Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 27 (5.4.1932)
- Date
- 1932-04-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2653348-2653381--22906-2681195- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Heutes Arnold Zweigs Palästina-Eindrücke Einzelnummer 0,23 Goldmark jüdische Rundschau Erscheint jeden Dienstag u.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. AwUndaabonnemmit• worden In im WShrun* der •inninen Linder bmcha«. Anrelsenprei«: 8 *«mp. Nanp*r«ill«reß• 0,50 G.-M. SteDengemiche 0.25 G״M, Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b. H., Berlin Wl5, Meinekestr.10. Telefon: J 1 Bismarck 7165-70. Aßzeif*n»ch!u&: Dicsslag und Freitag nichmittap 4Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Postscheck - Konten: Berlin 17392, Basel V 935$, Belgrad 680 32, Brüssel 39433, Budapest 59693, Danzig 1973, Haag 140470, Prag 59410, Riga 415S, Strassburg 16430, Warschau 190708, Wien 156030 ־ Konten: Darmstädter־ und Nationalhank, Depositen ־ Kasse Berlin, Kurfüratendamm 52, Rumänisch* Kreditbank, Cemauti (Rumänien). Anglo Palemme Co, in Haifa, lerusalem, Tel -Aviv ן כ״ח אדר שני תרצ״ב xxxvn. jahrg. Q*r Zloniamu» «riirebi fUr da» iMdlscti* Volk «j|e »chatfwig «Imr dlfntllch. rechtlich gaslchartan Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.» Glänzender Verlauf der Makkabiah Vor einem neuem Munizipalitäten״ Gesetz Jerusalem, 31. März. (J. T. A.) Auf der am 30. März in Jerusalem abgehaltenen Konferenz der Bürgermeister der Städte und Munizipalitäten Palästinas, an der 14 Araber und 6 Juden teilnalimen, hielt der High Commissioner eine Anspräche, in der er Pläne der Regierung zur Verbesserung des gesetzlichen Status und der finanziellen Lage der lokalen Verwaltungen ankündigte und 11. a. ausführte: Palästina hat bisher der Weltwirtschaftskrise in sehr erfreulicher Weise widerstanden und verharrt weiter in seiner stabilen Position. Jedoch gibt die Lage der Landwirtschaft, wenn nicht bald Regenfälle einsctzen, Anlaß zu Besorgnis. In ein bis zwei Monaten wird das Gesetz über die Lokalverwaltung fertiggestellt sein und den städtischen Behörden zur Begutacht tung überreicht werden. Eines der Ziele des neuen Entwurfs ist es, neue Einnahmequellen für die Lokalbehörden zu erschließen. Die Polizeimacht wird zentral neu organisiert, ihre Schlagkraft verstärkt werden, die M u n i z i p a 1 p o 1 i 1 e i wird überall mit der Staatspolizei vereinigt werden. ln der Aussprache protestierte der Bürgermeister von Jaffa, ein Araber, dagegen, daß die Stadtpolizei von Tel- Awiw eine autonome Körperschaft bleibt, während die Polizei in Jaffa mit der Staatspolizei verschmolzen werden soll. Sein Protest wurde vom Bürgermeister von Nablus unterstützt. Der Bürgermeister von Tel-Awiw, Dizengoff, forderte mehr Autonomie für die lokalen Behörden. Der Bürgermeister von Rischon-le-Zion, Meirowitseh, klagte darüber, daß die jüdischen Kolonien jährlich Zehntausende Pfund an Steuern leisten, ohne daß sie hierfür ein entsprechendes Aequivalent erhalten. Sämtliche teilnehmenden Bürgermeister waren einmütig in der Forderung, daß die steuerlichen Einnahmen der Lokalbehörden, die seit der britischen Okkupation teilweise von der Regierung in Anspruch genommen wurden, wiederhergestellt werden. Gegenwärtig muß ein Teil der lokalen Steuereinkünfte an die Palästina-Regierung abgeführt werden. Der