Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 5 (16.1.1934)
- Date
- 1934-01-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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J-H jjf, 9 / Jahrgang 39 ״**J |*y* "1*״mC**?! y**1״׳*'***“׳ •f.3 n ttlm tckufl rbritft iditf• werk• |'S^ gnjuiB-w.i^ ן**•■..-».» l .. j r,j l *7\ 1 } f \ '1V IL.»**,.3״ V-.....3 p»us»l| ין ז•״" ^!!!jiy.i^ 1 \ “ *8 1.133 i Pro!■ RM —.29 r—1 try 5> ני ך*> n \ fc~J fcJM •*״״»«•'»«׳•y״ ■*«• A«.l*.»v.rw.|»BII־,BarllnW1S,M.|״.k..h, l0 fjmrul 1 Summi'l-Nr. J1 ÜUmiirck 3181/82,7165/70,7M0/4Z . B.,0זח ״״״.,״ M״n״ ״ai0־״׳.־-l nM^5,75._Pm-.A.d.-K«״,״ d״ Ab״nn.m,n״.Ah״״״״״ M" 7157ג -Ir Groll - Brrllo), B.rli392 ל, ״ (l״r «!., UbH.o Rdch). Ao.l.odl I« |׳W.,%״ L.n<l«wkhrun*. - Emthalnt j-Wn Dl.1»lat und Fr.»., BEELIN כ״ט טבת תחנ״ד DIENSTAG, 16. JANUAR 1934 per ^Or da» jüdlache Volk die Schaffung einer Öffentlich ■ rechtlich gesicherten Ans«!f«ntnrlf 1 Die 12 ceipaltcn• Mi!lif1#ter*Zel!e RM. --%20t für Stell «mgetuel)• RM. —•JO, für Fsmiliennschrichfen AM- —,15• Elnrelamelgen nur gegen Vor•«»• Kehlung •uf Postscherk-Konto Berlin 7161Ä oder In der An1efft*n*AnntHme Montag bi* Freilag 9—15 Uhr. AnnahmeachluS für die Dienttag-Auagsb• Montag 10 Uhr, lür die Freitag-Ausgabe Mittwoch 13 Uhr (Familienantelgen bla Donneratag 10 Uhr). Heimstätte ln Palästina. ״Baielir Progrimm1 tn ••*11 ho|״h ׳*berjl »06(., er für lorli־ »der, "»»ין idunl I'! Neue Wege der jüdischen Schule In der Entwicklung des deutschen Judentums hat ein Faktor eine besonders wichtige Rolle gespielt: die Schule. Es gab niemals eine Zeit, in der die Juden ohne Schulbildung waren. Das in der geschlossenen Lcbcnsforin des Ghetto lebende mittelalterliche ludcntum batte sich ein durchgcbildetes Schulsystem geschaffen, das a|s organischer Bestandteil des gesamten Lcbcnsbcrcichs den Juden jener Zeit fällig machte, sich in den jüdischen geistigen und gesellschaftlichen Zusammenhang cinzuglicdem. Nicht zuletzt ist cs das Verdienst der Methoden des Unterrichts, die durch Jahrhunderte hindurch fcstgehalten wurden, wenn es gelang, die Kette der Ucbcrlicfcrung nicht abreißen zu lassen und immer wieder neue Oenerationen jüdischer Menschen ins Leben zu stellen, die charaktermiiliig und ihrem Wissen nach dazu in der Lage waren, ein volles jüdisches Leben zu führen. Es war ein sicherer Instinkt, der die Männer, die als erste die Schranken des Ghetto durchbrachen und für sich selbst die Emanzipation vollzogen, dazu veranlaßte, Schulen in den Dienst des Emanzipctions* werkes zu stellen. Die Emanzipation des ausgehenden 18. und des beginnenden 19. Jahrhunderts wurde ja in den Ländern West- und Mitteleuropas den Juden nicht ohne Preis in den Schoß geworfen. Man war zwar bereit,’ihnen auf Grund der allgemeinen Menschcnrcchte die Tore des Ghetto zu öffnen und den Zugang zum Leben in Staat und Gesellschaft freizugeben, aber man machte doch den Vorbehalt, daß die Juden dann in ihren Süßeren Lebensformen und in ihren! charakterlichen Gehalt eine Anglcichung an die Umgebung vornehmen sollten. Der europäischen Gesellschaft, und den Kreisen, die das Schicksal der Juden zu bestimmen hatten, war nicht recht wohl bei dem Gedanken, aus den Grundsätzen der reinen Vernunft heraus eine Mcnschengruppc zu emanzipieren, die in ganz erheblichem Maße von den Völkern Euro« pas unterschieden war. Diese Tendenz zur Entrichtung des Kaufpreises