Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 86 (6.11.1931)
- Date
- 1931-11-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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f« St Phiibis Mission im September 1929 Einzelnummer 0£S Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u-Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. AuslaoilsHboiiBGmemB m 4er Wahrung der einzelnes Länder berechnet. Ameigenpreis: S gesp. Nonpareillezeil« 0.50 G.-M. Stellengesuch« 0.25 G.-M. Nummer 86 I Berlin, 6. XI. 1931 Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische RundschauG.m.b.H-,Berlin W15, Meinekestr.10. Telephon: J 1 Bismarck 716570־- Anzeigenschluß; Dienstag vad Freitag nachmittag• 4Ubr RedaktionsschluS Sonntag und Mittwoch nachmittag. Postscheck - Konten: Berlin 192י3ל, Basel V 9155. Belgrad <58032, Brüssel 39433, Badapest 596 93, Danzig 1973, Haag 140 470, Prag 59410, Riga 4155, Snrasbhurg 16430, Warschau 190708, Wien 156030 Bank Kosten: Darmatldtar- und Nau'onalhank, Depositen Kasse Berlin, Kurfürstendatzim 52: Rumänische Krediibank, Cernauti (Rumänien); Arrgto Palestin« Co, in Haifa, lerusale.ro, Tel -Aviv. Par tlftBtewu» ar»trabt für da» jüdische Volk die Schafluna einer ••(entlieh rechtlich gesicherten Heimstätte In PalBstlna. ״Baseler Programm.‘* Dt. Bernhard Kahn in New York Die Kälaslrophe der europäischen Judenhell Dr. Bernhard Kahn, •der europäische Direktor des American Joint Distribution Committee und Mitglied der Exckutive der Jevvish Agency, ist in diesen Tagen aus Berlin in New York eingetroffen. In einem Gespräch mit einem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur erklärte Dr. Kahn, sein Besuch in den Vereinigten Staaten habe den besonderen Zweck, die amerikanisch-jüdischen Führer darüber zu informierehi, daß die Judenheit in Osteuropa von einer schweren wirtschaftlichen Katastrophe bedroht ist. die, wenn nicht rechtzeitig Hilfe kommt, auf die Weltjudenheit übergreifen müsse. Die Juden Osteuropas, fuhr Dr. Kahn fort, haben Verständnis für die Lage in Amerika und erwarten nicht, daß die amerikanischen Juden ihnen die gleichen hohen Beträge wie in den früheren Jahren zu wenden, aber sie erwarten, daß die amerikanische Judenheit sie in ihrer Not nicht ganz vergißt. Die Leistungen des Joint Distribution Committee tür Osteuropa haben sich in den letzten Jahren wesentlich verringert Aber die Verüältnisse in Europa haben sich in einer weise verschlechtert, daß die europäischen Juden schon zufrieden sein würden, wenn es bei den verringerten leistungen aus Amerika sein Bewenden haben würde. In den Jahren 1923 bis 1927 hat Joint׳ jährlich etwa drei bis vier Millionen Dollar für Hilfe an die notleidende osteuropäische Judenheit aufgewendet. Im verflossenen Jahr hat der Joint nur etwas mehr als 500 000 Dollar für Europa, Rußland nicht eingerechnet, aufgebracht Von dieser Summe wurden 303 001) Dollar in Polen verwendet. Rechnet man die Summen hinzu, die die Joint-Ica- Foundation und der Agro-Joint aufgewendet hatten, so betrug die letzte Jahresleistung der amerikanischen Juden- Hejt im ganzen 1600000 Dollar. Die osteuropäische Judenheit, deren Lage sich gegenüber 1923/27 •weit kritischer ges'taltet hat, möchte wenigstens der weiteren Unterstüzung in der.