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Jüdische Rundschau · 1932-07-15 · Heft 56 (15.7.1932) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 56 (15.7.1932)
Date
1932-07-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 266 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 56, 15. VH. 1932 lieh sind, ln Wahrheit müßte die Kritik von einer ganz anderen Seite kommen. Es ist in der Tat nach dem Basler Kongreß schwer, Politik zu machen. Man hat doch Weizmann gestürzt, seine Plattform desavouiert, und doch gibt es keine andere Politik als die Weizmannsche, und die neue Exekutive machte nichts anderes, als daß sie versuchte, diese fortzuführen. Jedes Abweichen von diesem Kurs rächt sich leider. Wir fühlen keinen Willen zu einer mutigen Inangriffnahme vernachlässigter Aufgaben. In den zionistischen Reihen herrscht Desorientierung. Es wird kein Versuch gemacht, aus der politischen Isolierung herauszukommen. Die primitivsten Erfordernisse einer Politik im Orient sind nicht erfüllt, weder systematisch noch praktisch wird auf einen Ausgleich mit den Arabern hingearbeitet, es fehlt sowohl an einer großen Konzeption als auch an konkreten Beziehungen. Die Art der Behandlung der sogenannten Abbas Hilmi-Vorschläge ist kein Ruhmesblatt der Exekutive. Die Verhältnisse im Vorderen Orient wandeln sich. Irak tritt in den Völkerbund ein, Syrien hat eine Verfassung und ein Staatsoberhaupt und wird in absehbarer Zeit auch von dem Mandat befreit werden. Mit der Türkei ist soeben eine neue (wenn auch nicht offiziell) mohammedanische Macht in den Völkerbund eingetreten. Wenn die politische Arbeit des A.-C. einen Sinn haben soll, so wird sie die Gesamtläge und ihre Perspektiven prüfen müssen. Leider ist anzunehmen, daß der größte Teil der Beratungen des A.-C. dem French-Bericht gewidmet sein wird. Dieser Bericht ist bekanntlich bisher noch geheim, aber man darf vermuten, daß er sich mit speziellen, teilweise technischen Fragen der palästinensischen Land- Wirtschaft befaßt, die sich für eine Debatte in einem großen Gremium von notwendigerweise fachmännisch nicht vorbereiteten Personen nicht eignen. Die Antwort der Jewish Agency auf den French-Bericht, für die ausgezeichnete Experten zur Verfügung sind, könnte ohne A.-C. erfolgen. Ein zweiter Hauptpunkt für das A.-C. ist die Festsetzung des Budgets für 5693. Das wird eine recht triste Angelegenheit werden. Das Budget wird wohl einen noch nicht dagewesenen Tiefstand aufweisen. Infolge des völligen Versagens Amerikas ist es zweifelhaft, wie überhaupt die ökonomische Arbeit fortgeführt werden soll. Viele meinen, man solle auf eine direkte ökonomische Tätigkeit der Jewish Agency verzichten und die wirtschaftliche Entwicklung sich selbst überlassen. Wir glauben nicht, daß der Zustand Palästinas für eine solche Operation reif ist; aber statt über die Ausgaben zu streiten, wird man diesmal hoffentlich wirklich ernsthaft die Frage prüfen, wie die Einnahmen zu steigern und sicherzustellen sind. Die Jewish Agency wird auch der Tatsache ins Auge sehen müssen, daß sie sich verschiedener Zweige ihrer Tätigkeit, die ohnedies schon eingeschrumpft sind, entledigen muß. Die Uebergabe des Schulwesens an den Waad Leumi, der freilich selbst keine Mittel hat und zuhlcSst eine erheblfche Subventfön der Jewish Agency bekommen muß, ist einer der wuchtigen Gegenstände der Tagesordnung .Schließlich hat das A.-C. eine organisatorische Frage zu klären, nämlich das Verhältnis zur Revisionistischen Union. Die Revisionisten haben bekanntlich in den sogenannten ״Beschlüssen von Calais“ festgesetzt, daß die Mitglieder ihrer Union zwar Mitglieder der Zionistischen Organisation sein dürfen, daß sie aber in erster Linie der revisionistischen Disziplin unterstehen und die Union als solche außerhalb der Zionistisehen Organisation bleibt. Daß dieser Zustand eine Anomalie darstellt, wird auch von einsichtigen Revisionisten zugegeben. Ob ohne guten Willen der Revisionisten in dieser Frage überhaupt ein Ausweg zu finden ist, muß man abwarten. Die A.