Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 91 (15.11.1932)
- Date
- 1932-11-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 442 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 91, 15. XI. 1932 ergriffen vor »einer Schönheit zu stehen. Es!st da etwas in der Luft, das Palästina mit einem strahlenden Licht erfüllt, die Sonne l»t nicht hart und grauiam wie eine orientalische Sonne. Auf der einen Seifc( erstrecken »ich mdlemveit die Orangen• gärten — man sieht in der Lerne das Mitteimeer schimmern ־- und auf der anderen Seite Felder, auf denen jUdiache Arbeiter den Pflug führen, während sich hinter ihnen die Judäischcn Hügel erheben. Die Rednern! gibt eine Schilderung der Fahrt von Aegypten W« Ludd und von dort nach Jerusalem mit ihren tinvergeßliehen Landschaftseindrücken. ״Auf der Straße von Ludd nach Jerusalem kommt rn<in am Kinderdorf Ben Schemen vorbei, wo unser Freund Siegfried Lehmann das vollkommenste Eriiehungiheim geichaffen hat, da* Ich je gesehen habe,“ Ben Schemen ist das einzige Kinderdorf, aber in jeder Kolonie findet man ein Kinderhaus, wo derselbe Geist herrscht und wo dasselbe Prinzip waltet. Eine wundervolle Generation wächst heran — eine Generation gesunder Jungen und Mädeben, fähig, auf dem Lande zu arbeiten, i!1 wirklicher Freiheit von Körper und Seele, froh und mutig, voll von Leben»- freude — und alle sprechen Hebräisch als ihre Muttersprache. Weiter »prlcht Lady Erlcigh von Jerusalem, von der Universität, vom Emek Jesreel, erwähnt auch die deutschen Chaluzim von Kfar Gun, über die sie in der ״Jüd. Rundschau“ Nr. 86 geschrieben hat, gibt die tiefen Eindrücke der M a k - k ab iah wieder, die <lcn Wert dieser jüdischen Turn- und Sportbewegung überzeugend dargetan hat und schildert schließlieh den neuen jüdischen Menschen, den das Land hervorgebracht hat. Die ganze Atmosphäre ist völlig anders als die europäische. Wenn man hinkommt, ist es, als ob einem eine Last von der Schulter fällt, man kann wieder aufrecht stellen und ein ganzes Leben führen. Die Arbeit ist gut begonnen, schließt die Rednerin, aber sie muß zu Ende geführt werden. Wir müssen mehr Männer und mehr Frauen in!las Land bringen. Jetzt sind wir erst 18 Prozent der Bevölkerung. Wir müssen die Betriebe, die die Entwicklung des Landes fördern, finanzieren, vieles wartet darauf, getan zu werden. Die Juden der Welt haben ein großes Werk begonnen; sie dürfen nicht ruhen, denn es wäre eine ewige Beschämung, e» nicht vollendet zu haben. Es gibt solche, die Geld hatten und es nicht mehr haben. Wenn sie es für Erez Israel gegeben hätten, hätte es hundertfache Frucht gebracht. Sie hätten gefühlt: ,,Ich habe in meinem Leben eine Tat vollbracht, ich habe einen Ziegel zum Bau unseres Nationalen Heims gefügt.“ Nichts geht verloren, was in Ercz Israel hineingesfeckt wird und wieviel ist doch von dem verloren gegangen, was wir in der Diaspora gut angewandt glaubten! Der Keren Hajessod ist der Gründungsfond, die Grundsteinlegung der neuer! Hoffnung und des neuen Lebens in Erez Israel. Lassen Sie uns das Unsere dazu beitragen, daß er in diesen Tagen fest auf seinen Füßen steht. Mit Ihrer Arbeit, mit Ihrem (leid unterstützen Sie ihn, auf daß wir wieder die verlassenen Orte Zions erbauen! Und jeder Jude sei stolz, an dem Wiederaufbau Erez Israels mitzuhelfen. (Stürmischer Beifall.) Direktor Wassermann, der in herzlichen Worten der Rednerin dankt, weist darauf hin, daß diese Veranstaltung an Stelle der üblichen Jahresversammlung des Keren Hajessod