■Höhe des vergangenen Jahres versichert sein. Die Juden!in .den osteuropäischen Ländern haben inzwischen gelernt, sich selbst zu helfen. Sie leisten Uebermenschliches, um ihre Institutionen aufrechtzuerhalten, aber ohne eine, wenn auch Die jüdische Kolonisation in Rußland Ueber 4000 Kolonisten verliefen die Krim-Siedlungen Die jüdischen kommunistischen Organe und die mit der jüdischer» Kolonisation in Rußland betrauten Regierungsstellen!;erstehen sich sehr gut auf Propaganda. Von Zeit zu Zeit werden von diesen Stellen Nachrichten lanciert, die dann direkt oder auf dem Umwege über die Jüdische Telegraphen-Agentur in die jüdische Presse Eingang finden. Es ist vielleicht am Platze, einmal darauf hinzuweisen, daß diese aus offiziell sowjetistischen Quellen stammenden Ankündigungen und Berichte kritisch betrachtet werden müssen. Insbesondere die großen Projekte, die von gewaltigen Siedlungsziffern usw. sprechen, betreffen meist nur Pläne, die auf dem Papier stehen, während die Wirklichkeit ganz anders a u s s i e 111. Wir haben bereits mehrfach in der ״Jüdischen Rundschau“ auf die Diskrepanz zwischen diesen programniatisehen Ankündigungen und den in der kommunistischen Presse selbst veröffentlichten Schilderungen hingewiesen.. Es ist natürlieh trotz aller Vertuschungsversuche unvermeidlich, daß innerhalb der kommunistischen Presse die Wahrheiten über Biro-Bidschan und die anderen Kolonisationsgebiete zutage treten, meist in der Form einer abwehrenden Kritik, d. h. die betreffenden Autoren und Propagandisten schildern mißbilligend die entstandenen Verhältnisse und wünschen deren Verbesserung. Dies ist gewiß anzuerkennen, und wir sind die letzten, die die Schwierigkeiten solcher kolonisatorischen Unter• nehmungen verkennen oder aus dem Mißlingen endgültige Schlüsse ziehen würden. Auf der anderen Seite aber ist es notwendig, naive Leser vor der kritiklosen Hinnahme, der offiziellen Sowjet-Communiques zu warnen. In diesem Sinne ist wohl folgende soeben aus Rußland kommende Nachricht aufzufassen: ״Die laut Beschluß des Zentralex־ekutivkomitees der Sowjetunion eingesetzte Kommission zur Aufstellung eines Einwanderungsplans für Biro-Bidschan im Zusammenhang mit dem Beschluß der Regierung der Sowjetunion, Biro-Bidschan zu einem autonomen nationalen jüdischen Territorium oder einer jüdischen Republik auszugestalten, hat beschlossen, im Jahre 1932 4000 jüdische Familien und 3000 Alleinstehende in Biro-Bidschan anzusiedehi. Der Plan sieht eine Einwanderung von 1200 jüdischen Familien und 1000 alleinstehenden Juden aus dem Ausland vor. Eine sechsgliedrige Kommission zur Ausarbeitung eines Finanzplans für die Biro-Bidschan- ־ Einwanderung wurde eingesetzt. Die Sowjetregierung wird — so wird angenommen — für das Aufbauwerk in Biro Bidschan im Jahre 1932 eine Summe von 20 Millionen Rubel zur Verfügung stellen.“ Es muß abgewartet werden, wieviel von diesen Plänen zu verwirklichen ist. Bekanntlich hat die Kolonisation in Biro-Bidschan bisher trotz der intensivsten staatlichen Unter- Stützung gewaltige Mißerfolge aufzuweisen und die Siedler strömen zurück in die Städte. Daß die Russen, obwohl in allen Städten Rußlands verelendete und existenzlose jüdische Massen sitzen, die Kolonisten für Biro-Bidschan sich ans dem Ausland, zum Teil bis aus Argentinien holen, ist gleichfalls wohl nur im Sinne einer besonders demonstrativen Propaganda aufzufassen. Damit will man vor