Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 67 (23.8.1932)
- Date
- 1932-08-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Schlußbcrichf ans Genf Einzelnummer OJtS Goldmarh JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jaden Dienstag u.Fr ei tag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark.. Aaslandsabonnements werden in der Währung der einzeln*!! Linder berechnet Anzeigenpreis: 8 gesp. Nonpareillezeile 0,50 G-M, Stellengesuche 0,25 G.-M. Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b. H״ BerlinW15, MeinekestrJO. Telefon: J 1 Bismarck 7165-70. Aaielssnadhlnt: Dienstag and Fr.it■( naehm 1 tt agi 4Uhr Pon1eh.ck-Kon1.il : B״lin 17392. Baael V 9355, Belgrad 68032, Brüaael 39433, Bodapeat 596 93, Damig 1973, Haag 140470, Prag 59410. 4155. Straaaburg 16430. Wandiau 19071», Wien 15603a Batik »Kosten: Darmstidter- und Naticmalhank, Depositen - Kasse Berlin, Kurfürst endatmn 52; Rumänische Kreditbank, Oraauti (Rnmlnien); Anglo Palestlne Co« In Haifa, Jerusalem, Tel-Aviv. Nummer 67 | Berlin, 23. VIII. 1932 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״א אב תרצ״ב | xxxvii. j*hrg. Der Zionismus erstrebt lOr das Jüdische Wollt die Schaffuna einer üffentlieh - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.« In aller Kürze Am 17. August Ist aus Warschau eine Gruppe von 80 Auswanderern nach Palästina abgereist. Die Gruppe besteht aus Chaluzim, Chaluzoth und Auswanderern mit eigenem Kapital von mindestens 1000 Pfund. In etwa drei Wochen wird eine zweite Gruppe von etwa 500 Palästina-Auswanderern Warschau verlassen. Die Jewish Agency hat auf Rechnung der nächsten Arbeitereinwanderungs-Quote 233 neue Einwanderung!- Zertifikate nach Palästina erhalten. In Risehon le Zion wurden große Festlichkeiten anläßlich des 50'ährigen Bestehens dieser Kolonie abgehalten. Den Höhepunkt bildete die Ankunft des High Commtssioners Wauchope am 16. August. Eine zehntausendköpfige Menge brachte dem High Commissioner lebhafte Ovationen dar. Es wurden zahlreiche Reden gehalten, auch vom High Commissioner. Abends fanden Volkstänze und ein Fackelzug statt. Im Namen der Festversammlung und des High Commissioners wurden Begrüßungstelegramme an Baron Edmond de Roth- Schild und James Rothschild gerichtet. Der Londoner Synagogenverband, dem 72 Synagogen angeschlossen sind, hat dem Jüdischen Nationalfonds 500 Pft1r1d zur Errichtung eines Wachtturms im Balfour-Wald fespendet. In einer Festsitzung der Verbandsleitung hielt der räsident des Verbandes, M. H. Davis, eine Ansprache, in der er erklärte, der Synagogenverband sei nunmehr unwiderruflich mit der zionistischen Arbeit verknüpft. Die soeben in New York abgehaltene 15. Jahrestagung des Verbandes der orthodoxen Rabbiner der Vereinigten Staaten und Kanadas hat an Reichspräsident von H i n d e n - bürg ein Telegramm gerichtet, in dem ihm der Dank für seine gerechte und freundliche Haltung gegenüber den Juden ausgesprochen und er gebeten wird, den deutschen Juden weiterhin seinen Beistand gegen die ungerechten Angriffe der Judengegner zu gewähren. Es wird berichtet, daß Andrews, der Biograph Gandhis (deutsch im Insel-Vyl.) und ein Führer der rehgiösen Friedensbewegung in Indien, sich demnächst nach Palästina begeben wird, um die Ursachen des Gegensatzes zwischen Arabern und Juden an Ort und Stelle zu studieren und die Möglichkeit einer Verständigung zu untersuchen. Berliner Kriminalbeamte haben in Groß-Gaglow die Bralttluagttr«ach den.