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Jüdische Rundschau · 1931-11-24 · Heft 91 (24.11.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 91 (24.11.1931)
Date
1931-11-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Zur Frage der Sicherheit in Palästina CMMANWi JDdaica Einzelnummer 0£5 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag ufreitag. Bezugspreis bei der Expedition, monatlich 2,—■ Goldtnark, vierteljährlich 5,75 Goldtnark. An®laodsabesan@1nents werden in der Wahrung der einzelnPQ Lander berechnet. Anzeigenpreis: 8 gesp. Monpaureiüeteile 0,50 Stellengesuche 0,25 G-M- Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m-b. H., Berlin W15, Meinekestr.lO. Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. Postscheck > Konten: Berlin 17392, B%s#l V 9355. EM|g«d 69032 Brüssel 39433, Budapest 59693, Danzi« 1973. Haag 140470. Frag 59410. Riga 4155, Strandburg 16430, Warschau 190708, Wien 156030• Bank Konten: Darmstädter ־ und Nationalhank, Depositen- Kasse Berlin, Kurlürstettdamtn 52; Rumänische Kreditbank, Osmnutl (Rumänien); Anglo PaWtine Co. in Haifa. Jerusalem, Tel -Aviv. Nummer 91 | Berlin, 24• XL 1931 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. י״ד כסלו תר&״ב | xxxvi. j»1־״g. Dar Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffuna einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In halistlna. ״Baseler Programm.*» lieber eine Million Einwohner in Palästina Der Zensus in Palästina Jerusalem, 20. November. (J.T. A.) Nach der am 19. November durchgeführten Volks- Zahlung in Palästina leben gegenwärtig im Lande 1035154 Seelen. Bei der Volkszählung im Jahre 1922 waren es 775182 Seelen. In der rein jüdischen Stadt Tel-Awiw wurden 46062 Einwohner gezählt. Ueber die Einieilung der Bevölkerung in Nationen und Konfessionen liegen offizielle Mitteilungen noch nicht vor. Die Mordaftaire in Palästina Fünf Beduinen angeklagt Jerusalem, 19. November. (J.T. A.) Gegen fünf Beduinen, die im Zusammenhang mit der Ermordung von Stahl und Sohar verhaftet wurden, ist formell die Anklage wegen Mordes und Vergewaltigung erhoben worden. Die Zeitung ״Feiest! n“, Organ der Arabischen Exekutive, äußert sich zu dem Fall wie folgt: ״Wenn die Verhaftoten für schuldig befunden werden, so mögen die Juden, wie überhaupt alle, daran denken, daß es unter allen Völkern Mörder gibt. Wir verabscheuen Gewalttaten und werden nicht um Gnade für die Mörder bitten.“ Anfrage Im Unterhaus London, 19. November. (J.T.A) In der Sitzung des Cal״ ,W-l-ili minist# die ־Frage,- eh;־e# jangeti "Jüdin an dfr Küste nördlich von Tel-Awiw söwie auf das Versagen der Polizei bei der Ermittlung der Täter zuwenden wolle, und ob er nun den Juden in Palästina das Recht zuzuerkennen gedenkt, im Hinblick auf die sie umgebenden Gefahren Waffen zur Selbstverteidigung zu tragen. Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte, er sei auf den Fall durch Presselektüre aufmerksam geworden tmd habe den High Com mission er ersucht, ihm hierüber Bericht zu erstatten. Wie das Verbrechen aufgedecki wurde Die eben eingelangten palästinensischen Zeitungen bringen ausführliche Berichte über die abenteuerliche Art und Welse, wie das Verbrechen aufgedeckt wurde. Die Beschreibung der Nacht am Sandhügel bei Herzliah liest sich wie eine schaurige Gespenstergeschichte. Die Nachforschungen nach den Verschollenen wurden von Mitgliedern der Organisation Bne Benjamin geführt. Diese Organisation, die ihren Namen nach dem Baron Edmund Roth- Schild (dessen hebräischer Vorname ist Benjamin) führt, besteht aus den Söhnen der Kolonisten der alten Pflanzungskolonien, die zum großen Teil bereits im Lande geboren sind. Ihr Organ war früher und Ist auch jetzt wieder die Tageszeitung ״Doar Hajom“, die eine Zeitlang den Revisionisten gehörte, sich dann aber wieder von ihnen gelöst hat. Demgemäß werden auch im offiziellen Polizeibericht die an der Aufdeckung des Verbrechens beteiligten Personen als ,,Vertreter des Doar Hajom“ bezeichnet. Die ersten Spuren des verübten Verbrechens kamen von einem jungen arabischen Schäfer, der einige Kleidungsstücke fand und hiervon seinem Herrn, einem arabischen Effendi, Mitteilung machte. Der Effendi nun wandte sich nicht an die Polizei, sondern an seine jüdischen Freunde, von denen er wu ßtc, daß sie sich bereits um Aufhellung der Sache bemühten. Die beteiligte Gruppe der Bne Benjamin bestand aus Abraham S c h a p i r a, dein oft genannten Kolonisten von Petach Tikwah, der sich bei der Verteidigung Petach Tikvvahs 1921 hervorgetan und später .auch den Friedens- Schluß mit den arabischen Dörfern durchgeführt hat, ferner Abraham Drtijan, Gad Machness und Owea Ben-Ami. Drujan aus Herzliah erhielt von dem Araber die ersten Nachrichten. Der Araber forderte jedoch eine größere Summe und stellte ferner die Bedingung, daß sein Name nicht genannt und auch der Polizei nicht bekannt werden dürfte. Die Bne Benjamin wandten sich an die jüdischen Institutionen wegen Beschaffung des Geldes und erhielten von der Jewish Agency 50 Pfund, durch Bürgermeister Dizengoff aus Tel-Awiw von privater Seite 75 Pfund und außerdem streckte der ״Doar Hajom“ 175 Pfund vor mit dem Vorbehalt, den Betrag später durch eine öffentliche Sammlung aufzubringen. Am 12• November, uin 8 Uhr abends, riefen die Bne Benjamin den Polizeikommandanten von Petach Tikwah, Mr. Goffer, der mit 6 Polizisten (2 Engländern, 2 Arabern und 2 Juden) und der genannten jüdischen Gruppe der Führung des Arabers folgte. An der Stelle der Tat mußten dem Araber 200 Pfund ausbezahlt werden. Der Araber legte darauf die Uniform eines britischen Polizisten an und führte die Polizei zu dem Lager der Beduinen Arbel Koran. Die sieben Hütten des Lagers wurden umstellt und die von dem Araber mit Namen bezeichneten Täter gefunden. Die Mörder sind sämtlich im Alter zwischen 18 bis 21 Jahren. Abraham Schapira und Gad Machness führten in der Nacht ein stundenlanges Verhör mit den Beschuldigten durch, und im Verlaufe dieser Prozedur begannen die Araber sich gegenseitig zu beschuldigen, woraus sich dann allmählich der ganze Sachverhalt ergab. Nach dem Geständnis der Täter begann die drei Stunden währende Suche nach den Leichen und die fürchterliche Szene der allmählichen Exhumierung. Bemerkenswert ist, daß in den Kleidern des jungen Stahl die Geldbörse mit Geld sowie Paß und andere Papiere unversehrt gefunden wurden. Dies zeigt, daß die Mörder nicht auf Diebstahl ausgingen. Erst um b Uhr morgens, nachdem alles beendet war, wurde dem Polizeikommando in Jaffa und Jerusalem Meldung erstattet, worauf sofort einige höhere Polizei- Offiziere am Ort der Tat erschienen. Wie nun bekannt wird, wurde bereits früher die Aufmerksamkeit der Polizei auf den Stamm der Arbel Koran gelenkt. Der Bruder des ermordeten Mädchens, Dr. Zwi Sohar aus Haifa und ihr Schwager Mosche Seltzer (aus Ben Schemen) hatten das ganze Gelände zwischen dem Jarkon und Herzliah dmehsweht und bei 4«t».