Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 98 (18.12.1931)
- Date
- 1931-12-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 576 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 98, 18. XII. 1931 allen Lebens; der Weg aber ist uns aufgegeben. Immer strebend sich bemühen, das Unrecht in der Welt zu verkleinern, sich hierbei als Helfer Gottes betrachten, im volle« Bewußtsein der logisch nicht auflösbaren Paradoxie einer solchen Konstruktion, immer von neuem beginnen. Das ist ״Jüdisch“ gesehen — des Menschen Los. Es ist, notabene, aut die Judenfrage angewandt, der Weg des Zionismus, der -- nach einem Wort Kurt Blurncnfelds -- den ״vorletzten Dingen“, nicht den ״letzten Dingen“ gilt, also Schaffung irdischer Bedingungen mit dem Bewußtsein, daß die ״letzte“ Entscheidung in einer anderen Ebene fällt. Beides hat seinen eigenen Sinn: Das ״Diesseitswunder“ der Liebe neben dem Jenseitswunder der Gnade. Der Roman endet pessimistisch: mit dem Ausbruch des Weltkrieges, dem Einbruch der dunkelsten Höllenmächte in eine Welt, die nun trotz allen geistigen Qualen, gemessen an der Gegenwart, noch als eine Art Idylle erscheint. Stefan Rot ז ( Max Brod) verwirft den Krieg als Phänomen des Untermenschentums. Er geht mit seinem jüdischen Freund Lion zum Chefredakteur einer tschechischen Tageszeitung, dem als Philosophen der Humanität bekannten Professor Masaryk, um eine Aktion gegen den Krieg anzuregen. Aber die beiden jungen Leute finden auch dort nur Abweisung und nationale Vorurteile. Da versinkt die Welt Stefan Rotts, so sehr, daß sie für die heutige Generation nur noch historisch ist. Dieser Tage hat Prof. Lederer in der ״Frankfurter Zeitung“ über das oft vergessene Phänomen berichtet, daß die heutigen Studenten gar keine Beziehung zur Vorkriegsweit mehr haben. Dies erklärt so manches. Und doch ist Max Brods neuer Roman nicht inaktuell. Denn die Probleme, die er behandelt, sind in eigentümlicher Weise heutige. Der hier mit Anfech- ■hinget! ringt, ist ja mehr der Max Brod von 1031 als der Rott von 1014. Es muß dem Dichter gedankt werden dafür, daß er einen so starken Vorstoß zur Entlarvung einer oft verschieb erten Problematik unternommen hat Nun haben wir noch nicht von dem Jüngling Stefan Rott und seiner Liebe zu Frau Phyllis erzählt, nichts von dem dämonischen Schieber Dr. Urban, von Anton Liesegangs Charme, von den zauberhaften Sommerabetiden auf geheimnis״ vollen Plätzen der Prager Kleinseite, von den Verschwörerkneipen der tschechischen Anarchisten und den Zuckungen des alten Oesterreich und vielem andern in diesem reichen Buch. Wir müssen es uns versagen. Es heißt, daß man ״Romane“ jetzt nicht liest. ״Stefan Rott“ ist kein Unternaltungsbuch, es ist so etwas wie ein ״Roman für Männer“. Auch ein Buch der ״Krise“. Mögen viele dazu greifen. Robert Weltsch. Johann Christof. Von der volkstümlichen Sonderausgäbe von. Roma in Rollands ,,Johann Christof“, deren erster Band hier bereits angezeigt war, sind inzwischen auch der zweite ״Johann Christof in Paris“ und der dritte ״Johann Christof am Ziel“ (im Verlag Riitten fk Loening, Frankfurt a. M.) zu dem billigen Preis von je 3,75 M. erschienen, so daß jetzt das ganze umfangreiche Werk in dieser Ausgabe vorliegt. Die Idee ״Europa“, diese Einheit bei aller Mannigfaltigkeit der Volkstypen und Nationalcharaktere, wird in diesem Buch lebendig. Der zweite Band, der in Paris spielt und vielen Liebhabern des Buches der liebste ist, führt uns auch eine ganze Reihe jüdischer Gestalten vor, die der Dichter mit der ihm eigenen Kunst charakterisiert und