Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 85 (3.11.1931)
- Date
- 1931-11-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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,Juda verrecke“ f Wilhelm Stapels Antwort) Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u•Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5.75 Goldmark. AuslaxKJsabcmneiueEts werden in de» Währung der einzelnen Lander berechnet. Anzeigenpreis 8 gesp. NcmpareiJjczeiJ«? 0,50 G ־M Stellengesuche 0,25 G-M. Redaktion, Verlag und Anzeigen ־Verwaltung; Jüdische RundschauG.tn.b.H.,BerlinW15, Meinekestr.10. Telephon: J I Bismarck 7165• 70. ArtzmgeascWuß: Dienstag und Freilag aachmitt «gt 4Uht Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Posticheck - Konten: Berlin 173 92, Basel V 9355. Belgrad 680 32» Brüssel 39433, Budapest 59693. Danzig 1973. Haag 140470. Prag 59410, Riga 4155» Strassburg 16430. Warschau 190708. Wies 156 030. Bank .Kosten: Dannstädter- und NarionaihaDk, Depositen ־ Kasse Berlin, Kurfürstendamm 52: Rumänische Kreditbank, Ceraaud (Rumänien); Anglo!*alcstme Co. in Haifa, Jerusalem, Tel-Aviv. ב״ג תשוו תתנ״ב | xxxvi, jahrg. Dar Zionismus erstrebt för das ilidlsche Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm.'* Nach den englischen Wahlen Kurze Umschau (Von unserem Londoner Mitarbeiter.) S. London, 1. November. Es ist nicht unsere Aufgabe, das Ergebnis der englischen Wahlen in einer allgemeinen Bede.iluiu» hier zu analysieren. Vom zionistischen Gesichtspunkt ist vor allem wichtig, daß für die nächsten Jahre eine gewisse Stabilität der englischen Politik anzunehmen ist, sofern das Parlament in Frage kommt. Freilich hat sich gerade in der letzten Periode gezeigt, daß auch in England nicht die parlamentarischen Vcrliältnissc allein für die Gestaltung־ der Politik atisschlaggebend sind. Ereignisse und Entwicklungen anderer Art üben tiefgreifende Wirkung auch auf das politische Leben und auf Maßnahmen der Verwaltung. So z. B. hat die Finanzkrise und die Erschütterung der englischen Währung nicht mir zum Sturz der Arbeiterregierung und zu Neuwahlen geführt, die sonst vermutlich vermieden worden wären, sondern auch das Programm der Regierung in den verschiedenen Einzelfragen muß diesen neuen Tatsachen Rechnung tragen. Daraus er- ::;eben sich gerade im gegenwärtigen Stadium wichtige Folgen für Palästina, weil zum ersten Male seit dem britischen Regime in Palästina jetzt im Mittelpunkt der Palästinapolitik eine große Finanztransaktion steht. Bekanntlich war das einzige große konkrete Ergebnis der verschiedenen von der Regierung angestellten Untersuchungen, des Berichtes von Hope Simpson und von Strickland, sowie der durch den MacDonald-Brief beendeten Verhandlungen des Kabinetts- Komitees mit der Jevrish Agency, der Plan einer Landentwicklungs-Anleihc von 2F■ Millionen Pfund, und obwohl über die Verwendung dieses Kapitals noch keine Einigung erzielt worden war, so bestand doch die Aussicht, daß ein erheblicher Teil dieses Betrages die Jcwish Agency forderte eine Million Pfund für die jüdische A«Siedlung verwendet worden wäre. Nun ist mit einem Male aus naheliegenden Gründen, die mit Palästina nichts zu tun haben, diese Anleihe in Frage gestellt, und obwohl die Regierung sich darüber noch nicht definitiv geäußert hat, ist nicht anzunehmen, ,daß sie jetzt einen Antrag auf Garantierung einer solchen Anleihe im Parlament einbringen wird. Sollte aber dieser Plan, auf dem die ganze Palästinapohtik der nächsten Jahre aufgebaut war, entfallen, dann würde sich die