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Jüdische Rundschau · 1932-12-20 · Heft 101 (20.12.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 101 (20.12.1932)
Date
1932-12-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 101, 20. XII. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 495 Aus den Gemeinden Der Dortmunder Skandal Von Max Berl und Irvin Fisher, Dortmund. Der jüdischen Öffentlichkeit des In- und Auslandes ist der Dortmunder Skandal durch die Presse bekannt geworden (s, ״J.R.“, Nr. 86), und immer größere Kreise rücken von diesem unjüdischen Vorgehen entschieden ab. Nur die Dortmunder Liberalen und ihre Repräsentanten fügen zu den alten Verleumdungen noch neue hinzu. Da, vor allem der Vorstand der Dortmunder Synagogengemeinde, die bekannt gewordene, von ihm abgefaßte Eingabe an den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen nicht mehr abstreiten ka״n, versucht er seine Haltung durch eine völlige Entstellung der vorausgegangenen Tatsachen zu rechtfertigen. Das zwingt uns, noch einmal in aller Ocffentlichkeit, wenn auch kurz, auf die Vorgänge der letzten drei Jahre einzugehen. Die heute noch gültigen Satzungen der Synagogengemeinde Dortmund enthalten das Mehrheitswahlrecht (unter Ausschluß der Frau), Abhängigkeit des Wahlrechts von der Steuerleistung und dreijährige Karenzzeit für In- und Ausländer. Unser Kampf ging dahin, diese veralteten Satzungen durch demokratischere abzulösen, und wir traten daher für Proportionalwahlrecht, unabhängig vom Zensus, aktives und passives Frauenwahlrecht und Beseitigung der Karenzzeit ein. Da uns in Verhandlungen vor der *Wahl des Jahres 192) keine genügenden Zusicherungen gegeben wurden, lehnten wir damals eine Wahlbeteiligung ab und erhoben gegen die Wahl Einspruch, weil die Wahlliste Unrichtigkeiten aufwies. Auf Grund der bestehenden Satzungen wurde jedoch dieser Protest abgelehnt, aber die Behörden schlossen sich insofern unserem Einspruch an, als sie die Gemeinde zur Abänderung ihrer Satzungen aufforderten. Diesem sichtlich unangenehmen Ersuchen kamen Vorstand und Repräsentantenkollegium nur sehr zögernd nach, so daß die Regierung sogar feste Termine zur Einreichung des neuen Satzungsentwurfes vorschrieb. Als auch diese Maßnahme, trotz abgegebener Versprechen des Vorstandes, zu keinem Erfolge führte, sah sich die Regierung veranlaßt, die bereits angedrohte Nichtgenehmigung des Haushaltsplanes in Kraft zu setzen. Eine weitere Verschärfung wurde vermieden, da in den kritischen Tagen der Regierung endlich der neue Satzungsentwurf zur Genehmigung eingereicht wurde. Auch dieser Entwurf enthält eine Reihe Unbilligkeiten, wie Pluralwahlrecht für Vorstand, weitestgehendes Vetorecht des Vorstandes, Ausschließung von Frauen aus dem Vorstand, Ernennung von vor 3 Jahren gewählten Stellvertretern zu Vollvertretern und ganz besonders die Verschlechterung der Satzung durch Neueinführung einer Ausländerkarenz von 5 Jahren soll, und offensichtlich dazu dienen, die augenblick-!ich bestehenden Machtverhältnisse, entgegen dem wirklichen Kräfteverhältnis in der Gemeinde, für Tange Zeit zu stabilisieren. Wir legten daher auch gegen diesen Entwurf bei der Regierung Protest ein, wobei wir wieder die Feststellung machen konnten, daß die Regierung, besser als Vorstand und Repräsentanz, sofort die Rechtlichkeit unserer Forderungen erkannte und eine Abänderung der strittigen Punkte wünschte. Als Antwort sandte der Vorstand die berüchtigte Eingabe. Es ist bezeichnend, daß die Verantwortlichen der Dortmunder Gemeinde nach Bekanntwerden ihrer Eingabe es nicht für