Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 25-26 (1.4.1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 25 26, 1. IV. 1932 SeUe 121 Frühlingsboten tür Juden , Das Osterfest, welches in diesem Jahre mit dem kalendarischen Frühlingsanfang zusammenfiel, bedeutete trotz des in Deutschland angeordneten Burgfriedens keine wirkliche Ruhepause in der Betätigung der einzelnen politischen Parteien. Allerdings wurden die Kampfhandlungen aus den Versammlungssllen und von der Straße in die Parteizeitungen ver* legt, wo sie in Form von Frühjahrs- und Festbetrachtungen zum Ausdruck kamen. In Deutschland konzentriert sich das hauptsächlichste politische Interesse auf die bevorstehen* den Landtags wählen in Preußen, und dieser Sehlacht zwischen rechts und links gelten die ausgespanntesten Vorbereitungen aller Kräfte. Die Nationalsozialisten verstehen g#nz gut, daß die Macht in Preußen der Angelpunkt ist, um in der deutschen Republik Einfluß zu haben und ihre Attacken gegen das ״System“ konzentrieren sich mit besonderer Leidenschaff |egen die preußische Regierung und Verwaltung. Stärker noch als die Reichsregierung wird von den Nationalsozialisten die preußische Regierung als ״jüdisch versippt und verseucht“ angegriffen. Hierbei finden die Nationalsozialisten eine lautlose Zustimmung bei vielen Parteien der Mitte, die sich sonst von ausgesprochenen antisemitischen Aeußerungen freihalten. In diesem Zusammenhänge verdienen auch Erwähnung Fest- Stellungen, die in der Presse gemacht wurden, nämlich, daß ein größer Teil der Beamtenschaft in Deutschland, insbesond€re in den Schulverwaltungen, stimmungsmäßig den National- Sozialisten nahesteht und ferner, daß die studierende Jugend, sowohl an Hochschulen wie auch an den Gymnasien und Realschulen, zu einem überwiegenden Maße *nationalsozialistisch organisiert ist. Dieser Zustand ist für die Stellung der Juden in Deutschland von größerer Bedeutung als jeweilige Wahlergtbnisse. Der wahre Kampf um die Existenz des Einzelnen wird in Wirtschaft und Gesellschaft ausgefochten. Auf diesen zwei Kampfplätzen ist die Chance, sich zu behaupten, für die Juden angesichts der allgemeinen geistigen Entwich- *ung außerordentlich schwer. Natürlich ist es von ganz besonderet^ Bedeutung, daß bei Wahlen der radikale Antisemitisrtus nicht ausschlaggebende Erfolge erlange, und es liegt im jüdischen Interesse, im Rahmen der Möglichkeiten als Staatsbiirger mit größter Entschiedenheit gegen die antisemitische Front anzukämpfen. Man darf jedoch, so wichtig diese Frage •uch Ist, nicht übersehen, daß vor der jüdischen Gemeinschaft außer dem politischen Kampfe noch ganz andere Aufgaben stehen. Vor allem aber gilt es, sich selbst gerecht zu werden und, wenn auch die Bedingungen, unter denen wir leben, ungünstig sind, wenigstens die Würde des jüdischen Namens zu wahren. Beteuerungen, Anbiederungen und all die Requisiten einer verflossenen Periode sollten nicht mehr von jüdischer Seite zur Verwendung gelangen. Solche Mittel verfangen nicht und können nur den Erfolg haben, daß sich zum Schaden ein berechtigter Spott gesellt. Außerhalb Deutschlands brachte der Frühlingsanfang den Juden in vielen Ländern nur die Fortsetzung altgewohnter Ausschrejtungen lind Schikanen. In Rumänien randaliert die nationalistische Jugend unter Führung der Universitätshörer S*|en die Regierung. Der Faschismus Italiens und Deutschitfcjs hat dort Schule gemacht Und die studentische Jugend glaubt allen Krisen und Schwierigkeiten im Lande durch Chauvinjsmus abhelfen zu können. Der Widerstand richtet sich fegen die Regierung, welche, wenn auch gefühlsmäßig nicht fllfu sehr von Ihrer nationalistischen Jugend unterschieden, doch