Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 93 (22.11.1932)
- Date
- 1932-11-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 93, 22. XI. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 453 Die Parl&menisfrage in Palästina Erklärung des KolonienminUien Im Unterhau* London, 17. November. (J.T.A.) Iri der Sitzung• des englischen Unterhauses am Sb. November richtete Colonel Wedgwood an den Minister für die Kolonien Sir Philip Cunliffe-Lister die Frage, ob die Palestine Local Government Bill (Munizipalitätengesctz) auch das Recht der M i n d e r h c i t e n in den örtlichen Selbstverwaltungsorganen wahrnehme; wenn ja, in welcher Weise. Ferner fragte Wedgwood, ob die Regierung nicht cinsehe, daß im Hinblick auf die indischen Verfassungsschwierigkeiten den jüdischen und arabischen Einwohnern Palästinas eine Selbstverwaltungs-lnstitution nicht früher Angeboten werden solle, als beide Teile sie selbst wünschen. Cunli ffe-Lister erwiderte: Der Entwurf der Palestine Local Government Ordinance enthält keine besondere Verfügung zum Schutze der Minderheitenrechte. Ich weiß nicht, oh eine solche Verfügung notwendig ist. Jedenfalls erscheint es mir übereilt, die Angelegenheit hier zu erörtern, da der Entwurf der Ordinance wahrscheinlich in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden verbessert werden wird. Was die Frage des Legislative Council betrifft, fuhr Sir Cunliffe-Lister fort, weise ich Colonel Wedgwood auf eine vom High Commissioner für Palästina Sir Arthur Wauehope m i t Billigung der Regierung am 10. November vor der Mandatskommission des Völkerbundes gemachte Erklärung hin. Wedgwood: Glaubt nicht die Regierung, zur Unordnutig beizutragen, wenn sie eine Verfassung aufoktroyiert, wenn das Volk sie nicht will? C u n f i f f e - L i s t c r: Nein. Hier fiel das jüdische Unterhausmitglied Barnett Jänner mit der Frage ein: Wird der Kolonienminister, bevor irgendein definitiver Schritt in der gewiesenen Richtung ergriffen wird, darauf sehen, daß die Angelegenheit vor das nterhaus gebracht wird? Cunliffe-Lister: Ich bin nicht in der Lage, ein solches Versprechen zu geben. Im übrigen ist der geeignete Anlaß zur Besprechung von Fragen der Verwaltung irgendeines Mandatsterritoriums oder einer Kolonie die Abstimmung über den Etat des Colonial Office. Die vom High Commissioner in Gent abgegebene Erklärung war eindeutig und basierte vollkommen auf den Grundlinien der Politik der verflossenen Regierung und ihrer Vorgängerinnen. Wedgwood: Wird die jüdische Minderheit In Palästina in der Verfassung die gleichen Rechte und Privilegien besitzen, wie sie die mohammedanische Minderheit in der indischen Verfassung hatte? Cunliffe-Lister: Ich halte dbse Frage für verfrüht. Natürlich wird man, wenn irgendeine Verfassung betreffend Leglslative Council zur Erwägung stehen wird, mit äußerster Sorgfalt darauf sehen, daß während des Vorbereitungsstadiums alle Interessenten zu Rate gezogen werden, ich kann Colonel Wedgwood versichern, daß der High Commlssloner ln seiner detaillierten Erklärung gegenüber der Mandatskommission keinen Zweifel daran ließ, daß in allem, was unternommen werden wird, die Bestimmungen des Mandates vollkommen aufrechterhalten werden würden. * Die Pariser jiddische Tageszeitung ״Hain t“ bringt ein Interview mit Nahum Sokolow, der auf seiner Palästinareise in Paris weilte, über die Frage eines Legislative Council in Palästina. Sokolow erklärte in dem Interview, die Zionistische Exekutive habe sich während ihrer Verhandlungen mit dem High Commissioner für