Notwendigkeit ergeben, etwas anderes an seine Stelle zu setzen, und darüber besteht bisher noch völlige Unklarheit. Wir haben keine Anhaltspunkte, was die Regierung bcabsichtigf, da sie in der erregten Zeit der letzten Wochen nodj keine Muße hatte, sich mit Palästina zu beschäftigen. Nachdem jetzt die Wahlen vorbei sind und die nationale Regierung fest im Sattel sitzt, wird sie sich allmählich auch solchen Einzelfragen zuwenden. Vorläufig freilich ist sic noch mit der eigenen Neuordnung beschäftigt Die Umbildung des Kabinetts, das erheblich erweitert werden soll, ist, während diese Zeilen geschrieben werden, noch nicht erfolgt Wenn in dieser Woche das Parlament Zusammentritt, wird im Vordergrund des Interesscs die Frage der Zollpolitik stehen, an der auch Palästina interessiert ist, insbesondere soweit es sich um1 etwaige Vorzugszölle innerhalb des britischen Reiches handelt, wobei dann die heikle Frage der Behandlung eines Mandatslandes auftauchen wird. Was die uns interessierenden Ministerien betrifft, dürfte keine Veränderung ein treten, obwohl es nicht sicher ist. ob Lord Reading das Außenamt hcliälf. Der Kolonialminister Thomas ist im Kampf gegen seine bisherige Partei wiedergewählt ־worden, ebenso seine beiden Unterstaatssekretäre Malcolm Mac Donald und Sir Robert Hamilton. Daß aber diese Minister durch Konservative ersetzt werden, ist unwahrscheinlich. Denn trotz der ungeheuren Mandatszahl der Konservativen wird der Sieg allgemein nicht a,ls ein Sieg der konservativen Partei, sondern als Sieg der nationalen Regierung be¬ Die Katastrophe einer ffldlschen Bank Marmarosch - Blanc ei Cie in Bukarest Wie in allen Ländern, zeigen sich auch in R 11 m ä n i c. n spezifische Rückwirkungen der Wirtschaftskrise auf die Lage der Juden. Am empfindlichsten werde« weite jüdische Volksschichten getroffen, wenn Banken, die das Vertrauen der jüdisehen Bevölkerung genossen, ins Wanken geraten. In New York sind bekanntlich Zehntausende von Juden durch den Zusammenbruch der jüdischen ״United States Bank“ ruiniert worden. Achnliches geht gegenwärtig in Rumänien vor sich. In den letzten Wochen steht das berühmte Bankhaus Marmaroscb-Blanc im Mittelpunkt der Sorgen. Bis heute ist sein Schicksal noch ungewiß. Die Schließung der Bank, einer der letzten, die noch jüdische Angestellte in nennenswertem Ausmaß beschäftigte, würde viele Hund e r t e jüdischer Existenzen mit einem Schlage brotlos machen. Weitere Entlassungen wären in den lndustrien, die 1'n dieser größten aller rumänischen Privatbanken ihren finanziellen Rückhalt hatten, zu gewärtigen. Aber auch für den Fall, daß das Sanierungsprojekt der Regierung durchgeführt werden sollte, ist mit einem Abbau der jüdischen Beamten und deren Ersetzung durch nicht jüdisch c Kräfte zu rechnen. Die Verdrängung der rumänischen Juden aus ihren wirfschaftlichen Positionen erfaßt heute nicht nur die breite Aiasse der jüdischen Kleinhändler und Kleingewerbetreibenden, sie trachtet Auch die konservativen Führer, vor allem Ba Id wi n , haben dies in loyaler Weise anerkannt. Interessant für uns ist dabei vielleicht der Umstand, daß als einer der charakteristischesten, für die Gesamtsituation ausschlaggebenden Fälle die Wahl von Sir Herbert Samuel gilt. Samuel hatte in seinem Wahlkreis Darwen eine Majorität von über •10(10 Stimmen über seinen konservativen Gegenkandidaten, während er 1929 mir 162 Stimmen Mehrheit hatte. Daraus wird allgemein geschlossen, daß die Konservativen nur dort siegten, wo sie im Namen der nationalen Regierung auftraten, dagegen