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Jüdische Rundschau · 1932-09-06 · Heft 71 (6.9.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 71 (6.9.1932)
Date
1932-09-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 71, 6. IX. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3« Wann denn? Vom 31. Juli bis zum 3. August fand in Antwerpen eine Tagung jüdischer Jugend statt, deren Gegenstand ״Israel und der Weltfriede“ war. Das Nachfolgende ist, um ein paar Eingangssätze gekürzt, ein an diese Tagung gerichtetes ״message“. Wir leben in einem Zeitalter der Entwertung des Wortes. Der sprachbegabte Geist hat allzu hemmungslos seine Sprache den jeweils mächtigen Strömungen zur Verfügung gestellt. Statt das Wort in der Stille der Verantwortung aus dem Gedanken wachsen zu lassen, hat er es mit einer beinah mechanisierten Kunstfertigkeit für den Bedarf hergestellt. Diesen ״Verrat“•) haben nicht die ״clcrcs“ allein zu büßen, deren Rede nun auf mißtrauische Ohren trifft; schlimmer ist, daß ihre Hörerschaft, daß vor allem die ganze heute junge Generation das edelste Glück junger Menschen entbehren muß: dem Geist vertrauen zu dürfen. Es ist zu verstehen, daß viele von ihnen nunmehr in den Gebilden des Geistes nur noch ״Ideologien“ erblicken, prunkvolle Mäntelchen sehr simpler Gruppeninteressen; daß sie an eine Wahrheit, die über den Parteien, über den Machthabern und Machtbegicrigen steht, nicht mehr glauben wollen. Sie sagen uns, einander und sich selbst, sie seien es müde, mit erhabenen Illusionen gefüttert zu werden; man müsse auf die ״natürliche“ Grundlage, auf die unverstellten Instinkte zurückgreifen; auf der schlichten Selbstbehauptung sei, wie das Leben der Person, so das jedes Volkes zu errichten. Wie immer es die andern halfen: wir, meine Freunde, dürfen diesen Weg nicht gehen. Sind wir wirklich Juden, das heißt Träger einer Ueberlieferung und eines Auftrags, so wissen wir, was uns überliefert ist: daß es eine Wahrheit gibt, die das Siegel Gottes ist, und wissen, was uns aufgetragen ist: diese eine Wahrheit sich in unserem vielfältigen Leben ausprägen zu lassen. Haben können wir sie freilich nicht, denn sie ist Gottes allein; siegeln können wir mit ihr nicht. Aber wir können das vielfältige Wachs sein, in dem sie sich ausformt; jeder ein anderes Wachs, von anderer Farbe und Art, aber alle aufnahmsfähig für die Ausgestaltung der Wahrheit, — denn alle sind wir, ״im Ebenbild geschaffen“, darauf angelegt, Bilder des göttlichen Wesens zu werden. Gewiß, wir besitzen die Wahrheit nicht; aber deshalb sind wir weder auf eitle Ideologien noch auf bloße Instinkte angewiesen, denn jedem von uns ist die Möglichkeit eröffnet, in ein echtes Realverhältnis zur Wahrheit zu treten. Zu einem solchen Verhältnis genügt jedoch das Denken nicht, das ja nur ein Teil unseres Wesens ist; auch das Gefühl genügt dazu nicht; nur mit dem ungeteilten, restlosen Leben, das von uns gelebt wird, erlangen wir es. Der Geist kann von seinem letzten Sündenfall, von der Entheiligung des Wortes, nur erlöst werden, wenn das Wort gedeckt und verantwortet wird durch das ganze gelebte Leben. Der Verrat der Geistigen kann nicht dadurch gesühnt werden, daß der Geist sich auf sich selber zurückzieht, sondern nur dadurch, daß er den falschen Wirklichkeitsdienst durch den wahren ersetzt und gutmacht. Er soll nicht den Mächten des Tages und dem, was sie Wirklichkeit nennen, dienen, nicht dem kurzlebigen Schein; er soll der echten großen Wirklichkeit dienen, in der die Wahrheit