Palästina, Sir Arthur Wauchape, in London bemüht, diesen davon zu überzeugen, daß die Schaffung eines Legislative Council dem Lande nicht dienlich sein könne. Diese Bemühungen blieben erfolglos. Sokolow habe auch mit M i t g 1 i e - dern des englischen Kabinetts über die Angelegenheit gesprochen und ihnen gegenüber den ablehnenden Standpunkt der Exekutive dargelegt. Die Regierung aber halte an ihrem Entschluß fest, den Legislative Council zu schaffen. Trotzdem werden noch mehrere Jahre verstreichen, bis ein gesetzgebender Rat in Palästina in Tätigkeit wird treten können; zunächst werden ia die lokalen Selbst- Verwaltungs-Institutionen eingerichtet und Wahlen durchgeführt werden müssen. Die zionistische Propagandatruppe ״Barak“ veranstaltete am 17. d. M. im Lehrervereinshaus die Erstaufführung eines neuen Stückes ״Einer von uns“. Da der g'roße Erfolg des ersten Werkes dieser Truppe ״Die einzige Lösung“, das in ganz Deutschland überaus beifällig aufgenommen wurde, den Veranstaltern viele Freunde gewonnen hat, war der Saal überfüllt. Es dürften fast 2000 Personen anwesend gewesen sein, und viele konnten keinen Platz mehr finden. Die neue Darbietnng des ״Barak“ ist zum Teil als sehr gelungen zu bezeichnen, aber leider nur zum Teil, da sich in dem Stück auch manche Stellen finden, die sich sowohl prinzipiell, als auch ans Gründen des Geschmackes anfechten lassen. Viele Zionisten sind nicht der Meinung, daß zur Erzielung einer entsprechenden Pronagandawirkmig erforderlich ist, die Gegner des Zionismus in allzu primitiver Weise zu karikieren. Der Zionismus bedarf nicht einer solchen Folie, um seine Wahrheit anschaulich zu machen. Auch ließe sich einwenden, dafi eine Begründung des Zionismus, die ausschließlich auf dem negativen Moment des Antisemitismus beruht, nicht ausreichend ist. Es wäre unseres Erachtens zu wünschen, daß der ״Barak“ dieses sein zweites Stück einer Umarbeitung unterzieht, damit die zweifellos sehr guten und wirkungsvollen Ansätze, die .auch in diesem Stück vorhanden sind, zu uneingeschränkter Wirkung gelangen. Diesmal gab es bei der Erstaufführung, die sehr gut vorbereitet war und recht flott vonstatten ging, einige Zwischenfälle, da anwesende Nichtzionisten an manchen Stellen laut protestierten. Doch wandte sich die Mehrzahl des Publikums gegen diese Störungen, so daß die Aufführung weiter vor sich gehen konnte. Die Truppe ״Barak“, deren kollektives Werk die gesamte Aufführung, Text, Musik, Regie usw. darstellte, hat eine gewaltige Arbeitsleistung vollbracht und wieder ihr Können und ihre Tüchtigkeit bewiesen. Sie erntete auch starken Beifall, und man kann sie nur ermutigen, ihre Arbeit fortzusetzen, wenn wir auch diesmal gewisse kritische Ein- Schränkungen zu machen gezwungen waren. f. Jüdische Musik. Unsere Mitarbeiterin, Frau Alice Jaeob-Loewenson, hat im letzten Winter in etwa hundert Städten des In- und Auslandes Vorträge über jüdische Musik gehalten. Die Tagespresse hat sich überall in längeren lobenden Artikeln darüber ausgesprochen. Auf Grund einer Reihe von Einladungen begibt sich Frau Jacob-Loewenson zunächst nach Süddeutschland, wo sie am 27. November in der Jakob-Schiff- Loge in Fulda über ״Zweitausend Jahre jüdischer Musik“ sprechen wird. Honigproduktion In Palästina. Herr Robert Blum (Tel-Awiw) ersucht uns, nachfolgende Berichtigung seines Artikels in der ״fiid. Rundschau“ Nr. 85 atifzunehmen. Es soll heißen: ״Ein Bienenstock verlangt eine jährliche Arbeitsleistung von 3—4 Stunden, die sich hauptsächlich auf die Frühjahrs- und Sommermonate (nicht Wintermonatc!) erstreckt.