Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 84 (21.10.1932)
- Date
- 1932-10-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Von jüdischer Musik Einzelrmmmrr OJS Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u.Freitag. Bez ugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Auslands« bonnementa werden in der Währung der einzelnen Linder berechnet, Anzeigenpreis: 8 gewp, Nonpirelllezeile 0,50 G,-M. Stellengestiche 0,25 G.-M. Nummer 84 | Berlin, 21. X. 1932 Redaktion, Verlag und Anzeigen -Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b. H., Berlin W15, Meinekestr.10. Telefon; J 1 Bismarck 716570־. Anzaigenachlaft: D|• n»t ae und F r-e i ז * g aschai ttag• 4Uhr 1' ostscheck - Kontent Berlin 17392, Basel V 9355, Belgrad 680 32, Brüssel 39433, Budapest 596 93, Danzig 1973, Haag 140 470, Prag 59410, Riga 4155, StTBSfchurg 16430, Warschau 190708, Wien 156030. Bank-Konten: Dresdener Bank, Depositen * Kasse Berlin, Karfürstendamm 52; Rumänische Kreditbank, Cemauti (Rumänien); Anflo Palestine Co. in Haiia, Jerusalem, Tel -Aviv. RedaktionsschluS Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״ד תשרי תרצ׳ Par IHnliiBB» erstrebt för das Jüdisch« Volk die Schaffung einer öffentlich. rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.*• Die Reichstagswahlen Obwohl die Reichstagswahlcn in zwei Wochen stattfinden sollen, machen sich der sonst übliche Plakatenkrieg und Aufmarsclirumme! nur sehr wenig bemerkbar. Vorläufig haben nur die Nationalsozialisten in Riesenplakaten auf den Berliner Litfaßsäulen das Wort ergriffen. Zuerst wandten sie sich in der Form eines Offenen Briefes an den Reichspräsidenten gegen die Regierung Pape״, der sie allerhand vorwarfen. Am Schlüsse der langen Vorwurfliste hieß es in dieser Mammuth-Affiche: ״Herr Reichspräsident, erwarten Sie wirklich, daß eine von Verantwortungsbewußtsein gegenüber der Nation getragene Bewegung wie die nationalsozialistische, eine Regierung unterstützt . . von der auf dem Internationalen Judenkongreß in Genf erklärt wurde, daß sie den Schutz der Juden auf ihre Fahne geschrieben hätte.“ Im gegenwärtigen Waldkämpf ist der Hauptangriff der Nationalsozialisten'gegen die Deutsch nationalen gerichtet, wofür übrigens das zweite von der Hitler-Partei herausgebrachte Wahlplakat Zeugnis ablegt, das sich ausschließlich gegen Hilgenberg und seinen Kreis wendet. Trotzdem halten es die zweifellos klugen und erfahrenen Wahltaktiker der nationalsozialistischen Partei für angezeigt, sich im Kampfe gegen die gleichfalls antisemitischen Deutschnationalen des Juden-Argumentes zu bedienen. Sie kennen die Zugkraft der antisemitischen Scldagworte und sind sich von vornherein eines sicheren Eindruckes auf die Wählerschaft bewußt, wenn sie den Judenhaß der Deutschnationalen als nicht unbedingt echt und hundertprozentig charakterisieren. Die Tatsache, daß im Machtkampf zwischen zwei Gruppen der sogenannten ״nationalen“ Front die Judenfrage hineingezerrt wird, wiewohl es notorisch ist, daß die Beziehungen und der Einfluß der Juden in den antisemitisch-nationalen Kreisen nicht vorhanden sind, ist wieder ein Beweis von der unglückseligen Rolle, die die deutschen Juden in der Gegenwart im Kampfe der Parteien ohne ihr Zutun zu spielen gezwungen sind. Was das aus dem Zusammenhang gerissene, in seinem Sinn entstellte Zitat vom Schutz der Juden, den die Regierung ״auf ihre Fahne geschrieben hat“, anbelangt, so handelt cs sich um ein Schlagwort, mitjfaajjjp Nat'fnalsöiiilisten seit, der Genfer jüdischen ^Weltkonfercnz in ihn 11^ 7eit1mgvn, Vcihausieren. Diese Aeußerung, ‘die hier 4 skrupellos miß-; rM®Ät Ist unfer besonderen politpelteft* Bedingungen : entstanden. Die Oeffentlichkeit stand aftt '14.