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Jüdische Rundschau · 1932-09-27 · Heft 77 (27.9.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 77 (27.9.1932)
Date
1932-09-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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# Brodetsky: Pfe politische Lage des Zionismus Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU ErscheinejedenDienstag u.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldimrk, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Au*l«nd»1bOTj»nj#«t* werden in der Währung der aimelnen Linder berechn«. Anreisenprei»: 8 gMp. Nenpareillenfl• 0.50 G-M. Stellengesuche 0,25 G.-M. Redaktion, Verlag und Anzeigen -Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b. H״ Berlin W15, Meinekeatr.10. Telefon: J 1 Bismarck 716570־. Anzeigenschluß: Diangtag und Froitig nachmitrag• 4Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Po»11ch«ck - Konten: Berlin 17392, Base! V 9355. Belgrad 68032, Brussel 39433, Budapest 596 93, Danzig 1973, Haag 140 470, Prag 59410, Riga 4155, Strasahurg 164 30, Warschau 190708, Wien 156030 Bank-Konten: Dresdener Bank, Depositen * Kasse Berlin, Kurfüratendatnm 52; Rumänische Kreditbank, Gemauti (Rumänien): Aaglo Paiestin« Co. in Haifa, lensestem, Tel -Aviv. כ״ו אלול תרצ״ב | xxxrn Jahrg. P*r *1•«1"■«1י*» Mrt|l«W *Pr «*■» iueisch« Volk Ule Schaffung einer öffentlich. rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.•• Zehn Jahre Palästina- Arbeit Ein Vortrag Weizmanns in Zürich Zürich, 23. September. (J. T. A.) Am 22. September sprach Dr. Chaim Wcizmann über das Thema: ״Zehn Jahre Palästina-Arbeit“. Es ist kein leichtes Thema, sagte Dr. Wcizmann, das ich gewählt habe; ich soll darlegen, wie sich das Palästina-Mandat ausgewirkt hat. Denn mit allen seinen Klauseln war das Mandat nur ein Rahmen, eine Art Vertrag — von manchen sogar in seiner Rechtsgültigkeit angezweit'elt —, dem erst ein Inhalt gegeben werden mußte. Die Basis für das Mandat war die Balfour-Deklaration. die das Recht des jüdischen Volkes, sich in Palästina eine Heimstätte zu erbauen, anerkennt; das Mandat verwandelte die Juden in eine juristische Körperschaft, die Jewish Agency, die zwei Funktionen zu erfüllen hat: erstens die Mandatarmacht zu beraten, zweitens, — was viel wichtiger, verantwortlicher und schwieriger ist — Trägerin der Aufbauarbeit zu sein. Nach zehn Jahren Aufbauarbeit sind wir aus dem Stadium des Experiments herausgetreten und eingetreten in ein normales Leben, und wir führen ein ganz und gar nicht abenteuerliches Dasein. Im letzten Jahrzehnt sind 120 000 bis 130 000 Juden in Palästina eingewandert. Wären die Grenzen offen, es würden zwei Millionen Juden aus Polen, Rumänien und anderen Staaten zur Einwanderung bereit stehen. Meine Ueberzeugung ist, daß man ein Land nur schrittweise aufbauen kann; wir dürfen uns nicht eine Chance, die uns in 2000 Jahren einmal gegeben wird, verscherzen. Im vergangenen Winter besuchte ich Südafrika, das so groß ist, daß Palästina in seiner Westentasche verschwinden könnte. Allein Rhodesien ist 75mal so groß wie Palästina. Dort hat man in 50 Jahren im ganzen 60 000 Weiße angesiedelt, dies trotz der hinter dem Siedlungswerk stehenden organisierten Macht Englands, wobei der Fi'ihrer des Siedlungswerkes, der nicht etwa ein Wiener Journalist oder ein bescheidener Chemiker war, sondern Cecil Rhodes ibe r die (ic*!d BRö* Transvaals'•verfugte und eia waaser- Und waldreiches Land vor sich hatte. Uns hat man in Palästina nicht mit offenen Armen