Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 9 (2.2.1932)
- Date
- 1932-02-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Das neue Protokoll der Mandatskommission Einzelnummer 0,2s Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint joden Dienstag u.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,—1 Goldmark, vierteljährlich 5.75 Goldmark, AuaUnd«Abonnemenw werden in dm Währung der •ia**ln#o Lander harechneL AnreiEenpret*■ * pesp. Nonpareillezelle 0.50 G.-M. Stellengeauche 0*25 G.-M. Nummer 9 I Berlin, 2, 11. 1932 Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b. H,, Berlin W15, Meinekestr.10. Telefon: J 1 Bismarck 7165-70. Anzaigaaschlulfc Dienstag und Freitag nachmittags 4 Uhr Redaktion»*chluE Sonntag und Mittwoch nachmittag. Postscheck - Konten : Berlin 1739$. Basel V 9355, Belgrad 68012, Brüssel 394 33, Budapp 59693, Damig 1973, Haag 140 470. Prag 59410, Riga 4155. Satssburg 16430» War*ck*n 190708» Wien 156030. Bank -Konten: Dsrmstidtej׳- and Naucmalhsak, Depoettea*Kaeae Berlin. Kurfünnendamin 52 Rumänisch« Kreditbank, Gernautt (Rumänien); Anglo Palestine Co. jn Hai{*, fernsaJero, Tal -Aviv Der Zionismus erstrebt für da» jüdische Volk die Schäftung einer Sffantllch rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm." Krise des Völkerbunds? Die arabische Exekutive beim High Commlsstoner Jerusalem, 30■ Januar. (J.T.A.) Der Präsident der arabischen Exekutive, Muza Kazim Pascha, und die Sekretäre der Exekutive, Dschemal Hussein! und Auni Bey Abdul Hadi, besuchten am 27. Januar den High Commlssloner Sir Arthur Wauchope und unterbreiteten ihm die Forderungen der arabischen Exekutive hinsichtlich der zukünftigen Verfassung Palästinas und des Landentwicklung»- plans. Auni Bey Abdul Hadi trat leidenschaftlich für die Schaffung eines Parlaments in Palästina ein. Wie die JTA. erfährt, war die Antwort des High Commissloncr auf diese Forderung vollkommen unverbindlich. Bevor der High Commissloncr die arabischen Reprisentanten empfing, lud er den Leiter der Zionistischen Exekutive Palästinas, Dr. Chaim Arlosoroff, zu sich ein und hatte mit ihm eine Unterredung, die etwa!1/0 Stunden dauerte. (Wir veröffentlichen diese wichtige Nachricht in dem von der JTA. übermittelten Text, obwohl uns zweifelhaft ist, ob die Form, die die JTA. dieser Meldung gegeben hat, ■sehr glücklich ist. — A. d. R.) In aller Kürze Da die in der vorigen Woche eingeleiteten Verhandlungen zu keinen Resultaten führten, dauert nach den letzten Meldungen der Lchrerstreik in Palästina noch immer fort und die Schulen der Jewish Agency bleiben weiter geschlossen. Sir Frank Boyd Merriman, der die Jewish Agency 1929 in Palästina vor der Shaw-Kommission vertreten hat, ist zum Kronanwalt der Nationalen Regierung ernannt worden. Er hatte schon unter der letzten konservativen Regierung das Amt eines Kronanwalts der Regierung innegehabt. Die 23. Convention der kanadischen Zionisten, die in den letzten Tagen unter Teilnahme Sokoiows in Montreal abgehalten wurde, brachte einen Ausgleich der langdauernden Kümpfe innerhalb der Organisation. A. Fr ei man wurde zum Präsidenten gewählt. Der ״Gerer Rebbe“ ist am 28. Januar in Begleitung seiner Familie in Haifa eingetroffen. Aus allen Teilen Palästinas trafen in Haifa Chassidim zur Begrüßung des Rabbi ein. Chaim Engel, einst ein Führer des Misrachi in Lodz, der sich 1926 in Petach Tikwah als Orangenpflanzer ansiedelte, wurde am 27. Januar abends bei einem Zusammenstoä seines Autos mit einem •anderen Fahrzeug in der Nähe der Kolonie Bnei Brak getötet. Ing. S. .Kaplansky hat die Leitung des Haifaer