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Jüdische Rundschau · 1932-10-04 · Heft 79 (4.10.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 79 (4.10.1932)
Date
1932-10-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Wirtschafisfordernde Palästina -Arbeit Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldtnark, vierteljährlich 5.75 Goldmark. Awlandsabonnemenüi werden in de* Wahrung der einzelnen Lander berechnet, Anzeigenpreis: 8 gesp. Nonpareillezerte 0,50 G.- M Stelleneemiche 0,25 G.-M. Binmmer79 | Berlin, 4. X. 1932 Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin W15, Meinckestr.IO. Telefon: J I Bismarck 7165-70. AnzeißenschlnR: Dienstag und Freitag nachmittag• 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Po.!Scheck - Romen: Beilin 17392, Basel V 9355, Belgr.d 680 32, Brüssel 394 33, Budapest 596 93, Danzig 1973, Haag 140 470, Prag 59410, Riga 4155, ÖtrasshurE 164 30, Warschau 190708, Wien 156030 Bank - Kontent Dresdener Bank, Depositen - Kasse Berlin, Kurfürst enci«mm 52; Rumänische Kreditbank, Cernauii (Rumänien): Arsglo Palesüne Co. m Haifa, lorusalem, Tfl Aviv. ן ח תשרי תרצ״ג xxxvii. JahrgT ®•r Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm.** Schicksalsgemeinschaft Die Lage der luden in Osteuropa Waudiope fährt nach Genf Jerusalem, 29. September. (J.T. A.) Der High Commissioncr begibt sich am 5. Oktober zur Tagung der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes nach O e;1 f. Der Hjgh Com missioncr wird etwa einen Monat lang Palästina feriibleiben. Chefsckretär M. A. Y o 11 n g wird ihn im Amte vertreten. * Jerusalem, 29. September. (J. T. A.) Der High Commissioncr empfing Berl Locker, der sich gegenwärtig in Palästina aufhält. Eine Erklärung des Zentrums m preußischen parlamentarischen Kreisen hat es bei allen Parteien großes Aufsehen erregt, daß im Hauptausschuß des Landtages mit Hilfe der Zcntrnmsvertrcter, wie wir in der vorigen Nummer mitgeteilt haben, ein nationalsozialistischer Antrag angenommen wurde, der dahin geht, daß die Staatsregierung dem Landtag alsbald eine genaue Aufstellung verlegen sollte über die beschäftigten Ausländer und Juden, sowie über die• jenigen, die die deutsche Staatsangehörigkeit erst nach 1913 erworben haben. In der preußischen Zentrumsfraktion selbst ist man mit der Haltung der Parteivertreter im Hauptausschuß durchaus nicht einverstanden. Man entschuldigt die Zustimmung der Zentrumsabgeordneten zu dem Antrag damit, daß diese sich von den Nationalsozialisten hätten überrumpeln lassen und der politischen Tragweite ihrer Haltung sich im Augenblick der Abstimmung nicht bewußt gewesen seien. Bedauerlicherweise habe der in Kulturfragen maßgebende Zentrumsabgeordnete Dr. Lauscher an der Sitzung nicht tcilnehmen können, sonst wäre die Haltung der Zentrumsvertreter sicherlich eine andere gewesen. Wie die J. T. A. erfährt, wird bei der endgiiltigen Abstimmung im Plenum des Landtages die Stellungnahme des Zentrums zu dem antisemitischen Antrag einer Revision unterzogen und dieser dann abgefeimt werden. Der Wahlkampf. Immer stärker tritt im allmählich leb- Hafter weidende»׳ Kajppfe für die Reichstagswahlen bei den Natidnalsoiiälisteä difintisemitiscHe Note in den Vordergrund. So laßt '׳man jetzt 'die''berfl'cHtlStfnpaatiMjdsjozialistischen Ju‘denhet#r tuen in gr0׳'Sstld'tf|',cE'fp׳ÄlAmiHldHpn.::i״| '■Worte Js0nmet»,, Am .27, SeoltmH«iilfzBmStäi# ■׳ redner. Streicher wies an der Hand der ״Protokolle der Weisen von Zion“ nach, daß Reichskanzler Papen nur ein Vollzugsorgan des internationalen Judentums ist. Der ״Völkische Beobachter“ charakterisiert den Erfolg der Streicherschen Ausführungen mit folgenden Worten: ,,Viele sahen zum ersten Male den Vorhang weggezogen von der Tragödie ihres Volkes, ln stürmischem Beifall tat sich ihr Dank kund.