empfangen. Auch kann man nicht behaupten, daß sich die englische Regierung unsertwegen ein Rein ausgerissen hat — um nicht mehr zu sagen. Nichtsdestoweniger haben wir in Palästina in zehn Jahren doppelt so viel Menschen angesiedelt, als Rhodesien in 50 Jahren. Gegen die Annahme der klugen Experten, die von einer Ueberfüllung des Landes sprechen, ergeben sich bei der Intensivierung der jüdischen Einwanderung nach Palästina immer neue Möglichkeiten für weitere Einwanderung, ln den nächsten Monaten wird der Hafen von Haifa eröffnet, in spätestens zwei Jahren wird die Pipe Line Mosul—Haifa in Tätigkeit gesetzt. Es ist nicht unmöglich, daß Haifa in fünf bis zehn Jahren sich zu einer Hafenstadt entwickelt, die Alexandrien die Priorität streitig macht. Haifa ist der Ausgangspunkt für ein weites, heute noch unentwickeltes Gebiet, das sich aber entwickeln wird. Und Haifa hat als Hintergrund den Emek, das Hauptzentrum unserer kolonisatorischen Tätigkeit. In fünf bis sechs Jahren wird Haifa eine Großstadt sein, eine Großstadt mit einem von einem jiidischen Bauernvolk bewohnten Hinterland. Heute schon reist man von Tiberias bis Haifa auf jüdischem Boden, mitten durch jüdische Dörfer. Wcizmann gab einen Ueberblick über die kulturelle jü* dis che Entwicklung in Palästina und kam dann auf das Verhältnis zu den Arabern zu sprechen. Eine Spannung sei vorhanden; im Interesse der Arbeit und des guten jüdischen Namens müsse man darauf hin* arbeiten, daß diese Spannung verringert werde. Gute Ansätze hierzu sind in der Wirtschaft zu bemerken. Wenn es uns in der gleichen Weise wie bisher gelingt, diese Linie langsam und mit Festigkeit ־weiter/uführen, muß der Antagonismus schwinden, zumal wenn sich die politische Situation verbessert und eine Regierung in London sitzt, die keinen Passfield zum Kolonienminister hat, und eine Administration in Palästina vorbanden ist, der kein Chancellor als High Commissioner vorstellt, also bei einer Politik, die Verständnis für unsere Aufbauarbeit zeigt, wenn sie uns auch nicht gleich um den Hals fällt. Wenn sich die Situation nicht verschlechtert, könnten wir in den nächsten vier Jahren mit einer Einwanderung von jähr* lieh 10 000 Menschen rechnen. Ich glaube, daß wenn wir noch 40 000 bis 50 000 Menschen ins Land bringen, wir, unter Berücksichtigung des natürlichen Zuwachses, vor Ueberfällen gesichert sein werden. Die Sicherheit darf aber nicht in jüdischer Polizei oder englischen Bajonetten bestehen, sondern in unserer eigenen unerschütterlichen Festigkeit. Der Tag, an dem die britische Armee Palästina wird verlassen können, wird für mich der Tag sein, von dem angefangen unsere Heimstätte auf sicherer Grundläge steht. Weizmann sprach eingehend über die finanzielle Situation Palästinas und riet denjenigen, die ihr Geld noch nicht an den Börsen von London und New York verloren haben, es in Pa- «lästina anzulegen. Auf der palästinensischen Börse — die nicht existiert herrscht Hausse. Aber wir rechnen nicht mit der Konjunktur des Tags, wir bauen langsam und geduldig, setzen einen Ziegel auf den anderen, bauen ein Dorf nach dem anderen. Allmählich und stetig wichst das Jüdische Nationalheim. schiedenen Lindern, wo die jüdische Leistung, weil sie in der allgemeinen Leistung aufgeht, nicht anerkannt wird. Palästina .. aber bedeutet jüdische Leistung von der Wurzel bis zum Wipfel. Deshalb interessiert die Welt das Schicksal der 200 000 Juden in Palästina mehr als das der 2 Millionen Juden in New York. Weizmann gab der Meinung Ausdruck, daß das Mandat noch lange