Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 58 (22.7.1932)
- Date
- 1932-07-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2653348-2653408--23083-2681399- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 58, 22. VII1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 279 ״Ahasver am Ziel...? Von Hermann Sw et. Am 25. Juni ist vom Charlottenburger Bahnhof die erste jüdische Auswanderergruppe aus Deutschland nach Biro Bidsclian abgereist. ln Nr. 4 ״Die Wende“ — dem Berliner Organ des Oeserd — wird auf der ersten Seite in Fettdruck geschildert, wie die Pioniere in Moskau von jüdischen Arbeitern und Funktionären begrüßt wurden, wie gut die Verpflegung der Emigranten war, wieviel Taschengeld man ihnen auf den weiten Weg mitgegeben hatte (15 Rubel pro Kopf ...), und wie sie sich überhaupt ״wohlauf und in guter Stimmung“ befinden. An anderer Stelle derselben Nummer beschwert sich A. Hammer, Essen, in einem Artikel ״Ahasver am Ziel“ (Ahasver, der ewige Jude, eine, wie der Verfasser sich ausdrückt, oft symbolhaft gebrachte Propaganda-Figur jüdischer Nationalisten, hat nach jahrtausendlangen Wanderungen endlieh ein Ziel erreicht, und dieses Ziel heißt Biro Bidschan“ ..), daß ״in demselben Augenblick, in dem die oben genannten Auswanderer aus Deutschland die Grenze Sowjet-Rußlands bereits überschritten haben, sich die ״Jüdische Rundschau“ erlaubt, unkontrollierbare und verlogene Nachrichten, in denen von einer Rückwanderung aus Biro Bidschan gesprochen wird, zu verbreiten“. Zunächst zu der ״guten Stimmung“ unter den Einwandernden: In dem offiziellen Organ der jüdischen Kommunisten Rußlands, der Tageszeitung ״Emess“ vom 2.Juli, Nr. 150/3376, finden wir folgende Zeilen: Die Auswanderer aus dem Ausland sind auf die Schwierigkeiten, die sie in Biro Bidschan erwarten, nicht entsprechend vorbereitet. Wir haben das in diesen Tagen bei der Aufnahme der Auswanderergruppe, die aus Deutschland eingetroffen ist, feststellen können. Erstens hatte die Gruppe sehr schlechte Führer. Auf jede Beschwerde der Auswanderer hatten diese nur eine Antwort: ״Wenn es Euch nicht gefällt, so fahrt zurück“. Wie wenig die Leute vorbereitet waren, ist vor allem daraus zu ersehen, daß viele von ihnen sich über die schlechte Unterbringung in Moskau beklagt haben. Das läßt sich nur so erklären, daß sie im Glauben waren, hier wie Touristen den entsprechenden Kornfort zu genießen. Wenn sie sogar in Moskau jammern, wie wird es erst aussehen, wenn sie schon in Biro Bidschan sind? Ich selbst hatte Gelegenheit, diese erste deutsche Auswanderungsgruppe nach Biro Bidschan kennenzulernen, zuerst bei der ihnen zu Ehren veranstalteten Abschiedsfeier und dann bei ihrer Abreise auf dem Bahnhof; mit einigen von ihnen unterhielt ich mich auch. Es sind ausschließlich junge, gesunde Menschen, von wenigen Ausnahmen abgesehen lauter Handwerker und Bauarbeiter; dazu halbe oder ganze Kommunisten. Wenn überhaupt ein geeignetes jüdisches Menschenmaterial für die Kolonisierung von Biro Bidschan in der Welt vorhanden ist (Kenner dieses Gebietes, wie wir später sehen werden, behaupten, daß Juden den klimatischen An- Sprüchen in Biro Bidschan keineswegs gewachsen sind), so sind es Menschen dieses Schlages, wenn aber auch diese sich beklagt haben, so muß es um die Beförderung der Gruppe schon wirklich trostlos ausgesehen haben. Die Sache mit der ״guten Stimmung״ ist jedenfalls, wie wir sehen, ein wenig übertrieben. ... Und nun zu den ״unkontrollierbaren und verlogenen Nachrichten über die angebliehe Rückwanderung aus Biro Bidschan“: Im ״Emess“ vom 9. Juli, Nr. 156/3382, schildert der Korrespondent Stolow die furchtbare Wohnungsnot, die in Biro Bidschan herrscht. 