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Jüdische Rundschau · 1932-06-17 · Heft 48 (17.6.1932) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 48 (17.6.1932)
Date
1932-06-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 228 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 48, 17. VI. 19S2 Nach Schloß der Redaktion Etatberatang in der Berliner Gemeinde In der Repräsentantensitzung: vom 16. ds., der ersten nach dem Exodus der Jüdischen Volkspartei am 7. April wurde der Oemdndeetat für das Jahr 1032 in erster und zweiter Lesung beraten. Die Generaldebatte vollzog sich in einer A t m 0 - spare der g e genseitigen Rücksichtnahme und im Bestreben, über die Stürme der Auseinandersetzungen im letzten Jahre, seit der Uebernalime der Verwaltung durch die liberale Mehrheit, Schleier des Vergesse!« zu breiten. Die Stimmung glich der von einem Krankenlager nach Ueberwindung einer lebctisgefährlichen Krise durch den Patienten. Alles ist froh, versöh11 lieh, hilfsbereit — im Unterbewußtsein aber ist die Angst doch nicht restlos verschwunden, daß es zu einem Rückfall kommen könnte. Es hat aber den Anschein, daß eine derartige Angst völlig grundlos ist. Ohne geschliffene Erklärungen, ohne Einigkeitsformeln ließ man die Vergangenheit ruhen. Liberale Mehrheit und Jüdische Volkspartei gaben sich Mühe, das Werk der Befriedung•, das in zahlreichen Konferenzen vorbereitet worden war, ohne theatralische Deklamationen im Lichte der öffentliehen Sitzung fortzuführen. Es konnte vielleicht der Eindruck entstehen, daß die ungewohnte Harmonie zwischen den zwei gegensätzlichen Richtungen zu sehr betont wurde. Man darf aber nicht außer acht lassen, daß der Friede nur sehr schwer zustande gekommen ist, und man sich vorsehen mußte, um ihn nicht zu gefährden. Ueber den Verlauf der Beratungen soll noch ausführlich berichtet werden. Sie wurde durch ein Referat des Verwaitungsdirektors Di. Breslauer eingeleitet. Hierauf referierte namens des Etatausschusses Herr Woyda, der im Anschluß an den Bericht auch als Vertreter der Liberalen sprach. Der erste Redner der Jüdischen Volkspartei war Dr. K 1 e e. Namens der Mittel- und Ueberpartei ergriff Syndikus Dr. Wiener das Wort. Mit einer Ansprache des Finanzdezernenten des Gemeindevorstandes, Graetz, war die Reihe der ersten Redner geschlossen. Die zweite Rednerreihe eröffnete namens der Volkspartei Alfred Berger, worauf der Vorsitzende der liberalen Fraktion, Dr. Fleischer, an die Ausführungen Dr. Klees und Bergers anknüpfend, noch einmal den Standpunkt der Liberalen darlegte. Am Schlüsse sprach R.-A. Heinrieh Stern, der das Fazit des Abends mit den Worten zog, daß er sich über die Herstellung des Friedens in der Gemeinde freue. Fn die Spezialberatung des Etats wird in der nächsten Sitzung, am 23. d. M,, eingegangen werden. Recklinghausen. Der jahrelange Kampf, den der bekannte Führer der Liberalen und des C. V.. Prediger Horwitz, mit seinen Anhängern gegen die jüdisen anders Denkenden in der Gemeinde betrieben hat, ist nunmehr zum Abschluß gelangt. _ Der liberale Vorstand entließ Horwitz, zog ebenso wie dieser die gegen seine Gegner angestrengte Klage, von aer auch hier die Rede war, zurück und legte sein Amt nieder. Das gleiche tat die Repräsentanz. Nach den Neuwählen bilden die Liberalen, die bisher allein herrschten, nur eine kleine Minderheit. Die Gemeindevertretung verpflichtete sich, sofort gerechte SgtajjWjjren einzufjjhrea. , . Hans