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Jüdische Rundschau · 1931-11-17 · Heft 89 (17.11.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 89 (17.11.1931)
Date
1931-11-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 80. 17. XL 1931 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 520 ujad fuhr der Kuli mit dein Messer über den Hals. Die Kuh stieß einen furchtbaren Schrei aus, von dem die Erde zu er• beben schien; ein Blutsfrahl schoß in die Höhe und lief iw Bogen weiter. Er bespritzte Deck!”. Wände und Boden des Gewölbes und besudelte die Menschen, ihre Kleider, Hände und Gesichter. Die Kuh kämpfte ihren letzten Kampf, ihr riesiger Leib zuckte noch lange, und dann lag sie da in einer Pfütze von Blut Der Mens.d1 hatte die Kreatur besiegt! Nun machten sich die Bestien daran, das Tier zu Fleisch zu verwandeln. Sie zogen ihm das Feh ab, einer schlitzte den Bauch auf, ein anderer griff mit Wollust hinein und riß die große Leber heraus. Sie hatten in der Ecke etwas Kohlenglut, darauf legten fie die Leber und brieten sic und aßen sie halbroh und ohne Salz; sie leckten noch mit großer Wonne die Finger ab. Und eine große Flasche voll Schnaps war gleich zur Hand, den tranken sie zum Fleisch und schwelgten vor Lust. Wie die Priester Baals, die vor dem Altar das Opfer teilten, so waren sie anzusehen. Aber das ging vor sich nicht zu Bethel und nicht zu Dan, sondern in einer kleinen Judenstadt; und es trug sich zu, nicht , vor der Vertreibung der zehn Stämme, zur Zeit, da das israelitische Nordreich bestanden hat, sondern im Jahre fünftausendscchshundertfüiifundvimig nach der Erschaffung der Welt... Die erste Nachtwache war vergangen; es regnete immer stärker, und der Wind wehte kalt. Die Schlächter batten die Kuh in Stöcke gehauen, und ein jeder trug seinen Teil in einem Sack, den er über die Schulter hängte, davon. Sie trennten sich voneinander im Dunkel der Nacht und gingen nach ihren Behausungen, um da oder im Laden das unrecht« Gut zu verbergen. Die Stadt schlief und träumte, und der Himmel war in Regenwolken gehüllt. Wer ahnte das Vcrbrechen? * In ihrer Hast hatten die Metzger die Tür der Mörderhöhle offen gelassen, und Hunde kamen und leckten das Blut auf. Am Morgen aber wurde Rüben mit den Seinen gewahr, daß die Kuh aus dem Stall entführt worden war. •Sie suchten nach ihr und fanden bald ihr Fell, das schöne rote Fell, das gleichfalls von den Bösewichtem war liegengelassen worden. Die Menschen erschauerten ob der ruchlosen Tat, und die Obren aller, die es hörten, gellten. In Rubens Hause war Jammer und Wehklagen und großes Herzeleid. Seitdem die Stadt “gegründet war, hatte man Aehnliches nicht vernommen. Männer und Frauen sprachen und flüsterten von nichts anderem als von dem furchtbaren Geschehnis. Es war wie Sonnen- und Mondfinsternis zugleich, und als wenn die Erde in ein Tal des Todes umgewandelt wäre. Solch ein herrliches Tier in der Blüte seines Lebens, in der Vollkraft seines Seins war totgeschlagen! Aber den Mördern sollte kein Segen erwachsen aus d*m! schaurigen Frevel Sie erfuhren Unheil von Gottes Hund und von Menschenhand, und jeder, der an der Tötung der roten Kuh sich beteiligt hatte, wurde die Sünde nicht los, solange er lebte. Eine neue Perspektive auf dem Gebiete der jüdischen Musik «öffnete sich dem Laien wie dem Fachmusiker durch das Konzert, das am letzten Sonntag ein erlesenes Publikum in den Bechsteinsaal rief. Die Sängerin Maria Rapp- Janowskaja und der Cellist Hermann Weil hatten den ausgezeichneten Einfall, das wohlbekannte osfjüdisdie Volkslied zum Thema für