Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1934-01-19 · Heft 6 (19.1.1934) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 6 (19.1.1934)
Date
1934-01-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653452-2653457--24693-2681787
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

ft, 6 / Jftlirpnig 39 ,י״ז11לךיו ךיי׳יין r־*” Preis EM -«.2S v.bs׳״ dL ii#1׳ ן-»ו»יי^ IL^J gn*>'1| jp»1«”־"“־ ־־X II?! f! I > X EmmJ NlassJ £**., £*.&*׳■ Isiws?- 60 1 ..«־״■*» U'h,: *«ti'alן}! *׳ K lnr|, Ömr.ior «. U'lUh-, »ft. nKj״g1 •Her 4 זיזיt PI. H1Ä 61., »•■ 0fjt ״». W»sm. IreB* « ׳i ***.$3*$ tor»mnt . Ginget, lelrmtf 5( ‘יי.* bei!, IH Di»», brifihch. rlolfhg Hr. 9,1U Wk ׳ ilrn MlllM.II״«».V.r1.B .. AMolgonvorwaitaa■. B.,l|״ wil, M.l1 ,*.,;.״• ,^,8.-.«l N,. ״ FM.«.״k JJ81/S2,7165/70,7140/41 pr9Mn,״ ״״•״»•״״״^ ״,׳ *״'״'?,»“,״״.?־£ •־־**״•Ah^l«,״״ ׳״!> גד״די״״ו o״״- ״ W, »•39 17 ״!!׳a <m, d» oku«. n.,*!,* A״.1.״d,. ^«,1» i.w.HI1.r L.ml«w«hru1״, - Er.tt,.ln( J.d״, DI.b.I■, ״! r«ll«f ג׳ שבט חרצ״ד FREITAG, 19. JANUAR 1934 g»r Zlonltmun •rstfbt tOr da» Jüdisch• Volk dl» Schaffung •ln«r Öffentlich rechtlich fleslchorten Heimstätte In Palästina ^.... ._ ץ""׳/ \ i! V. Aax«l|tftlw1f 1 01• H •••palten• Milllm»t«r-Z*ll• EM. —,20, für §1«l]#n|1wnjeh• RM. ־־״*JO« Hü1 FcmnienfiachrlrR!•!« EM• -J5• Ei«»*Un»*l*#n a«ur |*c«b Vor•«•• ithltmg •ul Po«t*cht»ck■Konto Berlin 711י1א oder ln der ^nr ׳tig»f1Ann*bm• Mont•• bl• Prell•• <)—!5 Uhr. Annahm*eehl״A für dl« Diefisfag-Ausceh• Montsg 10 l.Ihr, lUr dl• Prell••■ Au«i»h* Miitwoch 13 Uhr (Fstnllienanrelteti hl• Donner•!•• 10 Uhr), l(la1«l«r Prognmm14 r; r . , 1L. lL.lL.JfcJ ף«—י J V '9 -ז׳ן׳נ Hen- 3)tt11r. ,2 »l(|l len 5»<מ!tat *jb«U! llff. 1! '*י®!! 43» «kt Die Existenz der Juden ln der Welt ist problematisch geworden. Wer die großen Linien der jüdischen Oeschichte verfolgt, weiß, daß dieser Zustand keine einmalige Erscheinung darstcllt, sondern daß immer wieder Abschnitte in der Geschichte auftreten, in denen die Zukunft des jüdischen Volkes aufs schwerste gefährdet ist, Diese Gefährdung kann eine äußerliche sein: wirtschaftiiehe Not, politischer Druck erschweren das Leben der Juden. Sie kann eine von innen wirkende Krankheit sein; Assimilation an die Umgebung droht die jüdische Eigenart aufzuheben und die Juden in Geschichtslosigkeit versinken zu lassen. Wir wissen, daß die seit 150 Jahren ablaufende Periode der jüdischen Geschichte beide Formen der Oefährdung in sich birgt. Was diese Zeit jedoch vor allen anderen ähnlichen Perioden der jüdischen Oeschichte auszeiclmet, ist die Tatsache, daß die Judenfrage alle Teile des jüdischen Volkes zur gleichen Zeit trifft, (faß also das Volk als Ganzes in seiner materiellen und geistigen Existenz bedroht ist. In den früheren kritischen Perioden der jüdischen Oeschichte dagegen blieb diese Oefährdung auf wichtige Teile des Volkskörpers be* schränkt, während zur gleichen Zeit territorial entfernte Glieder der jüdischen Oesamtheit in einer relativen Sicherheit lebten. Theodor Herzls umwälzende Tat war es, daß er diesen weltpolitischen Aspekt der Judenfrage unserer Zeit erkannt hat, und daß er seiner Erkenntnis die zündende Formulierung gab, die geeignet war, der Welt und den Juden die Augen über die Judenfrage zu öffnen mul den Weg zu ihrer Beseitigung zu zeigen. Die Auseinandersetzung, die seitdem im jüdischen Volk und insbesondere im westlichen Judentum geführt wird, geht letzten Endes um die Annahme dieser Erkenntnisse durch die Oesamtheit der Juden. Die Judenfrage ist eine nationale Frage. Das besondere Schicksal der Juden, das nicht nur eine Sorge für die Juden seihst ist, sondern auch eine Belastung für die Völker Europas und Amerikas, in deren Mitte sie leben, ist auf die Tatsache ihrer Zerstreuung und ihres nationalen Andersseins zurückzufüh- ״n. Es hat sich gezeigt, daß es nicht möglich ist, diese Andersartigkeit zu beseitigen, weil man ein Millionenvolk nicht dazu zwingen kann, sein durch Jahrtausende geprägtes Wesen aufzugeben, mögen auch einzelne den Weg aus der jüdischen Volksgemeinschaft heraus finden. Di* vollständige Assimilation ist aber schon deshalb unmöglich, weil die Völker selbst sie nicht wollen, weil יי* den Juden als andersartig empfinden und ihn immer ",!