“ Andererseits ist festzustellen, daß die Nationalsozialisten besonders in Berliner Arbeiterbezirken weniger mit antisemitischen als mit ״marxistischen“ Argumenten operieren. Von einer intensiven Wahlbewegung bei anderen Parteien ist vorläufig weniger zu merken. In jüdischen Kreisen ist noch stärker als bei den bisherigen Wahlen eine gewisse Unentschlossenheit festzustellen. Man hält wohl am Grundprinzip fest, daß kein Jude einer antisemitischen Partei seine Stimme geben darf. Wem er sie jedoch zuwenden soll, darüber besteht jetzt noch weniger Klarheit als bei den letzten Wahlen. Zwei Tote. In den letzten Tagen sind in Berlin der berühmte Maler und Graphiker Emil Orlik und in Köln Louis Hagen, der Chef des einflußreichen rheinischen Bankhauses A. Levy, gestorben. Beiden auf verschiedenen Gebieten menschlicher Betätigung zu verdientem Ruf und Ansehen gelangten Männern ist die jüdische •Abstammung und die Lösung ihrer Verbindung mit ihrem Volke gemeinsam. Wir sind weit entfernt davon, die Flucht aus dem Judentum irgendwie durch ein verständnisvolles Eingehen auf die Motive dieser Flucht zu entschuldigen. Trotzdem muß zwischen den Einzelfällen des Abtriinnigwerdens unterschieden werden. Weder Orlik noch Louis Hagen haben, was allgemein bekannt ist, ihren Austritt aus dem Judentum vollzogen, um bessere Chancen bei der Erlangung persönlicher Vorteile oder bei ihrem persönlichen Fortkommen zu gewinnen. Beide vollzogen diesen Austritt als Arrivierte. Emil Orlik war bereits ein weltberühmter Künstler, als er das Judentum verließ, Louis Hagen war Erbe einer angesehenen Firma und eines großen Vermögens, als er Glauben und Namen änderte. Beiden Männern erschien das Judentum belanglos, und sie zogen nur die Konsequenz aus einem tatsächlich vorhandenen Zustand, als sie äußerlich zum Ausdruck brachten,, daß sie durch keinerlei innere Beziehungen mit ihrer Gemeinschaft verbunden sind. Die Fälle Orlik und Hagen zeigen, daß durch den Auflösungs- und Abfallprozeß die jüdische Gemeinschaft sehr oft wertvolle Kiäfte verliert, die sie in ihrem Kampf, sich zu behaupten, sehr gut hätte verw'enden können. Orliks Interessen lagen auf rein künstlerischem Gebiete, und sein geringes Verständnis für die Nöte una die Strömungen innerhalb des Judentums finden durch seine künstlerische Inanspruchnahme eine gewisse Erklärung. Louis Hagen hat trotz seiner Taufe für jüdische Angelegenheiten ein gewisses Interesse bis an sein Lebensende bewahrt. Durch seine Ehe mit einer Nichtjüdin und durch die Verschwägerung mit Trägern hochklingender Namen war er jedoch so sehr in der Gesellschaftsklasse, der er sich angeschlossen hatte, verstrickt, daß dieses Interesse für jüdische Dinge nur sehr platonisch geblieben ist. Aus Anlaß des 85. Geburtstages des Reichspräsidenten von Hindenburg haben in allen Synagogen und Betsälen Berlins die Rabbiner in ihren Predigten auf den bedeutungsvollen Tag entsprechend hingewiesen. _ Warschau, 29. September. (J. T. A.) Etwa 25 000 jüdische Familien Warschaus haben sich an die Jüdische Gemeinde und die verschiedenen Wohlfahrtsanstalten um Unterstützung aus Anlaß der jüdischen*'Feiertage gewendet Wir haben mehrfach feststellen können, daß die Situation der deutschen Juden bei den Judenheiten in der ganzen Welt die größte Beachtung findet, und daß aus allen Ländern, in denen Juden leben, Stimmen laut wurden, die von der Verbundenheit der jüdischen Gemeinschaft und von dem starken Interesse der Juden für ihre in Deutschland lebenden Voiksgenossen Zeugnis ablegen. Diese Erscheinung ist als Zeichen jüdischer Verbundenheit um so stärker zu werten, als