־Hö«l», wwje‘ treffende rofzeioffizier hat daraufhin mehrere jüdische und arabische Polizisten entsandt, die aber resnltatios zurückkamen. Der Aufforderung, einen größeren Geldpreis für Informationen auszusetzen, hat die Polizei keine Folge geleistet. An der Beerdigung der Ermordeten in Tel-Awiw, die noch am Tage der Auffindung um 3 Uhr nachmittags stattfand, und durch eine Kundmachung der Stadtverwaltung angekündigt wurde, beteiligte sich eine ungeheure Menschenmenge. Dizengoff und Remes (für die Histadruth) hielten Ansprachen. Unwillen erregte es, daß die Polizei ein schnelles Verlassen des Friedhofes verlangte und das Tor des Friedhofes schließen ließ. Der offizielle Polizeibericht lautet folgendermaßen: ״Die Leichen von Saliah Sohar und Jochanan Stahl, dem jungen jüdischen Paar, das einige Monate vermißt wurde, wurden in den Morgenstunden des Freitag 7—8 km nördlich von Tel-Awiw im Sand vergraben gefunden. Die Leichen wurden durch Polizeiinspektor Goffer gefunden^ dem die Stelle durch einen an der Sache interessierten Herrn aus Tel-Awiw, einen Vertreter des ״Doar Hajom“, angegeben worden war. Es heißt, daß ein Schäferjunge seinem Herrn, einem reichen Effendi, von dem Verbleib der Leichen erzählt hat und dies wurde dann Herrn Schapira mitgeteilt, der durch den anderen Herrn der Polizei Nachricht gab. Es heißt, daß Vertreter des ״Doar Hajom“ der Polizei bei ihrer Nachforschung und bei Erlangung der nötigen Informationen erhebliehe Hilfe geleistet haben. Soweit gegenwärtig festgestellt werden kann, ist das Paar ermordet worden. Es ist zu hoffen, daß die Untersuchung die Todesursache genau enthüllen wird, obwohl der Zustand der Leichen dies erschwert. Fünf Beschuldigte wurden von der Polizei verhaftet; vier davon haben wichtige Angaben über das Verbrechen gemacht. Die Nachforschung hat auch bereits verschiedene Gegenstände zutage gefördert, die den Verstorbenen gehören sollen- Die Polizei ist Herrn Schapira, den Vertretern des ״Doar Hajom“ und der Oeffentlichkeit im allgemeinen, die bei der Erlangung von Informationen Hilfe leisteten und bei der zur Entdeckung der Körper und zur Aufdeckung des Verbrechens führenden Untersuchung feilnahmen, äußerst dankbar.“ Der ״D a w a r“ erklärt in seinem Leitartikel, der dem tiefen Schmerz über das Unglück Ausdruck gibt, die Sache dürfte nicht zu einer politischen Polemik oder zur Aufstachelung der Gefühle gegen das arabische Volk benützt werden. Das Blatt gibt auch dem Befremden über das Versagen der Polizei Ausdruck und fordert, daß die Kosten der Nachforschungen von der Regierung getragen wurden. Zionistische Propaganda durch Radio Wie schon mitgeteilt, findet am 7. Dezember abends im Orosvenor House zu London unter dem Vorsitz Lord Readings ein von der britischen Sektion der Jewish Agency und der Föderation der englischen Zionisten veranstaltetes Bankett zu Ehren Dr. weizmanns statt. Vorsitzende des Bankett-Komitees ist Lady Erleigh, Vizevorsitzender Major Nathan. Das Patronat über den Abend haben Lady Melchett, Lady Simon, Lady Samuel, Viscountess Snowden, Sir Louis Barori, Sir Julian Cahen, Sir Montagu Burton, Sir Philip Hartog, sowie eine Anzahl führender Zionisten Englands übernommen. Eine Sammlung wird an diesem Abend nicht stattfinden, aber ein Vorappell des Komitees hat bereits mehr als 3000 Pfund für den Keren Hajessod erbracht. Die Ansprachen auf dem Bankett werden durch Radio in England verbreitet und nach den Vereinigten Staaten übertragen werden, General Waudiope Aktuelle Fragen der Pal&siinapoliftik Dieser Tage ist der neue High Commissioner, Sir Arthur Wauchope, in Palästina eingetroffen. Vor seiner Abreise hat er eine Unterredung mit dem Primeminister MacDonald gehabt. Es ist anzunehmen, dal) der Primeminister seinen eigenen, mit seinem Namen verknüpften Brief nicht verleugnet und daß die Instruktionen, die er dem neuen Mann mitgegeben hat, zumindest den Grundsätzen dieses Briefes entsprechen. Ueber die politischen Ansichten General Wauchopes, der in London auch verschiedene zionistische Deputationen freundlieh empfangen hat, ist wenig bekannt. Es heißt, daß er einer jener Engländer ist, die ein starkes biblisches Interesse haben und daher Palästina nicht anders als in geschichtlichen Zusammenhängen sehen können. Dies