Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1934-01-05 · Heft 1-2 (5.1.1934) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 1-2 (5.1.1934)
Date
1934-01-05
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2653452-2653453--24644-2681734
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Seit« 14 MODISCHE RUNDSCHAU Nr, 1/2, 5. L 1934 tt g. Harry Rottnthal, der einigt froßt Ladensuibauttn auigcfflhrt und damit verschiedene Anregungen gegeben hat, die sicherlich befruchtend wirken werden. Auch Professor Oscar K a u f m a n n, der bekannte Thraterbnier, weilt seit mehreren Wochen hier und beschäftigt sich mit großzügigen Bebauungsplänen, die die Stadtverwaltung erwägt. Man will der Stallt mm auch ein repräsentatives Aussehen geben, braucht neue Amtsgebätide und öffentliche Anstalten und will um Strand neue Badeanstalten, ein K.isino und andere Baulichkeiten errichten. Besonder« notiert zu werden verdient, daß wir jetzt auch schon zwei K u n s t s a I o n s haben. In der Ortisenbcrgsiralle befindet sich der K ti u s t g e w e r b e 1 a d e n „T c s c h u - r■ h", der ausschließlich Kunstgewerbe „to/ereth haare/.", im Lande. gefertigt, führt. Die angestellten Cie^enstamte wie auch die Einrichtung des Ladens zeichnen sich durch besonderen Geschmack aus. Ks ist erfreulich, was man hier bereits zu sehen bekommt: keramische Erzeugnisse der neuen Kuustwerkstatte „Hnyo/er" in Jerusalem, Silberarbeiten von jemenitischer Herkunft, schön geformte Glaser und neulich sogar eine ganze Kollektivausstellung von Bernhard Friedender, der vor ungefähr Jahresfrist hier die erste große Silhcrwerkstatt eröffnet hat, die jetzt schon über 30 Menschen beschäftigt und bestes Kunstgewerbe liefert. Vor einigen Wochen wurde in der Allcnbystrafle der Kunst« «Ion „Maskit" eröffnet, der der hohen Kunst gewidmet ist und es sich zur Aufgabe gemacht bat, die Schöpfungen ausländischer Kunst hier bekannt/umachen. Wir finden hier u. a. I iebermann und Lcsser Ury, Gemälde, Graphiken und Plastik. Diese geschäftlichen Unternehmungen sind wichtig für das gesamte Kunstleben. Sie schaffen Anrrcnngen, interessiere« das Publikum, erziehen es zum Erwerb guter Kunst und geben such den hiesigen Künstlern endlich einmal Gelegenheit, Ihre Werke auszustellen. Die Zahl der hier lebenden Künstler, besonders der Maler, Ist sehr groß. Bisweilen stellen sie im hiesigen Museum au*. Besonder» die Arbeiterschaft — das muß betont werden — gehört zu den eifrigsten Besuchern dieser Ausstellungen. Ueber die palästinensische Kunst im allgemeinen ließe sich sehr viel sagen. Unsere Künstler haben es besonders schwer. Sie arbeiten fast ohne Vcrglrichsmögliehkciien, ohne Anregungen, wie sie der europaische Künstler tausendfältig findet, ohne die gehörige Resonanz bei Presse und Publikum und ohne die Förderung von Sammlern und .Mäzenen. Denn Kunstsammler gibt es Im Lande so gut wie noch gar nicht, geschweige denn Mäzene. Der Künstler ist fast nur auf sich selbst angewiesen und muß sich, so gut es eben geht, recht und schlecht durch alle Probleme durchbeißen. Man hat die bildende Kunst bisher hier ziemlich vernachlässigt, man war sich ihrer kulturellen, volksbildenclen Wichtigkeit nicht recht bewußt. Man pflegte nur Literatur und