“ Zur arabisch'jüdischen Frage Aeu|ernngta einet englischen Links •Politikers Der frühere parlamentarische Sekretär des englischen Außenamtes in der Arbeiterregierung R e 11 n i c Smith hielt kürzlich in London einen Vortrag über die a r a b i s ch - j ii d isehen B eziehungen in Palästina. Smith, der in der Arbeiterregierung MacDonalds eine besondere Vertrauensstellung hatte, interessierte sich stets sehr für den Zionismus und hat nicht nur Palästina bereist, sondern war auch beim letzten Zionistenkongreß in Basel als Gast anwesend, ln seinem Vortrag sagte Smith, er habe bei seinen Begegnungen mit zahlreichen arabischen Führern in Palästina feststellen müssen, daß sie alle ohne Ausnahme entschiedenste Gegner des J ü d i - sehen Nationalheims und der Balfour-Deklaration sind. Die arabischen Massen seien ganz erfüllt von Furcht vor den ״jüdischen Eindringlingen“, sie fürchten, daß die Juden ihnen ihren Boden und ihre Häuser wegnehmen werden. Unter diesen Umständen entstehe die Frage, was die luden, deren kolonisatorische und kulturelle Leistungen der Vortragende überaus hoch einschätzt, tun können, um eine Zusammenarbeit zu ermöglichen. Der Redner meint, daß man zunächst einmal eine gemeinsame Sprache finden müßte, denn heute können sich die Angehörigen der beiden Völker nicht einmal mitein־ ander verständigen. Auch ein gemeinsames Erziehungswesen sei in Erwägung zu ziehen. Während die Araber verstehen müßten, daß es große arabische Länder gibt und daher den Juden ihr Anteil in Palästina gegönnt werden müßte, sollten die Juden ihrerseits als das zusammen mit England stärkere Element die größten Anstrengungen machen, auch den schwächeren Partner, die Araber, in ihrer Kolonisationsarbeit zu berücksichtigen. Dr. Brodetsky, der in der Versammlung den Vorsitz führte, erklärte, die Jewish Agency sei unermüdlich bemüht, eine Basis für Zusammenarbeit mit den Arabern zu finden; im übrigen sei er optimistisch in bezug auf die weitere Entwicklung der Beziehungen. Zu diesen Bemerkungen nimmt der Londoner ״Jewish Chronicle“ in einem Leitartikel sehr skeptiscli Stellung, indem er sagt, vielleicht wäre in dieser Sache, die man nicht so sorglos abtun dürfe, noch etwas mehr ״Unermüdlichkeit“ am Platze. Rennle Smith hat soeben auch in dem als amtliches Organ der Interparlamentarischen Union, monatlich in Genf, in drei Ausgaben (französisch, englisch, deutsch) ersehe!- 11 enden ״Interparlamentarischen Bulletin“ einen ״Streif ztige in Palästina“ betitelten Aufsatz veröffentlicht. Der Verfasser schildert darin eingehend seine Eindrücke in Palästina, darunter natürlich das jüdische Werk. Tel-Awiw bezeichnet er als eine der gewaltigsten städtegründorischen Leistungen. Doch die größten Wandlungen im so. zialen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben Palästinas seit der Einführung des Mandates entdeckt der Verfasser beim Besuch der jüdischen Kolonien. Er beschreibt mit unverhehlter Bewunderung ihre durch Anwendung wissenschaftlicher Methoden gekennzeichnete Wirtschaft und stellt fest, daß die Technik des Anbaues und die Qualität der in ihnen erzeugten Produkte ״jeden Vergleich mit den allerbesten irgendeines Teiles der Welt aushalten“. Nachdem er dann ausführlich die Lage der Araber geschildert hat, kommt er auf das Problem der arabisch-jüdischen Beziehungen zu sprechen und schließt mit folgenden Sätzen: ״Ich verließ Palästina unter dem Eindruck, daß die wirtschaftlichen Probleme, wie schwierig sie auch immer sein mögen, in keiner Weise die bedeutendsten sind. Die m o