nötig befunden haben, Ton oder Sinn abzuschwächen und keiner, auch der nicht direkt Beteiligten, ein Wort des Bedauerns für angebracht hielt. Das Wichtigste war ihnen die Abwehrtaktik, die sich auf zwei Punkte erstreckte: 1. Herab- Setzung des Gegners, der solch eine Eingabe zu entdecken und dann auch noch zu veröffentlichen wagte, und 2. Dar- Stellung der eigenen Haltung als gerechte Entrüstung über die dauernde Provokation. Beide Punkte spielten die Hauptrolle, als die ostjiidischen Vertreter die Behandlung der ganzen Frage in öffentlicher Sitzung forderten. In einer geheimen Sitzung wurde gegen höhere zionistische Beamte der mutmaßliehe Verdacht einer unbefugten Einmischung bei den zuständigen Regierungsstellen ausgesprochen. Und in öffentlicher Sitzung _ wurden geheimnisvoll, in eindeutiger Charalcterisierung, die Unterzeichneten verdächtigt, sich auf betrügerische Weise bei der Stadtverwaltung Einsicht in die Gemeindeakten verschafft zu haben. Da beide Beschuldigungen den Stempel der Verzweiflungslüge auf der Stirn tragen, dürfte selbst den liberalen Freunden des Vorstandes der Glaube daran sehr schwer geworden sein. Auch beim zweiten Punkt ihrer Abwehr passierte den liberalen Herren das Mißgeschick einer Fehlspekulation. Sie wollten aus unseren Eingaben und miindliehen Besprechungen bei den Behörden die Berechtigung ihrer Eingabe nachweisen. Wie man sich allerdings dasjenige vorstcllt, was die Ungeheuerlichkeiten des Vorstandes entschuldigen könnte, ist uns noch bis heute schleierhaft. Jedenfalls waren wir guten Gewissens und damit einverstanden, daß unsere Eingaben öffentlich verlesen werden, worauf man dann bemerkenswerterweise verzichtete. In der öffentlichen Repräsentantenversammlung, die nach langem Zögern gewährt wurde, betonte der Vorstand, daß nach all den Jahren der vornehmen Zurückhaltung, die er auf unsere unerhörten Angriffe bei der Regierung geübt hatte, die Eingabe als berechtigte Entrüstung aufzufassen wäre. Es würde zu weit führen, jede in dieser Sitzung geäußerte Entstellung der Tatsachen hier aufzuzeigen. Die ,,vornehme Zurückhaltung“ bestand aber darin, daß bereits im März 1931 gegen drei Stimmen bei einer Enthaltung Vorstand und Repräsentanz den Beschluß faßten, der Staatsregierung die zionistischen Kreise als Störenfriede hinzustellen, und weiter darin, daß am 24. März 1931 der Vorstand an die Regierung ein Schriftstück sandte, in dem er von den ״völkisch eingestellten Zionisten spricht, die ihr Deutschtum verleugnen, während der überwiegende Teil der Gemeinde sich treu mit ihrem Deutschtum verbunden fühle“, worauf in diesem Blatt schon hingewiesen wurde, usw. Das Bedauerlichste bleibt, daß unter den liberalen Mitgliedern unserer Gemeinde und auch bei den liberalen Repräsentanten das Gefühl vorherrscht, daß jedes Wort der Einabe zu Recht bestehe, und daß ihnen selbst nach so langer edenkzeit, wo ihnen der Zorn der ersten Erregung nicht mehr als urteilstrübend zugebilligt werden kann, das einfachste Verständnis für jüdisches Gemeinschaftsbewußtsein abgeht. Die Repräsentantenversammlung sprach mit einer Stimmenthaltung gegen die Stimmen der ostjüdischen Vertreter daher dem Vorstand für diese Eingabe ihr Vertrauen aus und z'vang damit die ostjüdischen Vertreter, von einer weiteren Mitarbeit abzusehen. Eine besondere Verschärfung wurde durch die Erklärung der ״Liberalen Vereinigung״ hervorgerufen, die sich dazu verstieg, die Eingabe ihres Gemeinde- Vorstandes mit all ihren Folgen als bewußte Wahlpropaganda unsererseits auszulegen. Der Widerhall, den bisher die Dortmunder Angelegenheit in