Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 92 (18.11.1932)
- Date
- 1932-11-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 448 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 92, 18. XI. 1932 ״Was ist Judentum?1' Am dem Lager der deutsch-jüdischen Jugend. Der ״Liberale Verein״ hatte die deutsch-jüdische Jugend, Freunde und Gesinnungsgenossen, zu einem ״Diskussionsabend“ über das Thema: ״Was ist Judentum?“ eingeladen. Von einer ״Diskussion“ war leider nichts zu spüren, da man einzelnen Vertretern zionistischer Jugendbünde, die das Wort verlangten, nicht die Möglichkeit gab, zu sprechen. Dennoch muß für die zionistische (■)Öffentlichkeit dieser Abend sehr begrüßenswert sein, da er sie einmal veranlassen kann, neben dem einseitigen Kampf gegen die rote Assimilation, der einen defensiven Charakter trägt, sieb um die liberalen Kreise stärker zu bemühen, die noch bewußt mit dem Schicksal des jüdischen Volkes verbunden sind. Gibt es aber noch eine liberale jüdische Jugend, die sich bewußt auf den Boden des klassischen Liberalismus stellt? Nach den Erfahrungen des letzten Abends möchte man diese Frage fast verneinen. Es gibt, wie auch der Redner der C. V.-Jugend zugeben mußte, nur noch wenige, die in der heutigen Situation mit den schönen ״sittlichen Werten des Judentums“, die der Referent des Abends in ״tiefschürfenden“, weil der Masse des Publikums Unverstandliehen Darlegungen der Jugend zur Beherzigung anempfahl, etwas anfangen können. Die Mehrzahl der Redner, Führer kleiner Jugendgruppen, sieht, wie die bürgerliche Gesellschaft zerbricht, sie sieht die ungeheure Judennot hier und überall, und auf all das antwortet sie: ״Wir sind eine Religion mit sittlichen Werten!“ Jedoch wie soll Jugend ein Bekenntnis zum Judentum ablegen, wenn sie es noch nicht erkannt hat?! Die Bejahung der jüdischen Religion, die wir vernommen haben, war nicht der Ausdruck eines Erlebens jüdischer Werte und jüdischen Schicksals, sie war eine Verlegenheitsantwort auf die brennende Frage, welchen Weg die jüdische Jugend inmitten einer zusammenbrechenden Welt heute gehen müsse. Diese eigentliche Frage aber blieb unbeantwortet. Wichtig ist es, zu konstatieren, daß selbst in dem zu Wort gekommenen Kreise keine Einheit vorhanden ist. Es gibt auch liberale Jugendliche, die himmelweit davon entfernt sind, sich mit dem Redner der K. C.-Studenten, der das Wesen seines Deutschjudentums aus seinem ״Tendenzparagraphen“ heraus entwickelte, oder mit den banalen Darlegungen der Rednerin der Reformjugend, die die Aufgabe des Judentums darin sieht, Proselyten zu machen und die Erinnerung an den Tempeldienst aus den Gebeten zu streichen, solidarisch zu erklären. Es sprachen auch einzelne ernste Menschen, ־ denen man es anmerkte, daß es ihnen nicht um eine Definition des Judentums, sondern um die jüdische Zukunft geht. Dieser Ernst trat besonders bei dem Redner der C. V.-Jugend, Warschauer, hervor. Der zionistischen Jugend liegt viel daran, sich mit diesen Menschen zu treffen, und eine Klärung der Stellungen herbeizuführen. Bis auf diese wenigen Lichtblicke war der Abend ein großes Fiasko. Die Jugend ist nicht erschienen, und soweit sie da war, hat sie die Eigenschaften, die sie charakterisieren müßten, unerbittliches Erkennen der Gegenwart, Mut zur Konsequenz, in der Garderobe abgegeben. War es ein Zufall, daß der Vorsitzende des Abends, als er den erschienenen Ehrengästen dankte, den anwesenden Alfred Do b I i n vergaß? Es wäre nicht