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Jüdische Rundschau · 1932-12-13 · Heft 99 (13.12.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 99 (13.12.1932)
Date
1932-12-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 99,13. Xtt 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 483 IS- ■a las eil :11. als len hl :sc fenst nd nkt der üd. zu cs >arnur Sicr «e־ aan zur hen und ,eils uge men seium“ mg“ soll llliikin eher, blich 1929 eider tigen sehen 11 in iticrt nur Teil dien ifellos ׳eise herall Tragüeratenetwas eiter: und chen, einlich Haans Art) nicht rien“ Veit.“ eine missen, iterie gkeit.!emals auszuzior das quisi- Taufindem ärbeits- 1s, die für de Vereines rn, beazifistiersität, Pro- Nichts hätte nicht zum ftigen liichtig d ansin Begeworn Oekehrt lisclier dann e von Denker würde!rieben nne als Zweigmanch- 1en Erch erertrag- Inzestutnacht Franz im ge- Je, von ie Abes Mon fort: werden tniszenawürdimüssen 1 unter ו sollte tändige en, die tm der Gemeinschaft willen und Liebe um Gottes willen. Der Mut, dem eigenen Volke zu trotzen und ihm zu sagen, was ihm fehle, und woran es leide....“ Das sind die Worte des Schriftstellers und Politikers de Vricndt, die sich, auf einem Briefentwurf, nach seinem Tode im Papier korb fanden. Es sind die Worte des Schriftstellers Arnold Zweig. Es sind schöne und aufrichtige Worte, und wir glauben sic ihm. Wir hoffen, er wird sie in künftigen Büchern wieder mehr wahr machen, aber in diesem Buche ist es ihm nicht durchaus gelungen. Die Reportage im Buche, die einen so großen Raum einnimmt, ist an manchen Stellen nicht unanfechtbar. Es ist unerträglich, fiir jemanden, der im Ernst des palästinensischeri Geschehens steht, nach der Schilderung eines Teiles der Augustunruhen die Geistreichelei zu lesen, welche die Verhetzung der Araber beklagen soll; ״Wozu lernen Analphabeten auch die Kunst des Lesens....“ Es ist ebenso unerträglich wenn, im Stile eines Kriegs- oder Nachkriegs- Korrespondenten, von den ״deutschen Jungens“ von Markenhot gesprochen wird, die sich ״ihrer Haut wehren wollen“. Es ist allzu verräterisch, wenn der psychologistische Erlebnisstandpunkt des Reporters sich in den Worten enthüllt, mit denen die (selbst reichlich romanhafte) Erzählung vom Tode A. D. Gordons abschließt: Es würde sehr gut sein, unvergeßlich für alle Tage des Lebens, mitzugehen, wenn die Landarbeiter von Dagania N. A. Nachmann begruben.“ Muß man da nicht an die furchtbar richtenden Verse Stefan Georges denken: ״In alle Seelen einzudringen gierig, blieb seine eig’ne unbebaut und öd“ —? Ein lebendiger Mensch sammelt keine Erlebnisse..., * Wir sind am Ende. Dichtung fordert die Verantwortung des Dichters gegenüber der inneren Glaubwürdigkeit seiner Gestalt. Wahrheitsschildcrung fordert die Verantwortung des Berichterstatters gegenüber der treuen Tatsächlichkeit der Vorgänge. Dichtung und Wahrheit, die Mischung beider Elemente, fordert nicht nur che Summierung solcher Vcrntit- Wörtlichkeiten, die sie vielmehr unmöglich macht, sondern ihre gegenseitige Durchdringung und Potenzierung, Goethe hat das höchste Beispiel dafür gegeben. Arnold Zweig hat es daran fehlen lassen. Presseschau Dr. Paul Rohrbach, der sich gegenwärtig wieder auf einer Orientreise befindet und darüber in verschiedeneu deutschen Zeitungen berichtet, schreibt in einem ״Englands Gleichgültigkeit“ überschricbenen Artikel der ״Kölnischen Z e i t u n g“ u. a.: . Früher lebte im englischen Imperialismus ohne Zweifel auch ein großes K u 1 - turideal. Man braucht mir an seine