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Jüdische Rundschau · 1932-10-18 · Heft 83 (18.10.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 83 (18.10.1932)
Date
1932-10-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 0£3 Goldmark Planwirtschaft» Budget und Defizit JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u.Freitag. Bezugspreis bei derExpedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldnaark. Au*laDd*«bonnem#nt1 werden in der Währung der einzelnen Linder berechnet. Anreigenpreis: 8 Resp. Nonpareille»«(!• 0,50 G.־M, Stellengesuche 9,25 G.-M. Nummer 83 I Berlin, 18. X. 1932 Redaktion, Verlag und Anzeigen ■Verwaltung: Jüdische RundschauG.tn.b.H.,Berlin W15, Meinekestr.10. Telefon: J 1 Bismarck 7165-70. An*«igenschlu&: Divasu! and Freitag nachmittag» 4 U h r Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Postacheck *־ Koaifii : Berlin 17392, Baa*l V 9355, Belgrad 68032, Brüasei 394 33, Budapest 596 93, Danzig 1973, Haag 140470, Prag 59410, Btga 4155, Straafchurf; 16430, Warachau 190708, Wien 156030. Bank-Kontent Dreadener Bank, Depositen - Kat»« Berlin, Kuriüa־»tendamm 52; Rumänisch« Kreditbank, Cemauti (Rumänienh Anglo Pale«tine Co. in Haila, leruaalem, Tel-Aviv. Dar Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Pallstlna. ״Baseler Programm.*‘ Minderheitendebatte im Völkerbund Neue Einwanderung Die Nachricht von der Erteilung von 4500 Zertifikaten zur Einwanderung von Chaluzim war eine gute Feiertagsbotschaft für das jüdische Volk. Gerade in diesen Tagen, wo wir so oft die Zusammenhänge unserer Volksgeschichte überdenken, wird man nicht geneigt sein, es als bloßen Zufall zu empfinden, wenn in einer Zeit, wo die Lage der Juden in allen Ländern der Welt recht trübe ist, dieses Licht der Ermutigung aus Palästina kommt. Seit Wochen und Monaten bangt man in stillen jüdischen Gassen nach der Möglichkeit und Erlaubnis, in das Land des Jüdischen Nationalheims auszuwandern. Palästina hat in dieser Zeit einen noch weit größeren Symbolwert bekommen als sonst: Es ist fiir viele Tausende die letzte, die einzige Hoffnung, und man möge nicht sagen, es handle sich hier um eine rein wirtschaftliche Konjunkturfrage, denn die Tatsache, daß diese Möglichkeit einer Errichtung einer neuen Existenz gerade auf dem Boden des Landes geheiligter Erinnerungen und unlöslichen Volks- Zusammenhangs geboten wird, gibt den einzelnen Menschen, die sich aus Verelendung und Hoffnungslosigkeit wieder aufrichten wollen, inneren Halt und moralische Kraft,_ die auch die Bewältigung der schweren äußeren Aufgaben erleichtert. Man weiß, daß man nicht einfach in ein beliebiges Einwanderungsland geht, sondern daß man zu seinem eignen Volke kommt, daß man eine Heimat finden wird, daß Han durch die eigene Arbeit mitschafft an dem Werden und Wachsen neuen Volkstums, an der Verjüngung des Volkes, die nur durch harte Arbeit gelingen kann. Wir hatten Gelegenheit, mit einigen führenden polnischen Juden zu sprechen, und es wurde uns erklärt, daß die Erteilung dieser Zertifikate, von denen vielleicht 2000 oder mehr auf Polen entfallen werden, vom polnischen Judentum geradezu als eine Erleichterung seiner wirtschaftlichen Gesamtsituation empfunden wird. Dies kann nicht eine bloße ״wirtschaftliche“ Tat- Sache sein, denn unter den drei Millionen polnischer Juden wird doch nur einem kleinen Bruchteil ein Ausweg geboten; .es ist mehr, es ist eine psychologische Tatsache, und ״•׳.'lif1 ׳#»#•׳ *-Lebe»- ei1»es"VoHl«9"'lst“׳G״L«׳-u#«--M'wd״־H 