Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 81-82 (14.10.1932)
- Date
- 1932-10-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Neue hebräische THditunq Einzelnummer 0,25 Qoldmarh JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2»— Goldmark, vierteljährlich 5.75 Goldtnark. At1»l«',<N»honnrn,»nt. w«rd#n in Am Wihrun* dar •iaxtfawn Lindar beredin«. An*«lg«npr*<s: 8 Ncmpar«i1Wefl« 0,50 G,-M. Stcll<*0R««uch# 0,25 G.-M. Nummer 81/82 | Berlin, 14. X. 1932 Redaktion, Verlag und Anxeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. h. H, Berlin Wt5, Meinekestr.10, Telefon: J 1 Bismarck 716570־. Amei(n11chk£: Di«a1t«K nad F rei t •n tHiohadtraf« 4Ubr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Poitichvck-KontcD! Berlin 17392, Basel V 9355, Beinrad 680 32, Brüssel 39433, Budapest 596 93, Dann* 1973, Haag 140470. Prag 59410. Riga 4155, Straasburg 16430, Waracbati 190708, Wien 156 03Ö. Bank.Konten: Dresdener Bank, Depositen - Kasse Berlin, Kurfürst endatnm 52; Rumsnisch• Kreditbank, Cemauri (Rumänien): Anglo Palestine Co. in Haifa, ferusalem, Tel - Aviv. י״ד ת0רי תרצ״ג I xxxvn. j&hrg. m₪₪mm₪₪m₪mm₪m₪₪₪₪m₪Jmm₪m₪a₪₪mmm₪₪mam1 Per Zionismus «utrabt fOr da» Jüdlatha Volk die Schaffung einer fiffentllch - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm." Die Reorganisation des hebräischen Schulwesens Einigung im Waad leumi erzielt Das Zionistische Aktfons-Comitö und das Administrative Committee der Jewish Agency haben bei ihren Sitzungen im August d. J. beschlossen, daß das palästinensische Schulwesen, das bisher von der Jewish Agency verwaltet wurde, von nun an der palästinensischen Gemeindeorganisation ״Knesseth Jisrael“, bzw. deren Ausschuß, dem Waad Leumi, unterstellt sein soll. Die Jewish Agency wird das Schulwerk weiterhin mit 40 000 Pfund jährlich subventionieren, aber nicht administrativ und finanziell dafür verantwortlich sein. Die Uebertragung des Schulwesens auf den Waad Leumi hat jedoch große Schwierigkeiten hervorgerufen. Die Autorität des Waad Leumi wird gerade von den materiell leistungsfähigsten Gruppen des Jischuw angefochten, nämlich von der Stadtverwaltung Tel-Awiw und von den alten Pflanzungskolonien. Bekanntlich hat im Waad Leumi, der von der aus allgemeinen Wahlen hervorgegangenen Assefath Niwcharim eingesetzt wird, die Arbeiterpartei eine überragende Position, während z. B. der Bauernverband, dem die meisten Pflanzer der judäischen Kolonien angehören, und deren Organ der ״Boustenai“ ist, sich an den Wahlen überhaupt nicht beteiligt. Wegen dieser Zusammensetzung des Waad Leumi wollen die genannten ״bürgerlichen“ Gruppen ihm keine umfassende Kompetenz zugestehen. Der ״Boustenai“ ist dem Beschluß des Aktions-Comites heftig entgegengetreten. Die Erfahrung — so schrieb das Blatt — habe gezeigt, daß das jüdische Schulwesen in finanzieller Hinsicht zentralistisch nicht verwaltet werden kann. Wenn schon die Jewish Agency nicht imstande war, das Schulwerk aufrechtzuerhalten und den Lehrern jetzt noch sieben Monatsgehälter schuldig ist, dann werde der Waad Leumi erst recht nicht -»׳ - ,aUay,kaann.