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Jüdische Rundschau · 1932-11-18 · Heft 92 (18.11.1932) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 92 (18.11.1932)
Date
1932-11-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 446 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 92, 18. Xf. 1932 übrig zu sein. Muschelarbeiten, massenweise und gcschmaeklos, schlechte Postkarten, aufdringliche Verkäufer und Führer, die alle Sprachen und dafür keine sprechen. Vergessen scheinen romanische Kirchen, gregorianische Choräle, alte Steine und historisches Geschehen. Aber dann biegt man um eine Ecke, steht vor der uralten Gcburtskirche, man weiß nicht recht: ist es ein Gotteshaus oder ein Kastell, taucht unter in uralten be* malten Holzschnitzereien, glaubt sich bald in Byzanz, bald in Rom, atmet Museumsluft. Aber auch hier dieselbe Ucber־ raschung. Von unten, unter den großen Steinplatten dringen Knabenstimmen, wieder dieser gewaltige halbbarbarische Unisonogesang, unterbrochen von einer großen weichen Männerstimme. Auch hier gregorianische Musik, nicht als Beispiel in einem Vortrag über Musikgeschichte, sondern naiv als selbstverständliches Zubehör des Gottesdienstes. Unten in der Crypta, wo man die Krippe zeigt, in der das Kind gelegen hat, wo man sich unwillkürlich nach dem Oechslein und dem Eselein umsicht, halten die Armenier ihre Messe ab. Um den dauernden Streitereien zwischen den einzelnen Sekten zu steuern, hat man jeder eine bestimmte Stunde zum Gottesdienst eingeräumt. Da stehen die ganz alten Priester und die ganz jungen Chorknaben bei Kerzen und Weihrauchsfässern in der unterirdischen dunklen Felsgrotte, tragen von Gold starrende Brokatgewänder und singen nach den alten Melodien ihre Messe. Das hat mit Mnseum wenig zu tun. Die Jahrhunderte schlingen sich ohne Rücksicht auf die Zahlenfolge an- und ineinander, Altes und Neues wächst ineinander. Für diese Kinder, die dort singen, ist dieser Gottesdienst und seine Musik ebenso seibstverständlieh wie für die zehn Minuten entfernten in Jerusalem Auto und Kino. Aber jetzt lassen uns Auto und Kino im Stich. Von den fruchtbaren Feigen- und Weinterrassen Bethlehems wendet sich der Weg in die kargen Hügel der jüdischen Berge, jenseits der glatten Straßen. Der Esel sucht sich geduldig seinen Weg hinauf und hinab. Bald verschwinden die Anzeichen einer Siedlung und jetzt am Sommerende könnte ein ungeschultes Auge diese Gegend für Wüste halten. Kein Baum, kein Strauch, kein Hälmchen. Nur gelegentlich ein einsamer Esel oder ein paar Ziegen und Schafe. Das ist jedoch noch nicht die Wüste, all dieses Land wird benutzt, entweder zur Weide, wenn die Regen wie mit einem Zauberschlag aus diesem Boden Gras und Blumen herausholen, oder zum Getreidebau; jedes dieser kleinen Hügelfelder wird mühselig gepflügt und bestellt und gibt einen kümmerlichen Ertrag. So sind heute nur wenige Dörfer in dieser Gegend, versteckt in den Hügelfalten, in einem zähen Kampf begriffen mit dem kargen Boden. Aber im Reiten sieht man immer wieder Reste früherer Bauten, Mauern, Steingeröll, Zeichen einer früheren Zeit, wo hier die Gegend dicht besiedelt war. Damals wie heute hieß das Zauberwort, das die kahlen Hügel zum Blühen brachte: Wasser. Stundenlang zieht sich der Weg durch diese harte und rauhe Gegend, durch Sonnenglut und Geröll. Auf einem Hügel ein verlassenes Gehöft, ähnlich wie die andern Reste überall, aber größer. Hier saß früher die Leitung eines großen und bekannten Beduinenstamms, der auch heute noch in der Nähe lagert. Hier und dort sieht man ein