0444141 n~g״ noch wichtiger als die einzelnen Volksgenossen gewährte konkrete materielle Hilfe. Die Palästina-Regierung ist bekanntlich mit der Erteilung von Einreise-Zertifikaten seh^ vorsichtig und zurückhaltend. Oft genug wurde die Haltung des palästinensischen Einwanderungs-Departements einer harten Kritik unterzogen. Wenn nun diese Behörde bei Beurteilung der palästinensischen Situation zu dem Ergebnis kommt, daß das Land heute 4500 mittellose Arbeitnehmer aufnehmen und verdauen kann, so muß man überzeugt sein, daß die objektiven Tat- Sachen diese Beurteilung rechtfertigen. Die Jewish Agency selbst war noch etwas optimistischer und hat über 6000 Zertifikate gefordert. Erfahrungsgemäß wird niemals die volle Zahl bewilligt, aber wir wollen im Augenblick nicht darüber rechten, ob 6000 oder nur 4500 Zertifikate zu erteilen waren; dies könnte man nur bei eigener genauer Nachprüfung der Daten erörtern. Im einzelnen können sich Ein Jude Gouverneur des Staates New York? New York, 6. Oktober. (J. T. A.) Oberst Herbert H. Lehman, bisher Vizegouverneur von New York, ist heute von der Convention der Demokratischen Partei zum demokratischen Kandidaten für das Amt eines Gouverneurs dieses größten und einflußreichsten Staates durch Akklamation nominiert .worden. Die Nominierung wird in der amerikanischen öffentlichen Meinung bereits als tatsächliche Wahl gew ertet, da der Posten eines Gouverneurs des Staates New York seit einer ununterbrochenen Reihe von Jahren in demokratischen Händen und der Staat New York eine demokratische Feste ist. Wenn Lehman gewählt wird, wird er der erste jüdische Gouverneur des Staates New York sein. Hingegen haben in anderen Staaten Juden als Gouverneure gewirkt und wirken heute noch. 1803 wurde David Emanuel zum Gouverneur von Georgia, 1863 Michael Hahn zum Gouverneur von Louisiana, 1874 Edward Salomon zum Gouverneur von Washington, 1872 Franklin Moses zum Gouverneur von South Carolina, 1901, 1915 und 1917 — also in drei Perioden — Moses Alexander zum Gouverneur von Idaho, 1914 Simon Bamherger zum Gouverneur von Utah gewählt. Gegenwärtig gibt es zwei jüdische Gouverneure: Julius M. Meier im Staate Oregon, Arthur Seligman im Staate New Mexico. Die Auswanderung aus Sowjetrußland nach Palästina. Der Handelsvertreter der Sowietregierung in Palästina teilt mit, daß die Sowjetregierung Maßnahmen ergreifen will, um gewissen Kategorien von Juden in Sowjetrußland die U ebersiedlung nach Palästina zu erleichtern. Die Sowjetregierung wird solchen Auswanderungswilligen Billette zur Ueberfahrt von Odessa nach einem palästinensischen Hafen gegen Ratenzahlung zur Verfügung halten. Palästinensische Juden, die wünschen, daß ihre Verwandten in Rußland nach Palästina kommen, haben die Möglichkeit, durch Einzahlung kleiner Monatsraten beim Handelsvertreter der Sowjetregierung in Tel-Awiw diese Uebersiedelung vorzubereiten, während inzwischen die Auswanderungswilligen in Rußland sich um Ausreise-Visa bewerben. Dr. Bernhard Kahn, europäischer Direktor des Joint Distribution Committee, ist als erster Jude in die Exekutive des Internationalen Kongresses für Soziale Fürsorge gewählt worden. vielleicht Differenzen ergeben, die Jewish Agency wird auch, wenn die Lage cs rechtfertigt, Nachforderungen machen können, aber für den Augenblick ist die Tatsache der 4500 Zertifikate eine so wichtige, daß Einzelheiten demgegenüber zurücktreten. Die Tore Palästinas sind wieder geöffnet. Seit Monaten strömen jüdische Einwanderer, die über etwas