jüdische Bürgermeister von Tiberias, Zaki, beantragte die Durchführung von Neuwahlen in allen Städten. Jerusalem, 31. März. (J. T. A.) Die Makkabiah in Tel-Awiw ging heute zu Ende. Der High Commissioner wohnte den Endspielen bei und spendete einen Becher für den Gewinner im Stafettenlauf, der zwischen Staffeln des Heeres, der Polizei und des Makkabi ausgetragen wurde. Der Verlauf der Makkabiah wird von allen hier anwesenden Sportfachmännern als ü b»e r a u s glänzend bezeichnet, lieber den Ausgang der bedeutenderen am Mittwoch ausgetragenen Konkurrenzen Ist zu melden: Der Aegypter Said Muhamed siegte im 500-m-Lauf, die Amerikaner Feigan und Ginsberg gewannen im Hochsprung für Männer mit Leistungen von 1,80 bzw. 1,75 m. Die deutsche Hockey- Mannschaft und die deutsche Handball-Mannschaff gewannen über die palästinensischen Gruppen. In Tennis siegte England über Palästina 4:1, Tschechoslowakei gegen Syrien 5:0, Polen gegen Rumänien 5:0. Die Amerikanerin Miß Hoff gewann im Weit- und Hochsprung für Damen. Die Amerikaner Schneider und Adelman nahmen den ersten und den zweiten Platz im Schießen. Der noch am Dienstag von den Deutschen gewonnene Sieg im 4 X100 m-Staffellauf geschah in 47,8 gegen Amerika. Die 3 X 1000 m wurden von den T schechoslowaken in 8:52,4 gegenüber Oesterreich gewonnen. Ein Fußballspiel zwischen Polen und Palästina endete 2 : 2. Der Schlußtag der Makkabiah ln Tel-Awiw, der 31. März, verlief besonders glänzend. Im Stadion verfolgten mehr als 25 000 Zuschauer, unter ihnen außer dem High Commissioner zahlreiche Regierungsbeamte und die Konsuln der fremden Mächte, mit gespanntester Aufmerksamkeit die Entwicklung der Sportkämpfe. Besonders prächtige Bilder boten die Turniere der Pfadfinder, Motorradfahrer, Radfahrer und Reiter. Helle Begeisterung weckte die von Abraham Schapira aus Petach Tikwah geführte Reitertruppe. Hohe Geschicklichkeit, strenge Disziplin und schöner Rhythmus charakterisierten alle Vorführungen. Um 5 Uhr nachm, begann die Schlußprozession der 5000 Makkabl-Leute, jede Ländergruppe marschierte unter eigener Fahne. Die der Stadt zu sich bewegende Prozession bot ein farbenprächtiges Bild. Auf die Gräber Max Nordaus, Achad Haams und der Opfer der Unruhen im Herbst 1929 wurden von den Makkabis Kränze niedergelegt. Der Zug bewegte sich dann mit seinen Musikkapellen unter Absingen nationaler Lieder durch die Hauptstraßen von Tel-Awiw, wo er von der Einwohnerschaft umjubelt wurde. Auf dem Platz vor dem Herzliah- Gymnasium löste sich der Zug auf. In den Endspielen am Donnerstag gewann Miß Hoff im 100-m-Lauf und im Weithochsprung (Thrlathanon) für Frauen. Hyman gewann im 100-m-Lauf, Flaxman im 15ÖÖ-m־Lauf, Schneider im Speer- und Diskuswerfen und im Männer- Triathanon, so daß die letztgenannten vier Konkurrenzen alle von Amerikanern gewonnen wurden. Im 400-m-Lauf gewann Oesterreich, in der zweiten Tennis-Konkurrenz wurde England von Polen geschlagen. Den vom High Commissioner für den Sieger im Stafettenlauf gestifteten Pokal gewann das Re glments-Team ״Middlesex“. Mit Beendigung der Makkabiah sind noch nicht alle Sportfeste in Palästina beendet. Mehrere Sportkämpfe werden in verschiedenen Orten des Landes ausgetragen, die Prelsvert e i I u n g geschieht am 5. April zu Haifa. Darlegungen. Herr Wolff begnügte sich mit einigen belanglosen konyentkmellea Redewendungen und