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Jüdische Rundschau · 1934-01-23 · Heft 7 (23.1.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 7 (23.1.1934)
Date
1934-01-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Annahmcethluft für di• Dift(ttia!״Au«|«b• Maat«! 10 Ubr für dl• Freltng-Auagab• Mittwoch 13 Uhr (Famlilenaniaigtn bl• Donneret•! 10 Uhr)• P*r Volls Schaffu ng einer öfJontllchrechtlich gesicherten Htlnmtaü« In Pnllstln«• ״lissUr Progrcm ווו•• ן ן * ן j %\ r; , Tea ,reista nui I EK MK*0B »NE«• 9«», 1. K1.22»*. «thmi‘־ idicuffc Üufgalicn zionistischer Erziehung judenfrago und Zionismus Wer die Entwicklung der zionistischen Bewegung in Dciitscliliind im letzten Jahre aufmerksam beobachtet hat, kann neben der Tatsache des Anwachsens der Zahl der organisierten Zionisten und der großen Peripherie, die painmingsiniißig mit dem Zionismus und dem Palästinawerk sympathisiert, eines fcststellcn: Es gibt gerade unter denen, die unter dem Eindruck des Schicksals, das über das deutsche Judentum gekommen ist, die zionistische E,tscheidung für sich vollzogen haben, nicht wenige, die rat allem Ernst daran gehen, ihre Entscheidung zu- (;:eich als eine Hinwendung zu einem vollen, ungcbroche* : mn Judentum anzusehen, und die sich nicht mit einer rein deklaratorischen Haltung begmigen, sondern mit Verantwortung an der Fundierung ihrer neu gewonnenen! Anschauungen arbeiten. Gewiß kann niemand leugnen, j daß es auch Menschen gibt, die ״Konjunktur-Zio- : nisten“ sind und von denen man sagen kann, daß sie | hei der ersten Schwierigkeit, die sie persönlich in Pa- | listina trifft, oder bei der ersten Hoffnung auf eine Er* I lcichtenmg des jüdischen Lebens in Europa den Weg | des geringeren Widerstandes gehen und die zionistischen Reihen verlassen werden. Es ist aber falsch, wenn heute 1 von nichtzionistischer Seite und gelegentlich auch von J alten Zionisten gesagt wird, daß die große Zahl derer, j die neu in unsere Reihen eintraten, dieser Kategorie zuzu« j techren sind. Wer wollte vergessen, daß der moderne 1 Zion'smus als eine umfassende Volksbewegung eigentlich 1 nicht denkbar wäre, wenn nicht die Oesamtlagc des jü* dischcn Volkes, die J u d e n n o t als der gewaltige, immer ־ wieder wirksame Motor hinter ihm stünde 1 Man kann nicht ן verkennen, daß das idealistische Streben des jüdischen 1 Volkes und besonders seiner Jugend nach Erez Israel ־ ohne diese Judennot nur auf einen kleinen Kreis von Menschen beschränkt geblieben wäre und niemals zu ‘ einer Volksbewegung geführt hätte, wie sie der Zionis* mus seit den Tagen Herzls darstellt. Wir sehen hier die im Leben der Völker oft zu beobachtende Erscheinung, daß materielle Gründe, Sorgen und Not eine Generation dazu veranlassen können, Uber sich selbst hinauszuwachsen! und mit den Handlungen, die im Kampf gegen diese Not j durchgeführt werden, hohen Idealen für das Schicksal des Gesamtvolkes nachzustreben, die einen historischen Neubeginn bedeuten. ן Hinwendung zur ]iidischen Substanz Allerdings: Es kann sich dabei nicht um Aktionen; handeln, die nur von der ״Ratio״ gutgeheißen _ werden, i und ein ausgeklügeltes System darstcllcn, das nicht vom i herzen des Volkes nachempfunden wird. So sind alle | Maßnahmen der Berufsumschichtung und der jüdischen | Kolonisation in irgendwelchen Ländern der Welt gewiß! ״vernünftig״ int engeren Sinne, aber sie sind niemals | v01״ jüdischen Volke und insbesondere von den Juden, jdi« die stärkste Verbindung zum Judentum selbst bci s'9en (und übrigens zugleich clie von der Not am meisten : Bedrückten sind!), als legitime Wege für eine zukünftige Entwicklung empfunden worden. Wenn der Zionismus «inen gewaltigen Widerhall in der jüdischen Welt gefun- ,dc״ hat und heute einen Großteil des deutschen Juden-! il״ns mit seinen Zielen verbindet, so verdankt er dies j seiner Verwurzelung in den Elementen, die von jeher?