paar schwarze Zelte wie Fliegen auf einem Tuch im Taie kleben. Heute ist der Stamm arm, das »-stolze-Räubcpnest •auf dem •Hügel verlassen und verfallen. Arm wie die Hügel und die Gegend. Unter den vielen Hügeln zeichnet sich einer durch seine auffallende Form ab: rund, glatt, wie von einem Kind im Spiel geformt. Er ist auch in der Tat geformt worden, aber nicht von einem Kind und nicht im Spiel, sondern er wurde geebnet und zurechtgestutzt, als sich Herodes hier eine seiner Sommerresidenzen baute. Auf den ersten Blick erscheint es unglaubwürdig: hier, in der Oede, der erbarmungslosen Trockenheit, ein Lustschloß? Aber die Reste beweisen, daß zur Zeit des Baus die Gegend anders aussah, daß sie bewohnt war, terrassiert, wahrscheinlich mit Kurierpfaden durchzogen. Und wenn man oben den runden Hügel erklommen hat, gefolgt von einem Schwarm zerlumpter Kinder, die hier in der Umgebung ein paar jämmerliche Ziegen weiden und um Bakschisch betteln, dann beginnt man zu verstehen. Hier oben ist es luftig und kühl; die riesigen Quadern, die umhergestreut sind, zeugen von der Größe der Anlage; von hier sieht man bis in die wilden Karstformationen, die zum Toten Meer hinunterführen, ein Anblick, der an Großartigkeit schwer zu überbieten ist. Nach der andern Seite strecken sich die judäischen Berge, von den Wadis zerklüftet, hier unten lag das bewohnte Land. Aber hier scheint die Tradition irgendwie abgerissen, man sieht keinerlei Verbindung mehr, die in ein Neues hineinführen könnte, hier schmeckt man nur Arbeit und Verfall. Doch soll man niemals ״niemals“ sagen, sicher nicht in diesem Lande, das anscheinend nie mit seinen Geheimnissen fertig wird. Der Weg geht weiter, wird noch verlassener, unwegsamer, einsamer. Nur ein paar Beduinen trifft man, aber nicht von der Sorte wie sie in die Städte kommen, malerisch, stolz, gut beritten (wo sie es dürfen), ausgezeichnet bewaffnet, nein, dieses sind jämmerliche ausgemergelte Gestalten mit ebenso jämmerliehen Kamelen, von denen sogar die Fohlen schon traurig aussehen, in Lumpen gehüllt, ausgedörrt von Sonne und Durst, ein grauenhaft eindringliches Beispiel, was Regenmangel in der Wüste bedeutet. Der Weg windet sich hinab, als führe er direkt in die Hölle, verengt sich zu einer geschwungener! Felsen- Schlucht, die sich wild und ungebärdig in den Himmel türmt, die Ese! weigern den Dienst, man muß selbst klettern und landet in einem Halbrund von Stein, über dem die Felswand senkrecht wuchtet, unwahrscheinlich und kulissenhaft. Hier hat sich in einer Mulde Wasser gesammelt, das ohne Pause in Tropfen aus dem Felsen sickert und der bloße überhängende Fels gibt Schatten, auch mitten am Tag. Etliche Meter höher sind wie von Zyklopenhand ein paar lose Steine an die Wand gelehnt, da geht es hinein in den Felsen. Man klettert auf halsbrecherischen Wegen einen Pfad hinauf — diese Stufen sind sicher nicht von Menschenhänden für Menschenfüße gemacht worden — überspringt ein Loch und steht im Höhleneingang. Das Loch scheint in eine dunkle Unendlichkeit zu führen. Man muß einen Strick am Eingang festbinden und Lichter anzünden, um sich durch- und zurückzufinden. Eine riesige, aus dem Felsen gewaschene Stalaktitenhöhle, nach der Legende der Aufenthalt eines christlichen Heiligen, führt weit durch die Jahrtausende zurück. In einer Höhle ähnlicher Art in demselben Wadi hat man jetzt prähistorische Zeichnungen entdeckt, die Elefanten und andere Tiere darstellen, Zeichnungen aus einer grauen Urzeit, gegenüber der jenes zerstörte Schloß des Herodes den Gipfelpunkt der Moderne darstellt