Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 88 (4.11.1932)
- Date
- 1932-11-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Jewish Agency an die Mandatskommission Einzelnummer oqs Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5.75 Goldmark. A<nl*nd>1bam1«11>«1tt• ward«» in dm Währung der einreinen Länder berechn«. An*eifr«npreis: 8 Resp. Ncmp«r«illczefle 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25 G. M. Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m. b. H., Berlin W15, Meinekestr.10. Telefon: J 1 Bismarck 716570־. Anzeigenschluß: Dienstag und Freitag nichmiu*!* 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Postscheck - Konten: Berlin 17392, Basel V 9355, Belgrad 68032, Brüssel 39433 Budapest 59693, Ostwig 1973, Hum 140 470, Prag 59410, Riga 4155, Strsshburg 16430, Warschau 190708, Wien!56030 Bank-Konten: Dresdener Bank, Depositen - Kasse Berlin, Kurfürst endamm 52; Rumänische Kreditbank, Cernauii (Rumänien); Anglo Palestino Co. m Haifa, lermatem, Tel *Aviv. ה, מרחשון תרצ״ג | xxxvu. Jafcrg, Oer Zionismus erstrebt für das judlsclt• Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm." Zur Wahl am 6. November Je näher der Wahltag־ kommt, um so heftiger wird die Sprache derjenigen Parteien, die die Regierung Papen bekämpfen und zur Macht streben. Die nationalsozialistische Partei bestreitet ihre Propaganda hauptsächlich mit Argumenten ״gegen die Reaktion“, wobei sie wohlweislich ihre Waffen in antisemitisches Gift taucht. Offenbar trauen die National- Sozialisten in Anbetracht der Konkurrenz der Arbeiterparteien der Zugkraft ihrer radikal-wirtschaftlichen Forderungen nicht ganz und darum fügen sie zu ihren ״sozialistischen“ Schlag- Worten noch die bewährten judenfeindlichen Parolen. Dank der antisemitischen Demagogie ist die J u d e n f r a g e fm politischen Leben Deutschlands zu besonderer Bedeutung gelangt und kann schwer mit Stillschweigen übergangen werden. Auch die Sozialdemokratische Partei hat diesmal die Notwendigkeit empfunden, im Wahlkampfe ausdrücklich zum Judenproblem in Deutschland Stellung zu nehmen. Die Programmerklärung der SPD. enthält 1t. a. folgenden Passus: ״Die Sozialdemokratische Partei ist weder philosemitisch, noch anti* semitisch. Sie buhlt nicht um die Stimmen der Jaden. Aber sie erklärt, daß niemand wegen seines religiösen Glaubens oder seiner freidenkerischen Gesinnung in seinen politischen und sozialen Rechten geschädigt werden darf. Die Sozialdemokratie ist die Partei aller Unterdrückten, gleichviel welcher Rasse oder welchem Bekenntnis sie angehören.“ Die SPD. hat sich auch durch den antisemitischen Terror nicht in ihrer Kandidatenauswähl beeinflussen lassen. Entgegen unserer kürzlich geäußerten Annahme, daß sich auf den Kandidatenlisten der großen, grundsätzlich nicht antisemitischen Parteien keine Namen von jüdischen Kandidaten befinden würden, wurden sowohl in einzelnen Kreisvorschlägen, wie auch in der Reichsliste der Sozialdcmokratischen Partei an aussichtsreicher Stelle Juden aufgestellt; wenn es sich auch in mehreren Fällen mm Personen jüdischer Abstammung handelt, die offiziell der jüdischen Gemeinschaft nicht mehr angehören und wenn auch die Nomi- ,ultmng, natürlich keineswegs wegen des Judentums dieser Kandldaten erfolgte, so ist die Tatsache selbst in Anbetracht der gegebenen' Umstände erwähnenswert. Auch die neue Partei des ehemaligen Sozialdemokraten- und Reichsbannerführers H ö r s i n g