der jüdischen Welt gefunden hat, beweist die Bedeutung, die über den Rahmen eines Lokalstreites hinausgeht. Als einziger Lichtblick in der Trostlosigkeit der unjüdischen Haltung bei den deutschen Liberalen erscheinen uns heute die Ansätze, die in liberalen Kreisen anderer Länder vorhanden sind. So wurde uns mitgeteilt, daß man bei den Liberalen Hollands die Haltung des hiesigen Vorstands scharf verurteilt und diese Art von jüdischer Gemeindepolitik als rückständig und den allgemeinen jüdischen Interessen abträglich empfindet, ja sogar als Gefährdung der begonnenen holländischen liberalen Arbeit ansieht. Vielleicht irren wir uns, und selbst die liberalen Juden in Deutschland verschließen sich nicht der Erkenntnis ihrer ausländischen, diesmal westlichen Gesinnungsgenossen, und lernen, daß die Verwaltung einer jüdischen Gemeinde auch jüdische Pflichten und jüdisches Verantwortungsbewußtsein nach sich zieht. BerlinerRepräsentanten-Versammlung (Sitzung vom 15. d. M. — S. auch erste Seite.) Bei Beginn der Sitzung begründet Vorstandsmitglied Adolf Schoyer den Steuer-Entwurf: Dieser zerfällt iti zwei Teile. Im ersten Teil wird eine Aenderung des Statuts dahin beantragt, daß als Maßstab für die Besteuerung neben der Reichseinkommenauch die Vermögenssteuer herangezogen, jedoch nur eine der beiden Steuern dem einzelnen Pflichtigen — und zwar die der Gemeinde günstigere — auferlegt werden kann. Im zweiten Teil wird Festsetzung der Steuerquote aut 13 »/o (bisher 11 0/0) der Reichseinkommensteuer 1931 (unter Freistellung von Einkommensteuern bis 75 RM.) bzw. 30 «ö der' Reichsvermögenss*euer voTgcschlagen. Die Steuereingänge 1932 werden etwa 4,3 Mill. RM. betragen und sind für 1933 aut 3,6 Mill. RM. zu schätzen. Alle tragbaren Einsparungen sind vollzogen, doch sind zahlreiche Ausgaben zwangsläufig, aut sozialem Gebiete sogar gestiegen. Das Defizit für 1932 beträgt eine Million RM. und muß noch vor Jahresschluß und Beginn des neuen Etatjahres gedeckt sein. Trotz der Not muß, soll die Gemeinde sich nicht selbst aufgeben, die Steuerquote erhöht werden, zumal selbst 13 0/0 noch hinter dem Steuersatz aller anderen jüdischen Gemeinden in Deutschland Zurückbleiben. In der Vermögenssteuer ist eine neue, die breiten Massen kaum belastende Steuerquelle zu erschließen, die vor allem einkommenloses Vermögen treffen soll. Die Mehreingange auf Grund der Vorlage schätzt Schoyer auf 800 000 RM. für die Einkommen- und auf 200 000 RM. für die Vermögens- Steuer. Abschließend bittet Schoyer die Repräsentanten, der Verwaltung im Kampfe gegen Austritt aus Steuerscheu zu helfen, und erwähnt, daß unter dem Eindruck der jüdischen Not auch manche den Weg zurück schon wieder gerunden haben. Landgerichtsrat Rau (Volkspartei) hält eine unbegrenzte Festlegung aut die Vermögenssteuer im Statut für bedenklich und beantragt die vorläufige Beschränkung auf 1932, zumal der Etat für das Steuerjahr längst verabschiedet sei. Verwaltungsdirektor Dr. Breslauer begründet die weitgehende Fassung der Vorlage. Dr. Fleischer (Liberal) will zwecks schleuniger Regelung dem Zusatzantrage Rau nicht widersprechen. Der erste Teil wird mit dem Zusatzanfrage einstimmig angenommen. Zu Teil 2 kündigt Alfred B e rg e r als Sprecher der Volkspartei Stimmenthaltung an. Die Volkspartei verkenne nicht die Notwendigkeit großer Opfer für die Gemeinde, begrüße auch den Mut des Vorstandes, den Etat im Interesse der Aermsten und der Sozialeinrichtungen zu überschreiten, sie mache aber ihre Zustimmung zu Teil 2 der Deckungsvar- Jage von der Sicher ung einiger Grund f0 r deru ngen abhängig, die