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Jüdische Rundschau · 1932-04-01 · Heft 25-26 (1.4.1932) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 25-26 (1.4.1932)
Date
1932-04-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 122 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 25m, 1. IV. 1932 während der Verhandlungen der Shaw-Kommission war klar geworden, daß, während man sich im jüdischen Lager noch um den Wert von Deklarationen und Formeln stritt uhd über Zielsetzung debattierte, auf der anderen Seite die Bodenfrage geschickt in den Vordergrund geschoben wurde. Seitdem kreisen alle Handlungen der Mandatarmacht um diesen Punkt, alle Expertisen und Kommissionen befassen sich damit, die englische Presse weist immer wieder auf die hier liegenden Schwierigkeiten hin, und schließlich hat die Palästinaverwaltung sich auf den Standpunkt zurückgezogen, angesichts der Verhältnisse im Lande müsse man auf die Gefühle landloser Araber auch dort Rücksicht nehmen, wo sie sich widerrechtlich in den Besitz jüdischen Bodens setzen, der ihnen niemals gehört hat. Den Juden selbst ist es überlassen, sich zur Wehr zu setzen und die Behörden anzurufen, aber gerade hierdurch wird der Anschein erzeugt, als ob die Juden der nomadisehen Bevölkerung besonders feind wären. Die Verbreitung der Meinung, die Juden hielten sich nicht ganz mit Recht unbearbeitete Bodenreserven, während die Beduinen und Fellachen Not an Land haben, ist ein vielleicht nicht viel weniger gefährliches Gift als die Legende von den jüdischen Absichten auf die Omar-Moschce. Aus den letzten Berichten, die über die Vorgänge in Kuskus- Tabun im Emek Jesreel hier eingetroffen sind, scheint hervorzugehen, daß die Regierung zwar die deutschen Siedler der Kolonie Waldheim, die einen Teil des jüdischen Bodens von der Gesellschaft Meschek gepachtet haben, gegen Uebergriffe schützt, niejit aber die benachbarten jüdischen Pächter, die in genau derselben Rechtslage sind. Aber es bedurfte nicht erst eines solchen Beweises, um zu zeigen, daß es sich um ״getarnte“ Politik handelt. In der Form eines Streites um Boden soll offenbar ein arabisch-jüdischer Machtkampf ausgefochten werden. Wer die Bodenfrage in dieser Weise zu einer politischen gcmacht hat, bleibt dahingestellt. Die Engländer und die Araber haben sich ihrer sehr geschickt bemächtigt, aber nicht sie sind es gewesen, die die Formel ״Wem der Boden gehört, der ist Herr des Landes“ erfunden und bei allen Gelegenheiten in die Öffentlichkeit posaunt haben. Diese Parole, für jüdische Ohren bestimmt, wurde allmählieh auch vön den Arabern verstanden. Unter diesem politischen Aspekt wird die Sache heute betrachtet. Aus politischen Gründen duldet England klare Rechtsbrüche. Es ist die alte Linie der englischen Politik, zwecks Beruhigung der Araber jeden Anschein zu vermeiden, daß sie den jüdischen Bestrebungen Vorschub leistet. Will man die Sache ins rein Wirtschaftliche oder Juristische verharmlosen, wird man einer Lösung kaum näherkommen. (Natürlich wäre trotzdem die jüdische Position viel leichter, wenn die Jewish Agency die Mittel hätte, die unbebauten Böden des Keren Kajemeth und ־•־ ia-diesem, Fall ‘- des Keren Hajessod sofort endgültig * ' Es zeigt sich auch in dieser Einzelfrage, daß die in jüdischen Kreisen sehr beliebte Auffassung, man müsse wirtschaftliche Momente in den Vordergrund schieben und die Politik zunächst ausschalten, nur in sehr beschränktem Maße durchführbar ist. Man wird immer wieder auf politische Momente gestoßen. Die Frage, die in Wahrheit hinter allen Maßnahmen in Palästina steht, ist die Frage, wer ״Herr des Landes“ sein soll. In diesem Ringen, das alle die nervösen Spannungen und Krampfzustande