2-^3 Familien wohnen in einem Zimmer. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln, ist schlecht. Für eine Unterkunftsmöglichkeit der Kinder ist in keiner Weise gesorgt. Viele Auswanderer verlassen die Gegend und beeben sich teils nach Chabarowsk, teils nach ibirien und teils nach Hause. — Im ״Einess“ vom 5. Juli, Nr. 153/3379 wird erzählt, daß in Biro ausschließlich die Arbeiter das Recht haben, in der Gemeinschaftsküche der Kolonie zu speisen. Ihre Familienmitglieder können jedoch kein Mittagessen erhalten und leben tagelang ohne warmes Essen. Lebensmittel werden nicht verabfolgt. Kindergärten sind nicht vorhanden. In Nikolajewka, in den ״Sowchosen“ der Waldindustrie, gibt man auch den Familienmitgliedern eine Ration. Sie reicht aber nicht, um die minimalsten Bedürfnisse zu befriedigen. Diese schlechte Lebensmittel-Versorgung und die sc hl ec hten Wohnungsverhältnisse führen zur Rückwanderung. In derselben Zeitung vom 11. Juli, Nr. 158/3384, wird die Sprache noch deutlicher. Hier erzählt ein gewisser Judel Berlopolsky, daß er bei seiner Ankunft in T i c h o n k a (Hauptpunkt in Biro Bidschan) gesehen hat, daß Menschen Schlange stehen und auf Dokumente für die Rückreise warten. So sehen die ״erlogenen und erfundenen Berichte über eine Rückwanderung aus Biro Bidschan“ aus. Man kann natürlich erwidern, daß damit doch noch kein Beweis erbracht ist, daß Biro Bidschan nichts taugt. Schlecht sei nur die Organisation der Kolonisierung. Das Land selbst dagegen sei ein ״Erez Sawath Chalaw udwasch“ und biete den jüdischen Ansiedlern die verlockendsten Möglichkeiten. Die Organisation der Biro Bidschan-Kolonisation ist wirklich schlecht, miserabel schlecht. Manchmal ist es für den Außenstehenden einfach nicht zu begreifen, daß man in Rußland mit den elementarsten Problemen nicht fertig werden kann. Liest man die täglichen Klagen in der Sowjetpresse über die Mißstände in der Kolonisationsarbeit und über das vollständige Versagen der Administration, so kann man beim besten Willen nicht verstehen, warum diese Mißstände Jahre andauern, und warum alle Versuche, eine Besserung zu erreichen, mißlingen. Aber auch das Land selbst taugt nicht. Wenigstens nicht für Juden. In den letzten Jahren ist eine ganze Literatur über Biro Bidschan entstanden. Es ist nicht unbekannt, daß in Rußland selbst die Ansichten über die Eignung Biro Bidschans für jüdische Kolonisationszwecke stark auseinandergehen. Ich will hier nur die Meinung eines anerkannten Kenners des Fernen Ostens zitieren, dessen Kompetenz und Unvorein- Benommenheit außer Zweifel stehen. Ich spreche von dem jetzt in Paris lebenden Professor M. Kroll, einem alten russischen Revolutionär, der noch im Jahre 1881 nach Sibirien verbannt wurde. Er durchforschte jahrelang diese Gegend, beteiligte sich an verschiedenen wissenschaftlichen Expeditionen, die von der zaristischen Regierung nach dem Baikal-Gebiet geschickt wurden, veröffentlichte verschiedene Bücher über die Flora und Fauna des Fernen Ostens usw. Prof. Kroll lebte viele Jahre in Irkoutsk und leitete dort die ״Gesellschaft zur Erforschung Sibiriens“. Er übersiedelte später nach Charbin, von dort nach Peking und wohnt jetzt in Paris. In der letzten Nummer