eigentlichen Väter, an Cedi Rhodos, Lord Curzon, an Josef Chamberlain und ihren ganzen Kreis zu denken, um sich das zu vergebenwärtigen. ״The White Man’s Bürden“, des weilten Mannes Bürde, seine ״moralische“ Pflicht, unentwickelte Länder aut der Bahn der Zivilisation vorwärtszubringen, war jalirzehntelang als Schlagwort, aber es war doch auch als ein wirkliches Ideal von den englischen Imperialisten proklamiert. Von diesem Bekenntnis ist iin englischen Orient nichts übriggebiieben. Es gibt nur zwei Gesichtspunkte: der eine heißt Del, und der andere heißt Sicherung der Verbindungsiinie nach Indien. Kulturarbeiten spielen keine Rolle mehr. Palästina hat ein wunderbares Straßennetz bekommen, aber hauptsächlich aus Sicherheitsgründen. Am merkwürdigsten ist die Haltung der Engländer gegenüber der jüdischzionistischen Kolonisation in Palästina. Durch die sogenannte Balfour-Deklaration von 1917 wurde den Juden das Versprechen einer ״öffentlich-rechtlichen Heimstätte“ in Palästina gegeben, vorbehaltlich der Besitzrechte der einheimisch arabischen Bevölkerung. Zur ״Heimstätte“ im Sion der Balfour-Deklaration gehörte selbstverständlich Grunderwerb, und cs ist bis vor kurzem auch ziemlich viel Grund und Boden in jüdischen Besitz übergegangen. Durch die Abtrennung des Ostjordanlandes, das viel dünner bevölkert ist und mehr gutes Land hat als das westliche Hochland, wurde aber die Kolonisationsmöglichkeit von vornherein sehr beschränkt. Bald fingen die Araber an, heftig gegen den jüdischen Landerwerb zu protestieren. Was bisher an zi-onistisehen Kolonien gegründet ist, macht, nachdem mancherlei Eingangsschwierigkeiten überwunden sind, einen sehr guten Eindruck. Es ist ein w i r k 1 i c h e s, s 0 1 i d e s jüdisches Bauerntum entstanden. Der Streit mit den Arabern aber ist da, und die englische Verwaltung tut nichts, um die Dinge zu regeln. Es sieht so aus, als ob sie sich damit begnügt, die reichen Zollcinnahmen, die aus der jüdischen Siedlungstätigkeit entstehen, für den Aufbau eines sehr großen Beamtenapparats, für den Straßenbau und für die Dotation des Emirs des Ostjordaulandes, dessen Gebiet von Natur arm ist, zu benutzen.“ * Unter den Zuschriften, die der ״J e w i s h Chronicle“ anläßlich seiner Veröffentlichung ״Im dunkelsten Deutschland“ (s. Nr. 96 der ״J. R.“) erhalten hat, befindet sich auch das folgende Schreiben Bernard Shaws: ,,Es fällt mir schwer, zu glauben, daß die in Ihrem Artikel ,Im dunkelsten Deutschland‘ zitierten Aeußerungen repräsentativ sind, ln jedem Lande findet man rabiate Menschen, die eine Phobie gegen Juden, Jesuiten, Armenier, Neger, Freimaurer, Iren oder Fremde schlechthin haben. Es besteht ein Vorurteil gegen Chinesen als lohndrückende Schwerarbeiter und gegen Juden als ״Finanzmänner“ und ״Internationalisten“. Es gibt politische Parteien, die nicht zu schlecht dazu sind, diese Aengste und Eifersüchteleien für ihre Zwecke auszubeuten. Kein Programm — versuch’s mit einem Pogrom — das ist der allerletzte Ausweg für eine geistig bankrotte Partei.“ Wortklauberei. Lehrer Max Holländer (Essen), der Führer der Geserd-Bewegung im Rheinland, schickt uns zu unserem Duisburger Bericht in der Nr. 95 vom '29. Nov. eine ״Berichtigung“, in der er bestreitet, gesagt zu haben: 1. daß die Propagierung des kommunistischen Gedankens unter den Juden als primäre Aufgabe des Geserd zu betrachten sei, 2. daß Mischehen, Assimilation und Auflösung des Judentums in Kauf genommen werden müssen. Als Referent in jener Versammlung, in welcher Holländer gesprochen hat, und auf Grund stenographischer Aufzeichnungen eines Versammlungsteilnehmers sehe ich mich veranlaßt festzustellen, daß Herr Holländer ausdrikklich erklärt hat: 1. Primat der ״Geserd“-Bewegung sei die sozialistische Lösung der Judenfrage (da diese in Biro Bidsclian erstrebt wird, also nach der kommunistischen Methode) und 2. 