be*eb**ttgte sich hauptsächlich mit einer Würdigung der Goethe-Feier in Weimar. Der erste volksparteiliche Redner, Kurt Blumenleid, hatte darum recht, wenn er sich mit Wolfis Rede nur in einer Zwischenbemerkung beschäftigte, in der er feststellte, daß der Bericht des Ratsvorsitzenden belanglos war. Der erste Sprecher der Liberalen, Dr. Seligsohn, setzte das muntere Spiel fort, an das man auf den Verbandstagen gewöhnt ist. Er attestierte, dem Central-Verein, daß dieser seine Aufgaben ausgezeichnet erfüllt habe, er lehnte es ab, daß der Landesverband als solcher politische Arbeit leiste, konnte aber nicht umhin, dem Verbände für seine politischen Leistungen den Dank der Liberalen auszusprechen. Durch den Mund Dr. Hollaenders sprach dann wieder der Central-Verein dem Ratsvorsitzenden, Kammergerichtsrat Wolff, besonderen Dank für dessen Tätigkeit aus, mit der der Central- Verein außerordentlich zufrieden war. Die Hollaenderschc Danksagung war natürlich zunächst eine Quittung für die Anerkennung Seligsohns, andrerseits aber ein Pflaster für den Herrn Kamtrtergerichisraf Wolff, der in den Reden Blumenfelds, Bergers, Oscar Cohns und Ismar Freunds nicht gerade sanft behandelt wurde. Oscar Cohn kündigte an, daß die Opposition in der Spezialdebatte des Etats den Posten der Aufwandsentschädigung für Herrn Wolff ablehnen und diese Stellungnahme im einzelnen präzisieren würde. Es handelt sich hierbei um die Brandmarkung einer Illoyalität, deren sich der Ratsvorsitzende Wolff nach Auffassung der Opposition schuldig gemacht hat. In der Frage des Preußischen Judengesetzes nämlich hatte der Rat einstimmig beschlossen, den vom Verbandstage der Regierung übermittelten Entwurf mit aller Kraft zu verteidigen. In Ausführung dieses Be- Schlusses hätte der Ratsvorsitzende Wolff, auch wenn er persönlich eine andere Ansicht hat, alles veranlassen müssen, um den Standpunkt der preußischen Juden der Regierung klarzumachen. Kammergerichtsrat Wolff erledigte aber diese Aufgabe nur sehr zögernd. Als der selbständige Regierungsentwurf für ein preußisches Judengesetz bekannt wurde, wiederholte der Rat in einer einstimmig gefaßten Resolution, daß er an der Vorlage des Verbandstages festhalte. Im Rate war man sich nach der Verabschiedung des unbefriedigenden Regierungsentwurfes durch den preußischen Staatsrat darüber klar, daß die einzelnen Gemeinden, entsprechend der Ansicht des Verbandstages, ihrerseits zum Ausdruck zu bringen haben, daß die preußischen Juden die Gesetzwerdung des Verbandsentvvurfes verlangen. In diesem Sinne bewegten sich die Beratungen im engeren Rate des Landesverbandes. Dies wurde in Anwesenheit der volksparteilichen Ratsmitglieder ausdrücklich festgestellt. Als stellvertretender Vorsitzender der Berliner Jüdischen Gemeinde beantragte Wolff jedoch an demselben Tage, an welchem die Debatte im Verbandsrat über diese Frage stattgefunden hatte, im Berliner Gemeindevorstand die Absendung eines Briefes namens des Gemeindevorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde an den Landtag, in welchem zum Ausdruck gebracht wurde, daß die Berliner Jüdische Gemeinde dem Regierungsentwurf zu stimme. Dieses Verhalten des Herrn Wolff, abgesehen von seiner sonstigen mangelnden initiative bei der Behandlung der Frage der Staatsbeihilfen und anderer wichtigen Fragen, machen es erklärlich, daß die volksparteilichen Abgeordneten