wendet sich in ihrem Programm entschieden gegen den Antisemitismus. Allerdings enthält dieses Programm auch einen anfechtbaren Punkt, es wird nämlich verlangt, daß allen Ausländern in Deutschland die Ausübung einer auf Erwerb gerichteten Tätigkeit verboten werde. Wenn man bedenkt, daß im Auslande viele hunderttausende deutscher Staatsbürger ungestört einem Erwerbe nachgehen können, so ist der angeführte Programmpunkt der Hörsing-Partei trotz der sonst fortschrittlichen Grundlinien des Programms wenig einleuchtend. In der gesamten jüdischen Presse wird angesichts der von den Nationalsozialisten aufgestellten Behauptungen, viele jüdische Wähler würden die Deutschnationale Volkspartei wählen, mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß kein Jude aus Gründen der Ehre und des Gefühles für Würde vergessen darf, daß die Deutschnationalen programmatisch antisemitisch sind und jüdische Mitglieder grundsätzlich ablehnen. Auch die ,,C.-V.-Zeitung“ bekennt sich zu diesem Grundsätze, jedoch mit merkwürdiger Motivierung. Es heißt im Organ des C.-V. darüber: ,,Wenn auch die Fragestellung deutschnational oder nicht nur für geringfügigste Teile des deutschen Judentums überhaupt in Betracht kommt, so sei hier wiederholt, daß wir die Wahl der Deutschnationalen Volkspartei keineswegs irgendwie an raten können. Eine Partei, die Juden grundsätzlich ausschließt, kann aus deutschen (von Das Syrien - Mandat Die französische Regierung läßt offiziös mitteilen, daß die in den letzten Tagen in Paris veröffentlichten Nachrichten, wonach ein Vertragsabschluß zwischen Frankreich und Syrien nach dem Muster des anglo-irakischen Vertrages unmittelbar bevorstünde, verfrüht sind. Zwar habe die französische Regierung die Absicht, einen solchen Vertrag abzuschließcn, aber die Beratungen seien noch keineswegs soweit gediehen, daß man den Zeitpunkt vorhersehen könnte. Zugleich meldet die ״Times“ aus Beiruth, daß das syrische Parlament bei seinem Zusammentritt am 29. Oktober enttäuscht darüber war, daß der französische Hochkommissar Ponsot keinerlei Mitteilungen über die Vertragsvorschlägc Frankreichs machen konnte. Durch das aus Paris telegraphierte (oben erwähnte) Dementi wurde das Mißtrauen noch verstärkt und die nationalistischen Abgeordneten mit. zwei Ausnahmen haben beschlossen, sich von der Beteiligung am Parlament fernzuhaltcn. Bei der jüdischen Handelskammer in Haifa wurde ein spezielles Komitee, dasProHaifa-Komitee, gebildet, dessen Aufgabe ist, sich mit der Verwirklichung der verschiedenen Vorschläge und Pläne für die Entwicklung Haifas zu befassen. Die Mitglieder dieses Komitees sind die Herren: Nathanson (Vorsitzender der Handelskammer), Itzkovitz (Vorsitzender der Bezirksverwaltung Hadar Hakarmel), Lewin (Vorsitzender der jüdischen Gemeindeverwaltung Haifa), Alejnikoff, Schneiur, Reich, Ejtan, Evseroff (Vertreter von Mischar w’Taasia). der ״C.-V.-Zeitung“ gesperrt — Red.) Gründen von uns nicht gewählt werden.“ Ein .normal und logisch denkender Mensch würde den Schluß ziehen, daß ein Jude eine antisemitische Partei um seines Judentums willen nicht wählen darf. Der C.