Muiik. In künstlerischen Fugen war Jtdtr auf sich selbst angewiesen: es gab kein gemeinsame« Forum. Zeitungen und Zeitschriften brachten nichts über bildende Kunst. Nur gelegentlich, anläßlich irgendeiner Ausstellung, erschienen in der Tagesnrcsse kurze Berichte, denen aber, da sie von üilctianicn verfallt waren, keine sonderliche Bedeutung beizumessen war. Daß es sielt auch hier zu regen beginnt, beweist, daß z. B. der „11 a a r e t z" neuerdings eine st.'indlce Kunstrubrik eingerichtet hat, daß die von Bialik und Fichman herausgegebene Monatsschrift „Mosnaim" vmd die offizielle Zeitschrift der Stadtverwaltung .,1(1 i j Ot T « I - A w I w" von jetzt ab regelmäßige Kunstartikcl bringen und sich auch die illustrierte Zeitschrift „Gazit" allmählich mehr durchzusetzen beginnt. Das Publikum muß durch die Presse, durch das Wort, auf Kunst hingewiesen werden. Nur so wird es möglich sein, unseren Künstlern auch eine stärkere Resonanz, zu verschaffen. Boris Aronson Zur Ausstellung In der Galerie SlclmaUky, Jerusalem Wer zum erstenmal in dies nn Problemen überreiche Land kommt, erkennt mit aufrichtiger Hochachtung die Tatkraft, die in einem unvergleichlichen Bezirk geheiligter Ueberlicferungen ein modernes Kunstgetriebe von frischer Lebendigkeit schafft. in Boris Aronson lernen die Kunstfreunde Jerusalems jetzt einen der begabtesten jüdischen Maler unserer Zeit keimen. Kr steht als Sohn des Oberrabbiners von Tel-Awiw in eurer Beziehung zu Palästina, Es steckt eine geniale zeichnerische Begabung in Aronson, von deren Entfaltung die Blätter im letzten Raum bei Stcimatzky Bericht geben: blitzschnell erfaßte l.ebensatisschnltte, mit federnder Leichtigkeit und Sicherheit hingesetzt, In der auf das Notwendigste beschränkten Llnieusprachc voll Geist und Witz. Rußland—Berlin -Amerika sind die Stationen seiner Wanderung und Arbeit. Einige Blätter vom Broadway sehen wir In der Ausstellung. Aua Ncw-F.ngland, bei Boston, stammen die Aquarelle, die wir jetzt sehen, ungemein zarte, feinfühlige Ausblicke. Man spürt vor Ihnen die Liebe und Hingabe, mit der der Maler sich in diese Welt versenkt, ihre frische Luft, ihr kühles Licht, ihre verträumten Stimmungen festhielt. Die Wasserfarben sind Oberaus geschickt und sehr persönlich behandelt; auch das Weiß, das Aronson in besonderer und eigener Form verwendet, hat einen feinen malerischen Klang. Dann ging Aronson nach Paris. An Stelle des kühlen, etwas schüchternen Tons trat jetzt eine saftige Malerei von sinnlicher Fülle. Es taucht hier ein Sonderrevier auf, das auf Aronson Immer schon starke Anziehungskraft ungeübt hatte: Der Zirkus, diese phantastische und groteske Spiegelung des Lebens. Max Oiborn. B>e§ach bei LSdfcesmanin Von Prof. Frani; Landsberger Wieder einmal hat ich den Meister, mich zu empfangen, und wieder staunte ich, als ich seine Zusage in Händen hielt, über diese feste, charaktervolle Schrift, die vom Alter ganz unberührt bleibt. Nicht ohne Zögern machte ich mich diesmal auf den Weg. Iii welcher anderen Lage hatte ich den Künstler vor einigen Jahren getroffen! Damals hatte er eben seinen 80. Geburtstag gefeiert; vielmehr, er war von aller Welt an diesem Tage gefeiert worden, und mit Genugtuung legte er seine nervige Hand auf einen hohen