der Verln aller Kürze bestätigt In ihetirertji der vorigen Nummer gegebene Erklärung der sensationell aufgemachten Veröffentlichung der ״Vossischen Zeitung“ über die angeblich bevorstehende Einführung eines Pariament es in Palästina. Wir haben uns zu dieser Sache im Briefkasten -der Redaktion und im Leitartikel der vorigen Nummer geäußert. Obwohl die Frage der Einführung des im Weißbuch vom Oktober 1930 vorgesehenen Gesetzgebenden Rates, besonders nach der positiven Stellungnahme der Maschaschibi-Gruppe, dauernd ein Gegenstand politischer Er- Wägungen in Palästina ist, liegt doch im Augenblick kein aktuelles neues Ereignis vor. Prof. Brodetsky war am 1. April abermals zum Lunch beim High Commissioner und führte mit ihm die Diskussion über politische Fragen weiter. Am 2. April war Emanuel Neumann beim High Commissioner zu Besuch und besprach mit ihm die Prundsätzliche Politik bezüglich praktischer Maßnahmen zur örderung des Jüdischen Nationalheims. Brodetsky und Neumann werden in den nächsten Tagen Zusammenkünfte mit den führenden Beamten der Palästina-Regierung haben und mit ihnen praktische Arbeitsfragen erörtern. Wie wir aus Jerusalem erfahren, ist Dr. Arlosorotf erkrankt und muß sich in der nächsten Zeit von der Führung der Geschäfte fernhalten. Zu Besorgnissen gibt sein Befinden nicht Anlaß. Das Mitglied der Exekutive Farbstein verhandelte mit dem Direktor des Einwanderungsdepartements der Palästina- Regierung Hyamson wegen Einreise-Visa für Fabrikanten mitFach kennt nissen, ohne Nachweis von Kapitalbesitz. Es verlautet, daß das Einwanderungsdepartement künftig eine weniger rigorose Haltung einnehmen werde als bisher. Der Beduine Mejbei Abu Kaleb wurde in Transjordanien verhaftet; er steht unter dem Verdacht, der Mörder des jüdischen Kolonisten Burstein zu sein, der in Baifouria im Januar d. J. erschossen aufgefunden wurde. Der 40jährige amerikanisch-jüdische Tourist Israel Wolff wurde in der Nähe von Jerusalem mit durchschnittener Kehle tot aufgefunden. Man fand bei ihm 700 Pfund in australischer Währung. In der Nähe des Leichnams lag ein Rasiermesser. Die Polizei, sowie die an der Untersuchung des Falles beteiligten Aerzte erklären, es liege Selbstmord vor. Die Untersuchung wird fortgeführt. Im Beisein von Vertretern aller Teile der englischen Juden wurde das Jüdische Haus in London eröffnet. Das Haus, das mit einem Kostenaufwand von rund 100000 Pfund erbaut wurde, ist ein Monumentalbau mit acht Stockwerken und soll die religiösen, sozialen und erzieherischen Institutionen der Londoner Judenheit beherbergen. Das jüdische Leben der Stadt Jassy steht unter dem Eindruck der Exzesse am 23. März, bei denen zehn Thorarollen zerrissen und verbrannt wurden. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde und der Rabbinische Rat haben einen Aufruf an die Bevölkerung erlassen, in dem die laufende Woche als Tr au er woche proklamiert * wird. Die rituelle Bestattung der Thorareste soll in den nächsten Tagen vorgenommen werden. Im ״Manchester Guardian“ veröffentlicht Viscountess Erleigh, die Tochter Lord Readings, einen Reisebrief aus Palästina, worin sie die Schönheit des Landes und die Eigenart der jüdischen Siedlung in eindrucksvollen Details schildert. Besonderes Interesse fanden bei ihr die Lebensformen der jüdischen Siedler, die trotz ihres Bauerntums so viel geistige und kulturelle