Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 78 (30.9.1932)
- Date
- 1932-09-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2653348-2653427--23203-2681538- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 380 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 78, 30. IX. 1932 Kleine Nachrichten Jerusalem, 28. September. (J. T. A.) In den letzten r׳;,en fanden zwei Prozesse statt, die 600;) Dtinam Boden auf Wa.ii I lawarith betrafen, deren Besitz dem Keren Kajemeth seiiens anwohnender Araber strittig gemacht worden war. In beiden Prozessen siegte der Keren Kajemeth..Das Gericht erkiniite ihn als den rechtmäßigen Besitzer der Böden an. Jerusalem, 26. September. (J. T. A.) Auf einem dem Hause des Keren Kajemeth Lejisrael angrenzenden Grundstück wurde mit dem Bau eines Hauses für den Keren Hajessod und den Wand Leumi begonnen. Die Versicherungsgesellschaft ״Phönix“ hat durch Gewährung eines Darlehens die Ausfüllri.ng des Neubaus ermöglicht. j c r u s a I e rn , 28, Septerber. (J.T. A.) Dr. G i s s i n , das jüngste Mitglied der Gruppe der Bilu, ist am 26. September im Alter von 67 Jahren in lel-Awiw verstorben. Von der Bilu- Gri ppe leben heute nur noch vier Mitglieder. Art der Bestattung Dr. üissins am 27. September nahmen Abordnungen des Jischuw aus ganz Palästina teil. Am offenen Grabe sprachen der ArbcKeriührer Ben Gurion, Dr. David Ycllin, Dr. Mossinson, Berl Katzenelson, der Vizcbiirgermcister von Tel-Awiw u. a. m. Cissui wurde in der Nähe der Grabstätten von Achad Haarn und Dr. Max Nord au beigesetzt. Jerusalem, 28. September. (J. T. A.) Das Oberste Gericht Palästinas hat das auf 15 Jahre Gefängnis lautende Uri eil gegen R a s e h e d Osman, einen der Mörder der zwei jungen Juden Frust Stahl und Fräulein Zoliar-(ioklsteiii bcstätigt. Ebenso bestätigte das Oberste Gericht das Todesurteil gegen Mustapha Jeebawi, der Frau Miller, die Gattin eines englischen Beamten, ermordet hat. In den zehn Monaten vom Oktober 1031 bis zum Juli 1032 gingen im Hauptbüro des Keren Kajemeth in Jerusalem 142 615 Pfund an Spenden ein. In der gleichen Periode des vorangegangenen Jahres waren 156 607 Pfund eingegangen. Edmond de Rothschild stiftete ein größeres Grundstück in Jerusalem zur Errichtung einer orthodoxen j ü - disclien Schule. Saloniki, 26. September. (J. T. A.) Bei den in Griechenland jetzt durchgeführten Waiden zum Parlament und zum Senat wählten die Salonikier Juden, wie bisher, in einem gesondenen jüdischen Wahl-Sektor. Die Salonikier Juden wählten zwei Kandidaten der vorn Führer der Opposition gegen Venizefos, Tsaldaris, geführten Volkspartei und einen Kommunisten in das Parlament bzw. Senat. Die drei bisherigen jüdischen Vertreter im Parlament bzw. Senat, der Ex-Senator Ascher Mallall, Präsident der Zionistischen Föderation Griechenlands, und die Ex-Deputierteri Bcssantchi und Dr. Matalon, ebenfalls prominente Mitglieder der Zionistischen Föderation, Wieberi in der Minderheit. Sofia, 25. September. (J. T. A.) Die bulgarischpalästinensische Handelskammer in Sofia errichtet mit Unterstützung des bulgarischen Konsuls in Tel-Awiw, der Gesel.'schaft ״Mi s ׳ c h a r W ctaassia“ und des bulgarischen Komitees der Jewish Agency eine ständige Ausstellung palastin ensischer Produkte und veranstaltet in den Monaten Februar-März 1033 eine Palästina-Fahrt bulgarischer Wirtschaftler zur Ausgestaltung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Bulgarien und Palästina. Im rumänischen Parlament kam es zu einer schweren tatliehen Provokation gegen den jüdischen Deputierten Landau, der von antisemitischen Abgeordneten niedergeschlagen wurde. Die Pisziplinarkommission der Kammer beantragte den Aus- Schluß der antisemitischen Angreifer für zehn