Stoß von Zeitungen und Zeitschriften, die ihm huldigende Artikel gebracht hatten. Damals erzählte er mir auch von dem fruchtbaren Gedankenaustausch mit dem Reichspräsidenten von Hindenburg, der ihm den Auftrag, sein Bildnis zu malen, gewährt hatte. Der Künstler sprach von dem Reichspräsidenten in verehrenden Worten, aber mich dieser hatte sieh der herheu Kunst des großen Naturalisten genähert und war — darauf ließ ein Handschreiben schließen — zu dem Künstler in eine persönlich-warme Beziehung getreten. Nun aber hatte sich Liebermann von seinem öffentlichen Wirken zurückgezogen, hatte die Preußische Akademie der Künste verlassen, die er 12 Jahre als Präsident geleitet und zuletrt als Eluenpräsident betreut hatte. Beim ersten Anblick war der Eindruck der gleiche; das rassige Gesicht stand, wie seine Schriftzüge, in alter Schärfe vor Augen. Aber als er zu sprechen begann, spürte man doch sofort die Depression, die ihn befallen hatte. Früher war sein ganzes Wesen beherrscht von einer zähen, niemals nachlassenden Vitalität, während es mir diesmal schien, als sei der Künstler ermüdet, Dabei hatte er sich auch jetzt keineswegs über die Nichtbeachtung der Welt zu beklagen. Die Schweizer, erzählte er mir, hatten ihm In Zürich eine grofle, materiell und ideell gleich erfolgreiche Ausstellung seiner Gemälde veranstaltet, die Holländer Im Rijks-Musettrn seine Handzeichnungen und Drucke zur Schau gestellt. Eine skandinavische Zeitung hatte von ihm einen Aufsatz zu Ehren de» 70jährigen Edvard Münch erbeten, jenes großen Norwegers, dessen Berliner Ausstellung dereinst einen solchen Sturm der Entrüstung entfacht hatte, daß sich daraus eine Sezession der modern gerichteten Künstler ergab. Es war jene Sezession, die Liebcrmann durch Jahre harten Kampfes zum Siege geführt hatte. Der Künstler schilderte, wie er diesen Münch- Aufsati — gleich allen seinen literarischen Arbeiten, gleäh allen seinen offiziellen Reden, die er niemals aus dem Stegreif hielt — niedergeschrieben habe, aber er müsse, um Sehrt;, ben ru kflnnen. auf die Stunde der Eingebung warten, tonst käme keine Zeile heraus, „In der Malerei", erwiderte ich, „lieben Sie nicht auf die Stimmung gewartet, sondern sich tagtäglich vor die Staffelei gestellt und wie ein Arbeiter Ihren Werktag erfüllt", I.irbmnann suchte einen Augenblick nach Antwoit. Dl.-vi Gegensatz war ihm offenbar noch nie zum BrwulHsein gc kommen. Dann stimmte er bei und gab die schlichte Erklärung;; „Na ja, da* Malen hat mir eben immer solche Freude g>. macht." . Um aber noch einmal auf den Reichtum seiner Bczichun. gen auch in diesen lagen zurückzukommen: auf seinem Schreibtisch häuften sich Bucher und Briefe, und der Künstler seufzte über die Arbeitslast, die ihm au; ihrer Erledigung er. wachse. Von den Büchern war ihm freilich das eine sehr kostbar, der neue Roman von Franz. Wer fei: „Die vierzig Tage des Musa Dagh", die Ihm der Autor mit einer verehren, den Widmung gesandt hatte. „Ich habe Werfel nlrma's kennen gelernt, er war niemals bei mir, aber er schickt mir jedes seiner Bücher." Und er harte den umfangreichen, zwei Rande umfassenden Roman, der das Schicksal der Armenier schildert, mit größter Anteilnahme gelesen, Da ich seine intime Goethe-Kenntnis kannte — das Leica Ooetheseher Gedichte grhörte zu allen Zeitrn zu seinen größten (»ciiihseti ~, wollte ich ihm selbst eine Freude bereiten und hatte Ihm eine der Kunst der Ooethezeit gewkl. mete Arbeit gebracht. „Goethe Ist der goffühnllchsfe Künstler, der je gelebt hat", — «Iis sagte er ohne allei Pathos, als gelte es, eine einfache Feststellung ru treffen. „Und wissen Sie, wer der zweite ist? — Mozart." Nur den bildenden Künstler in Goethe will Liebermann nicht gelten lassen; er meint, die Phantasie des Dichten habe sich nur im Wort in voller Stärke geäußert, Ich tchlusj, besserer Meinung über Goethes bildnerische Fähigkeiten, eine Federzeichnung aus »einen Jugendtagen auf: die Darstelhtrj eines winterlichen Teiche» tn Weimar, von ein paar Schlittschuhläufern belebt von ein paar Weidenstumpfen umstellt, die in ihrem rasclien Strich und in ihrer Schlichtheit wie eine impressionistische Zeichnung wirkte. — „Das könnte ich ja gezeichnet haben", rief er aus. Aber dann meinte er, das Blatt widerlege doch nicht seine Meinung, sei doch mehr ein Zufallsprodukt, und das Beste daran habe das Thema selber getan. Natürlich wurde auch von dem Schicksal der Juden gesprochen. Liebermann ist davon in seiner eigenen Person, und — was ihm bei der Tiefe seines Familiensinnes besonders nahegeht — in seiner Nachkommenschaft bctrollcn. Aber schwerer noch bedruckt ihn die allgemeine Lage der Juden. ,,Und das schlimmste ist, daß man nicht helfen kann." ich sagte Ihm, daß seine bloße Existenz eine Hills bedeute: an ihren großen Begabungen, an ihren großer! Leistungen richten sich die Juden auf; daher ja auch die erhöhte Tätigkeit mancher alten und neu hinzugetretenen Organisationen, die eine Lebenrligmachung der jüdischen Werte erstrebten. Der Künstler ließ diesen Einwand nicht gelten. „Wissen Sie, das ist so, wie wenn ein Mensch totkrank ist, und außerdem hat er den Schnupfen, und nun läßt er sich von dem Arzt die Erkaltung kurieren." Und dieser Vergleich, mochte ich auch seine Skepsis nicht teilen, hatte in seiner ßildhaftigkcit doch etwas Schlagendes. Am Fnde wünschte Ich seine letztentstanden»» Bilder zu sehen, und der Meister schritt die Treppe empor, die zu seinem Atelier führte. Da stand ich wieder einmal in dem hellen, langgestreckten Raum, der so gar nichts AeuRerlich-Phantaslevolfes hat, vielmehr ganz nüchterne Arbeitsstätte Ist, einzig durchwärmt von den gedämpften Farben seiner Gemälde. Da lehnte an der Wand ein vor kurzem entstandenes Gartenbild, unerschöpfliches Thema jeden Sommers, den er in seinem Landhaus in Wannsee verbringt. Da stand das Porträt einer Dame in unendlicher Zvvanglosigkcit Ihr« Haltung und Stellung. Als ich diese momentane Geste hervorhob, sagte er: „Die Bewegung Ist das wichtigste heim Porträt." Auf der Staffelei aber war ein Selbstbildnis des Künstlers zu sehen, auch das ja eines seiner immer wiederkehrenden Themen. Dieses, durch einen breitrandigen braunen Hut charakterisiert, ist für das Museum In Tel-Awiw bestimmt; auch das ludische Museum In Berlin hat ja kürzlich ein Selbstbildnis von ihm zum Geschenk erhalten. „Bei der Arbeit vergesse ich alles um mich herum", sagte der Künstler. Und wie er selbst In seinen Bildern die Arbeitenden in Feld und Werkstatt mit Immer neuer Liebe verherrlicht hat, so fuhrt ihn jetzt die Arbeit von den düsteren Gedanken hinweg, die sein Dasein beschatten. Briefe an die Redaktion Judenwanderung und Chibbaih Zlon Hamburg, den 2, 1. 