* August, dem Tage der Eröffnung der Jüdischen Weltkonferenz, — die* Nachricht von der Ablehnung des hitlerischen' Anspruches auf die Ausfieferung der Gesamtmacht in Deutschland durch Hindenburg war noch nicht allgemein bekannt — unter dem Eindruck der zahlreichen Ausschreitungen nationalsozialistischer Parteigänger gegen die Juden in Deutschland, besonders in Ostpreußen und Schlesien. Man kann sich vorstellen, daß Direktor Kareski als erster aus Deutschland zu Wort gekommener Vertreter auf der Jüdischen Weltkonferenz die Verpflichtung fühlte, gerade im Interesse des guten Rufes Deutschlands als Kulturstaat beruhigende Erklärungen abzugeben. Er stellte auf Grund der vorangegangenen, im übrigen allgemein gehaltenen Erklärungen der Regierung Papen, besonders des Innenministers Freiherrn von Gayl, fest, daß die Regierung Papen in Dtirchführung der von ihr gegebenen Zusagen, für Ordnung und Ruhe zu sorgen, auch eine gewisse Gewähr dafür biete, daß die antisemitischen Exzesse gegen die jüdische Bevölkerung in Deutschland nicht mehr Duldung erfahren werden. Keineswegs hat Kareski die absurde Behauptung aufstellen wollen, die Regierung betrachte den Judenschlitz als einen programmatischen Hauptpunkt, mit dem sie vor das Volk tritt. Dies würde ja gar nicht den Tatsachen entsprechen, denn die Regierung hat es bisher trotz ihrem Bekenntnis zu christlicher Kultur an einer klaren Verdammung des barbarischen Antisemitismus durchaus fehlen lassen. Aber man stelle sich vor, was die deutschen Nationalisten sagen würden, wenn ein deutscher Jude iin Auslande das Gegenteil von dem gesagt hätte, was Kareski äußerte. Alle Zeitungen und Parteien würden schreien, daß die Juden das Ansehen Deutschlands im Auslande untergraben und den Gegnern Deutschlands moralische Waffen liefern. Ohnedies hat man der Genfer Weltkonferenz diesen Vorwurf gemacht, wir konnten ihn im ״Volk. Beobachter“ und in der ״Frankf. Zeitung“ lesen. Der Sinn und die Absicht der Kareski-Rede war zweifellos, übertriebenen Vorstellungen über die Lage der deutsehen Juden entgegenzutreten. Der Erfolg ist nun, daß seine Erklärung zu einem Argument gegen die Regierung ausgenützt wird, da man hofft, daß dies als ״Diffamierung“ der Regierung wirken wird. Dabei wissen die Nationalsozialisten ebensogut wie jedermann in Deutschland, daß das gegenwärtige Regime seine Notverordnungen mit den Androhungen schwerster Strafen, wodurch den wüstesten Ausschreitungen in Deutschland ein Ende gemacht wurde, wohl in letzter Linie mit Rücksicht auf die Juden erlassen hat. Wer die Verhältnisse in Deutschland kennt, weiß, daß leider nicht nur die Regierung, sondern auch alle Parteien geflissentlich bestrebt sind, sich nicht dem ״Vorwurf“ auszusetzen, daß sie ,,Judenschutztruppen“ sind. Die öffentliche Meinung ist durch die vorangegangene jahrelange Agitation dermaßen vergiftet, daß es eine Belastung für Regierung und Parteien darstellt, wenn sie mit den Juden identifiziert werden. Beweis• dafür ist das Verhalten der Regierung und auch solcher 1 Parteien, die bisher es! als durchaus selbstverständlich betrach- Tet-iaieh» .jädis&he Kandidaten zu nominieren. Im gegenwärtigir|;w»|t|a'jwpf Ist. von keiner graften Partei ein jüdischer Kan- Jhiat a!. Parteien, die grundsätzlich die jüdische OleichbefecHlpng an- **•erkennenj sehen׳' sieh' unter dem Drucke der übermächtigen antijüdischen Stimmung im Lande gezwungen, sich von den Juden zu distanzieren. Wie sehr dieser Eifer vorhanden ist, beweist u. a. die Haltung der Regierung, die darauf verzichtet, auf alle nationalsozialistischen Vorwürfe in der Oeffentlichkeit zu antworten und nur wenn