durch die größere Kenntnis der Gegebenheiten zu vernünftiger Haltung neigt. Für Selbstkritik und Vernunft hat aber die rumänische studentische Jugend, wie übrigens die Jugend in fast §Hen Lindern, keinen Sinn. Sie schloß sich in einer Organiution die ״Eiserne Garde“ zusammen und demon- -päNilSlfM' la-ÄiiuthtfttB ־BestM1iteti~'<hr iPäröför f|r ״Eisernen Oarde“ gehört der Judenhaß. Und wenn man aehon demonstriert, so ist es natürlich, daß die ersten Angriffsobjekte jüdische Synagogen und jüdische Geschäfte sind. So kam es denn in Jassy zu argen Exzessen gegen die Juden, Wiewohl der Ausgangspunkt eine Demonstration gegen die Buksrester Regierung war. Die Minister in Bukarest verstanden, um was es geht und traten mit Gendarmerie und Militär den Exzedenten entgegen. Es fanden Beratungen des Kabinetts statt, im Abgeordnetenhaus und im Senat sind die Vorfälle besprochen worden — die Zeche haben bisher die ruminisehen Juden gezahlt. In Lettland, wo sich die Juden nicht nur individueller bürgerlicher Gleichberechtigung, sondern auch des Schutzes eialr nationalen Minderheit erfreuen, hat die Regierung angekündigt, daß für eine große Anzahl bisher freier Berufe ein Nuiherus clausus eingeführt werden wird, um die Interessen des lettischen Staatsvolkes zu schützen. Also sollen in' Zukunft an einzelnen Fakultäten Studenten der Nationalitäten, d. ft. in erster Linie die Juden, nicht mehr aufgenommen werden. Die Anzahl der nichtlettischen Aerzte, Rechtsanwälte, Inge* niedre usw. soll keine Vermehrung erfahren dürfen. Die Proteste der betroffenen Nationalitäten, besonders der Juden, daß sie auf die Ausübung der freien Berufe angewiesen sind, weil Sie zu Staatsstellungen überhaupt nicht zugelassen werden, wurden acftselzuckend zurückgewiesen. In Polen fehlte es in diesem Jahr an den traditionellen Ritualmordbeschuldigungen, dafür aber wurden in einzelnen Teilen des Landes, besonders in Posen, wieder einmal antijüdische Demonstrationen veranstaltet. Jüdische Geschäfte wurden demoliert, jüdische Passanten belästigt, die Polizei kam wie gewöhnlich zu spät und die jüdische Bevölkerung ist verängstigt. So ist denn die Entwicklung in der ganzen Welt in bezug auf die Juden auch im Frühjahr 1932 in ihrer Tendenz gleichgeblieben. Das Judenproblem trägt allerorten prinzipiell das gleiche Antlitz. Je nach Kultur- und Zivilisationsgrad haben die Formen des antijüdischen Kampfes ein verschiedenes Aussehen. Im Grunde ist die Judenfrage in der ganzen Welt eine nationale Frage. Diese Feststellung in Herzls ״Judenstaat“ be* steht heute nach vierzig Jahren, seitdem sie gemacht wurde, noch stärker zu Recht als am Ausgange des neunzehnten Jahrhunderts. ״Juden und Englinder ln Palästina“. Im Rahmen einer Veranstaltung des Verbandes palästinensischer Studenten in London hielt Major Ormsby-Gore, früher Unterstaatssekretär für die Kolonien und in der jetzigen nationalen Regierung Erster Kommissar für öffentliche Arbeiten, einen Vortrag über Juden und Engländer in Palästina. Seitdem ich in Kontakt mit der jüdischen nationalen Bewegung und mit palästinensischen Angelegenheiten kam, führte Ormsby-Gore aus, hege ich starke Sympathie für die zionistische Bewegung. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, möglichst viel von jüdischem Leben und jüdischen Idealen kennen zu lernen. Vor 14 Jahren war ich in Palästina der Mittler zwischen der Zionistischen Kornmission und der englischen Militärorganisation in Palästina, und noch heute betrachte ich es als eine wichtige Aufgabe, ein gegenseitiges Verständnis zwischen Engländern und Juden herbeizufuhren. Grmsby-Gore gab eine Charakteristik der nationalen Persönlichkeit und der Eigenart des Engländers und des Juden und meinte, es habe an den obersten “Stellen der englisehen Regierung und der Zionistischen Organisation in London politischen Kontakt gegeben, aber cs gab nicht genug persön liehen Kontakt zwischen dem einzelnen Engländer und dem einzelnen Juden in Palästina. Hier sollte Wandel geschaffen werden. *Siebt so eine Jüdin ans?