Gottes verwirklicht werden will; . er soll diene«,״ Der Menschengeist, der über den Situationen schweben will, wird, mag er noch so herrlich sein, der Lebendigkeit nicht teilhaftig werden; nur wenn er, ohne seinen oberen Ursprung zu verleugnen, vielmehr gerade um ihn zu bewähren, in die Situationen eingeht, wird er fruchtbar sein, wird er Leben zeugen und leben. Bleibet dem Geist treu, meine Freunde, aber bleibet ihm treu in der Wirklichkeit! Unsre erste Frage muß sein: Was ist die Wahrheit, was ist Gottes Gebot an uns? Aber unsre zweite muß sein: Wie erfüllen wir es da, wo wir stehen? Wir werden es nicht erfüllen, gar nicht, wenn wir unsere Welt und unser Leben teilen in einen Bezirk, in dem das Gebot Gottes herrscht, und in einen anderen, der nicht von ihm, sondern von den Gesetzen der Wirtschaft, der Politik, der ״schlichten Selbstbehauptung“ der Gruppe bestimmt ist. Dieser Dualismus ist noch weit bedenklicher als jener Naturalismus, von dem ich vorher sprach. Es ist ein Herausbrechen aus der Verbundenheit des Daseins mit seinem Sinn, wenn man sich die Ohren stopft, um die Stimme von oben nicht zu hören; wer aber die Stimme hört und zugleich das Gebiet abgrenzt, außerhalb dessen sie keine Geltung beanspruchen dürfe, der stellt sich nicht wie jener abseits, sondern unmittelbar gegen Gott. Der Atheist kennt Gott nicht; aber der Anhänger einer Ethik, die da endet, wo die Politik anfängt, vermißt sich, dem Gott, den er zu kennen vorgibt, vorzuschreiben, wie weit seine Macht zu reichen habe. Die Polytheisten teilen die Welt und das Leben unter viele Gewalten auf, ft'tr sie hat Deutschland einen Gott und Frankreich einen andern, es gibt einen Gott der Geschäfte und einen Gott des Staats, jeder dieser Bezirke hat sein eigenes Gesetzbuch und untersteht keinem höheren Gericht; die Zivilisation des Abendlandes bekennt sic 11 zu Einem Gott und lebt in der Vielgötterei; wir Juden sind tausendfältig in diese Zivilisation verflochten, — aber wenn wir ihren Dualismus von Bekenntnis und Lehen mitmachen, haben wir unser Daseinsrecht verloren. Als ein Volk aus der Völkermenge wären wir naturgemäß längst tot; nur weil wir es gewagt hatten, mit der Einheit Gottes, mit der Alleinherrschaft Gottes Ernst zu machen, sind wir paradoxerweise noch da. Geben wir Gott auf, so wird er uns aufgeben; und wir geben ihn auf, wenn wir uns zu ihm in der Synagoge bekennen und ihn im Versammlungslokal verleugnen, wenn wir in unserem persönlichen Leben sein Gebot walten lassen und das Leben der Gruppe, der wir angehören, andern Normen unterwerfen. Was für den Einzelnen Unrecht ist, kann nicht für die Gemeinschaft Recht sein; denn sonst wäre Gott, der Gott vom Sinai, nur noch ein Herr der Einzelnen und nicht mehr der Herr der Völker. Sind wir wirklich Juden, so glauben wir, daß Gott den Menschen seinen Willen für ihr Leben kundtut und daß es von der Erfüllung seines Willens abhängt, ob das Leben Sinn hat oder nicht. Und wenn wir nach unserem innersten Wissen sagen sollen, was Gottes Gebot an die Menschheit ist, so werden wir nicht einen Augenblick zweifeln, daß es Friede heißt. Aber viele unter uns meinen, das gelte erst für eine bessere Zukunft; heute müsse man den Krieg aller gegen alle mitmachen, um nicht unterzugehen. Gerade wenn wir diesen Krieg mitmachen, werden wir untergehen; denn es gibt für uns nur den einen Untergang; daß Gott uns seiner Hand entgleiten lasse. *) Vgl. das Buch von Julien Benda ״La trahison des dercs“, ״Der Verrat der Geistigen“ Ich höre oft Leute in unserer Mitte erklären: ״Auch wir wollen, daß der Geist des Judentums sich erfülle, auch wir tragen Verlangen danach, daß die Lehre von Zion ausgehe, und wir wissen, daß sie dazu nicht Wort allein, sondern gelebtes Leben sein muß; wir wollen, daß das Wort Gottes auf Zion zur Wirklichkeit werde. Aber damit das geschehe, muß es doch erst wieder ein Zion auf der Welt geben; erst also wollen wir Zion erbauen, wir wollen es, — mit allen Mitteln!