gilt. Er fordert zum Schluß alle Anwesenden auf, ״dem Lande unserer Sehnsucht unsere Liebe zu schenken, und dem Lande unserer Sehnsucht das zu gebe!!, was notwendig ist, es zu entwickeln“. Gerade in einer Zeit, wo der einzelne Anhänger der Palästina-Idee vielleicht nur weniger geben kann als früher, ist es, um 10 notwendiger, mehr Anhänger zu gewinnen. Mit* einem warmen Appell, das Palästinawerk des Keren Hajessod zu fördern, schließt der Vorsitzende die überaus gelungene Veranstaltung. Weitere Veranstaltungen An dem Frühstück, das Herr und Frau Leo Simon zu Ehren von Ladv E r 1 e i g h in ihrem Hause veranstalteten, nahmen u. a. teil: die Herren Ministerialdirektor Dr. Dieckhoff, Geheimrat Dr. Prüfer, Geheimrat Kuenzer und Legationsrat Prof. Sobernheim vom Auswärtigen Amt, Gesandtschaftsrat v. Stumm und Legationssekretär Herr zu Putlitz von der Reichspressestelle, Oberregierungsrat Dr. Thomsen von der Reichskanzlei, Exzellenz Dr. D e r n b u r g, Generalkonsul Eugen Landau, Direktor Oscar Wassermann, Regierungspräsident z. D. Dr. Hausmann, Prof. Otto War bürg, Herr Willy Dreyfus, Prof. Dr. S. O. Z 0 n d e k , Dr. Arthur H a!11 k e , Kurt Blumenfeld usw. Herr Leo Simon wies in seiner Begrüßungsansprache darauf hin, daß nicht nur die amtlichen Kreise in Deutschland, sondern auch viele hervorragende nichtjüdisclie deutsche Politiker, Wissenschaftler und Wirtschaftler der Arbeit für das jüdische Palästinawerk Sympathie und aktive Förderung entgegenbringen. Lady Erleigh sFhi'derfe in ihrer Ansprache den Wirtschaftliehen Aufschwung Pa'ästinas in den letzten zehn Jahren und die Aussichten für eine schnelle und großzügige Entwicklung des jüdischen Siedlungswerkes, dessen Förderung sie als zentrale Gegenwartsaufgabe der Gesaintjudcnheit bezeichnete. Herr und Frau Direktor Oscar Wassermann hatten anläßlich der Anwesenheit von Lady Erleigh zu einem Tee- Empfang ins Hotel Adlon gebeten, a!1 dem etwa 150 Damen und Herren feilnahmen. Anwesend waren■ u. a. die Herren Stadtkämmerer Dr. Asch, Ministerialdirektor Dr. Badt, Rabbiner Dr. Baeck, Prof. Dr. Baumgardt, Kurt Blumenfeld, die Professoren Ferdinand und Franz Blumentha!, Dr. Friedrich Brodnitz, Ministerialrat Goslar, ihr. Haberland, Dr. Halpern, Dr. Hantke, Frau Kommerzienrat Franck, Frau Konsul Hahn, Frau Lola Hahn-Warhurg, die Herren Bertliold Israel, Dr. Alfred Korr, Direktor Dr. Kleemann, Generalkonsul Landau, Direktor Dr. Lessing, Prof. Dr. Lichtwitz, Hans Mankiewitz, Dr. Ernst Petschek, Karl Petschek, Dr. Edmund Pietrkowski, Prof. Dr. Paul Rosenstein, Staatssekretär a. D. Dr. Hans Schaeffer, Leo Simon, Prof. Dr. Sobernheim, Dr. Max Soloweitschik, Regierungsrat Sommerguth, Dr. Ernst Spiegelberg־, Regierungsrat Dr. Stern, Rabbiner Dr. Warschauer, Kommerzienrat Max von Wasse-mann, Georg Wertheim, Arnold Zweig, die zumeist mit ihren Damen erschienen waren. Nach einer kurzen Begrüßungsansnrache von Herrn Direktor Oscar Wassermann gab Lady Erleigh eine packende Schilderung ihrer Rciseeindrücke von Palästina und forderte alle Anwesenden auf, dem jüdischen Palästinawerk ihr Interesse und ihre tätige Anteilnahme zuzuwenden. Herr Blumenfeld schilderte im Anschluß an die Ausführungen von Lady Erleigh das Wachstum der jüdischen Siedlung in Palästina und die Bedeutung des dort entstehenden neuen jüdischen Lebens für das Judentum und die Judenhelt der ganzen Welt. Von der Frauen-Arbeitsgemeinschaft für Palästina veranstaltet, fand zu Ehren von Lady Erleigh am Sonntag, 13. November, im Hause