1931. Sehr geehrte Redaktion! In der „Jüdischen Rundschau" vom 20. 12. 33 heißt es in einem „Glaube und Heimat" übcrschrlcbcncn Aufsatz von K. L.: „Man macht Palästina zu einem gewiß wichtigen, aber doch nicht durch ganz spezifische Eigenschaften ausgezeichneten Auswanderungslaude und degradiert den Zionismus zu einem Teil in der großen Kette der jüdischen Wanderungsbewegung." Dieser Satz erinnert mich an einen Brief A. S. Friedbergs (llar Schalom, volkstümlicher hebräischer Schriftsteller 1838—1902), den er am 27. Ijar 5611 (1881) au lehuda Löh Lewiii richtete. In diesem polemisiert er offensichtlich fegen die „tcrritorlalistischcn" Bestrebungen seiner Zeit, s heißt da u. a.: „Nach alledem sehe ich gar keinen Nutzen In der Bemühung unserer Reichen, Kolonien zu gründen, damit sich unsere Urinier in irgendeinem Lande ansiedeln, das sie schließlich ati'-h aus irgendeinem Grunde au.i-spcien wird, den unsere Feinde gegen uns ersinne». Wir sehen doch, thili ihre ganz«! Mühe bisher nuUlos war, und d»ll sie unserem Volke, das mit seinem gesunde» Jn«tinkt fühlt, daß ihm nicht aus irgendeinem Lande das Heil erblüht, fremd geblieben sind, Messer Ware es, sie konnten ihren Sehnt» auflun, eine Ansiedlung in dem Laude unserer Väter von ehemals gründen. Wir sind genug herumgeirrt iwisclion den Völkern, um Knochen unter den Tisehen anderer aufzulesen 1 Mügcii sie uns doch elen Hoden unseres Krhlandcs zum ewigen He-üt» erwerben, uns irgendeine Führung bestünden, sei es eine llanm- »i'lnill, eine C,nt(\' Imft oder ein Fin .(eiilum; miirjrn sie (ieseuc dnrin erlttwen, tnlmudivhe, römische oder sonst welche, mögen sie einen Herrscher tinsclien, nicht unbedingt uns unserem Volke, »ei er, wer er Immer »ei, ob jüdischen, christlichen, mohmnmedaniichcn oder anderen Glaubens, nur möge er unseren Namen tragen, um unsere Schmach tu loschen. Hätte nur eine beschrankte Anzahl ein Stürk Land m ewigem Desiti, daß wir nicht mehr alle wie Zigeuner auf fremdem Boden, auf dem bitteren Boden des. Galuth seien." (Entnommen seinen „Sicnronoth", Warschau 1899, I p, 137 f.) (Lanz HPd S" nicht rationalistisch begründete Liebe xu Palästina dieser russischen Chowewe Zion wird noch dadurch besonders betont, daß Palästina für sie nicht, wie das heute der Fall ist, In erster Linie ein Land war, das den Juden Gelegenheit gab, sich landwirtschaftlich zu betätigen und so zu gesunderen wirtschaftlichen Verhältnissen zu kommen. Fin so überlegener Kopf wie Perez S m o - lensky schreibt an Elijahu Kaplan: „Wenn il.is I.und au<'h für Landwirtschaft sehr geeignet Ist, so ist es doch norh viel besser für Handel und Industrie; dir Handel eignet es .sieb, denn es verbindet Europa mit Asien und Afrika, und im Laufe einer nicht allzu langen Zeit werden unsere Urinier dort den Handel auf einen hohen Stand bringen" ... (Hiief 71 in ,,Mea Mieluhawint", Wilna 1901.) Noch deutlicher kommt das natürlich bei einem Impulsiven nichlernaltirell wie Kam in er zum Ausdruck, der einerseits die erste Kolonie Palästina in begeisterten Hymnen