'daß man die im Gefolge des Produktivierungs- Prozesses in Sowjetrußland vor sich gehende Auflösung des jüdischen Volkstums als eine natürliche Erscheinung gelten lassen müsse. Dem Sinne nach hat also Herr Holländer das gesagt, was in der Nr. 95 der ״Jüd. Rundschau“ berichtet wurde und seine Richtigstellung ist nichts als Wortklauberei. M,W, Hamburger Brief Hamburg, Ende November 1932. Die beginnende Sommerzeit fand die Hamburger Zionistische Vereinigung am Schluß einer ziemlich regen Tätigkeit, die ihren Ausdruck in einer größeren Reihe von Voranstaltungcn während der Wintermonate und noch im Frühjahr gefunden hatte. Es gelang auch zu Beginn des Sommers, den seit langem gefaßten Plan eines C h a 111 z - H e i m s zu vorwirklichen - ein Eirfolg, der neben den außerordentlich regen Bemühungen einiger weniger Gesinnungsgenossen vor allem der Initiative von Frau Dr. Heppner, der Leiterin des hiesigen Hachscharah-Vereins, zu verdanken war. In diesem Heim — einer geräumigen Wohnung, die von der Gemeinde zur Verfügung gestellt wurde - leben etwa 20 junge, in der Hachscharan befindliche Zionisten; eine Gruppe, deren steigender Einfluß auf das Leben der Jugendbünde unverkennbar ist, zumal, seitdem sie unter der Führung eines mit den Chawerim siedelnden hebräischen Lehrers zu systematischer Gemeinschaftsarbeit übergegangen ist. Die Ortsgruppe lud ihre Mitglieder im Juni zur ersten ״Gesprochenen Zeitung“ ein. lrn Mittelpunkt der ״Zeitung“ stand ein ״Sprechsaal‘' mit dem Thema: ״Ist die Ortsgruppe unsere Heimat?“ ln Kurzreferaten sprachen Vertreter der verschiedenen Generationen, der ostjikiischen Gcsinntingsgenossen und der Zionistinnen zu dieser Frage. Ein Leitartikel ging voraus; Feuilleton, Miszellen, Sportberichte nsw. schlossen sich an. Da diese Veranstaltungsform mit Beifall aufgenommen wurde, folgte dem Abend einige Zeit später, Ende Juli, eine zweite, vor allem dem Andenken Herzls gewidmete Sprecli/eiiung, in deren Rahmen zugleich über die damals bevorstehenden" Reichstagswahlen diskutiert wurde. Weitere Nummern der ״Gesprochenen Zeitung“ sind für die nächsten Monate in Vorbereitung. — Als Gast des ״Instituts für auswärtige Politik“ sprach Kurt Blumenfeld in einer großen, auch von Hamburger Zionisten gut besuchten Veranstaltung im Juni über ״Das englische Palästinamandat“. Er beschränkte sich in seinen Ausführungen nicht aut die Erörterung der eigentlichen, mit dem Mandat Zusammenhängenden politischen und rechtlichen Fragen, sondern gab ein umfassendes Bild fast aller wesentlichen Probleme des Aufbaus. Die Interessierung der zu diesem Vortrag erschienenen, im Hamburger Leben z. T. führenden Persönlichkeiten und Kreise, war für unsere i n n c r zionistische Arbeit von nicht zu unterschätzendem Wert- — Zum Delegiertentag stellte die Ortsgruppe eine Einheitsliste auf, die aus zwei Vertreten! des Misrachi, einem Allgemeinen Zionisten und einem Angehörigen der Linksparteien zusammengesetzt war. Da auf einen Wahlkampf verzichtet werden konnte, erübrigte sich auch die Einberufung einer Wahlversammlung vor der Tagung: danach aber berichteten die Delegierten über sie in einer Veranstaltung, in der besonders das politische Referat Blumenfelds zur Diskussion