“ Sollte es jedoch nicht am Ende Zions Eigentümlichkeit sein, daß es eben nicht ״mit allen Mitteln“, sondern nur ״bcmischpat“ (Jesaja 1, 27), nur ״mit Gerechtigkeit“ erbaut werden kann? Sollte Gott sich nicht weigern, sein Heiligtum aus den Händen des Teufels entgegenzunehmen? Wenn einer sich vornimint, sechs Jahre zu stehlen lind zu rauben, um im siebenten aus dem so gewonnenen Gut einen Tempel zu erbauen, und wenn es ihm gelingt, werden es dann wirklich Tempel wände sein, die er baut, und nicht vielmehr eine Räuberhöhle (Jeremia 7, 11) oder ein Räuberpalast, auf dessen Tor er den Namen Gottes einzugraben wagt? Gewiß, Gott baut sich nicht selber sein Haus, er will, daß wir Menschen es mit Menschenhänden und mit Menschenkraft bauen, denn mit diesem Haus ist ja gemeint, daß endlich damit begonnen werde, Gottes Wort auf Erden zu leben! Aber bildet ihr euch ein, daß Gott nicht stark genug sei, uns dieses Haus, wenn wir es mit seinen Mitteln, bemischpat, hegründet haben werden, auch mit seinen Mitteln vollenden zu lassen? Wenn ihr euch das einbildet, dann redet nicht mehr von Judentum, jüdischem Geist und jüdischer Lehre! Denn Judentum ist die Lehre, daß es in Wahrheit nur Eine Macht gibt, die zwar zuweilen duldet, daß die Scheinmächte der Welt etwas im Widerspruch gegen sie zustande bringen, aber nicht, daß es bestehe; was jedoch in ihrem Dienste geschaffen wird, so daß nicht bloß das Ziel, sondern auch der Weg vom Geist des Rechten bestimmt ist, das mag eine Zeit schwer zu kämpfen haben, mag schwer bedroht erscheinen, schwach den starken Scheinmächten gegenüber, aber es wird bleiben. Ich möchte das Wichtigste auch denen vergegenwärtigen, die die religiöse Sprache nicht versteheif können oder wollen und daher der Meinung sind, ich spräche von der ״Theologie“. Ich spreche von der Wirklichkeit der Geschichte. 111 der Wirklichkeit der Geschichte geht es nicht so zu, daß man sich ein gerechtes Ziel setzt, einen Weg dazu wählt, wie ihn etwa die Gunst der Stunde darbietet, und auf diesem Weg das gesetzte Ziel auch erreicht. Damit das erreichte Ziel dem gesetzten gleiche, muß diesem der Weg in seinem Wesen gleichen. Ein falscher, das heißt: zielwidriger Weg führt zu einem falschen Ziel. Was durch Lüge zustande gebracht wird, kann die Maske der Wahrheit, was durch Gewalt zustande gebracht wird, die Maske der Gerechtigkeit vorbinden und eine Weile mag die Täuschung gelingen; aber bald wird erkannt, daß die Lüge in ihrem Wesen Lüge und die Gewalt in ihrem Wesen Gewalt geblieben ist, und sie werden das geschichtliche Los alles Falschen erfahren, ich höre manchmal sagen, eine Generation müsse sich opfern, sie müsse ״diejjünde auf sich nehmen“, damit die kommenden Geschlechter, frei werden, Gerechtigkeit zu üben. Aber es ist ein törichter Selbstbetrug, man könne selber ein wüstes Leben: führen und seine Kinder zu guten und glücklichen Menschen erziehen: sie werden zumeist Heuchler oder Friedlose. Die Geschichte hat uns viel zu lehren; aber man muß verstehen, sieh von ihr belehren zu lassen. Die Augenblickserfolge, auf die man