für die Emanzipation wurde in dein Augenblick noch stärker, als seit der Napoleonischcn Zeit die Ideen des Nationalstaates und später des christlichen Staates Verbreitung gewannen und nunmehr die Eingliederung einer andersartigen Menschengruppe als noch schwieriger empfunden wurde. Wir wissen, daß die Juden des Westens den von ihnen geforderten Preis gezahlt haben. So verbanden sich Emanzipation und Assimilation, wobei es sich nicht ״ur um eine mit der Symbiose von Juden und Nichtjuden verknüpfte natürliche Angleichting der Minderheit an das Staatsvolk handelte, sondern um eine bewußte Aktion der Juden zur Aufgabe dessen, was man in der Terminologie jener Zeit als ihre ״Nationalität“ be- *cichncte. Man erkannte unter den Juden selbst sehr kald, daß zu diesem Zwecke die Schaffung von Er- *iehungs- und Untc rr ic h tsan sta11en erforderlich war. Es ging vielfach nicht an, die junge Genefation einfach in die öffentlichen Schulen zu schicken, schon deshalb nicht, weil diese sprachlich für die erste Generation, die noch ein Judendeutsch sprach, kaum 3taeptabel waren, und weil wahrscheinlich auch von 5eiten der Eltern, die ja zumeist noch in einem festen Judentum wurzelten, dem Schwierigkeiten bereitet werden wären. So entstanden in damaliger Zeit eine ganze ^eihe jüdischer Schulen, die aber nunmehr einen ganz anderen Zweck hatten als die bisherigen Unterrichts- 8)’steme im Judentum. Sie sollten die jüdische Jugend aus def Enge des eigenen Kreises hinausführen, ihnen den yußang zu Sprache, Kultur und Sitte der Umgebung eröffnen, d. h. diese Jugend fähig machen, die Güter d'z Emanzipation zu empfangen und zu genießen. Und {s ׳st in der Tat zum Teil als ein Erfolg dieser Schulen anzusprechen, daß der Prozeß der kulturellen Anglcichung an die Umgebung im deutschen Judentum mit so großer Beschleunigung sich durchsetzte. Die Anfänge des modernen jüdischen Schulwesens in Deutschland liegen also auf einem Ochiete, das uns Heutige״ nicht nur zeitlich, sondern auch in seinem innersteit Wesen weit entfernt dünkt. Die jüdischen Schulen, jf‘e seit jener Zeit bestehen und heute noch arbeiten, naben ihren Charakter inzwischen geändert. Heute Ist die jüdische Schule wieder zu einem Mittel geworden, um eine junge Generation jüdisch-positiv zu erziehen, sie willens- und charaktermüßig mit dem Judentum zu verbinden und ihr auch die Wissensgrundlagen zu übermittein, die der Jude unserer Zeit braucht. Der Kampf um die Ausgestaltung dieses jüdischen Schulwesens, der seit Jahren im deutschen Judentum geführt wurde, ging darum, ob ei״ Mehr oder Weniger an jiidisehen Inhalten in diesen Schulen vermittelt werden soll, uiul in welchem Maße diese Schulen für die Oesamtheit der jüdischen Jugend erforderlich sind. ־ Die Grundfrage, ob die deutschen Juden eigene, positiv-jüdische Schulen schaffen sollen und müssen oder nicht, ist entschieden. Die Entscheidung ist allerdings nicht durch den freien Entschluß derdeut* sehen Juden gefallen, sondern im Hinblick auf die staatliche Gesetzgebung, die für die Juden den Zugang zur höheren Schule stark cinschränktc und zugleich durch die Ausgestaltung des gesamten deutschen Schulwesens das Verbleiben jüdischer Kinder in der allgemeinen Schule psychologisch erschwerte. Unter dem Druck dieser Ereignisse haben sich auch jene auf den Boden eines jüdischen Schulprogramms gestellt, die es bisher immer abgelchnt hatten und die