und demgegenüber jene zerlumpten Beduinen mit ihren Kamelen ungeahnte Werkzeuge, Kenntnisse und Machtmittel besitzen, ln diesen Höhlen im Wadi Charitun taucht man in den Urgrund menschlieber Geschichte. Die Esel bahnen sich ihren Weg nach Bethlehem, von dort saust das Auto nach Jerusalem. Man kommt am Bahnhof vorbei; riesige Schilder: Shell, Vacuutn Oil; ein Lastauto fahrt an mit riesiger Geschwindigkeit, in hochmütiger Kurve und gewältigern Geknatter. Es trägt Kalisäcke, Fracht vom Toten Meer. Man kommt von den Anfängen der Geschichte zurück nach Paiästina. Nach Palästina? Nach ״Europa“, vielleicht nach ״Amerika“. Pressesdiau In der palästinensischen Wochenschrift ״Boustenai“ nimmt Mosche S m i! a n s k y, der bekannte Kolonist aus Rechowoth und Führer der ״Allgemeinen Zionisten“ Palästinas, nachdrücklieh Stellung gegen den Artikel von Prof. Brodetsky ״Was ist Allgemeiner Zionismus?“, den auch die ״Jüdische Rundschau“ in Nr. 87 wiedergegeben hat. Es sei, so führt Smilansky aus, eine Inkonsequenz, auf der einen Seite für ״reinen“ und unvermischten Zionismus einzutreten, zugleich aber auf der anderen Seite zu erklären, daß die Allgemeinen Zionisten auch für die sozialistischen Bestrebungen der Arbeiterschaft Verständnis haben. Besonders erbittert ist Smilansky über Brodetskys Stellungnahme gegen die Privatunternehmungen, die ״aus Profitinteresse keine jüdischen Arbeiter beschäftigen“. In Wahrheit seien es nur 49 von 324 Pflanzern, die keine jüdischen Arbeiter beschäftigen, und diese verfügen nur über 6,4?0 des Pflanzungsbodens in den Kolonien. Um dieses kleinen Prozentsatzes rechtfertige sich nicht die von Brodetsky ausgesprochene Verdammung. Man dürfe nicht vergessen, daß die Existenz von 30 000 arbeitenden Menschen in Palästina von den Pflanzern allein geschaffen wurde und daß es nicht gerecht sei, diese gewaltige Leistung mit der Bemerkung abzutun, daß es sich um profitlüsterne kapitalistische Unternehmer handle. Aus Privatinitiative wurden Tel-Awiw geschaffen, die jüdische Industrie, das Scharon und die großen Kolonien, während die ״Allgemeinen Zionisten“, die nicht ״profitlüstern“ waren und die Prof. Brodetsky so lobt, im Auslande geblieben sind und nichts auf eigene Rechnung und eigene Verantwortung geschaffen haben. Ein Allgemeiner Zionist könne nicht che Anschauung jener teilen, für die der Zionismus nur eine Durchgangsstufc zum Sozialismus ist. * Die englische Zeitschrift ״The Near East and India“ beschäftigt sich in ihrer letzten Nummer wieder mit dem French-Bericht und spricht die Ansicht aus, daß dieses Dokument sehr viel für sich haben müsse, wenn es sowohl von Juden als auch von Arabern so rückhaltlos abgelehnt wird. Es sei zu hoffen, daß sowohl die Araber, als auch die Juden, wenn sie den Bericht ablehncn, an dessen Stelle andere Vorschläge machen, die durchführbar sind. Besonders müsse das von der Jewish Agency erwartet werden, die eine größere Zahl von Intelligenz zu ihrer Verfügung habe als die Araber. Wahrscheinlich werden die Juden enttäuscht sein, wenn Mr. French keine Hoffnung auf finanzielle Unterstützung für neue jüdische Ansiedlung macht. Aber eine Ueberlegung zeigt, wie schwer es für die palästinensische Regierung wäre, sich mit aktiver Förderung von Immigration zu identifizicren. Auf der anderen Seite ist es das Wesen eines Landentwicklungsplanes, das, was bereits im Lande vorhanden ist, zu verbessern. Daher kann die Gegenleistung für die Aufwendungen, die die Regierung für die Ansiedlung depossedierter Araber zu machen hat und die sie wohl vertitln ftfgen#fse über