von Frau Berthold Israel ein Empfang statt. Der Einladung war eine große Zahl (ca .150) uns großenteils bisher fernstehender Menschen gefolgt. Lady Erleigh sprach warm und gewinnend von dem Frauenwerk in Palästina. Nach der Rede von Lady Erleigh sprach Frau Jenny Blumenfeld über die Arbeit der Wizo in Deutschland und forderte in einem eindrucksvollen Appell die Anwesenden zur Mitarbeit auf. Der Nachmittag brachte der Wizo viele neue Freunde. Besonderer Dank gebührt der Gastgeberin, Frau Berthold Israel, die in liebenswürdiger und gastlicher Weise ihr schönes Haus zur Verfügung gestellt hat. Die Mandatskommission tagt Von unserem Genfer Mitarbeiter. K—y, Genf, den 11. November. Nach einjähriger, durch von der Versammlung empfoh• lene Sparmaßnahmen hervorgerufener Unterbrechung ist die Mandatskommission am 3. ds. zu einer Tagung zusammengetreten, deren Tagesordnung eine Maximalbeiasttuig auf* weist. Sie hat diesmal die Jahresberichte und Petitionen von allen noch bestehenden dreizehn Mandatsgebieten, der Kate* gorien A, B und C, zu prüfen. Hinzu kommt noch pikanterweise der Jahresbericht für 1931 und einige Petitionen au» dem Irak — einem inzwischen ״souverän“ gewordenen Staate. Kein Wunder daher, daß diese ״Sparsamkeitstagung“ sich wahrscheinlich bis Mitte Dezember hinauszielien und ebenso lange dauern wird wie zwei normale Halbjahrtagungen. Der Palästinadebatte, der Sir Arthur Wauchope beiwohnte, waren drei knappe Sitzungen gewidmet.• Die Mandatskommission hat weder in ihrer Zusammen- Setzung noch in ihren Verhandlungsbräuchen irgendwelche Aenderungen erfahren. Sie bildet trotz der überall wütenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Stürme eine kleine, unveränderlich konservative ״Welt für sich“. Es ist ein Konservatismus, der angesichts der unsteten, reaktionären und zu Gewaltlösungen neigenden Zeiten sich ■— vielleicht ohne es recht zu wollen — sogar im Rahmen des Völkerbundes als e!11 freiheitlicher und fortschrittlicher Faktor erweist. Leider — am wenigsten durch die Schuld der Mitglieder der Kommission — bekommen die an diesem fortschrittlichen Geiste der Mandatskommission meist interessierten Völker, d. h. die jetzigen und künftigen Bewohner der Mandatsgebiete davon nur sehr wenig zu spüren. Von den zwölf Mitgliedern der Kommission hat eines — der Vertreter des Internationalen Arbeitsamtes — nur eine beratende Stimme. Mit ebenfalls beratender Stimme nimmt an allen Sitzungen der Kommission der Direktor der Mandatsabteilung des Völkerbundsekretariates, der Italiener Catastini, teil. Außer dem weiblichen Mitglied, der Norwegerin Dannevig, und zwei Universitätsprofessoren, dem Schweizer Rappard und dem Spanier Palacios, sind alle Mitglieder der Kommission frühere, meist langjährige Kolonialbeamte mit reicher praktischer Erfahrung. Es ist eine psychologisch bemerkenswerte Erscheinung, daß diese alten, dem Anschein nach sehr reaktionären Kolonialpraktiker die allertreuesten und am aufrichtigsten ergebenen Diener des Völkerbundes geworden sind. Es gibt wohl keine Kommission des Völkerbundes, die ihre Aufgabe ernster auffaßt und deren Mitglieder den Bestimmungen der Völkerbundsatzung, insbesondere dem für sie in Frage kommenden Artikel 22, sowohl ihrem Geiste wie ihrem Buchstaben nach so restlos und gewissenhaft zu ihrer Ausfiihrung verhelfen möchte. Doch haben die Mandatarmächte ihrerseits alles getan, um den Einfluß der Kommission nicht allzu groß werden zu lassen und ihren Eifer in geziemenden Grenzen zu halten. Sie