Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 71 (6.9.1932)
- Date
- 1932-09-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer OjtS Goldmark Wüsienkrieg und Oelpolüik JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jedenDienstag u•Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark.. Auslandsahajmements werden ia der Wahrung der einzelnen Linder berechnet Anzeigenpreis: 8 gesp. Nonpareillezeile 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25 G.-M, Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b.H״ BerlinW15, MeinekestrJO. Telefon: J 1 Bismarck 7165-70. Poaticheck - Konten : Berlin 1*7392, Basel V 9355, Belgrad 68032, Brüssel 39433, Budapest 59693. Danzig 1973, Haag 140470, *Vag 59410, Riga 4155, ätrasshurg 16430, Warschau 190708, Wien »030, Bank» Konten: Darmstldter- und Nationalbank, Depositen - Kasse Berlin, Kurlürstendamm 52; Rumänische Kreditbank, Cemauti (Rumänien); Anglo Paleatine Co. in Haifa, Jerusalem, Tel -Aviv. Nummer 71 | Berlin, 6. IX. 1932 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. ה׳ אלול תרצ״ב | xxxvil Jahrg. Pt Zlonl»mu■ erstrebt für da■ JUdlsche Volk dl• Schaffung •Inar dffantllch - rachfllch gesicherten Heimstatt« In Palästina. ״Baseler Programm.** Die Zustände in Biro-Bidsdian Die jiddisch-kommunistische Tageszeitung ״Emess“ (Mos* kau) teilt mit, daß von den 2'il jüdischen Arbeitern, die nach Biro-Bidschan gekommen waren, um in der Bauholz-Fabrik in Tuguisk zu arbeiten, nur 27 auf ihrem Arbeitsplatz verblieben, die übrigen aber i n ihre alte Heimat z urüekkehrten. ״Emess“ erklärt die Flucht der jüdischen Arbeiter aus Biro-Bidschan mit der unfreundlichen Haltung der Verwaltung, dem Mangel an Nahrungsmitteln und Unterkunft und fordert Maßnahmen zur Abhilfe. Komzct erhielt soeben ein Telegramm aus Biro-Bidschan, daß im Verlauf des Monats August 764 Juden, unter ihnen II aus dem Auslande, in Biro-Bidschan neu eingetroffen sind. In dem Telegramm wird weiter mitgeteilt, daß die Ernährungs- und Unterkunftsverhältnisse für die Neueinwanderer nach wie vor unbefriedigend sind, und daß in Anbetracht der bevorstehenden Regenperiode die Aussichten für eine Besserung nur sehr gering sind. Das Zentralexekutivkomitee der Sowjetrepublik Weißrußlan d hatte vor einiger Zeit offiziell eine Untersuchungskommission nach Biro-Bidschan entsandt, die die Ursachen erforschen sollte, warum zahlreiche Juden aus Weißrußland, die nach Biro-Bidschan als Neusiedler gegangen sind, dieses Land verlassen und in ihre Heimatstädte zurückkehren. In dem Bericht dieser Untersuchungskommission werden folgende Feststellungen gemacht: Treffen jüdische Sicdlungswillige in Biro-Bidschan ein, so finden sie zunächst k e i ne Möglichkeit für Unterkunft vor und sind lange ohne Beschäftigung und Nahrungsmittel. In dein Bericht wird auf die besondere Tatsache hingewiesen, daß eine Gruppe von 485 Juden, die aus Jinowjewsk eingetroffen war, längere Zeit unter freiem Himmel kampieren mußte, weil Idie Verwaltung von Biro-Bidschan nichts getan hat, um für diese große Gruppe Arbeit und Unterkunft zu beschaffen. Aehnlieh erging es einer Gruppe von zehn Juden aus Weißrußland, die drei Tage und drei Nächte lang, ohne Arbeit, Nahrungsmittel und Unterkunftsmöglichkeit, bei Regen und Unwetter im Freien kampieren mußte, und am vierten Tage enttäuscht die Rückreise in die alte Heimat antrat. Nicht besser erging es einer Gruppe