den modernen Komponisten 7i1 machen, und so forderten sie jüdische und nichtjüdische Zeitgenossen zu einer Art Singerstreit heraus. Als Gewand wählte man das alte ״klesmorfscbe" Vokaldnstrumental-QuartehL womit inan neueren Musikstrebungen, die «fehl um die Wfcderbdebung alten echten Musikantentuas mühen, entgegenka®, Ow ueüen Quartettkompositionen von Arno Nadel, Wolf gang Jacoby, Edvard Moritz, Wolfgang Zeller, Erich Wafter Sternberg, Aotou Krafff und Cb. Janawsiä hatten ein so eigenartiges und amüsantes Gepräge, sic zeigten — ganz abgegeben von ihrem immer wieder von neuem reizvollen und produktiven Thema — als inspirierte Werke zeitgenössischer Muak so wesentliche und ernste Qualitäten, daß man hier wohl des Anfang zu einer neuen Kompositionsgattung erblicken kan». Geradezu bewundernswert haben sich die nichtjüdisrhen Komponisten Jacobe- und Zeller, denen hier doch eine ganz neue Sprache und Klangwelt zur Aufgabe gemacht wunde, dieser Substanz bemächtigt. Wir hörten Paraphrasen, Parodistisches und einfache schöne Bearbeitungen. Wir 1 orten jüdische Lieder, statt mit Klavier, mit S+’-eicherklang verbunden und konnten fest• stellen, wie vielseitig und vieldeutig das jüdische Lied von der Gasse klingen kann — wenn wir auch keineswegs der Meinung sind, daß die Klavierbearbeitungen von Milhaud, Algazi, Ravel, Alexander Krein, Alexander Weprik usw. da durch überflüssig geworden sind. — Aber es ist nicht zu leugnen: «s beginnt sich ein frischer Zug zu regen und die jüdische Oeffentlichkeit, die sich sonst in Dingen der Kunst gern wer weiß wie anspruchsvoll und revolutionär gebärdet, wird nicht umhin können, sich damit auseinanderzusetzen und daraufhin ihr Urteil über das, was ihr im allgemeinen in Veranstaltungen jüdischer Musik geboten wird, gehörig zu revidieren. — Außer den obengenannten Interpreten taten sich noch der Geiger Körner und der Bratschist Heinz Wigand außerordentlich hervor. — Wir hoffen auf baldige Wiederholung und Fortsetzung dieser ungewöhnlich erfolgreichen Veranstaltung. Alice Jacob*Lo«ewenson. Ein hebräisches Kochbach. Ich bin in einer Verlegen'.:.;.: Die Verfasserin eines hebräischen Kochbuches, Milka Saphir, Kochlehrerin an der Hauswirtschaftsschule der Wizo in Tel-Awiw, sandte mir ihr Werk mit der Bitte um eine Besprechung in der ״Jüdischen Rundschau*'. Nun bin ich leider zu wenig Fachmann, um die Rezepte nach der bloßen Theorie beurteilen zu können, ohne von den danach zubereiteten Speisen zu kosten. Aber angenommen, daß die Gerichte schmecken —- und das darf man bei der jahrelangen Erfahrung der Verfasserin wohl annehmen —, dann ist es sicherlich erfreulich, daß ein derartiges Büchlein in hebräischer Sprache erschienen ist, und ich bin überzeugt, daß es allen Hausfrauen in Palästina und auch den Köchinnen in den Kwuzoth und Arbeitergruppen wertvolle Dienste leisten wird. Die Hauswirtschaftsschule der Wizo hat sich schon große Verdienste um die Auswahl und die Zubereitung bekömmlicher und billiger Speisen, die dem Klima und den Produkten Palästinas entsprechen, erworben, und bereits auf der Aus- Stellung in Tel-Awiw im Jahre 1929 waren sehr interessante Tabellen und auch Modelle zu sehen, die das Publikum belehrten, wie man gut, nahrliaft und nicht kostspielig in Palästina kochen kann. Das vorliegende Büchlein ist mein« Wissens das erste seiner Art in hebräischer Sprache Es enthält eine Reihe von Rezepten für verschiedene Salate und sonstige Gcmüsegerichtc, Artischocken-, Tomaten-, Eierspeisen, Fischgerichte und schließlich Fleischgerichte. Nach meinem Geschmack kommen die Mehlspeisen