Sitzungstage. Belgrad, 23. September. (J.T. A.) Die Landeskommission des Keren Kajemeth für Jugoslawien hat .die VerpflicUtung übernommen, zwecks Ansiedlung von Chaluzim unter den Juden Jugoslawiens in den nächsten drei Jahren jährlieh eine Million Dinar für den Keren Kajemeth Lejisrael aufzu bringen. Die Kampagne wird unter der Devise ״Boden für jugoslawische Chaluzim“ geführt. Der Boden, den das Direktorium des Keren Kajemeth auserwählt hat, befindet sidi in der Orangen-Zone in unmittelbarer Nähe der Wadi Hav.a; ith-Böden. M. M. Ussischkin wird demnächst Jugoslawien besuchen. Zu seinem Empfang werden in Belgrad und in Zagreb (Agram) graße Vorbereitungen getroffen. New York, 21. September. (I. T. A.) Der ״Vorwärts“ in New York teilt mit, daß Organe der G. P. U. in der Sowjetunion seit 1. August d. J. wiederum Teile der jüdischeu Bevölkerung terrorisieren, um sie zu bewegen, etwa in ihrem Besitz befindliche Dollar-Noten herauszugeben bzw. von ihren Verwandten im Auslande ausländische Valuta zu erbitten, um diese dann der Sowjetbehörde auszuliefern. ״Vorwärts“ stützt seine Behauptungen auf Briefe, die amerikanische Juden von ihren Verwandten aus Rußland erhalten haben. Wiens neuer Erzbischof, Universitätsprofessor Dr. Theodor 1 nnitzer, gilt als der am judenfreundlichsten gestimmte katholische Politiker Oesterreichs. Als Universitätsrektor hat er energisch jeden Versuch zu antisemitischen Ausschreitungen unterdrückt und die Gleichberechtigung der jüdischen Studentcnschaft gewahrt. Prof. Innitzers Sympathien gelten besonders dem religiös-konservativen und dem zionistischen tiden-ium. Er war auch Mitglied des P r o - P a 1 ä s t i n a - oniitees und unternahm als Palästina-Altertumsforscher wiederholt Reisen in das Heilige Land. In seinen Vorträgen vor dem katholischen Volke Oesterreichs gedachte er auch lobend des jüdischen Aufbauwerkes in P a I ה s t i n a. Aus den Gemeinden Eine Kundgebung der Jüdischen Volkspartei. Am 26. September fand eine von mehr als 1000 Personen besuchte öffentliche Kundgebung der Jüdischen Volkspartei im Großen Saal des Lehrervereinshauses statt. Das Thema lautete: ״Rösch Haschanah 1932“. In der Kundgebung, die unter dem Vorsitz von• Dr. Abraham St e inert stattfand, sprachen die Herren Rabbiner Dr. Emil Cohn, Redakteur Moses Waldmann, der Präsident des Verbandes ostjüdischer Organisationen, Moses G oldmann, lind Prof. Dr. Heinrich Locwe. Die Redner schilderten die Situation der in Deutschland lebenden Juden in dieser Zeit und gingen besonders ausführlich auf alle diejenigen Maßnahmen der Selbsthilfe ein, die in dieser Notzeit zu ergreifen seien. So fanden die Bestrebungen zur wirtschaftlichen Selbsthilfe, die Tendenzen der Genfer jüdischen Weltkonferenz und die Frage der Zusammenfassung der deutschen Juden in einem Reichsverband besondere Berücksichtigung. Auch die Fragen der Kulturarbeit der jüdischen Schulen und der Hebraisierung wurden besprochen. Die Ver- Sammlung war als ein Auftakt zur Winterarbeit der Jüdischen Volkspartei gedacht. Unter den Teilnehmern gab sich auch eine Bereitschaft zu verstärkter Aktivität kund. * J o h a 11 n i s b 11 r g , 21. September. (J. T. A.) Die General- Versammlung des Synagogenrats der vereinigten jüdischen Gemeinden Südafrikas hat mit 34 gegen 34 Stimmen, also mit Stimmengleichheit, den Vorschlag, den Frauen Wahlrecht zu den Körperschaften der jüdischen Gemeinde zu geben, a b g e 1 e h n t. Der Antrag wird in der Jahrestagung der Synagogenvereinigung noch einmal zur Abstimmung gestellt werden. Vermischtes Einstein-Vortrag. Auf Einladung des Verbandes jüdischer Studentenvereine in Deutschland, e. V., hält Professor Albert Einstein einen volkstümlichen Vortrag: ״Der Weltraum“. Der Vortrag findet im Beethovensaal (Köthener Straße 32), Sonntag, den 16. Oktober, 8 Uhr abends, statt. Karten zu 1, 2, 3 RM. bei Bote & Bock (Leipziger Str. 37 und Taucntzienstr. 