von 35 Juden und einer Gruppe von zehn Juden aus Moli i low, die sechs Tage lang die Nächte im Freien zubringen und hungern müßten, da ihnen weder Unterkunft noch Nahrungsmittet zugewiesen wurden. Die Untersuchungskommission fordert, daß die Beamten der Administration von Biro-Bidschan wegen Vernachlässigung der Amtspflichten und wegen schlechter und brutaler Behandlung aer Neusiedler zur Verantwortung gezogen und bestraft werden. Eine innerhalb des kommunistischen Jugendbundes geführte Werbeaktion mit dem Ziele, 440 Mitglieder dieses Bundes zur Auswanderung nach Biro-Bidschan zu bewegen, um dort die Häuserbau- und Unterkunftsbedingungen bessern zu helfen, ist fehlgeschlagen. ״Emess“ findet es sehr verwunderlieh, daß in zahlreichen Städten die kommunistischen Jugend- Organisationen ihre Zentralbehörden in Moskau dahin informierten, daß sie kein einziges ihrer Mitglieder für die Siedlungsarbeit in Biro-Bidschan zur Verfügung stellen können. Die eingehende Besprechung der Lage in Biro-Bidschan und insbesondere der Lage der dahin ausgewanderten Juden aus Amerika und Argentinien in einem großen Teil der jüdisehen Presse des Auslands hat den Vorsitzenden der Abteilung für nationale Minderheiten beim Zentralexekutivkomitee, Dimans tein, veranlaßt, im ״Emess“ einen Artikel zu ptiblizieren, in dem er auf die Notwendigkeit einer besseren Behandlung der ausländischen Juden in Biro- Bidschan hinweist. Die ersten nach Biro-Bidschan reisenden Auswanderer aus Palä stina, eine aus 25 Personen, 18 Erwachsenen und 7 Kindern, bestehende Gruppe ist in der Sowjetunion eingetroffen. In Moskau wurde anläßlich des Eintreffens dieser Gruppe im Lokal des Arbeiterklubs ״Kommunist“ eine Kundgebung veranstaltet, bei der eine große Zahl antizionistischer Reden gehalten wurden. Wie aus dem Bericht des ״Emess“ hervorgeht, hatte die zu propagandistischen Zwecken groß aufgezogene Empfangsfeier keineswegs den von ihren Veranstaltern erwarteten Erfolg. Insbesondere wird von der Zeitung das minderwertige ״künstlerische .Programm“ kritisiert, das den lebhaften Unwillen und scharfen Protest der Versammlungsteilnehmer hervorgerufen habe. Vergebliches ״Nationaldeutschtum“. Wie das 8״ Uhr- Abendblatt“ mitteilt, ist der führende politische Redakteur des ״Berliner Lokal-Anzeigers“ und der übrigen Scherl-Blätter, Dr. Siegfried B r e s 1 a u e r , von seinem Posten entfernt worden. Dr. Breslauer gehört bekanntlich zu der von Dr. Max Naumann befehligten Gruppe der ״nationaldeutschen Juden“. Er ist seinen politischen Anschauungen nach weit rechtsstehend. Es ist überaus lehrreich, daß auch dieser extreme Assimilant heute von seinem Posten entfernt wird. Offenbar glaubt der Flugenberg-Konzern, der momentan in einer scharfen Fehde mit den Nazis steht, er dürfe sich nicht durch jüdische Mitarbeiter belasten. Die pathetischeste Beteuerung seines ״Nationaldeutschtums“ und das Abrücken von anderen Juden haben Dr. Breslauer nichts genützt: Jud bleibt Jud. Vielleicht ist das Schicksal seines Parteigenossen Breslauer auch eine Lehre für Herrn Dr. Naumann, der sich in der letzten Zeit den Nazis anzubiedern versucht. NSDAP.