Goslar. Der Pressechef der Preußischen Staatsregierung, unser Gesinnungsgenosse Hans Goslar, tritt in Kürze einen mehrmonatigen Urlaub an. Ministerialrat Goslar, der nach einer gründlichen Ausbildung im Bankfach zur Journalistik ging, hatte sich schon in jungen Jahren als Handelsredakteur und Wirtschaftskenner einen ausgezeichneten Ruf erworben. Ohne sein Zutun wurde er, früher Mitarbeiter Georg Bernhards an der Zeitschrift ״Plutus“, 1919 als Wirtschaftsjournalist in das Preußische Staatsministerium berufen, mit der Aufgabe, der Preußischen Staatsregierung eine nicht einseitig politisch fundierte, sondern auch den schwierigen volkswirtschaftlichen Verhältnissen gewachsene Presseabteilung neu zu schaffen. Er hat diese Aufgabe und später auch im Zusammenhang damit die Begründung des Amtlichen Preußischen Pressedienstes mit großem Erfolg durchgeführt. 12>/2 Jahre hat er — auch unter den kurzen Minister- Präsidentschaften von Marx und Stegerwald — die Presseabteilung geleitet, daneben die Preußische Regierung in den wichtigsten Rundfunk-Gremien vertreten. Er galt als naher Vertrauensmann Otto Brauns. Wegen seiner aufrechten Haltung als Jude hat Goslar unausgesetzt im Zielfeuer antisemitischer Angriffe gestanden; diese Angriffe konnten aber nie das Vertrauen des preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun und des Kabinetts zu ihm erschüttern. Es ist allgcmein bekannt, in welch weitgehendem Ausmaße Ooslar sich neben seiner intensiven amtlichen Tätigkeit hingebungsvoll in den Dienst jüdisch-gemeindlicher und charitativer Aufgaben gestellt hat. Encyclopaedia Judaica. Wir erhalten folgende Mitteilung: Der neunte Band der ״Encyclopaedia Judaica“ befindet sich im Druck und wird Anfang August erscheinen. Er enthält eine Reihe von größeren Monographien, von denen besonders zu erwähnen sind: Jeschiba, Jesaja, Jesus, Jiddisch, Josepbus, Kabbala, Kalender, Karäer, Ketuba, Klagelieder. Der zweite Band der hebräischen Enzyklopädie, der seit vielen Monaten fertiggestellt ist und infolge technischer Schwierigkeiten nicht erscheinen konnte, dürfte ebenfalls im August zur Ausgabe gelangen. Hebräische Lehranstalten in Europa und Palästina. Anläßlich der Proklamierung des hebräischen Kulturfonds (Keren Tarbut Iwrit) durch den hebräischen Weltbund (Brit Iwrit Olamit) veröffentlicht der Haolam (Organ der Zionistischen Welt- Organisation in London) eine Anzahl von Artikeln hebräischer Schriftsteller wie Prof. Klausner, L. Simon, Dr. Patai, Dr. Rawidowicz, Lipez u. a. über die Bedeutung und Aufgaben des hebräischen Kulturfonds. Diese Nummer des Haolam enthält auch eine Reihe interessanter statistischer Angaben über das hebräische Schulwesen in Osteuropa und Palästina. Nach diesen Angaben verteilen sich die hebräischen Lehranstalten wie folgt: Palästina; 227 Anstalten mit 19 449 Schülern und 790 Lehrern; Litauen: 121 Anstalten mit 10 820 Schülern und 437 Lehrern; Polen: 243 Anstalten mit 23000 Schülern; Rumänien: 63 Anstalten mit 5771 Schülern und 381 Lehrern; Lettland: 39 Anstalten mit 6000 Schülern und 140 Lehrern; Bulgarien: 39 Anstalten mit 3200 Schülern und 102 Lehrern. Außerdem bestehen hebräische Lehranstalten in Estland, Tschechoslowakei, Jugoslawien usw. Insgesamt sind im gegenwärtigen Moment etwa 750 hebräische Anstalten mit 75 000 Schülern und über 2200 Lehrern vorhanden. Brief aus Finnland Helsingfors, Anfang Juni. Sonntag, den 29. Mai, fand eine Konferenz des finnischen