** Bei der Besprechung des Ergebnisses des ersten Wahlganges für die Reichspräsidentschaft schreibt die ״Leipziger jüdische Familienzeitung“ u. a.: ״Die jüdischen Fragen sind in ihren wesentlichsten Bezirken eine autonom zu lösende Aufgabe der Juden selbst. Die jüdische Würde und das jüdische Schicksal sind in erster Linie von den Juden abhängig, und darum ist es nicht überflüssig, ... mit allem Nachdruck zu vermerken, bis zu welchem Grade die Verwirrung in jüdischen Kreisen während der schweren Tage des Wahlkampfes gediehen ist.... Wenn man — und das ist im Namen einer großen jüdischen Organisation geschehen — Publikationen zur Hand nimmt, die anläßlich der Wahl in hunderttausend Exemplaren verbreitet wurden, so faßt man sich an den Kopf. . . . Nur wenige Juden sind in den Besitz der letzten Monatsausgabe des C. •V. gelangt, in welcher in Worten und in Bildern auf zwanrigerlet Art nachgewiesen wurde, was wir Juden alles nicht sind. In dieser Monatsausgabe befinden sich auch drei nebeneinanderstehende Abbildungen: eine blonde deutsche Jüdin mit Gretchen-Frisur, ein jemenitischer Schmied aus Jerusalem und eine Phantasie- Zeichnung eines chinesischen Juden. Darunter die Frage, ob die drei abgebildeten Menschen einer Rasse angehören. Es fehlte nur noch, daß man unter das Bild der Zöpfe tragenden blonden Jüdin die Frage gedruckt hätte; ,Sieht so eine Jüdin aus?‘ ... Wir haben geglaubt, daß die voranregangenen Meinungskämpfe in der jüdischen Welt jene Mentalität restlos vernichtet haben, die sich.... in Anbiederung äußert.... und das Tragikomische an der Sache ist, daß der C.-V. jetzt ernstlieh behaupten wird, daß der Erfolg für die Richtigkeit seiner Methoden spricht... So weit die genannte Zeitung. Sie hat richtig vorausgesehen: in der letzten Nummer der C.-V.-Zeitung wind triumphierend vermerkt, wie stark und nachhaltig der Eindruck jenes Monatsheftes gewesen ist, und die Mitglieder des C.-V. werden aufgefordert, durch Geldspenden die in Frage kommende Nummer der Monatsausgabe und selbstverständlieh andere in gleichem Geist und Stil gehaltene in weiteren hunderttausenden Exemplaren zu verbreiten. Wenn das nicht helfen wird, so wird uns Juden schon gar nichts mehr helfen. Wie heißt es? Das letzte, was man zu verlieren hat, ist die Würde. Bevor jedoch noch alles verloren ist, dieses Gut preiszugeben, halten wir zumindest für überflüssig. Professor Adolf Fraenkel, der zwei Jahre als Direktor des Einstein-Instituts für Mathematik an der Hebräischen Universität Jerusalem tätig war, hielt dieser Tage in Berlin als Gast des Deutschen Verbandes zur Förderung der Universität Jerusalem einen überaus fesselnden und instruktiven Vortrag, der nicht nur den Hörern Einzelheiten über den Aufbau und den Lehrbetrieb der Universität vermittelte, sondern zugleich einen Eindruck von dem Geiste und der Zukunftsgewähr des jüdischen Lebens in Erez-fsrael gab. Es war besonders Interessant, über die Universität einen Mann sprechen zu hören, der nicht als Außenstehender die Dinge zu betrachten hatte, sondern der als eine der führenden Kräfte im Universitätsleben selbst gestanden hat, die Sorgen und Schwierigkeiten, aber auch die Schöpferfreude aus eigener Erfahrung kennt. Professor Fraenkel schilderte die bisherige Leistung, die bestehenden Institute und Fakultäten, die