des revisionistischen ״Rassivjet“ äußert sich Prof. Kroll über Biro Bidschan folgendermaßen: Schon im Jahre 1923 hat Prof. Kolosseff in den ״Materialien des Wissenschaftlichen Instituts für Kolonisationsforschungen“ einen Bericht über die klimatischen Verhältnisse in 4er Amur-Gegend veröffentlicht, in dem es heißt: ״Das Klima ist dort unerträglich. Die Fröste erreichen 50" Celsius, der Winter ist schneearm. Im Juli und August ergießen sich starke Regenbäche, die jährlich Ueberschwemmungen verursachen. Ja der ״Wetschem aja Moskwa“ vom 2. Oktober 1928 schreibt ein Korrespondent aus Chabarowsk, ״daß die Ueberschwernmung schon fast zwei Monate dauert, und daß ein Ende gar nicht voraus- Zusehen ist.“ Die größte Plage der Gegend ist aber der sog. ״Gnus s“, eine Art Mücke. Frau Dr. Roch, die in Biro Bidschan praktizierte, erzählt: Es ist schwer, sich vorzustellen, welche Qualen dieser Gnuss den Menschen verursacht. Der Stich selbst ist zwar schmerzlos, das darauf folgende Geschwür aber hält 7—8 Tage und führt oft zu Blutvergiftungen. Der bekannte Entomologe, Prof. Engel hart, behauptet, daß der Gnuss überhaupt unausrottbar ist. Ein beriihmter Kenner Sibiriens, Professor Kaufmann, äußert sich über die Amur-Gegend in dem Sinne, daß nur hier oder in den Nachbargebieten Geborene sich durchsetzen können. Alle Versuche, Bauern aus Zentralrußland oder aus der Ukraine in diesem Gebiet anzusiedeln, haben fehlgeschlagen. Trotz ihrer bekannten Ausdauer konnten sie nicht standhalten und mußten früher oder später flüchten. Im Sowjet-Jahrbuch ״Biro Bidschan“ für 1930 erklärt auch der Agronom G rigor iew, daß sich dort nur diejenigen niederlassen können, die in diesem Klima aufgewachsen sind“ ... Es ist bekannt, daß die Sowjet-Regierung am 30. Sepfernher 1931 einen Beschluß gefaßt hat, spätestens bis 1933 in Biro Bidschan einen jüdischen autonomen Rayon zu schaffen. Nach diesem Plan sollen im Jahre 1932 14 000 Juden an gesiedelt werden. — Wenn man in Betracht zieht, — erklärt Professor Kroll, — daß der obengenannte Beschluß im September 1931 während des Ausbruchs des japanisch-mandschurischen Konfliktes gefaßt wurde, so wird sein Sinn klar und verständlich. Es ist keine Kolonisation, sondern eine Mobilisation. Biro Bidschan ist ein wichtiger strategischer Punkt und ist als Barriere gegen die japanische Agressivität in Aussicht genommen. Die Sowjet-Telegraphen- Agentur ״Tass“ hat einmal sogar ganz offen von einem jüdisehen Regiment, das die Kolonisten in Biro Bidschan zum Schutz der russischen Grenze stellen werden, gesprochen. So sieht ״das ersehnte Ziel, an dem Ahasver angelangt ist“, aus. Von den 14 (XX) Seelen, die im Jahre 1932 in Biro Bidschan angesiedelt werden sollen, sollen 903 aus dem Ausland geholt werden: aus Berlin, Hamburg, Chemnitz, Essen, Frankreich, Süd-Amerika, Litauen, Lettland, Palästina usw. Mögen die vorstehenden Zeilen ein wenig zur Beleuchtung des Biro Bidschan-Rummels beitragen! Eine Forschungsreise nach SUdarabien und ihre musikalischen Ergebnisse beschrieb Hans Helfritz an Hand von Lichtbildern und Phonogrammen in der ״Gesellschaft zur Erforschung der Musik des Orients“. Diese Reise — die zum Teil in Gegenden führte, die noch von keinem Europäer vorher betreten worden waren —, war nur unter größten Gefahren und Schwierigkeiten zu realisieren. Der Bericht war hochinteressant und die Lichtbilder — von denen man etliche schon aus illustrierten Blättern kannte — ganz hervorragend. Ohne