7 b), und in sämtlichen Wertheim-Warenhäusern, Der Hebräische Kindergarten des Jüdischen Schulvereins, Klopstockstr. 58 (1 Min. v. Bahnh. Tiergarten), nimmt noch einige Kinder im Alter von 3—6 Jahren auf. Der Kindergarten ist täglich von 9—1 Uhr geöffnet. Auskunft und Anmeldungen bei der Leiterin: Fr. Alice Weiß-Stadthagen, tägl. von 8—10 Uhr (Tel.: Amt Tierg. 2084). Dresden. Am 18. September sprach Dr. Nahum Goldmann in einer gut besuchten Versammlung über ,,Wandlungen im amerikanischen Judentum“. Dr. Goldmann schilderte die historiscire Entwicklung des amerikanischen Judentums bis zu der Zeit vor dem Kriege und die Wandlungen in den Kriegs- und Nachkriegsjahren. Er beschränkte sich nicht allein auf die wirtschaftliche Seite, sondern dehnte seine Betrachtungen auch aut die geistigen Kräfte der Juden Amerikas aus. Die Anwesenden verfolgten seine Ausführungen mit großer Aufmerksamkeit und zollten dem Redner lebhaften Beifall. Plauen 1. V. (Z e i r e M i s r a c h t.) Der Zeire Misrachi veranstaltete am 15. Sept. einen Vortragsabend zugunsten des Lehrgutes Rodges, an dem Herr Lazarus Barth, Berlin, über ״die Lage der Juden in Deutschland sprach“. An der Veranstaltung nahmen über 100 Leute teil, eine für Plauen verhältnismäßig grqße Besucherzahl. An der anschließenden regen Aussprache beteiligten sich außer einem Revisionisten und einem Chawer aus dem Brith Haolim mehrere Mitglieder der Geserd. Sassoon Jecheskel Effendi. Zu dem in der vorigen Nummer der ״J. R,“ erschienenen Aufsatz schickt uns der Autor, Dr. Walter Fischel (Jerusalem), noch nachstehende biographische Daten des verstorbenen Staatsmanns: 1860 geboren, besuchte Sassoon die Allianz-Schule, erlangte das Londoner Abitur, studierte dann in Wien Jurisprudenz, zusammen mit Abbas Hilmi, dem früheren Khediven Aegyptens, und kehrte 1884 als Anwalt nach Bagdad zurück. 1885 wurde er von dem türkischen Sultan Abdul Hamid in Audienz empfangen und zum offiziellen Dolmetscher bei den türkischen Behörden im Irak ernannt. Bis 1904 stand er im politischen Dienst und wirkte dann vorübergehend als Direktor einer großen Schiffsgesellschaft. Mit dem Ausbruch der türkischen Revolution im Jahre 1908 wurde er als Abgeordneter Iraks in das türkische Parlament geschickt; er hatte mehrere hohe Posten im Ministerium für Handel und Landwirtschaft inne und wurde auch in einer politischen Mission nach London und Paris deputiert. Bis nach dem Weltkrieg fungierte Sassoon als Abgeordneter Bagdads im türkischen Parlament. 1920 Finanzminister im ersten national-arabischen Ministerium, an dessen Zustandekommen er überhaupt einen besonderen Anteil hatte. Viermal bekleidete er den Posten eines Finanzministers und eines Beraters in den wichtigsten poiitischen und wirtschaftlichen Kommissionen. Immer wieder bediente man sich seines Rates und Einflusses. Dreimal war er Vertreter der Juden im Parlament. Die Liste der Titel, Orden und Ehrenbezeugungen von der Türkei, Persien, Irak und England stellt ein einzigartiges Dokument dar. Wohl wenige judische Staatsmänner haben eine solche Laufbahn gehabt, die bis zuletzt eine aufsteigende Linie darstellte. NAEMÄPI WELTV m BAND Besuch in Berlin. Der PrästiDnt dos LilÄUttdien Makkabikrei־ srs, Dr. ILibinowrisch, wuillo au{ Her Rückkehr von Erez Israel in Berlin und hatte mit dem Präsidium des Makkabi-Welt verband* Besprechungen ülx3r die Makkabi-Arbeit in Litauen. Deutscher Makkabikreis BAR KOCHBA HAKOAH mi jsßp&i uno oie erste fRAUUflßWH ein RepoRTflcerum Aufführung am 12., 13., 16. Oktober H9 Uhr im Bar Kochba Hakoah- Holm, Im Rahmen der Makkablah - Ausstellung Jugendliche 30 Pf. / Erwachsene 60 Pf. Berlin. J 11 er ח n <1 k k 1 11 1> k .