Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 12 (12.2.1932)
- Date
- 1932-02-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 58 JÜDISCHE WUNDSCHAU Nr. 12. 1ZII1932 Eine Erklärung Wir erhalten nachstehende Erklärung mit der Bitte um Veröffentlichung: Der letzte Kongreß fiat gezeigt, daß die das System der früheren Leitung bekämpfenden Kreise genügend Kraft besaßen, um durch die Wahl einer neuen Exekutive einen Kurswechsel in der allgemeinen zionistischen Politik herbeizuführen. Diese einmalige Anstrengung der früheren Opposition ist aber nicht ausreichend, um die Stetigkeit und Sicherheit der Richtung der neuen Politik zu gewährleisten. Die gegenwärtige Exekutive bedarf dauernd einer Basis, auf die sie sich in ihrer Tätigkeit zu stützen vermag. Diese Stütze kann sie aber nur finden, wenn neben den Flügelparteien die Gruppen aus dem Kreise der allgemeinen Zionisten, die die Verantwortung für den politischen Kurs- Wechsel tragen, sich dauernd als aktive Träger dieser Politik zusammenfinden. In Erkenntnis dieser Notwendigkeit hat eine Anzahl von in Deutschland ansässigen Vertretern dieser Gruppen — Kon* greßgruppe B der allgemeinen Zionisten, der Radikalen sowie der Unabhängigen Zionisten — nach mehreren in Berlin stattgefundenen Besprechungen beschlossen, künftighin die ihnen gemeinsamen Ziele in dauernder und engster Fühlungsnahme miteinander zu verfolgen und dieser Zusammenfassung der einzelnen Gruppen unter dem Namen ״Block politischer Zionisten in Deutschland״ durch die Gründung einer Geschäftsstelle in Berlin und der Herausgabe eines Informationsblattes Ausdruck zu verleihen. Ansätze zu einem solchen Zusammenschluß sind auch in verschiedenen anderen zionistisch wichtigen Ländern festzustellen und es wird Aufgabe des Blocks politischer Zionisten sein, mit diesen politisch gleichgerichteten Gruppen zusammen* zuarbeiten. Ein solcher Block der früheren oppositionellen Gruppen ist aber gerade in Deutschland von besonderer Wichtigkeit, da die politische Haltung der Leitung der Z. V. f. D. und ihres Organs, der ״Jüdischen Rundschau“, noch immer von einem Geist be* herrscht wird, der von der Majorität des letzten Kongresses unzweideutig abgelehnt wurde. In der Abwehr dieser politischen Einstellung und unter Ablehnung aller Tendenzen, die eine Verkleinerung der Ziele des Zionismus bedeuten, will der Block politischer Zionisten In Deutschland durch seine aufklärende Arbeit auch die deut* sehen Zionisten für eine Auffassung des Zionismus gewinnen, der für die volle Verwirklichung unserer Hoffnungen und die Durchsetzung unserer Rechte in Palästina gegen alle Widerstände eintritt. Dr. M. Ascher (Berlin), R.-A. Hans Block (Hannover), Agro* nom Dyk (Berlin), R.-A. Frankel (Beuthen O./S ), Rabbiner Dr. Freier (Berlin), Amtsgerichtsrat Dr. E. Freund (Breslau), R.-A. Dr. Max Freundlich (Forst/Lausitz), Dr. Nahum Goldmann (Berlin), Dr. Georg Halpern (Berlin), S. Harpuder (Berlin), R.-A. Dr. Karl Hüb (Berlin), Rabbiner Dr. Max Joseph (Stolp i. P.), Dr. Ernst Kalmus (Hamburg), Direktor Kareski (Berlin), R.-A. Dr. Kollenscher (Berlin), Rabbiner Emil Levy (Berlin), R.-A. Dr. Lux (Breslau), Dr. f. Meis! (Berlin), Dr. Sandler (Berlin), Dr. Otto Simon (Mannheim), Dr. Soloweitschik (Berlin), Dr. Walter Steinitz (Breslau), Dr. Taubes (Bcrlin), Amtsgerichtsrat Tuchler (Berlin), Dr. Kurt Weiß (Öreslau), R.