Frage ist die Kenntnis Südarabiens durch diese Reise aufs vielseitigste bereichert worden. Helfritz berichtet von einer Musikübung aus dem südarabischen Hochgebirge, die mitbestimmt ist durch die besonderen akustischen Verhältnisse jener Gegend. Wenn sich dort zwei Karawanen begegnen, so singen sie sich eine bestimmte Art von Kamelrufen entgegen, wodurch eine interessante Echowirkung entsteht. Im Wadi Hadramaut sah der Forscher die Schibwani-Tänze der Terim; das sind Massentänze, an denen sich die ganze Stadt beteiligt. Die Solosänger stecken beim Singen beide Zeigefinger in die Ohren, um sich den Eindruck größerer Lautstärke zu verschaffen, ln der — ganz amerikanisch anmutenden — Hochhausstadt Schiban gibt es Tierdarstellungen aus sabäischer Zeit. Eine wesentliche Entdeckung dieser Expedition ist die, daß sowohl diese Hochhäuser als auch die Musik jener Gegend mit Architektur und Musik der nordafrikanischen Berber aufs Merkwürdigste übereinstimmen. In Sanaa wurde Helfritz wegen unerlaubten Photographierens einige Tage inhaftiert. — Dann wurden wunderbare Photos von jemenischen Juden gezeigt. In der grandiosen Felsenstadt Minacha wohnen die Ismaeliten. Sie haben eine Rufsprache, durch die sie sich bei Gefahr Signale übermitteln. Helfritz zeigte Bilder von Sängern und Musikern mit Volks- Instrumenten. Bei den Sängern fällt das Hochziehen der Nasenwurzel auf, wodurch der charakteristische näselnde Ton erreicht wird. Das Verständnis der phonographischen Aufnahmen ist nur dem Musikwissenschaftler möglich, der imstände ist, durch die technischen Mängel hindurchzuhören. Immerhin konnte man durch die Vorführung eine Ahnung der südarabischen Volksmusik bekommen. Uns interessierten besonders Gesänge der jemenitischen Araber, die sich größtenteils von den uns bekannten Gesängen der jemenitischen Juden nicht unerheblich unterschieden: ein Marschlied, wo unendlich oft der gleiche Rhythmus wiederholt wird und der jemenische Nationalgesang, dem eine derartige Wucht zugeschrieben wird, daß er angeblich imstande ist, die Feinde zu vertreiben. Wir hörten dann noch Begräbnislieder der Beduinen und eine sehr originelle pantomimische Darstellung aus dem Hadramaut mit Tierstimmenimitation sowie jemenische Hochzeits- und Tanzlieder. Während der Diskussion, an der sich verschiedene Berliner Universitätsprofessoren beteiligten, belegte Robert Lachmann die Ausführungen des Herrn Helfritz noch mit Aufnahmen von Berber-Gesängen und faßte die Forschungsergebnisse des Referenten zusammen. _ A. J.-L. Die durch eine Subskription unter den Hebraisten in der ganzen Welt möglich gewordene Ausgabe sämtlicher Werke des hebräischen Dichters Dr. Saul Tschernichowsky liegt nun vollendet in zehn stattlichen Bänden vor. Aus diesem Anlaß wurde in Jerusalem ein Bankett zu Ehren Tschemichowskys veranstaltet, bei welchem das zchnbändige Werk dem Dichter überreicht wurde. Aus dem gleichen Anlaß wurde der Name Tschernichowskys in das Goldene Buch des Jüdischen Nätionalfonds eingetragen. Im Verlauf des Banketts würdigten Chaim Nachman B i a 1 i k , M. M. Ussischkin, Dr. David Y e 11 i n und Prof. Josef Klausner Persönlichkeit und Werk des Dichters. Tschernichowsky dankte gerührt dafür, daß man die Herausgabe seines Werkes zu einer Angelegenheit des Judentums gemacht habe. In einer Parkanlage der Wiener Leopoldstadt wurde das Denkmal für Dr. Julius Ofner, den vor zehn Jahren verstorbenen Führer der deutschliberalen Juden