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Jüdische Rundschau · 1932-08-30 · Heft 69 (30.8.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 69 (30.8.1932)
Date
1932-08-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer ojts Goldmark Aus der Jugendbewegung JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldtnark. Auslands!!banne ments werden in der Währung der einzelnen Linder berechnet Anzeigenpreis: 8 gesp. NonpareiÜezell« 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25 G.-M. Nummer 69 | Berlin, 30. VIH. 1932 Redaktion, Verlag und Anzeigen -Verwaltungt Jüdische Rundschau G. m. b. H., Berlin W15, Meinekestr.10, Telefon: J I Bismarck 7165-70. Anreigenechlufi: Dienstag and Freitag sacbmiUeg• 4Uhr Redaktion88chlufc Sonntag und Mittwoch nachmittag. Poitiehück - Kont«n : B«rlin 17392, BmI V 9355, Belgrad 68032, Brüssel 39433, Bud.pwt 596 93, Dsmig 1973, Hs»* 140470, Prag 594101 Rf*s 4155, Straesbur* 16430, Wsrachsa 190708, Wien 1*5030. Bank - Konten: Darmstadter- und Natiotialbnak, Oepoeiteti - Kaes« Berlin, Kurfüratendamra 52; Rumäniache Kreditbank, Gemauti (Rumänien); Anglo Palestin« Co. in Haila, Jerusalem, Tel -Aviv. ב״ח אב תר8*ב | xxxvn. Jahrg. Per »loniimut erstrebt fttr da» lüdlsche Volk *Ile Schaffung einer öffentlich יי rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.“ Papen gegen Hitler DieWeltkonferenz der Revisionisten Eröffnungsreden Jabofinskys und Gro^manns Wien, 29. August. (j.T. A.) Am Sonntag־, dem 28. August, abends, wurde im großen Saal des Zirkus Renz in Wien bei An- Wesenheit von Delegierten aus fast allen Ländern Europas und aus Palästina, sowie vielen Hunderten von Gästen die fünfte Weltkonferenz der Union der Zionisten-Revisionisten durch Wladimir Jabotinsky eröffnet. Jabotinsky, von der Konferenz stürmisch begrüßt, gab der Konferenz ihre politische Linie in einer großangelegtcn Rede, in der er die folgenden Gedanken entwickelte: Die heutige Lage des Weltjudentums bedeutet den endgültigen Zusammenbruch aller erdenklichen Pläne, die Judenfrage außerhalb des Zionismus zu lösen. Es bleibt nur die eine Lösung übrig: der Judenstaat. Einige Millionen Juden müssen in absehbarer Zukunft die Hauptzonen des jüdischen Elends verlassen und in Palästina ein nationales Staatswesen bilden. Mit dem Traume, das jüdische Leben im Ghetto zu normalisieren, haben auch die g 11 e 11 o h a f t e n Mißdeutungen des Zionismus Bankrott gemacht, so z. B. die Ideen von einem ״geistigen Zentrum“ oder ״binationalen Staat“, Gegenüber der tragischen Lüge der Galuth, wie sie heute vor uns entblößt dasteht, bleibt nur ein Hilfsmittel als reell und der Anstrengung wert: konzentrische Massenwanderung nach Palästina; Juden- Staat auf beiden Seiten des Jordan. Zionismus ist wieder das geworden, was er in Herzls Tagen war: nicht nur nationale Renaissance, sondern auch humanitäre, beinahe messianische Rettungsidee für große Massen Juden. Das aktuellste Hindernis der Verwirklichung dieser Aufgabe ist heute die Politik der Mandatarmacht. Lieber die Tragweite dieser Tatsache herrschen noch in unserer Mitte verschiedene Auffassungen. Heber eines aber herrscht bei uns volle Einigkeit: wir stellten fest, daß, solange die heutigen Zustände herrschen, das englische Mandat keine ethische Grundlage hat, rechtswidrig ist und eine Gefahr für das Judentum, für Europa und für die gesamte Zivilisation bildet. Diese Tatsache muß jetzt der gesamten Welt klar gemacht werden. Ueber die Methoden dieses Kampfes wird nicht so sehr diese Konferenz als das Leben selbst entscheiden. Es ist aber klar, daß der Kampf sich jetzt sowohl in der Diaspora, als auch in Palästina selbst entwickeln wird. Eine der wichtigsten Kampfformen wird ״Petition“ heißen. Eine