Judentums statt, die ein denkwürdiger Markstein in der Geschichte der finnischen Juden bleiben wird. Das finnische Judentum, das . kaum 1900 Seelen zählt, ist bekannt durch seine großen zionistischen Leistungen, die rein finanziell seit dem Krieg über zehn Pfund pro Seele ausmachen. Leider war bisher ein organisatorischer Zusammenschluß noch nicht gelungen. Erst durch die Wahl des Rabbiners Dr. Federhusch zum Gemeinderabbiner in Helsingfors und durch die Uebersiedliing des Viborger zionistischen Rechtsanwaltes Jacobson waren die Vorbedingungen hierfür geschaffen. An der Konferenz am 2'). Mai nahmen außer mehreren hundert jüdischen Gasten auch eine Reihe finnischer Ehrengäste teil, darunter die bekannte finnische Schriftstellerin Frau Prof. Hilia Crohn (Hilja Hahti) und der bekannte Archäologe und Dozent der Hclsingforser Universität, Dr. Apeli Sairasalo. Nach der Begrüßungsrede hielt Dr. Sairasalo einen Vortrag in hebräischer Sprache, worin er die letzten Ausgrabungen in Ur und in Palästina würdigte. Indem er der Wanderung des Stammvaters Ahraham von Ur nach Palästina gedachte, führte der Vortragende aus, daß von demselben Geist des _ unwiderstehlichen Dranges nach Palästina auch die Chaluzim von heute erfüllt sind. Der Redner schilderte aus eigener Erfahrung die Verhältnisse im heutigen Palästina und gab seiner Ucberzeugung Ausdruck, daß die Unter- Stützung des jüdischen Aufbauwerkes eine Ehrensache aller Juden sei. Auch die Dichterin Hilia Hahti sprach in Worten höchster Begeisterung von ihrer Palästinareise, die sie den Zionismus verstehen und bewundern gelehrt hat. Hierauf hielt der Delegierte des Keren Hajessod, Dr. Kantorczszyk, ein Referat über ״Diaspora und Erez Israel“. Nach dieser Einleitung wurde dann die eigentliche Konferenz von Rabbiner Dr. Federbusch eröffnet, der seiner Freude über die positive Anteilnahme der finnischen Oeffentliehkeit an der zionistischen Sache* Ausdruck gab. Dr. Federhusch schilderte die Lage der luden und die Bedeutung der zionistischen Antwort. Zum Konferenzvorsitzenden wurde R.-A. Jacobson gewählt, der auch ein Referat ״Die Wichtigkeit einer Zionistischen Organisation in Finnland“ erstattete. Ueber die Keren Haiessod-Arbeit referierte Benjamin Netneschanskv. Nach der Generaldebatte wurde einstimmig folgender Merkas gewählt: Rechtsanwalt lonas Jacobson, I.Vorsitzender, Bcniamin Nemeschanskv, 2. Vorsitzender und Kulturarbeit. Dir. Moses Skurnik (Keren Hajessod). 1. Schur und Frau Sonja Rosenthal (K. K. L.), J. Basin (für Viborg), Chasan (für Abo), Dr. H. Stracheffskv und L. Görnitz. Die bisherige Keren Hajessod-Aktton, die Dr. Kantorczszvk leitet, hat natürlich wie überall mit den Folgen der Wirtschaftsdepression zu kämpfen. Trotzdem gelang es aber, die Keren Hajessod-Arbeit wieder zu beleben. Dr. Kantorczszyk hielt eine größere Anzahl von Referaten in Helsingfors, Viborg und Abo, begrüßenswerterweise auch vor der Jugend. Auch ein Presse-Emnfang hatte einen großen Erfolg, indem Zeitungen aber Richtungen mit großer Sympathie über den Aufbau Palästinas schrieben. Leopold Görnitz. Brie! aas Norwegen Oslo, 12. Juni 1932. In diesen Wochen hat hier die Keren Hajessod-Kampagne unter der klagen-■and ■energischen•־ Leitung׳ der Repräsentantin des Direktoriums, Frau Dr. Rahel KI o m p u s. Sie verstand es, in ihrem geist- und temperamentvollen Vortrag ״Von Trondheim bis Tel-Awhv“ auch der inneren Konsolidierung der ״Norsk Zionist Forening“ zu dienen. Das neue Keren Hajcssod-Komitee ist dank seiner Zusammensetzung befähigt, die Arbeit erfolgreich weiterzuführen. Erfreulicherweise gelang es, den Vorsitzenden unserer aufblühenden Gemeinde, Herrn M. L. M il n e r, zur Uebcrnahme der Leitung des Komitees zu veranlassen, dem auch der bisherige verdienstvolle Leiter der Keren Haiessod-Arbeit, Herr Aron G r u s d , angehört. Das 40jährige Jubiläum unserer Gemeinde, Det Mosaiske Trossamfund, gab Anlaß zu einer Feier. Am 4. 