eine schwere Niederlage erlitten, wo sie im Kampf gegen einen Kandidaten der nationalen Regierung standen. Das Resultat in Samuels Wahlkreis bildet so das stärkste Argument gegen etwaige Ansprüche der Konservativen, die diese aus ihrer gewaltigen Parteimajorität herleiten könnten. Die früheren konservativen Leiter des Kolonialamtes A in e r v und Ormsby Gore, die beide als Freunde des Zionismus bekann! sind, wurden wiedergewählt Dagegen ist der der , Arbeiterpartei angehörige ehemalige Unterstaatssekretär des Kolonialamtes, Dr. Shiels, unterlegen. Die in einigen jiidischcn Zeitungen verbreitete Nachricht, Lord Passfiel d sei in seinen! Wahlkreis durchgefallen, ist natürlich reiner Unsinn, da Lord Passfield Mitglied des House of Lords ist und daher gar nicht am Wahlkampf beteiligt war. Von sonstigen Resultaten wäre vor allem der Sieg des liberalen Kandidaten Bar nett j a n n c r in Whitechapel hervorzulieben■ Jänner, der der liberalen Partei (Samuel-Liberalen) angehört, ist ein Zionist, der auch innerhalb der Delegation der englischen Zionisten am letzten Zionistenkongreß teilnahm und dort der Gruppe A der Allgemeinen Zionisten angehörte. Die Kongreßteilnehmer werden sich noch mancher komischer Szenen erinnern, die sich daraus ergaben, daß Mr. Jänner, offenbar in Unkenntnis der kontinentalen pariamentarischen Sitten, im Plenum des Kongresses Bräuche des englischen Parlamentarismus einfiihre» wollte, ־wodurch er sich die kopfschüttelnd!' Mißbilligung des Präsidenten Motzkin zuzog. Jänner hat in Whitechapel bereits bei der Nachwahl im Dezember 1930 kandidiert, wobei er vor allem um die jüdischeu Stimm«! warb, un-d als Hauptwaffe gegen seinen. Gegen* Kandidaten Hall, den Vertreter der Arbeiterpartei, die Be* kämpfung des damals gerade, herausgekommenen Passfieldsehen Weißbuches benützte. Die Hineinziehung der Palästinafrage in die Whitechapel-Wahlen war bekanntlich damals lebhaft umstritten und wurde von der Zionistischen Exekutive und vielen besonnenen zionistischen Elementen als bedenklich betrachtet. Andererseits kann man nicht leugnen, daß die Arbeiterregierung damals aus Besorgnis uni das Whitechapler Mandat durch allerlei Erklärungen die jüdischen Wähler zu besänftigen suchte. Damals wurde noch der Arbeiterparteiler Hall mit einer Mehrheit von über 1000 Stimmen (Arbeitermehrheit 1929 über 9000 Stimmen) gewählt Diesmal mm siegte Jänner mit über 1000 Stimmen, und so wird zum erstenmal das Judenviertel Whitechapel durch einen Zionisten im Parlament vertreten -sein. Lin anderer Zionist, der dem früheren Unterhause angehörende Arbeiterabgeordnete Michael :Marcus, ist diesmal nicht wiedergewählt worden. Im ganzen gehören dem neuen Unterhaus 16 Juden an, darunter ist auch James Rothschild. Unter den durchgefallenen, jüdischen Kandidaten befindet sich der ehemalige Präsident der English Zionist Federation Philipp Gucdalla und zwei Mitglieder der mit Herbert Samuel verschwägerten Familie Franklin. Von den beiden aktivsten Prozionisten auf den Lahour-Bänken, Ken worth y und Wedgwood, zieht: n u r d e r letztere in das neue Unterhaus wieder ein. Der Fürsprecher des proarabischen Anti Zionismus, Col. Howard- Bu ry, hat, wie bereits früher mitgeteilt, nicht mehr kandidiert. Von den Freunden des Zionismus in der früheren Reglerung wurde neben dem schon erwähnten Malcolm MacDonald auch der Lord Advocate Aitchison wiedergewählt. Die drei anderen Mitglieder des ehemaligen Kabinett-Komitees, Henderson, Alexander und Shaw, sind sämtlich durchgefallen. hat auch weite Schichten des