Meinung vertraten, daß es für die jü-' dische Jugend in Deutschland keine spezifische jüdische Erziehung gäbe, sondern daß diese Jugend zusammen mit der Gesamtheit der Kinder in den allgemeinen Schulen erzogen werden müsse. Wir bedauern es, daß das deutsche Judentum erst jetzt den Weg zur jüdischen Schule gefunden hat. Es wäre besser und für das Schicksal der heute lebenden jungen Generation nützlicher gewesen, wenn diejenigen, die heute vor der Berufswahl stehen und ihr Leben gestalten müssen, durch eine jüdische Schule gegangen würen, die ihnen Aufgabe und Sinn ihrer Existenz hätte leichter begreiflich machen können, Trotzdem: wir sind bereit, all denen die Hand zu rci* eben, die ehrlich umgclcrnt haben. Dazu gehört allerdings, daß man die jüdische Schule nicht als einen aufgezwungenen Notbehelf betrachtet, den man innerlieh nicht bejaht, und daß man sich bemüht, nur ein Minimum an jüdischen Werten in dieser Schule zuzu* lassen. Jetzt gilt cs vielmehr für alle deutschen Juden, denen das Schicksal der jungen Generation am Herzen liegt, sicii voll und ganz auf den Boden einer Erziehung zu stellen, die sich gegen die weitere Verwässerung des Judentums richtet. Die jüdische Schule in Deutschland wird nur dann lebendig sein und vor der Zukunft derer, die sic heute besuchen, bestehen können, wenn sie ihnen ein Maximum an jüdischen Lebenswerten mit auf den Weg gibt. , Eine solche Erziehung muß lebensnah und doch geschichtlich fundiert sein. Sic soll die jüdische Jugend in den Zusammenhang der jüdischen Geschichte und der jüdischen geistigen Entwicklung hineinstcllen, damit sie ihr eigenes Schicksal als sinnvoll im Hinblick auf die historischen Gesetze empfindet, unter deren das jiidi-, sehe Volksschicksal in den Jahrhunderten seiner Geschichte abgerollt ist. Sie soll zugleich damit die Verantwortung des Jugendlichen für seine cige'nfc Lcbensgestaltung stärken und die Bereitschaft in ihm wecken, persönliches Leben den Erfordernissen der'Gesamtheit unterzuordnen. Eine solche Schule wird niemals eine Partei- oder Richfungsschule sein. Sie wird eine Einheitsschule sein müssen, die gewiß je nach der Zusammensetzung von Lehrer- und Elternschaft verschieden ausschcn wird, dje aber im Grunde doch starke Wesenszüge gemeinsam haben muß. Die Auseinandersetzung über die jüdische Schule hat bereits das theoretische Gebiet verlassen und ist auf den Boden der praktischen Durchführung gelangt. Die Reichsvertretung der deutschen Juden hat bekanntlich einen Erziehungsausschuß eingesetzt, Aus dem Inhalt: יי>ם Recht der jüdischen Arbeit- — ״.. nehmet— Um die indische Ehe — Palnstinafreunde und Zionisten — Ein Kapitel tionistiacher Geschichte — Zur Palästina-Reisesaison Beilagen: Kinder-Rundschau — Berliner Rundschau — — .׳״״ Jüdisches Leben im Reich in dem einzelne Persönlichkeiten arbeiten, die zugleich Vertreter aller jüdischen Richtungen sind. Dieser Erzichungsausschuß hat nach längeren Vorarbeiten Riehtlinien zur Aufstellung von Lehrplänen für jüdische Volksschulen in Deutschland veröffentlicht, deren Wortlaut wir weiter unten bekannt geben. Wir glauben, daß diese Richtlinien einen guten Start für die weitere Entwicklung des jüdischen Schulwesens in Deutschland darstellen. Sic beschränken sich naturgemäß auf diejenigen Fächer, die man als ktilturku nd liehe zu bezeichnen pflegt, da ja in der Hauptsache in diesen eine Möglichkeit bestellt, dem