1 uni fand ein Festgottesdienst statt, am 5. Juni eine akademische Feier, von musikalischen Darbietungen jüdischer Künstler umrahmt. Nach der Eröffnungs- und Gedenkrede des Vorsitzenden sprach Rabbiner J. Samuel über ״Wege und Ziele einer jüdischen Volksgemeinde in Skandinavien“, während der Oemeindesekretär, Redakteur H. M. Koritzinsky, der Historiker des norwegischen Judentums, über das Thema ״Det Mosaiske Trossamfund in 40 Jahren“ referierte. —■ Wenn wir von dem Schachtverbot ahsehen, bei dem antisemitische Motive zumindest mitgespielt haben, müssen wir anerkennen, daß Norwegen die freiheitliche Tendenz des letzten halben Jahrhunderts noch nicht vergessen hat. Wie alle Jahre, haben wir auch diesmal am 17. Mai, dem norwegischen Nationaltag, das Grab Henrik Wergelands, des großen Dichters und Menschenfreundes, des Vorkämpfers für das jüdische Recht, bekränzen lassen. Ben Jochebed. Kurze Nadiriditen Der vor einigen Tagen verstorbene frühere Innenminister Lord Brentford (Sir William Joynson Hicks) war einer der Hauptführer des Antizionismus in England und stand in engen Beziehungen zu dem pro-arabischen Palästina-Komitee in London. Vor nun genau zehn Jahren hat er im englischen Unterhaus den antizionistischen Antrag eingebracht, der abgelehnt wurde. Im letzten Jahre gehörte er in London zu den Helfern der antizionistischen moslemischen Delegation. Dr. Chaim Weizmann hielt am 13. Juni in London im Gebäude des englischen Unterhauses in einer Versammlung von Parlamentsmitgliedern, von denen die meisten dem parlamentarischen Pro Palästina-Komitee angehören, eine Anspräche, die von zahlreichen Mitgliedern des Ober- und Unterhauses mit großer Aufmerksamkeit an gehört wurde. Weizmann berichtete u. a. über seine Eindrücke während der Südafrika-Reise. Mit Rücksicht auf die diesjährige schlechte Ernte in Palästina hat der High Cotnmissioner den Zehent (Ernte-Steuer) für dieses Jahr auf 7V2 % herabgesetzt. Außerdem wurden die Distriktskommissare ermächtigt, notleidenden Landwirten weitere Nachlässe zu gewähren. Der Mufti von Jerusalem hat als Präsident der Exekutive des All-Mosletn-Kongresses ein Telegramm an den Völkerbund gesandt, in welchem er gegen die Beschlüsse der Klagemauer-Kommission des Völkerbundes protestiert und die Ausfolgung der Hedschas-Eisenbahn als der Mekka-Pilger-Bahn an die Moslems fordert. Zum Minister für Kultus und Unterricht im neuen rumanischen Kabinett wurde nachträglich der als Freund des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina bekannte Universitätsprofessor Gusti ernannt. Prof. Gusti ist Mitglied des Verbandes der Freunde der Hebräischen Universität in Jerusalem. Presseschaa Die Kofonisten-Zeftschrift ״Roustenal׳“‘ schreibt in ihrer Nummer vom 18. Mai: ״Der bekannte Dr. Brünn aus Chedcrah, der Vater der privaten Ansiedlung in Rabije, das in kurzer Zeit zu einem blühenden und aufstrebenden Platz wurde, hat einen neuen und begrüßenswerten Plan gefaßt. Er hat sich mit