erfreulich für ihn gewesen, wenn man seinen Namen mit dieser Veranstaltung verbunden hätte. Lutz Chili. Habuxia - Chronik Wir erhalten folgende Zuschrift: Vor einigen Wochen erschien ein kurzer Bericht der Habima über das vergangene Spieljahr, in dem von der künstlerischen Arbeit und von ihrer materiellen Situation erzählt wurde. Sieben Neuinszenierungen, 150 000 Besucher und 160 Aufführungen in einem Jahr — und trotzdem kann die Habima nicht (wie übrigens kein dramatisches Theater in der Welt) von ihren Kasseneinnahmen leben. Wenn es gelingen wird, die Wirtschaft des Theaters so weit zu rationalisieren, daß die Einnahmen größer sein werden und die Ausgaben geringer als bisher — auch dann wird nur möglich sein, den Unterhalt der Schau- Spieler und Mitarbeiter zu verdienen. Für den Bau der Aufführungen werden immer Subventionen nötig sein, bis eine öffentliche Institution die Rolle des subventionierenden Staates übernehmen wird und bis die Zahl des Theaterpublikums verdoppelt oder verdreifacht ist. Die materiellen Schwierigkeiten liegen zum großen Teil in der Höhe der Regiespesen. So hat das Theater z. B. im Laufe eines Jahres 1700 Pfund Saalmiete gezahlt, wobei ihm noch nicht einmal alle guten Spielabende zur Verfügung standen. Die Steuern machten mehr als 1000 Pfund aus. Aus dieser Situation heraus entstand bei den Freunden der Habima der Wunsch, dem Theater in durchgreifender Weise die Lebensbedingungen zu erleichtern. Folgendes wurde erörtert und in Angriff genommen: 1. Die Herabsetzung der Unkosten. 2. Der Bau eines Habima-Theaters in Tel-Awiw. 3. Die Gründung einer beständigen Organisation der Freunde im Ausland und in Palästina. 4. Die Auslösung der zugesagten Subventionen. Zu 1. Das Theater sucht bei allen seinen Ausgaben größtmögliche Rationalität durchzuführen. Außerdem ist es bemüht, in der Stadtverwaltung Tel-Awiw und in der Regierung gewisse Erleichterungen für die Erhaltung des Theaterbetriebes durchzusetzen, ln diesem Zusammenhang war auch eine Delegation beim High Commissioner. Zu 2. Es wurde beschlossen, jetzt das Theater in Tel-Awiw zu bauen, um im Zusammenhang mit der Rationalisierung dem Theater die optimalen Bedingungen künstlerischer und materieller Festigung zu geben. Eine Sammlung von Mitteln ergab schon in ihren ersten Anfängen schöne Erfolge. Der Kauf wird gemeinsam vom Keren Kajemeth und der Stadt Tel-Awiw finanziert werden. Das Gebäude — als Gemeingut — wird der Habima zur vollständig freien Verfügung und Nutznießung überlassen. Es ist zu hoffen, daß neben den Geldspenden auch große Beiträge an effektivem Baumaterial dem Bau zugute kommen werden. Als der High Commissioner in der Aufführung des ״Ewigen Juden“ war, ließ er durch Dr. Tschernichowski erklären, er werde sich an dem Bau beteiligen. Am nächsten Tage sandte er einen Scheck über 50 Pfund für den Bau. Zu 3. und 4. In verschiedenen Orten Palästinas haben sich in den letzten Wochen spontane Initiativgruppen gebildet, die die Anfänge des Habima-Kreises schaffen wollen. Und es ist anzunehmen, daß diese organisierten Gruppen einerseits eine moralische und gesellschaftliche Stütze der Habima bilden werden, andererseits werden die Kreise der Habima die Sorge der Subventionsaufbringung in Palästina wie im Ausland aut sich nehmen. Und wenn wirklich alle mitheifen werden, dann wird sicher auch die materielle Gesundung des Theaters gelingen und dadurch auch ein neuer künstlerischer Impuls das hebräische Theater durchdringen. Der Kreis der