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Jüdische Rundschau · 1932-03-04 · Heft 18 (4.3.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 18 (4.3.1932)
Date
1932-03-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Heute! Zur Reidhtpr&sidcntcnwahl Einzelnummer 0,23 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jedenDienstag u.Freitag. Bezugspreis bei derExpedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Au*land«ahoanemeQtB werden in der Wahrung der einzelnen Länder berechnet Anzeigenpreis• H gesp. Nonpareillezeile 0,50 G.-M. Slellengeeuche 0,25 G •M. Nummer 18 | Berlin, 4*111« 1932 Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b. H., Berlin W15, Meinekestr.10. Telefon: J 1 Bismarck 716570־. Ajueigenachla&: Dieaitag und Freitag nachmittag« 4Uhr Redakdonsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Po*1*ch#ck « Körnen: Berlin 17392, Basel V 9355, Belgrad 680 32, Brüssel 39433, Budapest 596 93, Danzig 1973. Haag 140470, Prag 59410, Riga 4155. Strasburg 16430, Warschau 190708, Wien 156030 Bank - Konten: Damiatädter- und Nauoaalhank, Depositen - Kasse Berlin, KuHürstendamm 52; Rumänische Kreditbank, Cernauti (Rumänien); Anglo Palestine (~la. in Haifa, lemsalem. Tel-Aviv jTxXXVliTiahrg. Per Ilpnliwm erstrebt tOr das Jüdisch« Volk die Schaffung einer dffentllcli - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.“ Dreißig Jahre Keren Kajemeth Zwei Jubiläen Der Jüdische Nationalfonds feiert in diesen Tagen sein 30jähriges Bestehen. Dieses Ereignis fällt in eine Zeit schwerer Bedrängnis des jüdischen Volkes. Die meisten Juden stehen in hartem Kampf um ihre wirtschaftliche Existenz, die Lage im Galuth hat sich in einer Weise verschärft, die früher kaum für möglich gehalten wurde. Die Sorgen des Tages drohen die Gedanken an die Zukunft zu verdrängen. Aber das jüdische Volk hat sich niemals, auch in schwersten Zeiten nicht, nur den Sorgen des Tages hingegeben. Es wußte stets, daß es darauf ankommt, das Wesentliehe in künftige Tage hinüberzuretten. Zeitumstände und Bedingungen wandeln sich, viele Einzelne mögen als Opfer fallen, das Volk bleibt ewig. In dem Bewußtsein, für spätere Geschlechter vorzusorgen, mitten in den Tagen der Zerstörung an einem bleibenden Werk des Lebens mitzuwirken, kann das jüdische Volk Erhebung und Stärkung finden. Wir können heute wiederholen, was wir vor fünf Jahren, als der Jüdische Nationalfonds 25 Jahre alt war, an dieser Stelle schrieben: ״Es gibt wenige jüdische Schöpfungen der letzten Jahrzehnte, die wirklich repräsentativen, symbolhaften Charakter haben. Das 19. Jahrhundert war eine Zeit des jüdischen Niedergangs, der jüdischen Not und des Zerfalls; zugleich aber führte es bereits zu der großen Wende, die gemäß der immanenten Dialektik der jüdisehen Geschichte eine neue Blütezeit jüdischen Geistes, jüdischen Menschentums und jüdischen Volkstums he'raufführen soll. In einem mühsalbeladenen, getretenen, von der Umwelt nicht verstandenen, aber dennoch ein großes Erbe stolz verwaltenden Volke flackerte die Hoffnung auf, regten sich die ersten ahnungsvollen Keime künftiger Entfaltung. Durch all den Schutt, den das unnatürliche Leben der Galuthgeschichte über die jüdische Gemeinschaft gehäuft hatte, leuchtete wieder die Glut des inbrünstigen Glaubens an die Zukunft des Volkes, an die eigene Kraft und an die Kraft der Verheißung. Da schuf sich das Volk die große Zange, die das neue Gemeinwesen bilden sollte. Es schuf den Jüdischen Nationalfonds: Keren Kajemeth Lejisrael. In all den Jahren der Zerstreuung blieb die unverbrüchliche Verbindung zwischen dem Volke und dem Lande in den Herzen lebendig. Alle Sehnsucht und aller Glaube an menschliche und göttliche Vollendung gipfelte in der Apotheose des Lebens der zurückgekehrten jüdisehen Gemeinschaft in Zion. Und nun erwacht dieses Volk