Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 86 (28.10.1932)
- Date
- 1932-10-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Judenhcfi der ״Europäischen Revue* Einzelnummer 0,23 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Au*land8ahonnem«mta werden in der Währung der einreinen Linder berechnet, Anzeigenpreis: 8 geep. Ncmperedlereile 0,50 G.-M. SteOengeeudiie 0,25 G»M. Nummer 86 | Berlin, 28. X. 1932 Redaktion, Verlag und Anzeigen -Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b. H״ Berlin W15, Meinekestr.10. Telelon: J 1 Bismarck 7165-70• AsuifncMnS: Di •■■tag ■1d Fr,i1,| mchnilt«(• 4Ut1t Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Poitieheck - K o 1 ״ n n B*>lia 17392, &״•! V 9355, 68032, BHkMl 394 33, Bad»pa« 59693, D»«i* 1973. H.a« 140470, Prag 59410, Ri*» 4155. StraaaW* »430, Warad.au 190708, Wi«n 1560». Bank.Roman: Draadanar Bank, Dapaaiian - Kaaaa Berlin, KurffirWandanm. 52; Romanisch• Kreditbank, Cernauti (Rumlnitm>. Anglo Palaatina Co. in Haifa, jamaalaaa, Tel -Aviv. ב״ח תשרי תרצ״ג | xxxvii. j»hrg. Per ZlonlamM» erstreb» fllr Pas Jüdisch• Volk Plc Schaffung einer Affentllch - rechtlich gesicherten HalmstSIte in Palästina. ״Baseler Programm.'« Palästinas günstige Wirtschaftslage Jahresversammlung der ״Palestine Economic Corporation0* Im Tempel Ematm-El in New York wurde in diesen Tagen die Jahresversammlung der Palestine Economic Corporation abgehalten. Die Corporation entstand bekanntlich 1926 durch Zusammenlegung der Palästina-Werte des Joint Distribution Committee und der Palestine Cooperative Company. Den Vorsitz auf der Jahresversammlung führte der Ehrenpräsident der Palestine Economic Corporation, Felix M. Werburg, der u. a. ausführte: In einer Zeit, in der Industrie-Standard und Arbeitslage In fast allen Ländern sich verschlechtert haben, ist Pa-!ästin a in der Lage, vorwärts und aufwärts zu schreiten. Diese erstaunliche Tatsache kann nur auf die sorgfältige Auswahl der Menschen und die Wachheit unseres Volkes zurückgeführt werden. Das kleine Land Palästina steht heute auf eigenen Füßen. Ich zweifle nicht, daß beim Fortschreiten dieser Entwicklung sich die Be- Ziehungen zwischen den verschiedenen Teilen der Bevölkerung günstig gestalten werden und daß der aufrichtige Wunsch unseres Volkes, eine Zusammenarbeit mit der in der gleichen Richtung arbeitenden arabischen Bevölkerung zu zu erreichen, erfüllt werden wird. Ich verweise insbesondere auf die gemeinsamen Anstrengungen, bessere Absatzverhältnisse für Orangen zu schaffen. Ich gestehe gerne, daß ich hier aus eigenem Interesse spreche; denn meine in einem Orangen-Hain in Palästina gemachte Investierung ist vom finanziellen Standpunkt höchst befriedig e n d. Ich habe ln Palästina wirkliche Profite erzielt, die günstiger sind als bei vielen meiner Investierungen ln Amerika. Der Geschäftsbericht Bernard Flexner, der Vorsitzende des Rates, auf dessen Initiative die Corporation gebildet wurde, führte ungefähr aus: Die Corporation hat die in ihrem Prospekt vom Jahre 1926 gemachte Voraussage verwirklicht. Sie hat nicht allein ihr «fsprüngüches Kaprtat" intakt‘ erhalten,' softdern 'auch' 'daf später investierte Kapital ist erhalten geblieben, ja sogar ein Üeberschuß konnte erzielt werden. Unsere Tätigkeit in den treten sechs Jahren unseres Bestehens wird erst abgeschätzt werden können, wenn mehrere unserer Investierungen in größeren Industrieprojekten Palästinas, die noch nicht voll entwickelt sind, beginnen werden, Profit abzuwerfen. Ich verweise auf unsere