etwas zu kurz — unbegrei flieh bei der aus Prag stammenden Verfasserin. Ein terminologisches Wörterbuch ist angeschlossen, die betreffenden hebräischen Wörter sind ins Russische, Englische, Französische und Deutsche übersetzt Die Verfasserin ist zu diesem Büchlein, das einen praktischen Zweck erfüllt, zu beglückwünschen. Wenn die hergcstelltcn Speisen nur halb so gut schmecken, wie sie aut den Bildern des schön gedruckten Kochbuches appetitlich ausselieti, dann wird dieses Buch sicherlieh eine zu begrüßende Revolution im palästinensischen Leben hervorrufen. l.s. Eine aalgebaascbte ״Aflaire“ Die jüdische Presse Palästinas beschäftigt sich in den letzten Wochen mit einer Kontroverse, die sich gelegentlich der Beratung׳ des Wand Haebinueh, des der Verwaltung der Jcivish Agency-Sclmlen zur Seite stehenden Erztehungsaus- Schusses, ergeben hat. Bei den scharfen und aufgeregten Debatten, die sich wegen der großen Budget-Kürzung ergaben, ließ sich der Vorsitzende des Kultur-Ressorts der Ar- Beiterorganisation, Jawnecli, zu einer heftigen Aeuficrung gegenüber den jüdischen Kolonisten liinreiBen, die i» einer Art Drohung ausklang, man werde den Kolonisten ihr Eigentum wegnehmen und cs den Arbeitern übergeben. Wese Aeußerung wurde nun von den Kolonisten überaus ernst genommen, und in ihrem Organ ״Boustcnai“ haben sie dagegen eine sehr scharfe Kampagne entfesselt, wobei sie den Aus- Spruch Jawneelis als einen Beweis bolschewistischer Tendenzen der jüdischen Arbeiterschaft hinstellen. Die jüdische Arbeiterschaft Palästinas wehrt mit aller Entschiedenheit diese Angriffe ab und weist darauf hin, daß es sich hier um völlig bedeutungslose, in der hysterischen Erregung ausgestoßene Ausrufe eines sehr erregbaren Menschen handelt und daß cs eine unbegreifliche tendenziöse Verdrehung der Tatsachen ist, wenn man aus einem solchen Zwischenfall ernstere Folgerungen ableiten will. Die Geschichte der Arbeiterschaft Palästinas beweise zur Genüge, auf welche Ziele ihr Streben gerichtet ist: Im Mittelpunkt ihres Streben« steht die Chaluzidce, der Gedanke des pionicrhaften Aufbaus der Heimat für das jüdische Volk, unter Ein- Satz der eigenen Kräfte des arbeitenden Menschen im Gegensatz zu der Auffassung derer, die meinen, eine Heimat mit fremden Händen aufhauen zu können. Auch hei den jüdischen Kolonisten, so wird in der letzten Nummer des ״Hapoel Hazair“ ausgeführt, war ursprünglich eine Chaluzidee maßgebend. Aber seitdem sie zu Reichtum und Besitz gekommen sind und in einen Interessen-Gegensatz zur jüdischen Arbeiterschaft traten, ist ihnen kein Mittel zu schlecht, um die Arbeiterschaft zu bekämpfen. Nur so ist die Aufbauschung des ״Falles Jawnceli“. deren sich auch sonst so besonnene Menscher! wie Smilanski und Miller schuldig machen, zu erklären, ln der Tat wird jeder Kenner der Verhältnisse und der beteiiigteu Personen zugeben müssen, daß cs sich hier um eine ungerechtfertigte Mißdeutung handelt. (Jeradc die Figur Jawneelis ist als unberechenbar bekannt, und jeder Teilnehmer von Zionistenkongressen und sonstigen Konferenzen erinnert sicli seiner häufigen Ausbrüche, die niemals ernst genommen wurden. Jawnceli, ein ehemaliges Mitglied der •udischen Legion und noch heute begeisterter Legionist, gleichzeitig ein Fanatiker der hebräischen Sprache und des hebräischen Unterrichts, kann mit mehr Recht als extremer Nationalist bezeichnet werden, denn als ״Bol sehewik־‘. Jedenfalls sind von ihm in der Wut ausgestoßene Drohungen nicht als programmatische Aeulterungen der Arbeiterschaft zu denunzieren, eine Deutung, die unbegreiflicherweise