r a - fischen und politischen Probleme bean- Sprüchen bei weitem den Vorrang. Was die Mandatarmacht au betrifft, so darf man auf Grund der. Praxis der, letzten Zeit hoffen, daß sie bei der Erfüllung ihrer Verpflichtungen deren aktiven Charakter gegenüber ihrer bloßen assiven Auslegung in den Vordergrund schieben wird. Jeäufiger Verwaltungsaufgaben Juden und Arabern gemeinschaftlich übertragen werden, um so besser ist es für alle. Vor mehreren Jahrhunderten schon sagte ein britischer Philosoph, daß Duldsamkeit die größtepolitische Tugend wäre. Die nationalistischen Strömungen auf jüdischer und arabischer Seite in Palästina schließen sich durchaus nicht gegenseitig aus. Sobald der Araber im Juden einen Freund des arabischen Volkstums erkennt und andererseits der Jude sich als ein solcher verständnisvoller Freund erweist, sind die moralischen und politischen Grundlagen des Jüdischen Nationalheimes gelegt. Von jenen Tagen an wird der Pakt zwischen zwei großen geschichtlichen Völkern nicht mehr auf Pergament, sondern im moralischen Wollen beider geschrieben sein. Alle, die um die Zukunft Palästinas besorgt sind, müssen dazu mithelfen, daß dieser Tag bald anbreche.“ Seltsame Methoden. Wie ,,Dawar“ mitteilt, erhielt der Leiter der Immigrations-Abteilung der Jewish Agency, Barlass, dieser Tage einen Drohbrief, der unterschrieben ist ״Die nationale Jugend Erez Israels“. So nennt sich bekanntlich jene Gruppe, der wir schon manche Zwischenfälle verdanken, von dem Klagemauer-Um/ug im August 1929 bis zur Stinkbomben-Demonstration bei Bentwichs Antritts- Vorlesung. In dem Drohbrief wird gesagt, wenn Herr Barlass auch weiterhin den ״nationalen“ Chaluzim die Möglichkeit der Einwanderung rauben wird, werde die nationale Jugend ihn als ,,verantwortlich“ betrachten und ״er werde der gebührenden Strafe nicht entgehen“. Mindergens 500 Zertifikate, so heißt es weiter, müßten dem ״nationalen“ Chaluz überlassen werden. Kleines Erlebnis. Eine Leserin unseres Blattes schreibt uns: Es war zu Ende vorigen Jahres, als in Berlin von ״zuständiger Stelle“ — jedenfalls hielt sie sich dafür — der ״Untergang des Judentums“ verkündet wurde. Autor besagter Perspektive hatte gerade einen Versammlungssturm über Berlin angesetzt, als der Burgfriede hereinbrach und den ״Untergang“ um ein weniges verschob. So kam es denn, daß eine Gruppe von Juden, die auf die Ankündigung der riesigen Litfaßplakate herbeigeeilt waren, um ihr Schicksal aus dem Munde des ״Propheten“ zu vernehmen — am Eingang des Vortragssaales auf polizeilichen Widerstand stießen. ״Wohin wünschen Sic?‘ — ״Wir? Zum Untergang des Judentums“! Der Polizist macht ein erstauntes Gesicht, lächelt, klopft dann dem Sprecher begütigend auf die Schulter und meint treuherzig, Im Tone felsenfester Ueberzeugung: ״Ham Se man keene Angst, det jeht nich unter“. — Worauf die Gruppe beschämt von dannen zog. Eine Auktion von Hebralca und Judaica (Handschriften und Drucken) veranstaltet im Laufe des Monats Januar 1933 die Firma J. Kauffinann in Frankfurt a. M. Zur Versteigerung gelangen nicht nur von der Firma in den letzten Jahren übernommene Bibliotheken, sondern auch Bestände angesehener Privatsammler, die wertvolle Stücke durch das Frankfurter Auktionshnus aiisbielen lassen. — Es gelangen zur Versteigerung neben Inkunabeln und wertvollen Pergameiit-Maruiskripten (mit und ohne Miniaturen), bedeutende Erstdrueke haliem-icher, Konstantinoueler und S,■domkor Druekerejen, sowie sonstige bedeutsame Seltenhei'en. Interessenten weiten sieh schon jetzt an die! Firma J. Kauffiiumn, Frankfurt