Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1932-05-06 · Heft 36 (6.5.1932) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 36 (6.5.1932)
Date
1932-05-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653348-2653388--22955-2681251
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Jüdische Kindemot in Berlin Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Auslandsabonnemeats werden in der Währung der einzelnen Länder berechnet. Anzeigenpreis: 8 pesp, NonpareÜiezeile 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25 G,־M. Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin W15, Meinekestr.10. Telefon: J 1 Bismarck 7165-70. Postscheck - Konten: Berlin 17392, Basel V 9355« Belgrad 68032, Brüssel 39433, Budapest 59693, Danzig 1973, Haag 140470, Prag 59410, Riga 4155. Strasburg 164מ, Warschau 190708, Wien 156030 Bank Konten: Darmstädter־ und Nationalbank, Depositen > Kasse Berlin, Kurfürstendamm 52; Rumänische Kreditbank, Ccmaüfi (Rumänien); Anglo Palesiine Co. in Haifa, ferutalem, Tel -Aviv Nummer 36 | Berlin, 6. V. 1932 RedaktionsschluS Sonntag und Mittwoch nachmittag. ל' ניסן תרצ״ב | xxxvii. jahrg. D«r ZIbbIiiiiu» ■wlrtM >0r dam |MI»ch> Volk dl» Schaffung einer (!(•11111(11 - rechtlich gesicherten Helmstätie In Palästina. ״Baseler Programm•‘ Das Radio-Symposion in New York Zum Gründungstag der Hebräischen Universität Wie bereits in der vorigen Nummer der ,,J. R.“ kurz berichtet wurde, veranstaltete am 1. Mai aus Anlaß der siebenten Wiederkehr des Oründungstages der Hebräischen Universität in Jerusalem das amerikanische Komitee der Freunde der Hebräischen Universität in New York eine Feier, deren Verlauf durch den amerikanischen Rundfunk übertragen worden ist. Im Mittelpunkt des Interesses standen telephonische Ansprachen aus Europa, und zwar des englischen Innenministers Sir Herbert Samuel, des französischen Oberrabbiners Israel Levi, James de Rothschild, Thomas Manns und des Führers der Jewish Agency in Deutschland, Direktor Oscar Wassermann. Sir Herbert Samuel führte aus: Ideen, nicht Sachen, beherrschen die Welt; intellektuelle und geistige Kräfte, nicht materielle und ökonomische. Wir leben in einem Zeitalter des Uebergangs, nirgends aber war die Veränderlichkeit der Dinge einschneidender als im Nahen Osten. Ein schlagendes Beispiel ist die völlige Umbildung und Umwertung in der Türkei. Eine rapide Entwicklung nalimen auch die von der Türkei als Ergebnis des Weltkrieges abgetrennten Länder, vor allem Palästina, das kleinste und dennoch wichtigste dieser Länder, mit seiner einzigartigen Oeschichte, seinem religiösen Appell an die Menschheit, seinen das Interesse der ganzen Welt in Anspruch nehmenden Gegenwarts- Problemen. Dort leben Seite an Seite und auch durcheinanderfemischt zwei hochintelligente Völker: die Araber und die uden; Völker, die in den finsteren Zeiten des Mittelalters gemeinsam die Fackel der Gelehrsamkeit brennend erhielten. Ich glaube, diese beiden Rassen sind immer noch dazu berufen, freundschaftlich zusammenzuarbeiten, zu ihrem eigenen Nutzen, zum Nutzen Palästinas und der ganzen Welt. Diesem Ziele dient auch die Hebräische Universität in Jerusalem. Die Idee einer Universität ist der Idee eines engeren Nationalismus scharf entgegengesetzt. Die Hebräische Universität in Jerusalem darf nicht eine trennende, sie muß eine vereinigende Kraft sein. Im Zentrum der Alten Welt, sichtbar auf .den Hügeln über der erlesensten .aller־ Städte erbaut,, unsichtbar "über den jÄrtaüsenden Bedeutsamer Oe'spBIchte thronend, steht die Hebräische Universität. Ihre Eröffnung vor sieben Jahren war die denkwürdigste Feier in den fünf Jahren meiner Regentschaft in Palästina. Die die Menschheit