-Landtagsfraktion gegen Dr. Badt. Im Preußisehen Landtag brachte die nationalsozialistische Fraktion eine ״Kleine Anfrage“ ein, in der behauptet wird, daß der ״zurzeit beurlaubte jüdische Ministerialdirektor Badt“ zahlreiche Privatflugreisen, anscheinend auf Staatskosten,gemacht hätte, und zwar nach Frankreich, Spanien, Italien, Amerika und Palästina. Hierzu erfahren wir, daß die Behauptung, Ministerialdirektor Dr. Hermann Badt hätte auf Staatskosten Privatflüge unternommen, vollkommen grundlos ist; Dr. Badt hat auf persönliche Einladung von Dr. Eckener, der im übrigen ein Freund seines verstorbenen Vaters war, an den Flügen des Luftschiffs ״Graf Zeppelin“ nach Aegypten, Palästina und nach Amerika teilgenommen. Die RevisionislenKonlerenz Sieg der radikalen Riditung — Offener Konflikt mit der Zionistischen Organisation — Liditheim aus der Exekutive ausgesdiieden ״Disziplin“ Berlin, 5. September. Die Weltkonferenz der Revisionisten, die soeben in Wien geschlossen wurde, fordert gewiß in mehr als einer Beziehung! zu Betrachtungen heraus. Noch nie hat sich mit solcher Deutlichkeit gezeigt, daß es bei der Auseinandersetzung mit dem Revisionismus im Grunde nicht um politische Meinungsdifferenzen, nicht um die verschiedene Beurteilung politischer Sachverhalte und Möglichkeiten geht, sondern um tiefgreifende geistige Entwicklungen. Das Judentum hat in seinen Lebensformen stets eine gewisse Abhängigkeit von seiner Umwelt gezeigt und an sich ist es verständlich, daß auch die neuesten politischen und geistigen Strömungen Europas eine Art Wider- Spiegelung im jüdischen Lager finden; aber gerade wer sich zum jüdischen Nationalismus bekennt, kann sich damit nicht abfinden. Der Nationalismus scheint seine eigenen immanenten Gesetze zu haben, und auch innerhalb des Judentums ist man gegen seine negativen Erscheinungsformen nicht immun, wenn man sich hemmungslos und kritiklos ihm überläßt. Die Entdeckung des eigenen Volkstums, die der Zionismus den Juden unserer Zeit brachte, war der Ausgangspunkt freudiger Selbstbejahung und die Uebernahme von Pflichten und Verantwortuigen für die Zukunft; eine Glorifizierung von Gewaltmethoden, wie wir sie von einzelnen Rednern in Wien jetzt gehört haben, schien mit dem Geiste des Zionismus völlig unvereinbar. Die Gefahr, die von dieser Seite dem Zionismus geistig droht, ist bei der Wiener Konferenz sehr deutlich geworden. Aber man wird wenig dagegen vermögen, wenn man sich damit begnügt, mißbilligend den Kopf zu schütteln. Man muß bedenken, daß eine ganze junge Generation, beste« Material unseres Volkes, den Verlockungen der nationalen Phrase und des nationalen Kraftmeiertums ausgesetzt ist, und sowohl in Palästina, als auch in manchen Ländern jüdischer Massensiedlung ist die Atmo- Sphäre, in der diese jungen Menschen aufwachsen, so, daß ihre Widerstandskraft dagegen gering ist. Eine kraftvolle Gegen- Wirkung aber bleibt aus; und sie kann nur eintreten, wenn man den Eigentümlichkeiten des Zeitgeistes ebenso Rechnung trägt wie den Bedürfnissen des jugendlichen Gemütes. Hier liegt ein Problem, dessen Ernst im zionistischen Leben noch nicht voll begriffen ist. Wir sind aber um so mehr verpflichtet, ihm ins Auge zu sehen, als wir besonders heute das Bedürfnis haben, unseren Nationalismus gegen andere Formen des Nationalismus, die uns in unserer Umwelt entgegentreten, abzugrenzen. Es wird noch Gelegenheit sein, sich mit dieser Seite der Sache zu befassen. Inzwischen aber gibt es ganz akute Probleme. Es scheint, daß der Konflikt zwischen Zionistischer Organisation und Revisionismus, dessen Beilegung man von der Wiener Konferenz erhoffte, in aller Schärfe neu zum Ausdruck kommt. Auf der