von den Kolonisten versucht wirrL Welchem nützliehen Zweck damit gedient werde« soll, ist um so wenig«• erfindlich, als die Kampagne der Kolonisten auch die pol i - tische Atmosphäre nicht verbessert und in die genug belastete Situation Palästinas imnötige neue Belastungen bringt. Es wäre im Interesse aller Beteiligten zu wünschen, daß diese Affäre, die jetzt schon einige Wochen ihre Wellen wirft, endlieh wieder in das Dunkel ihrer Bedeutungslosigkeit zurückverwiesen würde. Hamburger Brief Koalition im amerikaDisclieii Zionismus - New York, 12. November. (J. T. A.) Die in Atlantic City abcehaltene Jahresversammlung der amerikanischen Zk nisten ist nach Bildung einer neuen Leitung, bestehend aus Ar hängen! der Brandeis-Gruppe und der Lipsky Gruppe, zu Ende gegangen. Allgemein besteht der Eindruck, daß es auf der Convention nicht gelungen ist, eine volle Uebereiustimmung zwischen den beiden Gruppen zu erzielen, daß aber der Friede bis auf weiteres gesichert sei. Zum Ehrenpräsidenten der Zionistischen Organisation Amerikas wurde Richter Julian W. M a c k, zu Ehrenvize- Präsidenten wurden Louis Lipsky und Rabbi Stephen S. wisc gewählt Vorsitzender des Verwaltnngkomitees ist Morris Rothenberg, Vizevorsitzender Rabbi Abba Hillel 5 i 1 v e r. Vorsitzender des Nationalkomitees ist Richter Lewis Vizevorsitzender Jacob de Haas, Schatzmeister ist Harry Fi er st, Vorsitzender der Finanzkommissiön ist Louis Rocker. Die Convention beschloß, die Institution einer ״Landes- Exekutive“, wie sie bisher bestand, abzuschaffen, und wählte an deren Stelle als die oberste zionistische Landesbehörde ein aus 150 Personen bestehendes Landeskomitee. Bei der Wahl des Landeskomitees ergaben sich Differenzen mit den Delegierten des Zionistischen Frauenverbandes Hadassah,. die dagegen protestierten, daß der Lipsky-Gruppe nachträglich noch 6 Sitze bewilligt wurden. Der Zwischenfall wurde aber beigelegt Die Convention der Zionisten Amerikas nahm ein Budget von 90000 Dollar an, wovon 30000 Dollar zur Teildeckung des Defizits in Höhe von 140000 Dollar bestimmt sind. Mit der unter starkem Beifall erfolgten einmütigen Annahme einer Hukiigurigsresolution für Weizmann wurde die Convention geschlossen. Gleichzeitig mit der zionistischen Convention hielt die Hadassah eine eigene Convention ab, in der beschlossen wurde, den Beitrag der Hadassah an die Zionistische Organisation Amerikas aut die Hälfte, d. h. um 20000 Dollar jährlich, zu kürzen. Kleine Nachrichten Hellmuth von Ger lach veröffentlicht im 8״ Uhr Abendblatt" eine Artikelserie ״Von rechts nach links, Lebensgang eines Junkers“, worin er seinen eigenen politischen Werdegang beschreibt. In der Nummer vom 11. November berichtet er ntin darüber, ' wie er, der selbst anfangs zu den Antisemiten gehörte, durch seine Erfahrungen und bei näherer Beschäftigung mit der Judenfrage die oberflächliche und demagogische Denkungsart des Antisemitismus durchschaut hat- Gerlach erzählt dabei viele Einzelheiten ans der antisemitischen Bewegung der neunziger Jahre und berichtet, wie er durch verscluedene Erlebnisse gegenüber den Behauptungen der Antisemiten stutzig wurde. Wese Berichte Gexlachs hätten zweifellos eine aktuelle Bedeutung, wenn man hoffen könnte, daß durch Gerlachs Artikel auch manche der heutigen jugendliehen Antisemiten zum Nachdenken veranlaßt würde. In Paris wird vom 13. bis 26. November eine Ausstellung des Malers Lasar Sega II in der Galerie Vignon, 17, Rue Vignon, stattfinden. Sega», der 1890 in Wilna geboren ist, ist einer der begabtesten jüdischen Maler, über dessen Werke wir bereits mehrfach berichtet haben. In Wien verstarb im Alter von 52 Jahren Heinrich Reizes, der mehrere Jahre dem alten österreichischen Parlament als Abgeordneter und später auch dem ersten polnischen Seim angehört hat. Er stand auch der Palästina-Bewcpung nahe. Die zionistische Wintcrarbeit, die in diesem Jahre unter einem neuen Vorsitzenden, Dr. Edgar Marx, vor sich geht, erhielt gleich zu Anfang einen starken Auftrieb durch den Besuch von Dr. Weizmann. 