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Jüdische Rundschau · 1932-04-05 · Heft 27 (5.4.1932) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 27 (5.4.1932)
Date
1932-04-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 27, 5. IV. 1932 'Seite 128 bandslagung, und nicht nur diese allein, in Herrn Wolff nicht gerade den entsprechenden Wortführer und Sachwalter der preußisch-jüdischen Interessen erblicken. Der Hauptredner der Liberalen fand es in seiner Rede für angebracht, von einer jüdischen Schuld bei Anwachsen der antisemitischen Bewegung in Deutschland zu־ reden, indem er auf die verschiedenen Prozesse und Skandalaffären der letzten Zeit hinwies. Die Antwort darauf gab ihm Kurt Blumenfeld, der auf die merkwürdige Methode der liberalen Richtung hinwies, sich wohl mit allen jüdischen Rechtsbreehern solidarisch zu fühlen, hingegen es sonst an positiver Solidarität mit jüdischen Bestrebungen fehlen zu lassen. Pr, Seligsohn wiederholte das, was man schon hängst wußte, nämlich daß die liberalen Vertreter in der Frage des Judengesetzt* einem Kompromiß 1 u n e i g e n , d. h., daß sie die einstimmigen früheren Beschlüsse des Verbandstages und des Verbandsrates in dieser Angelegenheit fallen lassen. Herr S. sprach sich ferner dafür aus, daß der Name des erstrebten Reichsverbandes der deutschen Juden ״Reichsbund Jüdischer Landesverbände״ lauten solle; dies, meinte Seligsohn, entspreche den Tatsachen. So motivierte er die Ablehnung des Namens ״Reichsvcrband deutscher Juden"', der allein das zum Ausdruck bringt, was sich die deutschen Juden unter ihrem Gesamtverband vorstellen. Schließlich bekannte sich Seligsohn zum Prinzip, daß der Landesverband auch Wirtschaftsfragen der preußischen Juden zu behandeln habe, wiewohl die Liberalen bis zum vorigen Jahre dieses Tätigkeitsgebiet als dem Landesverbände durchaus nicht entsprechend abgelehnt hatten. Die Tagung des Landesverbandes wurde eingeleitet durch eine Rede des Rabbiners Dr. Warschauer. Der Redner skizzierte in großen Zügen die Rolle der deutschen Juden in der jüdischen Geschichte. Er erwähnte, daß die deutschen Juden nach dem Niedergange des spanisch-jüdischen Zentrums innerhalb der Weltjudenheit eine natürliche geistige Hegemonie erlangt hatten. Er schilderte die Bedeutung der deutsch-jüdischen Wissenschaft in dem vergangenen Jahrhunderte, er erwähnte schließlich, daß die nationale Bewegung im jüdischen Volke aus der deutschen Judenheit eine große Anzahl ihrer Theoretiker und Führer genommen habe und gab schließlich der Hoffnung Ausdruck, daß die Vorsehung den Weg der deutschen Juden aus der Wirrnis der Gegenwart in eine bessere Zukunft führen werde. Zwischen den Worten aber fühlte man die Resignation darüber, daß die geschichtliche Rolle der deutschen Juden innerhalb der Weltjudenheit endgültig zu Ende sei. Andere Judenheiten, andere Zentren haben die Führung der Weltjudenheit übernommen und die gegenwärtig in Deutschland herrschende zahlenmäßig stärkste Richtung kann nur auf ihr Konto buchen, daß sie ein großes Erbe, von früheren Generationen überoommen, vertan und vergeudet hat. * Verhandlungibcricht An die Berichte Kammergerichtsrats Wolff und Direktor* Kareski schloß sich die Generaldebatte. D־׳r erste Redmr, der Vertreter der Liberalen, Dr. S e 1 i g s 0 h n, stellte fest, daß in *einem Herzen neben der deutschen und preußischen auch *ine Jüdische Sf,elp vorhanden sei, und nun legte er dar, wejene lein«־ Seelen angesichts der herrschenden Verhältnisse beunruhigt sei. Da die Preußenwahlen bevorstehen, erbebt natürlich am stärksten Seligsohns ״preußische“ Seele, seine jüdische jedoch sei unbewegt, denn — und nun folgten Bibelzitate, Hinweise auf Purim und Peßach und andere jüdische Feste. Herr Seligsohn befand sich als Sprecher seiner Fraktion in einer unglückseligen Lage. Er begann mit politischen