■Urhebern des .A1wsl»l*g* auf ifc.dertige. TiAeh«״'Medlung,'Bei dem-ein eb«f*fll^gesteltis ־Sfedlungs-■ haus in die Luft gesprengt wurde, aufgenommen. Im Schulte des zerstörten Siedlungshauses wurde eine Zündschnur gefunden. Auf die Ergreifung der Täter hat der Regierungspräsident von Frankfurt a. O. eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. Der dem Wiener Seidenfabrikanten Max Delfin er gehörende große Fabrikbetrieb für Seidenerzeugung und -Färberei in Tel-Awiw soll demnächst wieder eröffnet werden. Ein Teil des leitenden Personals ist bereits aus Wien nach Palästina abgereist. ln der letzten Sitzung des Rates der Jerusalemer Jüdischen Gemeinde wurde das Budget für das kommende Jahr auf 7890 Pfund festgesetzt. Hiervon sind 1858 Pfund für religiöse Zwecke, 900 Pfund für soziale Hilfe und Gesundheitswesen, 1250 Pfund für Erziehungswesen, 650 Pfund für Schuldentilgung und 750 Pfund für den Waad Leumi bestimmt. Die zionistische Föderation Belgiens hat die Initiative zur Schaffung einer belgisch-palästinensischen Handelskammer in Antwerpen ergriffen. Der bekannte palästinensische Landwirtschaftsexperte Jakob Ettinger feierte am 11. August seinen 60. Geburtstag. Ettinger, der aus Rußland stammt, war viele Jahre hindurch als Agronom in den argentinischen Kolonien derJCA tätig. 1915 wurde er Berater des Direktoriums des Jüdischen Nationalfonds in Kolonisationsfragen. Später leitete er mehrere Jahre die Abteilung für landwirtschaftliche Kolonisation der Zbnistisehen Exekutive in Palästina. Polnische Banditen überfielen die von der ״Jüdischen Landbau-Gesellschaft“ in Jaszczuduwka in der Nähe deg Kurortes Zakopane eingerichtete Sommerkolonie, nachdem sie zuvor die telefonische Verbindung mit der Kolonie durch• geschnitten hatten. In dem hauptsächlich von Juden bewohnten ostgalizischen Städtchen S n y a t y n wurden auf dem Marktplatz 17 Häuser durch einen Brand vernichtet. 32 jüdische Familien sind obdachlos geworden. Der Schaden beträgt 150000 Zloty. Eine Untersuchung wurde eingeleitet. Jndentnm and Fr&edensgedankeii Genf, 19. August. (J. T. A.) Am 17. und 18. August fanden in Genf Sitzungen des Exekutivkomitees zur Vorbereitung eines Weltkongresses für den Frieden durch die Religionen statt. An der Sitzung nahmen von jüdischer Seite Rabbiner Dr. Stephen Wise, Oberräbbiner Rubinstein aus Wilna und Rabbiner Lieber als Vertreter des Grand Rabbin von Frankreich, Prof. Israel Levy, teil. Oberrabbiner Rubinstein war einer von den Rednern, die eingeladen worden waren, die allgemeine Aussprache über die Stellung der Religionen zum Frieden und für die praktischen Möglichkeiten einer Verhinderung des Krieges durch die Religionen einzuleiten. In längerer Rede präzisierte Oberrabbiner Rubinstein die jüdische Auffassung des Friedensgedankens und die Stellung der jüdischen Religion zu ihm. Im Verlauf seiner Rede erklärte er, es sei zu bedauern, daß die gehässige Piropaganda des Antisemitismus in vielen Ländern häufig auch durch Geistliche gefördert werde. Der Redner schloß mit der Aufforderung, für eine Erziehung zu sorgen, die nicht mehr den Glauben an das Sqhwert als