*יי Strom der jüdischen Geschichte gelenkt haben. Gewiß! 1*t der heutige Zionismus mit seinen Formen kolonisato*! nseher Arbeit, politischer Aktionen und seinen kulturell* erzieherischen Methoden nicht ohne die Tatsache denkj K daß die Mehrzahl der ihn tragenden Menschen durch ןd1e Epoche der Assimilation hindurchgegangen ist, mag I .av*ch der Orad ihrer Angleichung an die Umwelt je nach ihrer Herkunft verschieden sein; aber wir müssen er- 1^nnen und in unserer Erziehungsarbeit beachten, daß der Zionismus zugleich eine Hinwendung des ganzen Menschen zu den Im Ablauf der jüdi- »chen Geschichte entstandenen und In ihr aufge- »Peicherten Jüdischen Substanzwerten bedeutet. ic Beziehung des Juden zu Erez Israel, sein Wille, das a״(J für sich wieder aufzubauen, seine Fähigkeit״״ 8e״en Leben Opfer zu bringen und auf viele Lebens freuden zu verzichten, die normalerweise das Schicksal einer Generation bereichern, ist verständlich und sinnvoll mir dann, wenn man das Gefühl der Sehnsucht nachempfindet, das die Juden aller Zeiten mit ihrem verlorenen Lande verbunden hat, und die innere Sicherheit kennt, die eine Rückkehr des Volkes In sein Land stets in Aussicht stellte. Dor Wog des Wissens Wenn heute zahlreiche Menschen unter dem Eindruck ihres äußeren Schicksals als Juden Zionisten geworden sind, und wenn insbesondere die aktivsten Elemente der jüdischen Jugend den Weg der beruflichen Vorbereitung für ein Lehen der Arbeit in Palästina in immer stärker wachsender Zahl beschrcitcn, so gilt es, diese Kreise mit den tieferen Schichten der zionistischen Auffassung zu verbinden. Wir haben bereits an dieser Stelle über eine literarische Erscheinung berichtet, die in diesem Zusammenhange von besonderer Bedeutung ist. Der Deutsehe Landesverband des ״Hechaluz״ hat sich mit der Herausgabe seiner Anthologie ״J Israel, Volk und Land״ ein besonderes Verdienst erworben. Hier finden wir in einer äußerst geschickten Auswahl Dokumente von den Anfängen der jüdischen Geschichte bis in unsere Tage hinein, die den innigen Zusammenhang des jüdisehen Volkes mit seinem Lande dokumentieren. Für uns, die wir außerhalb Palästinas leben, mag nun unser persönlichcs Lebensziel auf die Uebersicdlung dorthin oder auf ein Lehen hier gerichtet sein, gibt es ja in erster Linie mir den Weg des Kennen- und Empfiudcnlernens durch das Medium des Wissens. Wir glauben aber, daß diese Art des Eindringens ln ein bestimmtes Oebiet für Der Kongreß der Histsdrath Tcl-Awlw, 21. Januar. (J. T.A.) Der anläßlich der ״Barmlzwnh-Fclcr" der Allgemeinen jüdischen Arbclterorganlsation Palästinas, die vor 13 Jahren gegründet wurde, abgehaltcne ״H i s t a d r u t h - M o n a t“ fand mit dem zweiten Hlstadrut 11- Kongreß seinen Abschluß. In der Schluß- Sitzung des Kongresses wurde eine kclhc von Resolutionen betrettend Einwanderung, Erziehung, Kulturarbeit und andere Gebiete der Histadruth-Arbcit