im Lande erzeugt, einen Ausgleich zu finden und dadurch eine bessere Atmosphäre für die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims zu schaffen, ist die Aufgabe zionistischer Staatskunst. In den letzten Monaten deuteten viele Anzeichen darauf hin, daß die politischen Hauptfragen Palästinas wieder zur Behandlung stehen. Die jüdische Oeffentlichkeit wurde durch manche Gerüchte beunruhigt, und auch wir haben aus Leserkreisen vielfach Klagen über mangelnde Information seitens der Zionistischen Exekutive erhalten. Insbesondere hat man sich darüber beschwert, daß bei Behandlung der sogenannten Abbas-Hilmi-Vor- Schläge die Exekutive sich darauf beschränkt hat, mit Erleichterung festzustellen, es handle sich um einen ״Schwindel“, und damit ihre Aufgabe als gelöst erachtete, statt nun von sich aus zu dem Fragen-Komplex, der ja nicht erst durch die Abbas-Hilrni-Vorschläge geschaffen wurde, Stellung zu nehmen. Man findet, daß die Exekntive sich auf die Wiederholung alter nichtssagender Er- Klärungen beschränkt und nicht zu bemerken scheint, daß sich die Welt verändert, im Vorderen Orient sogar hereits erheblich verändert hat, und daß man mit antiquierter Phraseologie nicht mehr auskommt. Wir sind niciit Verteidiger der Exekutive, aber man muß feststellen, daß zionistische Organe in keiner leichten Lage sind, wenn sie zuverlässige Informationen geben sollen. Es ist hegreiflich, daß die zionistische Oeffentlichkcit etwas irritiert ist, da Schaumschläger und Sensationsjäger nicht müde werden, Gerüchte aller Art auszustreuen. Dies ist aber kein spezifisch zionistisches Phänomen. Wir sehen in der ganzen Welt und in allen Fragen der Weltpolitik־, wie unsinnige Zeitungsnachrichten sich überstürzen, wie niemand recht Bescheid weiß und sich auch in der Tat Situationen und Absichten selbst in großen Kabinetten in wichtigen Fragen ununterbrochen ändern. Es ist gewiß schwierig, seriöse Informationen zu geben, wenn die Lage selbst durchaus ungeklärt ist. Vielleicht werden die jetzigen Beratungen in Palästina eine Klärung erleichtern. * Es ist nicht zu zweifeln, daß in der letzten Zeit in und um Palästina eine lebhafte politische Aktivitat eingesetzt hat. Durch die Emanzipation des Irak und die Parlamentswahlen in Syrien, durch die verschiedenen Verhandlungen der einzelnen arabischen Staaten untereinander, durch die moslemische Konferenz in Jerusalem, den Besuch Abbas Hiltnis und des ägyptischen Minister- Präsidenten, und schließlich durch den Amtsantritt des neuen Oberkommissärs, sind die politischen Fragen wieder ins Rollen gekommen. Man darf nicht vergessen, daß der neue Oberkommissär den Auftrag mitbringt, die Verwirklichung der in den offiziellen Regierungserklärungen vorn Oktober 1930 und Februar 1931 verkündeten Politik zu versuchen. Einer der wichtigsten Punkte dieser Politik war die Einsetzung eines Gesetzgebenden Rates in Palästina. Dieses Projekt wurde sowohl von den Juden als auch von den Arabern abgelehnt. Inzwischen hat sich die Situation insofern etwas geändert, als zwar die Mufti-Partei auf ihrer Ablehnung verharrt, die arabische Opposition unter Führung der Naschaschibi- Gruppe sich aber anscheinend konsolidiert hat und eine Zusammenarbeit mit der Regierung sucht. Was die Juden betrifft, hat erst vor kurzem die Assefath Niwcharim ihren Beschluß, einen Gesetzgebenden Rat zu boykottieren, wiederholt. Das Projekt scheint also wieder auf einem toten Punkt angekommen zu sein, aber es wäre eine Selbsttäuschung, wollte man annehmen, daß es für immer verschwunden ist. In irgendeiner Form wird die Forderung nach einer parlamentsähnlichen Institution wieder auftauchen. Für die Araber ist das ״Parlament“ nicht das Symbol einer