Technikums übernommen. Paul Rohrbachs Palästina-Eindrücke. ״Dieser eine Tag war der interessanteste meiner Weltreise“, erklärte der Münchener Professor Paul Rohrbach dem Sekretär des Keren Hajessod, Herrn Leo Herrmann, vor seiner Abreise nach Europa. Paul Rohrbach kam von seiner sechsmonatigen Reise, die ihn über Amerika, Japan, Indien, China und Aegypten geführt hat, nach Palästina. Er besichtigte hier mehrere jüdische Siedlungen. Rohrbach sagte weiter: ״Ich war zum ersten Male in Palästina im Jahre 1898. Damals bin ich von Damaskus durch Transjordanien und Palästina geritten und fand den Emek Jezreel noch ausschließlich von Beduinen besetzt, ohne ein Zeichen von Ackerbau. Das zweite Mal war ich im Lande im Jahre 1911. Der Fortschritt, den das Land in diesen Jahren gemacht hat, ist überraschend, ja überwältigend. In Stadt und Dorf sieht man neues Leben. Ich hoffe, ich werde Gelegenheit haben, in Wort und Schrift von meinem Aufenthalt in Palästina zu berichten.“ — Wie wir erfahren, wird Paul Rohrbach demnächst in einer größeren Veranstaltung in Berlin über seine Palästina-Eindrücke sprechen. Zusammenschluß der jüdischen Organisationen Deutschlands zur Behandlung der wirtschaftlichen und sozialpolitischen Probleme. Der Preußische Landesverband Jüdischer Gemeinden teilt mit: Am 30. Januar traten auf Einladung des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden unter dem Vorsitz von Dipl.-lng. Bruno Woyda Vertreter der Zentralwohlfahrtsstelle ricr deutschen Juden, der Hauptstelle für jüdische. Wanderfür- '0rge und Arbeitsnachweise, des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, der Großloge für Deutschland U. O. O. B. und ihres Schwesternverbandes, der ״Ort“-GeselIsrhaft, des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands, des Reichsaus- -chusses der jüdischen Jugendverbände und des Jüdischen Frauenbundes zusammen, um die Gründung einer Arb eit sgern ein schaff für Wirtschaftsfragen der Juden in Deutschland vorzunehmen. Damit ist die berufene Stelle geschaffen worden, die unter Ueberbrückung aller innerjüdischen Gegensätze und Vermeidung eines unproduktiven Nebeneinanderwirkens der verschiedenen Organisationen die vorhandenen Kräfte zusammenfaßt, um die Wirtschaftsnot unter den deutschen Juden durch sofortige praktische Maßnahmen und planvolle Gestaltung der künftigen Berufsschichhing der Juden zu lindern. Der Arbeitsgemeinschaft gehören als fachmännische Berater Staatssekretär Prof. Dr. Hirsch, Dr. Alfred Marcus, Dr. Kurt Zielenziger, Dr. Jakob Segall, Fritz Naphtali, Lestschinsky und Adler-Rudel an. Für die beteiligten Organisationen waren erschienen: Dr, Kreutzberger, Syndikus Dr. Berlak, Dr. Siegfried Moses, Dir. Gereon Bach, Dr. Frieda Sichel-Gotthelft, Prof. Frankfurt, Wilhelm Graetz, Max Silberberg, Dr. Ludwig Tietz, Prof. Frieda Wunderlich. Als erste Aufgabe soll eine ständige Fühlungnahme mit geeigneten Vertretern der verschiedenen Wirts c b a f t s 7 w e i g e (Großhandel, Einzelhandel, Industrie, Bankwesen, Handwerk usw.) hergestellt werden, um die besonderen Berufsaussichten für Juden in den einzelnen Branchen genau verfolgen zu können. Als zweiter Punkt gelangt die Frage des Ausbaus des jüdischen Arbeitsnachweis wesens durch Erfassung aller irgend in Betracht kommenden Orte zur Beratung. Die von der Sitzung eingesetzten Kommissionen sollen in etwa drei Wochen berichten. Die Vorgänge im Fernen Osten versetzen die ganze Menschheit in größte Erregung, weil man fühlt, daß die äußerst gespannte Weltlage, sofern sich an einem Punkte der Erdoberfliehe der Funken entlädt, aus dem