Zusammensetzung von Lehrkräften und Studenten, wobei er besonderen Nachdruck legte auf den Gedanken des Studentenaustausches, der jüdischen Studenten Europas und Amerikas ermöglichen soll, wenigstens ein oder zwei .Semester, an der Universität Jerusalem zu studieren. Die Universität erobert sich im Leben Palästinas einen immer bedeutenderen Platz und sie wird mit der Zeit auch die wichtige Funktion einer Einwirkung auf das höhere Schulwesen des Landes, das in mancher Richtung noch zu wünschen übrigläßt, übernehmen müssen. Wenn heute die Struktur der Universität sich mehr amerikanischen als europäischen Vorstellungen nähert, so ist dies auf die Tatsache zurückzuführen, daß neunzig Prozent des Budgets aus Amerika kommen — gewiß ehrenvoll für die amerikanische Judenheit, aber etwas beschämend für die europäische, ln diesem Zusammenhang kam der Vortragende auch auf die Resolution des Kartelltags des K. J. V. zu sprechen, die sich zwar in Ton und Inhalt vorteilhart von der törichten Resolution des Zionistenkongresses und anderen ähnlichen Beschlüssen unterscheidet, aber dennoch das Verständnis dafür vermissen läßt, daß das Aussprechen eines Wunsches nicht genügt, um seine Verwirklichung zu ermögliehen. Die Universitätsleitung, so versichert der Vortragende, steht hinter niemandem zurück in dem Bestreben, die Universität so auszubauen, daß sie immer höheren Ansprüchen der Studierenden gerecht werden könne. Wenn jedoch die Aussichten auf schnelle Erweiterung gering sind, so liegt dies an dem Mangel an Mitteln, und die Studentenkorporationen bzw. Akademiker Europas hätten die Pflicht, für eine materielle Unter- Stützung der Universität, ähnlich wie die Organisation jüdischer Aerzte Amerikas sie durchgeführt hat, zu sorgen, dann würden sie auch mit mehr Berechtigung und Erfolgsaussicht Forderungen aufstellen können. Der mehr als einstündige Vortrag, der noch eine große Reihe von Einzelfragen beleuchtete und zum Schluß an anekdotischen Erlebnissen, die dem Redner auf den von ihm veranstalteten Fußtouren durch das Land zugestoßen sind, die soziale und kulturelle Differenziertheit des Landes demonstrierte, gab Anlaß zu einer kurzen Aussprache, in deren Verlauf u. a. Professor W a rb u r g noch einige ergänzende Bemerkungen machte. Im Schlußwort betonte Professor Fraenkel noch die Bedeutung der Universitätsbibliothek, die das größte Institut seiner Art im Vorderen Orient ist, und befaßte sich nochmals mit den von einem Studenten in der Debatte vorgebrachten Argumenten nach Vergrößerung der Universität, wobei er auch auf das Verhalten der revisfonistisehen Studenten in Jerusalem zu sprechen kam, das eine auffallende Uebereinstimmung mit dem Verhalten nationalsozialisfischer Studenten in Deutschland aufweise. Der Vorsitzende, Professor C i t r o n , schloß den inhaltsreichen Abend mit Dankesworten an den Vortragenden und mit einem Appell zur Förderung des Verbandes. Briefkasten der Redaktion Berliner Leser. Die Veröffentlichung der ״Vossischen Zeitung“ vom 38. März unter der Ueberschrift ״Ein Par- U ment für Palästina“ ist in dieser Aufmachung irreführend. Der Artikel ist offenbar ein per Post eingesandter verspäteter Bericht über die Verhandlungen der Assefath Niw* charim, die sich bekanntlich mit der Frage eines Parlamentes für Palästina beschäftigt und einen ablehnenden Beschluß ge* faßt hat. Darüber hat der Korrespondent der ״Voss. Ztg.