formalen Demokratie, sondern der nationalen Freiheit. Sclbstregierung (״Home Rule“) nimmt bei den in englischen Gedankengängen erzogenen Völkern automatisch die Gestalt eines Parlamentes an. Die Frage, die immer wieder vor uns steht, ist die, ob wir glauben, die Entscheidung so lange hinausschieben zu können, bis die Juden die Mehrheit in Palästina sind (nach Jabotinsky in 40 Jahren); glauben wir das nicht, dann erhebt sich die Frage, welches die richtigste Politik ist, um die Errungenschäften des jüdischen Palästinawerkes zu schützen, seine weitere Entwicklung zu sichern, einen Zustand des Friedens und der kulturellen Blüte zu fördern. Auf diese Fragen muß die zionistische Welt Antwort geben, und auch wenn der Diskussion — wie es jetzt seit vielen Monaten der Fall ist — ausgewichen wird, die Zeit wird immer wieder eine Antwort fordern. Die Demagogie macht es sich leicht, indem sie jeden Versuch, durch Entgegenkommen einen Ausgleich zu finden, als ״liquidatorisch“ bezeichnet, ohne zu bedenken, ob nicht blinder Radikalismus in manchen Lagen der sicherste Weg einer schnellen ״Liquidation“ sein kann. Wir nehmen an, daß ein Teil der Unterhaltungen in Palästina diesem Gegenstand gewidmet sein wird, und die nächste A.-C.- Sitzung wird sich schlüssig werden müssen, welche Hauptrichtung der Politik die Jewish Agency nunmehr einschlagen will, nachdem die Erwartungen, die man auf eine bestimmte Konstellation gesetzt hat, enttäuscht worden sind. Es wäre jedenfalls höchst bedenklich, wenn man bei all diesen Erwägungen die Entwicklung des Nahen Ostens, die von Jahr zu Jahr rapid fortschreitet, aus den Augen verlöre. In diesen Ländern ist heute bereits eine ganz andere Generation am Werk als in den ersten Nachkriegsjahren, und man kann Methoden der Politik, die früher diskutabel gewesen sein mögen, auf diese neuen Verhältnissc nicht übertragen. Der Sinn zionistischer Politik besteht ja darin, in lebendiger Fühlung mit der Wirklichkeit zu bleiben und unter allen Umständen auch bei ganz anders gearteten Verhältnissen einen Weg für die nationale Konsolidierung des jüdischen Volkes zu suchen. * Leider sind Tage des Festes in Palästina meist eng verknüpft mit Besorgnissen. Die große Ansammlung von Menschen, besonders bei der moslemischen Nebi Musa- Prozession, ist immer ein Gefahrenherd, besonders wenn die Atmosphäre mit politischer Elektrizität geladen ist. Dies erinnert uns immer wieder, auch mitten in der Festfreude, daran, daß das wichtigste Problem, von dem die Bodenfrage, das Parlament, die Erschließung Transjordaniens nur Teilfragen sind, noch seiner Lösung harrt. Ereignisse wie die Makkabiah und noch mehr die Levante- Messe sind geeignet, die unlösbare Verbundenheit Palästinas mit seiner Umwelt allen Beteiligten ins Bewußtsein zu bringen. So kann als ein Niederschlag dieser festliehen Wochen vielleicht auch ein neuer Anstoß zu dem Willen entstehen, das jüdische Werk, dessen ungestüm drängende Kräfte sich gerade in diesen Veranstaltungen so eindrucksvoll manifestieren, zu sichern, indem man es durch Bande friedlichen Zusammenhangs in seiner Umwelt verankert. lilllllllllll!illl!lllllllllllj[|lllllllllllli — — ... mmtmmmmm 11 ■ im—mm«11 11 111111■ Schekelsammlung 5692 Die Zionistische Exekutive teilt uns soeben mit, daß sie sich aut unseren erneuten dringenden Antrag hin dazu entschlossen hat, den Schekelpreis ausnahmsweise für dieses Jahr mit Wirkung vom 1. April ab auf M. 1.