Gleichgewicht geraten kann, und weil man zu der Fälligkeit und Entschlossenheit der Machthaber, eine Konflagration zu verhindern, kein Vertrauen mehr hat. Sorgenvoll blickt man nach jenen fernen Punkten der Erde, verfolgt die überstürzenden und doch unklaren Nachrichten, und jeder fühlt im Grunde schaudernd die eigene Ohnmacht, der Entwicklung der Dinge irgendwie entgegenzutrefen. Dies ist aber heute von weit größerer moralischer Tragweite als cs in der Zeit vor dem Weltkrieg gewesen wäre. Denn man kann sich heute nicht mehr damit abfinden, daß irgendwo, viele tausend Kilometer entfernt, zwei Völker aneinander geraten, heute bedeutet ein solcher Zwischenfall eine Bedrohung des ganzen Weltsystems, eine offene Enthüllung des Bankerotts der Ideen, die nach dem Ende des Weltkrieges mit so großer Emphase proklamiert worden sind. Es ist heute beinahe schon so weit gekommen, daß man sich dem Fluch der Lächerlichkeit aussetzt, wenn man an den Namen des einst so umschwärmten, als eigentlichen Gestalter einer neuen Welt gefeierten Wilson erinnert. Aber auch w'enn man Wilsons Person aus dem Spiele läßt, ist doch die Gründung des Völker- Bundes und manches andere als der Versuch betrachtet worden, eine neue Solidarität der Staaten und neue Methoden der Politik zu entwickeln. Heute befindet sich der Völkerbund in der stärksten Krise, die er je durchgemacht hat. Wahrend die Abrüstungs-Konferenz Zusammentritt, tobt ein Krieg zwischen zwei Mitgliedern des Völkerbundes, der nur darum nicht als ״Krieg“ bezeichnet wird, weil die Kampfhandlungen ohne vorherige ausdrückliche Kriegserklärung vor sich gehet!. Der Völkerbund erweist sich machtlos, ja man merkt deutlich, daß es ihm sehr unangenehm ist, seine Pflicht zu erfüllen. Als der Völkerbund das seiner Idee widersprechende Prinzip der uneingeschränkten Souveränität der Staaten faktisch wieder anerkannte, hat er sich selbst zur Machtlosigkeit verurteilt. Oft macht cs den Eindruck, als ob in Genf ein gespenstisches Theater vor sich gehe, w ährend die Herren, die dort spielen, das mehr oder 461.*»״ deutliche Bewußtsein haben, daß die eigentlichen Entscheidungen anderswo fallen. Wir haben in der ״Jüdischen Rundschau“ am 13.11. ■vorigen Jahres den Aufsatz eines Genfer Mitarbeiters abgcdruckt, der sehr eindrucksvoll diese Genfer Stimmung anläö-!ich der letzten Völkerbund-Versammlung schildert. Stehen wir nun wirklich vor dem De bade des Völkerbundes? Man könnte trotz allem auf seine Wiederaufrichtung und an die allmähliche Erfüllung seiner — anerkanntermaßen schwierigen — Aufgabe hoffen, wenn er den Glauben an sich selbst wiederfändc. Zionismus und Die Auseinandersetzung mit den knmmuni.ttisr.hen Ideen und mit der von Rußland ausgehenden Propaganda beschäftigt heule, so wie die jungen Menschen aller Völker auch viele jüdische junge Menschen und darunter auch einen Teil der zionistischen Jugend. Der heutige Zustand der Weltwirtschaft und die offenkundigen Mängel der modernen Gesellschaft begünstigen radikale Ideen, sei cs — wie B. bei einem großen. Teil der deutschen Jugend —- nationalistische, s« es kommunistische. Diese Stellungnahme wird auch bei jüdischen Menschen nicht primär durch jüdische Motive beeinflußt, und. so hat. sich dann auch folgerichtig die kommunistische. Propaganda niemals an das jüdische Empfinden ah solches gerichtet. Ein großer Teil der jüdischen Jugend ist jedoch durch die. zionistische Erkenntnis hindurchgegangen und versteht, heute, daß es für Juden einen Zugang zu den großen Problemen, des Lebens nur durch diejudenfrogehin durch gibt. Die gewandte kommunistische Propaganda