ו m j) f. Am 25. September trafen sich die \ ereine l!;1r Ivocliba-I’nmdenburg-Iiumlioldt zu einem Klubkämpf. Der vorjährige Sieger Brandenburg mußte sich diesmal vor Bar Kochba bergen. Mil einem großen Vorsprung gewannen unsere Jugendlichen mit 44 533 Punkten vor Brandenburg mit 42 383 und Humboldt mit 41 832 Punkten. Erfreulich war der gute Durchschnitt, der sieh besonders in der großen Sfhhißstaffei 2()>;200 hemerkbar machte, die wir mit ca. 50 m vor Humboldt gewinnen konnten. Vor allen Dingen schnitten wir lx>i den technischen Uebungen recht gut ah, die für uns bisher immer schwer zu besetzen waren. K. S. Beuthen. Am 10. September fand eine Vorstandssitzumr der Hakoah statt, zu welcher Vertreter der Vereine Glciwilz und!linden• bürg geladen waren, und wo über eine Zusammenarbeit der drei Vereine gesprochen wurde. Die Beuthener Hakoah veranstaltet am־ 6. November ein Anturnen, das hernach in Gleiwitz wiederholt werden soll. Kadimali. Walter Mecklenburg-Aktion. Die Bundesleitung des Kadimah teilt allen Jugendhünden und Freunden der Walter Mecklenburg-Aktion mit, daß alle Gelder von nun ab nicht mehr an das Konto Berlin 149 865, sondern an das Konto der Jüdischen Waisen hilfe Berlin 19 583 für ״Walter Mecklenburg-Aktion“ überwiesen werden sollen. Außerdem kann der Bund allen Bünden und Helfern Propagandamateria! in begrenzten Mengen zur Verfügung stellen. Anfragen an das Büro des Kadimah, Berlin W 15, Meinekestraße 10. Die Aktion läuft nur bis zum 31. 12. 32. Alle Bünde und Freunde müssen die Intensität für die Aktion verstärken. Arbeitsnachweis. Handwerkliche Lehrstellen für Knaben und Mädchen für alle Berufe werden dringend benötigt. Wir bitten auch Lehrstellen, die zu Ostern frei werden, möglichst bald bei der Berufsberatung der Jüdischen Gemeinde zu melden. Wir haben gut ausgebildete Handwerkerinnen jeder Art vorgemerkt. — Sprechstunden der Berufsberatung: für Mädchen: Montag und Donnerstag von 10—1 Uhr, für Knaben: Dienstag und Freitag von 10—1 Uhr; Sondersprechstunden der Berufsberatung: Dienstag von 3—5 Uhr (freiwilliger Arbeitsdienst, Berufswechsler); Berufsberatung für Bewohner des Westens und der westlichen Vororte: Donnerstag von 3—6 Uhr, Fasanenstr. 79. Weibl. gewerbl. Abteilung (Handwerkerinnen, ungel. Arb.) täglich, außer Mittwoch, von 12—1 Uhr. ALLIANZ UND STUTTGARTER VEREIN V ERS1CHERUN GS -AKTIEN -GESELLSCHAFT ALLIANZ UND STUTTGARTER LEBENSVERSICHERUNGSBANK AKTIENGESELLSCHAFT m Zeichen des wirtschaftlichen Aufschwungs gewinnt auch die Versicherung, die sich als erfreulich krisenfest erwiesen hat, erneut an Bedeutung. Unerschüttert stehen unsere Gesellschaften dank unseren soliden Geschäftsgrundsätzen an der Spitze aller kontinentaleuropäischen Versicherungsunternehmungen. Unsere finanzielle Kraft Sicherheitsmittel und Reserven: Allianz, u, Stuttgarter Verein 208000000 M. Allianz u. Stuttgarter Leben 550000000 M. (ohne Berücksichtigung der übrigen KonzerngeselJachaften). Unser Dienst am Kunden Jede Minute, Tag und Nacht, wird von uns ein Schaden erledigL Täglich zahlen wir 360000 Mark an Geschädigte (Versicherte oder Dritte). Unsere Lebensversicherung umfaßt weit mehr als 800 000 Versicherungen über 3,2 Milliarden Mark. Unsere Versicherten sind an unseren Gewinnen fast restlos beteiligt. Jeder dritte Haushalt in Deutschland hat uns eine Lebens- oder Sachversicherung anvertraut Wir verwalten insgesamt 5600 000 Policen. Organisationszentrale Groß ־ Berlin, Richten auch Sie freundlichst alle Ihre Zuschriften. Anlräge und Anrufe an die Berlin W 9, Bellevuestraße 14. Fernsprecher: B 2 Lützow 7971 und 8013 (Dr. Kirschner)