“ einen Artikel geschrieben, dem er den beliebten etwas sensationellen Anstrich gab. Die bei manchen Lesern dieses Artikels entstandene Meinung, es handle sieh um irgendein neues, der zionistischen Welt bisher noch nicht bekanntes konkretes Ereignis, ist irrig. Mit der Frage des Parlamentes, die seit vielen Monaten immer mehr oder weniger auf der Tages- Ordnung der Erörterung der Regierung mit Juden und Arabern steht, befassen wir uns im Leitartikel der heutigen Nummer. ko Golland Am Sonntag, dem 3, April, gibt Iso Golland in der! Räumen des Scholem-AIeicnem-Klub einen Lieder- und Arien-Abend, »n dem der in weiten Kreisen populäre Opern- und Konzertsänger sich vor seiner bevorstehenden Gastspielreise nach Rußland von dem Berliner jüdischen Publikum verabschiedet. Geboren in Russisch-Ukraine, begann Golland seine künstlerische Laufbahn als ״Meschorer“ in den Synagogen von Krementschoug, Charkow u. a. (Denselben Weg gingen, wie bekannt, fast alle berühmten jüdischen Sänger wie Josef Schwarz, Hermann Jadlowker, Alexander Kipnis u. a.) In der Staatlichen Hochschule für Musik in Kiew geriet Golland in die Hände des großen Gesangspädagogen, des italienischen Maestro Ettore Qandolfi, der den jungen jüdischen ״Meschorer“ mit der schön-timbrierenden Baritonstimme in die Kunst des Belcantogesanges einweihte. In Moskau, wohin Golland in den ersten Jahren der bolsehewistischen Revolution übersiedelte, lockte ihn Nach um Zemach zu der damals entstandenen ״Habima“. Golland* Verköroerung des Erzengels Gabriel in ,Jakobs Traum“ und des grotesken Baruch-Chasan im ״Golem“ hat sich allen, die die ersten Gastspiele der ״Hahima“ in Berlin miterlebt haben, tief eingeprägt. Mit der ״Habima“ ging Golland dann nach Amerika, wo ihn Otto Klemperer kennenlernte und für die neugegründete Kroll-Oper nach Berlin engagierte. Hier entfaltete Golland seine starke sängerische und schauspielerische Begabung in vollem Umfange, in den vier Jahren des Bestehens der Kroll-Oper sang Golland eine Reihe von tragenden Partien wie den Miller (Luise Miller), ״Rigoletto“, ״Barbier von Sevilla“, die fünf Hauptpartien von ״Hoffmann* Erzählungen“, den Teufel in ״Schwanda“, den Joebanan in ״Salome“ u. a., die ihm große Anerkennung seitens des Publikums und der Presse einbrachten. Zweimal besuchte Golland in diesen Jahren auf sehr erfolgreichen Konzert-Tourneen Palästina, wo er sich als Konzertsänger und Interpret der modernen jüdischen Musik von großem Format zeigte. Mit demselben Erfolg absolvierte er auch Konzert- und Operngastspiele in Lettland, Litauen und anderen Ländern Osteuropas. Der klangvolle lyrische Bariton von selten angenehmem Timbre, die starke ursprüngliche Musikalität und die hohe Musikkultur dieses begabten Sängers, der nebenbei erst kaum über 30 ist, versprechen auch für seine weitere Laufbahn Erfolge, die wir ihm von Herzen wünschen. Hermann Swet. Zwei Purimveranstaltungen mit Musik, im Beth- Am 1 w r i wurde in kleinerem Kreis gefeiert: Die Hauptnummer bildete die Maria Rapp-Janowskaja mit dem Bentz- Trio, das sich mit dem Schubertschen B-Dur-Trio (aus dem Nachlaß) — auch solistisch — als sympathisches, brav und einfühlsam musizierendes Streicher-Ensemble einführte. Frau Rapp-Janowskaja sang neben den bereits bekannten Repertoirestücken auch eine Bearbeitung des ״Dudele“ van Edward Moritz, die wir in Berlin noch nicht gehört haben. Diese* Werk ist dem Komponisten nicht sonderlich geraten. Es hat zwar insofern bestechende Qualitäten,!1$ es gpt klingt und die Stimme stark in den Vordergrund schiebt — aber gerade das scheint ein Fehler, daß hierdurch der reine Ensemble- Charakter mit vier gleichberechtigten Stimmen durchbrochen wird. (Es Ist nicht mehr: Vbkal-Idstrumentalquartett, sondern: Stimme mit Streichtrio-Begleitung.) Außerdem ist die Einteitung zu diesem Lied viel tu lang und fotmal unplausltsel (auch Phantasieartiges muß zwingend gestaltet sein), die harmodische und thematische Auswertung ist