hat mm prompt ein Mittel zur Hand; sic tut. so, als ob auch für die kommunistische Entscheidung die. Juden frage der Ausgangspunkt sein könnte.. Auf diese Weise, hofft ))um, diejenigen jüdischen Kreise, die durch den Zionismus zum. Verständnis der Judenfrage erzogen sind, für den Kommunismus gewinnen zu können. Nichts ist natürlicher, als daß diese Art, Propaganda daher in erster Linie und so gut wie ausschließlich sich gegen den Zionismus ״Die Mystik des Warenhandels״ Zum Thema ״Kommunismus und Zionismus" Von Dr. Felix Weltsch, Prag. Nun ist der Apostel des Untergangs des Judentums auch nach Prag gekommen und hat im Saale der Städtischen Bibliothek einem begeisterten Parterre von Prager kommunistisehen Juden und Jüdinnen seine frohe Botschaft vom Untergang des Judentums verkündet. Er erhielt wohl von seinen Anhängern viel Applaus, aber es schien doch, als habe er weniger gehalten, als er versprochen hatte. Denn in seinem Prager Vortrage ließ er nicht das ״Judentum“ untergehen, in dem Sinne, wie dieses Wort allgemein gebraucht wird, sondern er verkündete bloß den Untergang der ״Warenverkehrsfunktion“ der Juden, Für ein Fortleben der jüdischen Nation setzte er sich jedoch mit hellem Pathos ein. War also vielleicht der Titel nur feuilietonistisch gemeint? Das wäre freilich mit der so gern betonten Wissenschaftlichkeit seiner Darlegungen nicht ganz vereinbar — vom Ernste des Themas g|r nicht zu reden. Nein, der Titel war ernstlich gemeint. Es war wohl nicht der Titel dessen, was er behauptete, wohl aber der Titel dessen, was er propagierte. Und darum »ush• der Applaus, Für die zionistische Welt sind die Vorgänge der letzten Tage von unmittelbarem Interesse. Nicht mir, weil jede Veränderung in Asien irgendwie Ihre Fernwirkung bis Palästina ausstrahlt, sondern vor allem, weil die Regierungsform Palästinas mit dem Völkerbund verbunden ist. Der Völkerbund hat das Palästina-Mandat bestätigt und er prüft alljährlich durch sein zuständiges Organ, ob die Verwaltung sich im Einklang mit den Mandatsbestimmungen vollzieht. Wenn die Schwäche des Völkerbundes in so eklatanter Weise zum Vorschein tritt, dann verändert dies auch den Begriff des Mandates. Auch bisher stand' die Wirklichkeit mit dem Begriff kaum in Einklang. Die Aufsicht des Völkerbundes gilt zwar auf dem Papier, in Wahrheit aber ist sic eine überaus geringe Einschränkung der souveränen Machtvollkommenheit des Mandatars. In Palästina zeigt sich das ganz deutlich, denn die palästinensische Verwaltung hat sich im Laufe der Jahre immer mehr zu einer ganz automatischen, im Grunde niemandem verantwortlichen Behörde entwickelt. Wir haben in der vorigen Nummer die charakteristische Episode erwähnt, die sich in dem Kampf um die Neuwahl des orthodoxen Patriarchen ereignet hat: Der palästinensische oberste Gerichtshof selbst hat seinem Befremden Ausdruck gegeben, daß die Regierung den Bertram Young-Bcricht aus dem Jahre 1925, der eine Berücksichtigung des arabischen Laienelementes fordert, nicht durchgeführt hat. Aber die palästinensische Regierung ist ja überhaupt nicht genötigt, irgend etwas zu beachten, was ihr nicht paßt. Auch die als Material für akademische Dissertationen sehr interessanten Verhandlungen der Mandats- Kommission ändern an diesem Zustande nichts. Wir haben darum in der ״Jüdischen Rundschau“ schon vor Jahren vor jenen Illusionen gewarnt, die manche zionistische Politiker auf einen Appell an den Völkerbund gegen die Mandatarmacht riehteten. Dr. Wei/mann versuchte stets den zionistischen Kongressen klarzumachen, daß wir mit England zu tun haben, und zwar mit dem England, wie es wirklich ist und nicht, wie cs manche Zionisten haben möchten. Die moralische Bedeutung von Genf für die Propaganda und für die öffentliche Meinung 8011 darum nicht bagatellisiert werden. Aber wenn «s Hart 'bsii'gelit, wenn wirklich tnierostii gege1r.