- •Dt»• #«%«,,, Ausweg,׳ sd daher eine administrative Dezentralisation des Schulwesens. Gegen eine einheitliche Leitung in geistiger und pädagogischer Beziehung sei nichts einzuwenden. Diese soll auch weiter von der Jewish Agency, bzw. einem richtig zusammengesetzten Erziehungsausschuß besorgt werden. Dagegen könne eine finanzielle Zentralisation nur zu einem noch stärkeren Zusammenbruch führen. Der Stadtrat von Tel-Awiw hat am Vorabend des Rosch Haschanah eine eilige Sitzung zusammenberufen, in der beschlossen wurde, die Vorschläge des Waad Leumi abzulehnen. Ebenso hat die Elternvereinigung der Kolonien bisher alle Kompromiß Vorschläge abgelchnt. Es besteht daher gegenwärtig völlige Unklarheit, wie die Verwaltung des Schulwesens geregelt werden soll. Dabei steht der Beginn des neuen Schuljahres nach den Feiertagen unmittelbar bevor. Begreiflicherweise hat sich auch der Lehrer eine große Nervosität bemächtigt. Der Regierung gegenüber ist die Jewish Agency trotz des Beschlusses der August-Sitzung weiter verantwortlich. Nun hat, wie aus Palästina gemeldet wird, die Regierung der Jewish Agency mitgetellt, daß sie auf einer ordnungsmäßigen Eröffnung der Schulen ln diesem Monat bestehen muß, widrigenfalls sie genötigt wäre, dem hebräischen Schulwesen die staatliche Subvention zu entziehen. Die staatliche Subvention beträgt gegenwärtig insgesamt 20 000 Pfund, doch wurde in der letzten Zeit wiederholt gemeldet, daß der High Commissioner eine Erhöhung der Subvention in Aussicht gestellt hat. Das hebräische Schulwesen in Palästina befindet sich in einer ähnlichen Lage wie ähnliche öffentliche Verwaltungs- 4500 Einreisezertifikate bewilligt Jerusalem, 9. Oktober. (J. T. A.) Die Palästina-Regierung hat der Jewish Agency für die laufenden sechs Monate (Oktober 1932 bis März 1933) 4500 Einreise-Zertifikate für Chaluzim und ChaUizoth, 3000 Zertifikate für Männer und 1500 Zertifikate für Frauen, zur Verfügung gestellt. Es Ist dies die höchste Zahl von Zertifikaten, die die Palästina-Regierung seit Bestehen der kontingentierten Chaluz-Einwanderung für eine bestimmte Periode bewilligt hat. (Die Jewish Agency hatte um 6750 Zertifikate nachgesucht.) Für die Arbeitsperiode April-September 1932 hatte die Exekutive der Jewish Agency um 3750 Zertifikate nachgesucht, es wurden ihr aber nur 2000 Zertifikate bewilligt, von denen 300 für Personen reserviert wurden, die als Touristen in das Land gekommen sind. Jom Kippnr in Jerusalem Ein Revisionist demonstriert an der Klagemauer. Jerusalem, 11. Oktober. (J.T.A.) Tausende von Juden beteten am Jom Kippur an der Klagemauer. Es kam zu keinerlei Störung. Bei Einbruch der Dunkelheit versuchte ein aus Polen stammender Revisionist mit Namen Schlojma Neiman, nach dem Ne-ila-Gottesdienst Schofar zu blasen, was einen Verstoß gegen die die Klagemauer betreffende ,Verfügung der Regierung bedeutet, Neiman wurde agenden In vielen Ländern. Durch die Finanzkrise und die notwendige Einschränkung des früher überhöhten Etats entstehen begreiflicherweise große Schwierigkeiten. Dazu kommt, daß das hebräische Schulwesen Palästinas seit Jahren mit einer speziellen Geldnot zu kämpfen hat, die sich darin ausdrückt, daß die Lehrergehälter nicht bezahlt werden können, was bereits mehrmals zu Lehrerstreiks geführt hat. Bei der letzten Sitzung des A.-C. hat der Treasurer der Palästina- Exekutive, Dr. Senator, u. a. einen umfassenden Re* organisationsplan für das Schulwesen vorgelegt, der zum Teil den Gedanken der Dezentralisation aufnahm. Die Ablehnung dieses Vorschlages durch das A.-C. war einer der Gründe, warum Dr. Senator sein Amt als Trcasurer niedergelegt hat. Man muß hierbei bedenken, daß Dr. Senator im verflossenen Jahr den schärfsten persönliehen Angriffen seitens der Lehrer wegen Nichtbezahlung ihrer Gehälter ausgesetzt war, obwohl nicht er, sondern die zwingenden Umstände infolge der ungenügenden K. H.