die Nationalsozialisten den Vorwurf erheben, daß die Regierung sich mit jüdischen Wirtschaftsf{ihrem beraten oder jüdische Finanziers für irgendwelche Missionen verwendet habe, regelmäßig ein amtliches Dementi erläßt. Trotzdem aber finden die nationalsozialistischen P.ehauptungen von dem Zusammenhang der Regierung mit jiidischen Faktoren in der Presse Verbreitung und im Publikum Glauben. Ja sogar die ״Rote Fahne“ hält es für angebracht, den Deutschnationalen und auch den Nationalsozialisten vorzuwerfen, daß beide Beziehungen zu jüdischen Kapitalisten unterhalten. Daß die luden in Deutschland Objekt der Wahltaktik sind und daß auf ihrem Rücken Kämpfe ausgetragen werden, ist ein Kennzeichen ihrer Lage. Wirtschaftswende ־־ auch für uns? Von Dr. Alfred Marcus- Berlin. In der hüten Zeit werden eine ganze Anzahl von umfassenden Wirt* schaftsplänen und wirtschaftlichen Theorien in der Oeffentlichkeit er* örtert. Hand in Hand damit geht ein Hingen wirtschaftlicher Ideologien und Tendenzen, die sich zum Teil mit politischen Kräften verbinden, um sich durchzusetzen. Für uns Juden drängt sich dabei die Frage auf, wie die Wandlungen des Wirtschaftslebens, die jetzt vor sieh gehen, sich auf die wirtschaftliche Stellung der Juden aimvirken werden. Hie in allen Diskussionen dieser Art, die mit Prognosen verbunden sind, gibt es hier sehr verschiedene Meinungen. Wir veröffentlichen nachstehend einen Artikel von Dr. Alfred Marcus, der durch sein Buch über ,,Die wirfschaf!liehe Krise des deutschen Juden“ bekannt geworden ist. Es liegt im Heien der Sache, daß diese Ausführungen als persönliche Aeußerung des Verfassers zu betrachten sind, die, da sie auf wohlf!melierten (!ehertegungen beruhen, zweifellos Beachtung verdienen und das Interesse unserer Leser finden werden. Bed. Eine im Ablauf schwerer Erkrankung eintretende Krise kann zur Gesundung führen oder zum Tode. Mit Ausnahme der konsequenten Sozialisten stehen die meisten Menschen auf dem Standpunkt, wirtschaftliche Krisen könnten nur zur Gesundung führen. Auch die ״Wirtschaftsführer“ sind fast alle dieser Meinung, der eine Verwechslung zugrunde liegt. Sie entsteht daraus, daß man die Lebenskraft der Völker mit der der Wirtschaftsformen gkichsetzt. Da Völker nicht an einer Krise zu sterben pflegen, schließt man: auch die Wirtschaft muß nach einer Krise wieder gesunden, die bedrohte Wirtschaftsform gerettet werden. Auf das Leben des Einzelnen übertragen sieht dieser Trug- Schluß so aus: ״Es geht mir schlecht; geht es mir noch lange so schlecht, so kann ich nicht mehr leben; also muß es besser werden.“ Auch wir bürgerlichen Juden denken so. Auf Grund solcher Gedankengänge setzen wir unsere Hoffnungen auf das endliche Gelingen der vielen Versuche zur ״Ankurbelung der Wirtschaft“, die in Amerika, Deutschland, England usw. im Laufe der letzten Monate gemacht worden sind. Schlagwortartig sind diese Ver׳- suche zu bezeichnen als ״Hoover-Progratnm“, ״Papen-Plan“, ״Ottawa-Abkommen“, ״Stresa-Konferenz“. Ihnen allen ist das Bestreben gemeinsam, durch. intörvenlbiilsüsche JAtiaahmfii; Staat«‘tn ritt«*, fn diesem Bestreben liegt ein logischer Bruch. Der Staat als wirtschaftendes Subjekt ist immer ein Feind der freien Wirtschaft. In Amerika hat man das bereits erkannt. Blätter von Rang sprechen es ganz offen aus, daß das Hoover-Programm schon in seinem jetzigen Stadium der Verwirklichung einen Schritt in der Richtung zum Staatssozialismus darstelle, der nicht mehr rückgängig zu machen sei. Die Regierung mache durch die Zentralisierung des Kreditapparates in ihrer Hand der freien Wirtschaft ein Ende. Wie liegen die Dinge in Deutschland? Auch hier ist der Kreditapparat bereits