Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 64 (12.8.1932)
- Date
- 1932-08-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 306 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 64, 12. Vm. 1932 Jewish Agency klein. In Wirklichkeit habe sie doch einen grollen Erfolg gehabt. Geringfügig sei bloß der in Pfunden und Schillingen sich ausdrückende Erfolg, und das sei auf äußere Umstände zurückzuführen. Die Palästina- Bewegung« her habe einen großen Fortschritt gemacht. Der Fortschritt des Palästina-Gedankens sei das Resultat der Erweiterung der Jewish Agency. Zum Schluß richtete Wassermann einen Appell zur Einigkeit an alle am Aufbau des Jüdischen Nationalheims Beteiligten. Möglicherweisc seien Aenderungen der Verfassung der Jewish Agency, einer für die Koordination der Gesamtarbeit für Palästina unentbehrlichen Körperschaft, notwendig. Man müsse in Frieden und Eintracht an der Erreichung des großen Zieles arbeiten. Nahum Sokolow erklärte, dieses Jahr sei ein Meilenstein in der jüdischen Oeschichte, Vor 50 Jahren habe eine kleine Gruppe begeisterter junger Leute mit dem Werk des Wiederaufbaus Palästinas begonnen. Dieses Jahr sei also ein Jubiläumsjahr. Heute beseele der Gedanke jener kleinen Gruppe die Tagung der Jewish Agency. Es sei Pflicht der Jewish Agency, das Andenken derjenigen zu ehren, die den Grundstein zu dein Gebaude gelegt haben, dem die Agency nunmehr ihre Kräfte widmet. Ussischkin, der in ihrem Kreise weile, sei nicht ein Veteran, sondern ein Pionier. Sokolow gab sodann einen Uebcrblick über die Ereignisse des letzten Jahres und besprach die Aenderangen inner- und außerhalb Palästinas. Das wichtigste Ereignis außerhalb Palästinas sei die Amtseinsetzung des neuen Kolonienministers Sir Philip Cunliffe-Llster, von den man hoffe, er werde eine neue Aera der Entwicklung des jüdischen Nationalheims in Palästina einleiten. Der Fortschritt des Palästina-Gedankens in der Diaspora sei sehr beträchtlich. Er selbst habe Gelegenheit gehabt, in der ersten Hälfte des abgelaufenen Jahres diesen Fortschritt jenseits des Ozeans zu beobachten. Auf seiner Reise durch die Vereinigten Staaten sei er mit allen Schichten der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung in Fühlung gekommen. Dieselbe Erfahrung habe Dr. Weizmann auf seiner Reise in Südafrika gemacht. Paiästina ist heute ein praktisches Ziel. Die Juden in Amerika erfassen die hohe Bedeutung Palästinas für sie selbst, für ihr individuelles Leben, für ihre Familien und die Erziehung ihrer Kinder. Was Palästina selbst betreffe, so könne auch der pessimistischste Beobachter den dort erzielten erfreulichen Fortschritt nicht übersehen. In dem neuen High Commissioner, Sir Arthur Wauchope, der ebenso sehr Staatsmann wie Soldat sei, hoffe man einen Freund des Palästina-Aufbaus zu finden, da er ein Freund der Humanität sei. Man könne mit gutem Grund annehmen, daß er die Bedeutung der Arbeit in Palästina verstehen werde. Zum Schluß erklärte Sokolow, die Jewish Agency sei dankbar für die Vergangenheit und hoffnungsvoll für die Zukunft. Sie werde ihre Tätigkeit für Palästina verdoppeln. Die Führer der Agency seien nicht hergekommen, um einen Appell an die Oeffentlichkeit zu richten. Das Zionistische Aktions-Comiti habe Tage lang eine Reihe von Fragen — hauptsächlich wirtschaftlicher Art, weil diese in der Palästina-Arbeit voranstehen — behandelt. Es seien Beschlüsse gefaßt worden, die vom Administrative Committee, das von demselben Gedanken, der im Palästina- Gedanken verkörperten Idee der Einheit Israels, beherrscht sei, geprüft werden sollen. Mit vereinten Kräften werde die Jewish Agency die Ziele verwirklichen, für die sie arbeite. Direktor Oscar Wassermann hat am 9. August morg?ns die Rückreise nach Berlin angetreten. 