hinzuschauen pflegt, sind nur die Kulissen der Weltgeschichte; die echten Siege, die in der Verborgenheit erfochten werden, sehen für den Vordergrundsblick mitunter wie Niederlagen aus. Die echten Siege geschchen langsam und unmerklich, aber sie wirken weithin. Vor den Kulissen nimmt sich unser Glaube, daß Gott der Herr der Geschichte ist, zuzeiten lächerlich aus; aber es gibt eine Heimlichkeit der Geschichte, die unsern Glauben bestätigt. Wer Frieden stiftet, so haben unsere Weisen gelehrt, ist ein Werkgenosse Gottes. Aber man stiftet Frieden nicht mit versöhnlichen Worten an die andern und nicht mit menschheitsfreundlichen Projekten; man stiftet ihn, man hilft, den Weitfrieden zu verwirklichen, indem man selber den Frieden da verwirklicht, wo man dazu berufen und aufgerufen ist: in der Aktivität der eigenen Gemeinschaft, da, wo sie selber ihr Verhältnis zu einer anderen Gemeinschaft aktiv initzubestimmen vermag. Die Friedensbotschaft der Prophetie an Israel gilt nicht erst für messianisehe Zeiten; sie gilt für den Tag, wo das Volk neu berufen wird, an der Gestaltung des Schicksals seiner Urheimat teilzunehmen, — sie gilt für heute. ״Wenn nicht jetzt, wann denn?“ Die Erfüllung im Dann ist an die Erfüllung im Jetzt mit geheimnisvollen Stricken gebunden. Martin Buber. Erbe des Marranentums Von Josef Kastein. ln diesen Tagen erscheint im Verlag Rowohlt, Berlin W ,00, ein neues Bach von Josef Kaslein ״Uricl Da Costa oder die Tragödie der Gesinnung“. Josef Kastein ist durch seine Bücher ״Sabbatai Zewi“ und besonders durch die weithin beachtete ״Geschichte, der Juden“ schnell in die vorderste Heilte moderner jüdischer Autoren gerächt. Zweifellos wird sich auch seinem neuen Buch das größte Intel esse 211wenden. Das Werk über Da Costa führt uns in das Zeitalter der Inguisiiion und dis Marranentums, eine Zeit, die wir als das dunkelste Mittelalter zu betrachten gewöhnt sind und hei der vnr doch manche Analogien des jüdischen Schicksals mit unserer heutigen Zeit finden, obwohl natürlich die Formen sich grundlegend geändert haben. Der Verlag stellt uns aus dem Buche den nachfolgenden Abschnitt als Vorabdruck zur Verfügung. Red. Zwischen Rom und Portugal wird Jahre hindurch ein erbitterter Kampf geführt um den Anspruch dieses Landes, gleich Spanien eine eigene nationale Inquisition zu haben und nach freiem Ermessen gegen die Marranen verfahren zu dürfen. Aber auch ohne besondere Genehmigung von Rom arbeiten die bischöflichen Gerichte nach dem Muster der spanischen Tribunale. Als die Genehmigung endlich eintraf, war das Wüten, wenn möglich, noch unmenschlicher als in Spanien. Zudem versperrte das Verbot der Auswanderung den letzten Weg zu Flucht und Rettung. Zeitweilig wurde die Inquisition wieder eingestellt (1532) und von Rom eine allgemeine Begnadigung aer ״Judaisierenden“ angeordnet. Aber wenige Jahre darauf war die Bewilligung endgültig. Diese Streitigkeiten, dieses Hin und Her von unterirdischen Ver- Handlungen und Bestechungen, dieser Wechsel von Hoffnungen und Aengsten um das Schicksal von morgen hatte eine überstarke seelische Zermürbung der Marranen zur Folge, auch derer, in denen der Wille zum geheimen Judentum noch nicht unter dem Uebermaß von Volksexzessen und Bluturteilen resigniert hatte. Es ist eine ungewöhnliche seelische Haltung, wenn die geheimen Juden dem Papst Paul III. in ihrem Protest erklären: ״Wenn Ew. Heiligkeit die Bitten uml Tränen der jüdischen Nation zurückweisen sollte ... so erklären wir öffentlich und feierlich vor der