allem die jüdische Jugend in diesen Ländern für den Kommunismus ködern, indem man ihr vortäuscht, daß auch ihre persönlichen Zukunftsfragen in Rußland gelöst werden können. Vor dem Auftauchen des Planes von Biro-Bidschan war bekanntlich die kommunistische Parole eine jüdische Republik in der Krim. Dieses ״Krim-Projekt“ wurde bescheidene. Hilfe sind ihre Anstrengungen zum Scheitern verurteilt. Hören die Leistungen aus Amerika auf, so werden die mit der Hilfe und den Mitteln des American Joint Distribution Committee errichteten lebenswichtigen Institutionen sicher znsammcnbrechen, Dr. Bernhard Kahn gab einen Ueberblick über die tage der Juden in den verschiedenen Ländern und führte aus, in wirtschaftlicher Hinsicht sei die Lage der Juden in Polen am kritischsten; dort ist die Stimmung eine direkt verzweifelte. Nicht viel besser ist die Lage der Juden in Bessarabien und in Karpathorußland, wo große Teile der jüdisehen Bevölkerung tatsächlich am Verhungern sind In Rußland hat sich die Lage der Juden insofern gebessert, als die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung in die lndustriefront eingereiht wurde. Mag an sich das Leben in Rußland hart sein, so haben doch die Juden dort die gleichen Möglichkeiten wie alle. Die junge jüdische Oeneration arbeitet in den Fabriken, es gibt heute in Rußland nur noch wenige ״Deklassierte“. Auf die Lage in Palästina zu sprechen kommend, stellte Dr. Bernhard Kahn fest, daß die Weltkrise das Land Palästina nicht in dem gleichen Maße erfaßt hat, wie andere Länder. Das jüdische Aufbauwerk in Palästina aber leidet sehr stark darunter, daß die Jewish Agency mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Die Jewish Agency ist infolge dieser Schwierigkeiten nicht in der Lage, ihr Werk in Palästina in dem geplanten Umfang fortzuführen. Ich bin hierher gekommen, schloß Dr. Bernhard Kahn, um den Führern der amerikanischen Judenheit die Lage der Juden in Europa, wie sie heute ist, darzulegen. Wohl weiß ich, daß die wirtschaftliche Lage auch hier in Amerika eine schlechte ist, ich glaube aber, daß die amerikanische Judenheit immer noch in der Lage ist, von der osteuropäischen Judenheit die große Katastrophe abzuwenden, die, wenn nicht sofort Hilfsmaßnahmen ergriffen werden, notwendig hereinbrechen muß. vor etwa sechs Jahren in den jüdischen Massen erbittert umstritten, da man es, besonders in Amerika, als eine.Konkurrenz für den Zionismus auffaßte. Es hat sich indessen bald herausgestellt, daß an eine jüdische Republik in der Krim nicht im entferntesten zu denken ist, sondern daß im besten Falle isolierte jüdische Kolonien dort geschaffen werden können, teilweise im Anschluß an die bereits aus der Vorkriegszeit stammenden Ica-Kolonien der Südukraine. Diese Bestrebungen einer Produktivierung sind gewiß zu begrüßen, mit Lösung der Judenfrage haben sie jedoch nichts zu tun. Aber auch über diese jüdische Kolonisation in der Krim kam sehr bald die Ernüchterung. Wie sich die Verhältnisse dort gestalten, lehrt eine andere uns gerade vorliegende Meldung: ״Fm Zusammenhang mit der Tatsache, daß in den allerletzten Wochen wiederum 250 jüdische Neusiedlerfamilien die Krim verlassen haben, wodurch in diesem Jahre die Zahl der jüdischen Familien, die sich von der landwirtschaftlichen Betätigung in der Krim zurückgezogen haben, 4000 erreicht