psychologisch durchleuchtet. Romain Rolland hat tiefes Verständnis für die Judenfrage. Er begnügt sich nicht mit den konventionellen Deutungen der Assimilationszeit, er sieht die wahren Zusammenhänge, erkennt jüdisches Wesen und dessen Wurzeln. Seine jüdischen Figuren sind individuell gezeichnet, aber über die Eigenart der Person hinaus gewinnt man Einblick in die jüdische Seele. Als besondere Stärke empfinden wir, daß der Dichter keine Einseitigkeit begeht, die Vielfalt jüdischer Typen, ja die Polarität jüdischen Wesens ist ihm bewußt, und gerade durch diese überlegene Schau wird das Bild des Jüdischen nur um so eindringlicher. Das französische Judentum, das gewöhnlich als vollständig assimiliert gilt, erscheint uns hier als ein Einzelfali des Judentums überhaupt; es sind dieselben jüdischen Typen wie diesseits des Rheins — Einheit der Judenfrage. Aber schließlich sind in dein Roman die Juden nur Episodenfiguren, Inseln im breiten Strom dieses gewaltigen Epos, das Menschen und Länder an dem Leser vorüberziehen läßt, die Schicksale und die Charakterbildung des Helden in großer Steigerung darstellt. Eine Johann Christof-Renaissance wäre im Zeitalter der Kriegs- und Nationalromane sehr am Platze. ״Loris". Vor kurzem war an dieser Stelle die neue Sammlung Hofmannstalscher Prosa, die unter dem Titel ״Die Berührung der Sphären“ bei S. Fischer erschienen ist, als Dokument der Kulmination einer Kultur, in der sich Nord und Süd, West und Ost eigentümlich und einmalig mischten, tepriesen. Der ״Osten“ wird dabei durch das jüdische lement repräsentiert, das gerade in dieser Einkleidung besonders hervortritt. Beim Tode Arthur Schnitzlers, des jiidisehen Dichters, erinnern wir uns der Verse, die einst der junge Hofmannstal unter seinem Pseudonym ״Loris“ (er durfte als Gymnasiast nicht unter seinem Namen schreiben) dem Schnitzlerschen ״Anatol“ gewidmet hat, Verse, die wie das schmerzliche Selbstbekenntnis einer schwach gewordenen jüdischen Generation klingen: Also spielen wir Theater, Spielen unsere eigenen Stücke, Früh gereift und zart und traurig, Die Komödie unserer Seele, Unseres Fuhlens heut und gestern, Böser Dinge hübsche Formel, Glatte Worte, bunte Bilder, Halbes, heimliches Empfinden, Agonien, Episoden . . . Wassermann hat einmal vom Juden als Schauspieler gesprochen, aber niemals wurde so eindringlich dieses Komödie- Spielen, diese Welt der Halbheit und Dekadenz enthüllt wie hier; und man begreift, daß dies ein Wendepunkt war, von dem aus das Judentum zu sich selbst umkehren mußte. Hofmannstal ist die edelste Blüte dieses üppig wuchernden Baumes; darum ist es dankbar zu begrüßen, daß auch die (fast unzugänglichen) Schriften des jungen Loris, erstaunliehe Gebilde eines dichterisch erfüllten Stiles und einer weit ausgreifenden europäischen Geistigkeit des 17—20jährigen Jünglings, in einem Bande gesammelt, mit Nachwort von Max Mell, bei S. Fischer, Berlin, erschienen sind. Es sind kleine Essays über literarische und künstlerische Gegenstände, die das letzte Jahrzehnt des 10. Jahrhunderts auflcben lassen. Diese beiden Bände Hofmannstalscher Prosa sollten gerade in unserer Zeit der Idealisierung des Barbarentums eine Aufgabe zu erfüllen haben. m:i, ״Scheilocks letzte Tag*•“ In Nr. 70 der ״Jüdischen Rundschau“ hat Bertha Badt-Strauß das neue Buch von Ludwig L e w i s o h n ״The last davs of Shyloek“ besprochen. Nunmehr ist das Buch in deutscher UÜbersetzung von Magda Kahn im Verlag Paul List herausgekommen (6 M.). Ein Buch von Ludwig Lcwisohn ist für Zionisten immer eine wichtige. mH Interesse und