gelangte. — Einige Wochen später hielt die H Z. V. ihre Generalversammlung ab, auf der der bisherige Vorsitzende, Dr. Edgar Marx, wiedergewählt wurde, dem jetzt ein kleiner, aktiv tätiger Arbeit. ausschuß und ein, seltener zusammentretender, aus den Führern der einzelnen zionistischen Arbeitsgebiete zusammengesetzter ervveiterter Kreis zur Seite steht. — Auf der ersten öffentlichen Veranstaltung des neuen Arbeitsjahrs sprach, einige Wochen nach der Generalversammlung, Dr. Nachum Goldmann, vor einem besonders großen, mehr als tausendköpfigen Auditorium über ״Krisis und Entscheidung“. Mit seinen Ausführungen, die sich im wesentlichen an das Frankfurter Referat Goldmanns ansclilossen, erntete er einen außerordentlichen, für ״Hamburger Verhältnisse“ geradezu einzigartigen Beifall. — Nicht minderes Interesse fand ein vor mehreren Wochen gehaltener Vortrag von Dr. Michael Traub über ״Biro-Bidsehan und Palästina“, zu dem leider, der geltenden Burgfriedens- Verordnung zufolge, Außenstehende — zumal jüdische Kommunisten, mit denen eine Auseinandersetzung aus diesem Anlaß an sich geplant war, — keinen Zutritt fanden. Die Anwesenheit Dr. T raubs und Dr. Martin Rosenb I ü t h s , die gemeinsam nach Hamburg gekommen waren, galt dem Keren Hajessod. Die außerordentlichen Erfolge dieser Aktion haben uns für das kommende Winterhalbjahr Impulse gegeben, die ihren Ausdruck besonders in der, vor allem von Dr. Traub geförderten, Aktivierung zahlreicher Hamburger Zionisten für die Fondsarbeit finden werden. Uebrigens wurden auch die Nachbarstädte Hamburgs — so Bremen, Kiel und Lübeck — mit Erfolg in die Aktion einbezogen. — In diesem Zusammenhänge sei auf das günstige Resultat der Roschhaschanah-Aktion des KKL in Hamburg hingewiesen, lieber den Nordwestdeutschen Gr uppen verband stag, der Anfang Oktober unter der Leitung des Verbandsvorsitzenden Dr. ff. Marx und in An- Wesenheit von Martin Rosenhlüth in Kiel stattfand, wurde in der ״Jiid. Rundschau“ bereits berichtet. Bemerkungen über die zionistischen Sonderorganisationen Hamburgs seien diesem Bericht angefügt. Neben dem Misr a c h i, der auch während des Sommers einige Mitglieder- Versammlungen abhielt, entstand eine Misrachi-Frauengruppe. Die Wizo setzte ihr umfangreiches, in Kursen und Arbeitsgemeinsclmflen konzentriertes, Arbeitsprogramm systematisch fort. - - Im Zionistisch-Akademischen Klub sprach Arnold Zweig über seine Paiästinareisc und Prof. Becker, der frühere preußische Kultusminister, über ״Das panarabisehe Problem“; besonders der Vortrag Zweigs, zu dem ein großer Hörerkreis erschienen war, fand ungemeinen Widerhall. Dr. William Unna ist nach fünfjähriger unermüdlicher Tätigkeit auf der kürzlich einberufenen Generalversammlung des Klubs von der Leitung dieser Organisation zurückgetreten; die Versammlung trug ihn zum Zeichen ihres Danks ins Goldene Buch des Nationalfonds ein. — Schließlich ist zu erwähnen, daß der J i c h u d zwischen der Hamburger poalezionistischen Gruppe und dem Hapocl-Hazair nach inonatelanger Vorbereitung in einer von etwa 200 Menschen besuchten Kundgebung, auf der Dr. Traub als Hauptreterent sprach, zum Abschluß gebracht worden ist. Dr. Josef Solowejczyk, ein Enkel des berühmten ״Brisker Raw“, wurde zum Chief Rabbi von Groll-Boston, einer Stadt mit ca. 150 000 Juden, gewählt. Damit hat zum ersten Male eine amerikanische Stadt einen Rabbiner für eine Einheitsgemeinde erhalten. Vortragsabend der Jüdischen Volkspartei Mittwoch, «tan 14. Desember, abends 8 Uhr im Restaurant Willner, Pankow, Berliner Straße 80'82 (Näne Wisbyef Straße) ״Brauchen wir eine jüdische Schulet'* Referenten: Frau Paula Nathan, Leiterin der Jüd. Schule, Klopstodcstraße R.