a. M., SfhiUer-äÜr, 10, wenden, damit sie rechtzeitig den Ycrsteigerungskalalog erhallen. Bilcherscban Schalom Asch, Die Gefangene Gottes. Paul Zsolnay, Wien, 1932. Schalom Asch wurden bei der Geburt von dem Engel, dem die Kinder anvertraut sind, nicht nur zwei Triebe, wie uns allen, sondern zwei Seelen in die Brust gelegt. Die eine gehört einem mit den Jahren immer kraftvoller und bewußter werdenden ursprünglichen Talente wie wir nicht viele haben; die andere gehört einem — er möge mir es verzeihen — Snob. Von dieser merkwürdigen Mischung legen viele seiner Bücher Zeugnis ab; vielleicht am deutlichsten offenbart sie sich in seinem letzten großen Romane ״Die Gefangene Gottes“. Schon seit dem erschütternden Buche ״Die Mutter“ wußten wir, daß sich dieser Dichter mit besonderer Einfühlung neuerdings in die Probleme und Gefahren der weiblichen Seele vertieft. Aber was dort am scharf beobachteten Leben einer amerikanischen Familie zu zeigen versucht wurde, das wird nun in dem neuen Buche an der Wurzel zu packen unternommen: au$_ der Seele der Frau heraus, deren merkwürdiges körperlich-geistiges Erleben sie zur ״Gefangenen Gottes“ macht und zur Sprecherin für unzählige ihrer üeschlechtsgenossinnen. — Eine schöne und verwöhnte Frau — ein wenig allzusehr unterstreicht der Snob vielleicht Kostüm und Umgebung .- hat in liebloser Ehe eit! unerwünschtes Kind geboren und sich endli h von Mann und Kind getrennt, die sie, wie sie meint, völlig aus ihrem Leben gestrichen hat. Nun aber trifft sie an der Riviera den Mann, dem ihr Herz zufliegt; Frank, den Abkömmling schottischer Puritaner — sie, die Tochter eines New Yorker aufgeklärten jüdischen Rechtsanwalts. Erziehung und Jugendleben beider scheinen sic voneinander zu trennen — und führen sie doch um desto ungestümer zusammen. Und doch liegt ein Schwert zwischen ihnen und hemmt letzte Vereinigung. Die Frau kann die Erinnerung an den Mann, der sie zuerst zur Mutter machte, an das Kind, das ihr Leib geboren hat, nicht bezwingen. Ist es die Bindung der Jüdin, der man einst den Ring Rabbi Meirs, des Urahnen, an den Finger steckte? Ist es die Gefangenschaft des weiblichen Körpers, der nicht vergessen kann? — Hier ist die schwächste Stelle des Buches; vielleicht weil hier höchster Anspruch gestellt wird. Und von hier aus ist auch die unbefriedigende Entwicklung des Problems zu verstehen. Die Frau will — mit Teerosen und in cremefarbener Seide! — in den Tod flüchten; der Mann jettet sie. Aber als sie vom Krankenlager sich erhebt, da hat sie die Lösung gefunden. Als Mutter darf sie den Freund behalten, den sie als Geliebten nicht umarmen kann. Darum verläßt sie ihn, um das ״Gefühl nicht zu ertöten, das sie für immer und ewig bewahren will“. — Mir scheint, der Leser ist ebenso unbefriedigt wie ... der Liebhaber. — Aber eine Frage ist gestellt, die nicht so bald in uns zur Ruhe kommt. Auch das ist Gewinn, für den wir einem Dichter Dank schuldig sind. bs. Hebräische Dichtung in Italien. Im Verlag ״D’vvir“ erschien vor kurzer Zeit der Diwan des ita!ieni;ch־hebräpchen Dichters aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts Immanuel Ben David Frances mit einer Einleitung und Anmerkung von Dr. Simon Bernstein. Es handelt sich um die Bearbeitung von in der Bibliothek des Rabb'ncrseminars in New York und im Britischen Museum in London befindlichen Handschriften. In das 3*10 Seiten umlassende Buch wurden a'le Gedichte dieses großen Dichters aufgenommen, auch diejenigen, we'che schon von David Kauffinann, AI Mortara und Chaim Braude herausgegeben