Darlegungen, stieß aber in der Behandlung dieser politischen Fragen nicht allzu weit vor, er bog dann in einen Predigerton ab und das Ergebnis war ein Traktätchen. Der Redner der jüdischen Volkspartei, Kurt Blumenfeld wies darauf hin, daß der liberale Vertreter durch die Tatsache, daß er eine politische Rede zu halten versuchte, impliäte anerkamst habe, daß die Verbandstagung ein politisches Forum für das preußische Judentum sei. Dem Ratsvorsitzenden, Kammergerichtsrat Wolff, hielt der Redner vor, daß er geradezu Sabotage der vom Verbandstag gefaßten Beschlüsse getrieben habe, unter diesen Umständen sei es zwecklos, Beschlüsse zu fassen. 111 Wolffs Verhalten komme die Einste.Iung der liberalen Richtung zum Ausdruck: das Zurückweichen vor der äußeren Gewalt, die Angst vor dem Büttel. Kaum habe die preußische Regierung in der Frage des Judengesetzes eine vom Verbandstag abweichende Haltung zum Ausdruck gebracht, und schon seien Wolff und die Liberalen zu Konzessionen bereit gewesen. Blumenfeld zitierte einen Brief von Gabriel Rießer aus dem Jahre 18-12, in welchem Rießer diese Art des Zurückweichens vor der Obrigkeit scharf ablehnt. Die Zionisten haben in den vergangenen Jahren die Prognosen für die Entwicklung gestellt, wie sie tatsächlich eingetreten ist. Damals galten wir als Schwarzseher und man weigerte sich, unseren Vorschlag eines engeren Zusammenschlusses zu akzeptieren. Der liberale Redner hat erklärt, daß der Central-Verein den Antisemitismus mit Erfolg bekämpft habe. Man muß sieh nur über den Begriff ״Erfolg“ verständigen, wenn man über diese Angelegenheit spricht. Wenn es ein Erfolg ist, Friedhofsschändungen zu r e - gjstrieren, aber sie nicht zu verhindern, dann hat der Central-Verein einen Erfolg aufzuweisen. Blumenfeld erwähnt das Interview des amerikanischen Journalisten mit einem C.-V.- Führer, Hollaender, das dann so viel Aufsehen erregte und vom C.-V. dementiert wurde. Angesichts derartiger Vorkommnisse nuiß man sich fragen, ob das Schicksal der deutschen Juden solchen Händen anvertraut sein darf. Die liberale Richtung ist nicht gewöhnt, die jüdische Welt als eine lebendige anzusehen, sondern als eine konstruierte. Die Liberalen behandeln das Judenproblem isoliert als eine deutsch-jüdische Frage und vergessen, daß der jüd. Gesamtheit Weltbewegungen gegenüberstehen, ohne daß diesen ein einiges Judentum gegenübergestellt würde. Die liberalen Juden sind nicht Zeitgenossen der gegenwirtigen Weltprobleme, z. B. des Nationalsozialismus und Kommunismus, sie retten sich in eine Zeit von 1880. Die Aufgäbe der Juden und auch des Preußischen Landesverbandes ist eine von 1032, Die liberalen Juden aber verhalten sich apologetisch, ein Beispiel hierfür war die letzte Monatsausgabe des C.-V. Charakteristisch sei auch das Verhalten des C.-V, zu Goethe: Man hat Angst davor, distanzierend anzuerkennen. Im Zeitalter des neuen Antisemitismus steht nicht mehr der einzelne Jude einer feindlichen Welt gegenüber, sondern die Judenheit. Wie reagiert die liberale Richtung? Gegen Palästina stellt sie üroß-Gaglow und eine Subventionierung des Hechaluz lehnt sie ab. Die Liberalen verstehen nur eines: gegen den Zionismus aiifzutreten. Aber auch der beste Antizionist ist nicht imstande, die jüdischen Probleme zu meistern. Wir leben in einer entscheidenden Zeit und die Situation ist darum erschwert, weil ein substanzloses Judentum der Welt gegenübertritt. Erst wenn ein neuer Geist im Landesverband herrschen wird, dann wird man imstande sein, der Judenheit Rückgrat, Mut, Sicherheit und Hoffnung zu verleihen. Die liberale Riehtung aber erwartet alles Heil vom Fortschritte — der an deren. Wir aber setzen unsere Hoffnung auf eigene Anstrengung und eigene Leistung. Das Prinzip, von dem wir uns leiten lassen, ist die Erkenntnis: das jüdische Volk lebt. (Beifall.) Im weiteren