der Anglo Palestinc Bank verbunden, die über die Pardessim der ,Agudat Netajim‘ verfügt und hat die Statuten einer Aktiengesellschaft entworfen, für die er im Ausland, in Deutschland, Polen und England, unter dem Mittelstand werben will. Diejenigen Aktienbesitzer, die herkommen werden, um sich in der Siedlung niederzulassen, werden die Möglichkeit haben, sofort ein Einkommen zu beziehen, das zu ihrer Existenz ausreicht. Dies ist wahrhaftig eine gute Gelegenheit für Leute mit beschränkten Mitteln, zu einem Besitztum zu kommen. Die erwähnten Pardessim sind gut und bringen einen ordentlichen Ertrag, und die Kolonie ist groß, voll Leben, Arbeit, Bewegung und Möglichkeiten. Wir beglückwünschen Dr. Brünn zu seinem neuen Werk, das allen, die sich mit ihm verbinden, sowie der Kolonie Segen zu bringen geeignet ist.“ Keren Hajessod-Anleihe in der Tschechoslowakei. Auf An- I regung der Palästina-Exekutive der Jewish Agency hat die I tschechoslowakische Zentralkommission des Keren Hajessod in I den letzten Wochen eine 6 o׳oige Anleihe mit fünfjähriger Lauf- I zeit in der Höhe von Kc. 2 000 000 (17 090 Pfund) aufgenom- I men. Die Anleihe dient der wirtschaftlichen Konsolidierung I einer Reihe von landwirtschaftlichen Siedlungen im Emek Jes- I reel, darunter den beiden von tschechoslowakischen Chaluzim I errichteten Siedlungen Beth Alpha (Chefzibah) und Sarid. Es | bestehen jedoch noch Schwierigkeiten hinsichtlich der Ueber- I führung der Anleihesumme nach Palästina. Vortrag Rabbi Benjamins Im Beth-Am. Am 7. Juni sprach I im Beth-Am Iwri der bekannte Schriftsteller Rabbi Ben- I j a m i n (Radler-Feldmann) aus Palästina über das Thema: ״Gibt I es eine Lösung der Araberfrage?“. Das aktuelle Thema und I die Persönlichkeit des Referenten zogen eine große Anzahl von I Zuhörern an. Zu Beginn der Versammlung gedachte der Vor- I sitzende Dr. S. Rawidowicz des soeben verstorbenen he- | bräischen Schriftstellers Sch. Benzion (Sch. Gutmann). Rabbi I Benjamin untersuchte zunächst kritisch in strenger Objektivität die verschiedenen Vorschläge, die von seiten des Zionismus zur Lösung der Araberfrage in den letzten Jahren gemacht wurden, alsdann ging der Redner auf seine Beziehung zum Brith Schalom ein, dein er bis vor kurzem angehörte. Genau wie seinerzeit Herzl, meinte Rabbi Benjamin, der Türkei aufhelfen wollte, um als Gegenleistung die Begründung des Juden- Staates in Palästina konzediert zu erhalten, muß auch der gegen- | wärtige Zionismus bestrebt sein, die Araber auf eine höhere Stufe zu bringen, damit wir unser Aufbauwerk in Palästina ungehindert vollziehen können. Rabbi Benjamin versuchte in seinen weiteren Ausführungen, das Postulat eines maximalen! Zionismus und einer radikalen Lösung der Araberfrage zu begründen. An der Diskussion, die sich dem Vortrag anschloß, beteiligten sich die Herren Schapiro, Dr. Landauer, Dr. Pines, Dr. Salli Hirsch und Schöner. Rabbi Benjamin erwiderte in seinem Schlußwort den verschiedenen Opponenten. Die Ausführungen des Redners wurden mit starkem Beifall aufgenommen. Kadimahdorf 1932. Wir erhalten folgende Zuschrift: Vom 14. Juli bis zum 3. August veranstaltet der Kadimah ein Lager des gesamten Bundes. Das Lag# findet in der Tschecho- Slowakei im Adlergebirge statt. Wir haben es dorthin verlegt, weil die politische Lage in Deutschland unsicher ist. Dort wird es uns möglich sein, das Lager in voller Freiheit und ungestört zu gestalten. Wir wollen unseren Jungen