der Ausdruck des Mitempfindens auch aus der Mitte solcher jüdischer Gemeinschaften kam, die sich sAlbst in einer schweren politisehen, wirtschaftlichen und sozialen Notlage befinden. Wenn man erfährt, daß, um ein Beispiel anzufiihren, während der jetzigen jüdischen Feiertage in Warschau 25 OOO jüdische Familien, das sind, auf Seelen umgerechnet, mindestens 120 000 jüdische Seelen, sich um Unterstützung an die jüdische Gemeinde gewendet haben, daß, um ein zweites Beispiel zu neunen, bei den karpatho-russischen Juden Hunger herrscht und die Kinder jener Juden das Notwendigste entbehren, und daß trotzdem sowohl in Polen wie in Karpatho-Rußland das jüdische Interesse für das Schicksal der deutschen Juden nicht durch die eigene Not erstickt wird, so kann man diese Beweise der Verbundenheit nur mit Rührung registrieren. Diese Sachlage legt aber den Juden in Deutschland eine gewisse Verpflichtung auf. Seit jeher haben deutsch-jüdische Gesellschaften gemeinsam mit Organisationen in Amerika, England, Frankreich und 1n anderen Ländern es als selbstvcrständliche Aufgabe betrachtet, sich an Aktionen zu beteiligen, deren Ziel Fürsorge für die notleidenden jüdischen Massen in Osteuropa gewesen ist. Diese Bestrebungen haben in der Zeit nach dem Kriege, während der Inflation, und In den letzten Jahren, während der allgemeinen Wirtschaftskrise, natürlicherweise nicht das Ausmaß an realer Hilfeleistung erreichen können, wie in früheren Jahren, da die jüdisch-deutsche Gemeinschalt zu den wohlhabendsten Teilen des jüdischen Volkes gezählt werden konnte. Trotzdem ist auch in der Zeit der schweren Prüfungen für das deutsche Juderitum das Bewußtsein, :jdÄ׳.« zur Mitarbeit mit anderen interterritorialen jüdischen :Mil*»@i1jiÄ»i«*tk>»««v Di•- Kundgebungen der Sympathie der Judenheiten in allen Lindern und nicht zuletzt der Juden in Osteuropa haben dieses Pflichtgefühl der deutschen Juden nur noch zu verstärken vermocht. Allerdings muß mdn sich sagen, daß angesichts der in der letzten Zeit bis zu einem unvorstellbaren Grade gestiegenen Not der jüdischen Massen in Polen, Rumänien, Karpatlio-Rußland und in anderen kleineren Staaten auch die stärkste Hilfsbereitschaft nur in einem bescheidenen Maße imstande sein kann, wirksame Hilfe zu bringen. Es ist nicht zu übersehen, daß die objektiven Voraussetzungen, die es den großen jüdisehen Hilfsorganisationen noch vor einigen Jahren ermöglicht I hatten, große Opfer zu bringen, heute nicht mehr gegeben Die zionistische Aktion in Berlin Die zweite zionistische Stadtkonferenz in Berlin proklamierte für 5693 den Absatz von 10000 Schekalim in Berlin, ln zuversichtlicher, arbeitsfroher Stimmung trat die Tagung zusammen, und alle Teilnehmer waren von dem Willen beseelt, die Konferenz mit der Absicht zu verlassen, um in alle Bezirksgruppen und zionistischen Verbände eine neue Arbeitsstimmung zu bringen. 120 Delegierte vertraten alle zionistischen Gruppen Berlins, und einige hundert Gäste folgten gespannt den Beratungen von vormittags bis zum späten Abend. Nach Eröffnung der Konferenz durch den Vorsitzenden der Berliner Zionistischen Vereinigung, Herrn Dr. Scflön, und nach Erledigung der Formalien gab Dr. Werner Bloch einen Bericht über die zionistische Arbeit in Berlin von der ersten Stadtkonferenz (Januar 1932) bis zum Zusammentritt der Tagung. Dr. Bloch stellte die Wirkung der ersten Stadtkonferenz dar und berichtete über die Durchführung der von der Stadtkonferenz angenommenen Beschlüsse. Der Vorstand der B. Z. V. und die seinerzeit gewählte Arbeitslommission haben den Weg beschritten, der im Januar vorgezeichnet worden ist. Bei Berücksichtigung der komplizierten Verhältnisse in Deutschland und bei Berücksichtigung