keineswegs Parteiforderungen seien: Errichtung der nötigen Volksschulklassen zu Ostern; angesichts der Schulnot der Staatenlosen und der hierdurch bedingten kulturellen Gefahren; ausreichende Fürsorge für ostjüdische Einrichtungen und die Schule des Jüdischen Schulvcreins; Subvention für den Bedeutsames leistenden ״Bar Kochba“ u. ä. m. Die Volkspartei will zugleich ihre Mißstimmung gegen den olitischen und personellen Kurs der Mehrheit 1m Vorstande undtun, zumal die Vorlage erst gestern eingegangen und ihre Durchpeitschung doch mit den früheren Vorwürfen der Liberaten gegen das Finanzregime Kareski unvereinbar sei. Die Liberalen hätten jetzt sogar interfraktionelle Besprechungen abgelehnt. Der Finanzdezernent Wilhelm Graetz bedauert diese Haltung der Volkspartei. Um Beunruhigung der Gemeinde und jeden Ansatz zum Steuerfluchtaustritt zu verhüten, sei ein einmittiges Votum geboten. Hans Goslar wünscht eine große Aktion zur Rückgewinnung fernstehender und aus häufig nichtigern Anlaß ausgetretener Juden für die Gemeinde. Der Gemeindevorsitzende K 1 e e m a n n kündigt Vorschläge im Sinne Goslars an. W o y tl a (Üb.) stimmt dem zu und appelliert an die Volkspartei, daraus die Folgerungen durch Annahme der Steuervorlage zu ziehen, zumal Etat und neue Ausgaben einstimmig beschlossen seien. Dr. Oskar Cohn (Poale Zion) stimmt der Vorlage zu, betont aber, daß hierin keine Zustimmung zum allgemeinen Kurse des Vorstandes liege, den er nach wie vor bekämpfe. Berger verteidigt seine Stellungnahme nochmals mit der Sorge um die. jüdische Schule als Fundament jüdischer Zukunft. ln der Abstimmung wird Teil 2 der Vorlage mit den Stirnmen von Liberalen, Dr. Wiener (Mittelpariei) und Dr. Cohn (Poale Zion) bei Stimmenthaltung der Volkspartei angenommen. Eine lange erregte Debatte knüpft sich an die Vorlage des Vorstandes, nach der das unter Führung des überalen Kultusausschusses im Preußischen Landesverband geschaffene ״Liberale Einheitsgebetbuch“ in der Synagoge ״F r i edenstempel“ (Halensee) eingeführt werden soll. Die Vorläge wird schließlich gegen Volks- und Mittelpartei bei Stimmenthaltung von Dr. Cohn angenommen. Eine Vorlage auf Bevorschussung der nächstjährigen Subvention für die Akademie für die Wissenschaft des Judentums wird einstimmig angenommen. Hierbei teilt der Gemeindevorstand durch Dr. Sandler mit, daß die akute Not aller jüdisch-wissenschaftlichen institute, vor allem der Rabbinerbildungsanstalten, den Vorstand zu einer Sonderaktion veranlaßt habe, die in diesen Tagen die größten Existenzsorgen für die nächste Zukunft lindern werde. Dr. Wiener (Mittelp.) interpelliert ausführlich über die bei den Festgottesdiensten gemachten Erfahrungen und wünscht Abtragung äußeren Prunks, Verinnerlichung, Demokratisierung der Synagogenehren und Einstellung auf die Bedürfnisse der Jugend und auf die soziologische Umschichtung der Juden in Berlin zwecks Heranziehung wertvoller Kräfte. Wiener fordert Vertiefung jüdischen Wissens und hebräischer Sprachkenntnisse. Dr .Mayer (Üb.) schließt sich 1m wesentlichen Wieners Wünschen an. Professor Brodetsky trat am 14. Dezember eine Propagandareise an, die ihn durch eine Anzahl mittel- und osteuropäischer Länder führen wird. Er wird in Warschau, Czernowitz, Kischinew, Bukarest, Budapest, Wien in öffentlichen Kundgebungen sprechen und Beratungen abhalten, dann auf seiner Rückreise Berlin, Brüssel und Antwerpen besuchen, Eine Spinoza «Ausstellung der Jüdischen Gemeinde Am 15, Dezember fand die Eröffnung der Spinoza- Ausstellung der Bibliothek der Jüdischen Gemeinde statt. Die Ausstellung, die