Spannung aufgetioinmene Gabe. Ist doch Lewisohn eine der merkwürdigsten und typischesten Figuren unseres zeitgenössischen Judentums, ein Mann, der, vollständig unjüdisch erzogen, erst im vorgeschrittenen Maimesalter den Eine jüdische Studenten-Nation in Wien Aus Wien wird berichtet; Der Bundesminister für Unterrieht, Dr, C z e r mak, hielt in einer Versammlung katholischer Studenten eine Rede über den Regierungsentwurf betreffend das Studentenrecht. Er erklärte sich für die Schaffung einer ״Jüdischen Studenten-Nation“ neben der deutschen Studenten-Nation und meinte, auch Juden, die ihren Glauben gewechselt haben, gehören in die jüdische Studenten- Nation. Eine Ausnahme müßte für solche von Juden abstammende Studenten bestehen, die Generationen hindurch innerhalb des deutschen Volkes erzogen worden sind. Sonst aber, fuhr Dr. Czcrmak fort, sei die deutsche Studenten- Nation kein Refugium für Juden, welche wegen ihres Uebertritts zu einem anderen Glauben von den (utlen abgewiesen werden. Dr. Czcrmak führte dann wörtlich aus: ״Ich schätze sein■ die jüdische Nationalität, die das jüdische Volk Zusammenhalt, obwohl es Land und Sprache seiner Vergangenheit verloren hat. Die zu schaffende jüdische Studenten-Nation wird alle dem jüdischen Volke Zugehörigen einsclilieBeii: Zionisten, Demokraten, Sozialisten. Üebrigeiis wird jede Studenten-Nation selbst darüber zu entscheiden haben, wen sie autniinmt und weil nicht; in strittigen Fällen wird die autonome Universitäts-Behörde die letzte Entschcidüng haben." Dr. Czcrmak machte Ausfälle gegen die liberale Presse Oesterreichs und sagte, ״deutsch geschriebene Blätter“ seien noch keine ״deutschen Blätter“. Für den jüdischen Studenten ist seine deutsche Sprache kein Hindernis für seine Zugehörigkeit zum jüdischen Volke. Wem würde es z. B. einfallen, die Ostjuden wegen ihres dem Deutschen ähnlichen Idioms als dem deutschen Stamm zugehörig zu betrachten. Die Ostjuden selbst würden sich dafür bedanken. Im übrigen werden alle Studenten-Natiouen volle Gleichberechtigung genießen. (? Red.) Die liberale und sozialdemokratische Presse Oesterreichs greift Czcrmak wegen dieser Rede sehr scharf an und meint, er habe schon ganz als Nationalsozialist gesprochen. Nach seiner Theorie, schreibt die Presse, wäre Disraeli kein Engländer und Heine kein Deutscher. Czermak unternehme es, d i e D c 111 s e h e 11 j ii d i s c h e n Glaubens zum Z i o 11 i s in u s z u 11־ e i b e n. * Soweit die Berichte aus Wien. Zur Sache ist von unserem Standpunkte zu erklären, daß Czermaks Ausführungen, für sich betrachtet, in den wesentlichsten Punkten durchaus richtig sind. Fraglich bleibt, von welchem Animus die von Czermak geäußertem Meinungen bestimmt sind. Die Vermutung liegt leider nahe, daß cs nicht um Klärung des Sachverhaltes allein geht, sondern um die Erlangung einer rechtlichen Handhabe zur differenten Behandlung der einzelnen Studenten-Nationen. Wenn das der Fall ist, so muß man sich gegen derartige Absichten, mögen sie sich auch in der einwandfreien Form richtiger Diagnosen und Vorschläge verbergen, entschieden zur W'ehr setzen. Die Sachlage ist natürlich außerordentlich verwickelt wie die meisten Probleme, die in Verbindung mit der jüdischen Gemeinschaft in der Diaspora stehen. Sie ist ein Ausfluß der unglückseligen jüdischen Entwicklung in der Diaspora und die Quelle von Spannungen, Reibungen, Ungeklärtheiten, die in der Existenz der sich in Auflösung befindlichen jüdischen Gemeinschaft innerhalb der Umwelt liegen. Der Zustand als solcher besteht, womit aber nicht dargetan ist, er