gelten wird, vielleicht noch 10 oder 20 Jahre, und schloß mit dem Ausdruck des Glaubens, daß die kommende jüdische Generation es leichter haben wird als die heutige. Begrüßungsschreiben anläßlich der Veranstaltung waren von der Mandatskommission des Völkerbundes, dem Internationalen Arbeitsamt, dem amerikanischen und dem britischen Generalkonsul, dem Stadt- und dem Regierungspräsidenten, dem israelitischen Gemeindebund u. a. m. eingelaufen. Gelegentlich eines Empfanges zu Ehren Weizmanns wurde der Gast vom Präsidenten der Isr. Kultusgemeinde, Saly Braunschweig, und anderen jüdischen Führern gefeiert. Von Zürich begab sich Dr. Weizmann nach Meran. Dr. Weizmann sprach auch in Basel, wo er vom Vorsitzenden der Schweizer jüdischen Gemeinden, Dreifuß-Brodsky, begrüßt wurde. Für den KKL Die Exekutive der Zionistischen Organisation wendet sich an alle zionistischen Landes- und Sonderverbände sowie an einzelne Zionisten mit der Aufforderung, der diesjährigen Tischri- Aktion des Keren Kajemeth besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Diese Sammlung ist laut Beschluß des 14. Kongresses als eine der ״traditionellen Aktionen“ des KKL anerkannt und soll sich — gemäß einer Resolution des 17. Kongresses — auf den ganzen Monat Tischri erstrecken. Die ״Erlösung des Bodens“ bildet eine der wichtigsten und dringendsten zionistischen Aufgaben des Augenblicks. Deshalb müssen Zionisten während des kommenden Tischri des Jüdischen Nationalfonds gedenken und den Sammelaktionen des KKL durch Eifer und Opferwilligkeit zum Erfolge verhelfen. Die Exekutive vertraut darauf, daß die Zionisten in allen Ländern während des bevorstehenden Tischri-Monats ihre Pflicht gegenüber dem KKL erfüllen werden. 6750 Zertifikate für das nächste Halbjahr J eru s a 1 e m , 22. September. (J. T. A.) Wie der JTA. mitgeteilt wird, hat die Jewish Agency an die Regierung in Palästina das Ersuchen gerichtet, ihr für das Halbjahr Oktober 1932 bis März 1933 6750 Zertifikate für Palästinaeinvvand erer auf Grund der Arbeiterscliedule zur Verfügung zu stellen. Die Palästina-Exekutive der Jewish Agency hat dieses Ersuchen mit dem Hinweis auf die jetzige Arbeitslage in Palästina und dem Bedürfnis nach einer größeren Anzahl neuer Arbeiter sowohl für die Landwirtschaft als auch für die Industrie eingehend begründet. Tschechoslowakische Regierung und Keren Hajessod Jerusalem, 23. September. (J. T. A.) Der Keren Hajessod in der Tschechoslowakei hat dem Hauptbüro des Keren Hajessod in Jerusalem einen Betrag von 16 000 Pfund Sterling zum Zwecke der Konsolidierung einiger landwirtschaftlicher Siedlungen im Emek überwiesen. Da Geldüberweisungen aus der Tschechoslowakei nach dem Auslande auf Grund der neuen .Ds¥ls«iQ#da»«f4?»»-׳®#«' «lud׳«-»»־ ׳ wie 'df«"}f **§01 in mellreren anderen Ländern Mittel- und Osteuropas der Fall ist — mußte für diese Uebersendung erst die Bewilligung der tschechoslowakischen Regierung eingeholt werden. Die Regierung in Prag hat nicht gezögert, diese Bewilligung zu erteilen. Staatsbürgertum und nationale Minderheit Eine Erklärung Dr. Pech eis. In unserem Artikel zum Delegiertentag in Nr. 72 der ״Jüd. Rundschau“ haben wir uns u. a. mit einem Artikel der ״Deutschen Rundscha u“ auseinandergesetzt, worin (bei Besprechung des ״Offenen Briefes an Adolf Hitler“ von Karl Lieblich) gesagt worden war, die deutschen Zionisten, die sich in eine etwaige jüdische nationale Matrik eintrügen, müßten dann ״auf ihre Staatsstellungen verzichten“. Wir wandten uns gegen eine solche Auffassung der Rechts- Stellung