4! Die Tagung des Administrative Committee wurde am Dienstag, dem 9. August, abends, geschlossen. Im Mittelpunkt der in der Schlußsitzung geiührten erregten Debatte stand die Frage der Ausbalancierung des Budgets für das kommende Jahr Die Sitzung wurde mehrere Male unterbrochen, um der Exekutlve während der Verhandlungspause Gelegenheit zu geben, sich Aber strittige Fragen zu einigen und dem Administrative Committee sodann einstimmig beschlossene Vorschläge unterbreiten zu könten. Die Verhandlungen waren besonders dadurch erschwert, daß das Aktions-Co mit« die zionistisehen Mitglieder der Agency-Exekutive bindend verpflichtet hatte, auf der Bewilligung des vollen JduMbadetti van £ 306 000 zu bestehen. Das Administrative Committee war zunächst nicht bereit, dem Beschluß des Aktfons-Comitds beizutreten. Auch die nicht zionistischen Mitglieder der Exekutive machten Schwierigkeiten, well sie die Tatsache, daß die zionistischen Exekutlv-Mltglleder durch einen Aktions- Comitä-Reschluß gebunden waren, peinlich empfanden. Einige Mitglieder der Exekutive drohten sogar mit ihrem Rücktritt. Es gelang zwar, diese Exekutlv-Mltglleder davon abzuhalten, ihre Drohung wahr zu machen. Immerhin Ist aber mit einer Aenderung In der Besetzung der verschiedenen Ressorts innerhalb der Exekutive zu rechnen. Schließlich wurde das Budget angenommen, in dem £ 104 000 für Schuldentilgung, £ 44 500 fiir das Erziehungs-Departement, £ 49 300 für das Kolonisations-Departement, £ 14 500 für die Immigrations-Abteilung, £ 45 00(» für das Departement für Gesundheitswesen, £ 4500 für die Abteilung zur Förderung der Industrie und der Mittelstands-Siedlung vorgesehen sind. Dieses Budget zwingt die Exekutive, eine Anleihe von £ 22 000 auf zu erwartende Einnahmen aufzunehmen. Professor Moritz Sobernlteim 60 Jahre Am 13. ds. Mts. vollendet Legationsrat Professor S 3 - bernheim sein 60. Lebensjahr. Professor Sobernheim, der als _ Orientalist bedeutende wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen hat und im jüdischen Leben Deutschlands eine führende Rolle spielt, ist bekanntlich Referent für jüdische Angelegenheiten im Auswärtigen Amt. In seiner amtlichen Funktion hat er vielfach Gelegenheit, die deutschen Regierungskreise über die Bedeutung der Judenfrage und über die jüdischen Verhältnisse in der ganzen Welt auf dem Laufenden zu halten. Es liegt nahe, daß er hierbei auch oft mit den Angelegenheiten des Jüdischen Nationalheims in Palästina, mit Fragen der Palästina-Politik und der allgemeinen jüdischen Politik zu tun Und über diese wichtigsten weltjüdischen Entwicklungen objektive Informationen zu geben hat. Professor Sobernneim ist seit 1924 Präsident des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. Er nimmt auch an zahlreichen Kultur- und Sozial-Bestrebungen des deutsehen Judentums Anteil und ist Präsidiumsmitglied des Deutsehen Komitees Pro Palästina, im jüdischen Parteileben gehört er der ״Religiösen Mittelpartei für Frieden und Einheit in der Gemeinde“ an und versucht, hier eine verrnittelnde Funktion auszuüben. Sobernheims wissenschaftliche Veröffentlichungen beziehen sich auf Funde der vorder-orientalischen Archäologie, insbesondere hat er mehrere große Werke über arabische Inschriften