zu einem ganz erheblichen Teile in der Hand des Staates. Das gleiche gilt für Schlüsselindustrien vom Umfange der rheinisch-westfälischen und der oberschlesischen Kohle-Eisen-Stahlkonzerne. Es wird zwar geflissentlich betont, daß der Staat mit allen Mitteln auf eine ״Reprivatisierung“ der von ihm im Laufe der Krise übernommenen Wirtschaftsteile hinarbeite, aber das sind platonische Erklärungen. Sie sind es schon deshalb, weil in der freien Wirtschaft niemand da wäre, der dem Staat diese Wirtschaftsteile wieder abnehmen könnte. ״Ein Rekordjahr der Einwanderung“ Pressestimmen zur neuen Alijah Die Londoner ״Time s“ berichtet über die Erteilung der 4500 Zertifikate für Palästina- Einwanderung mit der Bemerkung, dies sei die höchste Immigrationsquote'seit 1926 und ein sichtbarer Ausdruck für die ökonomische Gesundheit des Landes. Als ein weiterer Beweis der neuen Haltung der Regierung gegenüber dem jüdischen Aufbauwerk sei es zu betrachten, daß die Regierung beschlossen hat, in Tel Adaschim, einer jüdischen Kolonie im Emek Jesreel, einen Brunnen zu bohren. (Bisher mußten solche Arbeiten von den jüdischen Fonds auf eigene Rechnung durchgeführt werden. — A. d. R.) Anschließend daran berichtet die ״Times“ noch, daß Muza Kazim Pascha mit einigen anderen führenden Arabern eine Gesellschaft für Landkauf in Palästina für das arabische Volk gegründet habe, nach dem Beispiel des Jüdischen Nationalfonds. Die ״Frankfurter Zeitung“ meldet aus Jerusalem: Die palästinensische Regierung hat der Zionistischen Exekutive für das Halbjahr Oktober 1932 bis März 1933 4500 Einwanderungserlaubnisse für mittellose jüdische Einwanderer übergeben. Es ist dies die höchste Zahl, die bisher jemals von der britischen Regierung genehmigt worden ist. Dazu kommt der Umstand, daß, abgesehen von diesen mittellosen Einwanderern eine steigende Zahl begüterter jüdischer Einwanderer ins Land kommt. Das Jahr 1933 wird wohl ein Rekordjahr der jüdischen Einwanderung nach Palästina darstellen, nur mit dem Jahr 1925 vergleichbar. Anfang dieses Monats traten 150 arabische Arbeit e r des Steinbruches der Zementfabrik ״Neschc r“ bei Haifa in den Streik. Der Streik wird von dem Arbeiterrat der Fabrik ״Nescher“, der der Histadruth angeschlossen ist, geleitet. Die ״Vereinigung arabischer Arbeiter“ in Haifa versuchte, die Streikenden zu veranlassen, sich von der Histadruth zu trennen, indem sie erklärte, die Histadruth werde sie betrügen und verleite sie nur auf Irrwege, damit später jüdische Arbeiter ihren Platz einnehmen können. Die arabischen Arbeiter lehnten jedoch diese Einmischlingsversuche ab und führten den Streik unter Leitung der Histadruth weiter. Es kam auch zu wiederholten Zwischenfällen infolge des Versuches, Streikbrecher-Arbeit einzuführen und zu polizeilichem Eingreifen, doch wird der Streik .weitergeführt. ln aller Kürze Wie dem Rechnungsabschluß der Palästina-Regierung für die Monate April bis August 1932 zu entnehmen ist, betrugen die Einnahmen in dieser Periode 1 112 637 Pfund, die Ausgaben 925 367 Pfund; der Netto-Ueberschuß stellt sich demnach auf 187 270 Pfund. Der Präsident der französischen Republik, Charles L e - brun, sandte an den Keren K a j e m e t h in Frankreich aus Anlaß des Beginns der diesjährigen Kampagne eine Kundgebung, in der er seiner tiefsten Sympathie für den jüdischen Aufbau in Palästina Ausdruck gibt. Bei Anwesenheit von Vertretern des Jischuw aus dein ganzen Lande wurde am 17. Oktober die feierliche Grundsteinlegung zum K e r e n Hajessod-Haus in Jerusalem vollzogen. Ansprachen hielten Leib Jaffe, Berl Locker, Emanuel Ncuman, Üssischkin, Ben Zwi u. a. m. Anfang Oktober wurden aus Dagania mehrere hundert