Investierungen im King David Hotel, In der Palestine Potash Ltd. und im Bodenbesitz an der Haifa- Bucht. Das Kapital der Gesellschaft hat sich von 783000 Dollar bei der Gründung auf fast 3 Millionen Dollar erhöht; der Üeberschuß beträgt 90 000 Dollar, die Gesamtreserve beläuft sich auf über 2 Millionen Dollar. Die Gesellschaft hat keine Schulden. Flexner wies als Beispiele des Wirtschaftliehen Fortschritts in Palästina darauf hin, daß in der letzten Orangen-Saison 3 452000 Kisten Orangen im Werte von 1639 000 Pfund (gegen 2857COO Kisten Orangen im Werte von 857 000 Pfund i. J. 1930) verschifft wurden. Die Palestine Potash, Ltd. verfügt über ein Aktienkapital von 325 000 Pfund. Er, Flexner, und Felix M. Warburg, die größten Aktionäre der Palestine Potash Ltd., sind im Board vertreten. Flexner äußerte sich anerkennend über die Leitung der Potash-Gesellschaft durch Novomeysky und erwähnte, daß die Gesellschaft einen großen Teil der Bedürfnisse Großbritanniens an Brom deckt und Schiffsladungen in Kali nach den Vereinigten Staaten und nach verschiedenen anderen Ländern verschifft. Julius Simon, der Präsident der Palestine Economic Corporation (der sich sofort nach der Tagung zu seinem alljährlichen Besuch nach Palästina begab), erklärte es als das Ziel der Corporation, ,,die wirtschaftlichen Grundlagen jüdischer Siedlung in Palästina zu stärken“. Das wuchtigste Unternehmen ist die C i t r u s -1 n d u s t r i e. Die Verpackungs -und Absatzmethoden wurden verbessert. Zusammen mit der Pica wurde das Bewässerungssystem vervollkommnet. Nicht weniger wichtig ist die Ausbeute der wertvollen Mineralien des Toten Meeres. Die Corporation hat sich deswegen an der Palestine Potash Ltd. beteiligt. Im Hinblick darauf, daß Haifa als das zukünftige Industriezentrum Palästinas anzusprechen ist, hat die Gesellschaft 5000 Dunam des wertvollsten Bodens an der Haifa-Bucht für industrielle Entwickhing in Reserve genommen. Der wirtschaftlich schwächere Teil der jüdischen Bevölkerung wird durch Kredite gestützt. Die Gesellschaft beteiligte sich an der Errichtung der Central Bank of Cooperative Institutions und an den Kreditoperationen der Palestine Mortgage and Credit Bank Ltd. Wir haben uns mit dem Problem befaßt, wie der landwirtschaftliche Arbeiter zu einem Kleinpächter gemacht werden kann; wir haben auch hierin Erfolg erzielt. Berichte der Tochter-Institute Etnanuel Mohl, geschäftsführender Direktor der drei Tochter-Institutionen der Corporation, Palestine Mortgage and Credit Bank Ltd., Bayside Land Corporation Ltd. und Loan Bank Ltd., führte aus: Hauptziel der Corporation in ihrem Kreditsystem sei es, jenen Einzelpersonen zu helfen, die ihre im Auslande erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen in Kleinindustfien in Palästina verwerten. Von Anfang an waren gewöhnliche kommerzielle Diskontkredite aus dem Operationsgebiet der Gesellschaft ausgeschlossen, Anleihen wurden nur gewährt, wo erhöhte Produktion und infolgedessen erhöhte Beschäftigung von Arbeitern erwartet werden konnten. Die Höhe der Darlehen bewegte sich zwischen 50 Pfund und 500 Pfund, das Durchschnittsdarlehen war 203 Pfund. Die Rückzahlungsfrist bewegte sich zwischen neun Monaten und 31/* Jahren, die Durchschnittsfrist war 21/2 Jahre. Die Zinsen in Höhe von 8 0/0 wurden gleichzeitig mit den Ratenrückzahlungen entrichtet. Mohl berichtete auch über Darlehen an landwirtschaftliche Arbeiter, Errichtung von Arbeiter-Vorstädten an der Haifa-Bucht u. a. m. Harry Viteles, Generaldirektor der Central