*der aus ihrer Gemeinschaft ausgliedern, Mg er sich selbst auch als ihr zugehörig empfinden. Die Jtidcnfrage verlangt daher auch eine nationale Antwort. Die Juden selbst müssen sie g*ben und dürfen nicht darauf warten, daß andere für sie tine Lösung finden. Die Emanzipation der Juden kann und wird keine *chte Befreiung sein, wenn sie nicht zur Auto- «manzipation, zur Selbstbefreiung wird, zur Ueberwindung des Zustandes der Zerstreuung und der inneren Selbstauflösung durch eine neue nationale Konzentration. Erkenntnis und Wegweisung, wie sie in diesen Gejhnkengängen zum Durchbruch kamen, stieß bei den Te>len des Judentums auf erbitterten Widerstand, die geglaubt hatten, daß eine Judenfrage nicht existiere.; ״'« hielten die Zukunft der Juden durch die Emanzipafür gesichert und übertrugen den Wohlstand und! Gefühl der Saturiertheit, das zahlreiche einzelne Juden j Persönlich besaßen, auf die jüdische Gesamtheit. Die : Konsequenz war, daß man sich von denjenigen Teilen יק jüdischen Volkes abgrenzte, bei denen es allzu deutlch wurde, wie gefährdet ihre äußere Position ist, daß Mn also die Tatsache der Existenz eines Jüdischen Volkes leugnete. Und das geschah |*wiß in gutem Olauben! ln der Tat war die geistige “indung an die in der Geschichte entstandenen Werte “es Judentums bei diesen jüdischen Gruppen äußerst *dwach geworden, da sic die Nachkommen derer waren, fl*n*n die Güter der westlichen Zivilisation und der *üropäjschen Kultur besonders anziehend erschienen Mr*n, als sie die Mauern des Ghetto verließen. Wenn ,״Heu gegenüber die Judenfrage doch aktuell wurde, so 8Uubte man. daß es sich hierbei um einen Rest ״ver* altctcr" Anschauungen handele, der mit dem Fortschritt der Menschheit von selbst verschwinden müsse und eigentlich nur irrtümlich ihnen gegenüber zur Anwcndting kam, weil inan eben noch nicht genügend wußte, daß sie eigentlich gar keine Juden in dem Sinne seien, wie sie die Welt sali, sondern daß sie ganz und gar das ,Wesen ihrer Umgehung angenommen hatten. Das offizielle westliche Judentum tarnte also das Bestehen einer Judenfrage. Es nützte damit niemandem, sondern schläferte höchstens das Bewußtsein der Juden ein, während draußen in der Welt die Erkenntnis vom Bestehen der Judenfrage in allen Ländern wuchs. Aus diesem Schlummer sind die deutschen Juden im vergangenen Jahre erwacht. Sie haben gesehen, daß es kein Ausweichen vor der Problematik der eigenen Existenz gibt, daß der Einzelne, mag er noch so beruhigt und gesichert gelebt haben, dem Schicksal der jüdischen Gesamtheit untrennbar verbunden ist, und daß unser Leben als deutsche Juden nur dann einen Sinn haben kann, wenn es in Verbindung mit der jüdischen Gesamtgeschichte aller Zeiten und Länder be• trachtet wird. Es ist klar, daß diese Erkenntnis zu Kon- Sequenzen führen muß. Kein Mensch und keine Menscliengruppe kann sich damit begnügen, ihre Lage zu analysieren, der gesunde Selbsterhaltungstrieb führt zwangsläufig dazu, daß man einen Weg sucht, der in die Zukunft führt und unter neuen Bedingungen eine Siche• rung der Existenz darstellt. Die deutschen Juden sind jetzt zu einem großen Teile den Gedanken gefolgt, die von Theodor Hcrzl so klar formuliert worden sind: Sie haben den nationalen