trennenden und entzweienden Kräfte sind außerordentlich mächtig und in diesen Tagen besonders aktiv, aber ihnen zum Trotz kommt die Einigung der Welt zustande. Leichtere Verbindungsmittel helfen dazu. Die Möglichkeit einer internationalen Radio-Uebertragung, wie diese heute, ist ein Beispiel hierfür. Aristoteles, an kleine Stadt- Staaten gewöhnt, sagte, ein Staat wäre dann zu groß, wenn nicht die Stimme eines einzigen Herolds von allen Menschen im Staate gehört werden könne. Heute vermag die Stimme eines einzigen Herolds in die entferntesten Winkel der Welt zu dringen und — für eine nicht so ferne Zukunft, wie die meisten Menschen denken mögen — zuerst die geistige, dann die politische Einigung der Menschheit prophezeien, ln dieser großen Evolution wird, so glaube ich, der Mittlere Osten — Palästina im besonderen — eine führende, eine inspirierende Rolle spielen. Auch Direktor Oscar Wassermann hielt seine telephonische Ansprache aus Berlin in englischer Sprache. Sie lautet in gekürzter deutscher Uebertragung ungefähr: Die Hebräische Universität in Jerusalem steht da als die Verkörperung unseres Aufbauwillens. Die Juden, Schärfer einer alten Zivilisation, haben in Palästina dem Geiste ihrer Rasse eine Heimstätte errichtet. Die Universität, das intellektuelle Zentrum einer lebenskräftigen und hoffnungsvollen jüdischen Bevölkerung. ist bestimmt, dauernde Fundamente für die nationale Renaissance zu legen. Noch einmal wenden wir uns dem Osten zu, aus dem so viele große Zivilisationen kamen, und mit dem unsere Geschichte seit ihren ersten Anfängen verknüpft ist. Die Herrlichkeit dieser Welt, ihre zahllosen blühenden, auch an Schätzen des Wissens reichen, Städte sind verschwunden. Das ausgedehnte Gebiet, einst die Heimstätte vieler Millionen, ist heute spärlich bevölkert. Ruinen bezeichnen die Stätten einstiger Größe. Aber das Rad der Geschichte wendet sich, schon schütteln diese Länder, die die Wiege der Zivilisation waren, den Schlaf der Jahrhunderte von sich ab; die Rückkehr der Juden in das Gelobte Land wird sie vollends wachrütteln. Wir in Erez Israel haben die Pflicht, den Völkern, die uns Nachbarn und Verwandte sind, zu helfen, ihre Kräfte zu entwickeln, so daß der Fortschritt des Jüdischen Nationalheims von einer geistigen Wiederbelebung des Nahen Ostens begleitet werde, ln unserem alten Vaterlande war es uns Juden vergönnt, Gott so zu erleben, daß die Begriffe Gerechtigkeit und Sittlichkeit der Stoff geworden sind, aus dem unsere Bibel geformt ist. Mit der Erneuerung des jüdischen Lebens in Palästina fühlen wir das Gewicht der Verantwortung, die uns unsere Erbschaft auferlegt, und wir wissen, daß, was immer die jüdische Gemeinschaft in Erez Israel vollbringen mag, um ihr eigenes Schicksal zu vollenden, auch einen universellen Wert haben muß. Dieser Verantwortung vor allem muß sich die Hebräische Universität bewußt sein. Aber um die höchsten Ziele zu erreichen, müssen wir Juden unser Leben so formen, daß unsere Nachbarn die Gaben der Kultur, die wir ihnen bringen, anerkennen und bereitwillig annehmen. Nicht mit Worten, sondern mit dem schweigenden Zeugnis unserer Taten wollen wir überzeugen; dies nicht nur im Orient, sondern überall in der Welt, wo Juden fortdauernd Feindseligkeiten ausgesetzt sind. Apologetik hat nie viel genutzt, sie hat die Feinde der Judenheit nicht daran gehindert, uns bis auf den heutigen Tag mit den gleichen falschen und törichten Anschuldigungen zu verfolgen. Die wahre Natur des Judentums wird sich in der Welt in Palästina offenbaren, wo unser Leben und unsere A r b e i t für uns sprechen. Die jüdische Wissenschaft in Europa und in Amerika ermangelt des natürlichen Echos in der gesamten Judenheit. Die