-A. Weißmanrt (Beuthen O./S.), Arnold Wiener (Beuthen O./S.), Frau Hilde Wolff (Breslau), Oskar Wulf (Berlin), Dr. Georg Wunderlich (Oppeln). * Nachbemerkung Es ist selbstverständlich nichts dagegen einzuwenden, daß steh eine Reihe von Zionisten, die gleiche Anschauungen vertreten, zu einer Gruppe verbinden und gemeinsam eine Erklärung abgeben. Trotzdem sind wir leider gezwungen, zu dieser Erklärung Stellung zu nehmen, weil aus der Anspielung aul die Z. V. f. D. und die ״Jüdische Rundschau“ hervorgeht, daß die Unterzeichner der Erklärung den innerzionistischen Kampf auch in Deutschland erneuern wollen, wozu nach unserer Meinung der gegenwärtige Zeitpunkt besonders schlecht gewählt ist. Besonders müssen wir uns dagegen wenden, daß die Gruppe sich den Namen ״Block politischer Zionisten“ gibt. Hierdurch wird jene üble Angewohnheit des nichtjüdischen politisehen Lebens, Bezeichnungen wie ״national“, ״politisch“ usw. für sich zu monopolisieren, wieder einmal in dem Bereich der zionistischen Bewegung nachgeahmt. Es ist nicht gerade der und nur der ein ״politischer“ Zionist, der sich so nennt, sondern auch andere Zionisten und Gruppen haben Anspruch auf das Attribut ״politisch“. Ebenso abzuwehren ist der Schlußsatz der Erklärung, worin behauptet wird, diese Gruppe müsse für die ״volle Verwirklichung unserer Hoffnungen“ und für die ״Durchsetzung unserer Rechte in Palästina“ kämpfen; dies richtet sich offenbar nicht gegen Mächte der Außenwelt, sondern gegen andere zionistische Gruppen. Dagegen ist es zu begrüßen, daß die neue Gruppe erklärt, sie wolle eine dauernde Basis für die politische Tätigkeit der gegenwärtigen Exekutive bilden. Dies ist um so notwendiger, als gerade die Fraktionsgenossen der Unterzeichner der Erklärung als erste in Palästina dem politischen Referenten der gegenwärtigen Exekutive durch einen öffentlichen Protest in den Rücken gefallen sind. Im übrigen werden wir nur bedauern, wenn auch wir durch neue Angriffe zu einem innerzionistischen Kampfe gezwungen sein werden, den wir bisher grundsätzlich vermieden haben. Baerwald-Ausstellung. Am 6, Februar wurde in der Technischen Hochschule, Charlottenburg, eine Ausstellung von Arbeiten unseres verstorbenen Freundes, des Baumeisters Alex Baerwald aus Haifa, eröffnet. Der starke Besuch zeigte, daß Baerwald unvergessen ist. Die Eröffnung der Ausstellung wurde nach kurzer Begrüßung durch den Vertreter der Hochschule mit einer ausgezeichneten Rede des Präsidenten des Architekten-Vereins, Kii h n, eingeleitet, der die bezaubernde Perc3;;Uchkeit Baerwalds und sein Werk mit feinem Verstandnis darstellte, vor allem auch seine tiefe Verknüpfung mit dem Aufbau Palästinas und dem zionistischen Gedanken. Die ausgestellten Entwürfe Baerwalds beziehen sich sämtlich auf pa- Fistinensische Bauten, an ihrer Spitze das Haifaer Technikum, und zeigen die Originalität und das echte künstkrische Gefühl Baerwalds, der nicht für eine Zeitmode baute, sondern für die Entwicklung eines dem Lande und seiner Bautradition angepaßten Stils. Außer den Architektur-Arbeiten umfaßt die Ausstellung noch eine Anzahl Zeichnungen, meist Reise- Skizzen, und eine Reihe