-V. ist wahrscheinlich der gleichen Ansicht, hält es aber offenbar für opportun, diese Ansicht in dem verblümten Stil des fin de siede auszudrücken. Was die Wahl am 6. November anbelangt, so werden die deutschen Juden und Zionisten, die deutsch-politisch und wärtschaftlich keine einheitliche Gruppe bilden, den ihnen am nächsten stehenden Parteien ihre Stimme geben. Soweit dabei jüdische Erwägungen eine zusätzliche Rolle spielen, so können wir unseren Freunden nichts anderes sagen, als was wir anläßlich der vorigen Wahl am 31. Juli geschrieben haben. Es sei hier wörtlich wiederholt: Die Frage der politischen Haltung der Juden wird vor jeder Wahl aufs neue erwogen. Es gibt innerhalb der einzelnen jüdischen Gruppen Meinungsverschiedenheiten über die grundsätzliehe Auffassung und das praktisch-politische Verhalten. Wir haben es immer als einen Fehler betrachtet, wenn sich die Juden mit irgendeiner politischen Partei identifizieren. Wir waren der Ansicht, daß es bei unserer Mitwirkung am allgemeinen politischen Leben entscheidend darauf ankommt, ob man dabei der Judenheit in Deutschland die Freiheit ihrer Entwicklung zu sichern vermag. Man warf und wirft uns vor, daß wir statt ״deutscher“ Politik ״jüdische“ Politik machen. Wir sind jedoch überzeugt, daß unsere Vorstellung die eiijzig richtige ist. ״Jüdische“ Politik der deutschen Juden, d. h. eine Politik, die sich bewußt davor hütet, das Judentum als Träger dieser Politik zu tarnen oder zu bagatellisieren, ist auch die einzig angemessene ״deutsche“ Politik der Judenheit in Deutschland. Bedarf es einer Anweisung für die bevorstehende Wahl? Bei früheren Gelegenheiten haben wir an die Juden appelliert, ihre Wahlpflicht zu erfüllen. Dieses Mal dürfte zweifellos jeder Jude an die Wahlurne schreiten. Die Parole ist klar: Kerne Stimme darf einer Partei gegeben werden, die dem Staate einen Charakter verleihen will, durch den die Freiheit der Entwickhing von Menschengruppen unmöglich gemacht wird, die nach Abstammung, Religion und Volkstum nicht mit der herrschenden Gruppe identisch sind. Kein Jude wird den Judenfeinden und den mit ihnen in Listenverbindung stehenden Parteien seine Stimme geben. Kein Jude sollte aber auch seine Stimme einer Partei geben, die die formale Gleichberechtigung des Staatsbürgers von Bedingungen abhängig macht und die vom Juden daher den Verzicht auf wichtigste, mit seiner Geschichte und seinen Zukunftshoffnungen verbundene Einrichtungen und Ideale verlangt. Daraus ergeben sich heute für jeden Zionisten praktisch-politische Konsequenzen. Kein Zionist kann einer Partei seine Stimme geben, die in ihrer praktischen Politik das Streben des Zionismus nach nationaler Befreiung mit allen Mitteln bekämpft. Als Bürger dieses Staates, als Juden und Zionisten sollen wir am kommenden Sonntag unsere Pflicht erfüllen. Wir wissen uns von den trügerischen Vorstellungen der Identifizierung mit irgendeiner Partei oder Richtung frei. Wir lehnen entschieden alle judenfeindlichen Richtungen ab. Wir unterstützen alle Parteien, die den programmatisch antisemitischen Richtungen unversöhnlich gegenüberstehen. Unsere zionistische Einstellung läßt es als zwingend erscheinen, daß nicht eine einzige jüdisch volksbewußte Stimme Richtungen zugute kommt, die der Forderung der historisch bestimmten jüdischen Gemeinschaft auf freie Entwicklung und Entfaltung verstandnislos gegenübersieht. ln aller Kürze Der soeben veröffentlichten palästinensischen Wirtschafts- Statistik ist zu entnehmen, daß im Verlauf des Jahres 1932 in Palästina Kapitalsinvestierungen in Höhe von 1 700 000 Pfund gemacht worden sind. In der ersten Hälfte 1932 wurden allein in Tel-Awiw 1 Million Dollar in Bauten investiert. Verschiedene Kreise der jüdischen Industriellen in Paläs'tina sind durch das immer stärker sich