Petition ist mehr als ein Text mit vielen Unterschriften: ein ausgedehnter Prozeß von sich häufenden Kundgebungen, welche das ethische Empfinden der Welt wecken und erregen sollen, und von welchen die formelle Uebergabe der Petition bloß der letzte Akt sein wird. Nach Jabotinsky sprach Meir Großmann, der Vize* Präsident der Union der Zionisten-Revisionisten und Leiter des politischen Büros der Union. Er führte u. a. aus: Es ist wichtig festzustellen, daß sich nicht allein die Taktik des Kampfes nach innen und außen, sondern auch unsere politische Einstellung gegenüber England und der Zionistischen Organisation geändert hat. In der Politik kann man diesen LJebergang durch zwei Momente charakterisieren: siebentes Dominion und Organisierung des Widerstands. Nicht die Liebe zu England diktierte uns die Idee des siebenten Dominions und nicht Feindschaft gegen England führte uns auf den neuen Weg des Widerstandes gegen ein feindliches Regime. Unsere politische Aufgabe in den letzten zwei Jahren bestand darin, die wirkliche Lage in Palästina festzustellen, den wahren Sinn des englischen Regimes zu enthüllen und die internationale und jüdische Oeffentlichkcit auf Konsequenzen vorzubereiten, die unvermeidlich folgen müssen. Aufgabe des Zionismus ist nun: Benützung neuer Faktoren in unserem Kampfe, wie z. B. die Kraft des Jischuw, Serie politischer Aktionen im Unterhaus, in Genf u. a. m. Zwei Jahre führten wir den politischen Kampf auf der neuen Linie und dieser Kampf brachte zweifellos einige Ergebnisse. Sowohl England, als auch die jüdische Oeffentlichkeit begriffen es schließlich, daß die Initiative wieder in jüdische Hände überging und daß der Rückzug des Zionismus zum Stillstand gebracht wurde. Seit der Konferenz in Prag betätigten wir uns in einem hohen Maße auf dem Gebiete der Zionistischen Organisation. Die zionistische Führung unter Weizmann war unhaltbar geworden, sie wirkte demoralisierend, verminderte den Widerstand. Weizmann mußte den Führerposten verlassen. Der Sieg forderte von uns gewisse Opfer und wir brachten sie. Zwei Momente waren im inneren politischen Kampfe wichtig: das linke Monopol ist gebrochen und die graue zionistische Masse ist zur Entscheidung gezwungen worden. In aller Kurze Der High Commissioner von Palästina hat im Hinblick auf die schlechte Ernte in diesem Jahre verfügt, daß den Landwirten ein Nachlaß der Zehentsteuer in Höhe von 70״ä für das Jahr 1932 gewährt werde. Dies macht einen Gesamtbetrag von 173 000 Pfund aus. Die Herabsetzung des Zehent gilt aber nicht für Citrus-Früchte. Am 22. August, dem dritten Jahrestag des Ausbruchs der antijüdischen Unruhen in Palästina vom August 1929, wurde in der jüdischen Kolonie Hulda ein Denkmal für Ephraim Chisik, der die Verteidigung der Kolonie Hulda leitete und dabei fiel, enthüllt. Zahlreiche Abordnungen aus allen Teilen Palästinas wohnten der Enthüllung des Denkmals bei. Im Alter von 80 Jahren starb in Warschau Dr. Sam u e 1 Gold flamm, einer der prominentesten Führer der nichtzionistischen Jewish Agency in Polen. Dem Waad Leuini ist es gelungen, die beiden einander bekämpfenden jüdischen Arbeitergruppen in der Kolonie Hadar dazu zu bewegen, den Streitfall einer gemeinsamen Sitzung der Allgemeinen Arbeiterorganisation und der Poale Misrachi ־zur Entscheidung zu überlassen. Inzwischen verbleiben die Poale Misrachi-Arbeiter in Hadar auf ihren Arbeitsplätzen. In dieser Woche wird der neugewählte Reichstag zusammentreten, in welchem die Nationalsozialistische Partei die stärkste Fraktion bildet. Wohl selten noch war eine innerpolitische Situation so wenig durchsichtig wie diesmal. Das Rätselraten darüber, wie Papen es zustande bringen will, ohne eine Mehrheit im Reichstag und