wurde zu einem bloß beratenden Organ des Völkerbundes gemacht, die Möglichkeit, die tatsächliche Lage in den Mandatsländern an Ort und Stelle*prüfen oder wenigstens Vertreter der Bevölkerung dieser Linder offiziell verhören zu können, wtifde'lKr gekommen und Ihre* |a1tte TI11pelf Wurde geMssermaßen in ein —■ undurchsichtiges — Glashaus eingeschlossen, dessen Temperatur nur von den Mandatarmächten bestimmt und vorsichtig reguliert wird. Unter dem Vorwand — in Wirklichkeit ist es nämlich nur ein Vorwand —, daß sie als beratendes Organ des Völkerbundrates den Verlauf und das Ergebnis ihrer Verhandlungen nicht eher dem Publikum preisgeben darf, als bis der Rat selbst ihren Bericht erhalten hat, werden alle ihre Verhandlungen geheim abgehalten. Dies widerspricht dem wichtigsten Grundsatz aller Völkerbundpolitik — dem Grundsatz der ()Öffentlichkeit aller Verhandlungen. Naturgemäß interessiert sich die Presse für die Tagungen der Kommission nur in der Zeit, in der sie tatsächlich abgehalten werden. Zu dieser Zeit erhält sie jedoch von der Informationsabteilung des Völkerbundsekretariates lächerlich inhaltlose Communiques und hie und da — dies besonders im Falle Palästinas — eine allgemein gehaltene Erklärung eines der Vertreter der Mandatarmächte, die dieser Vertreter eben veröffentlichen will. Sie erfährt hingegen gar nichts von der Einstellung der Mandatskommission und wird auf diese Weise nur ganz einseitig informiert. Einige Monate nach Schluß der Tagungen werden allerdings zwar sehr ausführliche, aber doch entsprechend ״zugestutzte“ Verhandlungsprotokolle der Kommission veröffentlicht. Diese Dokumente sind für die große allgemeine Presse wegen ihres späten Erscheinens ״unaktuell“ und werden von den diese Fragen referierenden Völkerbundjournalisten — abgesehen von einigen ganz wenigen Spezial!- sten — aus Zeitmangel gar nicht gelesen. So kommt es, daß die Mandatskommission, für die die Publizität von lebenswichtiger Bedeutung ist, ihrer fast vollkommen entbehrt. In der Eröffnungssitzung der jetzigen Tagung — der einzigen, die immer öffentlich, aber dafür fast immer vollkommen belanglos ist — hat der Belgier Orts an einem kleinem Beispiel die ״Freiheiten“ der Mandatarmächte gegenüber der Kommission beleuchtet: zwischen dem Irak und Syrien wurde von den Vertretern der Mandatarmächte dieser beiden Länder endgültig die territoriale Grenze gezogen. Die Mandatarmächte erstatteten darüber dem Rat einen Bericht. Der Rat bat die Kommission, ein Gutachten darüber abzugeben, ob die fragliehe Grenzziehung im Einklang mit den Interessen der Bcvölkerung der beiden Länder vollzogen wurde. Herr Orts und andere Mitglieder der Kommission fanden, daß es ein bißchen stark sei, von der Kommission ein solches Gutachten zu verlangen, ohne ihr auch nur die geringste Möglichkeit gegeben zu haben, diese Grenzen zu. sehen und die sich darauf beziehenden Interessen der Bevölkerung irgendwie prüfen zu können. Der Vorsitzende, Graf Theodoli, beschwichtigte ironisch die protestierenden Mitglieder der Kommission lind machte sie darauf aufmerksam, daß sie doch schon seit neun Jahren ״mit verbundenen Augen und mit nur so weit offenen Ohren arbeiten muß, als das die Mandatarmächte gnädig erlauben“ und daß es daher keinen Zweck hätte, sich gerade wegen einer so ziemlich belanglosen Frage besonders energisch aufzubäumen . . . Die Mitglieder der Kommission lächelten resigniert und fügten sich ihrem Schicksal. Die in Nr. 89 der ״Jüdischen Rundschau“ erwähnte