|(1i'cres»»..‘rs&׳Ei*.••:,•׳ dann kann Genf weder tatsächlich noch moralisch hell«. Dies zeigt sich jetzt in erschütternder und deprimierender Weise an-., läßlich des japanisch-chinesischen Konfliktes. Noch besteht die Hoffnung, daß durch Bemühungen anderer Mächte der Friede erhalten bleibt oder wiederhergestellt wird. Wenn dies nicht gelingt, dann sind freilich die Folgen unabsehbar, und zwar nicht nur die unmittelbaren Folgen, sondern auch die mittelbaren, die sich aus der notwendigen Revision in der Beurteilung der ganzen gegenwärtigen Weltordnung ergeben. Kommunismus wendet, obwohl es bei vernünftiger Ileberlegung unverständlich ist. warum gerade der Kampf gegen den Zionismus ein״ wichtige Angelegr.nhe.it des Kommunismus sein sollte. Laie jüdischen Kommunisten, die ihre Propaganda unter dem Gesichtspunkt drr Juden frage betreiben, nutzen also gewissermaßen eine allgemeine Konjtinklur ans, die ohne ihr Hinzutun aus ganz anderen, ('!runden, bcstrht, und erzengen dailurch Gegensätze, die unseres Erachtens nicht, wesensnotwendig sind. Wir hatten schon mehrfach Gelegenheit, ןins mit. dir Propaganda des unermüdlichen Herrn Ofto Heller, der von. den Kommunisten zum. Farhmann der Judenfrage, ernannt, wurde und ein Buch ,.Der Untergang des Judentums“ geschriebm 1 bat, :11 hesrhäft'gni. Kürzlich hat Alfred Döbhn. in. witziger, aber treffender H’m״ dt■' Propagandanirfhoden. der von, Heller geführten. ,.Gescrrl', die, sich in ihren Vorlaufbanjngrn, irreführender w׳ eise, als ..obsolet üherporteilieh'' bezeichnet, charakterisiert. ln. der vergangenen Woehe hat Otto Heller in Prag seine. Rede, gehalten, worauf ihm in. der Diskussion mehrere Zionisten, darunter Mar. Brnd, entqrgmgclrelen sind. In der Prager ,.Selbstuichr'* nimmt Dr. Tchr. Wrltsrh. zu, dem. Vortrag imn Heller in einer — wie uns scheint — sehr gelungenen Analyse, bt'l• hing. Wir gehen dem. Aufsatz, der nu-h dm Leser unseres Blattes interessieren wird, nachstehend, wieder. Red. Es waren eigentlich drei T h e men, die Otto Heiler in seinem Vortrage zu einer Einheit zusammenschmolz — Themen, die im Grunde keine vollkommene Einheit sind. Und zwar 1. die Leistungen der Sowjetunion für die Produktiviertmg der russischen Juden, 2. eine materialistische Erklärung der jüdisehen Geschichte und 3. Kampf gegen den Zionismus. Die Leistung der Sowjetunion für die Produkt!- vierung der russischen Judenheit war der positive Teil seines Vortrags und ist auch der positive Beitrag des russischen Kommunismus zur Lösung der Judenfrage. Nach den Zahlen, die Heller vorgebracht hat, die wir allerdings nicht kontrollieren können, winkt hier wirklich ein Erfolg, freilich nicht für das ״Judentum“, sondern für die Juden. Aber auch dieser ist wahrhaft nicht zu verachten. Daß damit die Juden frage nicht gelöst ist, liegt auf der Hand; sie fäng.t nämlich hier erst an; davon hat Herr Otto Heller freilich keine Ahnung; er gibt selbst zu und erklärte zu Anfang seines Vortrages stolz und feierlieh, daß ihn die Judenfrage vom Standpunkt des Juden überhaupt nicht interessiere; und man kann wirklich nicht verlangen, daß jemand etwas als schweres Problem empfindet, das ihn überhaupt nicht interessiert. Uns freilich interessiert die Judenfrage von unserem jüdischen Standpunkte aus und darum werden wir uns mit Herrn Heller wohl nie verstehen