veröffentlicht. Er ist auch Schriftführer der Vorderasiatisch-Aegyptischen Gesellschaft. Professor Sobernheim wenden sich anläßlich seines 60, Geburtstages die Glückwünsche des deutschen Judentums zu, und auch die zionistischen Kreise schließen sich der Schar der Gratulanten an! Die Tagung des Aktion• ~Comii6s geschlossen L o n d o n, 9. August. (J. T. A.) Die Tagung des Zionistisehen Aktfons-Comitls wurde am 9. August, 7 Uhr morgens, geschlossen. In der letzten Sitzung, die in der Nacht vom 8. zum 9. August abgehalten worden war, wurde vor allem der Antrag der Revisionisten, als Sonder verband anerkannt zu werden, behandelt Nach lebhafter Aus- Sprache wurde der revisionistische Antrag mit 22 gegen 21 Stimmen angenommen. Dem Beschluß ging eine langwierige Debatte voraus. Die Nichtrevisionisten wollten die Anerkennung des revlslonlstisehen Sonderverbandes an die Bedingung knüpfen, daß die Revisionisten keine politischen Sonderaktionen mehr vornehmen, während diese erklärten, sie würden lieber aus der Organisation ausscheidcn, als eine solche Bedingung annehmen. Wie sehr die Meinungen über diesen Gegenstand geteilt waren, kommt in dem knappen Abstimmungsergebnis von 22 zu 21 zum Ausdruck. In der Schlußsitzung des Aktbns-Comitds wurde auch eine Resolution gefaßt, die der Unzufriedenheit mit der bisherigen Tätigkeit und der augenblicklichen Zusammensetzung der Jewish Agency Ausdruck gibt. Es wurde ein Komitee eingesetzt, das sich mit der Frage einer Verstärkung der Wirksamkeit der Jewish Agency befassen soll. Das schwierige Problem der Palästina-Aemter wurde nach langer Debatte zur allgemeinen Befriedigung in der Welse gelöst, daß die einzelnen zionistischen Gruppen in den Leitungen der Palästina-Aemter proportioneil vertreten sein sollen und daß außerdem je ein Vertreter der stärksten Chaluz-Organisation in ihnen Sitz und Stimme erhalten soll. Schon in einer früheren Sitzung des A.-C. wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, das hebräische Schulwerk Palästinas in die Verwaltung des Waad Leumi zu Übertragen, die Jewish Agency soll das Schulwerk mit einer Jahressubvention von 40 000 Pfund unterstützen. Das Aktions-Comitd beschloß ferner, die Exekutive dahin zu instruieren, daß sie von der Regierung mit Nachdruck eine angemessene Subventionierung des jüdischen Erziehungswesens in Palästina verlange. Das Aktions-Comitö befaßte sich ferner mit Finanzfragen. Es wurden weitere einschneidende Kürzungen des Budgets vorgenommen. In der am 6. August abends abgehaltenen 15. Sitzung des Aktlons-Comites legte der Berichterstatter der Politischen Kommission, Richard Lichtheim, eine Reihe politischer Resolutionen vor, die nach kurzer Debatte angenommen wurden. (Der Text oder Inhalt dieser Resolutionen ist uns bisher nicht übermittelt worden. — Red. ״J. R.“) * In der mehrere Sitzungen ausfüllenden Organisations-Debatte beschäftigte sich das A.-C. insbesondere mit zwei Problem״ Komplexen, nämlich der Steilung der Revisionisten und dem Ausbau der erweiterten Jewish Agency. Ueber diese Debatte ist dem offiziellen Kommunique u״ a. folgendes zu entnehmen: < Das Referat erstattete, wi,e bereits von uns kurz mitgeteilt, der Leiter des Organisations-Departements, Berl Locker. Locker hob im ersten Teil seines Referates die Notwendigkeit hervor, die zionistische Ideologie auszubauen und . zu vertiefen, eine Aufgabe, die bisher wegen des Mangels an. Mitteln und wegen der dringenden Geldaktionen vernachlässigt worden sei. Im zweiten Teil seines Referates