der finanziellen Sorgen kann inan feststellcn, daß die Anfänge eines neuen organisatorischen Aufbaus der B.Z. V. in Angriff genommen worden sind. Kurt Bfumenfeld ging in seinem Referat ,,Die zionis tische Aufgabe in Berlin“ von dem Ergebnis des Delegiertentages aus, schilderte den Erfolg der Frankfurter Tagung und betonte, daß insbesondere in Berlin zu einer großzügigen zionistischen Offensive geschritten werden müsse. Blumenfeld gab noch einmal in prägnanten Worten eine Uebersicht über die jüdische Situation in Deutschland, Er knüpfte dabei an sein Referat vom Delegiertcntag an und betonte, daß die Zeit gekommen sei, daß aus der zionistischen Erkenntnis Konsequenzen für das jüdische Leben in Deutschfand gezogen werden müssen, und daß alles darauf ankäme, daß wir die Konsequenzen klar erkennen und daß wir zu einer führenden Stellung irn deutschen Judentum aufrücken müssen, um den Juden in Deutschland jüdisches Selbstbewußtsein und innere Sicherheit zu geben. In der politischen Welt ist man daran gewöhnt, daß eine Regierung oder irgendeine Gruppe die Führung habe und die politische und sonstige wichtige Arbeit leiste. In der zionistischen Welt sei es unmöglich, daß die Zionisten sich in diesem Sinne auf eine Führung verließen. Bei uns käme aiies darauf an, von welch entscheidender Bedeutung die Erhaltung und der Ausbau der Zionistischen Organisation für die Fortführung unseres Werkes ist. Gerade unser Jischuw in Palästina wird alle Schwierigkeiten ertragen, aber er muß das Gefühl haben, daß in der j Galuth eine starke zionistische Organisation vorhanden ist. 1 sind. Erstens sind auch die ehemals in günstigen materiellen Verhältnissen lebenden Judenheiten in Uebersee merklich verarmt, und zweitens hat jede jüdische Gemeinschaft soviel Not im eigenen Lande zu lindern, daß sie nicht mehr wie früher imstande ist, ihre llauptleistungen den jüdischen Massen in Osteuropa zugute kommen zu lassen. Die j ü d i s c 11 e N o t i s t eine a i 1 w e 111 i c 11 c Erscheinung geworden. L ä n - d e r , d i e früher in der Liste der Gebenden s t a n - den, sind heute Bedarfsländer geworden. Die Juden in Deutschland haben diesen Wandel zur Genüge kennen gelernt und vermögen daher Verständnis aufzubringen, daß auch anderwärts eine ähnliche Entwicklung vor sich gegangen ist Diese neue Situation im jüdischen Leben heischt dringend eine prinzipielle Umstellung auf allen Gebieten jüdischer Tätigkeit. Da die Notlage der Juden eine allweltliche ist, müssen auch alle Maßnahmen, die eine Linderung dieser Not und eine grundsätzliche Wandlung der gesellschaftlichen Struktur des jüdischen Volkes zum Zwecke haben, nach einem ein heitliehen Plane getroffen worden. Der Zustand der mehr oder weniger isoliert lebenden und isoliert zu Werke gellenden jüdischen Gemeinschaften muß so rasch als möglich ein Ende finden. Auf allen Gebieten der Wirtschaft macht sich das Bedürfnis nach Neuorganisation, nach Ausschaltung überflüssiger Verwaltungsspesen, nach Eliminierung leerlaufender Betriebe bemerkbar. Warum sollte dieses Prinzip einer durchaus vernünftigen, gesunden Rationalisierung nicht auch auf dem Gebiete gesamtjüdischer Hilfstätigkeit zur Anwendung gebracht werden? An Versuchen dieser Art hat es ja bisher nicht gefehlt. Die verschiedenen Weithilfskonferenzen waren der sichtbare Ausdruck dieser Bemühungen. Die psychologischen Voraussetzungen für eine Verwirklichung dieser zentralistischen Bestrebungen haben jedoch in den guten Jahren gefehlt. Diese guten Jahre sind nun in allen Länder» jüdischer Siedlung vorüber. An ihre Stelle ist bittere Not getreten. Vielleicht wird die Not das bewerkstelligen, was die Einsicht Einzelner nicht imstande war durchzuführen. Wir