten Straßenkreuzung, Ecke Ailenby-Nachlat Benjamin, vielfach zum Spaß der ״Potsdatner Platz“ von Tel-Awiw genannt. Und dann steht man plötzlich hinter dem größten Hotel mitten in dem neuen kleinen Museum des auch ,geistig unheimlich rapid aufwachsenden Gemeinwesens. Und plötzlich vor einem Grünewald-Bild Lesscr Urys kommt doch ein Stück Heimweh in einem auf. Daneben gibt cs ausgezeichnete Licbermann, Chagall, Kisling, Cormtli, Outrilio, Lehmbruck, Pissaro, Kolbe, Signac, ja auch Vän Gogh, Claude Monet und den schönsten Josef Israels, den ich kenne, eine ungemein zarte und malerisch reiche Judenhochzcit, Dr. Karl Schwarz, der Direktor des Museums (der verdienstvolle frühere Leiter der Kunst- Sammlung der Berliner jüdischen Gemeinde) sorgt fast jeden Sabbatabend für eine neue Ausstellung, etwa des Belgiers Ensor und junger Palästinenser. Wie überall, so zeigt sich auch liier unter den Besuchern ein echter, hoffnungsvollster Ausgleich .der Stände. Es gibt bei den Eröffnungen dieser Veranstaltungen keineswegs nur kleine Gruppen kunsthistorisch Interessierter, sondern Vertreter aller Berufe, wie auch auf der Straße und in den Cafte das erfreuliche Bild herrscht: der Arbeiter im Arbeitskittel hat zugleich eine wirklich soziale, nicht nur politisch angesehene Stellung. Die eleganteste Dame reicht ihm gern Feuer für seine Zigarette; wenn er zur Arbeit in die Häuser kommt, ist er ohne weiteres Im Gegensatz zu den noch immer verbreiteten europäischen Anschauungen den bürgetlieh gepflegten Hausbesitzern gleichgestellt. Ja, besonders der Bauarbeiter verdient nicht nur recht gut; man sieht auch überall mit Stolz auf fhn und erträgt geduldig die Staub* wölken, die gerade von den reichlichen Baustellen aufsteigen’. Und trotz der ausgiebigen Straßensprengungen gibt es aller* dings viel Staub in Tel-Awiw. Doch schließlich haben auch alle Besucher Berlins noch um 1800 über den unerträglichen Staub dort geklagt, als die Stadt schon Hunderte von Jahren älter war als Tel-Awiw mit, seiffen erst höchstens 25 Jahre alten Häusern. Nur am Freitag abend bei Sonnenuntergang bis zum Abend des Sabbat, da ruht nach dem Wort der Bibel nicht nur der Knecht und die Magd, das VIth und der Fremde, sondern selbst der Staub Tel-Awiws, der sonst so ruhelose. Bel Sonnemmtergang des Freitagabend geht ein Mann durch die Straßen, der den Ruhetag ciubiäst. Dann sind auch die letzten Autobusse nach Hause gezogen, nur einzelne arabische Pferdedroschken fahren noch mit ihrem Geläut durch die Straßen. Es ist so still wie in den deutschen Städten nur am Heiligen Abend. In den Wohnungen werden überall die Sabhatkcrzcn entzündet, und erst nach dem Abendbrot promeniert alles wieder in der Stadt oder am Meer. Gestern waren wir in Ben-Schemen, dem Kinderdorf bei Ludd. An verstreuten hohen Palmen vorbei geht es vorüber an der blühenden Kolonie Mikwch Israel den Bergen Judas entgegen zu einer freundlichen Häusergruppe unter Bäumen und großen Kakteen. Das ist ein Paradies der Kinder. Siegfried Lehmann, der bewunderungswürdige Schöpfer dieser Siedlung, betreut hier über 300 Kinder von drei bis scchszclm Jahren. Unvergeßlich ist der Anblick der Kleinkinderzimmer mit ihren Nippes-Tischchen und Stühlen und der weiten Reihe von Znhnbiirstchcn in ihrem Anklelderaum, wo jedes der Kinder über seiner Bürste an der Wand, da es noch nicht schreiben kann, eine fröhliche bunte Zeichnung gemalt hat. Dann die ulkigen japanischen Hühner