— festzusetzen. Alle bis dahin eingesammelten Schekel In Höhe von M. 1,50 müssen voll abgeführt werden. Wir rechnen damit, daß dieses Entgegenkommen der Exekutive dazu führen wird, die Schekelsammlung wesentlich zu erleichtern und zu einem guten Endresultat zu führen. Der Monat April ist von der Exekutive zum Schekelmonat erklärt worden. Wir fordern alle Ortsgruppen und Schekelvertrauensleute dazu auf, die Sammlung nunmehr energisch zu betreiben und möglichst bis Ausgang April zum Abschluß zu bringen. Schekelblocks stehen auf Anforderung in jeder gewünschten Anzahl zur Verfügung. Die LaiHfesschekelkommisslon Postscheckkonto: Berlin 8091, Z. V. f. D. Volksbank Iwria, Berlin N 54, Rosenthaler Str. 55. ן Rabbi Sonnenfeld j Der Führer der palästinensischen Agudas Jisrocl, Rabbi Chajim Joseph Sonnenfeld, ist am 26. März’im Alter von 83 Jahren in Jerusalem gestorben. Sein Ableben hat unter der orthodoxen Judenschaft tiefe Trauer und in ganz Palästina lebhafte Teilnahme hervorgerufen und die Bestattung am 27. März gestaltete sich zu einer gewaltigen Kundgebung, an der viele Tausende Personen, darunter auch viele Touristen, teilnahmen. Die Regierungsbehörden, die Stadtverwaltung Jerusalem, die Jewish Agency, der Waad Leumi usw. waren vertreten. Mit Sonnenfeld Ist eine der merkwürdigsten und charakteristischsten Figuren des alten Palästina dahingegangen. Er war der Repräsentant des Chalukkah-Judentums, das in seiner Weise im vorigen Jahrhundert eine bemerkenswerte Funktion als Vortrupp der jüdischen Besiedlung Palästinas erfüllt hat, jedoch keine Verbindung zu der neuen Zeit und dem neuen Geist des Wiederaufbaus finden konnte. In den von dieser jüdisehen Schicht bewohnten Vierteln Jerusalems verkörpert sich ein Stück jüdisches Mittelalter (wobei mit diesem Wort keine Bewertung verbunden sein soll). Es ist ein in sich festgefügtes, in seiner alten Lebensform verharrendes Judentum, das unberührt und unerschüttert ist von dem Ansturm einer neuen Zeit, die sonst fast überall zu einem tiefgreifenden Gestaltwander des Judentums geführt hat. Rabbi Sonnenfeld lebte ungefähr 60 Jahre in Palästina. Er stammte aus der Slowakei und war der Leiter des sogenannten ״ungarischen Kolcl“, der innerhalb der Chalukkali einer der größten ist. Sonnenfeld galt als einer der bedeutendsten Talmudisten seiner Zeit. Nach dem Kriege trat er in scharfe Rivalität zu Rabbi Kuk, und als Kuk zum Oberrabbiner von Palästina gewählt wurde, organisierte Sonnenfeld seine Gemeinde als unabhängige rivalisierende Gruppe innerhalb der Orthodoxie. Diese Gegensätze haben zu ruannigfachen Kämpfen geführt. Sonnenfeld, der aller weltlichen Politik abhold nur von dem Walten Gottes das Heil erhoffte, hatte auch kein Verständnis für den modernen Zionismus; besonders aber wurde seine Gegnerschaft durch die Organisationsbestrebringen des palästinensischen Judentums, die auf einheitliche Zusammenfassung des gesamten Jischuw liindrängten, geweckt. Es ist bekannt daß Sonnenfeld wiederholt bei den englischen Behörden interveniert hat, um für seine Gemeinde eine Sonder- Stellung zu erzielen. Obwohl es ihm dabei sicherlich zunächst um religiöse Ziele ging, hatte seine Art des Auftretens vielfach unliebsame politische Auswirkungen. Es wurde denn auch der Vorwurf des Separatismus und der Zerstörung der jüdischen Einheitsfront gegen Sonnenfeld gerichtet, ja man bezichtigte ihn, daß er durch sein Auftreten der Mandatarmacht ermöglichte, eine die jüdische Sache schädigende Politik zu machen. Aber auch politische Gegner Sonnenfelds würdigten seine fromme und ehrfurchtgebietende Persönlichkeit, seine Gelehrsamkeit und persönliche Integrität. Es ist nicht zu zweifeln, daß Rabbi Sonnenfeld das Judentum und Erez Israel mit größter Hingebung liebte. Er hat seit seiner Ankunft im Lande Palästina kein einziges Mal verlassen. Anläßlich der' Unruhen des Jahres 1929 erließ Rabbi Sonnenfeld einen Aufruf an die arabische Bevölkerung, in welchem er betonte, daß die Behauptung, die