-Eingänge die Verzögerung der Gehaltszahlung verschuldet haben. Es ist aber begreiflich, daß Dr. Senator, nachdem seine Reformvorschläge abgelehnt wurden, nicht weiter das Amt zu führen bereit war, das ihm die Ausführung von finanziellen Verpflichtungen auferlegt, für die keine Deckung vorhanden ist, so daß dann von den Betroffenen der Träger des Amtes persönlich verantwortlich gemacht wird. Die gerade jetzt wieder beginnende größere Einwanderung macht eine Aufrechterhaltung und gute Organisation des Schulwesens zu einem der wichtigsten Erfordernisse des jüdisehen öffentlichen Lebens Palästinas. Die zionistische Welt muß fordern, daß die mit der notwendigen Autorität ausgestatteten Instanzen, sei es nun Jewish Agency, Waad Leumi öder andere"'Körperschaften, dieses wichtigste Gebiet öffentlieber Tätigkeit wieder In geordnete Bahnen bringen. Es ist bedauerlich für die auf dem Gedanken der Autonomie beruhende jüdische Freiheitsbewegung, daß es erst des Druckes der Regierung bedurfte, um ernste Anstrengungen zur Beendigung des Verwaltungskonfliktes zu machen. * Unmittelbar vor Schluß des Blattes erhalten wir nachfolgendes J.T.A.-Telegramm aus Jerusalem, aus dem hervorgeht, daß der Konflikt beigelegt ist. Dieser Ausgang wird zweifellos überall mit größter Befriedigung aufgenommen werden. Die Meldung lautet: In der am 11. Oktober abends abgehaltenen Sonder- Sitzung des Waad Leumi, der auch Vertreter der Jewish Agency und anderer an der Regelung der Schulfrage interessierter Instanzen des Jischuw tellnahmen, wurde ln der Frage der Kontrolle des hebräischen Schulwesens in Palästina ein Kompromiß erreicht, durch welches der seit sechs Monaten herrschende Schulkonflikt, der der Wiedereröffnung der hebräischen Schulen in dem neuen Schuljahre bisher hindernd im Wege stand, beigelegt wurde. Es ist vorgesehen, daß die Schulen schon in sehr kurzer Zeit, spätestens in zwei Wochen, wieder eröffnet werden. Das Kompromiß wurde auf der folgenden Grundlage geschlossen: die Schulen unterstehen im allgemeinen der Kontrolle des Waad Leumi. Jedoch wird die unmittelbare Kontrolle von einer fünfgliedrigen Schulkommission ausgeübt, die sich aus zwei Mitgliedern des Waad Leumi, einem Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, einem Mitglied des Magistrats von Tel-Awiw und einem Vertreter des Elternverbandes der jüdischen Kolonisten zusammensetzt. sofort von der Polizei verhaftet, aber auf Grund einer Interventioii von Rabbi Kook gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. Der Schofar wurde beschlagnahmt. Nach seiner Verhaffung griff eine Gruppe Revisionisten den den Gottesdienst am Jom Kippur überwachenden Rabbi Isaac Orenstein tätlich an, weil er angeblich die Polizei auf Neiman aufmerksam gemacht haben soll, Neiman wurde vom Gericht des Distriktskommissariats z u 21 T agen Gefängnis verurteilt. Die Agudas Jisroel in Jerusalem veröffentlicht einen Protest gegen die Angriffe auf Rabbi Orenstein, der auch eine Verurteilung des Vorgehens Neimans enthält. In einem vom Waad Leumi veröffcntlichten Communique werden das Vorgehen Neimans und der Angriff auf Rabbi Orenstein schartverurteilt. Ussischkins Reisen. Der Präsident des Keren Kajemcth, Ussischkin, weilte sechs Tage lang in Jugoslawien, wo