wohlhabenden jüdischen Mittel- Standes Altrumäniens und die schmale Schicht der jüdischen Großbourgeoisie und F i 11 a n 1 a r i s t o k r a t i e erfaßt. Welche Folgen für dir jüdische Wirtschaft in Rumänien ein völliger Zusammenbruch der Bank Marmarosch-Blanc haben müßte, läßt sich gar nicht absehen. Die Bank hatte das uneingeschränkte Vertrauen der jüdischen Bevölkerung; mit ihrem über das ganze Land sich erstreckenden Netz von Filialen erfaßte sie die große Masse der kleinen jüdischen Einleger und Sparer ebenso wie Industrie und Handelsunternehmungen aller Art. Die Regierung verhält sich den jüdischen Banken gegenüber viel weniger hilfsbereit als den ״echt“ rumänischen. Eine ähnliche Haltung der Regierung war /. B. gegenüber Berkovici in Bukarest und Askenasy in Crajova zu konstatieren. Zu den schweren wirtschaftlichen Schäden, die die rumanisch-jüdische Bevölkerung infolge dieser Bankaffäre erleidet, tritt noch die antisemitische Hetze hinzu. Sogar ernste Zeitungen lassen deutlich die Schadenfreude angesichts der Zertrümmerung einer wichtigen jüdischen Wirt- Schaftsposition erkennen. Dazu kommt die hemmungslose Hetze der ausgesprochen antisemitischen Presse, die die Erregung der Volksmassen auf die Juden abzuleiten versucht, wodurch die infolge der Wirtschaftslage deprimierte jüdische Bevölkerung noch weiter beunruhigt wird. Unser hehrälsdtes SdiulwerK Von N a 11 u וזו S o k o I o w. Der Präsident der Jewitk Agency sendet uns den nachstehenden Artikel, dem wir gern Raum, gelten. Der Appell des Präsidenten, in dieser Stunde das Kolonisations- und Schulwerk nicht zu verlassen, wird gewiß in allen zionistischen Kreisen ein lebhaftes Echo finden. Hoff entlieh gelingt es der Exekutive auch wirklich, das Sefaüwerk wenigstens in beschränktem Umfang über die Krise hinüberznrelttn. Red. Was macht ein Volk zum Volk? Diese Frage führt auf eine genetische Erklärung des Begriffes, nach der wir unter Volk eine mit den Mitteln der geistigen Vereinigung, insbesondere der Sprache, Geschichte, Lebensweise, zusammengehaltene Gcrneinscliaft einer größeren Anzafil von Menschen verstehen müssen. Wie alle wahre Einheit, wird auch die Einheit bei einem Volke hauptsächlich mit geistigen Kräften in ein Lebens- Prinzip befestigt. Solange diese Kräfte bestehen, ist auch der Bestand des Volkes unzerstört. Der gemeinschaftliche Boden unter den Füllen, der gemeinsame Himmel über den Häuptern ist selbstverständlich die erste Bedingung für die Erweckung geistiger Gemeinschaft, aber hier beginnt die eigentliche innere Aufbauarbeit. Der geistige Besitz ist nicht weniger als der materielle, der ein Volk zum Volk macht, genauer die Idee seiner selbst und das Prinzip seines Lebens, das als National* heiligtum über den Vielen schwebt und alles durchzieht, was durch große Erinnerungen wie mit einer Götterspeise genährt wird, das sich in gemeinsamen Sitten ausprägt und insbesondere durch das Medium der gleichen Sprache in lebendigem Fluß gehalten wird. Dies haben auch die Tyrannen aller Zeiten sehr wohl erkannt und sich darum zur Regel gemacht: Nehmt dem Volke seine Sprache und ihr nehmt ihm sein Leben! Objektiv wird durch die Geschichte die Idee des Volkes dargcstellt, subjektiv die Entwicklung des Selbstbewußtseins vollzogen; je mehr die Idee wächst, desto mehr wächst der Inhalt des Selbstbewußtseins, und je mehr der Inhalt des Selbstbewußtseins an Gehalt zunimmt, um so vollständiger wird dir Idee realisiert. So wird jeder Einzelne in einem gesunden Volk ein Glied in der geschichtlichen Kette, Die