Arbeiten einzelner Gelehrter in der Diaspora können nur verhältnismäßig kleine Kreise inspirieren. In Palästina aber lebt der hebräisch schreibende und lehrende jüdische Gelehrte ,mitte« ־10־einer h#bri»c|1: •preehenden :jüdischen׳■Bevölkert«^,־ die mit unserer alten Literatur vertraut ist, die die Werke unserer mittelalterlichen Schriftsteller kennt und die gewohnt ist, hebräisch zu denken. Hier gibt es die natürliche Wechsel- Wirkung zwischen Wissenschaft und Leben, von der die Wissenschaft nicht weniger Nutzen hat als das Leben. Die Wasser des Schiloach fließen langsam und wir wissen, daß die großen Werke des menschlichen Geistes nur allmählieh zur vollen Reife kommen. Da wir Außerordentliches erstreben, sollen wir nicht allzu frühe Früchte erwarten. Wir wünschen der Universität ein organisches Reifen und strenge Selbstkritik gegenüber ihren eigenen Leistungen. Auf diese Weise wird die Universität ihrer dreifachen Aufgabe gerecht werden: ein wissenschaftliches Institut von hohem Rang zu sein, das jüdische Leben in Erez Israel und in der Welt zu fördern und zu bereichern und den geistigen Mittelpunkt für alle Teile des Vorderen Orients zu bilden. James Rothschild erinnerte in seiner Rede an das Interesse, das sein Vater, Baron Edmund, stets für die Sache der Hebräischen Universitat genommen hat. Als einer der Augenzeugen der Grundsteinlegung der Universität während des Krieges im Jahre 1918 schilderte der Vortragende dieses Ereignis und verbreitete sich dann über die einzelnen gegenwärtig bestehenden wissenschaftlichen Institute und ihre Aufgaben. Am Genfer See, so schloß der Redner, zeigt man den Besuchern, wie die Rhone als ein deutlich erkennbarer weißer Strom durch das dunkle Wasser des Sees hindurchfließt. Ebenso hat die jüdische Kultur sich durch 20 Jahrhunderte rein erhalten, während sie durch die Kulturen vieler Länder und Völker hindurchfloß. Wenn die Rhone den See verläßt, nimmt sie ihren Weg zum Meere wieder auf und verbreitet längs ihres Weges Fruchtbarkeit und Segen. So hat auch der Strom des jüdischen Wissens und Denkens heute seinen eigenen Weg wieder aufgenommen, und die Hebräische Universität zeigt uns, daß er frisch und lebensspendend geblieben ist. Ruhiger erster Mai in Palästina Jerusalem, 2. Mai. (J. T. A.) Der erste Mai ist in diesem Jahre in Palästina so ruhig verlaufen, wie kein erster Mai seit der englischen Okkupation. Die jüdische Arbeiterschaft des Landes ließ die Arbeit ruhen und feierte das Arbeiterfest durch öffentliche Kundgebungen, ln den Städten nahmen Hunderte arabische Arbeiter an den Mai-Feiern teil. In Haifa hielten auch Führer der arabischen Arbeiter Mai-Ansprachen. Besonders imposant verlief die Kundgebung in Tel-Awiw, in der auch der amerikanischjüdische Schriftsteller David Pinsky eine Ansprache hielt. An das Büro der Sozialistischen Internationale wurden telegraphische Grüße gesandt. Der Boianisehe Garten eingeweiht Jerusalem, 2. Mai. (J. T. A.) Am 1. Mai wurde unter Teilnahme der Professoren- und Studentenschaft der Botanische Garten der Hebräischen Universität eingeweiht. Das Grundstück und die Summe zur Erhaltung des Gartens stifteten die Brüder Lamport in New York. Die Festrede hielt im Namen der Verwaltung der Universität Dr. Schlössinger, der ausführte, dieser bisher einzige Botanische Garten im Nahen Osten werde in wissenschaftlicher und in Sktischer Beziehung von großem Nutzen für den gesamten en Osten werden. Den Stiftern, Brüder Lamport, sprach er den Dank der Universität aus. In aller Kürze Unter den im März 1932 in Palästina ein gewänderten 1538 Personen waren 1355 Juden; unter den im gleichen Monat Ausgewanderten 136 Personen waren 51 Juden. Unter den eingewanderten