Kapital verfügen und keines besonderen Zertifikats bedürfen, in das Land, deutlich merkt man das Aufblühen, eine gehobene Stimmung erfüllt die Menschen, die Erfolge ihrer Arbeit sehen, die ״Jüdische Rundschau“ hat über die Fortschritte aut den einzelnen Gebieten wie Plantagenbau, Industrien, Export, städtische Entwicklung, Häuserbau usw. wiederholt berichtet und wir wollen jetzt nicht dieses Bild im einzelnen wieder ausmalen. Palästina ist mitten in der Weltkrise unter der Hand der Juden zu einem Land geworden, das allgemein, in der Presse vieler Länder und von zahlreichen objektiven Beobachtern, heute schon als eine Art ״glückliche Insel im Meer der Weltkrise“ bezeichnet wird. Wir Zionisten bemühen uns, längere Zeiträume zu überblicken und sind mit unseren Urteilen und Einschätzungen zurückhaltend, wir fürchten Uebertreibungen, wir rechnen auch — gerade im Bewußtsein der Sicherheit unseres Weges — mit Rückschlägen, aber wir fühlen uns berechtigt, bei solchen Anlässen wie dieser neuen Einwanderungsweile auch ein stolzes und offenes Wort der Freude zu sagen. Und wir wissen auch ein Zweites: die weitere Entwicklung in Palästina, die sich für Juden aller Länder dort ergebenden Möglichkeiten, das Ausmaß des Fortschrittes, die Befestigung des Erreichten, die Fortdauer des Gelingens, dies alles ist — vielleicht nicht ausschließlich, aber dach in entscheidendem Maße — eine Frage der Arbeit und Leistung der Zionisten und Palästinafreunde in der Welt. Jeder Prozeß eines derartigen Aufbaus bedarf der regulierenden Kontrolle, des oft undankbaren Einwirkens öffentlicher Instanzen, die, um aktionsfähig zu sein, vor allem über finanzielle Mittel verfügen müssen. Viele Gelegenheiten können verwenn nicht im gegebenen Moment öffentliche Stellen, die das jüdische Volk repräsentieren und um das Wohl der Gesamtheit sorgen, mit ihrer Hilfe zur Hand sein können. Die Jewish Agency ist berufen, dies zu tun, aber sie kann es nur, wenn hinter ihr ein organisierter Wille des jüdisehen Volkes steht und wenn ihre Fonds, der Keren Hajessod und Keren Kajemeth, über entsprechende Mittel verfügen. Ob diese Bedingungen erfüllt sind, hängt ausschließlich von der Mitarbeit, von dem Verständnis und Eifer der Zionisten und der übrigen Palästinafreundc ab. Die Erteilung von neuen Einwandererzertifikaten, die Aussicht auf große neue Einwanderung ist ein Ereignis, das den Zionisten und der jüdischen Oeffentlichkeit diese Zusammenhänge ohne weiteres mit großer Klarheit zum Bewußtsein bringt, und es ist vielleicht nicht zu viel gesagt, wenn man erwartet, daß auch der Elan der zionistischen Arbeit dadurch einen neuen Auftrieb empfängt. In aller Kürze Die Palästina-Regierung hat dem aus Aegypten ausgewiesenen Führer der panarabischen Bewegung, Emir Adel Arsla'n, die Erlaubnis zur Niederlassung in Palästina vorweigert. Arslan bekämpft das Mandat und die Balfour-Deklaration und tritt für Schaffung einer unabhängigen panarabisehen Staatenföderation mit Einschluß Palästinas ein. Der Präsident der Arabischen Exekutive, Muza Kazim Pascha, hat an den High Commissioner ein ausführliches Memorandum gerichtet, worin er sich über die IJ n z u 1 ä n g - lichkeit des Schulwesens in Palästina beklagt. Es wird dargelegt, daß nur ein kleiner Bruchteil der schulpflichtigen Kinder Unterricht in palästinensischen Schulen genießt. Die Behauptung der Regierung, daß für Unterrichtszwecke kein Geld vorhanden sei, widerlege sich durch die hohen Gehälter der englischen Beamten, für die immer noch