geltend machende Waren-Dumping seitens Japans beunruhigt; japanische Waren, hauptsächlich Textilien und Seide, werden zu Schleuderpreisen in Palästina und Syrien angeboten und machen den in Tel-Awiw hergestellten Textilwaren besserer Qualität eine fühlbare Konkurrenz. Die jüdische Handelskammer in Tel-Awiw hat beschlossen, die Palästina-Regierung um Maßnahmen zum Schutz gegen das japanische Dumping zu ersuchen. Wie offiziell mitgeteilt wird, ist der deutsche Generalkonsul in Jerusalem, Dr. Nord, zum Gesandten in Bangkok (Siam) ernannt worden, lieber die Person des Nachfolgers ist noch nichts bekannt. Ferner wurde Dr. Grat 'A d e 1mann, der bis vor einiger Zeit mehrere Jahre hindurch deutscher Vizekonsul in Jerusalem war, zum Generalkonsul in Kattowitz. ernannt. In Warschau fand eine Sitzung der polnischen Repräsentanz der Jewish Agency im Beisein des Mitglieds der Exekutive der Jewish Agency Dr. Bernhard Kahn statt. Leon Le vite berichtete über die Tätigkeit der polnischen Agencv-Sektion. Es wurden dann Beschlüsse über Emigration, Touristik, Darlehen an Mittelstandsangehörige, die sich in Palästina ansiedeln wollen, gefaßt. Kamp! gegen Arbeitslosigkeit Der Preußische Landesverband Jüdischer Gemeinden befaßte sich in seinem Wirtschaftsausschuß am 28. August d. J. mit der Frage der Erwerbs- und Arbeitslosigkeit innerhalb der deutschen Juden. Der Unterausschuß für Arbeitsnachweise beschloß am 11. Oktober, den Monat November d. J. als Werbemonat für die Idee der jüdisehen Arbeitsvermittlung und Erwerbsbeschaffung zu proklamieren. Unter der Devise ״Unser Recht auf Arbeit“ sollen im ganzen Pe'ch während des Monats November Vorträge, Versammlungen und sonstige Veranstaltungen stattfinden, die für die Idee des jüdischen Arbeitsnachweiswesens werben sollen. Der Leiter der von der Berliner Jüdischen Gemeinde unterhaltenen Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Arbeitsnachweise in Berlin, S. Adler-Rudel, äußert sich zu dieser Aktion in folgender Weise: ״Wir wissen, daß es jetzt in einer Zeit politischer und sozialer Reaktion schwer ist, von einem Kampf um die Gleichberechtigung der Juden in der Wirtschaft zu reden; dazu sind die Kräfte zu ungleich. Dazu sind unsere Zahl und unsere Stellung in der Wirtschaft viel zu unbedeutend, um durch irgendwelche Kampfmaßnahmen etwas erreichen zu können. Unsere Abwehr kann steh hier nur durch stärkeren Zusammenschluß nach innen auswirken. Nur dann, wenn wir uns der Gefahren bewußt sind, die der wirtschaftliche Boykott gegen die jüdische Gesamtheit bedeutet, können wir auch den Versuch machen, Maßnahmen zu treffen, die unsere Situation selbst in dieser Zeit erleichtern. Daß dies möglich ist, zeigen uns am deutlichsten die Leistungen der Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Arbeitsnachweise in Berlin. Im Geschäftsjahre 1931 waren 14561 Arbeitsuchende eingetragen und es konnten 4550 zeitweilig oder dauernd in Arbeitsstellen vermittelt werden. Diese Zahlen zeigen, daß auch in Zeiten großer Arbeitslosigkeit Arbeitsbeschaffung möglich ist und daß es trotz der Schwere der Zeit gefährlich ist, zu verzweifeln, wozu man oft geneigt ist. angesichts der Millionen arbeitssuchender Menschen, die nicht mehr an die Möglichkeit, jemals wieder arbeiten und verdienen zu können, glauben. Diese seelische Depression eines großen Teiles der Arbeitssuchenden bedeutet eine außerordentliche Gefahr, denn sie verhindert den Blick dafür, daß trotz des