Kisten G ra p e - F r 11 i t nach England verschifft. Es sind dies die ersten Früchte, die in dieser Saison zum Export gelangen. Dagania ist durch seine Lage in der Jordansenke imstande, einige Wochen früher als die übrigen Teile Palästinas zu exportieren. Laut offizieller Aufstellung wurden in den Städten Palästinas i. J. 1931 2 720 000 Pfund in öffentlichen und privaten Bauten angelegt, die höchste bisher erreichte Summe und um 280 000 Pfund mehr als im Vorjahre. Das Zentrum der Bautätigkeit war Jerusalem. Die arabischen Mitglieder des von der Regierung eingesetzten Komitees für Straßenbau haben am 27. Scptember ijue Aemter niedergelegt mit der Motivierung, daß die Straßenbau-Politik der Regierung lediglich die jüdischen Siedhingen berücksichtigt und die arabischen Interessen vollständig vernachlässigt. Als Beispiel wird angeführt, daß durch die neue Straße Jaffa—Haifa die arabische Stadt Tulkerem vom Verkehr ausgeschaltet wird, ferner daß infolge der Straße Aftile—Mescha —Tiberias der Verkehr von seinem bisherigen Weg über das arabische Nazareth abgelenkt wird. Gemäß ״Felestin“ hat die Regierung die Demission der beiden arabischen Komitee-Mitglieder angenommen. Am 30. Oktober beginnt in T e 1 - A w i w die Jahreskonferenz der jüdischen Arbeiterpartei Palästinas. Abgesehen davon pflegen aber Staaten nicht freiwillig herzugeben, was sie einmal haben, auch wenn sich bei uns Kontrahenten hierfür fänden. Neben diesen nach innen gerichteten Entwicklungen stellt auf dem Gebiet unserer Außenhandelsbeziehungen der offiziell verleugnete, in Wirklichkeit und zwangsläufig vom Staat ge« förderte Gedanke der Autarkie. Zu einein guten Teile ist er aus devisenpolitischen Gründen bereits verwirklicht. Ein lndustrieführcr hat vor einigen Jahren einmal gesagt, man würde die privaten deutschen Auslandsschulden nur durch ״Hungerexport“ der Industrie bezahlen können. Der Versuch ist gemacht worden. Er ist gescheitert, teils weil die anderen Länder sich gegen diesen Export mit Erfolg gewehrt Taben, teils weil wir ihn selbst nicht mehr aufrecht erhalten konnten. Deutschland kann also seine Schulden nicht bezahlen. Das hat zur Folge, daß man die außenwirtschaftliehe Verflechtung Deutschlands mehr und mehr in die zweite Linie rückt und dem Binnenmarkt den ersten Rang zuerkennt. Was soll man auch arideres tun? Es wäre unter diesen Um* ständen nur eine reine Formsache, kämen wir zu einem Staatliehen Außenhandelsmonopol, wie es die Russen längst, einige kleinere Länder seit einiger Zeit haben. Damit ist der Sache nach für Deutschland das Ende der bisherigen Wirtschaftsform gekommen. Natürlich nicht das Ende des deutschen Volkes. Man kann sich sogar den Fall verstellen, daß es dem deutschen Volke in einer anderen Wirtscliaftsforin, die den vorliegenden Ansätzen entsprechend eine Mischung von Feudalismus und Staatskapitalismus darstellen würde, nach Ueberwindung der unvermeidlichen Umstellungskränklichen wieder wesentlich besser gehen könnte. Aber wir deutschen Juden müssen hierdurch ebenso aus der Wirtschaft gestoßen werden, wie wir bereits aus der Politik eliminiert worden sind. Das liegt an unserer sozialen und wirtschaftlichen Schiebtung. Der Kern des deutschen Judentums ist wirtschaftlich betrachtet, händlerisch, sozial betrachtet bürgerlich. Das händlerische Element in der Wirtschaft, das bürgerliche im sozialen Aufbau war bereits in Bedrängnis, bevor die Krise unserer Wirtschaftsform mit voller Schärfe einsetzte. Im gegenwärtigen Augenblick, iri dem international der Kampf aller gegen alle den Begriff der Weltwirtschaft radikal zerstört und den grundsätzlieh freien Handel, die reale Grundlage der liberalen Wirtschaft»•