sei normal und sinnvoll. Er bedarf vielmehr der bewußten Ae 11 derung durch ein aktives, sieh selbst bejahendes Judentum. Weg zum Judentum fand und dann aber auch bis zum letzten ging, zu einer vollständigen Siclieinreiluing in die jüdische Gemeinschaft. Seit Jahren ist Judentum und Judenfrage das wichtigste Thema Lewisohnseher Dichtung und Gedankenführung. Dies geht so weit, daß unlängst in einer amerikanischen Zeitschrift, zu deren :Mitarbeitern Lewisohn in seiner amerikanischen Zeit selbst gehörte, anläßlich des Erscheinens eines neuen Romans von ihm der Verwunderung Ausdruck gegeben wird, daß diesmal nicht die Judenfrage im Mittelpunkt steht. Im ״Erbe des Bluts“ (gleichfalls im Verlag Paul List) gab Lewisohn die Geschichte einer jüdischen Familie und damit den Weg des letzten Jahrhunderts jüdischer Entwicklung bis in die Problematik des modernen Juden. Was ihn diesmal gepackt hat, ist die Gestalt des Shyloek (in der deutschen Ausgabe merkwürdigerweise ״Seheilock“ geschrieben), des Juden, dem von seinem Dichter Unrecht geschehen ist. Lewisohn will dieses Unrecht auflösen, historisch verklären, das Judenschicksal weiterführen und die Judenfrage, die bei Shakespeare gewissermaßen nur in ihrem negativen Teil (dem Ressentiment des Verfolgten) aufgehdlt wird, in ihren wirkliehen Aspekten und Verschlungenheiten zeigen. So stellt er Shyloek mitten hinein in die jüdische Geschichte des ausgehenden Mittelalters mit ihren Erschütterungen tind ihren Hoffnungen. Lewisohns Shyloek geht sogar als Vertrauensmann des Joseph Nassi nach Palästina, um dort jüdische Kolonisation zu leiten. Die Kinder seiner bekanntlich mit einem Christen entlaufenen Tochter Jessica werden zum Judentum zurückgefiihrt. Freilich eine Lösung der Judenfrage, wie sie Lewisohn in seinen anderen letzten Büchern gesehen hat, wird diesmal nicht gezeigt. Am Ende steht eine große Skepsis, ein großes Fragezeichen, der Schatten des ewigen Juden. Gewiß sind gegen dieses Buch, das eine endgültig gewordene Figur der Weltliteratur weiterbilden will, viele Einwendüngen möglich. Dennoch wird dieses Buch dem jüdischen Leser viel geben, zumal Lewisohns schriftstellerische Begabung jedem seiner Bücher einen hohen Rang verleiht. r. ״Corona", diese kultivierteste deutsche Zeitschrift (Jahrespreis 18 KM.), ist in ihrem zweiten Jahrgang in den Verlag R. Oldenbourg, München, übergegangen, hat jedoch die schöne Druckausstattiing der Bremer Passe bewahrt. Die ersten beiden Hefte des zweiten Jahres enthalten eine ganze Reihe wertvoller Beiträge von universalem Format, so z. B. Paul Valerys ״Größe und Niedergang Europas“, Josef Nadlers schöne Gedenkrede auf Hofmannstal, Hermann Hesses ״Morgenlandfahrt“ (Erzählung), Americo Castro ״Die Triebkräfte der spanischen Kultur“, ferner nachgelassene Gedichte von Hofmannstal, sehr schöne Verse von Rudolf Borchardt und R. A. Schröder, Beiträge von Lytton Strachey, Karl Vossler, Hans Carossa, Rud, G. Binding u, v. a. — Das soeben erschienene dritte Heft bringt einen für die Leser dieses Blattes besonders wesentlichen Beitrag: ״J a a k o b s Hochzeit“ von Thom a s Mann, offenbar ein Kapitel aus dem Josefsroman. Der liebende Jüngling Jaakob wird hier dem verschlagenen Betriiger Laban gegenübergestellt, der ihm die falsche Tochter zuführt und höhnisch ist gegen den Schmerz des Betrogenen. Das Bild der Hochzeitsfeier ist mit aller üppigen Pracht der Sprache gemalt, das biblische Motiv mit der Freiheit und Leidenschaft gestaltet wie auf großen Gemälden. Auch der übrige Inhalt des Heftes (Kaßner über Thomas Hardy, Voßler