nicht interessant. Dabei fällt es natürlich absolut nicht ins Gewicht, daß gerade derartige Bearbeitungen, besonders wenn sie durch eine eingängige Art der Interpretation unterstützt werden, für manches Publikum schmackhaft sind. Man hörte dann noch hebräische und Volkslieder, gesungen von G. und Ji Lipsicas. Herr Lipsicas hat zwar einen kräftigen und runden Bariton, jedoch war sein Vortrag des unvermeidlichen Engelschen Liedes: ״Omrirn jeschua erez" recht dilettantisch. Dagegen gab es noch einige heitere Vorträge von Dr. Harry TorczynCr, der u. a. das bekannte ostjüdische Volkslied: ״Zehn Brider seinen mir gewesen“ in eigener hebräischer Uebersetzung vortrug. — Am Schuschan-Purim fand ein geradezu pompöser Gesellschaftsabend zugunsten des jüdischen Schul werk* Siegmundshof statt. Das gesamte Brüdervereinshaus war überfüllt, erste Musiker una Kabarettisten hatten sich in den Dienst der guten Sache gestellt, 82 Firmert hatten die Tombola wit hervorragenden Gewinnen bedacht, ln dem Konzertteil wirkten das Wittenberg- Quartett, Manfred Lewandowski, der Üjährige Walter Lustig (Klavier) und Esther Rubinstein (Gesang) mit. im darauffolgenden Kabarett G e n i a N i k 01 a j e w a (Chansons), Annemarie Korff (Tänze), Manfred Geis (Polgar ■und Kerr-Rezitation), Maria Rapp-Janowskaja mit dem Bentz- Trio sowie Dr. S. Hildesh e i m e r mit, der auch die Conftfrence übernommen hatte und in seiner bekannten witzigen Weise durch alle Fährnisse hindurchsteuerte. Jedenfalls war der Erfolg nicht nur relativ, sondern, absolut genommen, überraschend. A. J.-L. Jüdische Musik. Die Budapester Ortsgruppe der Ungar!- sehen Zionistischen Organisation veranstaltete am!7. März ein jüdisches Konzert. Nach dem einführenden Vortrag des Herrn Alexander Jemnitz wurden Lieder und Violinkompositionen von Josef Achron und Michael Gnessin und Klavierstücke von Joachim Stuf sch ewsky durch begabte junge Künstler vorgetragen. Dieses kleine Konzert war der erste Schritt in Ungarn in der Pflege jüdischer Musik, zu deren Studium sich jetzt eine Gesellschaft unter Führung Alexander Jemnitz’ bildet. — Im Rahmen einer Veranstaltung des Kongresses für arabische Musik in Kairo wurden Kompositionen der jüdischen Musikerin Augusta C o e n zu Gehör gebracht. Aügusta Coen erhielt vom Bey von Tunis und von König Fuad von Aegypten Preise für ihre Leistungen auf dem Gebiete der orientalischen Musik. Sie bereitete eine Sammlung von Melodien und Volksliedern der jiidischen Bevölkerung in Tunis und im übrigen Nordafrikä vor. Konzerte. Die durch die vollkommene Neubelebung des jüdischen Liedes bekannte Sängerin Maria Rapp-Janowskaja gibt gemeinsam mit der Pianistin Matilde Torczyner in letzterer Hause am 12. April. 8 Uhr, ein Hauskonzert unter dem Titel ״West-östliche Musik“. Der Ertrag ist für notleidende jüdische Künstler bestimmt. — Käthe Klausner, die jüngste Tochter von Jul. Klausner, gab am 29. März unter Begleitung eines von Dobrowen feurig geleiteten Orchesters Proben ihres reichen musikalischen Wissens durch glanzvolle Interpretation des Sdiumannschen A-Moll-Klavierkonzertes. Von der WIzö wird uns berichtet: Anläßlich eines Besuches in Kingston (Jamaika) hielt Frau Simon Marks, frühere Ehren-Schatzmeigterin der Wito, eine Ansprache über die Arbeit der WIzo bei einem Meeting, das von Miß Vera Delgade im Hause von Mrs. Henrique für sie veranstaltet wurde. Ihr eindrucksvoller Aufruf,- der die Damen aufforderte, ihre Arbeit für Palästina energisch fortzusetzen, feuerte die Zuhörer- Schaft, die aus vielen einflußreichen Persönlichkeiten bestand, so an, daß die Wizo-Gruppe reorganisiert und großer Enthusia*• mus für die zionistische Sache entfacht wurde.