vom Bibliotheksdirektor Dr. Josef Meisl und dem Bibliothekar Dr. Rabinowicz arrangiert wurde, gibt ein Bild vom Leben und Denken Baruch Spinozas. Zur Erofftiung hatten sich der gesamte Vorstand und fast alle Repräsentanten der Gemeinde eingefunden. Die staatlichen Museen waren durch Prof. Kurth, die Universität durch Professor Hoecker, die jüdischen Vereinigungen und Institute durch ihre führenden Mitglieder vertreten. Vorstandsmitglied Dr. Aron Sandler begrüßte die Erschienenen und führte dann u. a. aus: ״Es handelt sich um einen Versuch, das Leben und das Schaffen des jüdischen Philosophen Spinoza durch Vorführung von Buch- und Bildmaterial und von Urkunden dem Publikum lebendig vor Augen zu stellen. Die Ausstellung ist die einzige Spinoza-Ausstellung in Deutschland, die gelegentlich der Wiederkehr des 300. Geburtstages des Philosophen veranstaltet wird.“ Dr. Sandler gab einen Umriß der Ausstellung und fuhr dann fort: ״Da das Material in einer Art zusammengestellt ist, wie dies unseres Wissens bisher noch nicht geschehen ist, so liegt ein wissenschaftliches Intcresse vor. die "Zusammenstellung als solche literarisch festzuhalten. Von der Herstellung eines Katalogs haben wir aus Ersparnisgründen abgesehen, jedoch wird alsbald für Interessenten, insbesondere für Bibliotheken, eine kurze Zusammenfassung des gezeigten Materials publiziert werden. Die Materialien für die Ausstellung sind in sorgfältiger und mühevoller Arbeit von dem Leiter der Gemeindebibliothek, Dr. Meist, und dem Bibliothekar, Dr. Rawidowicz, beschafft und bearbeitet worden. Ich spreche im Namen des Gemeindevorstandes und der Bibliothekskommission den genannten Herren hierfür unseren Dank und unsere Anerkennung aus. Die Materialien stammen zu einem Teil aus dem Eigen bestände der Gemeindebibliothek und des Jüdischen Museums der Gemeinde. Die schwere ■Aufgabe, die seltenen Stücke herbeizuschaffen, wurde uns durch das Entgegenkommen und die freundliche Unter- Stützung von seiten der Besitzer der Dokumente erleichtert. Hierfür spreche ich namens des Gemeindevorstandes und der Bibliothekskonimission den Bibliotheken des In- und Auslandes, die uns unterstützt haben, in Berlin vor allem der Preußischen. Staatsbibliothek, der Universitätsbibliothek und dem Kupferstichkabinctt, sowie mehreren Privatpersonen, denen wir wertvolle Leihgaben verdanken, unseren Dank aus. Mit fachmännischer Beratung hat uns vor allem der Spinozaforscher und -Sammler Herr Dr. Carl Gebhardt in Frankfurt a. M., dem wir außerdem wertvolle Leihgaben verdanken, unterstützt.“ Nach Dr. Sandlers Ansprache fand eine Führung du־׳ch die Ausstellungsräume statt. Eine außerordentlich große Reihe von Bibliotheken, wissenschaftlichen Instituten und Museen des In- und Auslands — alphabetisch geordnet, von Amsterdam bis Weimar — durch Leihgaben haben an dieser Ausstellung Anteil, ln der Ausstellung sind zahlreiche Urkunden, zum Teil im Original, zum Teil in der Photographie, zu sehen, so u. a. die Ufkünde des gegen Spinoza gesprochenen Banns (aus dem Archiv der portugiesisch-jüdischen Gemeinde Amsterdams), die Urkunde über das Verbot des Philosonliisch-Politischen Traktats, Dokumente über wirtschaftliche Transaktionen Spinozas, der eine Zeitlang zusammen mit seinem Bruder ein Wechselgeschäft betrieben hat, das berühmte Siegel Spinozas, Dokumente über seinen Nachlaß, Spinoza-Briefe in Originalhandschrift und faksimiliert, Originalhandschriften von Werken Spinozas, Bilder aus Spinozas Amsterdamer Zeit, darunter Spinozas Elternhaus, sehr viele Spinoza-Bildnisse (unter ihnen auch die falschen), Bilder