befaßte sich Locker ausführlich mit der Haltung der Revisionisten, deren Presse die Autorität der Exekutive systematisch zu untergraben versucht habe. Locker betonte mit Entschiedenheit, daß niemand ein Interesse daran habe, die Revisionisten aus der Zionistischen Organisation hinauszudrängen, daß jedoch die zionistische Bewegung darauf bestehen muß, daß alle Mitglieder der zionistischen Disziplin unterstehen und Sonderaktionen, die die Autorität der Exekutive untergraben, unterlassen. In der darauffolgenden Debatte vertrat M ei r Großmann den Standpunkt der Revisionisten. Er erklärte, die Revisionisten seien zur Zusammenarbeit bereit, aber Professor Rro* detsky habe bei einer Zusammenarbeit auf politischem Gebiet von den Revisionisten die Vorlage aller Dokumente verlangt, während er ihnen die Dokumente der Exekutive nicht vorlegen wollte. Was die Frage der Disziplin betreffe, so enthalte das zionistische Organisations-Statut keinen Paragraphen über die Notwendigkeit von Disziplin. Im weiteren Verlauf der Debatte sprach Kurt Blumenfeld, der auf die Notwendigkeit einer verstärkten Propaganda, die heute besonders erfolgreich sein könnte, hinwies. Es sei ein Erfordernis des Bestandes der Zionistischen Organisation, daß die Revisionisten als Teil der Organisation denselben Bestimmungen unterworfen werden wie alle anderen Körperschaften innerhalb der Organisation. Die zionistischen Aktionen dürften nicht durch Eingriffe von einzelnen zionistischen Gruppen gestört werden. Dr. Nahum Ooldmann bezeichnete die Forderung Großmanns, auf gleichem Fuß mit dem politischen Departement der Exekutive zu kooperieren, als unbillig. Auch andere Redner, wie Ru basehoff, Dr. Schwarzbart, Dr. Schmorak und Mossinsohn wandten sich gegen eine Sonderpolitik der Revisionisten, wogegen Stricker geltend machte, daß wegen der Erweiterung der Jewish Agency die Revisionisten zu Sonderpolitik gezwungen seien. Scharf wandte sich O r ii ת b a u m egen die Revisionisten. Er meint, daß die revisionistischen (ihrer in ihrer skrupellosen Propaganda so weit gegangen sind, daß sie heute gar nicht mehr in der Lage sind, die van ihnen erzogene Jugend in der Hand zu halten. In der Debatte wurde ferner, besonders von misrachistischen Rednern, die Gleichstellung der orthodoxen Chaiuzim gefordert. Mehrere Redner befaßten sich auch mit der Frage der Reorganisation der Paiästinaämter. Bezüglieh der erweiterten Jewish Agency wurde die Frage aufgeworfen, ob der jetzige Zustand noch die Machtverteilung von 50 : 50 rechtfertige. Die Idee, die Zionistische Organisation solle die Organisierung des nichtzidnistischen Teiles der Agency auf breiter Grundlage fördern, wurde von einer Reihe von Reefnern bekämpft. Als Abschluß der Organisations-Debatte hielten Brodetsky und Locker Schlußreden. Brodetsky wies auf eine Reihe von Ereignissen hin, bei welchen die Revisionisten durch ihr Verhalten nach seiner Meinung die zionistische Sache geschädigt haben, insbesondere durch die sensationelle Veroffentlichung des völlig unfundierten Kanfonierungsprojektes. Ein Mitglied der Mandatskommission habe zu Dr. Brodetsky und Dr. Jacobson in Genf gesagt, daß durch die politischen Sonderaktionen der Revisionisten in Genf Verwirrung gestiftet und der zionistischen Sache geschadet werde. Locker wandte Sich ausführlich gegen die Taktik der revisionistischen Presse. Die Vereinigung moslemischer junger Männer in Haifa beschloß, den 28. August als den Tag, an welchem iin Jahre 1187 Saladin den Kreuzfahrern bei Chatin