Umfangs der wirtschaftlichen Krise auch heute noch ein großer Teil der Wirtschaft intakt ist und daß innerhalb dieses^, gesunden ► T-4ä!S ■der Wirtschüft ei:•: dauernder Austausch- יזס׳י -beit;: kräften erfolgt. Die Aufgabe .Jer Arbeitsnachweise ist es, diese noch vorhandenen Einstellungsmöglichkeiten ständig zu •verfolgen, und dafür Sorge zu tragen, daß dort, wo offene Stellen vorhanden sind, geeignete jüdische Bewerber zur Konkurrenz. um die Stelle herangezogen werden. Der 'j ü - dische Arbeitsuchende steht vor der Tat- Sache, daß er heute ohne den jüdischen Arb e i t s 11 a c h w e i s kaum n o c h die Möglichkeit einer Bewerbung hat. Der Jüdische Arbeitsnachweis gibt ihm diese Möglichkeit und somit eine Chance, sich wieder in die Wirtschaft einzuglicdcrn. Die traurige Erscheinung einer jüdischen Massenarbcitslosigkeit hat, so merkwürdig dies auch klingen mag, auch eine positive Seite. Alle Kreise des deutschen Judentums finden sich einig zusammen in dem Bewußtsein, daß die entscheidende^Aufgabe der Gegenwart die Beschaffung von Arbeit für die jüdischen Arbeitslosen ist. Die Verhandlungen im Wirtschaftsausschuß des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden, vielfache AetilSerungen in der jüdischen Presse zeigen, wie sehr diese Probleme Gemeingut aller Richtungen der jüdischen Bevölkerung geworden sind. Diese lieberem- Stimmung in der Beurteilung der Notwendigkeit von Maßnahmen zur Linderung der Arbeit«- und Erwerbslosigkeit unter den Juden hat aber nur dann ihren wirklichen Sinn, wenn sie nicht eine platonische Erklärung bleibt, sondern wenn diese Erkenntnis in die Tat umgesetzt wird, und jeder, der dazu noch in der Lage ist, daran mitarbeitet, daß jüdische Menschen überall dort, wo Stellen zu besetzen sind, zur Be- Werbung herangezogen und beachtet werden “ Diese Aeußerungen eines Kenners des in Frage stehenden Problems beweisen, daß auf diesem Gebiete das einzige und in einem gewissen Ausmaße Erfolg versprechende Mittel die Selbsthilfe ist. Sie muß eingesetzt werden aus einem natürlichen Erhaltungstriebe heraus, aber auch als Notwehrmaßnahme, Kein einsichtiger Jude hat jemals der Ansicht zugeneigt, daß man den antisemitischen Parolen ״Kauft nicht bei Juden! Beschäftigt keine Juden!“ jtidische Parolen entgegensetzen soll wie etwa ״Kauft nur bei Juden!“ oder ״Beschäftigt mir Juden!“, Dies geschiebt nicht nur aus der Erkenntnis, daß man der Uri- Vernunft des Gegners nicht durch neue Unvernunft bcgegnen darf, sondern aus der Ucberzeugung, daß sich in derartigen Vorgängen Tendenzen äußern, die wirtscliaftsfeindlich und darum allgemein schädlich sind. Andererseits aber ist nicht zu verkennen, daß die jüdische Selbsthilfe in diesem Falle sich im Sinne einer ausgleichenden Gerechtigkeit vollzieht. Wenn durch antisemitische Boykottparolen der jüdische Arbeitnehmer zu Unrecht benachteiligt wird, so erlangt er die Berechtigung, sich an alle diejenigen Faktoren, jüdische und nichtjüclischc, zu wenden, die die antisemitische Boykottbewegung mißbilligen, damit sie zur Abwehr des ungerechten und wirtscliaftsschädigenden Boykotts jüdische Arbeitssuchende zur Be- Werbung heranziehen und ihnen in! Falle ihrer Eignung die Möglichkeit neuer Arbeit und neuen Erwerbes geben. Die jetzt im Zuge befindliche Aktion umfaßt aber nur eine Seite der jüdischen W i r t s c h a f t s n o t. ln einem weit höheren Prozentsätze als bei den Nichtjuden , ist die Zahl der Erwerbslosen bei den Juden ver-