höchsten Kult propagiert In der Diskussion wandten sich einige Redner gegen die Ausführungen Rabbiner Rubinsteins über den Judenhaß. Judenheize als politisches Kampfmittel Die Nazis iOiiren ihren ifampl öeöen Papcn als den ״judensdifllzer“ Der ״Völkische Beobachter“ benützt die Berichte über die Genfer Jüdische Konferenz zu einer heftigen Hetze gegen die Juden. In seiner Nummer vom 19. August bringt er mit Riesenlettern über die ganze Seite die Ueberschrift: ״Die Regierung Papcn hat den Schutz der Juden auf ihre Fahne geschrieben.“ In dieser Weise — bemerkt der ״Völkische Beobachter“ — wird das ״Präsidialkabinett“ vom internationalen Judentum bewertet! Der erwähnte Satz stelle ein ״vielsagendes“ Zitat aus der Rede ״des Berliner Zionistenführers und Zentrumskandidaten Kareski“ dar. In der Ueberschrift wird auch von ״Drohungen gegen die NSDAP, und Lob für Papen auf dem Jüdischen Weltkongreß“ gesprochen und in einer weiteren Ueberschriftszefle (im ganzen fünf ganzseitige Ueberschritten!) wird gesagt: ״Goldmann droht mit der Gegner- Schaft der Juden in der ganzen Welt.“ Die Nationalsozialisten, die nach der Abweisung Hitlers in scharfe Opposition zum Kabinett Papen getreten sind, wollen offenbar Papen dadurch diskreditieren, daß sie ihn als P r o t e k t o r d e r Juden hinstellen. Mehr als die Verdrehungen des ״Völkischen Beobachters“ interessiert dabei die Tatsache, daß man in Deutschland In kritischen Momenten, wenn man den Kampf gegen eine Regierung oder eine Gruppe erfolgreich führen will, sofort zum a n 11 s e m i - tischen Argument greift. Man rechnet also damit, daß weite Kreise der Bevölkerung es in der Tat als eine bekämpfenswerte Haltung betrachten würden, wenn die Regierung Papen die Juden schützte. Man kann nun gegen die nationalsozialistisehen Agitatoren gewiß vieles sagen, aber das Eine wird man ihn*»- lieh daß sie gute Massenpsychologen sind. Wenn sie dem deutschen Bürger das ״Schreckbild“ einer die Juden schütze«- den Regierung an die Wand malen, dann muß man annehmen, daß sie überzeugt sind, der Bürger werde sich mit Abscheu von diesem Bild abwenden. Wie demagogisch diese Publikation ist, erkennt man am besten, wenn man unvoreingenommen die Rede von Kareski liest, die wir in unserer letzten Nummer wiedergegeben haben. Unsere Leser konnten sich selbst überzeugen, daß diese Rede die Verhältnisse in Deutschland maßvoll und besonnen geschildert hat. Kareski warnte ausdrücklich vor Uebertreibungen und auch vor einseitiger Betrachtung gewisser innerdeutscher Entwicklungen. Wenn er dabei von der Position der Juden unter der gegenwärtigen Regierung sprach, so ist es nur selbstverständlich gewesen, festzustellen, daß die Regierungsgewalt, die heute zum guten Teil in der Hand des Reichspräsidenten selbst liegt, gegen eine formelle Entrechtung der Juden und gewiß auch gegen antijüdische Gewalttaten ist. Die jetzige Reichsregierung weiß, wie sehr Deutschlands Stellung in der Kulturwelt durch einen Rückfall in mittelalterliche Barbarei bei Behandlung der Juden beeinträchtigt würde. Die Regierung Papen wird daher die Rechtsstellung der Juden wahren, aber es ist gewiß etwas zu viel gesagt und nur als rednerische Floskel zu verstehen, wenn erklärt wird, sie habe den Schutz der Juden ״auf ihre Fahne geschrieben“. Die Regierung hat bekanntlich den christlich-nationalen Kurs ״auf ihre Fahne geschrieben“, und die Judenfrage steht in ihren Erwägungen nicht an erster Stelle. Aus dem ganzen Zusammenhang der Rede ״Times“ Aber die A.