von Spinozas Freunden und Zeitgenossen, Spinoza-Ausgaben in allen Sprachen, darunter die mit falschem Autor- und Verleger« namen veranstaltete Erstausgabe des Traktats; Goethes, Schopenhauers, Leibniz’ Handexemplare von Spinozabikhern mit Randbemerkungen der Besitzer, eine umfassende Sammlung Spinoza-Biographien, Spinoza-Romane, eine große Sammlung von Literatur über Spinoza in allen Sprachen, angefangen vom 17. Jahrhundert, eine Handschrift von Charlotte v. Stein nach dem Diktat Goethes: ״Studien nach Spinoza“, eine Sammlung ״Spinoza und das Judentum“, eine Sammlung ״Spinoza in Deutschland“, Spinoza-Ausgaben in Hebräisch und Jiddk־׳h, schließlich die auf Grund des Nachlaß-Verzeichnisses von Fk. Rawidowicz rekonstruierte Bibliothek Soinozas in denselben Ausgaben, wie sie im Spinoza-Haus׳* zu Rijnsburg aufbewahrt werden. Die Ausstellung enthält Schriften und Urkunden von großem Wert, darunter mehrere Unika. Der Sinn der Makkabi-Bewegung Von Lord Melchett. Der zweite Lord Mehhett, Sohn von Sir Alfred Mond, wird dieser Torfe in Berlin Gast des Makkabi-Wrltverbnndes and der Z.V.f.D. sein. Der Mnhhnbi-Weltverhnnd stellt uns aus diesem An• laß einen Aufsatz Lord Mrlchetts zur Verjüqnng, dem die nachstehenden Abs! hnitte entnommen, sind. Der llauptteil des Artikels, der eine he (feister te Schildernng der Mnkknbiah in Tel-Awitu ffibt, wurde weqrjehmen, da wir srtion mehrmals ausführliche Beschreihan• rjen dieses Sportfestes veriitfentlieht haben. Red. Der Ideengehalt der M a k k a b i b e w e g u n g ist sehr alt, und es scheint mir, daß er vor allem drei Dinge enthält: natürlicher Widerstand gegen Unterdrückung, physische und moralische Disziplin, Entwicklung von Mut zur Verwirklichung unserer Ideale. Kein Volk, das so wie die Juden gelitten hat, kann ohne Schaden für seinen Charakter bleiben, auch wenn es zur glei h n Zeit eine geistige Reinigung erfahren hat. Eine der gewöhnlich« sten und oftmals begründetsten Beschuldigungen unserer Feinde ist, daß es den Juden an Mut fehlt. Daß ein kleines Volk, die kleinste Rasse der Erde, in zweitausend Jahren der Verbannung und der Verfolgung die Kraft verloren hat, zurückzuschlagen, ist kein Wunder. Auf dem Makkabi, und auf dem Makkabi allein ruht die Verantwortung, diese Seite des jüdischen arakters zu ändern. Physische und seelische Bereitschaft geben einem Menschen die Macht, seinem Widersacher entgegenzutreten. Sie geben ihm das Vertrauen zu sich selbst und die Geistesgegenwart, seine Erregung zu meistern und seine Kaltblütigkcit zu erproben. Das geistige, seelische und physische Gleichgewicht ist von vitaler Bedeutung für ein Volk. Es ist die Arbeit der Makkabibewegung, der jüdischen Jugend diese Eigenschaften eindringlieh und immer wieder anzuerziehen. Der Makkabi hat zur Aufgäbe, jungen jüdischen Männern und Mädchen das Ideal eines vollkommenen Körpers nicht nur der Aestheiik wegen aufzuzeigen, sondern vor allem die klassische Selbstbeherrschung durch Einsicht und Moral anzuerziehen, was allein durch sportliehen Wettkampf und edle Leibesübungen erreicht werden kenn. So gesehen treten wir in eine neue Aera jüdischen Lebens ein. Die Makkabim haben in diesem Jahre zum erstenmal in der Geschichte, soweit mir bekannt ist, ein Weltsportfest in Tel- Awiw abgehalten. Ich war am ersten Tage anwesend, und es bot sich mir das anregendste und wunderbarste Schauspiel seiner Art dar, das ich je sah. Lasset uns unsere Energien zusammenfassen, den errungenen Erfolg zu sichern und auszubauen, wurzelnd in den drei . ■ - ■י■ י י י״ "6

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