feierte, andererseits aber von der Landwirtschaft nur einen geistigen Niedergang befürchtete, da doch die Bauern Immer Sklaven des Bodens waren (s. Rawnizki, „Dor we Sofraw" Tel-Awiw 5r>S7/l')27 p. 157 f.). Nur Pinsker machte m. W. eine Ausnahme, er war anfänglich „Territorialist" und sagt in der „Autocmanzipation" ausdrücklich: „Wir braii'h'-n nielits «h ein große« Stück Land für unsere armen Hniilrr, welches uu«er Kigenlum liHben soll, aij» dem kein fremder Herr uns verdrängen konnte," (3, Aufl. p. 23.) Aber Pinsker nimmt unter den russischen Zionistcn eine Sonderstellung ein. Cr stand dem eigentlichen jüdischen Lehen zunächst fern und mußte, ähnlich wie Herzl, erst zum Judentum heimfinden. Die meisten Führer der Chowewe Zion waren aber ehemalige Maskiiiiii (Aufklärer) und In der jüdischen Tradition .aufgewachsen, Für sie Ist Ercz. Israel da» Land der jüdischen Wanderung, nicht wegen seiner besonderen Eignung als Kolonisationsland, sondern well es eben die Heima* 'sl- Dr. Ernst Mainz. Sämtliche für die Redaktton bestimm ton Sendungen tmcl Beiträge sind nicht An einzelne Personen, sondern an d»o Redaktion der „Jüdischen Rundschau" zu adressieren, da sonst Verzögerungen unvermeidlich sind. Hebräisch - schreibende Westjuden Charlottenhurg, den 30, Dezember 1033. Sehr geehrte Redaktion! Ernst Simon bezeichnet in seinem Brief „Gruß dem Freunde" („Jüdische Rundschau" Nr. 102) Hugo Bergmann als „den ersten Westjuden, der — seit Mendelsohn I — wieder anfing, hehrnlsch zu schreiben". Diese Behauptung bedarf einer Richtigstellung. Moses Mendelsohn ist im Jahre 178fi gestorben. Die hebräische Literatur hat aber auch im V). Jahrhundert westeuropäische Namen aufzuweisen. Ich gebe hier folgende nach ganz zufälligen Gesichtspunkten zusammengestellte Aufzählung. Im deutschen Sprachgebiet: David Samosz, gest. 1861 in Breslau (hebräischer Schriftsteller: „Resissc Mcli/ah," Flecharuz whcazel" u. v. a.). Raschkow, gest. 1876 Posen („Amnon und Tamar"). Moses Mendelsohn, Namensvetter des Philosophen, gest. 1867 Hamburg („pnej Tewel" u. v. a.). Zu erwähnen ist noch der hervorragende Orientalist Moritz Steinschneider, gestorben 1007, der nicht nur eine Anzahl hebräischer Artikel verfaßte, sondern sieh auch ah hebräischer Dichter versuchte. Zu etwa gleicher Zeit wirkten in Holland: Gabriel Polak (gest. ItW) In Amsterdam) und Samuel Mulder (gest. 1862 in Amsterdam); beide veröffentlichten eine Reihe von hebräischen Werken. Völlig unverständlich bleibt es, wie Ernst Simon eine so bedeutende Erscheinung wie Samuel David Luzatto (gest, 1865 in Padua) es war, ühetsehen konnte, dessen Schaiien einet Höhepunkt der hebräischen Literatur darstellte, Mit Zioitsgruß! Esther Pinei. *.* Es ließen sich noch andere Namen von Männern *ufführen, die „im deutschen Sprachgebiet" hebräisch geschrieben haben; die meisten von denen — wenn nicht alle — waren aber In Wahrheit „Ostjuden", eventuell in zweiter Generation- Luzzatto scheidet'u. E. aus der Betrachtung aus, da j« vorwiegend an Wcstjudcu des „deutschen" Kulturkreises gedacht war. Im übrigen nehmen wir an, daß E. S. auch mit dieser Einschränkung seiner Bemessung des Verdienstes vis H, B. einverstanden sein wird. (Red.).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.