palästinensischer Landschaftsgemälde, aus denen noch klarer der Künstler Baerwald hervortritt. Es wäre sehr zu wünschen, daß Vorsorge getroffen wird, diese starke Persönlichkeit uns dauernd lebendig vor dem Auge zu halten. Etwa durch Einrichtung eines Baerwald-Zimmers im Haifaer Technikum, in dem eine möglichst vollständige Sammhing seiner Bauentwürfe, seiner Zeichnungen und Bilder ihn dauernd mit diesem Werk verknüpft, dessen Bau er geschaffen und das er immer geliebt hat, E> A. Gemeinde und Hechaluz Die Berliner Zion. Vereinigung hat an den Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin und an den Vorstand der Gemeinde nachstehendes Schreiben gerichtet: Sehr geehrter Herr, der Beschluß der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin, die bescheidene jährliche Subvention von 2000 M. für den ״Hechaluz“ zu streichen, hat in den zionlsiischen Reihen Berlins die größte Entrüstung hervorgerufen, ln zehn Bezirksgruppen der Berliner Zionistischen Vereinigung haben ausführliche Erörterungen über dieses Fragen gebiet unter Anwesenheit auch vieler jüdisch interessierter Nichtzionisten stattgefunden. Bei jedem Bezirksgruppenabend haben sich Hunderte einmutig der Protestresolution angeschlossen. Wir gestatten uns, ihnen den Wortlaut der Resolution nachstehend zur Kenntnis zu bringen־ ״Die Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin hat es abgelehnt, dem ,Hechaluz‘ in Deutschland so wie in früheren Jahren eine Beihilfe von nur 2000 M. zu bewilligen. Die aus den liberalen Repräsentanten bestehende Mehrheit hat den Antrag nicht auf Grund sachlicher Kritik am ,Hechaluz‘ abgelehnt; sie hat den ,Hechaluz‘ in ihren Reden gelobt, nannte seine Organisation ausgezeichnet, seine Erziehung, die jüdische junge Menschen zu produktiven Berufen führt, vorbildlich. Sie hat den Betrag gestrichen, weil ihnen, wie ausdrücklich versichert wurde, die Gesinnung von Menschen, die für Palästina arbeiten und Nationaljuden sind, die hebräisch lernen und sprechen, nicht paßt. Sogenannte liberale Juden wenden die Methoden der Reaktion an, mit denen Immer versucht wurde, geistige Freiheit und freie Entwicklung zu unterdrücken. Der Beschluß der Repräsentantenversammlung ist ein Attentat aut die Gleichberechtigung aller Richtungen in der jüdischen Einheitsgemelnde. Er trifft nicht nur den ,Hechaltiz‘, er muß von allen bekämpft werden, die nicht dulden wollen, daß die geistige Entwicklung des Judentums durch Beschlüsse irgendwelcher Majoritäten in jüdischen Körperschaften geknebelt und reguliert wird. Unser Ruf geht an diejenigen Juden Berlins, die für Freiheit und gegen Engherzigkeit und Gewaltpolitik im jüdischen Leben kämpfen.“ ln vorzüglicher Hochachtung Berliner Zionistische Vereinigung, gez. Dr. Schön. Der Vorstand des Vereins der Besucher der Synagoge Rykestraße hat in seiner Generalversammlung vom 31. Ja» nuar eine scharfe Protestresolution gegen das Verhalten der Gemeinde In der Angelegenheit des Hechaluz beschlossen und in einem Schreiben den Vorstand der Jüdischen Gemeinde aufgefordert, für eine Revision dieses Beschlusses Sorge zu tragen. Palästina und ״Imperial Preference“. In der großen Rede, c"e der englische Schatzkanzler Chamberlaiu am vergangenen Donnerstag zur Zoll frage hielt, erklärte er u. a.: ,»wir schlagen vor, daß alle Produkte aus den Kolonien, Protektoratsländern und Mandatsterritorien entweder von den allgemeinen Zöllen oder von den zusätzlichen Zöllen vollkommen Befreit werden.