Oesterreichs, feierlich enthüllt. Die Polizei konnte die von den Nationalsozialisten angekündigte Störung der Enthüllungsfeier rechtzeitig verhindern. Im Zusammenhang mit den Kriegswirren in Schanghai und im übrigen China sind mehrere jüdische Familien aus China nach den Philippinen abgewandert. Manila, die Hauptstadt der Inselgruppe, zählt heute mehr als 400 jüdische Familien. Herzl-Gedenkfeiern fn Berlin. Die Berliner Zionistische Vereinigung wird in Anbetracht der gegenwärtigen Verhältnisse erst nach den Reichstagswahlen in der ersten Hälfte des Monats AiignsJ zwei größere Herzl-Eeiern veranstalten. XXIV. Delegiertentag der Z. V. i. D. 1. Der 24. Delegiertentag der Z. V. f. D. findet am 11. und 12. September in Frankfurt a. M., im Volksbildungsheim, Eschenheimer Anlage 40/41, statt. 2. Die Ortsgruppen werden dringend gebeten, für die 10fortige Einziehung der L an de 8 b e 11 r 2 ge und der Schekaiim Sorge zu tragen. Die Ablieferung der Schekalim und der La ndesbeitr ä ge muß bla zum 1. August d. J. erfolgen. Von der Anzahl der Sehekalim und Landesbeitrlge hingt die Anzahl der Mandate ab, die dem betreffenden Wahlort zufallen. 3. Die Wahlen zum Delegiertentag erfolgen in den einzelnen Orten frühestens am Donnerstag, dem 25. August, spätestens am Donnerstag, dem 1. September. Wahlen, die vor oder nach diesem Termine vorgenommen werden, sind ungültig. 4. In allen Wahlorten sind unverzüglich Ortswahlkonimlssionen aus Vertretern aller an dem betreffenden Ort an der Wahl beteiligten Richtungen zu bilden. Eine Ortswahlkommission muß mindestens aus drei Mitgliedern bestehen. Die Zusammensetzung der Ortswahlkommission ist unverzüglich an die Hauptwahlkommission mitzuteilen. 5. Das Wahlrecht zum Deleglertentag steht nur solchen Ortsgruppen zu, die mindestens drei Monate vor Einberufung des Delegiertentages bestanden haben und vom Landesvorstand oder vom Geschäftsführenden Ausschuß bestätigt worden sind. Sämtliche Gruppen haben ihre Mitgliederlisten nach dem Stand vom 25. Mai 1932 unverzüglich beim Büro der Z. V. f. D. einzureichen. Sämtliche Gruppen haben unter Zugrundelegung dieser Mitgliederlisten Ortswahlkartotheken anzulegen, die die Namen aller wahlberechtigten, an dem betreifenden Orte wohnhaften Zionisten enthalten müssen. 6. Bei der Aufstellung von Kandidaten ist neben der Zustimmun Verklärung des Kandidaten seine Schekelquittung, sowie eine Bescheinigung des Keren Hajessod Uber die Erfüllung der Keren Hajessod-Verpllichtung vorzulegen. Es ist Pflicht der Ortswahlkommissionen, für die Ausführung dieser Bestimmung Sorge zu tragen. Die HanpiwaMkoaimlssio■ Ans den Gemeinden Chemnitz. In der letzten Sitzung der Gemeindeverord* neten und des Geineindevorstandcs stand die Wahl eines Ersatz, delegierten zum Sachs. Israel. Gemeindeverband auf der Tages• Ordnung. Der Antrag der Volkspartei, ihr von den vier Mandaten zum Sachs. Israel. Gemeindeverband wenigstens den Platz eines Ersatzdelegierten zu gewähren, wurde von den Liberalen mit der Begründung abgelehnt, daß sie weder gewillt seien, von ihrer Macht etwas abzugeben, noch einen Ausländer oder auch einen Zionisten zu wählen. Trotz eindringlichsten Appells von seiten der Jüdischen Volkspartei an das Verantwortungsgefühl der Liberalen, die Minorität, die in Wirklichkeit etwa 60 «0 aller Gemeindewähler repräsentiert, nicht mehr in der bisherigen Weise zu entrechten, besonders in dieser für die Juden so schweren und so ernsten Zeit, wurde der Antrag der Volkspartei wie üblich niedergestimmt, und auch der vierte Sitz durch einen Liberalen besetzt, so daß die Vertretung der Gemeinde Chemnitz im Sachs. Israel. Landesverband nichts als eine liberale Parteivertretung, keineswegs eine Vertretung der Gemeinde darstellt. Die Fraktion der Jüdischen Volkspartei sah sich unter diesen Umständen gezwungen, die Sitzung unter Abgabe einer Protesterklärung zu verlassen. Briefe an die Redaktion Hamburg 11, den 15. Juli 1932. Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“, Berlin. Die orthodoxe jüdische Welt braucht zu Sukkoth jährlich ca. 300000 Ethrogim. Hiervon wurden bisher ca. 270000 aus Griechenland vor allem und einigen anderen Ländern bezogen, nur ca. 20 000 dagegen aus E r e z Israel. Und dies, trotzdem Erez Israel eine große eigene Ethrog-Produktion hat, so daß ein großer Teil derselben, da er im Galuth nicht abgesetzt werden kann, von der Bevölkerung des Jischuw in Gläsern eingemacht wird. Ich denke, daß es recht angebracht wäre, schon jetzt in den jüdische Interessen vertretenden Blättern die jüdische Bevölkerung darauf hinzuweisen, bei den Händlern nur solche Ethrogim zu kaufen, die nachweisbar aus Erez Israel eingeführt worden sind! Hochachtungsvoll Hermann Benjamin! ״Jude wohin?“ Das im vorigen Jahre in Nr. 98 der ״Jüdischen Rundschau“ besprochene Buch von Albert Londres ״Der Ewige Jude am Ziel“ ist nunmehr unter neuem Titel in einer neuen Auflage erschienen (Phaidon-Verlag Wien). Es heißt jetzt ״Jude wohin?“ Der Titeländerung entspricht eine neue Nuancenänderung des Schlußkapitels. Während noch ״Der Ewige Jude am Ziel“ eine Auffassung verrät, die eine Lösung der Frage des Judentums in der Normalisierung des jüdischen Lebens in Palästina erblickt, ist die vorliegende Fassung von Skepsis in dieser Hinsicht durchsetzt. Im übrigen ist das Bucli außerordentlich lesenswert wie alle Werke von Albert Londres. b. b. Das Informationsblatt des H ec ha!uz Nr. 45/46 Juni-Juli 1932 ist erschienen. Es enthält u. a.: Der Mut zur Konsequenz; Zum 50. Jubiläum der Chibat Zion; Von der 4. Arbeiterinnenkonferenz. — Zu beziehen durch den Hechaluz, Berlin W 15, Meinekestr. 10. Vierteljahrs-Abonnement 1,25 Mark. Als zweites Heft der deutschen Schriftenreihe ״jessodoth“ des Hechaluz ist von Walter Preuß ״Die jüdische Arbeiterbewegung in Palästina“ I. Teil, Die Entwicklung der Bewegung von den ersten Anfängen bis 1932, erschienen. Die Broschüre umfaßt zirka 160 Seiten und kostet 1,25 M. — Be- Stellungen an dm Hechaluz, Berlin W 15, Meinekestr. 10. Jüdischer Religions-Verein Friedenau, Steglitz u. Umg. e. V. Wie alljährlich, finden auch in diesem Jahro an den hohen Festtagen liberale Gottesdienste in der Aula des Gymnasiums Friedenau, Momuthstraße, und konservative Gottesdienste im Bürgersaal des Friedenauer Rathauses statt. Die Preise der Plätze für den lil>eralen Gottesdienst sind für Mitglieder: 15, 10, 7,50, 5 und 3; für Nichtmitglieder: 18, 15, 10 und 8 RM. Für den konservativen Gottesdienst für Mitglieder: 10, 5 und 3 und für Nichtmitglieder: 15, 8 und 5 RM. Kartenverkauf in den Vereinsräumen Friedenau, Schmargendorfer Straßo 3, von 10 bis lß Uhr, u. zw. für die Erneuerung der alten Plätze am 4. und 11. September; alsdann der freie Verkauf am 18., 25. und 29. September. — Anträge auf Freibilletts sowie Mitgliedserklärungen sind bis spätestens 31. August an den I. Vorsitzenden, Ufittü S. fiptRcluilk, Steglitz, Martinstraß« .4, zu richten.