einer ״nationalen Minderheit“. Nun erhalten wir von Herrn Dr. P e c h e I, dem Herausgeber der ״Deutschen Rundschau“, den wir mit Recht als Verfasser jener Notiz vermuteten, eine Zuschrift, worin er uns mitteilt, daß die Auffassung, die Juden müßten im Falle ihrer Anerkennung als nationale Minderheit auf ihre Staatsstellungen verzichten, nicht die seine ist, vielmehr wollte er damit nur die Konsequenzen des Lieblichschen Standpunktes beleuchten, der für die Juden u. a. die Freiheit von der Wehrpflicht fordert, was dann auch den Verlust anderer Rechte und Pflichten logischerweise nach sich ziehen würde. Aus dem ursprüngliehen Artikel Dr. Pecheis war nicht zu ersehen, daß er nur für diese eigenartige Lieblichsche Konstruktion, die ja nicht mehr unter den üblichen Begriff der ״nationalen Minderheit“ zu bringen ist, seine von uns angefochtenen Folgerungen zieht. Die Lieblichsche Konstruktion ist ja eine völlig vereinzelte und unmaßgebliche, während Dr. Pechei in seiner Kritik schlechthin von ״nationalen Matriken“ spricht. Wir freuen uns also, feststellen zu können, daß Dr. Pechei die von uns bei ihm vermuteten Anschauungen nicht vertritt und auch die Angehörigen nationaler Minderheiten, sofern sie nicht selbst für sich Exemptionen und dadurch ein Sonderrecht in Anspruch nehmen, als Voll-Staatsbürger anerkannt wissen will. Damit werden auch, soweit die Person Dr. Pecheis in Frage kommt, die von uns in Nr. 72 an seinen Artikel anknüpfenden polemischen Betrachtungen gegenstandslos. Da aber die — von uns irrtümlich Dr. Pechei zugeschriebene — Auffassung auch sonst manchmal bei Juden und Nichtjuden anzutreffen ist, brauchen wir nicht zu bedauern, uns um die Klärung dieser Frage bemüht zu haben, zumal da wir dadurch noch Dr. Pechei Anlaß gaben, seinen nicht nur von uns so interpretierten Artikel in eindeutiger Weise aufzuklären. Jerusalem, 23, September. (J. T. A.) Im Monat August 1932 wanderten 795 Juden in Palästina ein. Die Gesamtzahl der Einwanderer in diesem Monat betrug 926. New York, 23. September. (J. T. A.) Morris Rothenberg, Präsident der Zionistischem Organisation Amerikas, teilt mit, daß die Organisation beschlossen hat, auf ihre Kosten die Leiche von Boris Schatz, Begründer der Bezalel-Schule in Jerusalem, der vor einigen Monaten in Denver, Colorado, verstarb, nach Palästina zu überführen. Von Jena bis Frankfurt Von Dr. Meinhold Nußbaum (Nürnberg). ln der ״Jüdischen Rundschau“ wurde kürzlich mit Genugtuung festgestellt, daß das jüdische Volk sich über 3000 Jahre Rechenschaft ablegen könne, wie dies Goethe für erforderlich erklärt. Auf so weite Zeiträume blicken allerdings auch wir Zionisten nur in Feierstunden zurück. In der Auseinandersetzung des Tages dagegen haftet man zu oft nur am Augenblick und entbehrt infolgedessen des nötigen Abstandes zu den gegenwärtigen Ereignissen und Problemen. Um dem Frankfurter Delegiertentag gegenüber einigermaßen Distanz zu gewinnen und ihn wenigstens in die jüngste Entwicklung einzuordnen, empfiehlt sich ein Rückblick auf die noch nicht einmal 1% Jahre zurückliegende, uns aber doch schon recht ferne Jenaer Tagung. Sie war, wie die ״Jüdische Rundschau“ damals schrieb, ein Ausläufer der Erregungswelle, welche die zionistische Welt nach den Palästina-Unruhen in Erschütterung versetzt hatte. Meinungsverschiedenheiten über die Grundfragen der zionistischen Politik, über die Formulierung des zionistischen Endzieles und die Wege zu seiner Erreichung hatten im deutschen Zionismus äußerste Schärfe angenommen und seine organisatorische Einheit