“ Ob diese Worte *Ich auch auf Palästina beziehen, ist jedoch noch nicht restlos geklärt, da Palä sti י• יי als Mandatsland der Klasse ״A“ eine Stellung besitzt, die nach der Meinung maßgebender Instanzen staatsrechtlich anders zu beurteilen ist als die der übrigen MandatsJInder. Keren Hajessod in Belgien. Ke schweren wirtschaftlichen Erschütterungen, denen das belgische Judentum infolge des Pfundsturzes ausgesetzt war, haben eine grundlegende Re» Organisierung der Keren Hajessod-Arbeit in diesem Lande notwendig gemacht. Im Aufträge des Direktoriums des Keren Hajessod unterzog sich Frau Dr. Rahel Klompus dieser schwierigen Aufgabe und führte sie zu einem großen Erfolg. Es wurde eine ganze Reihe neuer Zeichner geworben und die Leitung der Keren Hajessod-Arbeit wurde in die Hände von Boris Aisenbud gelegt, einem Schüler der Ackerbauschule in Mikweh Israel und glänzendem Hebraisten. In Antwerpen und Brüssel sprach Frau Dr. Rahel Klompus in mehreren Versamtnlungen und hielt in Brüssel außerdem ein zionistisches Seminar für Frauen an acht Abenden. Die Brüsseler Wizo erhöhte ihren Mitgliederstand in dieser Zeit von 18 auf 100. Nürnberg-Fürth. In einer überfüllten Ortsgruppenversamm- Jung sprach am 16. Januar Herr Karl Olascr (Berlin) über: ״Was lehrt uns die jüdische Geschichte?“ Seine lebendigen und überzeugenden Ausführungen weckten größtes Interesse. Besonders hervorzuheben ist es, daß es dem Redner gelang, in sehr schöner und wirkungsvoller Weise den Zionismus als organischen Bestandteil der Geschichte unseres Volkes einzuordnen. Dr. Liebstaedter, der den Abend leitete, eröffnete auch die Diskussion, an der sich weiterhin die Herren B. F r e i - mann und Dr. M. Nußbaum mit bemerkenswerten Ausführungen beteiligten. Soeben erschien: Br. 8 der ielirtnenreitie der mmm Bimflsc&ar Dr. Gustav KnijanKer: zum Problem des neuen deutschen Nationalismus Eine zionistische Orientierung gegenüber den nationalistischen Strömungen unserer Zeit. ★ Preis 0.80 RM. zuzüglich 0.10 RM. für Porto. Ar Außerdem sind folgende Schriften erhältlich: Kurt Blumnnfnld, Im Kampf um den Zionismus .... 0.30 Or. Fnll* WnlUeh, judantum and NsUsnaüsmas . . . 0.50 Dr. A. Barth, Orthodoxie und Zionismus ...... 0.50 Uteraturvarrnletrnla zum Fragengnbint; .Zionismus and PaüatiBaaufbau*.0.30 0!» Jildiacha (das und Ihr• Trägar. Beitrign zur Frag« des jüdiidien UWaUamna und Nationalismus , . . 0.60 Sah, Oomllk, Herd b» seinen Tagnfefidbem ...... 030 Dokuments zur Palästina-Politik 1929/30 ..... 1.^- Zu beziehen gegen Voreinsendung des Betrages durch; ״IflOliche Rundschau“ Berlin W 1• / Meinekeatnße 10 Postscheck - Konto: Berlin Nr. 17392 Aus den Gemeinden Sitzung der Berliner Repräsentanten - Versammlung Die fünfeinhalbstündige öffentliche Sitzung vom 11. d. M. war die bewegteste und ernsteste der Repräsentanz seit der Uebernahme der Verwaltung durch die liberale Mehrheit. Man erlebte nach langer Zeit eine prinzipielle Auseinandersetzung, die ungeschmälert und unbehindert zum Austrag kam. Es handelte sich um die Debatte über den Antrag der