Geburtsstätte des geistigen Individuums ist die Gemeinschaft. Einer der tiefsten Gedanken einer klassischen Ideologie ist der, daß alles Wissen des Menschen Erinnerung sei. Wenn das Altertum diese ■ LrinjirruBg'-au» dem vorzeitlicl1«-Wn114tl|1 ■mit den Ideen geschöpft sein läßt, so verliert es sich freilich dadurch in mythologische Darstellungen. Aber dieser Mythos birgt eine tiefe Wahrheit. Man lernt hier, wie die Verbindung der Glieder und die Bildung des einzelnen Gliedes vollzogen wird. Die Individualität wird durch das Eingehen in Andere gesetzt und erhalten. Das ist eben der Vorzug des geistigen Seins vor dem bloß Körperlichen, daß dort ein Eingehen des einen Individuums in das andere stattfinden Rann, ohne daß die Einheit vernichtet wird. Sie wird vielmehr dadurch höher gesteigert. Eine dieser Hauptkräfte ist die Sprache. Sie ist das kräftigste Mittel der Gemeinschaft. Denn sie ist das Vermögen des Menschen, sein Innerstes mitzuteilen. Durch den fortwährenden sprachlichen Verkehr der Glieder eines Volkes entsteht eine Summe von Vorstellungen, die in der Tradition die g e i s t i g c S u h s t a n z. des Volkes ausmacht. Die Zusammengehörigkeit eines Wortes und eines Begriffes ist in der Tat eine genauere als die gemeine Ansicht zuzugeben geneigt scheint. Mit dem Wort wird mehr als der bloße Geist mitgeteilt; es wird damit auch der Gedanke des Einen in die Seele des Anderen übertragen. Unter diesem Gesichtspunkt ist das hebräische S c h u 1 vv e r k in Palästina nicht nur ein Gebiet des Unterrichts und der Erziehung, wie in jedem anderen Gemeinwesen, sondern es ist das eigentliche volksschöpferische Element, die Sicherung der Zukunft, die Vorbereitung der Mensehen in einem nicht geringeren Grade als die Bearbeitung des Bodens und die Schaffung der materiellen Bedingungen für Industrie und Gewerbe. Die Schulen sind nicht nur kulturspendende Lichtpunkte, sie schaffen hebräische Kultur, ohne die ein nationales Heim eine Fassade darstellen würde. Wird diese Tätigkeit eingeschränkt, so kann nur zweierlei geschoben: Entweder wächst ein Geschlecht heran, das überhaupt kulturlos und unwissend ist, oder fremde Kulturen setzen ein und das Wesentliche, der Kernpunkt der Nationalität, der eigentliche Berechtigungsgrund für das Heim in historischer und sittlicher Beziehung geht verloren. Beides wäre katastrophal und deshalb muß alles geschehen, um das Werk — wenn es nicht unter den jetzigen furchtbar schwierigen Umständen vergrößert werden kann - wenigstens aufrecht zu erhalten, bis bessere Verhältnisse cintreten und wir in der Lage sind, an die Arbeit der Vergrößerung unseres Schulwerkes zu schreiten, Dunkel und verhorgen schlummert in der hebräischen Sprache unser eigenes geistiges Selbst. Wie der Boden Erez- Israels die potenzielle Schatzkammer der materiellen Früchte ist, so ist die hebräische Sprache die Pflanzschule für unsere geistigen Güter. Das Instrument unseres Fortbildungs- und Gcstallungsprozesscs, die Seele der Wiedergeburtsarbeit und die edelste Form unserer geistigen Autonomie, ohne die jede andere auch die vollkommenste Autonomie ein hohles Gefäß wäre. Wie der ackerbautreibende Jisclniw die Form der organisierten unmittelbaren Gewinnung der wirtschaftlichen Mittel ist, so ist die Schule das Organ der Eierausarbeitung kultureller Faktoren für ein jüdisches Gemeinwesen. Erez-lsrael muß hebräisdi werden und dieser Prozeß der Wiedergeburt kann nur durch unsere eigener! hebräischen Schulen mit Erfolg durchgeführt werden, Die Männer, denen die Erziehung der heran-