würde die Hoffnung erwecken, daß er für den jüdisehen Anspruch Verständnis hat und die Größe der geschichtlichen Verantwortung, die dies Amt seinem Träger auferlegt, empfindet. Der neue High Commissioner findet in Palästina ein System und eine Praxis vor, die nicht gerade übermäßig erfolgreich und befriedigend sind. Die Frage ist, ob er Entschiedenheit genug und den Willen besitzt, diese Praxis zu ändern, die Idee des Jüdischen Nationalheims in ihre vollen Rechte einzusetzen, oder aber ob er, wie es bei seinem Vorgänger der Fall war, immer mehr und mehr den Routine-Interessen unterliegen und den Blick für die Besonderheit der palästinensischen Aufgabe verlieren wird. Man kann nicht annehmen, daß die neue englische Regierung oder der nepe High Commissioner in nächster Zeit eine umfassende programmatische Erklärung über ihre Palästinapolitik abgeben werden, Pas vergangene 1a|r- 1p». §ä JEfklärungen und Weißbüchern so f!p|jfc: ."׳"!;ן; Jede neue Erklärung entfesselt nur neue sinnlose Kämpfe. Aber die nächsten Schritte der Palästina-Verwaltung werden bereits erkennen lassen, welche Wege die Regierung zu gehen beabsichtigt. Heute stehen wir eigentlieh vor einem Vacuum. Viele schöne Reorganisationsplane, die sich die Regierung in kostspieligen Gutachten sauber ausarbeiten ließ, bleiben unausgeführt, weil die Parole der Sparsamkeit, die vor allem von der O’Donnell- Kommission ausgegeben wurde, alles andere auslöscht. Der Landentwicklungsplan, der das Rückgrat der Palästinapolitik sein sollte, hängt in der Luft. Hope Simpson spricht bekanntlich in seinem Bericht von der Notwendigkeit der Intensivierung der palästinensischen Landwirtschaft, die es ermöglichen soll, noch 20 000 zusätzliche jüdische Einwanderer-Familien anzusiedeln. Auch wer mit der Ziffer nicht zufrieden ist, wird zugeben, daß eine sofortige Inangriffnahme dieser Aufgäbe wünschenswert wäre. Im MacDonald-Brief rühmte sich die damalige englische Regierung, daß sie als erste etwas Positives für die Landentwicklung und damit für die Vergrößerung jüdischer Siedlungsmöglichkeilen unternimmt. Die englische Zeitschrift ״The Near East and India“ schrieb damals, es sei zu begrüßen, daß man endlich mit dem Politisieren aufhöre und mit praktischer Arbeit beginne. Dies werde konkrete Aufgaben schaffen und auch zu einer Interessenverbindung der beiden Völker führen. Heute sieht dies leider ganz anders aus. Man spricht nicht mehr von der 2D Millionen-Anlcihe, aber die Tätigkeit des Landentwicklungs-Direktors French und seiner Kommission geht ihren Weg. Vor etwa zwei Wochen wurde der in den ursprünglichen Direktiven vorgesehene juristische Berater ernannt. Die beiden gleichfalls vorgesehenen und sogar mit einem Monatsgehalt von 50 Pfund bedachten Posten des jüdischen und des arabischen Beraters sind nicht besetzt, weil sowohl Juden als auch Araber bisher die Teilnahme ablehnten. Am 31. Dezember soll Herr French berichten, wieviel durch jüdische Landkäufe landlos gewordene Arabet es im Lande gibt. Die Art und Weise der Sammlung dieses Materials ist aber geeignet, in jüdischen Kreisen großes Befremden hervorzurufen. Schon wird andeutungsweise gesagt, daß die Registrierung der in Frage kommenden Personen größeren Umfang angenommen hat als man erwartet hatte. Was ist geschehen? Die Regierung hat in alle arabischen Dörfer von Dan bis Berscheba Kundmachungen und Fragebogen geschickt, worin jeder, der einen Anspruch zu haben glaubt, aufgefordert wird, sich zu melden. Man muß sich vorstellen, in welcher etwas primitiven Art solche Aktionen in den häufig aus Analphabeten bestehenden Dörfern vor sich gehen, um zu begreifen, daß hierbei — beabsichtigt oder uobe- 'SS:

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