aus seiner Erstarrung und fühlt die Kraft in sich, das Land wieder in Besitz zu nehmen, sich mit der Scholle zu vermählen, tausendjährige Träume Wirklichkeit werden zu lassen. Das Volk fühlt, daß es Boden unter den Füßen haben muß, und es*zieht aus, den Boden zu erwerben. Aber nicht mit der Schärfe des Schwertes, nicht mit Waffengewalt, nicht mit den rohen Mitteln junger und unerfahrener Völker kann unser Land wieder zu unserem Besitz gemacht werden. In der modernen Zeit und in der modernen Welt gibt es Mittel fried¬ Wir haben bereits kurz über die Kundgebung anläßlich des 30jährigen Jubiläums des Keren Kajemeth berichtet, die am 27. Fe• bruar in Berlin stattfand. Im Mittelpunkt der Feier stand der Vortrag von Marlin Buher über ״Volk und Land“, dessen Gedankengang wir nach!oigend wiedergehen. Buber begann mit dem Satze: Zu Volk gehört Land. Dies aber, so führte er aus, bedeutet noch etwas arideres, als daß zu einer ״Nation“ ein ״Territorium“ gehört. Nation und Territorium sind politische Begriffe, Volk und Land sind vitale, sind Begriffe des Lebens. Und über die Forderung hinaus, daß eine Nation, die des Territoriums entbehrt, es wieder erlangt, fordert dieser Satz, daß ein Volkstum, das des Landes entbehrt, wieder die Verbindung mit seinem Boden findet. Innerhalb der geschichtlichen Einheit Nation bildet dieses Element Volk etwas in gewissem Sinne Uebergeschichtliches. Damit es stark und fruchtbar sei und sich auswirke im Werk und im Leben und Aufbau des nationalen Daseins, dazu gehört Land. Land, dem das Volk verbunden ist, lebend und arbeitend mit dem großen gleichmäßigen Rhythmus der Natur, wo auch immer wieder gleichbleibend derselbe Umlauf der Jahres- Zeiten sich vollzieht. Es tut not für dieses Wachsen des Volkes, daß es verwachsen sei mit diesem naturhaften Umlauf durch Arbeit an dieser Erde, über der sich die Jahreszeiten so vollziehen. daß dksec gleiche Rhythmus des Volkslebens und licher Eroberung durch das Recht der Arbeit. Der Boden, die Grundlage alles Seins, muß für das Volk gekauft werden. Es klingt etwas prosaisch und wenig romantisch, wenn man sagt, daß die Erlösung des Bodens für das jüdische Volk in unserer Zeit durch —• G e 1 d bewirkt wird. Aber es ist nicht jenes Geld, das eine Erfindung des Teufels ist, sondern die Groschen, die in mühevoller täglicher Arbeit von unzähligen über die Welt zerstreuten Juden, von den stummen Massen, im Schweiße ihres Angesichtes erarbeitet werden, um die Notdurft des Tages zu stillen. Groschen, die nach der schweren Tagesarbeit, wenn die Seele Ruhe findet zum Träumen und zum Hoffen, in die kleine unscheinbare blaue Büchse des Nationalfonds wandern, an denen die heißen Wünsche tausender bedrängter Menschen kleben. Aus all den kleinen Beiträgen bildet sich der große Strom, der das verdorrte Land fruchtbar zu machen vermag. Das Symbol, der Ausdruck dieses Willens, das Land wiederzugewinnen, ist der Jüdische Nationalfonds. Kein Wunder, daß er sich der größten Volkstümlichkeit erfreut. Der Nationalfonds arbeitet seiner Idee nach nicht für heute und morgen, sondern für immer. Was er erwirbt, wird unveräußerliches Gut des jüdischen Volkes. Des jüdischen Volkes, repräsentiert und vertreten in diesem Fall durch den Jüdischen Nationalfonds. Wir brauchen nur an das altjüdische Recht zu denken, wo es heißt: ,Grundstücke sollen nicht auf ewig verkauft werden, denn Mein ist das Land, ihr aber seid nur Fremdlinge auf Meinem Boden‘ — um zu verstehen, was es bedeutet, diese Stellvertretung im irdischen Getriebe inne zu haben, diesen Landbesitz, der nicht Privatbesitz ist, zu verkörpern. So wird, wie einst der unvergeßliche Max Rosenfeld in einem Aufsatz ,Soziale Steintafeln‘ ausführte, in diesem Gedanken des Nationalfonds die Idee von Religion und Sozialismus vereinigt, auf daß Religion und Sozialismus sich verwirklichen.