-A, □r. Kollanschar. Ferner: Vorführung dos Films dor WIZO-Ferlenkolon(• Die Lemberger Bluttat Lemberg, 9. Dezember. (J. T. A.) Die polizeilichen Untersuchungen in der Mordaffäre Oro tkowski, die der Ausgangspunkt zu den mehrtägigen pogromartigen Ausschreitungen in Lemberg gewesen ist, haben zu einem überraschenden Ergebnis geführt. Während bisher die die Untersuchung führenden Polizeisfellen den Beteuerungen des verhafteten Moses Katz und der Mitverhafteten Keller, Schmer und Thune, daß sie an dem Tode Orotkowskis keine Schuld trügen, keinen Glauben schenkten, wurden in der Untersuchung neue Momente zutage gefördert, die keinen Zweifel darüber lassen, daß unter den vier erwähnten verhafteten Juden kefn e r der Mörder Orotkowskis ist. Es wurde einwandfrei festgestellt, daß der tödliche Messerstich gegen Grotkowski bei dem nächtlichen Zusammenstoß in der Szejnacha-Gasse, m einem verrufenen Viertel von Lemberg, wo fast allnächtlich Zusammenstöße und Messerstechereien Vorkommen, von einer unerkannt gebliebenen Person geführt wurde, der es gelang, sich noch vor Erscheinen der Polizei in Sicherheit zu bringen. Die vier verhafteten jungen Juden werden sich — zwar nicht mehr vor dem Standgericht, sondern vor einem gewöhnlichen Gericht — wegen Teilnahme an einem Zusammenstoß mit tödlichem Ausgang, worauf mehrjährige Kerkerstrafe steht׳, zu verantworten haDen. Wie aus I.cm her״ telegraphiert wird, ist d i e Ruhe dort noch nicht ein gekehrt. In die Zuschauerräume einiger von Juden besuchter Kinotheater wurden mehrere Stinkbomben geworfen, ebenso in das jüdische Cafe Rota und in das jüdische Kaufhaus des Sigmund Ihrer. Nationaldemokratische Studenten blockieren die Eingänge zu jüdischen Geschüften und lassen keinen Käufer hinein. Personen, die jüdische Geschäfte besucht haben, werden Zettel auf den Rücken geklebt mit der Aufschrift: ״Dieses Schwein -kauft bei Juden!“ Palästina als Sriiwelelproduzent Der größte Teil des Schwefelbedarfs der internationalen Industrie wird zurzeit aus italienisch-sizilianisclien und amerikanischen Vorkommen gedeckt. Die daneben noch bestehenden Produktionsanlagen in Chile und Japan (abgesehen von den Anlagen zur Entschwefelung von Schwefelkiesen, die auch in Deutschland bestehen) spielen keine große Rolle. Insbesondere das englische Weltreich hat seinen Schwefelbedarf stets fast ganz durch Import decken müssen. Die Entwertung der Pfund- Währung hat das Interesse für die Selbstversorgung mit Materialien, die bisher durch Einfuhr beschafft wurden, in England wesentlich verstärkt. In dieser Tatsache besteht auch eine große Chance für den Abbau der südpalästinensischen Schwefelvorkommen im Bezirk von Ghasa. Diese Vorkommen sind durch einen britischen Offizier namens Williams entdeckt worden, der an beiden Schlachten bei Ghasa teilgenommen und seinen Aufenthalt in dieser Gegend dazu benutzt hat. geologische Forschungen anzustellen. Er stieß hierbei auf ein Schwefelerzfeld vulkanischen Ur- Sprungs in einer Fläche von ungefähr 100 aeres. Dieses Feld hat er seit 1920 sehr genau durchprospektiert und hierbei festgestellt, daß die Schwefelerze im Tagebau zu sehr günstigen Bedingungen gebrochen werden können. Die Erze stehen in zwei verschiedenen Formen an. Der Haupterzkörper besteht aus Sandstein, der mit geschmolzenem Schwefel imprägniert ist. Der durchschnittliche Gehalt an freiem Schwefel beträgt annähernd 30 0״. Dieser