über Lope de Vega, Borchardts wunderbare Aeschylus- Uebersetzung) steht auf der Höhe der ״Corona“. In Antwerpen starb im Alter von 42 Jahren der jüdischvläinische Dichter Leo M a 1111, Verfasser lyrischer Gedichte und einer Anzahl Dramen in vlämischer Sprache. Ortsgruppen Dortmund. Im Laufe seiner KKL-Jubiläumstournee sprach Herr Adolf Po llak in einer Versammlung der Ortsgruppe und bei einem Abend des neutralen Jugendverein:; über das Thema: 30״ Jahre Bodenfonds‘‘. Die anschließende Aussprache hatte hauptsächlich die Frage Kommunismus und Zionismus zum Thema. Frankfurt a. AI, Der Verlauf eines Vortragsabends des ״Ges erd“ in Frankfurt, in der der jüdisch-kommunistische Agitator Otto Heller sich in antizionistischen Ausfällen erging, veranlaßte di« neugegründete ״Arbeitsgemeinschaft für sozialistischen Zionismus (Poale Zion und Hapoel Haza'ir)“ zu einer Auseinandersetzung mit der ״roten Assimilation“. Zu dem Thema ״Moskau oder Jerusalem“ sprachen Dr. Hans P o m c ranz und Kurt L 0 c w e n s t e i n. Die Versammlung war hauptsächlich von jugendlichen Zionisten und Kommunisten so stark besucht, daß der Vortragssaal von der Polizei wegen Ueberfüllung geschlossen werden mußte. Dr. Pomeranz nahm eine Analyse der jüdischen Gegenwart vor, als deren Ergebnis die Erkenntnis von dem nationalen Charakter der Judenfrage sich ohne weiteres ergab. Der zweite Referent des Abends, Loewenstein, ergänzte die prinzipiellen Ausführungen von Pomeranz nach dem tatsächlichen hin und zeigte die Schwierigkeiten der Juden in ihrer politischen, ökonomischen und kulturellen Lagerung auf. Nach einer Debatte, in der die kommunistischen Redner Dr. Hirsch mann und Oester- 1־ e i c 11 e r den Bestand eines einheitlichen jüdischen Volkes leugneten, vermochten die Chawerim Loewenstein und besonders erfolgreich Pomeranz in ihren Schlullbemerkungen die assimilatorischen Tendenzen der Kommunisten eindrucksvoll zu charakterisieren und die Unumgänglichkeit des Zionismus darzutim. Pli. R. Gladbeck. Am 5. Dezember fand die erste öffentliche Makkabi-Fcier des Bar Kocliba, Gladbeck, statt. Das Programm war feierlichst auf das 30jährige Jubiläum des KKL abgostimint. Als Festredner durften wir Herrn Adolf Pollak (Berlin) begrüßen, der vor einer großen Zuhörerschaft 11. a. auch Vertreter der Jüdischen Gemeinde in fesselnder Weise wunderbare Lebensepisoden des neuen Palästina schilderte. Alle Anwesende berauschten sich an der weihevollen Stimmung des Abends. Die Anwesenheit des Herrn Pollak hat der Jugend mächtigen Auftrieb verliehen, so daß wir in diesem Jahre gute KKL-Ärbeit zu erwarten haben. Eine KK-Sammlung hat 30 M. cingebraclit und ist für eine kleine Gemeinde wie Gladbeck als gutes Omen zu werten. Jos. Silber. Glelwitz. Am 1. Dezember sprach in der hiesigen Ortsgruppe Herr Dr, Hamburger über das Thema ״Der nationale Charakter der jüdischen Feste“. Im Verlaufe seiner Ausführungen wies der Redner nach, daß nicht mir den historisehen Festen, sondern auch den religiös-ethischen Tagen eine nationale Note eigen sei. Im Schlußwort brachte nach einer kurzen Diskussion der Redner zum Ausdruck, daß die Nationaljuden die besondere Verpflichtung hätten, ihre nationale Gesinnung durch das Feiern der jüdischen Feste zu betätigen. Hannover. Am 29. November sprach Dr. Schereschewsky (Hamburg) als Gast der Misrachi-Ortsgruppe im Volksheim über das Thema ״Erez Israel oder Palästina“. Der Redner zeigte an der Hand der alten religiösen Literatur, daß die Zionssehnsucht stets ein bestimmendes Element des Judentums gewesen ist. Die geistigen Führer des 19. Jahrhunderts, wie Rabbi Kalischer, haben sich dann auch mit ökonomischen Palästinafragen beschäftigt. Der Redner forderte die zahlreichen Anwesenden auf, im Rahmen des Misrachi daran mitzuwirken, im Geiste der Großen Israels Erez Israel aufzubauen. Anschließend an das Referat wurde beschlossen, in Hannover eine Misrachi-Frauengruppe zu gründen. Kolberg. Am 7. Dezember sprach hier auf einer Vortragstournee durch Pomrnern auf Veranlassung der Z. V. f. D. Herr Dipl.