Freunde derfiabima. Protestantismus ui Nationalsozialismus Wir haben in Nr. 70 der ״Jüd. Rundschau" auf die leb* haften Erörterungen hingewksen, die sich im Lager der evangelischen Kirche über das Verhältnis von Protestantismus und Nationalsozialismus abspielen und ln die eine Sammelschrift Einblick gewährt, die Leopold Klotz unter dem Titel ״Die Kirche und das Dritte Reich“ in seinem Verlag (Gotha) herausgegeben hat. Diese Sammelschrift findet ihre Fortsetzung in einem zweiten Band, der eine weitere Reihe von Aeußerungen von Theologen zusammenfaßt. An die Spitze dieses Bandes ist ein Briefwechsel gestellt, den der Herausgeber mit dem Vertrauensmann Adolf Hitlers, dem Nobelpreisträger Prof, Stark hatte, der zwar Physiker und nicht Theologe ist, jedoch von Hitler mit der Bearbeitung kirchenpolitischer Fragen betraut wurde. Stark faßt seine Kritik gegen den ersten Band der Sammelschrift in folgendem Satz zusammen: ״Nicht einmal auf katholischer Seite habe ich eine derartige Anhäufung von Unkenntnis, Oberflächlichkeit, Anmaßung und heimtückischer Feindschaft gegen die deutsche Freiheitsbewegung gefunden.“ Prof. Stark tröstet sich aber mit der Feststellung, daß der größte Teil der praktisch tätigen evangelischen Geistlichen eine ganz andere Einstellung zum Nationalsozialismus hat• Im zweiten Band findet man auch eine ganze Anzahl von Aeußerungen, die viel positiver zum Nationalsozialismus eingestellt sind als die im ersten Band. Ueber das Dilemma, das darin besteht, daß das Christentum eine Botschaft an alle Menschen ist, der Nationalsozialismus aber auf dem Rassenstandpunkt steht, hilft sich ein Berliner nationalsozialistischer Pfarrer dadurch, daß er erklärt, die Juden ״mögen fortfahren, Christen zu werden“ (!), aber ״damit sollen sie noch nicht deutsche Staatsbürger werden“. Für ihn besteht das Apriori: J(Allcs Unglück geht für unser deutsches Volk in gegenwärtiger Situation von den Juden aus.“ Der völkische Antisemitismus widerspreche keineswegs dem Christentum. Demgemäß haben ja auch die ״Deutschen Christen“, die bei den letzten Kirchenwählen als eigene Partei auftraten und deren Programm in dem Buch gleichfalls abgedruckt ist, sich für Rassenreinheit und gegen Judenmission ausgesprochen. Diese nationalsoziaiistische Gruppe hat nun freilich nicht, wie manche erwarteten, am 13. November die Kirche einfach erobert, aber fast ein Drittel der Stimmen vermochte sie doch zu gewinnen — ein Beweis, daß weite Kreise wirklich den Nationalsozialismus mit evangelischem Christentum für vereinbar halten. Die Argumente der Gegner des Nationalsozialismus bewegen sich auch in diesem Heft in ähnlichen Bahnen wie in dem ersten- Daß auch ein ״Judenchrist“ in diesem Rahmen zu Wort kommt, sei als Kuriosum noch erwähnt• Kino 10 der Kleinstadt In einem Kino in einer mitteldeutschen Kleinstadt, Garnisonstadt mit streng nationaler Bevölkerung, wird der Ufafilm ,,Mensch ohne Namen“ gespielt. Volles Haus, viel Militär, das übliche deutsche Kleinbürgertum, nicht zu vergessen die Inteiiigenz der Kleinstadt. Ueber den künstlerischen Wert dieses Films soll nichts gesagt werden. Was uns zu dieser Stellungnähme veranlaßt, ist die Figur des jüdischen Winkeladvokaten Jablinsky. Diese Type ist in dem Film die Inkarnation von raffinierter Gerissenheit, Aufdringlichkeit, Frechheit, Großmäuligkeit und Taktlosigkeit. Sie wird dargestellt durch eine prononriert ostjüdische Karrikatur mit fieischiger Nase, wulstigen Lippen, großem Mund usw. Das Auditorium