angenommen. U. a. wurde be- Schlossen, daß von nun an der Exekutivrat der Organisation alle vier Monate zusammentreten soll, um sich Jedesmal mit einem der Probleme, die auf dem Kongreß zur Sprache kamen, besonders zu beschäftigen. Die nächste Tagung des Rates soll der Frage der Organisierung der arabischen Arbeiter gewidmet sein. Besonders energischen Charakter trägt die vom Kongreß angenommene Resolution zur Immigrationsfrage. In dieser Resolution, die ln sechs Abschnitte zerfällt, wird Protest dagegen erhoben, daß Beschränkungen der Elnwandcrung verfügt wurden zu einer Zelt, da das zionistische Aufbauwerk seinen hohen Wert und seine Kraft so gründlich bewiesen bat. Gegen die Deportierung von ״Touristen" wurde ebenso wie gegen die Behinderung der Einwanderung von Angehörigen bereits ansässiger Arbeiter scharf Stellung genommen. An dem Kongreß nahmen 201 Delegierte aus alten Gegenden des Landes teil, ln der Eröffnungssitzung hielt Salmau R11 b a s c h o w eine Gedenkrede für C 11 a i m A r 1 o sorotf. Audi David kemez, der den Jahresbericht des Exekutivrats erstattete, gedachte des tragischen Todes Arlo• soroffs, 1111 Anschluß daran wandte er sich gegen die Tätig• keit der Revisionisten, die er als vorwiegend gegen die jüdische Arbeiterschaft und gegen die Histadrutli gerichtet he• zeichnete. Aus dem Bericht der Exekutive ging hervor, daß die Histadrutli gegenwärtig über 40000 Mitglieder zählt. Ein eingehendes Referat über das Wohnung 8 be• s c 11 a f t 11 n g s p r o g r a m 111 der Histadrutli erstattete A, Zabarsky. Er gab bekannt, daß der allgemeine Wolinungs• bcscliaffungsplan 25 ״,״ der städtischen Arbeiter berücksichtigt. 3100 Familie״ in den Städten und 600 Familien in den großen Kolonien werden von dem Plan erfaßt. 8(10 Familien haben ihre Häuser zur Hälfte fertiggcstellt, 1500 Familien haben die erforderlichen Baukredite erhalten. 1300 Familien warten noch auf Zuteilung von Krediten. 110q Familien wollen auf eigenem Land bauen, während 1150 Familien ihre Wohn* iiäuscr auf Nationalfondsbodcn errichten oder zu errichten beabsichtigen. Ueber industrielle Produktionsgenossen* schäften und Genossenschaften für kooperative Dienst- Jcistung berichtete Gorfinkel, der milteilte, daß über 1600 Arbeiter in 70 derartigen Genossenschaften zusammengefaßt sind. Besonders gut seien die Kooperativen für Personen• und Warentransport organisiert, 35 der Oenossen* schatten befassen sich mit diesem Wirtschaftszweig. Von den 1600 in den Genossenschaften tätigen Arbeitern sind bloß 73 Lohnarbeiter, die übrigen vollberechtigte Genossenschafts* mitgliedcr. Nach einem Schlußwort von Ben Ourion wurde der Kongreß geschlossen. die Erziehung von Zionisten von entscheidender Bedeu« tung ist. Wir müssen eben von einer rein formalen Betrachtungsart, die sich mit Bekenntnissen begnügt, hin« überfinden zu einer Methode des Wissens um d ie Dinge, die in der Vergangenheit lebten und noch heute wirksam sind, weil wir nur so sehr vieles verstehen können, was in uns selbst mitschwingt, und weil wir auch nur auf diesem Wege zu einer Entfaltung unseres Gefühlslebens gelangen. Geiahronpunkls Natürlich gibt es hierbei Gefahrenpunkte. Das ״Ler• nen“ allein nützt noch nichts; cs kann auch dazu führen — und wir haben Beispiele hierfür im deutschen Aus dem Inhalt: £aa Schicksal der Emigration — —1 * —...... Die Entlastung jüdischer Ange- •tellter — Die Fassungskraft Palästinas — Da* Judentum im Weltbild Europas — Pariser Brief — Reiseland Palästina« Beilagen: Gemeinde •Rundschau — Jüdisches Leben ■ ׳ ׳ 1 ״״* im Reich — Berliner Rundschau. Judentum —, daß man sich ״unterwegs einrichtet״ und zu einem substantiell erfüllten Judentum und einem reichcn, nach innen gerichteten Gefühlsleben gelangt, aber die Aktivität vergißt, die allein geeignet ist, diesem Judentum die Chancen der vollen Erfüllung zu geben. Wir dürfen eben niemals vergessen, daß die Lebensform der Oaluth für uns keine endgültige ist, und daß die besten und höchsten Erzeugnisse des jüdischen Geistes, die in ihr möglich sind, doch nur Stückwerk bleiben gegenüber dem, was der Geist unseres Volkes einst produzierte, und den Aufgaben, von denen wir meinen, daß die Geschichte sie ihm noch aufgespart hat. Wir glauben allerdings, daß diese Gefahr heute die geringere ist gegenüber der Gefährdung durch einen ״bequemen“ Zionismus, der nicht viel mehr ist als das nationale Bewußtsein der Zugehörigkeit zum jüdischcn Volke und der damit verbundene Wille, durch' Mitarbeit am Palästinawerke die äußeren Lebensbedingungen des Volkes (und der eigenen Person!) zu verbessern. Nur allzu leicht führt eine derartige formalistische Haltung zu einem Zustand, in dem man überhaupt kaum noch von Zionismus sprechen kann, sondern bei dem es sich um eine Art von Nützlichkeitserwägung für die eigene Zukunft handelt, ohne daß der Wille besteht, sich in Palästina kulturell und sozial den für den Einzelnen nicht immer leichten Erfordernissen des Aufbaus einzu« ordnen. — Einwirkung des europäischen Nalionolismaa Der Zionismus und ganz besonders seine Träger 11t den Ländern Westeuropas sind gewiß sehr stark von den Gedankengängen des europäischen Nationalismus beeinflußt worden. Niemand von uns will sich auch von diesem Gedankengut trennen, das ein wert* volles Geschenk Europas an uns ist. Aber wir glauben, daß die Kategorien, die die Völker Europas für sich akzeptiert haben, für uns nur eine bedingte Geltung besitzen. Nicht umsonst hatte das jüdische Volk schon einige Jahrtausende der Geschichte hinter sich, bevor die heutigen europäischen Völker in das Licht des historischeu Bewußtseins traten; nicht umsonst haben wir die schmerzlichen und die erhebenden Erfahrungen unserer Galuthgcschichtc in unserem Bewußtsein notiert, und nicht vergeblich hat sich das jüdische Volk als Träger einer religiösen Idee über seinen staatlichen Untergang hinaus durch Jahrtausende erhalten. Gewiß hat uns der nationale Gedanke, der im Europa des 19. Jahrhunderts wirksam wurde, die Form gegeben, die unserer Zeit angepaßt ist, um das Lebensrecht des jüdischen Volke* zu sichern. Aber er gibt uns nicht den W e g an, auf dem wir im Innern unseres Volkes den Neuaufbau vorzunehmen haben, und insbesondere nicht die Methode, nach der wir die Erziehung unserer immer wieder nachwach• senden jungen Generation leiten sollen. Er kann es uns schon deshalb nicht geben, weil der entscheidende Faktor unseres Lebens, das Land Israels, Palästina, für uns eine besondere Bedeutung hat, weil in ihm die Zwie- Sprache unseres Volkes mit den höchsten Elementen der ,Weltordnung und mit sich selbst vor sich gegangen ist, und weil die metaphysische Beziehung zu dem Boden de* Landes nicht allein ausschöpfbar ist im Begriff der

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