-C.-Sitzung hat für Palästina selbst noch eine erhebliche Schattenseite. In diesen Tagen reisen die Delegationen aus Palästina nach London. Die Mitglieder der Exekutive, Direktoren der Banken, des Keren Hajessod und Keren Kajemeth, die Leiter des Waad Leumi, die Führer aller palästinensischen Parteien und wahrscheinlieh noch eine größere Anzahl von Personen, die diese oder jene Sonderinteressen zu vertreten haben, verlassen das Land. Auf diese Weise wird der Jischuw von allen verantwortlichen Führern entblößt. Wir wissen aus der jüngsten Geschichte, daß dieser Zustand bereits einmal sehr traurige Folgen gehabt hat. Die Lage in Palästina ist keineswegs so ruhig und gesichert, daß man sich erlauben dürfte, es in dieser Weise allein zu lassen. Es wäre eine Aufgabe des A.-C., sich selbst einmal mit dieser Frage zu befassen und einen Weg zu finden, w׳ie dieser alljährliehen Kalamität abzuhelfen ist. Jacobns Kann 60 Jahre Jacobus H. K a n n im Haag, einer der ersten holländischen Freunde Theodor Herzls, vollendet in diesen Tagen sein 60. Lebensjahr. Jacobus H. Kann war Mitbegründer und Direktor der Jüdischen Colonialbank (Jewish Colonisation Trust) und der Anglo Jewish Company, sowie mehrere Jahre Mitglied des Zionistischen Aktions-Comit^s. Unter Wolffsohn gehörte er dem E. A. C. (damalige Bezeichnung der Zionistischen Exekutive) an. Von 1923 bis 1931 lebte er als Konsul der Niederlande in Jerusalem. In den letzten Jahren hat Kann, der unmittelbar nach dem Krieg ein führendes Mitglied der zionistischen Oppositionsgruppe war, sich aus Gesundheitsgründen von aktiver politischer Tätigkeit zurückhalten müssen. Doch nimmt er persönlieh den stärksten Anteil an dem Schicksal der Bewegung und hat erst 1930 eine Broschüre verfaßt, die auch in der ״J. R.“ gewürdigt wurde. Wir hoffen und wünschen, daß Herrn Kann noch viele Jahre rüstiger zionistischer Arbeit beschert seien. Prof. A. Z. Idelsohn, der bekannte Forscher und Sammler jüdischer Musik, beging am 14. Juli seinen 50. Geburtstag. ,,Wir beglückwünschen den Jubilar aus diesem Anlaß und werden unsere nächste Musikbeilage seinem Schaffen widmen. Begrünung Sokolows in London London, 12. Juli. (J.T. A.) Am 11. Juli, abends, fand unter dem Vorsitz des Oberrabbiners des britischen Reiches, Dr. J. H. Hertz, eine Kundgebung zur Begrüßung Sokolows, der eben von einer mehrmonatigen Amerikarcise nach London zurückgekehrt ist, sowie zur Feier des 50jährigen Be- Stehens der Chibbath Zion-Bewegung statt. Nach Ansprachen von Rabbi J. H. Hertz, Dr. Selig Brodetsky, Lord Melchett, dem Mitglied des Unterhauses Barnett Jänner, Elkan N. Adler und J. Goldbloom hielt Sokolow eine Dankansprache, in der er ausführte: Ich glaube, es wird noch einmal die Zeit kommen, in der die Zionistische Organisation in der Lage sein wird, die Sache der Juden in allen Ländern der Welt zu führen. Heute sind wir Waisenkinder, wir verfügen noch nicht über eine Stimme im Völkerbund. Wie können wir in den Völkerbund kommen, um dort unsere Sache selbst zu vertreten? Wenn wir heutzutage irgendeine das Judentum tief berührende Angelegenheit im Völkerbund zur Sprache zu bringen wünschen, müssen wir uns die Fürsprache einer Macht erbitten. Wären wir aber selbst im Völkerbund, so könnten wir für uns selbst sprechen, und es wäre uns die Demütigung des Outsider erspart. Wir müssen in den Völkerbund hinein! Der einzige Weg aber, auf dem wir in den Völkerbund kommen können, ist, Erez Israel so zu stärken, daß wir als Palästinenser im Völkerbund vertreten sein können. Dr. S. Brodetsky führte ungefähr aus: Vor 50 Jahren, zur Zeit der Entstehung der Chibbath Zio n - Be - w e g u n g , waren gegen den Zionismus zwei Einwände erhoben worden: Erstens: der Zionismus ist unnötig, zweitens; der Zionismus ist unmöglich. Unnötig, weil der Sieg des menschlichen Fortschritts das jüdische Problem lösen würde. Wie steht es heute — wir zählen 