Charakter der Judenfrage ein* gesehen, haben den Begriff des jüdischen Volkstums akzeptiert und erkannt, daß die innere Auflösung des Judentums, der assimilatorische Prozeß vergangener Jahrzehnte ein gefährlicher Irrweg war. Die Konzentration der Kräfte des jüdischen Volkes auf den Auf« bau Palästinas erscheint so einer immer größer werdenden Zahl deutscher Juden als die wichtigste Aufgabe des jüdischen Lebens unserer Zeit, urn die Judenfrage für die Juden selbst und für die Völker der Welt zu lösen. ,.,■t י % 44«!»iiy Jerusalem, 17. Januar. (J.T.A.) Die von der ara« bischen Exekutive Palästinas auf den 17. Januar anläßlich des Endes des Ramadan-Festes vertagten Kundgebungen sind Im ganzen Lande ruhig verlaufen. In Jerusalem nahmen an dem Dcir.onstrationszug, der sich von der King David• Straße aus um 8 Uhr morgens In Bewegung setzte und bis zum Zion-Tor geführt wurde, etwa 2000 Personen teil. Am Zlon-Tor fand eine Versammlung unter freiem Himmel statt. Es wurde eine Resolution verlesen, In der gegen Jüdische Einwanderung und jüdischen Bodenkauf Protest erhoben wird. Nach Verlesung der Resolution wurde die Ansammlung von Polizei aufgelöst, ohne daß cs zu Irgendwelchen Ruhe• Störungen gekommen wäre. In Jaffa betrug die Zahl der Teilnehmer an den Kundgebungen 1500 bis 2000. Bemerkens• werterweise war kein Streik proklamiert worden, die Arbeit Im Hafen ging vollkommen normal weiter. Gleichlautende Meldungen liegen aus Haifa und anderen Städten vor. Am Vorabend hatte in Jerusalem starker Schncefnll efn• gesetzt. Die arabischen Führer erwogen mit Rücksicht auf die Wetterlage eine etwaige Verschiebung der Kundgcbun• gen bis zum Freitag, entschlossen sich aber letzten Endes 711 ihrer Abhaltung. Einige kommunistischer Umtriebe ver• dächtige Personen, von denen die Behörden annahmen, daß sie die Kundgebungen benutzen könnten, um Unruhen; zu erregen, wurden am Vorabend in Präventivhaft ge• nominell. Die Gerüchte über die Verhaftung maßgebender , arabischer Führer sind unzutreffend. Die neuerliche Verstärkung der militärischen Streitkräfte in Palästina steht in keinem Zusammen• hang mit den gegenwärtigen Sichcrheitsverhältnisscn im Lande; die Verstärkungen hauen nur den Zweck, das Dctache• ment der First Scaford Highlanders zu ergänzen, das bisher nicht den ihm von Anfang an /»gemessenen Umfang gehabt hat. Dieses Arrangement wurde vom Kriegsministerium in normaler Durchführung militärischer Pläne getroffen. Jerusalem, 18. 1. 1034. (J.T. A.) Nach den neuesten aus Palästina vorliegenden Nachrichten waren die ersten Mel• düngen über die Bcteiligungsziffcrn an den arabischen Kund• gcbuugen zu hoch gegriffen. An der Kundgebung in J e rus aje m haben sich kaum mehr als 1000 Personen beteiligt. Auch in Jaffa nahmen an den Kundgebungen nur wenige hundert Teil• nchmer teil, ebenso in Haifa, Nablus und Tut Rarem. Auch die arabischen Kreise geben das Fiasko der Aktion der Exekutive zu. Ein charakteristischer Zwischenfall ereignete sich in A k ko. Als der dortige Mufti eine Ansprache an die Menge hielt, trat ein Araber, der vor kurzem aus dem Akkoer Getan{׳- nis entlassen worden war, wo er eine über ihn wegen Betenligung an den Unruhen im Jahre 1929 verhängte Strafe verbüßte, vor, und erklärte, die Folgen der von der Exekutive veranstalteten Kundgebungen hätten immer nur die Armen zu tragen, während aie Führer von jeder Bestrafung frei biteben. Die Kreise itn deutschen Judentum, die in der Vor• kriegszeit und auch noch später repräsentativ waren und jene Politik der Selbstcinschläferung getrieben hat« ten, stehen naturgemäß dieser Entwicklung wenig freundlieh gegenüber. Es ist schwer, Anschauungen zu ver* leugnen, die man durch Jahrzehnte vertreten hat, und es ist besonders schwer, sich von Erlebnisinhalten zu trennen, die die Jugend eines Menschen bestimmten und ihm so den Stempel fürs Leben aufdriiekten. Wir machen daher denen, die nicht umlernen können, keinen Vorwurf daraus, wenn sie ihre Anschauungen von einst Aus dem Inhalt; im Kulturbund ■ Lehrhausrede von Martin Buber — Aerzte in Palästina — Oper ־ Zum Tode von Hermann Bahr Beilagen* Literatur •Blatt — Sport — Berliner .