Bank of Co-operative Institutions in Palästina, berichtete über die Tätigkeit der von ihm verwalteten Institution, EH! noch 1922 gfclulerte Befüftfitting, *daß sich bei dem Absatz der Produkte der jüdischen Kolonisten Schwierigkeiten ergeben könnten, hat sich als grundlos erwiesen. Die Milchproduktion hat sich um 4 500000 Quart (1 Quart 1,136 Liter) erhöht, die Einfuhr von Eiern nach Palästina hat sich von 20 Millionen auf weniger als 7 Millionen verringert. Man hofft, daß Palästina in diesem Herbst Eier nach Europa wird transportieren können. Der Gra.pefruit-Export hat sich von 5000 Kisten vor sechs JahrA auf 150 000 Kisten in der vergangenen Saison erhöht. Man hofft, daß die Jewish Agency-Siedlungen im Nuris-Distrikt und im Jordan-Tal in der Lage sein werden, ihre Grapefruit auf europäische Märkte einen Monat früher, als die Grapefruit aus anderen Ländern eintrifft, zu bringen. (Diese Hoffnung hat sich bereits erfüllt; vgl. ״J. R.“ Nr. 84, Seite 1, ״In aller Kürze“. — Red.) Mehr als 50 0/0 der von der jüdischen Einwohnerschaft Palästinas konsinnierten Gemüsemenge werden von den jüdischen Kolonisten im Lande produziert. Exportversuche in Kartoffeln und Tomaten nach England und Frankreich erwiesen sich als erfolgreich. Frisches Gemüse ist jetzt das ganze Jahr hindurch erhältlich. Erdbeeren gibt es während fünf Monaten im Jahre. Qualität und Größe der ins Ausland verschifften Bananen stehen hinter denen der kanarischen Inseln und Westindiens nicht zurück. Die Central Bank gewährte Anleihen in Höhe von 900000 Dollar im vergangenen Jahre (gegen 150000 im Geschäftsjahr 1922/23) an verschiedene kooperative Unternehmungen. Von den im letzten Jahrzehnt gewährten Darlehen in der Gesamthöhe von 6 Millionen Dollar gingen vier Millionen an die *Landwirtschaft, 90 0/0 der im abgelaufenen Geschäftsjahr ausgegebenen Kredite wurden bar zurückgezahlt. Außer diesen kurzfristigen Darlehen gewährte die Central Bank langfristige Darlehen in Höhe von 775 000 Dollar. Die Zinssätze dieser Bank sind immer noch die niedrigsten in Palästina. Viteles schloß mit einer Darstellung des Standes der kooperativen Bewegung in Palästina. Die Verteilung der neuen Zertifikate Jerusalem, 25. Oktober. (J.T.A.) Die Exekutive der Jewish Agency in Palästina hat hinsichtlich der Verteilung der ihr von der Palästina-Regierung für die Einwanderungsperiode Oktober 1932 bis März 1933 auf Grund der Arbeiterscheduie zur Verfügung gestellten 4500 Einwanderungszertifikate die folgenden Verfügungen getroffen: 2400 Zertifikate werden Chaluzim im Auslande zur Verfügung gestellt, 1200 Zertifikate werden für Verwandte von Palästina- Einwohnern reserviert, 500 Zertifikate verbleiben für Mittelstandseinwanderer mit einem Barkapital von mindestens 150 Pfund. 400 Zertifikate werden von der Palästinaregierung für solche Personen zurückbehalten, die als T o u - risten nach Palästina kamen und nachträglich den Entschluß faßten, sich im Lande anzusiedeln. Vor dem Baltour-Tag Jerusalem, den 26. Oktober. (J. T. A.) Die Exekutive der arabischen Jugendorganisation Palästinas hat für den 2. November d. J., den 14, Jahrestag der Verkündung der Balfour-Deklaration, einen allgemeinen Streik der arabischen Bevölkerung proklamiert. Die Presse wird angewiesen, an diesem Tage mit schwarzem Trauerrand zu erscheinen. Junge arabische Agitatoren bereisen als Ab- Ordnungen der Exekutive die Dörfer und fordern die Bevölkerung auf, am 2. November Kundgebungen zu veranstalten, in denen die Regierung aufgefordert werden soll, die