-C.-Sitz1mg Die ״Times“ veröffentlicht in ihrer Nummer vom 20. August einen ausführlichen Artikel ünter der Ueberschrift ״Die Finanzen des Zionismus“. Der Artikel ist in Wahrheit ein Bericht über die A.-C.-Sitzung, wobei das finanzielle Moment in den Vordergrund geschoben wird. Es wird darauf hingewiesen, daß im Administrative Committee der Agency zahlreiche Nichtzionisten mit einem Teil der Zionisten für das höhere Budget gestimmt haben, das schließlich angenommen wurde, während ein anderer Teil der Nichtzionisten und einige, besonders die britischen Zionisten, für das kleinere Budget stimmten. Der Verfasser schildert dann ausführlich den Stand der zionistischen Samtnlungen sowie die Verwendung des Budgets für die einzelnen Posten. Weiter wird auf Dr. Weizmanns Rede in der Agency angespielt und erklärt, Dr. Weizmann, der noch immer ״der Führer der Bewegung“ ist, habe sich dadurch unbeliebt gemacht, daß er ein sehr zeitgemäßes und notwendiges Wort gegen dfe einseitige Uebertreibung der Orangenpflanzung und gegen die um sich greifende Gering- Schätzung der Chaluzsiedlungen im Emek Jesreel gesprochen habe. Zum Schluß erwähnt der Artikel der ״Times“ die einmütige Ablehnung des French-Berichtes durch das A.-C. Der French-Bericht ist bekanntlich noch geheim, aber der Mitarbeiter der ״Times“ teilt mit, daß von 3000 ״landlosen Arabern“, welche Anspruch auf Ersatz wegen Depossedierung erhoben haben, nur 249 Gesuche als berechtigt anerkannt worden sind. Um so mehr, so sagt die ״Times“, ist man verwundert, daß French trotzdem zu einer Empfehlung einschränkender Maßnahmen gelangt! von Kareski geht hervor, daß er die Lage in Deutschland — der Wahrheit entsprechend — so beurteilt. Aber vor Verdrehungen ist man nie gefeit. Die Nationalsozialisten haben sich dieses Zitat aus den Genfer Berichten für die Zwecke ihres innerdeutschen politischen Kampfes herausgesucht. Daß sie zugleich den Anlaß zur Judenhetze benützen, braucht uns weiter nicht zu wundern. In welcher gehässigen Weise dies geschieht, dafür möge hier der Schlußabsatz des Artikels als Illustration stehen: ״. . . Hieraus (nämlich aus Goldmanns Appell an das Deutschtum —- A. d. ״J. R.“) geht schon der Zweck der Genfer Veranstaltung hervor: Zum einen Teil Hetze gegen Deutschland, aus welchem Grund der Kongreß, der ursprünglieh in Zürich hätte stattfinden sollen, nach dem deutschfeindlichen Genf verlegt wurde, aut der anderen Seite die Zusammenfassung aller Juden der Welt in einem Weltkongreß zur Verteidigung ihrer bedrohten Situation in jenem alttestamentarischen Geist der Rache, der aus der Schlußrede Mister Wises aus New York übersprudelte, in der dieser amerikanische Rabbi dem deutschen Volk den Untergang voraussagte, wenn es seine Verfolgung gegen das auserwählte Volk, das nicht vernichtet werden könne, nicht aufgebe.