Erzkörper tritt an manchen Stellen fast zutage, größtenteils liegt er in einer Tiefe von nur wenig«■ Fuß unter der Oberfläche. Fernerhin ist eine Schicht von kristallinischem Schwefel in sandiger Gangart in einer Mächtig• keit von ungefähr 3 bis U Metern vorhanden, bei der der Gehalt an freiem Schwefel rund 17 «ö beträgt. Insgesamt stehen verschiedene Millionen Tonnen Schwefelerze in diesem Vor• kommen an, sicher ist heute schon soviel, daß in einer Tiefe, die nur bis zu 3 Meter geht, mindestens 600 000 t abgebaut werden können. Mr. Williams hat eine Konzession auf den Abbau dieser Vorkommen von der palästinensischen Regierung erhalten. Zusammen mit einigen englischen Finanzleuten, die ln Palästina ansässig sind, hat er jetzt ein Unternehmen zur Ausbeutung dieses Vorkommens gegründet. Das Produktionsprogramm sieht die Produktion eines feingemahlenen Schwefelkonzentrats mit einem Reinheitsgrade von etwa 96 <V0 vor. m. Ist das noch politischer Kampf? Ein Freund unseres Blattes sendet uns das Briefkuvert eines von einer Firma in Tel-Awiw an einen Adressaten in Deutschland gerichteten Briefes. Auf der Rückseite des Kuverts ist (nebst der Adresse des Absenders Emil Knall, Tel-Awiw), der folgende Text in deutscher Sprache aufgedruckt: ״Die jüdischen nationalen Fonds sammeln Spenden von Juden aller Weltteile und verwenden sie zum Ausbau eines internationalen Sozialisten-Bollwerkes in Palästina. Die Machthaber der zionistischen Organisation vernichten systematisch den Mittelstand in Palästina. Der Mittelstand von Palästina geht seiner völligen Vernichtung entgegen und mit ihm verlieren wir auch das ganze bisherige Aufbauwerk. Zionisten und Nichtzionisten! Freunde des jüdischen Palästina-Aufbaues! Rettet den Mittelstand von Palästina — und Ihr habt das jüdische Aufbauwerk gerettet!“ Dieses Dokument ist ein Zeichen der völligen Demoralisation gewisser Kreise in Palästina, die aus kleinlicher Partei-Enge jedes Augenmaß für zulässige Kampfmittel verloren haben. Wir haben uns zur Veröffentlichung dieser nicht sehr ruhmreichen Angelegenheit nur sehr schwer entschlossen, aber angesichts der unterirdisch überhandnehmenden Verhetzung ist es notwendig, daß die zionistisehe Oeffentlichkeit auch solche Details kennen lernt. Gerade die ״bürgerlichen“ Parteien im Zionismus haben ein Interesse daran, sich von den Leuten, die auf Kuverts einen Schmähfeldzug führen und Palästina vor der Welt herabsetzen, zu distanzieren. _ Palestine Land Development Co. Ltd. In der Gencralver- Sammlung, die am 30. November 1932 im Hause der Gesellschaft in Jerusalem stattfand, wurden folgende Herren neu ins Direktorium der Gesellschaft gewählt: Heinrich Marguües (Anglo Palestine Bank, Jaffa), Josef Aronowitsch (Bank Hapoalim, Tel-Awiw) und Mosche Smilansky (Vorsitzender der Pflanzervercinigung). Die Wiederwahl der bisherigen Direktoren, Professor Otto Warburg (Berlin), J. L. Goldberg (Tel- Awiw), Dr. Arthur Ruppin (Jerusalem). Dr. Jacob Tlio.i (Jen!- Salem, Managingdirector), Jehoschua Chankin (Tel-Awov), Dr. Werner Senator (Jerusalem. Governor), Isaak Feuerring (Herlin), Dr. Joset Rufeisen (Mährisch-Ostrau), Justizrat Dr. Elias Straus (München) wurde bestätigt, Hertha Torkanowsky gab ihren diesjährigen Klavierabend im Bechstein-Saal. Wie sie Bach interpretierte, wie sie Schubert und Beethoven gestaltete, durchfühlte, das war ein Genuß ersten Ranges. Die beseelten Pässe und die herrliche Oktaventechnik seien besonders hervorgehoben« Arno NadeL I I f

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