jüdische Einwanderung zu verhindern und den Erwerb von Boden durch Juden zu verbieten. ln aller Kürze Die arabische Presse Palästinas feilt mit, daß Ver- Handlungen zwischen Vertretern der Jewish Agency und arabischen Führern in Transjordanien über Verkauf großer Landgebiete in Trans Jordanien an die Jewish Agency geführt werden. Die Blätter meiden auch, daß die transjordanische Regierung der gesetzgebenden Körperschaft Transjordaniens einen Gesetzentwurf zur Annahme unterbreitet hat, der bestimmt, daß ein Verkauf von Boden an Landesfremde nur mit Genehm!- gung der Regierung erfolgen dürfe. Die Palästina-Regierung hat 35 000 Pfund für Darlehen an jüdische und arabische Landwirte, deren Ernteverlust in diesem Jahre mindestens 60 % beträgt, zur Verfügung gestellt. Die Darlehen sind mit 5 ״/« Zinsen nach der kommenden Ernte zurückzuzahlen. Am 23. Oktober fand das grandiose Sportfest der palästinensischen Arbeiterschaft mit einem Fackelzug von 2000 Arbeitersportlern durch die Straßen von Tel-Awiw seinen Abschluß. An der Schlußfeier nahmen 12 000 Personen teil. Ansprachen hielten Ben Gurion, Berl Locker, Joseph Sprinzak, Baruch Zuckermann u. a. m. Der zwischen B eis an und Haifa verkehrende Zug entgleiste am 23. Oktober, wobei vier Passagiere, alle Juden, leicht verletzt wurden. Die Ursache der Entgleisung ist noch nicht festgestellt. Die deutschen Chaluzim von Klar Gun Von Viscountess Erleigh. Die Verfasserin des nachfolgenden Auf salzet ist lesdy Erleigh, die Tochter Lord Melchetts (Sir Alfred Monds) und Schwiegertochter Lord Rcadings, lrady Erleigh hat bekanntlich bereits mit ihrem. Vater und später nach dem, Tode ihres Vaters wiederholt Palästina besucht, und obwohl sie früher allen jüdischen Dingen völlig entfremdet war, ist sie durch das Erlebnis Palästinas zu einer begeisterten Vorkämpferin der jüdischen Renaissancebewegung geworden. Der vorliegende Artikel, den.i-ady Erleigh vor einiger 'le.il in England veröffentlicht hat, schildert die. Eindrücke der Verfasserin in einer Siedlung des Etnek kajarden, dessen Siedlungen bekanntlich ebenso wie die des Eniek Jcsrecl, mit den Geldern des Keren Hajessod auf Boden des KKL errichtet worden sind und über deren Entstehung und Entwicklung in der ,Jüdischen Rundschau“ wiederholt berichtet wurde. Wir erinnern in diesem Zusammenhange insbesondere an die Artikelserie, die unser palästinensischer Korrespondent vor einiger Zeit unter der Ueberschrifl ״Die' friedliche Revolution“ in der ,J. R.“ veröffentlicht hat. Darin wurde beschrieben, wie die Siedlungen des Emek nach Ueberwindung der Anfangsschwierigkeiten sich zu immer größerer wirtschaftlicher Selbständigkeit herauf gearbeitet haben. Es wird für unsere Leser interessant sein, in welcher IVeise das Emek auf eine Persönlichkeit wie l,ady Erleigh gewirkt hat. Lady Erleigh wird Anfang November in Berlin sein und hier im Rahmen des Keren Hajessod auf einer Veranstaltung im Marmorsaal des Zoo unter Vorsitz von Direktor Oscar Wassermann sprechen. Red, Auf dem Wege von Jerusalem bis Dschenin, der Land- Schaft im Norden des Samaria-Gebietes, den das Auto in etwa 3 Stunden zuriicklegt, sind die Städte Ramallah und Nablus die einzigen größeren Oasen mit dichten Baumgruppen, grünenden Feldern und Obstgärten. Im ganzen liegt das weite Gebiet öde und unwirtlich da. Aus dem rötlichbraunen, schwerklumpigen Erdboden sprießt da und dort ein wenig Grün, gerade genug, um die umherziehenden Schafherden der arabisehen Hirten zu sättigen. Aber auf weiten Strecken, auf denen der