Wiener Konferenz hat die radikale Richtung gesiegt. Obwohl es zunächst schien, daß die für das Verbleiben im Zionismus kämpfende Gruppe die Mehrheit hat und obwohl zweifellos die große Mehrheit der Revisionisten heute noch der Zionistischen Organisation angehört, ist man in Wien zu einer eindeutigen Kampfansage an die Zionistische Organis a t i o n gelangt. Der Exponent des gemäßigten Flügels, Lichtheim, war offenbar von der Aussichtslosigkeit seiner Sache überzeugt und hat daher an der Konferenz gar nicht teilgenommen, zumal es verständlich ist, daß ihm in der Gesellschaft von Delegierten, die er selbst in seinem Briefe als ״tobende Kranke“ bezeichnet hat, nicht wohl ist. Wie wir erfahren, wird Lichtheim auf Grund der Ergebnisse der Wiener Konferenz auch den Vorsitz des deutschen Landesverbandes der Revisionisten niederlegen, da er die durch die Wiener Beschlüsse festgelegte Politik nicht vertreten kann. Die Kampfbeschlüsse haben eine ganz klare Formulierung dadurch erhalten, daß sie als Antwort auf die Beschlüsse der letzten A.-C.-Sitzung zu verstehen sind. Das A.-C. hat in London folgenden Beschluß gefaßt: ״Die Zugehörigkeit von Personen und Körperschaften zur Zionistischen Organisation setzt voraus, daß in allen zionistischen Fragen die Disziplinpflicht gegenüber der Zionistischen Organisation vor der Disziplinpflicht gegenüber jeder anderen Organisation den Vorrang hat.“ Darauf antworten die Revisionisten, daß die Angehörigen der revisionistischen Union lediglichderPartei- Disziplin der Revisionisten unterstehen. Man ist zunächst versucht, die Korrektheit des telegraphisch übermittelten Textes dieses Beschlusses anzuzweifeln, denn es ist Unverstandlieh, daß die revisionistischen A.-C.-Mitglieder, die in London für den Beschluß des A.-C. gestimmt haben, in Wien einen entgegengesetzten Standpunkt eingenommen haben sollten. Noch unverständlicher wird dies, wenn man bedenkt, daß die neugewählte revisionistische Exekutive in ihrer Mehrheit aus Anhängern des Verbleibens in der Z. O. besteht. Der Wiener Be- Schluß schafft einen offenen Konflikt mit der Zionistischen Organisation. Die Revisionisten hätten ihren Mitgliedern eigentlich die Mitgliedschaft ia dec Zionistischen Organisation, für die der oben zitierte Londoner Beschluß maßgebend ist, verbieten müssen. Sie haben dies nicht getan, sondern die Beschlüsse von Calais bestätigt, die eine doppelte Mitgliedschaft vorsehen. Man will offenbar der Zionistischen Organisation das Odium zuschieben, daß sie die ersten Schritte machen muß, um die jetzt entstandenen organisatorischen Unmöglichkeiten zu beseitigen. Diese unlogische Haltung der Revisionisten zeigt wenig von Mut und Aufrichtigkeit. Wir sind überzeugt, daß eine sehr große Zahl von Zionisten, die sich unter ganz anderen Voraussetzungen und ohne über das wahre Wesen des Revisionismus Klarheit zu haben, dem Revisionismus angeschlossen haben, in einem Dilemma zwischen zionistischer und revisionistischer Organisation die zionistische wählen werden. Vielleicht wird sich schon nach dieser Wiener Konferenz, die — wie zu erwarten war — eine Spaltung vermieden hat, zeigen, daß ein Teil der Revisionisten den Kurs, den der radikale Flügel ihrer Partei in Wien durchgesetzt hat, ebenso wenig mitmachen werden, wie sie eine Identifizierung mit jener palästinensischen Gruppe, die Lichtheim als ״tobende Kranke“ bezeichnet, tolerieren können. Der