Verlauf der Debatte sprach zuerst Dr. Horowitz (konservativ), sodann legte Dr. Ismar Freund im einzelnen dar, wie unsachgemäß die Arbeit des Rates, besonder! in der Frage der Erlangung von Staatsbeihilfen, gewesen sei. Auch die Führung־ der Verhandlungen in Angelegenheiten des tudciigesctzcs habe Festigkeit und System vermissen lassen. >r. Freund, ein genauer Kenner aller Verbandsarbeiten, zeigte an vielen Beispielen, daß der Rat seine Aufgaben nicht zweckentsprechend durchgeführt habe. — Der nächste Redner, Dr. Oscar Cohn, protestiert gegen die beabsichtigte Streichttng der Subvention für den Hechaluz und führt weiter aus, es sei unbegreiflich, daß in einer solchen Zeit der Etat keine Position für politische Schutzarbeit enthält. Mit der geistigen Verfassung, wie sic Dr. Seligsohn in seiner Rede enthüllt habe, könne der Existenzkampf des deutschen Judentums nicht geführt werden, denn es sei lächerlich, unter Berufung auf die eigene ״deutsche Seele׳' die Verschmelzung mit den anderen zu fordem, wenn diese anderen in immer heftigerer Abwehr sich dagegen sträuben. Schon die Ehre gebiete, wenn man Jude ist, sich stolz dazu zu bekennen und den Kampf um die eigene Existenz mit Einsatz aller Mittel zu führen. — Dr. Ludwig Hol- I a e n d e r (liberal) bemerkt zu Blumenfelds Rede, sie liege aut einer ganz anderen Ebene als die Stellungnahme der Parteifreunde des Redners. Blumenfeld gehe vom Gesamtjudentum und von einem Ewigkeitsaspekt aus, dies bringt uns aber in den Dingen unseres täglichen Lebens dicht weiter. Viele Maßnahmen des C.-V. und viele Aeußertingen der C.-V.-Zeitung, die Blumenfeld kritisiert habe, seien gewiß keine Verkündigung letzter Wahrheiten, aber sie seien aufzufassen als Waffen im täglichen Kleinkampf. Redner verteidigt den C.-V. gegen den Vorwurf des Mißerfolges der Abwehrarbeif. Man müsse, so meint er, die rassentheoretische Apologetik mit mehr wissenschaftlicher Präzision, auch bereits im jüdischen Schulunterricht betreiben. Alfred Berger weist auf die S tr u k t u r w a n d 1 u n g der deutschen Juden hin. Während früher das Gros aus bürgerlichen Elementen bestand, steigt gegenwärtig der prozentuelle Anteil der Angestellten und Arbeitnehmer. Der Verbandstag solle sich überlegen, wie man diese Kreise zu interessieren und an die jüdische Gemeinschaft z« fesseln vermag. Die sozialen Aufgaben sollten eine Hauntrolle bei allen Arbeiten spielen. Eine Förderung der Selbsthilfebestrebungcn ist unbedingt notwendig. Berger, kritisiert die Haltung des Rates in der Frage der Staatsbeihilfen. Zwei Tage vor Toresschluß sei man zur Regierung.gegangen, und nun wundere man sich, daß das Ergebnis in keiner Weise den berechtigten Wünschen entspricht. Der aufgcstel.Ite Etat wird leider in der Einnahmeseite keine Wirklichkeit sein. Man wird tim ei״c Erhöhung der Beiträge der Mitgliedsgemelnden nicht 1 .•rumkommen. Auf die Reden Seligsohns und HoIIaenders eingehend, erklärt sich Berger damit einverstanden, daß üie ״A b w e h r a r b e i t“ , die letzten Endes belanglos sei, weiter vom C.-V. gemacht werde, aber politische Arbeit soll von der gesamtjüdischen Organisation geleistet werden. Wenn Dr. Hollaender mit Emphase erklärt, daß der Selbstschutz durch Selbstbildung geübt werden solle, dann frage der Redner, warum die I iberalen gepen die jüdische Schule sind? Wir erblicken den Sinn der politisehen Arbeit nicht in einer Abwehrarbeit, sondern in einer Aufbauarbeit. Wenn man nur einen Teil der Summen, die man für nutzlose Abwehrapbeit ausgegeben hat, für Aufbauarbeit verwendet bitte, so stünden Wir heute ganz anders' da, Hollaender! Darlegungen waren ein Eingeständnis, des MIßerfolges. Der jüdischen Jugend sollen keine apofo״e‘isehen, sondern Kenntnisse des jüdischen Volkstums vermittelt werden. Die Liberalen haben in Ihrer Fraktion beschossen, gegen die Subvention des