treten in Ain neues Judenjähr und befinden uns vor die Winter, welche wir hinter uns haben. Das Gefühl der jüdl• sehen Verbundenheit in der ganzen Welt, die Verpflichtung zur gegenseitigen Hilfe müssen verstärkt werden. In dem Verband der jüdischen Gemeinschaften in der ganzen Welt, die sich, durch die Not gedrängt, Zusammenschlüßen sollen, darf das deutsche Judentum nicht fehlen. Wiewohl es selbst in der eigenen Gemeinschaft leider viel Gelegenheit zur Betätigung der Hilfsbereitschaft hat, darf es nicht vergessen, daß es durch Schicksalsgemeinschaft mit denjenigen J u d eit verbunden ist, die sich in einer noch schwierigeren Lage und in einer größeren seelischen und wirtschaftlichen Not befinden als die Juden in Deutschland. In diese zionistische Organisation müssen junge Kräfte einströmen. In der Aussprache zu beiden Referaten wurde» wichtige Anregungen für die praktische zionistische Arbeit in Berlin gegeben. In der Nachmittagssitzung referierte Dr. Elias Auerbach: ״Palästina von heute in unserer zionistischen Arbeit“ und gab in seinem Referat eine umfassende Zusammenstellung zu der Frage, welche Rolle Palästina in der praktischen zionistischen Arbeit spielen muß. Er betonte die Notwendigkeit, daß die Zionisten sich Kenntnisse von Palästina an eigrien müssen und gab Grundgedanken für die Schulungsarbcit. Ein lebendiges Bild von Palästina müssen uns all diejenigen übermitteln, die Palästina besucht haben und die spezielle Gebiete Palästinas durch eigene Anschauungen kennengelernt haben. Im Rahmen dieser Diskussion 'sei auch die politische Frage und die Araberfrage von Bedeutung, weil es bei einer Schulung von Zionisten auf Problcmdiskussian ankomme. Zu dieser Schulung gehören auch Palästinakurse und die notwendige Beherrschung der hebräischen Sprache. Die Zionistische Organisation müsse sich für eine Palästina- Propaganda nach außen weit mehr als bisher der Bildpropaganda, der Materialpropaganda (Zahlen und Diagramme) und der Filmpropaganda zuwenden. Diese Richtung der Propa« ganda könne zum Schluß in eine Palästinaausstellung münden, wodurch unsere Leistungen in Palästina deutlicher und wirkungsvoller zum Ausdruck kommen, als durch noch soviel Reden über Palästina. Direkte Palästinaarbeit betrifft zuerst unsere Fonds, Keren Hajcssod und Keren Kajemeth. Darüber hinaus müssen unsere Menschen direkte persönliche Beziehungen zu der Arbeit in Palästina haben. Es muß eine organisierte Palästina-Touristik geben, und die Orfjanisation muß Mittel und Wege suchen, um mit Hilfe von Sparkassen usw. billige Palästinareisen zu organisieren. Daß heute die wirtschaftliche Lage in Palästina ein; gute ist, weiß mittlerweile jedermann. Es gibt in Palästina in der Anlegung von Pflanzungen, im Bau und Erwerb von Grundstücken, in der Anlage von Hypotheken usw. Kapita'saniagcmögliehkeiten, die mindestens so gut sind, wie die Aiilagemögliclikeiten in Deutschland. Auch all diese Fragen müssen von der ürganisation in einer speziellen Kommission ernst beraten werden. Zum Schluß betont Dr. Auerbach, daß die direkte Palästinaarbeit für unser Werk von entscheidender Bedeutung ist. Was heute schon in Palästina ist, haben wir aus eigener Kraft geschaffen, und wir werden auch alles Spätere aus eigener Kraft schaffen müssen. In der Aussprache am Nachmittag wurden die Anregungen von Dr. Auerbach und die Anregungen der Vormittag- Sitzung für die Arbeit ergänzt. Der Vorstand der B. Z. V. hat ein reiches Arbeitsgebiet vor sich, und die Konferenz hat gezeigt, daß er sich für die Durchführung auf genügend Kräfte in Berlin wird stützen können, um die Parole: 10 000 Schekalim für 5693, in die Tat umzusetzen.

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