Juden strebten nach Wiederherstellung des Tempels und WiedereroJjerung der religiösen Stätten, unrichtig sind; jedem frommen Juden sei bis zum Kommen des Messias das Betreten des Gebietes der Omar-Moschee (des ehemaligen Tempelplatzes) verboten. Diese Erklärung aus so religiöser Quelle verdiente gewiß Beachtung. Auch sonst hat sich Sonnenfeld bemüht, ein erträgliches Verhält- 1 nis zu* «•»bischen Landesbewohnetn zu befürworten. * Laut ״F r i m 0 r g e n“ (Riga) ist der bisherige orthodoxe Oberrabbiner von Riga, Ravv Mendel Sak, zum Nachfolger Rabbi Sonnenfelds ausersehen. Raw Sak begibt sich demnächst, zur Uebernahme seines Amtes von Riga nach Jerusalem. | Boris Schatz | Wie aus New York telegraphiert wird, starb dort am 23. Marz Prof. Boris Schatz, der Begründer und langjähriger Leiter des ״Beza lei“ in Jerusalem, im Alter von 66 Jahren, Boris Schatz war bereits vor dem Kriege eine der bekanntesten Figuren Palästinas. Seiner Initiative und Begeisterung ist die Gründung der Bezalel-Schule zu verdanken, bei der sich der Gedanke einer Förderung der kunstgewerblichen Industrie unter den Juden mit der Idee einer neuen jiidisch-palästinensisehen Kunst verband. Rückschauend kann wohl gesagt werden, daß die künstlerischen Ziele, die Schatz sich gesetzt hat, nur bis zu einem sehr bescheidenen Maß verwirklicht wurden. Dagegen hat der kunstgewerbliche Unterricht und die Werkstätte des Bezalel eine wichtige Funktion im Palästina der Vorkriegszeit erfüllt. Viele Hunderte von palästinensischen Jugendlichen erhielten dort Ausbildung und Broterwerb. Die Produkte der Bezalel-Schule wurden in Europa und Amerika abgesetzt. Man wird sich noch erinnern, daß in Berlin der Verein Bezalel unter dem Vorsitz von Professor Warburg zur Förderung der Bezalel-Schule gegründet wurde, der dann Zweigvereine in verschiedenen Ländern eröffnete. In vielen Städten Europas wurden Bezalel-Ausstellungen veranstaltet, die wesentlich zur Belebung des Palästina-Interesses beitrugen. Die Seele all dieser Bestrebungen und ihr unermüdlicher Organisator war Boris Schatz. Schatz hat im Jahre 1909 persönlich diese Ausstellungen mitorganisiert und in Europa Vorträge gehalten, und sein lebendiger Enthusiasmus hat weit über die zionistischen Kreise hinaus damals bereits die Liehe zum jüdischen Palästina zu erwecken und zu festigen verstanden. Nach dem Krieg, unter den gänzlich veränderten Verhältnissen, konnte sich der Bezalel nicht behaupten. Prof. Schatz versuchte die Gründüng eines Museums und die Fortführung der Kunstschule, aber auch diesen Bemühungen war kein Erfolg mehr beschieden. Zuletzt ging er nach Amerika, um neue Mittel für den Bezalel zu sammeln. Dort ist er, der lange bereits nicht gesund war, hinweggerafft worden. Schatz, der 1866 in Kowno geboren war, war ein Schüler Antokolskis. Er war eine Zeitlang in Sofia als Bildhauer des bulgarischen Königshoies tätig. Dort schloß er sich auch der zonistischen Bewegung an. 1906 ging er nach Jerusalem, um den Bezalel zu gründen. Schatz hat eine große Anzahl von hildhauerischen Arbeiten und auch Gemälden hinterlassen. Bekannt sind seine Porträt-Büsten von Antokolski, von Theodor Herzl u. a. Sein bedeutendstes Werk ist die große Skulptur des Hasmonäers Matatiahu. Rabbi Lfptzyc ge*lorben. in Polen verstarb der Vorsitzende des polnischen Rabbinerverbandes Rabbi L i p s z y c in Kalisch. Der Verstorbene gehörte zu den prominentesten Füllrem des orthodoxen Judentums. Im Gegensatz zu vielen seiner Gesinnungsgenossen war er ein begeisterter Anhänger des jüdischen Palästinawerkes und nahm auch an der Züricher Gründungsversammlung der J e w i s 11 A g e n c v im lahre 1929 teil.

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