gröhlt. So und nicht anders hat sich der Landwirt in der Neumark ja immer den Juden vorgestellt. Und der Herr Amtserkhtsrat und der Herr Doktor und der Herr Apotheker denen im Stillen, na, 80 sind sie Ja nicht alle, aber ein Körnchen Wahrheit steckt schon darin. Die übrigen, die Kritiklosen, die jungen Arbeiter, die Erwerbslosen, die SA-Proleten, die Dienstmädchen und die Soldaten fixieren dieses Bild ״lüde“ in ihrem Gehirn und ergötzen sich köstlich an dem ״Gejudle“ des Winkeladvokaten Jablinsky. Appelliert mjin heute an die judenfeindlichen Instinkte der Masse, kann man immer noch ein gutes Geschäft machen. Dies ist kein vereinzelter Fall, ich habe drei oder vier Filme in den letzten zwei Jahren in derselben Stadt gesehen, Ufafilme, in denen jedesmal eine Rolle, die Feigheit, Aufdringlichkeit, Verschlagenheit, Schachergeist und Rafrsucht verkörpern sollte, von ausgesprochen jüdisch aussehenden oder jüdischen Sprechern gespielt wurde. Es ist traurig, daß sich jüdische Schauspieler finden, die sich dazu hergeben. Nicht genug, daß sich die Juden heute in Deutschland im Rundfunk anpöbeln lassen j&üssen, diese Verächtlichmachung der Juden schlechthin, diese Abstempelung häßlicher Eigenschäften als typisch ״jüdisch“, gezeigt auf jeder Leinwand, getragen in jedes Dorf und in jede Stadt, das ist ein Gift, das wirkt, darin steckt System. Es gibt nur ein Mittel, innerlich gewappnet zu sein — falsch und zwecklos wäre es, sich beschwerdeführend an den C.-V. zu wenden —, das ist Stärkung unserer seelischen Widerstandskraft durch Besinnung auf uns selbst, durch Ablehnung der Assimilation, durch Rückkehr zu unserer eigenen kulturellen Tradition, durch festes Vertrauen auf Palästina. Dr. L. Mischkowski, Alt-Drewitz (Neumark). Zionistischer Gruppenverbandstag Rechtsrhelnland-Wcstfalen. Sonntag, den 20. November, im neuerbauten jüdischen Jugendheim in Essen, Ruhrallee, Ecke Morsehofstraße, Straßenbahnlinien 10 und 13. Tagungen: 1. Gruppenverbands- Ausschuß. 9—1 Uhr: Arbeitssitzung, Hauptreferat: Kurt BIumenfeld: ״Ortsgruppe und Zentrale“: alle aktiven Zionisten des Gruppenverbandes als Gäste willkommen. — 2. Gemeindeausschuß. 21/3—4 Uhr: Aussprache: ״Volkspartei und Ostjudenverband“. — 3. Gautag des Brith Haolim. 10 Uhr: Treffen im Gemeindehaus, Steeler Straße. — 4. Zeire Misrachi. 1—4 Uhr: Arbeitssitzung. — Oeffentiiche Versammlung: 3V2 Uhr: Moscheh Brachmann, Delegierter vom Hauptbüro des KKL, Jerusalem: ״Der neue Einwanderungsstrom nach Palästina“ (Die neue Alijah). 41/4 Uhr: Kurt Blumenfeld: ״Die jüdische Situation in der politischen Entwicklung unserer Zeit“. — Festspielabend: 8«/2 Uhr: ״Ahasver“, ein Spiel vom jüdischen Mensehen; aufgeführt von der Spieltruppe des Brith Haolim, Köln; szenische Leitung: Regisseur J. Reis; musikalische Leitung: Jul. Goldberg, Köln. — Ausstellung (während des ganzen Tages): ״Das jüdische Buch“ (Buchhandlung Jordan), ״Palästina-Handarbeiten“ (Verband Jüd. Frauen für Palästinaarbeit. ״Wizo“, Ortsgruppe Essen). Unkostenbeitrag: Zur öffentl. Versammlung 0,30 M., zu sämtlichen Veranstaltungen 1 M. Wir erwarten, daß alle Gesinnungsgenossen unseres Bezirks an dem guten Gdingen dieser Tagung beitragen werden. Im Alter von 72 Jahren verstarb in New York der populäre jüdische Arbeiterführer und Theoretiker des jüdischen Soziaiismus, Benjamin Feigenbaum. Er wurde in Warschau geboren und genoß eine streng religiöse Erziehung. 