1932 — um diesen Einwand? Ich weise auf Deutschland, Oesterreich, auf fast alle Länder der Welt hin und frage Sic: Ist der Zionismus unnötig? Was den zweiten Einwand, daß der Zionismus un• möglich sei, betrifft, so ist darauf hinzuweisen, daß die Nationen der Welt uns das Recht zugesprochen haben, Palästina wieder aufzubauen, und daß die Juden gezeigt haben, daß sie dieses Land wirklich aufbauen und als Bauern auf ihrer eigenen Scholle leben können. Lord Melchett führte aus: Ich glaube nicht, daß sich jemand über all das, was in Palästina geleistet worden ist, klar zu werden vermag, solange er selbst nicht im Lande gewesen ist. In 10 oder 20 Jahren wird Palästina das eigentliche Zentrum der Judenheit sein. Interne Kritik im Revisionismus Uchiheim gegen JaboHnsky Der bis vor kurzem selbst revisionistisch organisierte Journalist J. K 1 i n o f f berichtet in der Warschauer Tageszeitung ״Hajnt“, daß der Vizepräsident der Union der Zionisten- Revisionisten, Richard Li c h t h e i m , Berlin־ im Hinblick auf die kommende A.-C.-Sitzung an die revisionistische Exekutive vier Forderungen gestellt hat. 1. Der Beschluß von Calais wird abgeschafft; 2. Klare Stellungnahme gegenüber England; 3. Ausschluß von die Partei schädigenden Mitgliedern aus der Union; 4. Neuorientierung nach der Richtung einer Teilnahme der Revisionisten an der Zionistischen Exekutive. Klinoff berichtet weiter, daß Uchtheim de» Beschluß von Calais, der den! Mitgliedern der Union die Zugehörigkeit zur Zionistischen Weltorganisation fr ei stellt, dafür verantwortlich macht, daß ein Chaos entstanden ist. Entweder man gehört der Zionistischen Weltorganisation an oder nicht, ein faules Kompromiß wirkt sich nur schädlich aus. Die Partei müsse sich definitiv entschließen, obsie mit oder gegen England gehen will. Nachdem nun die allgemeine Situation im Zionismus eine Wendung zum besseren genommen hat — dies sowohl im Hinblick auf die Beziehungen zum High Commissioner als auch hinsichtlich des Arbeitswillens der meisten Mitglieder der Exekutive — ist die Frage einer revisionistischen Beteiligung an der Exekutive aktuell geworden. Lichtheim wünscht eine Antwort auf seine Forderungen noch vor Zusammentritt des A-C. Sollten seine Forderungen abgelehnt werden, so werde er nicht in der Lage sein, ein leitendes Amt in der revisionistischen Organisation zu bekleiden. Klinoff meint, diese Stellungnahme Lichtheims sei symptomatisch für die Stimmung in weiten revisionistischen Kreisen. Andererseits wachse die Intransigenz des Pariser radikalen Flügels der revisionistischen Union (Jabotinsky-Gruppe), der zu der bevorstehenden 5. revisionistischen Weltkonferenz der Exekutive der Union ein Memorandum unterbreitet hat, in welchem endgültiger Bruch mit der Mandatarmacht, Uebersiedlung der Exekutive der Union von London nach Paris, neue politische Offensive mit dem Ziel der Proklamierung des Judenstaates zu beiden Seiten des Jordans, Non-cooperation gegenüber der Palästina-Regierung, vollständige Trennung von der Zionistischen Weltorganisation u. a. m. gefordert werden. Klinoff hält es für schwer tragbar für eine Partei, wenn in ihrer Mitte solche Exrtr<?me bestehen, er glaubt aber, daß sich trotzdem ein Mit•♦ finden wird. Die Lage müsse aber möglichst noeb-ror der 5. Weltkonferenz, die in K ra k a u stattfinden wird, geklärt werden. Er glaubt, daß Jabotinsky, der noch bei jeder Krise es verstanden hat, letzte nicht wieder gut zu machende Konsequenzen zu vermeiden, auch diesmal die Partei voreinerSpaltungbewahren wird. Jedenfalls dürfe man auf die Antwort, die die revisionistische Exekutive Lichtheim geben wird, gespannt sein. Anttsemitisnns im Sport Während eines Sportwettspiels zwischen der Schwimm- Sektion des Wiener jüdischen Sportklubs H a k o a h und eines nichtjüdischen Schwimmklubs im Kampf um die österreichische Meisterschaft im Schwimmen, das im Donaustrom bei der niederösterreichischen Stadt Krems ausgetragen wird, überfielen Nationalsozialisten die jüdischen Teilnehmer an der Konkurrenz, auch die Damen, und schlugen rücksichtslos auf sie ein. Als die Hakoahner mit Hilfe der Polizei in Ausflugsautos flüchteten, verfolgten sie die Nationalsozialisten. demolierten die Automobile und schrien fortwährend: ״Juden, macht euren Sport in Palästina, nicht in Deutschland!