ganzen Welt: da kein Ort sich fand, wo ntän uns unter die Gemeinschaft der Christen atifnehtnen wollte, da man uns, unsere Ehre, unsere Kinder, unser Fleisch und Blut verfolgte, und da wir trotz allem immer noch versuchten, dem Judentume fern zu bleiben -- so werden wir nunmehr, da die Tyrannei nicht aulhört, das tun, was keiner sonst gedacht hätte :'wir kehren zum Judentum zurück mul verachten das Christentum, in dessen Namen dieser Rücktritt• erzwungen wird, erzwungen durch die Gewalt, die die Lehrer des Evangeliums ausüben .. Und bald darauf treibt die Verzweiflung einen, der auch den Namen Da Costa trägt, zu einem anonymen Protest, der ihm den Tod auf dem Scheiterhaufen mit abgehackten Händen' eintrug, ln einer Nacht im Februar 1539 heftet Manuel da Costa, ’il quäle haveva un’ offitio che accomodava tutti quelti che cercavnno padroni’, also wohl ein Stellen- Vermittler, eine Schrift an die Türe des Domes von Lissabon, in der er erklärte, daß der Messias noch nicht erschienen und Christus nicht der wahre Erlöser sei. Er war nicht der einzige, der solchen Zweifel hegte. Unter den dichten Umhüllungen eines Lebens in katholischen Riten glomm immer noch der Funke eigener messianischcr Hoffnung, bereit, sich von jedem anfachen zu lassen, sei er ein Berufener oder ein gläubiger Narr oder ein phantastischer Betrüger. Eben in diesem bewegten Jahrzehnt und ein knappes Mensehenalter vor Da Costas Geburt kann ein Mann von zweifelhafter und geheimnisvoller Herkunft, David Reubcni, mit seiner Behauptung Glauben finden, er komme aus dem Lande Chaibar, wo mehrere hunderttausend Juden, Abkömmlinge des verschollenen Stammes Reitbcn, ein starkes Kriegslieer bildeten, das bereit sei, die Mohammedaner aus dem heiligen Lande zu verjagen. Sie erleben, daß er mit Papst Clemens VII. und König Joäo ili. von Portugal eingehend über ein gemeinsames Vorgehen und über die Lieferung von Schüfen und Feuerwaffen berät. Eine fieberhafte Unruhe und Erwartung ergreift die Marranen. Seelische Ueberbelastung explodiert in messianischen Manifestationen. Sogar zu einem bewaffneten Angriff auf die Kerker der Inquisition finden Marranen den verzweifelten Mut. Doch enden, wie es nicht anders zu erwarten ist, solche Hoffnungen letztlich auf dein Scheiterhaufen der Inquisition. Aber gerade weil es sich um Hoffnungen handelt, die nicht an der Zeit ermüdet und gestorben, sondern mit der Gewalt zugedeckt worden sind, müssen sie Blutserbe werden und weniger als anderes dem Vergessen ausgeliefert sein. Der 14. Turntag des deutschen Makkabikreises Der deutsche Makkabikreis rief seine Vereine zu dem alle zwei Jahre stattfindenden Turntag nach Berlin zusammen. Die Beschickung der Tagung war ausgezeichnet, stärker als in früheren Jahren. Ueber 50 Delegierte aus nahezu allen deutsehen Makkabivereinen, besonders auch Vertreter einiger erst kürzlich aufgenommener Vereine des Ruhrgebietes waren erschienen. Der deutsche Makkabi hatte von vornherein den diesjährigen Turntag als eine reine Arbeitstagung aufgezogen und auf äußere Kundgebungen verzichtet. Dem Charakter der Tagung wurde durch alle Referenten und Diskussionsredner Rechnung getragen. Der Turntag erhielt eine besondere Note durch die Anwesenheit des Vorsitzenden der Z. V. f. D., Kurt Blumerrfeld, der mit einer ausgezeichneten Rede in die Debatte eingriff, durch die tätige Mitarbeit von Dir. K a - r e s k i, den der Berliner Bar Köchba-Hakoah als Delegierten entsandt hatte und durch die Anwesenheit des Präsidenten des Makkabi-Weltverbandes, Dr. Leie