1891 wanderte er nach Amerika aus und trat in die Redaktion des sozialistischen ״Vorwärts“ ein. Er veröffentlichte mehrere Schriften gegen die Religion, von denen ״Der Kampf zwischen Religion und Wissenschaft in der jüdischen Geschichte“ die bekannteste ist. Rabb. Jose! Link Aus Innsbruck wird uns geschrieben: Am 8■ November d. J. starb in Innsbruck Dr. Joset Link, Landesrabbiner für Tirol und Vorarlberg im 53• Lebensjahre. Mit Link ist eine jüdische Persönlichkeit nach dem Formate der großen Lehrer unseres Volkes dahingegangen. Aufrechtes und stolzes Bekennen seines Judentums bei jeder Gelegenheit, wahrhafte Bescheidenheit und warme, werktätige Herzensgüte waren die Grundzüge seines Wesens. Sein tiefes Wissen um die jüdische Geschichte und das jüdische Schrifttum, seine hervorragenden Kenntnisse in den altorientalischen Sprachen und seine umfassende soziale und charitative Tätigkeit brachten ihn auch mit Christen, mit den geistlichen und wissenschaftlichen Kreisen Innsbrucks und mit den Landesbehörden in Verbindung, wo er sich größter Wertschätzung und Beliebtheit erfreute. Ganz hervorragend war sein charitatives Wirken- Ein unvergängliches Denkmal aber hat sich Dr. Link in seiner Tätigkeit für die jüdische Jugend Innsbrucks gesetzt. Er hat das Wort Herzls von der Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judcnland in seinem Kreise verwirklicht. Er war nicht nur der Lehrer, er war der väterliche Freund und Berater der Jugend, und seinem Wirken ist es zu verdanken, daß die jüdische Jugend Innsbrucks den Weg zum Judentum zurückgefunden hat und sich heute um die zionistische Fahne schart. Zu dem Leichenbegängnisse haben sich nicht nur die gesamte Judenschaft Innsbrucks, sondern auch viele Nicht- Juden aus allen Kreisen der Gesellschaft eingefunden. Oberbaurat Ing. Berger überbrachte in warmen Worten namens der zionistischen Ortsgruppe Innsbruck und der jüdischen Jugend dem Toten die letzten Grüße. | Augnsta Weldler-Steinberg In Zürich verschied, wie uns von dort gemeldet wird, nach längerer Krankheit im Alter von 53 Jahren Frau Dr. Augusta Weldler-Steinberg. Die Verstorbene gehörte seit ihrer frühesten Jugend zu den aktivsten Zionisten der Schweiz. Sie gründete und organisierte den Landesverband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina, später die Organisation Zionistischer Frauen in der Schweiz (Wizo), widmete sich mit großer Liebe und Hingabe der Nationalfondsarbeit in Zürich, die sie leitete, sowie der zionistischen Jugendarbeit, fn den Kriegsjahren redigierte sie in Wien die ״Jüdische Zeitung“, das Zentralorgan der österreichischen Zionisten, später stand sie dem Jüdischen Korrespondenzbüro in Zürich vor. Von ihren literarischen Arbeiten ist die Herausgabe der Werke von Theodor Körner und Hoffmann von Fallersleben zu erwähnen. Sehr bekannt und in mehreren Auflagen erschienen ist ״Rahel Varnhagen, ein Frauenleben in Briefen“. Augusta Weldier machte ferner eingehende Studien über die Geschichte der Juden in der Schweiz. Schon ihre Dissertation behandelte dieses Thema. Kurz vor ihrem Tode brachte sie ein umfangreiches abschließendes Werk über die Geschichte der Juden in der Schweiz zu Ende. — Den Angehörigen der Verstorbenen, insbesondere ihrem Gatten Norbert Weldier, unserem Mitarbeiter, sprechen wir unser aufrichtiges Mitgefühl aus. _ 0 Gruppenverbandstag Nordwesldeutschlaad Am 30. Oktober fand in K i e l ein gut besuchter Gruppen1verbandstag des Nordwestdeutschen Bezirks statt. Es wurden Vertreter aus Hamburg, Bremen, Lübeck, Rostock, Hannover von dem Leiter der