* Rundschau — Jüdisches Leben im Reich Hebräliclier Fernunterricht beihehaltcn, und heute noch glauben, daß auch die Er* cignisse des letzten Jahres nur einen vorübergehenden Sinn haben, und daß die Grundlagen der jüdischen Existenz durch sie nicht entscheidend gewandelt wurden. Anders allerdings müssen wir zu diesen Menschen stehen, wenn sie den Versuch machen, auch jetzt wieder das deutsche Judentum zu führen und Verwirrung zu stiften über den Weg und die Erkenntnisse, die in eine bessere Zukunft führen. Wer nun die Entwicklung im deutschen Judentum in den letzten Monaten verfolgt, kann nicht daran vorübergehen, daß dieser Versuch gemacht wird. Wir bedauern es, wenn heute die Notwendigkeit besteht, in eint Diskussion über WesenundZukunft des deutschen Judentums einzutreten. Was soll man aber dazu sagen, wenn ein liberaler Führer, der an w׳ichtigcr Stelle im deutschen Judentum steht, be*’ hauptet: . ״Sie (d. h. die JUdliche Gemeinde. Red.) 11t deulich, well Ihr Judentum de gelehrt hat, daB Juden Oberall dort Ihre« Judentum• iu walten haben, wo Gott de blngcpllamt hat; de lat |Udi1cb um Deutachlands willen, da» eine gliublge, darke, gotterlOllte Ge* ׳ melntchaft de» Gelltet nicht entbehren kann." Abgesehen davon, daß der Durchschnittsleser eine der* artige Formulierung nur schwer begreifen wird, scheint uns hier ein gefährlicher Rückfall in die liberale Phraseologie einer vergangenen Zeit vorzuliegen, die mit zu nichts verpflichtenden Worten den Geist umnebelte. Es ist auch ganz unverständlich, wenn in dieser Zeit der nationalen Selbstbesinnung def Versuch gemacht wird, die Umwelt über ihr, eigenes Wesen von jüdischer Seite aus zu belehren.;Wir glauben, daß Führer dieser Art nicht berechtigt sind, für das deutsche Judentum zu sprechen. Wenn sie zugleich darauf Hinweisen, daß Menschen, die beruflich für jüdische Dinge tätig sind und die Verhältnisse des gesamten Judentums aus eigener An* Behauung kennen, nicht das Recht hätten, gegen der* artige Einstellungen aufzutreten, so zeigt sich hierin die ganze Beschränktheit einer Haltung, die nicht über die eigene Oemeindcstube hinaussicht Die Gesamtheit der deutschen Juden hat aller* dings an derartigen Formulierungen kein Inter- , esse. Ihr geht es nicht darum, daß die bisherigen Repräsentanten erhalten bleiben, sondern um die Sicherung ihrer menschlichen und jüdischen Zukunft. Darum hat das deutsche Judentum sich Organe gegeben, die als Sachwalter seiner Interessen auftreten sollen. Es waren und sind gerade die Zionisten und all die* jenigen, die den Charakter der Judenfrage erkannt habe« und sich daher als Mandatare der jüdischen Gesamt-• heit empfinden, die gerade die Autorität dieser: Instanzen im deutschen Judentum zu stärken sich bemühen. Bedauerlich ist, aber vielleicht aus der Qrund* haltung all jener verständlich, für die die Judenfrage eigentlich keine zentrale Angelegenheit ihrer Existenz,, sondern höchstens eine unangenehme Störung im Ablauf des persönlichen Lebens ist, wenn von dieser Seite « gegen die Stellen gearbeitet wird, die für die deutschen Juden zu sprechen befugt sind. Daß es dabei einigermaßen merkwürdige Entwicklungen gibt, ist vielleicht auch nur aus den besonderen innerjüdischen Verhält- Hissen zu erklären. Der Reichsbund jüdischer II

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.