er eine Aktion zugunsten des Bodenfonds durchführte. Er verbrachte das Rosch Haschanah-Fest in Belgrad, wo er in drei Synagogen sprach und einen durchschlagenden Erfolg hatte. Die Zeitungen brachten ausführliche Berichte über Ussischkins Aufenthalt. Von Belgrad fuhr Ussischkin nach Zagreb, wo er während seines zweitägigen Aufenthaltes mehrere Vorträge hielt. Auch in Zagreb war die Aktion erfolgreich. Ussischkin ist von Zagreb nach Italien abgereist. Er sprach auf einer Kundgebung in Mailand und wohnte in Florenz einer Beratung der Mitarbeiter des Keren Kajemeth bei. Von dort ging er nach Rom und wird über Brindisi nach Palästina zurückkehren. Die Tragödie einer Jugend Brief am Polen (Von unserem Korrespondenten.) —g. Warschau, Anfang Oktober. Zu den traurigsten Kapiteln jüdischer Not und Rechtlosigkeit in Polen gehört gegenwärtig das Berufsproblem der jüdischen, insbesondere der studierenden Jugend. Der Drang der Juden nach Bildung und das Bestreben jüdischer Eltern, ihre Kinder in eine höhere soziale Stufe aufsteigen zu lassen, um ihnen damit eine bessere Zukunft zu sichern, sind wohlbekannte Erscheinungen, die noch im Osten andauern, trotzdem die soziale Leiter stark ins Wanken geriet und die einst so ersehnte materielle Position schon fast zu einer Legende wurde. Also studiert ein gewaltiger Prozentsatz der jüdischen Knaben und Mädchen in Polen, besucht (meistens private) Mittelschulen, was schon mit ziemlich großen materiellen Opfern (hohes Schulgeld 11. and.) verbunden ist. Nach Absolvierung des Gymnasiums beginnt alljährlich vor Semesterbeginn ein schreckliches Martyrium dieser Jugend, die in Ta usenden an die Tore der Hochschulen pocht und — keinen Einlaß findet. ln Polen gibt es zwar keinen gesetzlichen ״Numerus clausus“. Als im vorigen Jahre die Nationaldemokraten einen diesbezüglichen Gesetzantrag im Parlament einbrachten, hat die Regierung energisch dagegen remonstriert und der Antrag wurde abgelehnt. Und dennoch existiert in Polen ein faktischer ״Numerus clausus“ und wird mit jedem Jahr — nicht ohne Zustimmung der Regierung — strenger gehandhabt. Ausreden haben die autonomen Hochschulbehörden aller Art. Man wetteifert in Erfindung derselben. Zumeist wird Mangel an Plätzen, insbesondere in praktischen Fächern, angegeben. Nun kommt aber das Entscheidende: die christlichen Kandidaten werden in großer Zahl aufgenommen, die Juden immer ca. 10—12 °/0, genau soviel, wieviel der Prozentsatz der Juden im Verhältnis zur ganzen Bevölkerung der Republik ausmacht. Es werden allerhand Mittel angewendet, um dieses Ziel zu erreichen._ Aufnahmeprüfungen werden an geordnet, und da stellt sich plötzlich heraus, daß die jüdischen Bewerber — die dümmsten Köpfe sind. An anderen Fakultäten, z. B. an manchen medizinischen, werden die Kandidaten nach — ihrer physischen Eignung geprüft. Aber mancherorts — so in diesem Jahre an der medi- »ätschen Fakultät in Krakau wurde ohne Umschweif erklärt: es sind 130 Pütze frei, die Juden machen 12 »/o der Bevölkerung aus, also sollen 15 Juden — ausgelost werden. Wenigstens ehrlich und offen. An anderen Hochschulen kommen alljährlich Dinge vor, die so manchen jüdischen Eltern und Abiturienten schwere, auch materielle Sorgen bereiten. Die Situation wird mit jedem Jahre schlimmer. Während noch im Jahre 1922 an den polnischen Hochschulen die Juden 25 0/0 ausmachten, waren sie schon im Jahre 1926 (Beginn des