zugleich ohne Verfassungsbruch an der Macht zu bleiben, wird in den Zeitungen aller Richtungen fortgesetzt. Die Rede des Reichskanzlers vom letzten Sonntag hat jedenfalls gezeigt, daß die Regierung im Amte bleiben will und ein Programm für die nächsten zwölf Monate durchzuführen gedenkt. Der Reichskanzler hat in seiner Rede nicht nur das praktische Programm, sondern auch die Grundsätze seines Regierungssystems dargelegt. Er hat sich mit großer Entschiedenheit zu dem Grundsatz ״Gleiches Recht für alle“, zu dem Gedanken der Gleichberechtigung aller Staatsbürger bekannt und damit Deutschlands Stellung in der Reihe der Rechtsstaaten, die infolge der maßlosen Agitation der letzten Tage vielfach schon bezweifelt wurde, wiederhergestellt. In jüdischen Kreisen haben begreiflicherweise diejenigen Bemerkungen des Kanzlers, die der Aus einandersetzung mit Adolf Hitler gewidmet waren, stärkste Aufmerksamkeit gefunden. Man hat Papens Worte vielfach als eine neue scharfe Absage an Hitler empfunden. Die immanenten Ziele der deutschen ״nationalen Freiheitsbewegung“ werden der aktuellen Politik des Nationalsozialismus gegenübergestellt und Papen erklärt, daß die Prinzipien der gegenwärtigen Regierung dem wahren Willen der nationqlen Bewegung, die dem Nationalsozialismus die Wähler stellt, mehr entsprechen als Hitlers Diktaturgelüste. Der jüdische Staatsbürger, der dank seiner nationaljüdischen Orientierung die Dinge unbefangen zu betrachten vermag, ■wird erkennen, daß es sich hier um den Kampf zweier Machtgruppen im Staate handelt, wobei gewiß niemand auf die Idee kommen könnte, daß die Judenfrage auch nur das Geringste damit zu tun hat. Nur durch die Grundkonzeption des National- Sozialismus, die des Juden-Gespenstes als Gegenspielers bedarf, ist es so weit gekommen, daß selbst derartige innerpolitische Kämpfe unter dem Gesichtspunkt der Judenfrage betrachtet werden können. Wenn der Reichskanzler sich gegen Hitlers ״Zügellosigkeit“ wendet, so liegt die Frage nahe, warum Herr von Papen, dem doch gewiß das gedruckte Programm der NSDAP, bekannt sein mußte, nicht schon früher ein Wort kritischer Beurteilung dieses Programms geäußert hat, besonders zu jenem Zeitpunkt, als die neue Regierung glaubte, sich auf die parlamentarische Unterstützung oder wenigstens Tolerierung durch die NSDAP, verlassen zu können. In Der Revisionismus aui der A.-C.-Sitzung Von Richard Lichtheim. Wir haben in Nr, 65 einen Aufsatz von Kurl Blumen• feld über die Sitzung des Aktions-Comites in London veröffentlicht. Gegen diese Beleuchtung der Sitzung nimmt der Führer der deutschen Revisionisten, Richard Lichtheim, Stellung, In der (von uns aus Raumgründen gestrichenen) Einleitung macht Lichtheim die richtige Bemerkung, daß die Beurteilung von Ereignissen wie diese Sitzung stark von der subjektiven Einstellung des Betrachters abhängig ist, so da fl zicei Teilnehmer der Sitzung in wichtigen Punkten entgegengesetzte Eindrücke haben können. Es ist nicht zum erstenmal, daß wir im Zionismus diese Beobachtung machen, vielmehr melden sich — seitdem es die Parteizenpliltcrung gibt — nach allen Kongressen und Sitzungen die divergierenden Auffamungm zum Wort. 11 ir glauben, daß der Artikel Lichiheims weniger um dieser Differenzen willen von Interesse ist, als aus dern Grunde, weil er für eine bestimmte Orientierung innerhalb der Revisionistischeu Union aufschlußreich ist. ln diesen Togen findet in Wien die W e 111; 0 n f c r e n z der Revisioniste n stritt. Es ist bekannt, daß im revisionistischen Lager schroffe Gegensätze einander gegenüberstehen, daß z. B. die von Lichtheim vertretene Auffassung scharf abweicht von dem von Jabotinsky befürworteten radikalen Separatismus. Ob diese Gegensätze in Wien überbrückt