hat, untersucht der ukrainischjüdische Kommunist Schalik in der Moskauer jiddischen Tageszeitung ״E m e s s“ die Ursachen dieser Abwanderung. Die jüdischen Kollektiven in der Krim, meint Schalik, haben ein Zuviel an Boden. Da die Kollektiven gezwungen wurden, den gesamten Boden zu bearbeiten, mußten sie fremde Arbeitskraft benützen, dadurch stiegen die Ausgaben ins Ungemessene, so daß Verluste entstehen mußten. Der Verfasser führt noch eine Reihe anderer Gründe für die Abwanderung an, z- B. Ueberschuldung, Wohnungsmangel, Mangel an Schulen, Aerzten, Apotheken. Schalik fordert eine Reorganisierung der SiedluDgsarbcit auf der Grundlage, daß beim Aufbau des Kollektivs schou gleich die Wohn- und Kulturinteressen der Neusiedler berücksichtigt werden.‘‘ Es wäre sehr zu wünschen, daß die hier geforderte. Re- Organisation ehestens durchgefiihrt wird und es ist zu hoffen, daß schließlich doch in der Krim eine Anzahl jüdischer Familien in der Landwirtschaft ihre dauernde Existenz finden werden. Den großen Plänen einer schnellen Massenkolonisation muß ma.1 jedoch nach allen Erfahrungen mit großer Skepsis gegenüberstehen. Aus dem arabischen Lager Die ursprünglich für den 2. November, dem Jahrestag der Balfour-Deklaration, angesetzte antizionistische Detnonstration in der Albert Hall in London unter dem Vorsitz von Lord Brendford (Sir William Joynson-Hicks, dem ehemaligen konservativen Innenminister) wurde auf den 13. November verschoben. Der Mufti von Jerusalem veröffentlicht in der arabischen Presse eine Erklärung, in der er mitteilt, daß er nicht die Absicht habe, aut dem bevorstehenden panisla- Britischen Kongreß in Jerusalem die Wahl eines Kalifen zu beantragen. Der Kongreß werde sich mit der Kalifatfrage nur theoretisch befassen. Palästinensische und ägyptische Zeitungen teilen mit, daß der Jerusalemer Mufti, um seine schwankende Position zu befestigen, den Plan hegt, die Omar-Moschee zu einem Heldentempel der Moslems zu machen. Seine Kreise setzen sich dafür ein. daß der Leichnam Omar Mukhtars, des von den Italienern hingerichteten Führers der Araber Tripobtaniens, gleich dem des indischen Moslem- Führers Mohammed Ali und des früheren Königs Hussein, ן im Gebiet der Omar-Moschee bestattet werde. Zum Entwurf eines neuen Judengeseizes Von Dr. Max Ko lienscher. Im zuständigen preußischen Ministerium ist der ■Entwurf eines ״Gesetzes über die Synagogengemeinden“ fertiggestellt, der nach Billigung durch das Staatsministerium dem Landtag noch vor Ablauf der gegenwärtigen Legislaturperiode vorgelegt werden soll. Ueber die Entstehungsgeschichte und das voraussichtliche Schicksal dieses Entwurfes, über seinen Zweck und seinen Inhalt wird in politischer und juristischer Hinsicht noch vieles zu sagen sein und gesagt werden, sobald der Entwurf die Oeffentlichkeit beschäftigen wird. Einiges Grundsatzliehe muß aber schon in dem gegenwärtigen Stadium der Vorbereitung gesagt werden. I. Jedes neue Judengesetz wird sich mit der Frage der Autonomie der Gemeinden, wie sie im Artikel 137 der Reichsverfassung■ fcstgelegt ist, abzufinden haben. In dieser Beziehung ist der preußische Staat mustergültig vorgegangen, als er die Kirchenverfassungen der evangelischen Landeskirchen staatlich geregelt hat. Das Staatsgesetz v. 8. April 1924 führt die Verfassungen auf, die sich die sieben evangelischen Land eskirchen gegeben haben,und bestimmt im Artikel 1: ״Nachdem die... Verfassungen von ihren verfassunggebenden Kirchenversammlungen festgestellt und erlassen sind..., wird ihre Rechtsgültigkeit staatlicherseits anerkannt.