eine Reihe ,von Jahren verteilen wird, in einer ähnlichen Aufwendung zugunsten der bestehenden jüdischen Kolonien gefunden werden, dort, wo sich zeigen läßt, daß wegen Geldmangels die Produktivität des Landes nicht so gesteigert werden kann, daß die Kolonie rechtzeitig selbsterhaltend wird. Die Ausarbeitung eines solchen Plans würde aber nicht einer Politik der brüsken Zurückweisung des French-Berichtes entsprechen. Aas dem arabischen Lager Die Arabische Exekutive in Palästina hat in der letzten Zeit wieder eine rege politische Tätigkeit aufgenommen. An der letzten Sitzung am 28. Oktober nahmen 20 Mitglieder von 48 teil. Abgesehen von einer neuerlichen Zurückweisung des French-Berichtes wurde auch die im French-Bericht enthaltene Feststellung, daß ״Mitglieder der Arabischen Exekutive und des Obersten Moslemischen Rates sich darauf einstellen, arabisches Land an Juden zu verkaufen, woraus zu ersehen ist, daß führende arabisch-nationale Institutionen im Lande bereit sind, ihren überschüssigen Boden loszuwerden“, besprochen. Die Arabische Exekutive setzte ein Komitee von drei« Personen ein, die untersuchen sollen, ob diese Feststellung Frenchs auf Wahrheit beruht und innerhalb drei Monaten der Exekutive berichten sollen. Ferner wurde eine Resolution angenommen, wonach der achte Arabische Kongreß innerhalb von zwei Monaten einberufen werden soll. Weiter wurde die Frage der Beziehungen von Moslems zu den Christen besprochen. Die Exekutive machte Bemühungen, eine Spaltung, die für die ganze arabische Nationalbewegung ein untragbarer Sehlag wäre, zu verhüten. (Die ״Jüdische Rundschau“ hat wiederholt über die zwischen Moslems und Christen bestehenden Spannungen gesprochen, und es sei daran erinnert, daß manche christlichen Zeitungen bereits die Gefahr von ״Christenverfolgungen“ in Palästina an die Wand malten, vgi. ״J. R,“ Nr. 90.) Die Arabische Exekutive beschloß, ihre Forderung der gerechteren Verteilung von Beamtenposten zwischen Angehörigen der einzelnen Konfessionen in Zukunft mit Mäßigung zu vertreten und den Zeitungen Weisung zu geben, bei der Behandlung dieser Frage jede Schärfe zu vermeiden, die zu einer weiteren Entfremdung von Christen und Mohammedanern beitragen könnte. Am 6. November wurde in Jaffa die Konferenz der moslemischen Jugend, die Beamtenstellungen für sich beansprucht, eröffnet. Vier Delegierte der Konferenz veröffentlichen im ״Felestin“ eine Erklärung, worin gesagt wird, sie hätten sich im Verlaufe einer Vorkonferenz davon überzeugt, daß die Mehrheit der Delegierten diese Konferenz nicht zu einer rein national-arabischen, sondem zu einer moslemischen machen will, und aus diesem Grunde legen sie ihre Mandate nieder. Zu gleicher Zeit protestieren sie dagegen, daß die christlichen Araber sich bei dem Kampf der Moslems um Beamtenposten zurückhalten und auf diese Weise gleichfalls die nationale Einheit gefährden. Die moslemische Zeitung ״Isiamia“ teilt mit, daß die christlichen Vereine zu der Konferenz eingeladen waren, aber keine Delegierten geschickt haben. Wie die palästinensische Presse mitteilt, wurde am 31. Oktober vor dem Obersten Gerichtshof Palästinas unter Vorsitz des Oberrichters die feierliche Einführung von drei neuen palästinensischen Advokaten vorgenommen, und zwar die Herren Felix Rosenblüth, Henry Kaftan und Josef Mamaan. Kurt Blumenfeld in Danzig Was ist Jüdischer Nationalismus? Aus Danzig wird uns berichtet: Nach einer mehrjährigen Pause besuchte Kurt B 1 ti m e n f e 1 d Danzig und wie immer waren überfüllte Versammlungen ein Beweis für die Wertschätzung, deren