Unterricht. eine spezifische jüdische Note zu geben. Sie sind, wie in der Vorbemerkung zu ihnen gesagt ist, auch nur als Ergänzung zu den bestehenden staatlichen Richtlinien gedacht, die selbstverständlich für den Lehrplan der jüdischen Volksschulen Deutschlands ebenso maßgebend sind wie für sämtliche anderen Volksschulen. Jede einzelne jüdische Schule hat dann die Aufgabe, auf Grund der staatlichen Richtlinien und der von der Rcichsvertretung veröffentlichten Grundsätze ihren eigenen Lehrplan zu gestalten. Es dürfte allerdings zweckmäßig sein, einen Weg zu finden, der dahin führt, 'aß die endgültigen Lehrpläne der einzelnen Schulen von der Rcichsvertretung bzw. ihrem Erziehungsausschuß daraufhin kontrolliert werden, ob sie in den wesentlichen^Punkten den Richtlinien entsprechen; sonst entsteht leicht die Gefahr, daß Eigenbrötler nach dieser oder jener Richtung in entscheidenden Punkten von ihnen abwcichcn und damit das Werk der Schaffung eines einheitlichen Schulwesens sabotieren. Es wird nun Sache der jüdischen Gemeinden und nicht zuletzt auch der Elternschaft sein, die Schaf* fung und den Ausbau jüdischer Schulen zu betreiben. Die Schulfrage ist eine der wesentlichsten Aufgaben, die das deutsche Judentum in seiner heutigen Existenzform zu lösen hat, und die ihm seine Zukunft sichern können. Es wird sich zeigen, ob Einsicht und Wille zum Judesein untei den deutschen Juden stark genug sind, um auf dem Gebiet der Erziehung die große Wandlung herbeizuführen, die von dem verhängnisvollen Weg der Aufgabe de׳• eigenen jüdischen Art fort zu einem in sich gefestig* ten, der Vergangenheit und Zukunft des Judentums un- :trennbar verbundenen Leben führt. Vorbemerkung Die vorliegenden Richtlinien ordnen sich in den Rahmen der für alle, mithin auch für die jüdischen Volksschulen geltenden Bestimmungen ein. So ergibt sich, daß z. B. für den Deutschunterricht diejeuigen Stoffgebiete und Unterrichtsziele, die tür alle Volksschulen verbindlich sind, nicht auf geführt urid gewürdigt zu werden brauchen; cs werden vielmehr ledielicl! diejenigen Ergänzungen gebracht, die durch die besonderen Ziele der jüdischen Schule notwendig gemacht sind. Demgemäß sind die staatlichen Richtlinien bei der Ausnrbeitung von Lehrplänen für jüdische Schulen unbedingt heranzuzichcn. Für die Grundschule ist außer den in den einzelnen Ländern getroffenen Anordnungen noch der Erlaß des Reichsministcriuins des Innern vom• 18. Juli 1921 — III 3681 ״Richtlinien über Ziclbestimmung und innere Gestaltung der Grundschule“ — zu beachten. (Für Preußen ist eine vom Ministerium empfohlene Zusammenstellung aller einschlägigen Bestimmungen unter dem Titel ״Richtlinien des Preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung für die Lehrpläne der Volksschulen“ im Verlag Ferdinand Hirt in Breslau erschienen.) Allgemeine Ziele 1. Die jüdische Schule erfährt ihre besondere Prägung" aus dem doppelten Urerlcbnis, das jedes in Deutschland lebende jüdische Kind in sich trägt: dem jüdischen und dem deutschen. Diese beiden Cirunderlchnisse sind gleichmäßig׳ zu entwickeln und Ins Bewußtsein zu heben; sie sind In ihrem Neben- und Miteinander wie auch in ihrer Spannung fnichtbar zu machen und zu entfalten.! 2. Die Schule soll von einom sieh selbst begreifenden jüdischen Geiste durchdrungen sein. Das Heranwachsende! Kind soll seines Judeseins in gesundem Bewußtsein sicher t§ : ־' \ I'".* * I