Hecha!uz zu stimmen. Dies ist für die Volksparteiler eine Frage, in der sie unter keinen Umständen nachgeben können. Wenn die Liberalen auf ihrem Standpunkt beharren, so werde die Volkspartei gegen den Etat stimmen, der die diesmal wegen der Beitragserhöhung notwendige qualifizierte Mehrheit ohne die Volkspartei nicht zu erlangen vermag. Der Redner der nationaldeutschen Juden, Sanitätsrat Peys e r, erklärte, er werde f ii r die Subvention des Hechaluz stimmen, denn es stehe außer Zweifel, daß der Hechaluz die von allen Kreisen gutgeheißene Umschichtung in seinem Kreise vollziehe. — Mit einer Rede des Konservativen, Rabbiner Dr. Roscnthal, wurde sodann die Generaldebatte geschlossen. Der Vorsitzende des Rats, Kammergerichtsrat Wolff, referierte sodann über Geschichte des Planes zur Schaffung eines DAJOS BELA Freymuth Syncopaiors «plelen auf dam BALL der Jüdischen uolhspartel Dr. S. Hildesheimer Sammy Gronemann konftriaran Blandine Eblnger * Eugenia Heilbrunn-Lopez » Leo Gollanin Fritz Grünbaum * Willi Prager Joseph Schmidt wirken mit im KABARETT zu Gunsten der Selbsthilfe erwerbsloser jüdischer Jugend Sonnabend, S. April In allen Krolls&len. Anfahrt 0r. 0uer.11.. Slntrlttskarten; Vorverkauf RM. 2,80 / Abandkat*. RM. 3,50. 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Dr, Breslauer erklarte für die Liberalen, daß sie sich nicht mehr an den Kompromiß-Vcaschlag gebunden fühlen würden, wenn die Volkspartei einen eigenen Vorschlag einbringt. Der Kampf am die Hechaluz - Subvention In der Montags-Vormittagssitzung wurde die Speziald e b a 11 e über den Etat durchgeführt. B e n a r i o (Volkspartei) referierte für den Haushaltungsausschuß und teilte mit, daß auf Antrag der Volkspartei 5000 M. zur Förderung der wirt« schaftlichen Selbsthilfebestrebungen bewilligt worden sind. Der Ausschuß hat ferner mit 10 zu 2 Stimmen beschlossen, eine Subvention für den Hechaluz grundsätzlich zu geben, doch soll die Höhe noch freigestellt werden. — Die Debatte über diesen Punkt gestaltete sich im Plenum überaus heftig, es kam zu lebhaften Kontroversen zwischen Volkspartei und Liberalen. Dr. Breslauer (liberal) erklärte, es genüge, wenn einzelnen bedürftigen Elementen vom Wirtschaftsausschuß Förderung zuteil wird, nicht aber der Organisation Hechaluz als solcher. Demgegenüber betonte Alfred Berger, daß die Volkspartei an einer Subvention für den Hechaluz unter allen Umständen festhält und im Ablehnungsfälle gegen den Etat stimmen würde. Bei Redaktionsschluß dauern die Verhandlungen noch fort. Auf dem Wanderwegc Von Leib Jaffe Der Dinklar de» Keren Hajessad ul nach »einer erfolgreiche* Kampagnne in England und Polen in Berlin eingetroffen und übergab uns nachstehende Shit:e. Von Berlin i»t Herr Jaffe nach Palästina weitergereist, Herl. Ich fahre im Zuge durch die Wüste Sinai auf dem Wege nach Aegypten. Um uns ein Meer von bernsteinleuchtendem Sand. Ab und zu eine Palmenoase. Die Meerwellen schlagen an das Ufer wie schäumender Marmor. Mit mir im Zuge fährt ein Commis-Voyageur aus Holland. Er hat im Orient Geschäfte. Er ist gut gepflegt, ist mit sich zufrieden. Er betrachtet meine Koffer: ״Sie fahren nach England? Jetzt nach dem Sturz des Pfundes werden Sie dort billig kaufen. Man kann dort ein gutes Geschäft machen.“ Ich bin einverstanden. Er ist noch nicht befriedigt: ״Was für Waren führen Sie? Was verkaufen Sie?“ Was konnte ich meinem Kollegen antworten? Ich denke an ein Bild in Asch’s ״Kiddusch Haschern“. Die Horden von Chmelnitzky und Gonta martern und morden eine jüdische Gemeinde nach der anderen. Hunderte jüdischer Gemeinden sind dem Erdboden gleichgemacht, ln wilder Panik flüchten ganze jüdische Städte und Städtchen und suchen Rettung. Das Schwert erreicht sie. Tausende jüdischer Frauen und Kinder werden Tartaren in Knechtschaft verkauft. Verzweiflung und Todesschrecken hat das polnische und ukrainische Judentum ergriffen. Ein kleiner Jude wandert von Gemeinde zu Gemeinde, zu den jüdischen Siedlungen, die noch geblieben sind und auf ihr Schicksal warten. Er kommt auf den Jahrmarkt. Er öffnet eine Bude. Wenn man ihn fragt: ״Was verkauft Ihr?