“ Der Verfasser des Artikels irrt, wenn er das warnende Wort von einer ״geistigen Isolierung des deutschen Volkes“ übelnimmt und gar aus dem Tagungsort der Konferenz ihre ״Deutschfeindlichkeit“ ableitet. Die Konferenz war nicht deutschfeindlich, wohl aber hat sie auf die Gefahr hingewiesen, die der Nationalsozialismus für das deutsche Volk bedeutet. Diese Gefahr einer geistigen Isolierung, das möge sich der ״Völkische Beobachter“ gesagt sein lassen, spürt man I« Ziirlphgeaaugovrie in Genf,Ja, ®belli «feiÄÄiit" telclisgrtiztff* Art!»" wie die des ״Völkischen Beobachters“ Sind eine ständige Förderung dieses herostratischen Beginnens, Deutschland vom der ganzen Welt abzuschließen. Was das Judentum betrifft, so können natürlich die Drohungen und Verdrehungen des ״Völkischen Beobachters“ uns nicht abhalten, unsere Kräfte zu sammeln und für unsere Existenz und unsere Rechte zu kämpfen, wo immer diese bedroht sind. Die Wege, die hierbei zu beschreiten sind, werden von politischen und jüdischen Gesichtspunkten vorgeschrieben und nicht durch antisemitische Attacken beeinflußt. * Judenslämmige Nazis lm ״Montag Morgen“ veröffentlicht Thomas Wehrlin einen Leitartikel unter der Ueberschrift 11״ z i g Saalfelds Enkel“, worin auf die Tatsache hingewiesen wird, daß der Kreisleiter der Nationalsozialisten in Eutin (Hol»' stein), Dr. Walter Saalfeldt, sich als Enkel eines ostjüdischen Itzig Saalfeld entpuppt hat. Im Programm der NSDAP, heiße es zwar: ״Antisemitismus ist gewissermaßen der gefühlsmäßige Unterbau unserer Bewegung“, aber hier scheine das ״Gefühl“ getrogen zu haben. In diesem Zusammenhang wird berichtet, daß ein deutscher Wirt» s c h a f t s f ü h r e r , der in die NSDAP, eintreten wollte, Schwierigkeiten hatte, weil er eine jüdische Frau und mit ihr drei halbjüdische Kinder besitzt. Es wird erzählt: ״Er wandte sich an Hitler. Der Osat, gegen den millionenreichen Bewerber nicht ablehnend, wies ihn an den führenden Wirtschaftsberater der NSDAP., Herrn Reichstagsabgeordneten Funk, ln einem vielstündigen Gespräch beruhigte Herr Funk den blutmisclienden Millionär: ״Es gibt zwei Strömungen in der Partei, eine gefühlsmäßige gegen alle Juden und eine vernunftmäßige, welche die Unentbehrlichkeit jüdischen Unternehmergeistes im Rahmen des Volksganzen erkannt hat.“ Herr Funk wies auf die Wahlreden Hitlers hin, die keine antisemitische Wendung mehr enthalten haben. Der Bewerber war beruhigt. Ob er sogleich seinen Beitrag an den Wahlschatzmeister zu leisten hatte, verschwieg der Geduldete schamvoll.“ Soweit der ״Montag Morgen“. Die eigentümliche Toleranz der Nationalsozialisten gegenüber besonders heftig sich gebärdenden Renegaten trotz der ״Allmacht des Blutes“ ist schon bei früheren Gelegenheiten aufgefallen, so z. B. bei gewissen Literaten wie Rudolf Borchardt und Arnolt Bronnen. Auch der letztere hat sich ein teutsches ״t“ zugelegt, ebenso wie Saalfeldt, und außerdem aus seinem gutjüdischen Namen ״Bronner“ einen germanischen ״Bronnen“ gemacht. (Er ist heute Rundfunk-Dezernent) Werden nun eigentlich diese Gestalten als ״deutschstämmig“ betrachtet und im dritten Reich Volksgenossen und Vollbürger sein oder nicht? Gibt es ein Moratorium des Gesetzes des Blutes? Die Sache hat aber noch eine andere Seite. In dem Aufsatz von Thomas Wehrlin im ״Montag Morgen“ wird unter Anspielung auf den zitierten Satz des Programmes der NSDAP, über den Antisemitismus als gefühlsmäßigen Unterbau der Bewegung folgendes gesagt: ״Unter den Juden, die nicht einmal ein ganzes Prozent der deutschen Bevölkerung ausmachen, sind gewiß hundert-