gefährdet. Es ist ein Beweis für die innere Kraft des deutschen Zionismus und die Besonnenheit seiner Führung, wenn diese Krisis so schnell überwunden wurde, daß die Erinnerung an ihre einzelnen Erscheinungen bei den meisten fast verblaßt ist. Einen Nachhall fanden die damaligen Kontroversen auf dem diesjährigen Delegiertentag in der Stellungnahme Bilcskis zu der Rede Üssischkins. Im ganzen drückte aber Goldmann wohl richtig die Stimmung des Delegiertentages aus, wenn er erklärte, daß die Zeit für die Kämpfe um politische Formeln heute vorbei ist, daß es sich vielmehr heute um ein anderes handelt: um die Konzeption eines maximalistischen Zionismus der praktisehen Arbeit, der für Millionen von Juden Platz schaffen will im vorderen Orient, der damit eine wirkliche Lösung der jüdischen Existenzfrage zu bringen sucht — eine Lösung, die nicht heute und morgen und vielleicht nicht in unserer Generaticm zu verwirklichen ist, aber nach allem, was in Palästina geschehen, ernsthaft als Ergebnis einer historischen Entwich- Jung erstrebt werde» kann. Wenn, wie ich glaube, die Versammlung Goldmann zustimmte, so war sicherlich entscheidend für sie, daß er seine Zielsetzung mit einem eindringlichen Bekenntnis zu den großen immanenten Ideen unserer Geschichte — Recht und Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit, Toleranz und Universalismus — verband und deutlich von einem ,,verrückt gewordenen Nationalisrnus“ abrüekte. Wichtiger aber noch als diese Erklärung des Redners dürfte für die Haltung des Delegiertentages das Gefühl gewesen sein, daß ein Revisionismus, wie er sich in einer kleinen Anzahl von Vertretern in Frankfurt in aufreizender Gesclimacklosigkeit zur Schau stellte, seine Rolle — zumindest in Deutschland — endgültig ausgespielt hat, so daß die Gefahr einer Verwechslung mit revisionistischen Ideengängen nicht mehr beachtet zu werden brauchte. Man darf in diesem Zusammenhang wohl der Hoffnung Ausdruck geben, daß wertvolle Kräfte, die im Revisionismus ein fruchtbares Feld für ihre zionistische Betätigung zu finden hofften, nunmehr, nachdem sie sich von der Wirklichkeit überzeugt haben, zur allgemeinen Organisation zurückfitiden. Denn der deutsche Zionismus tritt jetzt in eine Periode ein, in der er stärkster Zusammenfassung bedarf und jeden zu intensivster Mitarbeit aufrufeil!null Davon sind alle durchdrungen, die das Referat von B I u ni e n f e 1 d über die zionistische Aufgabe in Deutschland, das Kernstück des Delegiertentages, mitangehört oder es gelesen haben. Es enthält eine klassische Fundierung und Abgrenzung der jüdischen Stellung zu Staat und Deutschtum, und es müßte, wenn die deutsche Judenheit das Gebot der Stunde versteht, zusammen mit der Resolution, in der es gipfelt, Ausgangspunkt und Wegweiser für eine Neuorientierung der deutschen Juden bilden. Für den Zionismus bedeutet cs allerdings nur eine Fortsetzung seines bisherigen Weges, denn er findet seine Lehren über den nationalen Charakter des Judentums durch die Entwicklung der letzten Jahre vollständig, für manchen vielleicht sogar überraschend, bestätigt. Unsere Stellung zum Staat ist schon auf dem XVII. Delegiertentag, Hannover 1921, folgendermaßen gekennzeichnet worden: Sind wir vom Staat anerkannt, so sind wir ein integrierender Bestandteil des Staatsganzen geworden. Daher glauben wir, daß erst das nationale Judentum in freier Bewegung, in Hingabe am Fortschreiten lebender Völker und . also auch des deutschen Volkes teilnehmen kann.

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