worden sind. Der größte Teil der Gedichte erscheint jedoch hier zum erstenmal. Jetzt teilt die jüdische Verlagsgesellschaft in Amerika mit, daß sie ein neues Buch von Dr. Simon Bernstein herausgegeben hat. Es handelt sich um den Diwan des Jehuda Arje de Modena, enthaltend alle Gedichte, die gleichfalls zum ersten Male auf Grund von Handschriften in der Bodlejana in Oxford veröffentlicht werden. Der Diwan enthält eine Einleitung und Anmerkungen des Herausgebers, sowie ein Vorwort und Anmerkungen von Prof. Israel Davidsohn. In der nächsten Zeit werden noch weitere Bücher des erwähnten Verfassers erscheinen. Der Verlag ״Drom“ in Jerusalem bereitet die Herausgabe einer großen Antho'ogie der hebräischen Poesie Italiens vor, die unbekannte Gedichte aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert enthalten wird. Dr. Bernstein gibt in diesem Buche einen Abriß der Geschichte der hebräischen Poesie in Italien. Ferner bereitet Dr. Bernstein den 2. Band der ״Steintafeln“ vor, dessen ersten Band Prof. Abraharn Berliner im Jahre 1881 veröffentlicht hat. Dieser Band enthält 200 Texte jüdischer Grabsteine in Italien, die vom dichterischen und historischen Gesichtspunkt aus interessant sind. Dieses Werk wird als Jahrbuch des Hebrew Union College erscheinen. Briefe an die Redaktion Dr. med. Kurt Neufeld Hamburg, den 6. 11. 32 Arzt Grindelallee 32 An die Redaktion der ,,Jüd. Rundschau“ Ich habe die Absicht, auf dem Landwege mit meinem dafür geeigneten Auto nach Palästina zu fahren. Dazu möchte ich gern Ihre Vermittlung in Anspruch nehmen. Ich suche, wenn ich auch selbst chauffiere, 1—2 Begleiter, die so eine verbilligte, fast kostenlose Einreise hätten, die aber mich i m Fahren ablösen müßten und eventuell auch vorkommende plötzliche Reparaturen machen müßten. Am besten ist das wohl für Techniker oder Autofachlcute oder Autoschlosser geeignet. In der Hoffnung, daß Sie meinen Wunsch an eine geeignete Stelle weiterleiten, verbleibe ich hochachtend Dr. N e u f c I d. *,* Wir glauben dem Wunsche des Einsenders am besten durch Abdruck seines Briefes naclrzukommen, so daß sich Interessenten melden können (eventl. beim Palästina-Amt, Berlin W 15, Meinekestr. 10). * Am 25. Dezember 1934 werden 100 Jahre vergangen sein, seitdem David Fricdlander, der Vorkämpfer der Judenemanzipation, gestorben ist. Die Unterzeichneten beabsichtigen aus diesem Anlaß eine Monographie über David Friediänder und seinen Kreis erscheinen zu lassen und bitten alle dieienigen, die Briefe von und an David Friedländer, seine Familienmitglieder und Mitarbeiter, sowie sonstiges einschlägiges handschriftliches Material besitzen, ihnen diese Dokumente zur Abschriftnahme zu überlassen. Auch für Namhaftmachung von Personen und Instituten, die Schriftstücke der gesuchten Art aufbewahren, sowie für den Hinweis auf schwer zugängliches archivalisches, gedrucktes und Bildmaterial wären die Unterzeichneten sehr dankbar. Zuschriften und Zusendungen bitten die Unterzeichneten zu richten entweder an die Bibliothek der Berliner Jüdischen Gemeinde oder an das Gesamtarchiv der deutschen Juden, beide: Berlin N 24, Oranienburger Str. 29. Dr. Jacob Jacobson, Dr. Josef M e i s 1. Die Oxford University Press teilt uns mit, daß in ihrem Verlag demnächst ein Buch ״Das landwirtschaftliehe Leben der Juden in Babylonien zwisehen den Jahren 200 und 500 n. Ch.“, verfaßt von Rabbi Dr. J. ix'ewman, erscheinen wird. Das Werk wird an der Hand der rabbinischen Literatur eine vollständige Rekonstruktiou des sozialen Lebens der Juden in Babylonien geben.