“ antwortet er: ״Betochen“ (״Zuversicht“). leb wäre glüqkKch, könnte ich, wie jener kleine Jude, 4011 verzweifelten, gebrochenen jüdischen Gemeinden, die nient er״ löschte Hoffnung, den urigebrochenen Glauben, den jüdischen ״Betochen“ bringen, den die Berge und Täler unseres Landes mit neuer Kraft und Lebenssaft durchtränkt haben, die Zuversicht, die aus Freude und Quai wächst, aus der einzigen jüdisehen Schöpfungsfreude, den einzigen jüdischen Leiden der Welt, die einen Sinn haben. Und noch etwas möchte ich aus unserem Lande bringen — die tiefe Unzufriedenheit, die brennende Unruhe, die Ungeduld, die uns nicht verläßt, die wie mit feuriger) Peitschen jagt, Jede Minute fühlen wir: stehenbleiben heißt zurückgehen. Jedes ungetane Werk ist ein unersetzlicher Verlust. Unaufhörlich klingen in meinen Ohren die Worte, die ich in En Charod gehört habe: ״Wir klagen nicht, wir leben besser als Tausende jüdischer Siedlungen in der Welt. Wir werden aber von Unruhe verbrannt, weil wir allein bleiben, weil andere nicht kommen.“ Und Worte, die ich in Nahalal hörte: ״Unsere Kinder leben . .. יי” י ’' ' Kellern Osteuropas und rufen uns zu, sie zu rette"n.“ Und andere Worte sind in Nahalal gesagt worden: ״Was wird aus uns? Der Orient entwickelt sich schnell. Er fliegt in einem Aeroplan und wir reiten auf der Stute von Mendele Mocher Sforiin. Man muß den Aron Hakodesch (Thoraschrank) öffnen und zum jüdischen Volke rufen: Was tut Ihr? Worauf wartet Ihr! Ihr werdet versäumen!“ Ich wandere über den Wadi Chawereth, ein Tal, von Juden neu erworben, am Ufer des Meeres, Pflanzungsboden. Tausende jüdischer Familien könnten sich hier ansiedeln, ihr Brot aus dem Boden ziehen und das Tal in einen blühenden Garten verwandein, wie wir es mit dem toten Emek Jesreel gemacht haben. In dem großen Tal leben jetzt nur 30 jüdische Arbeiter in einem arabischen Haus, unter ihnen fünf Frauen und ein sechsjähriger Knabe, Amos. Ein einsames jüdisches Grab ist schon im Tale. Einer der jüdischen Arbeiter ist in einem Regenfluß während des Pflügens ertrunken. Tausende in Palästina lechzen nach Boden, nach der Arbeit mit Pflug und Spaten, und Hunderttausende in der Galuth richten ihre hungrigen Augen auf Palästina und sehnen sich, seine Felder mit dem Tau ihres Schweißes zu netzen. Nicht nur Palästina kann nicht warten, noch weniger kann das jüdische Volk warten. Bleibt Palästina wüst, wird das jüdische Volk verwüstet. Und wenn das Licht verdunkelt wird, das sich in Palästina entzündet hat, wird das letzte Licht des jüdischen Lebens verdunkelt. Unruhe soll jeden von uns, jeden aus unserem Volke aufrütteln. Auf jeden von uns blickt das prüfende, mahnende Auge Erez Israels. Vor ihm kann man sich nicht verstecken. Könnte ich meinem Volke einen Tropfen der Hoffnung, einen Funken der Unruhe unseres Landes bringen! Charles Gide- Zu unserer Würdigung des verstorbenen französischen Nationalökonomen Charles Gide in Nr. 22 der ״Jüdischen Rundschau“ macht uns Dr. Walter Fischei in Jerusalem darauf aufmerksam, daß in der Festschrift für Franz Oppenheimer zu seinem 60. Geburtstag (Frankfurt 1924) ein Aufsatz von Charles Gide unter dem Titel ״Die zionistische Kolonisation“, übersetzt von Dr. Walter Fischei, veröffentlicht waF. Auch dieser Aufsatz zeigt das große Verständnis und die starken Sympathien, die Gide dem jüdischen Palästinaaufbau entgegenbrachte. Rundfunk. Oberkantor Arnold Grußmann singt Donnerstag, 7. April, 9.10 Uhr abends, synagogale hebräische und jüdische Lieder im Beovrader Rundfunk

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