eine entscheidende' Niederlage zugefügt hat, feierlich zu begehen. Nach Mitteilungen der arabischen Presse wird Zakki Pascha aus Aegypten die Festrede halten! Zur füdisdienWelfkonferenz in Genf Von unserem Spezialberichterstatter s. n. Genf, 10. August 1932 Die am 14. d. M. in Genf beginnende Jüdische Weltkonferenz hat eine mühselige Vorarbeit hinter sich. Das vorbereitendc Komitee hat an alle jüdischen Organisationen und Ge- Seilschaften Einladungen zur Teilnahme ergehen lassen. Aus den Antworten auf diese Einladungen ergab sich das, was man schon längst gewußt hat: Daß nämlich die Judenheit in der Welt dermaßen gespalten und zerrissen ist, wie man es sich trotz allem Pessimismus in dieser Beziehung doch nicht hat träumen lassen. Selbstsucht einzelner Organisationen, krampfhaftes Festhalten an antiquierten Anschauungen, Angst vor Mißdeutungen lokaler Judenfeinde, Rivalität jüdischer Poiitiker — al! das kam in den Antworten zum Ausdruck, die das vorbereitende Komitee auf seine Einladungen erhielt. Aber auch solche Organisationen, die sich prinzipiell zur Idee eines jüdischen Weltkongresses bekennen und die keine Scheu haben, gesamtjüdische Probleme in aller Oeffentlichkeit zu behandeln und radikale Forderungen zu ihrer Lösung voorzuschlagen und zu beschließen, haben sich auch ablehnend verhalten. Dies geschalt wohl darum, weil hei den zuletzt genannten Organisationen Bedenken nicht gegen die Idee des Weltkongresses und auch nicht gegen die Weltkonferenz bestehen, sondern Befürchtungen, daß die in Genf zusammentretende Konferenz nicht genügend vorbereitet ist und daß sie darum der Idee des jüdischen Weltkongresses eher schaden als, was sie bezweckt, nützen könnte. Man mag ein derartig vorsichtiges Verhalten beurteilen wie man will, sicher ist, daß nicht alle diese Organisationen und Verbände, die offiziell in Genf nicht vertreten sein werden, nicht ohne weiteres den ״Gegnern“ des Weltkongresses zugczählt werden dürfen. Es hängt vielmehr von dem Verlauf und den Ergebnissen der jüdischen Weltkonferenz ab, oh und itt welchem Ausmaße sich zahlreiche, jetzt offiziell ■beiseite stehende Organisationen in die gemeinsame Front zur Durchführung des Weltkongresses einreihen werden. Wenn man die vorläufige Tagesordnung der jüdischen Weltkonferenz, seiner Betrachtung zugrunde legt, so spricht viel dafür, daß diese Konferenz, entgegen so manchem Unkengcschrei, doch ein Erfolg werden kann. Insofern von dieser Konferenz eine Aufrüttelung des öffentlichen Gewissens und der Weftmeinung ausgehen soll, ist es, im Grunde genommen, belanglos, ob an ihr 300 oder nur 50 Delegierte teilnehmen. Es kommt darauf an, was auf der Konferenz gesagt und wie es gesagt werden wird. Die Konferenz flndet in der ״Welthauptstadt“ Genf, dem Sitz des Völkerbundes statt, wo Vertreter der größten Nachrichtenagenturen und Zeitungen der Welt tätig sind. Es wird viel darauf ankommen, in welchem Ausmaße und in welcher Weise diese Vertreter über die Schilderungen der Lage der Juden in der ganzen Welt, welche den ersten Punkt der Tagesordnung der Konferenz bilden, ihren Zentralen und ihren Redaktionen melden werden. Der zweite Punkt der Tagesordnung, der Vorschlag des Prof. Tedeschi, der internationale Maßnahmen gegen den Antisemitismus verlangt (s. die Darstellung in der ״Jiid. Rundschau“ Nr. 63), ist völkerrechtlich außerordentlieh interessant und kann unter Umständen der Ausgangspunkt einer Diskussion sein, die diese akute Frage der Menschheit, den Antisemitismus, in den Mittelpunkt