für die Kleinen, ein Zipfelchen Land, das jeder zu bebauen hat, und weiter die richtigen Arbeils-I laiulwcrksstätten der größten Schüler, die mustergültigen Stallungen, die Milchwirtschaft, die Bäckerei, die nur von den Mitgliedern der Siedlung bctrieben werden. Vor der Heimfahrt nehmen wir noch teil an der ״Sudah-Schelischit“, der 3״. Mahlzeit“, die hier nach clmsklischer Sitte noch vor dem Ausgang des Sabbats e|11genommen wird. In einem großen, luftigen, halboffenen Saal sammeln sich in der lauen Abendluft große und kleinste Bewohner des Kinderdorfcs, Es wird ganz dunkel, nur vorn am Klavier und der Geige flackert qin Kerzenlicht. Eine schöne, schwere Baßstimme klingt auf, die Gespräche der Kinder verstummen sofort, dann stimmen sie in den Sang ein. Schwermütig breit, und doch tief beruhigt und gefestigt, schwellen die Lieder an. Die Jugend eines uralten Volkes sammelt sich wieder auf dem Boden, aus dem man sie einst blutig ausriß. Wir können uns nur schwer trennen. In Tel- Avviw liegt wieder das Meer dunkclschwarz vor uns. Nur das Venusgestirn wirft einen richtigen blauwcißen, fahlen Lichtstreifen auf die Wasser. Es ist schon ein gelobtes, verheißenes Land. Wenn cs ihm doch gelänge, in dieser schwersten Sturm* zeit der Weltgeschichte Araber und Juden, Arbeiter und Bürger zu einem wirklich neuen und dauerhaften Leben zu einen! Carola Schmidt-du Rocher. . LEO BAECK , ■־•;־ setzt ln der heutigen Nummer •eine In Nr. 93/1933 der ״jild. Rundschau“ begonnene Aulsatzserk mit einer Betweh• tun/ ״Aristokratie" fort, Die heutige Lage des jüdischen Volkes hat den Drang nach Palästina außerordentlich gesteigert und die jüdische Ein- Wanderung nach Palästina im Jahre 1933 erreichte eine Rekord* Ziffer, die alle vorangegangenen Jahre übertrifft. Dennoch ist das Bedürfnis nach Auswanderung so groß, daß viele Juden, die in Palästina gegenwärtig nicht Aufnahme finden können, ln eine schwere Krise geraten, die auch in ihrer seelischen, Haltung zum Ausdruck kommt. In solchen Situationen neigen die Menschen dazu, ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen, ohne nüchtern die Realitäten zu prüfen. Kann man dies bei den Massen verstehen und ist es Aufgabe des wahren Volks* fiihrers, ein tröstendes Wort der Aufrichtung zu sagen, so halten wir es auf der anderen Seite für höchst unverantwortlieh, wenn sogenannte Politiker aus diesem Zustand politisches Kapital zu schlagen suchen und mib Aktionen hervortreten, für die sie sich im Gefühlsleben der Massen eine Resonanz ver- Aus dem Inhalt: Jüdlsehe Wanderung» * Probleme ■״....״— Um da« wort Hallelujah — Palastinensischer Bilderbogen — Neujahrsfest der Bäume Pariser Brief — Jüdische Stimmen aus der Zeit Beilacren: Sport — Berliner Rundschau — Jüdische* .. . Leben Im Reich Hebräischer Fernunterricht sprechen, deren Auswirkungen aber in der Welt der Realiläten höchst zweifelhaft sind. Aufgabe des Politikers, des Staatsmannes, ist es, die Realitäten zu meistern, nicht der ge״ fühlsmäßigcn Leidenschaft die Zügel schießen zu lassen. Die Palästina-Regierung hat in den letzten Wochen scharfe Maßnahmen gegen die sogenannte ״illegale“ Immigration eingeleitet. Alle an Palästina interessierten jüdischen Gruppen sind sich darin einig, daß die Methoden der Palästina- Regierung falsch und unzweckmäßig waren und daß die Regelung der jüdischen Immigration in Zukunft in einer anderen, den Bedürfnissen mehr angepaßten Weise erfolgen müsse. Vor