Pilsudski-Regimes) mit 20,7 ״/o vertreten, und im Jahre 1931 studierten nur 18,5 ״/o Juden. Das ist der Durchschnitt. An den Hochschulen aber für Technik, Bergbau, Agronomie, Pharmazeutik, Dentistik, an den Kunst- und Handelsakademien und an den medizinischen Fakultäten wurden im Jahre 1931 0_12 0'0 auf genommen. Nur Jurisprudenz und Philosophie konnten 23—26 0/0 Juden studieren. Aber die jüdischen Absolverrten des Rechtsstudiums werden in keine Aemter aufgenommen und die Möglichkeiten, als Rechtsanwälte sich zu etablieren, sind sehr beschränkt; die Philosophieabsolventen wiederum bekommen keine staatlichen Lehrerposten und sind auf die begrenzte Zahl der Privatschulen angewiesen. Der Numerus clausus begleitet also den jüdischen Studierenden in Polen auf jedem Schritt. Die soeben veröffentlichte Statistik der in diesem Jahre Neuauf genommenen an den polnischen Hochschulen zeigt ein noch traurigeres Bild. Ueberall fast dieselbe Prozentnorm, gegen 10 0/0. Wiederum müssen Tausende Studenten zum Wanderstab greifen. Denn dies ist der Ausweg für einen großen Teil der Zurückgewiesenen, die aber doch in ihrem Streben zur Bildung und zum Vorwärtskommen nicht nachlassen. Jährlich ergießt sich ein Strom von jüdischen, meist armen Studenten, an die Hochschulen des Auslandes. Gegenwärtig studieren im Ausland gegen acht Tausend jüdische Studenten aus Polen (soviel etwa auch in Polen). Die trostlose Situation dieser Jugend kam letztens zum Ausdruck während der vor kurzem in Warschau abgehaltenen Jahresversammlung des Hilfsverbandes der poln.- jüdischen Stucfenten im Ausland. Glaubt man, daß wenigstens den emigrierenden jüdischen Studenten die Behörden im In- und Auslände keine Schwierigkeiten bereiten, ist man im Irrtum. Hohe Paß- und Konsulargebühren, mehrfache Fremdentaxen an den Auslandsschuld!, dann Diplomtaxen, _ besonders bei der Nostrifikation.- all dies macht es schon vielen unmöglich, auch ins Ausland zu wandern. Zumal in den letzten Jahren mehrere Staaten sich gegen diese ,,Eindringlinge“ immer mehr airschnüren. So letztens auch die Tschechoslowakei, wo ähnlich, wie in Frankreich und Belgien, bis vor kurzem diese Jugend gute Aufnahme fand. Einzelne Länder gibt es nur noch in Europa, die diesen Wissensdurstigen offenstehen, besonders jetzt Italien. Die Schweiz kommt wegen der hohen Valuta nur für ,,Auserwählte“ in Betracht. Wenn trotz den materiellen Schwierigkeiten in der Fremde die jüdischen Studenten durchkommen, ihre Studien fleißig beenden — ist es dank den enormen Fähigkeiten, der Zähigkeit und Ausdauer dieser Jugend, die die Hoffnung hat, mit dem Diplom in der Tasche sich irgendwie eingliedern zu können. Aber die Tragödie beginnt erst dann. Die Nostrifikation der ausländischen Diplome stößt letztens in Polen auf sehr große Schwierigkeiten, und im Auslande, wo es auch der heimischen Studenten allzuviel gibt, können jüdische Diplomierte aus Polen nur in sehr seltenen Fällen sich selbständig machen. So sehen wir jetzt in Polen sehr viele jüdische Ingenieure, Mediziner u. a., die arbeitslos sind und nicht nur ihrem Beruf nicht nachgehen, sondern auch keine andere Beschäftigung finden können. Die Elternschaft ist pauperisiert, lebt in Elend und Not. Der jüdische Vater hat sein Letztes hergegeben, um dem Sohn das Studium zu ermöglichen. Nun ist das Studium beendet und der Sohn fällt wieder den Eltern zur Last, die doch in ihm eine Stütze zu finden hofften-