nackte Felsen aus dem Erdboden hervorschaut, wachsen zwischen Felsblöcken und Steinen nur Dornen und Disteln. In weiten Abständen voneinander erheben sich die elenden Lehmbitten arabischer Dörfer. Kurz hinter Dschenin senkt sich das Land, und dem Auge bietet sich das Bild einer weiten grünen Ebene, sorgfaltig eingeteilt in Felder, Obst- und Gemüsegärten, belebt von regelmäßig angelegten Ortschaften mit weißen Häusern und roten Ziegeldächern. Das ist der Emek Jesreel, das große Siedlungsgebiet, das die Zionistische Organisation im letzten Jahrzehnt für die jüdischen Ansiedler im Lande erschlossen hat. Hat man diese Ebene durchquert, so steigt der Weg wieder an bis zu der Bergstadt Nazareth, die mit ihren Kirchtürmen und Klostergewölben, mit ihren Zypressenhecken, die als dunkle Wächter vor den Klostertoren stehen, und dem Hauch von Weihrauch und verhallendem Kirchengeläut, der ständig über der Stadt schwebt, in träumerischem Sinnen auf das tätige Land zu ihren Füßen hinaussieht. Dann, wenn der Weg sich in der Richtung auf Tiberias nach Osten dem Jordan zugewendet hat, tut sieh nochmal ein ähnlich dichtbesiedeltes und wohlbestelltes Gebiet wie der Emek Jesreel auf: der Kreis der untergaliläischen jüdischen Kolonien, die sich bis zum Gestade des Tiberiassees und zum jenseitigen Ufer des Jordan erstrecken. Auch hier liegt zwischen den kleinen Ortschaften mit den weißen Häusern Feld an Feld, Gemüsegarten an Gemüsegarten, Pflanzungshain an Pflanzungshain. Aber dazwischen schieben sich Gebiete, in denen der Boden aussieht, als könne er nie etwas anderes hervorbringen als mannshohe Dornen und Disteln, als weigere sich die schmachtende Erde, sich dem Mensehen zu ergeben. Beim Anblick der wohlbestellten Felder und Pflanzungen scheint es fast unmöglich, was erfahrend Mitreisende versichern: daß noch vor wenigen Jahren dieses ganze Gebiet eine verdorrte, fieberbrütende Wüste war, die von räuberischen Beduinen aus dem eng benachbarten Transjordanien durchzogen wurde. Sie erzählen, wie sich hier junge jüdische Arbeiter, die eine große Zukunft für dieses Gebiet als Gebiet einer jüdischen Massensiedlung ahnten, niederließen und es in ihrer durch Krankheit, Ueberfälle und Not nicht geminderten Arbeitslust erreichten, daß die Zionistische Organisation dieses Land schließlich ankaufte und ihnen die erste Möglichkeit zur dauernden Ansiedlung gab. In dieser untergaliläischen Siedlung — KfarGun") — machen wir halt: es ist ein kleiner noch junger Ort mit zwei Betonhäusern und Baracken ringsum, in denen 38 Menschen: Männer, Frauen und 14 Kinder leben. Willig und offenbar stolz auf das Erreichte zeigen sie uns Ihren Besitz: den Kuhstall, der gerade ein Dutzend kräftiger Kuhkälber beherbergt, den Hühnerhot: mit einer stattlichen Schar schneeweißer Hühner, wie man sie allenthalben in den jüdischen Kolonien des Landes trifft, die Milchkammer. Man führt uns hinaus auf die Felder, wo das Frühgemüse reift, das von den Kolonien der Jordansenke vorwiegend nach Damaskus verkauft wird, man zeigt uns die Bananenbäume, an denen 1n schweren korbartigen Gebilden von tropischer Ueppigkeit die reifen Früchte hängen. Man präsentiert uns mit besonderem Stolze die jungen, eben erst angelegten Pflanzungen von Orangen und Grapefruit, von denen man eine leichtere Zukunft für die Siedlung erhofft. Auch das sprießende Viehfutter auf den Feldern — Luzerne und Klee — müssen *) Kfar Gun ist bekanntlich eine vorwiegend aus d e u t - sehen Chaluzim bestehende Siedlung (vonnals Markenhof). י׳יי Anm, d. Red