und Mädchen ein Stück jüdischer Selbstsicherheit geben, die sich in der nächsten Zeit immer stärker zu bewähren hat. Es ist ein Bedürfnis gerade für unsere Jüngeren und Mittleren, eine Zeitlang unbekümmert um die Außenwelt ein jüdisches Leben zu führen, sich in einer größeren Gemeinschaft jüdischer Menschen zu wissen. Um dieses Kollektiverlebnis zu stärken und größer zu gestalten, haben wir unser Lager als Kadimahdort der Jugendrepublik des Techeleth-Lawan (der in der Tschechoslowakei und Oesterreich bestehenden zionistischen Jugendbewegung) angegliedert. Das Lager wird große fmanzielle Anforderungen an uns stellen. Wir haben uns deshalb entschlossen, eine Bausteinaktion zu unternehmen, die uns helfen soll, das Kadimahdorf zu bauen. Wir richten an alle unsere Eltern und Freunde die Bitte, unser Lager durch den Kauf von Bausteinen zu unterstützen, unsern Jungen und Mädchen die Teilnahme am Kadimahdorf zu ermöglichen! Die Bundesleitung des Kadimah. Heinrich Kurtzig hat seinen beiden Büchlein über ostdeutsches Judentum ein weiteres folgen lassen: ״A n der G r e nz e“ (Gustav Engel Verlag, Leipzig; geb. 3,50 RM.). Auch hier ist er seinem Thema treu geblieben. Wieder sind es die Sitten und Gebräuche ostdeutscher Juden, die er festgehalten hat. Es geschieht nicht viel in diesem Buch. Seine Menschen entstammen einer gelasseneren Zeit, wo die Dinge Bestand hatten und die Entwicklungen langsam gingen. Aber in der Stille dieser Chronik verdichten sich die aneinandergereihten Genrebilder zu einem reizvollen Bild des Lebens dieser Menschen. Und liebevolle Detailmalerei gibt dem ganzen Buch eine Wärme, die es, ganz abgesehen von vielerlei Lernenswertem, zu einer ungewöhnlich sympathischen Lektüre macht. -aha- Warnung. Wir erhalten folgende Zuschrift: Wie ich durch die Redaktion eines französischen Blattes, das ich vertrete, erfahre, treibt sich ein Mann namens Rothschild im Elsaß und vielleicht auch in den angrenzenden Teilen des Deutschen Reiches herum, der — ein merkwürdiges Zeichen dieser Zeit — sich statt seines allenfalls finanzkräftigeren Namens des Namens meiner Wenigkeit bedient. Er gibt sich als Palästina- und Arabienkorrespondent der ״Derniäres Nouvelles de Strasbourg“ aus. Da mit dieser auf einen tiefen wirtschaftlichen Pessimismus schließen lassenden Namensaneignung gewisse mir iinsympathische Geschäfte verbunden zu sein scheinen, bitte ich diese Feststellung zur Kenntnis zu nehmen. M. Y. Ben-Gavriel, Jerusalem. Zionistisches Sommertreffen in Brieselang. Die Zionisten Berlins treffen sich am Sonntag, dem 19. Juni, mittags um 1 Uhr, mit den zionistischen Jugendbünden auf dem Jugendgelände in Brieselang (hinter Spandau West). Die zionistische Jugend hofft, daß aer Berliner Zionismus durch zahlreichen Besuch an der Feier von ״Chag Habikkurim“ teilnehmen wird. Um 1 Uhr wird das Wettkochen der Bünde stattfinden. Um 2 Uhr beginnen die Endspiele der sportlichen Wettkämpfe (Handball. Völkerball, Hindernisstaffel, Jüngerenstaffel, Mädchenstaffel, Wagenrennen). Nach Beendigung der Wettspiele ist um 4y* Uhr der Aufmarsch zum Nescnef (Chag Habikkurim) und das Wettsingen der Jugendbünde. — Man fährt nach Brieselang mit jedem S-Bahn-Zug nach Spandau-West. Auf dem Bahnhof Spandau-West umsteigen in die Züge nach Brieselang, die von Spandau-West um 10.11, 11.21, 12.01, 13.11, 14.01, 14.41 Uhr abgehen. Kommt am Sonntag nachl Brieselang!

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