“ * Das 30jährige Jubiläum des Keren Kajemeth fällt zusammen mit dem Halbjahrhundert der Chibbath Zion. Vor fünfzig Jahren gingen die ersten Pioniere der Palästina-Siedlung aus Rußland nach Erez Israel, sie fanden dort ein unwirtliches Land vor, das noch im Schlummer des Mittelalters lag, ohne die primitivsten Vorkehrungen des modernen Lebens. Die ersten Pioniere mußten sich durch Schwierigkeiten hindurchkämpfen, die wir uns heute kaum mehr vorstellen können. Mitten in der Wildnis, in verlassenen sumpfigen und steinigen Gegenden haben sie, von unerschütterlichem Glauben beseelt, einen Neubruch gebrochen. Viele sind als Opfer gestorben, das Sumpffieber wirkte verheerend, immer wieder mußten schon besetzte Orte wieder verlassen werden und immer wurden sie wieder neu erobert. Der ״,Jüdische Nationalfonds“ begann vor einigen Jahren mit der Herausgabe einer kleinen Bücherreihe, Palästina-Monographien, in denen die Entstehung und die Geschichte der jüdischen Dörfer Palästinas geschildert werden. Sie gehört zu dem Unentbehrlichen, was die heudes naturhaften Daseins ineinander verwoben und miteinander verschmolzen seien — durch das Leben der Bauernschaft auf eigener Erde. Diese Verbundenheit von Volk und Land hat aber niemals und nirgends eine so außerordentliche Ausprägung, eine so geschichtsbestimmende Kraft gefunden wie in Israel. Buber belegt diesen Satz durch Beispiele aus der Bibel: Ein Mann wird aus seinen Sippenzusammenhängen drüben in Mesopotamien herausgeholt und geführt in ein Land, das da ist für ihn, das gleichsam wartet, das für ihn bestimmt und für das er bestimmt ist. Sein Name und dieses Land sind einander zu gedacht und angelobt. Und weiter, wenn nun diesem Mann und seinem Sohn und Enkel Gott verheißt, daß er den Bund erfüllen wird, so ist der Kern dieses Segens Segnung für dieses Land. Und wie Joseph hinweggebracht wird nach Aegypten, verheißt Gott ihm, daß er zurückkommen wird, daß ihm das Land als Erbe verbürgt wird. Es ist schon sein Land, wiewohl noch Jahre verstreichen müssen, ehe das Volk seinen Besitz antritt. Und wie nun zur Erfüllung der Verheißung das Volk von Aegypten nach Kanaan wandert, empfängt es eine Gesetzgebung, nicht eine für alle Zeiten und alle Umstände und unabhängig von dem Lande, in dem sie erfüllt werden soll, sondern ein Agrargesetz für dieses bestimmte Land, für die Verwirklichung des Willens Gottes, für ein gerechtes tige jüdische Generation wissen müßte. Denn wichtiger noch als die damals vollbrachte kolonisatorische Tat ist die Haltung dieser Menschen, die sich durch die schwersten Rückschläge nicht entmutigen ließen, die genügend Phantasie und Weitsicht hatten, mitten in den Schutthaufen, in denen sie leben mußten, an den endliehen Erfolg der Sache zu glauben. Und wer heute Rechoboth oder Chedera oder Ness Ziona sieht, wird sich vor der Seelengröße jener Menschen beugen müssen, deren Hingabe und Ausdauer dies geschaffen haben. Wenn heute manchmal aus dem zionistischen Lager selbst der Wert der zionistischen Aufbauarbeit bestritten wird, wenn man nach ״Garantien“ ruft und an äußere Mächte appelliert, so lehrt uns die Erinnerung an die vor 50 Jahren begonnene Arbeit, daß man auch ohne Garantien Großes und Bleibendes schaffen kann, ja daß die entscheidenden Werke der Menschen immer ein Wagnis, ein Schritt ins Unbekannte sind, daß verstandesmäßige Berechnung hier versagt; denn wollte man nur nach berechenbaren Faktoren ganz sicher gehen, dann würde nichts entstehen und dann wäre auch unsere palästinensische Siedlung nicht entstanden. Zwei Mächte sind es, die die Menschen zu Taten treiben, die Not und der Glaube an ein Ideal. Ohne die bestehende Siedlung, die wir der Chibbath Zion, der Bewegung der ״Zionsliebe“, verdanken, wäre auch die politische Anerkennung der zionistischen Forderungen viel schwerer