er sich in Danzig erfreut. Das Thema der großen öffentlichen Versammlung, die am 19. Oktober im ״Danziger Hof“ stattfand, war ״Der Irrtum der Assimilation und die Wahrheit vom Judentum“, ln einer Jugendversammlung am Nachmittag des 20. Oktober sprach Blumenfeld vor inehrcren hundert Jugendlichen über die Idee des jüdischen Nätio nalismus. Er sagte u. a, daß kein Volk so sein wolle wie das andere, daß in jedem Volk die nationale Idee eine besondere Ausprägung finde, und daß das jüdische Volk die Aufgabe habe, den ihm eigentümlichen Nationalismus im Leben zu gestalten. Die Besonderheit der nationalen Idee im Judentum stellte er in Geschichte und Gegenwart dar und zeigte, wie schon die äußere Situation die Juden auf den Weg einer kritischen Haltung sich selbst gegenüber und einer menschlichen Haltung gegenüber anderen geführt habe. Die auch im jüdischen Nationalismus lebende expansive Idee sei immer von dem Glauben an den Sieg von Ideen getragen gewesen. Gewiß sei aucn die jüdischnationale Idee mit dem Begriff von nationaler ״Macht“ verbunden, aber dieses Machtstreben sei schon in den .ältesten Zeiten von der Zügelung der triebhaften Kräfte im Menschen begleitet gewesen. Das jüdische Volk handele gegen seine Tradition und gegen sein eigenes Interesse, wenn es sich heute auf den Weg des extremen Nationalismus der Gegenwart drängen läßt. Die allgemeine Situation der Juden bringt cs mit sich, daß unsere nationalen Forderungen mir in solchen Kreisen Unterstützung finden, die mit der Fähigkeit, die Bedeutung der Nation zu erkennen, auch die Kraft zu übernafionalem Denken verbinden. Je mehr cs uns gelingt, den eigenartigen und wahren jüdischen Nationalismus herauszuarbeiten und zu bewähren, umso größer wird die Chance gegenüber den unsere Bewegung gefährdenden politischen und sozialen' Strömungen des Tages. Nur so sind erneute Assimilationshoffnun gen zu überwinden, nur so ist die volle Verwirklichung eines politischen Zionismus mit großen Zielen herbeizuführen. Im Anschluß an die Jugendsitzung sprach Blumenfeld im internen Kreis der Zionistischen Organisation, d, h. gleichfalls vor Hunderten über Probleme des Palästinaaufbaues und der Zionistischen Organisation. Referat und Diskussion dauerten bis 3,30 nachts, nachdem vorher schon die Jugendversammlung mehrere Stunden in Anspruch genommen hat. Die wichtigsten Fragen der Wirtschaft und Politik wurden vom Referenten behandelt und von Diskussionsrednern kritisch betrachtet. In der politischen Debatte gab es eine Diskussion mit den Revisionisten und stellenweise große Erregung. Wir danken Blumenfeld für das, was er in fast Übermenschlicher Weise in der Zeit seines kurzen Besuches hier geleistet hat. Wir werden uns immer freuen, ihn als Gast bei uns zu sehen. In der Generalversammlung der Zionistischen (>rganisation Danzig, die von fast 400 stimmberechtigten Mitglicdem besucht war, wurde nach langen und fast bis zur Komik an Kongreßbetrieb erinnernden Verhandlungen (Unterbrechung durch Fraktionssitzungen pp.) der bisherige Vorstand gewählt. 