allem fordern alle jüdischen Gruppen eine Erweiterung der jüdischen Einwanderung ge* mäß der faktischen Aufnahmefähigkeit des Landes und des jü* dischcn Arbeitsmarktes im Sinne des Mac Donald-Briefes an Dr. Wcizmann vom Februar 1931. Diese Ziele zu erreichen, bedarf cs eines großen Aufwandes an politischer Oeschicklichkeit, Klugheit und Takt, vor allem auch eines genauen Studiums der in den maßgebenden Kreisen herrschenden Orunclauffas* sungen, worüber man in den Dokumenten der englischen Re* gicrung, In den Protokollen der Mandatskommission des Völ* kerbundes und aus anderen Quellen sich ausgiebig informieren kann. Vielleicht wird man dann zur Einsicht kommen, daß bei Behandlung des Palästina-Problems kein Vorteil daraus zu ziehen ist, wenn man sich ein Bild nach eigenem Gutdünken zurcchtrmcht und es als politische Wirklichkeit vorträgt, sondern daß es gilt, den Schwierigkeiten des Problems ins Auge zu sehen und sie zu bewältigen. Vor allem kann man Palästina-Politik nur machen, wenn man außer dem jüdischen Gesichtspunkt auch die Position der anderen beteiligten Faktoren, also Englands und der Araber, vor Augen hat. Die zionistische Politik der letzten Jahre leidet gewiß alt vielen Unzulänglichkeiten. Sie ist meist den Tatsachen nachgehinkt, hat sich auf das Wachstum des Jüdischen Nationalheims verlassen, aber eine politische Konzeption, die auf einen Ausgleich der Interessen hinausläuft, wurde nicht geschaffen. Vor allem ist das Problem einer Auseinandersetzung mit den Immer stärker vom Nationalismus erfaßten Arabern in den letzten zwei oder drei Jahren wieder in den Hintergrund getreten, nachdem es 1929/30 die Gemüter in der zio* nfstischcn Bewegung stark erregt hatte, ohne daß man (Iber eine interne Diskussion hinaiisgclangt wäre. Mit dem Auf* scluib aber ist nichts gewonnen, wie die heutige Lage beweist. Nun hält» wie wir schon berichtet haben, die revlsionis fische Gruppe den Zeitpunkt für gekommen, um in einer großen Aktion hervorzutreten. Schon lange hatten diel Revisionisten angekiindigt, daß sie eine jüdische ״Petition“ planen, für die Unterschriften in der ganzen Welt gesammelt werden sollen. Das Exckutiv-Koinitee der revisionistischen Union in Paris hat nun die Petitions-Texte veröffentlicht. Sie will vier Arten von Petitionen durchführen: eine an den König von England, eine an das englische Parlament, eine an den Ministerpräsidenten des Staates, dessen Bürger die Pe* tition unterschreiben, und die vierte an das Parlament dieses Staates. Der Inhalt der Denkschriften entspricht ungefähr dem Briefe, den das revisionistische Komitee an den französischen Außenminister und an sämtliche Gesandtschaften in Paris gerichtet hat, worin die Mandatarmacht beschuldigt wird, Palästina in krassem Widerspruch zum Geist und zum Wortlaut des Mandates zu verwalten. Die Exekutive der J e w i s h Agency, die einzige formell legitimierte Instanz für politische Schritte bei der Mandatarmacht oder bei den Völkerbundsstaaten, hat, wie wir be* relts meldeten, in Aussicht gestellt,• •sie werde in einer ausführllchcn Erklärung In Kürze zu der Angelegenheit Stellung nehmen. Zunächst wird von der Exekutive nur mitgeteilt, daß sie die sogenannte Petitionsbewegung als ״unzweckmäßig und schädlich“ erachtet. Wie immer man die Frage beurteilen mag, das eine muß jedem denkenden Menschen einleuchten, daß nämlich eine politische i 1

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