durchzusetzen gewesen. Die praktische Arbeit, nicht die politische Proklamation, steht am Anfang. Es soll, bei diesem Anlaß festlichen Gedenkens, nicht breit ausgeführt werden, daß diese Arbeit auch Mängel hatte, daß viele Irrtümer geschehen sind, daß oft in entscheidenden Momenten die Kräfte versagten. Jeder weiß das. Auch der Jüdische Nationalfonds hatte und hat in seiner praktischen Arbeit Schwierigkeiten, auch seine Tätigkeit ist umstritten, auch er hat stets neue Wege zu suchen. Die zionistische Welt hat sich über die Rolle, die der Nationalfonds wirklich spielen kann, häufig getäuscht. Es wird noch oft Gelegenheit sein, diese Frage zu erörtern. Aber wie immer man zu einzelnen Maßnahmen steht, das Eine ist sicher: Nur ein starker Nationalfonds kann seiner Aufgabe gerecht werden und kann die Schäden, die der jüdischen Siedlung drohen, vor allem die Gefahr einer hemmungslosen Bodenspekulation, abwenden. Darum ist es ein richtiger Instinkt, wenn alle Gruppen der zionistischen Bewegung gerade diesem Fonds besonders liebevoll anhängen und wenn vor seiner Forderung alle Partei- Zwistigkeiten verstummen. Für ihn zu arbeiten ist gemeinsames Ziel, und wenn diese Arbeit in der prosaischen Tätigkeit des Geldgebens und Geldsammelns besteht, so wollen wir — und dazu verhelfe uns der Anlaß des Jubiläums — nie vergessen, daß wir dabei an einer großen Idee, an der Verwirklichung uralter jüdischer Gedanken mitarbeiten, und daß die Träume und die Sehnsucht jüdischer Generationen hier Gestalt gewonnen haben, indem auf jüdischem Volksboden Bäume grünen und Aehren reifen und freie Menschen den Weg in glücklichere Zeiten bahnen. iihHiiiiiimiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiihiimiiiiiniiiiiiiiiimniiiiiiiiiiiiiiniiiiiimimiimiinmiiMiiMmiiiiiiiinnmi Gemeinschaftsleben der Menschen in diesem Lande. Und wenn dann von dieser Gesetzgebung aus Gott nun nicht mehr einzelne Väter, sondern das ganze Volk anredet und ihm ansagt, daß ihm Segen bevorstehe, wenn es das echte Gemeinschaftsleben erfülle, und Fluch, wenn es die Erfüllung versage, dann ist Segen und Fluch an diesem Lande dargestellt. Und das geht so weit, daß gesagt wird: Wenn Ihr dieses Gemeinschaftsgesetz nicht halten werdet, dann werdet Ihr aus diesem Lande verstoßen werden. Und darüber hinaus gilt die Verheißung: Wenn Ihr dann in der Fremde umkehrt mit Euerem ganzen Wesen, dann werde Ich Euch heimbringen und, so heißt es, ״dann will ich des Landes gedenken“. Gott verheißt nicht nur dem Volke, daß es in sein Land zurückkehren soll, er verheißt auch dem Lande, daß sein Volk in es zurückkehren soll. Nachdem schon das Leben im Lande begründet ist und der zweite der Könige, der erste Begründer einer Dynastie, David, sich darauf besinnt, daß noch kein Gotteshaus steht und daran denkt, nun in Jerusalem einen Tempel zu bauen und Gott ihm sagt, daß es noch nicht an der Zeit ist, da sagt Gott den geschichtlichen Moment mit den Worten an: Ich habe nun eine Stelle meinem Volk Israel bestimmt, Ich habe es eingepflanzt, daß es an seinem Platze wohne. Nun aber geschieht eben das, wovon jener Fluch handelt. Jesaja spricht davon, daß die Erde selber unter ihren Insassen, die den Sinn des Siedeins auf dieser Erde so verkennen und sich daran so versündigen, entartet. Weil es so ist, frißt jener Fluch die Erde. Also auch hier, da sich schon die kommende Katastrophe a»* kündigt, wird von dem Boden gesprochen als von dem eigentlichea Träger des schicksalhaften Vorgangs. Aber schon von וווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווןןןןןןןןןןןןן1ןןןןןןןןןןןןןןווווןןןןווווווווווןןןוווווווווווווווווווווווווווווווווו!וווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווחוווווווןןןןןןןןןוןןןןןןןןןןןןןןןווווווחווו “Volk und Land ״ Martin Buber über

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