Juden waren 1086, die als Touristen ins Land gekommen waren und nachträglich die Erlaubnis zu dauerndem Aufenthalt erhielten. Wie die palästinensischen Blätter melden, hat Dr. Arlosoroft Ende April nach seiner Erkrankung wieder seine regelmäßigen Besprechungen mit dem High Commissioner zur Erledigung der laufenden Angelegenheiten der Jewish Agency aufgenommen. Am Abend des 30. April wurden von unbekannter Seite gegen das Haus eines Kolonisten in Kfar Jecheskiel im Emek Jesreel Schüsse abgegeben. Der Kolonist Freud und der Beamte der zionistischen landwirtschaftlichen Versuchs- Station Herschkovitsch wurden verwundet Im Alter von 74 Jahren starb in New York Cyrus L. Sulzberger, der mit Jacob H. Schiff, Oscar Strauss, Louis Marshall, Nathan Strauss und Mayer Sulzberger zu der amerikanischen Führergruppe gehörte. Er stand an der Spitze vieler jüdisch-sozialer Institutionen. Obwohl Nichtzionist, förderte er auch zionistische Angelegenheiten. Er besuchte Palästina, brachte beträchtliche Summen für die Hebräische Universität aul und steuerte auch zu den zionistischen Fonds bei. Siedlungsprobleme Ueber die Aufgaben der Jewish Agency bei der Aniiedlung in Palästina Von A. Ba w 1 y , Jerusalem. In dem nachfolgenden Artikel schildert der gegenwärtige Leiter• des Departements für landwirtschaftliche Ansicdlung bei der Jewish Agency-Exekutive in Jerusalem die großen Aufgaben, die sich für die Jeudsh Agency und ihre h'innnzinstrumenlc, Keren Hajessod und Keren Kajemeth, bei der landwirtschaftlichen Ansiedlung von Juden im Ijinde noch ergeben, ln der leisten Zeit war infolge der stärkeren Mittelstandseinv'andernnrj die Aufmerksamkeit der Oeffentliehkeit vor allem den OrangmpfInnzungen :ugewendet, die vielfach aus privater Initiative und mit privatem Kapital geschaffen werden. Diese überau/ wichtige hlitielstiindsbewegung hat jedoch leider dazu geführt, daß bet der Beurteilung der pdä-A'mnis• sehen Wirtschaft in manchen Kreiseni eine gewisse Einseitigkeit entstand und vielfach vergessen wurde, welche gewaltigen Anforderungen, abgesehen von der Pflanzung!• zone, das jüdische Siedlungswerk stellt. Es ist daher zu begrüßen, daß durch die nachfolgende Darstellung auch die Bedeutung da mit direkter Unterstützung der Jewish Agency auf gebauten Siedlungswerkeg wieder einmal ins rechte Licht gerückt wird. Red, Die jüdischen Landwirte in Palästina sind bisher von der Weltkrise nicht besonders schwer getroffen worden. Die Preise für die verschiedenen landwirtschaftlichen Produkte sind zwar im Lande entsprechend dem allgemeinen Preisrückgang im Auslande gefallen, da aber ein großer Teil dieser Produkte zur Selbstversorgung der Siedler dient und da die Preise für denjenigen Teil, der zum Verkauf gelangt, nicht unter die Produktionskosten herabgesunken ist, so ist die palästinensische Landbevölkerung von der Weltkrise nicht in demselben Maße betroffen worden wie diejenige anderer Länder. Die jüdischen Landwirte lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Die erste Kategorie ist diejenige der O r a n g e n z ü c h - t e r. Die gesamte mit Orangen bepflanzte Fläche, die sich zur Zeit in jüdischem Besitz befindet, beträgt etwa 65000 D u 11 a m (abgesehen von der Fläche, die in diesem Jahre bepflanzt wird). Die zweite Kategorie umfaßt die übrigen Landwirte, die zum größten Teile unbewässerten Boden bearbeiten, d. h. Getreidebau und trockene Pflanzungen betreiben. Die hierfür verwendete Bodenfläche in jüdischen Händen beträgt jetzt ca. 1 Million Dunam. Die Zionistische Organisation hat früher ihre Hauptaufgabe in der Unterstützung der landwirtschaftlichen Ansiedlung gesehen, besonders jn der. Ansiediung aut.0 s.b sjr.