Vcranstaltung des englischen Keren Hajessod in London war, was in der Notiz leider hinzuzufügen übersehen wurde, ein Empfangsabend für den Direktor des Keren Hajessod, Leib J a f f e , der gegenwärtig ln England die Keren Hajessod-Aktion durchführt und auch bei dem erwähnten Empfangsabend eine begeistert aufgenommene Ansprache hielt. Roosevelt an die amerikanischen Zionisten New York( 11. November. (J. T, A.) Der Präsident der amerikanischen Zionistischen Organisation, Herr Morri* Rothenberg, veröffentlicht soeben eine Botschaft F ranklin D, Rooscvclts, die dieser wenige Tage vor seiner Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika an die amerikanische Zionistische Organisation aus Anlaß des 15. Jahrestages der ßalfoitr -Deklaration am 2. November d. J gesandt hat. Zu Beginn seiner Botschaft erinnert Franklin D. Roosevelt daran, daß Präsident Wilson, der letzte demokratische Präsident der Vereinigten Staaten, es war, der die Einverleibung der Balfour-Deklaration in den Friedensvertrag mit veranlaßt hat. Dann fährt Roosevelt fort: Die jüdischen Leistungen in Palästina seit Verkündung der Balfour-Deklaration haben die großen Hoffnungen gerechtfertigt, die an die Uebernahme der Patenschaft der jüdischen Heimstätte gesetzt worden waren. Eine Würdigung des jüdüchen Fortschritt» in Palästina seit der Balfout־-Deklaration bedeutet nicht nur einen Tribut an die schöpferischen Kräfte des jüdischen Volkes, sondern es ist damit auch die Fest- Stellung verbunden, daß das jüdische Werk, das dem ganzen Heiligen Lande eine große Entwicklung gebracht hat, das Wohl aller Einwohner des Landes fördert. Ich persönlich werde immer mit tiefer Sympathie den Fortschritt Palästinas beobachten. Ich spreche Ihrer Organ!- sation meine aufrichtigsten Wünsche für einen weiteren Erfolg und für weitere große Leistung aus. Auch Präsident Itoovcr hat aus Anlaß des 15. (ahrestages der Verkündung der Balfour-Deklaration eine Bot- Schaft an die Zionistische Organisation Amerikas gesandt, in der er darauf hinweist, daß die Balfour-Deklaration die einmiitige Billigung beider Häuser des Kongresses der Vereinigten Staaten (Annahme der Lodge Fish-Resolution I. J. 1922) gefunden hat, und schließt; ״Es ist sehr erfreulich, feststellen zu können, daß viele amerikanische Juden, Zionisten wie Nichtzionisten, dieser Sache, die die Sympathie und die moralische Ermutigung aller verdient, 80 ‘ glänzende Dienste geleistet haben.“ Die Scholkrlse in Palästina Jerusalem, 10. November. (J. T. A.) Mehr als 100Lehrer der in diesem Schuljahre noch nicht wieder cröffneten hebräischen Schulen der Jewish Agency drangen am 9. November, morgens, i!1 die Biiroräumc der Jewish Agency ein, stellten Posten vor die Ausgänge und erklärten, daß sie es nicht ertauben werden, daß ein Mitglied der Exekutive der Jewish Agency das Gebäude verläßt, bevor nicht die r ü ck s t ä n d igen Oehälter für die Monate Mai bis August 1932 bezahlt worden sind. Von den Mitgliedern der Exekutive befand sich im Gebäude nur Dr. Werner Senator, die Mehrheit der Exckutive-Mitglicdcr weilte in Tel-Awiw. Erst in später Abendstunde wurde Dr. Senator erlaubt, das Büro zu verlassen. Die aus allen Städten und Kolonien in Jerusalem eingetroffenen Lehrer hielten eine Versammlung ab, ln der die Frage der Gehaltszahlung und der Stellung der Schulen unter die Kontrolle des Waad Leumi beraten wurde. Als am Morgen des 10. November Dr. Senator in sein Büro kam, versammelten sich die Lehrer vor der Tür seines Arbeits- Zimmers