Kieler Gruppe, Herrn Prof. Frankel, Herrn Jonas von der Jüdischen Gemeinde und Herrn Rabbiner Dr. Pos- ת er begrüßt. — Das Hauptreferat des Vormittags hielt Dr. Rosenblüth -Berlin über ״Die zionistische Aufgabe nach dem Delegiertentag“. Dr. Rosenblüth schilderte die Folgerung, die sich aus der Resolution des Delegiertentages und durch die Schaffung des politischen Fonds, der im Augenblick in den Mittelpunkt gestellt werden müsse, ergibt. Er behandelte weiter die ungeheuer wichtigen Fragen der Jugendarbeit, der Hachscharah und vor allen Dingen die Lage in Erez Jisrael. Trotzdem augenblicklich die Lage in Erez Jisrael außerordentlieh günstig sei, werden an die nationalen Fonds riesige Anforderungen gestellt. Mit der Verschlechterung der jüdischen Lage der ganzen Welt erscheint Palästina immer größeren Kreisen als einzige Lösung. Die Diskussion beschäftigte sich hauptsächlich mit der Lage der Juden in Deutschland und der einzuschlagenden Politik. Besonders in der Frage der Mitarbeit in nichtjüdischen Gremien gingen die Meinungen auseinander. Nach dem gemeinsamen Mittagessen trat man in die Besprechung über die Arbeit im Gruppenverband ein. Es ist im letzten Jahre gelungen, vor allen Dingen die Gruppe Bremen zu aktivieren und Erfolge in kleineren jüdischen Gemeinden (Lüneburg, Elmshorn) zu erzielen. Besonders erfreulich waren die Berichte aus Rostock, die zeigen, daß selbst in kleinsten Gemeinden intensiv zionistisch gearbeitet werden kann. Die Gründung einer Zionistischen Ortsgruppe in Kiel (es bestand bisher nur eine Misrachi-Gruppe, während samtliehe übrigen Zionisten nicht organisiert waren), wurde nach der öffentlichen Versammlung am Abend neu vollzogen. Die Leitung liegt in Händen von Prof. Frankel, Dr. Tannenwald, Herrn Herzberg und zwei Kadimahnern. Es wurde noch über die KKL-, Hachscharah- und Frauenarbeit, die im kommenden Winter besonders intensiviert werden sollen, gesprochen. Zur stärkeren Zusammenarbeit der einzelnen Gruppen sollen jetzt monatlich Berichte der einzelnen Gruppen über die zionistische Arbeit an den Vorort, zu dem Hamburg erneut gewählt wurde, gegeben werden. Wie stark das Interesse der Kiefer Judenheit an der jüdisehen Frage ist, zeigte der Besuch der öffentlichen Kundgebung, die am Abend unter Vorsitz, von Herrn Dr. Tannenwald stattfand. Das Thema des Abends lautete: Krise und Entscheidung — Deutschland und Palästina. Im überfüllten Saale des Kieler Gewerkschaftshauses stellte Dr. Rosenbiüth die Situation der Judenheit, vor allem in den drei großen Zentren Westeuropa, Polen und Amerika dar. Während überall die gleiche Krise zu vermerken ist, sehen wir in Palästina einen Aufstieg. Während Dr. Rosenblüth vor allem die Situation in der Galuth geschildert hatte, berichtete Dr. Marx über seine Eindrücke, die er während der Makkabiah in Palästina gewonnen hatte. Beide Vorträge, die von Sprechchören des Kaaimah Kiel umrahmt waren, fanden reichen Beifall. Mit dem Gesang der Hatikwah schloß die Kundgebung. F. I. Persönliches, Am 6. November feierte unser Geslnnungsenosse Kurt Rosenbaum seinen 50. Geburtstag. Rosenaum gehörte bereits vor dem Kriege zu den beliebtesten zionistischen Propagandisten. Er war Propagandasekretär der Z. V. f. D. und nach dem Kriege Leiter des Palästina-Amtes. Auch außerhalb seiner amtlichen Tätigkeit hat sich Kurt Rosenbaum infolge seiner persönlichen Hilfsbereitschaft einen großen Kreis von Freunden erworben. Auch wir beglückwünschen Kurt Rosenbaum zu seinem Jubiläum.