Volkspartei, , der vom Vorstand eine Erklärung forderte, ob er sich der übe-. ralen Auffassung anschließe, wie sie in der letzten Zeit durch Führer und Sprecher der liberalen Mehrheit zum Ausdruck ge• j bracht wurde, daß die Gemeinde als Religionsgemeinde grund-. sitzlich alle volksbewußten, nationalen und auf das werdende ז jüdische Palästina gerichteten Bestrebungen abzulehnen habe. - ln dieser intoleranten Haltung erblickt die Volkspartei eine! ernste Gefährdung des Charakters der Ein-; h ei t s ge m e i nde, weil dadurch das Interesse am und die Arbeitsfreudigkeit im Gemeindelebcn für weite Kreise der Ber- Iiner Judenhcit zerstört werden. { Den Standpunkt der Volkspartei begründete Dr. K1 e c , t der gemäß dem Antrag der Volkspartei von der Ablehnung des Subventionsgesuches des Hechaluz und der liberalen Begründung dieser Ablehnung ausging und unter atemloser Spannung der Versammlung und der Galeriebesucher die Argumentation der Liberalen erbarmungslos, wenn auch in formell konniventer Weise, zerpflückte. Sich auf den liberale« Standpunkt der ״reinen“ Religionsgemeinde stellend, legte ev dar, daß gerade religiöse Einstellung die Förderung des jüdisehen Palästina geboten erscheinen lasse. Der Segen verganjener Geschlechter begleite das jüdische Paiästinawerk. wenn ile Liberalen in ihrer kurzsichtigen Haltung verharren, dann, sagte Dr. Klee, sei es vielleicht zum letzten Male, daß er in dieser Versammlung spreche und wenn der Vorstand nicht Im Sinne einer wahren Einheitsgemeinde Handeln werdej dann könne dieser Tag ein ״dies ater“ für die Beriiner Gemeinde werden. — Der Liberale Seligsoh n versuchte zu beweisen, daß der Antrag der Volkspartei formell kein Antrag sei und schlug vor, über die Forderung der Volkspartei zur Tagesordnung überzugehen. Wie ein Mann erhoben sich darauf die Mitglieder der Volkspartei, um die Sitzung zu verlassen. In diesem dramatischen Augenblick erhob sich der Führer der liberalen Fraktion, Dr. Fleischer, sprach sich gegen den Antrag Seligsohns aus und versuchte die Haltung seiner Partei gegenüber den volksparteilichen Forderungen zu begründen, er tat es in einer Form, die beruhigen sollte; in der Sache aber etikettierte er alle Forderungen der Volkspartei als Parteiforderungen, die die Liberalen im Sinne ihrer Wähler ablehnen müßten. Ihm trat in wirkungsvoller Weise Dr. Wolfsberg entgegen. Hierauf sprachen Beyer (Volkspartei), Woyda (liberal), Prof. Löwe (Volkspartei), Dr. Mayer (liberal) sowie zu persönlichen Bemerkungen Frau Wagner, Waldmann, Beyer und Woyda. Namens des Vorstandes gab Kammergerichtsrat Wolff die Erklärung ab, daß der Vorstand in seiner nächsten Sitzung zum Antrag der Volkspartei Stellung nehmen und dann in der Repräsentanz Erklärungen abgeben werde. Wir werden über den Verlauf der Sitzung in der nächsten Nummer ausführlich berichten. Hamburg. Bei der Neuwahl des Büros der Hamburger Repräsentantenversammlung wurde unser Gesinnungsgenosse Dr. Kalmus zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Damit Ist endlich der gerechten Förderung der Volkspartei. als der zweitstärksten Fraktion Rechnung getragen. Ke Wähl von Dr. Kalmus ertolgte mff fl gegen 9 sntnmen, die auf den bisherlgen Amtsinhaber fielen.