und drängten auf eine Antwort. Im Verlauf des Tages trafen die Mitglieder der Exekutive Farbstein und Neuman im׳ Gebäude ein und gaben nach kurzer Beratung den Lehrern im ' Namen derExekimve das Versprechen, daß eine Entscheidung betreffend eine tauch die Lehrerschaft befriedigende Regelung der Gehaltsfrage innerhalb eines T ages getroffen werden würde. Daraufhin verließen die Lehrer das Oebäude und hoben die Wachposten auf. Gegen die palästinensische Einkommensteuer * Jerusalem, 11. November. (J. T. A.) Jüdische und arabische Wirtschaftsorganisationen in Palästina gehen einmütig gegen die von der Regierung geplante Einführung einer Einkommensteuer vor. Jüdische Kaufleute und Industrielle hielten gemeinsam mit Vertretern aller bürgerlichen politischen Parteien — die Arbeiterpartei nimmt an dem Feldzug gegen die Einkommensteuer nicht teil — eine Beratung ab, in der beschlossen wurde, ein Protesttelegramm an das Colonial Office in London gegen die Einführung der Einkommensteuer zu senden und die Exekutive der Jewish Agency in London im telegrafischen Wege dringend aufzufordern, sofort Schritte zu unternehmen, um die Einführung der Einkommen- Steuer, durch die das jüdische Interesse schwer geschädigt: werden würde, zu verhindern. Die aus Juden, Arabern und Engländern sich zusammensetzende Jerusalemer Handelskamtner nahm in einer Sitzung einmütig eine Ent- Schließung gegen die Einführung der Einkommensteuer an. Der Waad Leumi wird die Steuerfrage in einer Sondersitzung behandeln. Die gesamte arabische Presse nimmt in Artikcln Steilung gegen die neue Steuer. Die Regierung aber macht alle technischen Vorbereitungen zur Auferlegung der Steuer. Sie ließ sich hierzu einen speziellen Experten aus London kommen. Die Sonderpolitik der Revisionisten Wie das Zionistische Zentralbüro meldet, hat die Exekutive der Zionistischen Organisation dem Sonderverband der Zionisten-Revisionisten mitgeteilt, daß sie die von der Presse gemeldete Intervention des Herrn Dr. Soskin bei der polnischen Regierung als eine Verletzung der Be- Schlüsse des Aktions-Comittis über die außenpolitischen Prärogativen der Exekutive betrachtet und die Einleitung des entsprechenden Verfahrens bei den zionistischen Gerichtsinstanzen veranlaßt. (Dr. Soskin versuchte in Warschau die polnische Regierung für Unterstützung des revisionistischen Programms in Genf zu gewinnen und hatte, wie mitgeteilt wird, Unterredungen mit höheren polnischen Beamten; was dabei herauskam, ist unbekannt. — A. d. R.) Gleichzeitig teilte die Exekutive dem Sondervcrbande mit, daß sie jede Verhandlung mit einer Regierung oder rnit dem Völkerbund, die vom Sonderverband oder seinen Mitgliedern ohne Gcnehmigung der Exekutive geführt wird, als Zuwiderhandlung gegen die Beschlüsse des Aktions-Comites ansehen und entsprechend behandeln wird. Jehudi Menuhin erscheint uns in seiner vollendeten Meister- Schaft als Sechzehnjähriger nicht weniger wunderbar denn als Kind. Selbst das Virtuosenprogramm seines diesjährigen Abends erfüllte er mit reifster Geistigkeit. Der Gipfel war Bachs Solosonate in O-moll. Die unbeschreiblich makellose Glätte dieses Doppelgriffspiels — die wohl kaum von einem lebenden Geiger erreicht wird — macht fast Angst. Wir glauben aber an den Instinkt dieses jungen Meisters, der immer die Grenze des reinen Musikertums innehalten und sich nicht im rein Geigerischen verlieren wird. A. J.-L. Die Dichterin Else Lasker-Schiiler erhielt neben Richard Billinger den Kleistpreis für das Jahr 1932,