Geld vorhanden ist. In Gaza fand in derselben Angelegenheit eine Protestversammlung statt, die die Vermehrung der Schulen forderte. Die polnische Regierung hat für das letzte Jahresviertel 1932 die Bewilligung zur Einfuhr Jon 700 Tonnen Orarigen, 20 Tonnen Bananen, 65 Tonnen Wein, 10 Tonnen Nüssen aus Palästina nach Polen erteilt. Die österreichische Regierung bewilligte die Einfuhr von Palästina-Produkten in dem gleichen ymfange wie im Vorjahre. Maßgebend für diese Haltung der Regierung ist die aktive Handelsbilanz Oesterreichs gegenüber Palästina. Die Einfuhr von Orangen und anderen Südfrüchten aus Spanien und anderen Ländern wurde für dieses Jahr erheblich gekürzt. Die in Straßburg unter Teilnahme Ussisehkins am 24. und 25. September abgehaltene Konferenz der Keren K a - jemeth-Delegierten aus den französisch sprechenden Ländern beschloß, im Verlauf der nächsten zwei Jahre eine Million Francs zum Ankauf eines Territoriums aufzubringen. Die Kolonie soll den Namen Charles Netter tragen. Die hebräische Tageszeitung ״Dawar“ erfährt, daß in Regierungskreisen der Plan der Errichtung eines großen Hafens in j a f f a , ähnlich dem, der jetzt in Haifa erbaut wird, erörtert wird. Der Jaffa-Hafen soll Anfang 1937 fertiggestellt sein. (Eine Bestätigung dieser Nachricht liegt nicht vor.) Von unserem Genfer Mitarbeiter. K-y, Genf, den 12. Oktober. Schon seit einer Reihe von Jahren findet in der sechsten (politischen) Kommission der Völkerbundversammlung regelmäßig — und immer auf Antrag der deutschen Delegation — eine Aussprache über die Tätigkeit des Völkerbundes auf dem Gebiete des Minderheitenschutzes statt. Angesiehts der in vielen Ländern äußerst bedrängten Lage der nationalen, sprachlichen und religiösen Minderheiten und in Anbetracht der ernsten, auf dem Völkerbund lastenden Verpflichtungen der Beaufsichtigung des Minderheitenschutzes sind diese Aussprachen־ von großer Bedeutung. Würden sie auf rein sachlicher und von politischen Leidenschaften unbeeinflußter Grundlage geführt, so könnten sie positive, dem Wohle aller interessierten Staaten und insbesondere dem der Minderheiten entsprechende Ergebnisse zeitigen. Leider sind aber die Debatten der sechsten Kommission von politischen Leidenschaften sehr stark beeinflußt und dienen bloß zu Zwecken, die mit den tatsächlichen Interessen der Minderheiten nur sehr wenig gemeinsam haben oder für sie sogar direkt schädlich sind. Deutschlands Interesse an der Frage des Minderheiten- Schutzes ist mit Rücksicht auf die Millionen deutscher Volksangehöriger, die als nationale Minderheit in den verschiedenen Ländern Ost-, Mittel- und zum Teile auch Westeuropas leben, sehr begreiflich und bedarf keiner besonderen Erklärungen. An einem kraftvollen Eingreifen Deutschlands in dieser Frage, als meistinteressierte Großmacht und als ständiges Mitglied des Völkerbundes, würde wohl niemand ernstlich Anstoß nehmen können, wenn: 1. jeder Verdacht, daß Deutschland diese Frage als Mittel zum Zweck seiner revisionistischen Politik benützt, von vornherein ausgeschaltet wäre; 2. die Behandlung der nationalen und religiösen Minderheiten i» Deutschland selbst über jede Kritik erhaben erscheinen könnte»' und schließlich 3. Deutschland und alle anderen europäischen Staaten die gleichen * internationalen Minderheitenschutzyerpflichtungen unterzeichnen würden, die bisher nur einer be^ grenzten Anzahl von (Bach dem Kriege neu erstandener oder reformierter) Staaten aulerlegt worden sind. Was die erste '*'ler vöfgehenden ־Bedingungen ‘1ln!SWfWr*8«* ßM® ' ׳ stellen — ohne hier weiter zu erörtern, ob zu Recht oder zu Unrecht —, daß der fragliche Verdacht bei fast allen Mitgliedstaaten des Völkerbundes sozusagen zum Gemeinplatz geworden ist. Andererseits kann leider nicht behauptet werden, daß die Behandlung der Minderheiten im jetzigen Deutschland der deutschen Regierung einen unanfechtbaren moralisehen Titel für die Rolle des Verteidigers der Rechte aller in Europa lebender Minoritäten gibt. Ohne von anderen Minderheiten zu sprechen, genügt es, in diesem Zusammenhange, auf die jetzige Lage der Juden — mag man sie in Deutschland als nationale oder bloß religiöse Minderheit betrachten —- hinzuweisen. Ohne daß es die deutschen Juden gewollt haben und sicher gegen den Willen der meisten unter ihnen, ist letztens im Auslande gerade die Frage des in Deutschland unbehindert rasenden Antisemitismus äußerst laut geworden und wurde natürlich von jenen Staaten, denen die Minderheitenpolitik Deutschlands auf dem Terrain des Völkerbundes seit jeher höchst unwillkommen ist, mit besonderem Eifer ausgebeutet. Die dritte von uns genannte Bedingung ergibt sich aus der negativen Beantwortung der zwei ersten. Die letzte Minderheitendebatte in der sechsten Kommission der Ver- Sammlung hat gezeigt, daß die Forderung nach Verallgemeinerung der internationalen Minderheitcnschutzverpflichtungen immer lauter wird und immer größeren Anklang findet. Diese Forderung wird in erster Linie, unter Berufung auf den Grundsatz der Rechtsgleichheit, aus rein taktischen Gründen, von den Staaten gestellt, die Minderheitcnschutzverträge unterzeichnet haben. Diese Staaten, in denen die Behandlung der Minoritäten bekanntlich sehr viel zu wünschen übrig läßt und die in zahlreichen Fällen alles andere als guten Willen zur Durchführung der von ihnen Unterzeichneten Minderheitenverträge an den Tag legen, lehnen jede Debatte über eine Verbesserung des Minderheitenverfahrens oder die Schaffung einer Ständigen Minderheitenkommission energisch ab, solange nicht alle Mitgliedstaaten des Völkerbundes die gleichen Minderheitcnschutzverpflichtungen auf sich zu nehmen bereit sind. Mit besonderem Nachdruck wiederholte diesen Standpunkt die diesjährige gemeinsarne Erklärung der Vertreter Polens, Rumäniens, Jugoslawiens, der Tschechoslowakei und Griechenlands. Der polnische Außenminister Zaleski gab zu, daß die internationalen Minderheitenschutzverpflichtungen einen ״Fortschritt der menschlichen Zivilisation“ bedeuten, aber in gerechter Weise nur dann ausgeführt werden können, wenn sie sich auf in allen Staaten lebende Minderheiten erstrecken und die Ansprüche der Minoritäten zu keinen ihren wirklichen Interessen fremden politischen Zwecken ausgenützt werden. Er wies darauf hin, daß alle Staaten ihre Minoritäten haben und daß die öffentliche Meinung nicht begreift, warum das Dasein der einen unter internationalen Schutz gestellt ist und das der anderen eines solchen Schutzes entbehrt. Darauf bezugnehmend, erklärte seinerseits der Vertreter Deutsch- 1 a n d s , daß ״Deutschland immer bereit war, die Frage der Verallgemeinerung der Minderheitenschutzverpflichtungen zu erörtern, unter der Bedingung, daß auch alle anderen, durch Minderheitenverträge nicht gebundenen Staaten darauf eingehen, derartige Verpflichtungen auf sich zu nehmen“. Wie aus diesen Erklärungen leicht zu ersehen ist, wird die Forderung der Verallgemeinerung der Minderheitenschutzver-

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