1. Vorsitzender ist wiederum Dr. Landau, als 2. Vorsitzender wurde Referendar Boris Eisenstadt gewählt. Die weiteren Mitglieder sind: Dr. Lewy, Mazur, Feld mann, Rabb. Sagalowitsch, Rotkel, Rosenzweig, dieser, Dr. Guter. Ferner soll eine Vertreterin der Wizo in den Vorstand kooptiert werden. Gegen die Wahl des 2. Vorsitzenden haben die Revisionisten Protest eingelegt, da eine solche Stelle in dem Statut nicht vorcgetehot-ist., ׳■י . Das ״Jüdische Volksblatt‘' in B i e 1 i t z (Polnisch-Schlesien) berichtet über den außerordentlich erfolgreichen Besuch Kurt Blumenfelds in B i e 111 z in der ersten Novemberwoche. Blumenleid sprach in einer von Dr. Orünstein geleiteten großen Kundgebung, ferner in einer Jugendversammlung, weiter nahm er an einer Sitzung des Parteirates der Zionistischen Organisation ,,Haschachar“ teil, zu der die Keren Hajessod-Zentrale als speziellen Delegierten Dr. Wilhelm Berkelhammer entsandt hatte. Bei dieser Sitzung hielt Blumenfeld ein grundlegendes Referat über Wirtschaftsfragen Palästinas. Am nächsten Tage sprach Blumenfeld in der Bielitzer Loge Esra Bne Brith über das Thema ״Die jüdische Gesellschaft“. Die Veranstaltung machte auch auf zahlreiche nichtzionistische Teilnehmer den tiefsten Eindruck. Blumenfeld hat dann noch an der Einleitung der Keren Hajessod-Aktion teilgenommen und begab sich am Montag von Bielitz nach Oherschlesien. wo er noch am selben Abend in Gleiwitz sprechen mußte. Das Bielitzer ״Jüdische• Volksbiatt“ schließt seinen Bericht mit folgenden Zeilen: ״Kurt Blumenfeld aber danken wir für seinen Besuch in Bielsko auf das herzlichste. Er hat uns Zionisten durch seinen Besuch eine große Freude gemacht, uns mit neuer zionistischer Kraft erfüllt und unserer Idee und dem Palästina-Aufbau neue Freunde geworben. Um so größer muß unser Dank sein, als Rhimenfeld durch die letzten Aktionen in Danzig und Oberschlesien bis zum letzten Rest seiner Kraft erschöpft war und es sich trotz Erkrankung nicht nehmen ließ, die Bielitzer Zionisten, die er - wie er selbst zugestand — sehr ins Herz geschlossen hat, aufzusuchen. Und darum hoffentlich — auf baldiges Wiedersehen!“ Die Konferenz der Zionisten Bnlpriens Sofia, 6. November. (J. T. A.) Auf der XIX. Konferenz der bulgarischen Zionisten kam es zu Meinungsverschiedenheiten. Als die Konferenz beschloß, daß Schüler nicht Mitglieder der Zionistischen Organisation sein dürfen, weil die in Bulgarien geltenden Gesetzesbestimmungen eine Beteiligung von Schülern an politischen Organisationen verbieten, verließen die Vertreter der ״Haschomer Hazair“, ״Hechaiuz“, ״Ness Zion“ und ״Bead Zion“ zusammen mit den poale-zionistischen Delegierten die Konferenz. Die Konferenz nahm dann eine Anzahl Resolutionen zur allgemeinen zionistischen Politik an und beschloß, eine Aktion zur Aufbringung von Mitteln für Ansiedlung des K i b u z Gimmel in Palästina einzuleiten. Kibuz Gimmel besteht aus 110 Chaluzim (80 aus Bulgarien, 30 aus Rumänien), die alle in Palästina sind und auf Keren Kajemeth-Boden in Wadi Hawarith angesiedelt werden. Es wurde ferner beschlossen, Mittel zur änzlichen Kolonisierung der bulgarisch-jüdischen Kolonie in aiästina ,,Beth Chanan“ aufzubringen. Es wurde beschlossen, die Organisation nicht in einen Dachverband umzuwandeln, sondern sie als eine Einheit ohne Sonderfraktionen bestehen zu lassen. Zum Präsidenten der Organisation wurde Albert Romano wiedergewählt. Das Zentralkomitee verbleibt in Plowdiw. In den gewählten Ausschüssen sind alle zionistischen Parteien vertreten. Die jüdischen Mitglieder des Kongresses der Vereinigten Staaten. Außer den am vergangenen Sonntag in den Vereinigten Staaten gewählten vier jüdischen Gouverneuren — Herbert Lehman in New York, Henry Horner in Illinois, Arthur Seligman in New Mexico und Julius Meier in Oregon — wurden am gleichen Tage 12 Juden, davon 5 aus New York, 2 aus New Jersey, einer aus Pennsylvania, einer aus Kalifornien, einer aus Wisconsin, einer aus Illinois und einer aus Connecticut, in den Kongreß der Vereinigten Staaten gewählt,

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