-Ing. Edgar Hei ne mann (Hamburg) über das Thema ״Unser weg aus jüdischer Not“. Der Redner verstand es, in seinen, in jeder Beziehung fesselnden und formvollendeten Worten den größten Teil der Teilnehmer unseren Ideen näherzubringen und vor allem die Jugend für unsere Ideale zu begeistern. Mannheim. Die hiesige Keren Hajessod-Aktion stand im Zeichen einer wirksamen Kundgebung, in welcher auf Veranlassung des Lokalkomitees der Jewish Agency Herr Bankdirektem Oscar Wassermann und Herr Professor Dr. Tä übler, Ordinarius an der Universität Heidelberg, die Notwendigkeit des Palästina- Werkes darlegten. Kreise der hiesigen Gemeinde, die uns noch völlig fernstanden, konnten sich der Wucht dieser Kundgebung nicht entziehen. — In der Ortsgruppe sprach in einer, speziell für die Jugend eingerichteten, Versammlung Herr Enzio Sereni (Palästina) über ״Deutsches Judentum und Hechaluz“. — Am 21. Dezember werden in der Ortsgruppe Frau Dr. Bl um und Frau Lewinski über die Frauenarbeit der Wizo sprechen. Wir machen jetzt schon auf diesen interessanten Abend aufmerksam. Dr. O. S. Oberhausen. In der am 29. Oktober abgehaltenen Generalversammlung der Zionistischen Ortsgruppe Oberhausen/Rhld. erstattete der bisherige Vorstand Bericht über die Tätigkeit des vergangenen Jahres. Der Vorstand wurde in seiner bisherigen Zusammensetzung wiedergewählt und besteht aus: 1. Vorsitzender Dr. Rosenberg, 2. Vorsitzender S. Mechlowitz, 1. Schriftführer und Kassierer Josef Bitkower, 2. Schriftführe!• und Kassierer Isidor Fischbein, Keren Kajemeth-Komtnissarin Frieda Fischbein. — Am 23. November referierte Herr Dr. Epstein (Duisburg) über deii Ministerialentwurf zum Judengesetz. Die auch von Nichtzionisten besuchte Versammlung war einhellig der Ansicht, daß alles aufgeboten werden muß, um diesen Entwurf zu Fall zu bringen, da er starke Verschlechterungen gegenüber dem bisherigen Zustand enthält. 60. Geburtstag Lazarus Goldschmidts. Der bekannte Gelehrte und Bibliophile Lazarus Gold Schmidt feiert am 17. Dezember 1931 seinen 60. Geburtstag. Goldschmidt, der aus Litauen stammt, kam in jungen Jahren nach Deutschland, wo er in Berlin und Straßburg Orientalistik studierte. Abgesehen von der Herausgabe von äthiopischen und hebräischen Handschriften und Fachschriften auf dem Gebiete der orientalisch«n Sprachen ist Goldschmidt vor allem als Uebersetzer des Talmud ins Deutsche weithin bekannt geworden. Seit 1895 arbeitet der Gelehrte an dieser Ueber- Setzung — eine Leistung, die vor ihm wiederholt versucht, aber von niemandem bewältigt worden war. Von 1896 angefangen, erschienen acht Folio-Bände der großen Ausgabe seiner deutschen Talmud-Uebersetzung. Seit 1928 ist seine neu durchgesehene und überarbeitete deutsche Uebertragung des Baby- Ionischen Talmud in einer zwölfbändigen populären Auswährend die weiteren in den nächsten Jahren ausgegeben werden sollen. Auch die Bibel und den Koran hat Lazarus Gold- Schmidt neu übersetzt. Berühmt ist seine umfangreiche Bibliothek, die kostbare Schätze, darunter neben wertvollen modernen Fressen-Drucken viele hebräische Inkunabeln enthält.