“ Der Ueberfall auf die jüdischen Sportler in Krems hat ebenso wie die vor kurzem stattgefundenen Ueberfähe auf jüdische Sportler im Wiener Stadion tiefe Erregung in die Sportkreise getragen. Man hält eine Spaltung des osterreichischen Sportverbandes nunmehr für unvermeidlich, da Sport Wettspiele zwischen jüdischen Verbänden und A r i e r - V e r e i n e n unmöglich geworden zu sein scheinen. Es hat sich herausgestellt, daß der rohe Ueberfall in Krems planmäßig vorbereitet und als Racheakt für den Mißerfolg der antisemitischen Prügelhelden im Wiener Stadion gedacht war. Palftstinafragen im Unterhaus London, 6. Juli. (J. T. A.) David Adams (Labour Party) richtete im Unterhaus an den Kolonienminister die Frage, ob ihm bekannt sei, a) daß die Palästinaregkrung die Forderung gestellt hat, daß ihr die Mitgliedschaftsliste der Gewerkschaft der Eisenbahn-, Post- und Telegraphenarbeiter unterbreitet werde, eine Forderung, die mit dem Friedens« vertrag von Versailles, der den Arbeitern Genossenschaftsfreiheit gewährte, in Widerspruch steht; b) daß die Direktoren des Eisenbahn- und Postdepartements der Palästinaregierung dieser Gewerkschaft auferlegt hätten, keiner den internationalen Gewerkschaften angeschlossenen Gewerkschaft anzugehören; ob die Regierung die Annullierung dieser Bedingung veranlassen wolle; c) daß das Departement für Eisenbahn-, Post- und Telegraphenwesen der Palästinaregierung es seinen Angestellten untersagt hat, der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas beizutreten, einer Organisation also, die als einzige den Arbeiter in Krankheitsfällen betreut, während die Regierung selbst für ihre Angestellten keinerlei Vorsorge nach dieser Richtung trifft; ob die Regierung diesem Ucbelstand abhelfen wolle. Der Minister für die Kolonien, Sir Philip Cunliffe Li st er, erwiderte: Die National Union of Railways, Posts and Telegraph Workers in Palästina wurde gleich allen anderen Vereinigungen ersucht, der Regierung ein Namensregister ihrer Mitglieder zu unterbreiten. Es ist richtig, daß Vereinigungen von Regierungsangestellten nicht anerkannt werden können, wenn sie einer Genossenschaft angeschlossen sind, die selbst nicht eine von der Regierung anerkannte Vereinigung von Regierungsangestellten ist. Ich glaube nicht, daß diese Bedingungen im Widerspruch zum Versailler Vertrag stehen; ich beabsichtige auch nicht, den High Commissioner um Annullierung derselben zu ersuchen. Ich habe vor einiger Zeit den High Commissioner dahin informiert, daß Ich nichts dagegen cinzuwenden habe, wenn Regierungsangestellte aus der Teilhabcrschaft an der Krankenkasse und an anderen von der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterföderation geleiteten Wohlfahrts- Institutionen Vorteile genießen, vorausgesetzt, daß aus dieser Teilhaberschaft nicht ein festes Mitgliedsverhältnis oder eine Unterwerfung unter die Statuten der Föderation erwächst. Der High Commissioner hat mich dahin informiert, daß fast alle arabischen Mitglieder der National Union of Railways, Posts and Telegraph Workers die Vorteile der Krankenkasse und der Darlehenskasse der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterföderation genießen gemäß einem Arrangement, welches Einzelpersonen gegen Zahlung gewisser Gebühren in den Genuß dieser Vorteile setzt, ohne daß daraus eine Mitglied- Schaftsverpflichtung oder eine Unterwerfung unter die Statuten der Föderation erwächst. * In der ״Jüdischen Rundschau“ Nr. 53 veröffentlichten wir eine JTA.-Meldung über Palästina-Fragen im Unterhaus, in welcher auch eine Aeußerung des Unterhaus-Mitgliedes Peter MacDonald erwähnt ist, der sich gegen die von Wedgwood an der Palästina-Verwaltung geübte Kritik wandte. In der JTA.