111 einer Kundgebung, an der ungefähr . tausend Menschen, Zionisten und Nicht/ioiiisten, auch einige Mitglieder des Pro Palästina-Komitees, teilnahmen, sprach Weizmann — begeistert empfangen —• in der ihm eigenen einfachen und gerade dadurch packenden Art über unser Werk in Palästina. Der starke Eindruck, der stets von den Worten und der Persönlichkeit Weizmanns ausgeht, zeigte sich in den ausführlichen Berichten der meisten Hamburger Zeitungen, denen Weizmann vor der Kundgebung noch gesondert ein interview׳ gegeben hatte. Am Nachmittag hatte eine erweiterte Vorstandssitzung mit Dr. Weizmann stnttgcfundcn, bei der man sich über die aktuellen Fragen zionistischer Politik unterhielt. Ende Oktober sprach Seew O r b a c h vom Deutschen Hcchaluz in der Ortsgruppe Ober i!achscharah-Fragen. Er gab einen sehr interessanten Bericht über die Tagung des Hechaluz. Es steht zu hoffen, daß der Hcchaluz solche Vorträge auch in anderen Ortsgruppen fortsetzen wird, denn er wird seine im kommenden Jahre besonders schwierige Arbeit nur bewältigen können, wenn er vom tätigen Interesse der gesamten deutschen Zionisten getragen wird. Als erster Vortrag einer Reihe von Veranstaltungen, die dem Problemkreis ״Zionismus und Koirniuinismu s“ gewidmet sind, fand am 3. November ein Referat von K 1 i ti 0 f f statt über das Thema ״Kommunismus und jüdische Wirklichkeit in Rußland“. Klinoff verstand es, gerade durch die Objektivität einer Darstellung die stärkste zionistische Wirkung auf die Hörer auszuüben. Die Zersetzung des russischen Judentums durch den Kommunismus sei ein typisches Galuthschicksal. Ganz abgesehen von bewußt antijfidischen Tendenzen, die insbesondere hei den Menschen der Jewsekjia mitspielen mögen, ergebe sicli aus der im Vergleich zu den übrigen Völkern Rußlands anormalen Struktur des russischen Judentums die zerstörende Wirkung dersowjetistischen Wirtschafts- und Kulturpolitik auf das russische Judentum. —- interessant ist es. daß in der letzten Zeit die Beteiligung an den zionistischen Veranstaltungen viel stärker geworden ist. In wesentlichem Maße ergänzt wird die Arbeit der zionistischen Ortsgruppe durch den unter Leitung von Dr; Willi Unna stehenden Zionistisch - Akademischen Club, der sich, wie man nach der Arbeit mehrerer Jahre nunmehr sagen kann, in der jüdischen Oeffentlichkeit Hamburgs durchaus durchgesetzt hat. Gerade die älteren Zionisten kommen gern in den Club. Die Veranstaltungen des Clubs bieten eine Möglichkeit, die uns lange gefehlt hat, nämlich, die große zionistische Peripherie lieraimiziehen. Im Club sprach in letzter Zeit Herr Rosenkranz, über ״Die rote Assimilation“ -— eine Veranstaltung, die durch die dem Referat folgende Debatte besonders bemerkenswert war. in einem gerade auch von Nichtzionisten besonders gut besuchten Vortrag des Clubs stellte Prof. L e s s i n g aus Hannover seine interessanten Gedanken über ״jüdischen Seihsthaß“ vor. — Die Wizo hat unter ihrer Vorsitzenden, Frau Flörsheim, auch schon intensiv zu arbeiten begonnen. Während in früheren Jahren der Hauptwert auf die Außenpropaganda durch Zirkel gelegt wurde, liegt in diesem Jahr der