wer, dem die Leitung des Turntages übertragen wurde, der aber leider während der Tagung erkrankte, im Mittelpunkt der Referate wie auch der Debatten und Kommissionsberatungen standen drei Hauptfragen: Stärkung der Organisation und Expansion, Jugendarbeit und Ozar Hamakkabi. Als erster Referent gab Hans Friedenthal als Vertreter des Präsidiums des Makkabi- Weltverbandes einen Ueberblick über die Aufgaben der Makkabi-Bewegung. Ausgehend von der Makkabiah umriß er in großen Zügen die Arbeit des Verbandsausschusses in Wien und die Stellung des Makkabi zu den jüdischen Gegenwartsfragen. Eine Hauptaufgabe des Makkabi sei es, Hand in Hand mit der Zionistischen Organisation die Jugend vor den Gefahren der ״roten Assimilation“ zu bewahren. Der Makkabi sei absolut unpolitisch und ohne Einschränkung nur national und auf die Aufgaben des gesamten jüdischen Volkes eingestellt. .Der Makkabi-Weltverband habe sich ein eigenes Finanzinstrument in Form des Ozar Hamakkabi geschaffen, der auch der Makkabi-Hachscharah und der Makkahi-Chaluziuth dienen solle. Der zweite Redner, Jacobowitz, entwickelte die Pläne des Präsidiums für die Schaffung einer festen Organisation und für verstärkte Jugend- und Kulturarbeit. Der Makkabi und seine bedingungslos zionistische Jugend seien berufen, in viel stärkerem Maße, als es bisher der Fall gewesen sei, an. den Arbeiten des deutschen Zionismus teilzunehmen. Dr. H o 1 z e r (Chemnitz) entwickelte ein Programm für die stärkere Beteiligung der deutschen Makkabivereine an der Ausgestaltung des ersten jüdischen Jugend- und Sportheimes am Keilberg. Fritz L e w i 11 s o 11 n legte in einem ausführlichen Referat die turnerischen und sportlichen Gegenwartsforderungen dar und schlug ein einheitliches Leibesühungsprogramm, verbunden mit einer sportlichen und kulturellen Makkabi- Prüfung vor. Paul L e w i 11 s o h n forderte Stärkung der fitiauziehen Lage des Verbandes. Hans Marx trug die Forderungen der Jugend vor. Dr. Edgar M a r x (Hamburg) entwickelte in einem einstündigen, formal und inhaltlich vollendeten Referat die Möglichkeiten einer Erziehung und Lebensgestaltung im Makkabi. Dr. Lcvy (Halle) sprach über Wirtschaftsfragen im Dienste des Makkabi. Der Turntag faßte eine Reihe von wichtigen Beschlüssen zur Frage der Organisation, zur Jugendarbeit und zur Arbeit für den Ozar Hamakkabi. Zum Präsidenten des deutschen Makkabikreises wurde Dr. Alfred Rabat! gewählt. Das Präsidium setzt sich aus den Makkabim Paul Lewinsohn (Vizepräsident und Schatzmeister), Fritz Lewinsohn (Sportressort), Fritz Mautner (Jugendressort), Kurt Jacobowitz (Sekretariat) und Rudi Abraham (Ozar Hamakkabi) zusammen. Eine Reihe größerer Veranstaltungen ist für die nächste Zeit in Aussicht genommen, so finden am 11. September unter starker Beteiligung fast aller Kreisvereine die deutschen Makkabimeisterschaften "in Leipzig statt. Im Oktober treten die Oz.ar Hamakkabi-Kommissare in Berlin zu einer Arbeits- Sitzung zusammen. Zu Chanukah veranstaltet der deutsche Makkabikreis in Verbindung mit dein Bar Kochba Breslau ein großes Turnfest in Breslau, verbunden mit einer Jugendführertagung und anschließenden Wintertreffahrten. März 1933 finden in sämtlichen deutschen Makkabi-Vereinen Feiern anläßlieh des ersten Jahrestages der Makkabiah statt. Der Turntag, der völlig harmonisch verlaufen ist, hat eine feste Basis für die weitere Arbeit geschaffen und dem deutsehen Makkabi neue Antriebe gegeben. Kurt Jacobowitz.

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