-Meldung heißt es dabei ״Peter MacDonald, der Sohn des Premiers“. Leider ist uns bei Drucklegung des JTA.-Textes dieser Fehler entgangen, auf den wir nun von befreundeter Seite aufmerksam gemacht werden. Peter MacDonald ist keineswegs der Sohn des Premiers, sondern ein konservativer Abgeordneter, der keine verwandtschaftlichen Beziehungen zum Premier hat. Der Sohn des Premiers, Malcolm MacDonald, bekanntlich ein Freund der zionistischen Sache, ist gegenwärtig Unterstaatssekretir für die Dominions. d ■ .1 1. ■ - ״fr, Das Recht ant Arbeit Jerusalem, 11. Juli. (J. T. A.) In einer der letzten Sitzungen des Stadtrats von Haifa hat, wie schon kurz mitgeteilt, der stellvertretende Distriktskommissar H. M. Foot namens der Regierung gefordert, daß die Stadt Haifa bei Durchführung öffentlicher Arbeiten zu einem dritten Teil Juden beschäftigt, bzw. daß ein dritterTeil der Arbeiten an Juden vergeben werde. Auf eine Frage des Vizebürgermeistere von Haifa, Ibrahim Effendi Sahyoun, warum die Regierung nicht das gleiche Verfahren bei Vergebung der staatlichen Arbeiten befolge, erwiderte H. M. Foot, die Instruktionen, die die Regierung der Stadtverwaltung von Haifa durch ihn gibt, bringen die Politik der Regierung zum Ausdruck, die sie in ganz Palästina zur Geltung zu bring e n w ü n s c h t. Als der Stadtrat von Haifa ungeachtet dieser Erklärung den Vorschlag des stellvertretenden Distriktskommissars abgelehnt hatte, erklärte dieser, die Regierung, die schließlich die Verantwortung für das gesamte öffentliche Leben trage, werde auf ihrem• Standpunkt verharren. Er gebe dem Stadtrat den Rat, die Vorschläge der Regierung anzunehmen und durchzuführen. Es sei die unmißverständliche Absicht der Regierung, auch jüdischen Arbeitern Arbeit zu verschaffen und es nicht zuzulassen, daß unter verschiedenen Gemeinschaften angehörenden Unternehmern ein System der Benachteiligung der in der Minderheit Befindlichen entstehe. Ein erfundenes Motzkin-Interview Paris, 11. Juli. (J. T. A.) Leo Motz lein übergibt der JTA. die folgende Erklärung zur Veröffentlichung: ״Vor einigen Tagen veröffentlichte die Polnische Telegraphen-Agentur (PAT) ein Interview, das ich angeblich über die Lage der Juden in Polen gegeben hafte. Ich stelle fest, daß ich keinerlei Interview gegeben habe und daß ich sehr überrascht war, als ich die mir zugeschriebenen Aeußerungen in den Zeitungen gelesen hatte. Ich war in Wien mit dem Leiter der Polnischen Telegraphen-Agentur zusammengetroffen und pflog mit ihm eine sehr kurze Unterhaltung, wobei es mir gar nicht einfiel, daß dieser Austausch höflicher Worte an Zeitungen. weitergegeben werden könnte. Dabei entspricht der Inhalt des PAT-Telegramms in keiner Weise dem, was ich wirklich sagte. Ich erzählte dem PAT-Chef nur, daß das Komitee Jüdischer Delegationen in Paris soeben ein Buch über die letzte antisemitische Kampagne in Polen (Universitätsunruhen, Boykottbewegung usw.) veröffentlicht habe, daß das Buch eine objektive Prüfung von Regicrungsaktionen, sowie alle offiziellen Erklärungen der Regierung und Feststellungen seitens der Regierungskreise, schließlich eine unparteiische Dar- Stellung der auf die Unterdrückung der Unruhen gerichteten Regierungsaktionen einerseits und der gegen die Juden, die sich gegen die Angriffe verteidigten, gerichteten Verfahren der polnischen Justiz andererseits enthält. Ich fügte noch hinzu, daß in Kürze Bücher über antisemitische Feldzüge in einigen anderen Ländern zur Veröffentlichung gelangen und noch schwerere Anklagen als die im Polen-Buch enthaltenen bringen werden. Alles, was in dem PAT-Interview mir in den Mund gelegt wird, wurde von mir nie gesagt.“ Im Alter von 79 Jahren starb in London Elijah Wolft Rabinowitsch, früherer Präsident des Jüdischen Nationaltonds in England und einer der Pioniere der zionistischen Bewegung.

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