Schwerpunkt der Arbeit in vier Arbeitsgemeinschaften über Fragen des Zionismus und jüdischer Kultur, ohne daß die Aufgaben der Propaganda veruaohlässigt werden. Iu der kommenden Woche wird Frau Anita Müller-Cohen Wer U! verschiedenen Veranstaltungen der Wizo und des M»rachi sprechen. Wie alljährlich nach den Feiertagen hat ein neues Semester der hebräischen Sprachschule Ivriah inzwischen angefangen. Die Sprachschule untersteht der Verwaltung der Hamburger Zionistischen Vereinigung. H. St. Buch — Bild - Spiel Nr die indische •lugend ״Bücher gefragt!״ hieß es kürzlich in einem Bericht ,über die Tendenz des diesjährigen Winters. Heute, da es bei’ uns allen knapp zugeht, sind wir mehr als sonst geneigt — oder: gezwungen —, uns selbst und unsem Kindern Freuden zu schaffen, die wenig oder nichts kosten. Von solchen Erwägungen ausgehend, hat eine Vereinigung jüdischer Menschen aus allen Lagern sich seit längerer Zeit mit einer Heerschau unserer jüdischen Bücher beschäftigt und jetzt eine Aus- Stellung vorbereitet, die möglichst Viele in das Reich unserer jüdischen Bücher, Bilder und Jugendsniele einführen soll. Die Ausstellung findet vom 29. November bis zum 3. Dezember in den Räumen der Jüdischen Knabenschule, Große Hamburger Str. 27, statt. Lichtbildervorträge, Kinder- Aufführungen, Jüdische Musik sollen im Laufe der Woche vor Chanukkah Eltern und Kindern einen Vorgeschmack unseres Festes geben und etwaigen Chanukkah-Wünschen Ziele zeigen. Eine Ausstellung jüdischer Bücher, an der sich namhafte jüdische Buchhändler beteiligen, soll dem gleichen Zwecke dienen. Der Eintritt ist frei. BS. Palästinensische Falschmünzer. Vor kurzem ist die palästinensische Polizei Falschmünzern in Palästina auf die Spur gekommen. Diese Bande scheint auch außerhalb Palästinas ihre Tätigkeit zu versuchen. So kam kürzlich in eine Buchdruckerei in Mainz, worüber die Mainzer Zeit u 11 g e 11 berichten, ein Mann mit dem Klischee einer palästinensischen Pfundnote und gab einen größeren Druckauftrag. Die Polizei wurde verständigt und der Auftraggeber festgenommen. Leider ist״die Nachricht in den Zeitungen so abgefaßt, daß daraus nicht klar hervorgeht, daß es sich nicht um Juden, sondern um einen mohammedanischen Araber aus Jerusalem handelt. Es ist zu hoffen, daß der Falschmünz.erbande das Handwerk gelegt wird. Berliner Judenstatistik. Aus dem soeben erschienenen Mitteilungsblatt des statistischen Büros der Jüdischen Gemeinde Berlin geht hervor, daß von Januar -Juni 1931 448 rein jüdische Ehen und 278 Mischehen in Berlin geschlossen wurden. Von den Mischehen waren in 184 Fällen der Mann Jude und in 94 Fällen die Frau Jüdin. Die Gesamtzahl der Geburten in dieser Zeit beträgt in rein jüdischen Ehen 498, in Mischehen 135. Im gleichen Zeitraum 1930 betrug die Zahl der lebend Geborenen aus rein jüdischen Ehen 577, aus Mischehen 157. Aus Dänemark. Die bekannte konservative dänische Tageszeitung ״Berlingske Tidende“ brachte aus Anlaß des 50. Geburtstages unseres Gesinnungsgenossen Leopold Landau ein zwei Spalten langes politisches interview und eine Würdigung seiner Persönlichkeit, welches mit der Empfehlung schloß, zur Ablösung von Geschenken und Blumen Oelbäume in Palästina zu pflanzen. Am ersten Tag nach dieser redaktion e 11 e n Aufforderung wurden 50 Bäu m e gezeichnet und eingezahlt. Dr. Wilhelm F i I d e r m a 11 n , Präsident der Union rumäirischer Juden, wurde vom Bukarest« Kultusrat mit 50 gegen 7 Stimmen bei 6 Enthaltungen zum Präsidenten der Bukarcster Jüdischen Gemeinde gewählt.

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