oder verkleistert werden können, werden die nächsten Tage zeigen. Lichtheims Artikel ist jedenfalls ah ein Ausdruck jener revisionistischen Strömung zu verstehen, die mit der Zionistischen Organisation verhundert bleiben will. Wir geben Lichiheims Ausführungen im Einvernehmen mit Herrn Blumenfeld wieder, der zwar die in seinem Artikel in Nr. 65 gegebene Darstellung aufrecht erhält, aber doch auf weitere Polemik verzichtet, die das Bild, das jeder durch seine eigene Brille sieht, nicht klären könnte. Red. Zunächst muß ich feststellen, daß die Berichterstatt u n g über die A.-C.-Sitzung keineswegs so mangelhaft war, wie Blumenfeld behauptet. Die Bulletins enthielten die wichtigeren Reden und Beschlüsse in genügender Ausführlichkeit. Nur hat ein großer Teil der Presse aus Raummangel oder aus anderen Gründen die Bulletins nicht abgedruckt. So ist beispielsweise meine halbstündige Rede zur politischen Debatte in dem offiziellen Bulletin ziemlich richtig wiedergegeben worden. Der Inhalt der Rede war eine Darstellung der revisionistischen Auffassung der Lage, eine scharte Kritik an bestimmten Handlungen der Exekutive, der Ausdruck des Mißtrauens gegenüber der politischen Grundatiffassung der jetzigen Leitung. Weil aber diese Ausführungen sehr ruhig und sachlich vorgetragen wurden, weil ich die Bemühungen Arlosorot'fs zur Herstellung besserer Beziehungen zum High Commissioner anerkannte und eine von ihm empfohlene Maßnahm« als vernünftig bezeichnete, wurde —- um dieser gewaltigen Sensation willenl — in vielen Blättern meine Rede diesem Programm stehen Dinge gegen deutsche Staatsbürger, die sicherlich als ״zügellos“ bezeichnet werden können, und es wird darin auch ganz offen die Parole des Zweierlei Rechtes ausgegeben, es wird dafür geworben, daß Staatsbürger wegenf ihrer Abstammung, Volkszugehörigkeit, Religion oder Ge-; sinnung entrechtet werden. Die Art und Weise, wie Hitler1 auf die letzten innerpolitischen Konflikte reagierte, sind nur eine Fortsetzung der in der nationalsozialistischen Partei seit Jahren üblichen Propaganda, die sich ihre Opfer in erster Reihe unter den Juden suchte und — sogar in ihren exzessiven Formen — von allen Regierungen geduldet wurde. Gewiß ist es notwendig, die Autorität des Rechtsstaates wiederherzustellen, aber ebenso gewiß ist es, daß der Schaden״ der durch die nationalsozialistische Agitation angerichtet wurde, nicht mit einem Schlage wieder gutzumachen ist. Der mit Lügen und Verleumdungen aller Art arbeitenden Volksverhetzung könnte nur durch eine entschiedene geistige Gegena k t i o n begegnet werden, vor der die maßgebenden Faktoren stets zurückschrecken, weil sie gewärtig sein müssen, selbst als ״Judenknechte“ oder gar als ״Juden“ bezeichnet zu werden, wenn sie gegen den Antisemitismus auftreten. Wobei noch dahingestellt bleiben muß, wie weit die Ueberzeugung von der Schädlichkeit, Unmenschlichkeit und der blamablen Wirkung der antisemitischen Agitation in maßgebenden deutsehen Kreisen überhaupt vorhanden ist. Die Gefahr für die deutschen Juden ist noch lange nicht gebannt. Wir können uns nicht einreden, daß die Rücksicht auf uns Juden ein wesentliches Moment in den innerpolitischen!; Auseinandersetzungen bildet. Das jüdische Element in Deutschland hat gewiß das größte Interesse daran, daß der Zustand der fortgesetzten Unruhe und des latenten Bürgerkrieges, der Exzesse und Terrorakte ein Ende findet und eine Zeit geordneten Aufbaus beginnt. Manche Kreise meinten offenbar, es; sei ganz praktisch, wenn die Juden als Objekt und Ziel des! Hasses und ,der Zerstörungslust preisgegeb« werden. Diese•; Methode muß sich aber rächen.