Interessen haben. Verbandstag der Preußischen Juden Am 3. und 4. d. M. fand in Berlin die diesjährige Tagung Auf der Tagesordnung standen als wichtigste Punkte die Fragen des Etats von 1932/33, sowie eine Vorlage über die Schaffung des Reichsverbandes der deutschen Juden. *Die Beratungen fanden in einer Zeit schwerster politischer Kämpfe und einer auf der gesamten Welt lastenden geradezu katastrophalen Wirtschaftskrise statt. Die Berichte und Diskussionsreden standen denn auch im Zeichen dieser gespannten Lage und sowohl der allgemeine Bericht des Ratsvorsitzenden Kammergerichtsrat Wolff, wie auch die Darlegungen des Finanzdezernenten Direktor Kareski und in noch viel stärkerem Grade die Ausführungen aller Debatten-Redner spiegelten den Ernst der Lage wider, in der sich die Judenheit in Deutschland und in Preußen, sowie insbesondere die jüdischen Gemeinden Preußens, sowie ihr Dachverband befinden. Der Jahresetat, der im Jahre 1931/32 auf der Ist- und Sollseite mit je 1 074 000 M. abschloß, erfährt in der Periode 1932/33 eine Reduktion auf 936 050 M., wobei nicht verschwiegen werden darf, daß wohl die Ausgabenseite in ihren Positionen feststeht und zweifellos sehr gut eine Ueberschreitung vertragen könnte, während die Einnahmenseite zunächst nur einen frommen Wunsch darstellt. Denn auf der Einnahmenseite figuriert ein Posten Staatsbeihilfen in der Höhe von 225 000 M. Aus der Diskussion —- unser Freund Alfred Berger wies darauf mit aller Deutlichkeit hin — ging hervor, daß es wenig wahrscheinlich ist, eine Subvention in der angegebenen Höhe zu erlangen. Man wird gut daran tun, sich an den Gedanken zu gewöhnen, daß die tatsächliche Beitragsleistung des Staates im nächsten Etatsjahr ungefähr 125 000 M. betragen wird. Es wird sich also nicht umgehen lassen, die Höhe der Mitgliedsbeiträge der einzelnen Gemeinden weiter heraufzusetzen und auch den gegenwärtig vorgeschlagenen Satz zu steigern. Aus dem Berichte Kareskis ging mit erschreckender Deutlichkeit hervor, daß eine sehr große Anzahl von Mitgliedsgemeinden absolut nicht in der Lage ist, ihre Aufgabe zu erfüllen. Zuschläge zur Einkommensteuer in der Höhe von 100 X und darüber erweisen sich bei kleinen Gemeinden als unuingänglich, Gemeinden, die 30 °,'o Einkommensteuer-Zuschläge erheben, müssen bereits als günstig gestellt angesehen werden. In dieser Situation ist es nicht anders möglich, den Aufgaben des Gemeindeverbandes zu entsprechen, als durch eine stärkere Opferwilligkeit der jüdischen Großgemeinden in Preußen. Nach dieser Richtung gingen denn auch die Vorschläge der Vertreter der Jüdischen Volkspartei, welche allerdings bei den liberalen Vertretern mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurden. Obwohl außer der Jüdischen Volkspartei die anderen Richtungen auf dem Verbandstage in den vorangegangenen Jahren es immer abgelehnt haben, die repräsentative Tagung des Gemeindeverbandes zum Anlaß zu nehmen, um sich über die Gesamtsituation der preußischen Judenheit, also in erster Linie über die politische und wirtschaftliche Lage auszusprechen, hat diesmal der auf der judenheit in Preußen lastende Druck doch dazu geführt, daß alle Redner, darunter die liberalen Sprecher, in der Generaldebatte über den Etat politische Ausführungen machten. Der Bericht des Ratsvorsitzenden, Kammergerichtsrat Wolff, bot allerdings wenig Anlaß zu derartigen