“ Es haben also die Kirchen selbst sich Verfassungen autonom gegeben, die der Staat unter Wahrung der staatlichen Reservate anerkannt hat. Nicht nur aus Gründen der Parität, sondern auch zur Wahrung des Prinzipes der Autonomie muß die preußische Judenheit verlangen, daß auch die von ihr beschlossene Gemeindeverfassung in gleicher Weise die staatliche Anertienratmg findet. Im Frühjahre 1928 fiat der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden in seltener Einmütigkeit ein Judengesetz beschlossen und es der Staatsregierung zur verfassungsgemäßen gesetzlichen Verabschiedüng vorgelegt. Dieses Gesetz entspricht, wie seine einmutige Abnahme ergibt den Wünschen der preußischen Judenheit. Es zur Verabschiedung zu bringen, heißt nicht nur der formalen Autonomie staatsrechtlich genügen, sondern auch den wahren Willen der preußischen Judenheit materiell zur Ausführung bringen. II. Der hiergegen erhobene Einwand, daß die Judenheit Preußens nicht eine Einheit darstelle, sondern in einzelne Gemeinden aufgelöst sei, greift nicht durch. Die Tendenz des Gesetzes von 1847 war allerdings die Atomisierung der Judenheit in einzelne Gemeinden. Die inneren Kräfte der Judenheit haben jedoch immer schon auf Verein!־ gung gedrängt. Freiwillige Verbände sind in den Provinzen und für das Reich durch den D. J. G. B. geschaffen worden; in der Zeit nach der Staatsumwälzung haben sich die Landesverbände gebildet. Der Staat selbst braucht nur diese Verbände anzuerkennen, wozu er nach dem Prinzip des Art. 137 Abs. 5 Satz 3 der Reichsverfassung verpflichtet ist, und er hat die Gemeinschaft gefunden, die jeder der evangelischen Landeskirchen parallel ist. Die Parallelität geht sogar so weit, daß auch bei. uns zwei Landesverbände vorhanden sind, von denen ein jeder anerkannt werden soll und muß. Bisher freilich hat der Staat ein preußisches Judentum nur in einer Beziehung anerkannt, nämlich bei der Austrittsfrage. Hier gibt es einen Austritt aus dem Judentum neben dem Austritt aus der einzelnen Gemeinde. Wir verlangen, daß man endlich ein Judentum nicht nur da anerkennt, wo es gilt, den Austritt aus ihm zu sanktionieren, sondern daß man es auch gelten läßt, wo es sich um die Förderung seiner Aufgaben, um die Wohlfahrt seiner Glieder handelt.!11. ln der Frage des Austritts versagt der Entwurf vollkommen. Er wiederholt lediglich die Bestimmung des § 4 des Gesetzes vom 30. November 1920, wonach der Austritt ohne Angabe von Gründen und mit einer völligen Steuerbefreiung schon vom Schluß des Steuerjahres an zulässig ist. Damit ist der großen Gefahr nicht gesteuert, der jetzt die mittleren und kleinen Gemeinden unausgesetzt durch Austritte einiger wohlhabender Mitglieder aus .dem Grunde der Steuerflucht ausgesetzt sind. Es ist ferner die Gefahr nicht gebannt, daß durch andauernde Drohungen mit dem Austritt Menschen aus eigennützigen oder parteimäßigen Gründen die Verwaltung der Gemeinde in bestimmte ihnen genehme Bahnen zu lenken sich bemühen. Der Staat müßte ebenso wie die Gemeinden ein dringendes Interesse daran haben, Stabilität und Konsolidierung der Gemeinden zu sichern und den Aus-