Verhandiungsberidit Abschluß der Generaldebatte (Von unserem Sonderberichterstatter.) h. 1. Wien, 1. September 1932. Zum Abschlüsse der Generaldebatte hielten Großmann und Jabotinsky mehrstündige Reden. Während Großmaan la '“setoffer'Fürnrmft Sünen Widersachern abrechnete, wandte Ja- ' botinsky seine ganze rethorische Gäbe an, um noch zum Schlüsse eine Einigung in die sich so sehr in den Haaren liegende Konferenz zu bringen. Oroßmann lehnte die von Weis] vorgeschlagene Politik als ״aventuristisch“ ab und bekannte sich noch einmal eindeutig als Anhänger einer nüchternen Realpolitik. Achi-Meir werfe der Exekutive vor, daß sie sich auf Fiktionen wie Konferenzen, Brith Trumpeldor und Tel Chaj-Fond stütze, denen er selbst wiederum nur eine große Fiktion, den Begriff ״Macht“ entgegenstelle. Im jüdischen Volk könne es keine Diktatur geben, weil die staatlichen Exekutivmittel zu ihrer Durchführung nicht vorhanden sind. Auf den Vorwurf, daß die revisionistischen Delegierten auf dem letzten Zionistenkongresse Jabotinsky nach seinem demonstrativen Austritte verlassen hätten, erklärt Großmann, daß Jabotinsky es gewesen sei, der ihnen den Rat gegeben hätte, für Sokolow zu stimmen. Wir waren sechs Jahre Oppositionspartei, aber das kann man nicht ewig sein. Nun komme der schwierige Uebergang von negativer zu positiver Arbeit. Nun müsse man Geduld haben und auch schweigen känn e n. Schnell kann man eventuell in der Politik arbeiten, gute Reden und Resolutionen sind rasch zur Stelle, aber praktische Arbeit, wie Alijah, Gründung von Kooperativen, Banken usw. gehe nur langsam vor sich. Die Leitung könne nicht weiter ohne die nötigen finanziellen Mittel arbeiten. Auch die Petitionsbewegung werden wir nicht früher beginnen, als wir nicht genügend Mittel zu ihrer Durchführung besitzen werden; wir wollen uns nicht wieder blamieren. Jabotinsky reißt mit seiner Rede die ganze Konferenz mit sich. Er verteilt Lob und Tadel nach rechts und links und findet Worte offenen Hasses gegen die Zionistische Organisation, ein Haß, der nun zum Schlüsse der Konferenz die so sehr auseinanderstrebenden Kräfte wieder zusammenfängt. Er spricht lang und breit gegen die Diktaturvorschläge, und doch klingt später jede seiner Forderungen an die Konferenz in den stereotypen Satz aus: ״Wenn Ihr das nicht tut, so spiele ich nicht mit“; ein Druck und eine Drohung, die sichtlich nicht ihre Wirkung verfehlen wird. Ein Eingeständnis, das schon in dem Referate Soskins, das sich im wesentlichen mit dessen vor zwei Jahren in Prag vorgetragenen Kolonisationsreferat deckte, zu Tage getreten war, verdient hervorgehoben zu werden. Der Revisionismus verfügt über kein Kolonisationsprogramm, weiß keine Antwort auf die Frage der jungen Generation, die nach Palästina tendiert und zur Ansiedlung drängt. Jabotinsky warnte davor, daß die revisionistische Bewegung, die jetzt von ihrer Anhängerschar zu praktischer Palästinaarbeit gedrängt werde, in die von ihr bekämpften Fehler der Zionistischen Organisation verfalle und sich wieder auf Fonds, Unterstützungen oder dergleichen stütze. Was an ihre Stelle zu treten habe, wird nicht verraten, aber en passant erfährt man bei anderer Gelegenheit, daß sich der Revisionismus mit dieser zionistischen Kardinalfrage — begreiflicherweise, da man doch bisher alles von einem englischen ״Kolonisationsregime“ erhoffte —, überhaupt noch nie hl beschäftigt hat Bei der Hervor-