internationaler Betrachtungen zu rücken vermag. Sicherlich stehen der Verwirk- Hebung von Tedeschis Plan sehr große Schwierigkeiten im Wege. Es wird viel von der Energie und dem Takt jüdischer Politiker und nichtjüdischer Freunde menschlichen Fortschritts tma allgemeinen Friedens abhängen, ob und in welcher Form der Plan Tedeschis eine Verwirklichung erfahren kann. Jedenfalls ist die Konferenz im Stande, diesem Prozeß der Verwirkiichung einen wirksamen Anstoß zu geben. Schließlich wird die Konferenz sich darüber schlüssig werden, ob, zu welchem Termin und unter welchen Bedingungen der jüdische We ltkon - greß einberufen werden soll. Es ist kaum ein Zweifel, daß die Vertreter, welche sich zur Teilnahme an der jüdischen Konferenz entschlossen haben, auch den Beschluß fassen werden, alle Schritte zur Einberufung eines jüdischen Weltkongresses zu unternehmen. Die Frage des Weltkongresses wird dadurch in ein entscheidendes Stadium gebracht sein. Zu welchem Zeitpunkte ein jüdischer Weltkongreß stattfinden kann, darüber aber wird letzten Endes die Entwicklung jier kommen- 41 In der Sitzung des Z i 0 n i s t i s c h en A k t i o n s - C om i 11 s vom 8. August wurde eine Resolution einstimmig angenommen, in der die für den 14. August nach uent einberufene jüdische Weltkonferenz auf das herzlichste begrüßt wird und der Präsident der Zionistischen Organisation, Herr Nahum Sokolow, gebeten wird, die Grüße der Zionistischen Organisation persönlich zu überbringen. Das Aktions-Comite sprach die Erwartung aus, daß die zionistischen Kreise sich möglichst stark an der Konferenz beteiligen werden. Triumphe von MakkaM-Mltgliedern in los Angeles Man schreibt uns: Sciiritt für Schritt erkämpft sich die zionistische Sportbewegung mit zäher Verbissenheit den ihr zukommenden Platz. Nach den glänzenden Leistungen der M a k - kabiah, auf der der Makkabi-Weltverband den Stand der Leibesübungen unter den Juden demonstrierte, gelang es Makkabi-Mitgliedern auf der Olympiade in Los Angeles, große Erfolge zu erzielen. Der für Dänemark startende Leicht- ״ewichtsringer Abraham Kurland (Hakoah-Kopenhagen) setzte sich trotz schwerster Konkurrenz auf dieser Rekord- Olympiade bis in die Endkämpfe durch und errang die bronzene Medaille hinter Malmberg (Schweden) und Sperling (Deutsch-!and). Dieser dritte Platz des noch sehr jungen Makkabi-Mannes verdient volle Anerkennung. Auch der Oesterreicher H i r s c h l (Hakoah-Wien), der durch sein glänzendes Können auf der Makkabiah großes Aufsehen erregt hatte, setzte sich erfolgreich durch und belegte hinter Westergreen (Schweden) und Urban (C. S. R) den dritten Platz, womit er Oesterreich ebenfalls eine bronzene Medaille sicherte. An einer der schwersten Prüfungen der Leichtathletik, dem Marathonlauf über 42,2 km, beteiligte sich als Vertreter der Tschechoslowakei der Makkabi Heks (Hagibor Prag). Unter 28 Läufern aus 18 Nationen belegte er in:41:35 St. den 8. Platz hinter dem argentinischen Sieger, zwei Engländern, einem Finnen, einem Amerikaner und zwei Japanern. Er erwies sich mit dieser hervorragenden Leistung als bester Marathonläufer Mitteleuropas. (Der Vertreter Deutschlands, De Bruyn, kam erst an 15. Stelle ein.) Leiter der Ungarischen Olympiamannschaft ist der von den Makkabi- Turnfesten bestens bekannte Turnlehrer Prof. Dyckstein aus Budapest. Der Makkabi-Weltverband wird nicht eher ruhen, als bis sein Ziel erreicht ist: Daß unter den Flaggen der Völker am olympischen Mast auch die jüdische Fahne hochgezogen wird!