־■י Unser Vertreter Im Gemeindevorstand, Rechtsanwalt David, der 12 Jahre lang ln Vorbildlicher Weise sein Amt verwaltet hatte, konnte infolge der eigenartigen Satzungsbestimmungen der Hamburger Gemeinde nicht zur Wiederwahl gestellt werden. An seine Stelle wurde unser Gesinnungsgenosse Berl Weißberg in den Vorstand gewählt. Mit Weißberg, der seit drei Jahrzehnten unserer Bewegung als aktiver Kämpfer angehört, tritt zum ersten Male ein Ostjude in den Vorstand der Hamburger Gemeinde. Zum Vorsitzenden des Verbandes der Jüdischen Gemeinden Schleswig-Holsteins und der Hansastädte, Sitz Hamburg, wurde unser Qesinnungsgenösse Dr. Manasse (Altona) gewählt. Der bisherige Vorsitzende, unser Gesinnungsgenosse Dr. Victor (Wandsbek), der 20 Jahre lang den Verbandsvorsitz geführt hatte, mußte wegen Arbeitsüberlastung eine Wiederwahl ablehnen. Die Freie Jüdische Volkshochschule widmete den ersten kontradiktorischen Abend dieses Semesters der Frage der religiösen Formen. Als Redner standen einander gegenüber der Prediger der Reform-Synagoge Dr. Rosenthal für die liberale Richtung und Rabbiner Dr. Emil Bernhard-Cohn für die konservative Richtung. Die Debatte vermochte zunächst nicht ganz die richtige Abgrenzung der beiden Richtungen zu finden, da man vielfach mit Tautologien arbeitete, mit Worten, die von bejden Seiten akzeptiert wurden, während jede Partei sich etwas anderes dabei dachte. So geschah es, daß auch der liberale Prediger gegenüber dem einleitenden Vortrag Dr. Cohns betonen konnte, daß die Überale Richtung den Wert der Formen im religiösen Leben durchaus hochschätze und bejahe und auch den Gemeinschafts- Charakter des Judentums anerkenne. Erst im weiteren Verlauf der Diskussion vermochte Dr. Cohn, auf dessen Seite fraglos die geistige und philosophische Ueberlegenheit war, den eigentliehen Difterenzpunkt herauszuarbeiten, indem er daraut hinwies, es gehe nicht um Formen schlechthin, sondern um die Anerkennung der Verbindlichkeit der konkreten, fest umrissenea traditionellen Formen des Judentums aus ihrem metaphysischen Urgründe her. So wurde die Auseinander- Setzung schließlich auf den entscheidenden Gegensatz zwischen Orthodoxie und Liberalismus hingedrängt, nämlich die Frage der Anerkennung der Offenbarung als konstitutives historisches Ereignis des Judentums. Dr. Cohn sieht das Wesen der Religion, im Gegensatz zu einer mehr gefühlsmäßigen Religiosität, vor allem in dem Gehorsam gegenüber dem göttlichen Gebot, ohne den Versuch einer verstanaesmäßigen Nachprüfung des Sinnes der einzelnen Vorschriften. Demgegenüber betonte Dr. Rosenthai den Entwicklungsgedanken und die Gefahren eines Erstarrens in leerem Ritualismus. Wenn auch auf diese Weise schließlich die gegensätzlichen Standpunkte klarer herauszearbeitet wurden, so war für die Hörer doch kaum eine Berelcherung an neuen Gesichtspunkten als Gewinn des Abends zu buchen. zk, Hauslehrerstelle (Zimmer und Verpflegung) in einem ritueilen Haus in Berlin oder in einer anderen Universitätsstadt von jungem Studenten, Absolvent einer Oberrealschule,‘ gesucht. Betreffender übernimmt Beaufsichtigung der Senularbeiten, Nachhilfeunterricht, ferner Erteilung von hebräischem und Violin-Unterricht an den Nachmittagen. Beste Referenzen. Zuschriften sind zu richten an: Max Weiner, Dresden-A., Cranachstr, 6, _