&aee Boden, war aber auch bereit, die Siedler in der PUinrtiBjp■ zone zu unterstützen. Sie siedelte an oder gewährte Hilfe bei der Ansiedlung: im Emek Jesreel und im Jordantal 1100 Familien in der Pflanzungszone - . . < . 574 ״ in der Gebirgszone. 54 ״ Zusammen 1728 Familien. Vielerlei Gründe veranlaßten die Zionistische Organisation, ihre Hauptaufmerksamkeit gerade auf das unbewässerte Land zu richten. Vor allem muß man sich klarmachen, daß sich vor zwölf Jahren, als der bedeutungsvolle Entschluß gefaßt wurde, mit dem Kauf von Emek Jesreel zu beginnen, der Orangenbau in einer ziemlich schweren Lage befand. Er litt noch sehr unter den Verheerungen, die der Krieg angerichtet hatte. Man war auch allgemein der Ansicht, daß man die Wirtschaft nicht auf einer einzigen Kultur basieren dürfe, die noch dazu vollständig von der Preisbewegung auf dem Weltmarkt abhängig ist, und bis zum heutigen Tage läßt es sich noch nicht beurteilen, ob diese Warnung nicht berechtigt war. Es war auch klar daß man nicht im ganzen Lande nur Orangen anbauen konnte — insofern das überhaupt wünschenswert erschien. Nach Meinung aller Sachverständigen beträgt die zum Orangen bau geeignete Fläche nicht mehr als 500 000 Dunam (wovon jetzt ca. 130 000 Dunam bepflanzt sind), während die Gesamtfläche des kultivierbaren Bodens im Lande nicht weniger als 12 Millionen Dunam beträgt. Andererseits bestand bei der Zionistischen Organisation eine ausgesprochene Vorliebe für Ansiedlung auf der Basis der gemischten Wirtschaft. Als Ideal schwebte der Kleinb a u e r vor, der selbst sein Brot und Viehfutter produziert, sowie Milch, Eier, Geflügel, Fleisch, Gemüse und Früchte für sich selbst und seine Familie; er sollte soweit wie möglich ein fest mit dem Boden verbundener Selbstversorger sein und einigermaßen unabhängig von den Marktverhältnissen, da er nur seine überschüssigen Produkte zu verkaufen brauchte; sein« Wirtschaft sollte er allein, mit Hilfe seiner Familienmitglieder, bestellen und nicht auf gemietete Arbeiter angewiesen sein. In ihrem Wunsche, dieses Ideal des neuen Bauern zu verwirkliehen, beschlossen die Zionistische Organisation und der Keren Kajemeth im Jahre 1921, den Emek Jesreel zu kaufen und zu besiedeln; dort war es möglich, große Flächen fruchtbaren Bodens — der allerdings wegen der schlechten Gesundheitsbedingungen unbesiedelt war — zu erwerben. So begann im Jahre 1921 die Schaffung gemischter Wirtschaften im Lande. Der Unterschied zwischen der gemischten Wirtschaft und den alten unbewässerten Pflanzungswirtschaften besteht darin, daß der Besitzer der modernen gemischten Wirtschaft kein Getreide zu Verkaufszwecken zieht, sondern Körnerbau zum größten Teile nur für seine eigene Wirtschaft treibt, also für sein Haus, seinen Viehstall (Milch und Milchnrodukte, Kälber zum Verkauf des Fleisches) und seinen Hühnerstall (Eier und Geflügel). Als ihren Beitrag zur Errichtung der modernen gemischten Wirtschaft schuf die Zionistische Organisation ihre V ersuchs- Station mit deren verschiedenen Zweigen: Getreidebau, Milchwirtschaft, Hühnerzucht usw., sowie Laboratorien für Krankheiten, Schädlinge und chemische Untersuchungen. Hierzu kam vor vier Jahren noch die Abteilung für das Studium von Zitruspflanzen. Bei der Schaffung der gemischten Wirtschaft war der Zionistischen Organisation klar, daß im Lande ein großes Gebiet für den Absatz der Produkte dieser Wirtschaft bestand und man auf lange Zeit hinaus nicht zu befürchten brauchte, daß das Angebot landwirtschaftlicher Produkte die Nachfrage seitens der palästinensischen Bevölkerung übersteigen würde, ln der Tat sehen wir, daß mit der Zunahme der Produkte 1 ihr Konsum im Lande gewachsen ist.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.