- Die Grundlagen des Staates: und der Gesellschaft werden durch sie untergraben. Es ist für! uns Juden genug demütigend, daß wir auf diesen ״praktischen“1 Gesichtspunkt hinweisen müssen, weil offenbar die Berufung auf Gerechtigkeit, Moral und Menschlichkeit keine tiefere Wirkung mehr hat. Es wäre sonst unmöglich, daß wir in Deutschland dort stehen, wo wir stehen, und daß die Führer des Volkes, die offiziellen ebenso wie die inoffiziellen, die politischen ebenso wie die geistigen, kein Wort des entschiedenen Protestes und der Abwendung von der Judenhetze sprechen. gar nicht erst abgedruckt, sondern in eine Zustimmungserklärung zur Politik der Leitung verwandelt. Daß weder Großmanns noch meine Rede zur Politik in der Form so scharf waren, wie man es aus den Zeiten der Kämpfe gegen Weizmann gewohnt war, hatte eine sehr einfache Ursache: Die politischen Referate der neuen Leitung boten ,weit weniger Angriffspunkte, als die Reden und Taten Dr. Weizmanns in den verflossenen zehn Jahren, und die Beurteilung der politischen Lage zeigte eine gewisse Annäherung der Standpunkte, mindestens eine Möglichkeit zu sachlicher Diskussion. Den Anhängern Weizmanns war es sichtlich peinlich, daß infolge dieser Umstände die Opposition gegenüber der jetzigen Leitung sich in so viel ruhigeren Formen vollzog; aber dafür sind eben sachliche Gründe vorhanden und Blumenfeld, der Weizmannianer, dreht den Spieß um, wenn er die kühne Behauptung aufstelit, ״daß man die bisher bekämpfte Richtung der Politik glaubt ertragen zu können, wenn Weizmanns Person nicht in Erscheinung tritt.“ Ich kann Biumcnfeld versichern, daß wir Revisionisten diese Leitung und jede künftige Leitung genau so erbarmungslos angreifen und kritisieren werden, wie wir es mit Dr. Weizmann getan haben, sofern die Leitung uns die gleichen Angriffsflächen bietet. Umgekehrt werden wir den Weizmartnianern nicht den Gefallen tun, eine blind-wütende Opposition zu betreiben, wenn eine Leitung ohne Weizmann da ist, mit der wir uns sachlich auseinandersetzen können. ich weiß nicht, ob Brodetsky und Arlosoroff der Ansicht sind, daß sie das ״System Weizmann“ vertreten. Sie haben sich hierzu auf dieser A.-C,-Tagung nicht geäußert. Ich habe auch im Gegensatz zu Blumenfelds Behauptung in der Rede Brodetskys nichts davon gehört, daß er sieh auf die Mithilfe Dr. Weizmanns bei Erreichung bestimmter politischer Ergebnisse berufen habe. Dr. Arlosoroff hat diese Hilfe in einem bestimmten Fall erwähnt. Jedenfalls lag kein Anlaß vor, die politische Debatte so’ zu deuten, wie Blumenfeld es getan hat. Das ״System Weizmann“ stand nicht zur Diskussion, seine Politik wurde von der Exekutive nicht verteidigt und daher von der Opposition nur in historischen Rückblicken gestreift. Die_ politische Diskussion war sachlich, nüchtern, sie bezog sich auf die Probl eine der Gegenwart und Zukunft. Die Haltung der Opposition war durch die jetzige Lage und die Berichte der Exekutive bestimmt. Sie brachte daher Kritik, Bedenken und Mißtrauen zum Ausdruck, zugleich aber auch den Wunsch zu sachlicher Auseinandersetzung und wenn möglich positiver Mitarbeit. Ist dies ein Fortschritt, ein Gewinn? Ich glaube ja. Blumenfeld sucht diesen Sachverhalt zu ignorieren, weil er noch immer über den Sturz Weizmanns grollt. Wer hat recht? Und wessen Auffassung — wenn schon Subjektivität unvermeidbar ist — dient mehr der Befriedung der Zionistischen Organisation? |[HIIIIIIIIIIII|[llllllllllllll[lllllltllllllllllllll|[|||llllllllllllllllllllllllllllll1INIIItlllilllllllllllll1n1llll[illllllllllllllllllllllllllllllllllllllll1n1[lllllllllll[IIIIIIIIIMIIIIIMI1n1IIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIItll[|lllllllllHIIIIIM[llllllllfllllllllllllll1mm1llllllllllllllllll[llllllllllllllllll[IUIII

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