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Jüdische Rundschau · 1931-10-27 · Heft 83 (27.10.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 83 (27.10.1931)
Date
1931-10-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Bitte Schicksalsfrage des deutschen Zionismus? Mtnzelmrmmcr 0£S Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint iedenDienstag uJreitag. Bezugspreis b« der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. AuslandsaboTiBrtraemtR warden m der Währung dar eixuelnen Linder berechn««. Aarreigemprei«: 8 g«sp. NaapareüW«*{!®* 030 G.-M- Staliengemidb« 0,25 tk-M. Redaktion, Verlag und Anzeigen -Verwaltung: Jüdische Rundschau G-m. b.H., Berlin W15, MetaekeetrJO. Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. Poiticheck - Komtat Berlin 17392, Baad V 9355, Belgrad 68032. Brüaaei 39433. Budapest 59693, Dornig 1973, Haag 140470, Prag 59410. Riga 4155, Straaehöjrg 16430, 'Warschau 190708, Wien 156030. Baak .Kenten: Deitnstidter - und Nadoaalbank, Depositen - Kasan Berlin« KorfürsteacUmm 52; Rtimlniacb# Kreditbank, Omauri (Rumänien): Anglo PalaartB* Ce in Haifa» Temaalem, Tat!-Aviv, Nummer 83 | Berlin, 27. X. 1931 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. ס״ז חשון תרצ״ב | xxxvi. jahrg. Dar Zionismus erstrebt für das iildlsche Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten MelmstSIte In Palästina. »Baseler Programm.‘ Die Jewish Agency-Schulen eröffnet Jerusalem, 22. Oktober. (J.T. A.) Am 20■ Oktober Kommunismus und Zionismus Bericht Uber eine Diskussion wurde In den Elementarschulen und Kindergärten des Jewish Agency-Schulwerks In ganz Palästina der Unterricht wieder aufgenommen. Geschlossen sind nur noch einige Schulen in Tel-Awiw und in Chederah. * Die letzte Nummer der englischen Wochenschrift .,The Near East and India‘' beschäftigt sich mit der Situation des zionistischen Erziehungswesens und weist darauf hin, daß die Engländer nicht das einzige Volk sind, die in der gegenwirtigen Zeit vor der Notwendigkeit der Kürzung ihres Schulwesens stehen; im Gegenteil, die jüdischen Lehrer Palästinas dürften ihre englischen Kollegen noch beneiden. Nach einer Schilderung der Sachlage fährt das Blatt fort: Die künftige Entwicklung ist nicht leicht vorauszusehen, aber es scheint unwahrscheinlich, daß die Jewish Agency eines ihrer bisher am höchsten geschätzten Privilegien, nämlich die hebräische Er- Ziehung der hebräischen Kinder, aufgeben wird. Wenn diese Erziehung sich aber doch undurchführbar erweist, dann gäbe es wohl keinen anderen Weg als die jüdischen Kinder zu den bereits heute überfüllten Regierungs-Schulen in Palastina zuzulassen. Denn es ist klar, daß die Palästina-Regierung nicht in der Lage ist, jetzt ihre Beiträge zu den hebräischen Schulen zu erhöhen. Die moslemische Konferenz in Jerusalem Wie der ״Times“ aus Kairo telegraphiert wird, ist nunmehr die Einberufung der moslemischen Konf*rf2״ *ür den 7. Dezember nach Jerusalem offiziell erfolgt. Als Einberufer zeichnet Hadsch Emin, der Mufti von Jerusalem, als Ort der Tagung ist die Akza- Moschee in Jerusalem in Aussicht genommen. Auf der Tagesordnung steht die allgemeine Lage des Islam, die Frage des Panislamismus und des Kalifats, die Frage der Hedschas- Bahn, der Klagemauer und der Erhaltung moslemischer Denkmäler. Trotz dieser Meldung, die durch andere Nachrichten über die Einladung all«• mohammedanischen Fürsten Vorderasiens, Nordafrikas, Arabiens und Indiens usw. ergänzt wird, scheint uns das Zustandekommen einer wirklich repräsentativen Konferenz dieser Art noch“ äußerst unsicher zu sein. Den Bemühungen des Mufti und des mit ihm zusammen arbeitenden Inders Schaukat Ali stellen sich auf anderer Seite zu viel Widerstände entgegen. Diesem Gedanken gibt auch die englische Zeitschrift ״The Near East and India" Ausdruck, die sich am 22. Oktober mit den Qerfkhfen über Schaukat Alis Bemühungen zur Wiederherstellung des Kalifats beschäftigt und betont, Schaukat Ali habe sich bisher auf fallend un informiert über die in der islamischen Welt herrschenden Tendenzen gezeigt. Im wahabitischen Arabien finden seine Anregungen völlige Ablehnung und es wäre sehr seltsam, •wenn es ihm jetzt gelänge, die vcrschicdenen moslemischen Staaten auf die Wahl eines Kalifen zu einigen. Der Islam, so fährt das Blatt fort, hat sich auch ohne Kalifen ganz wohl befunden und der Versuch, eine überflüssige Institution zu erneuern, wird nur die nationalen Rivalitäten aufflackern lassen. In Wahrheit gäbe es nur einen heute möglichen Kalifen, nämlich Ibn Saud. Aber was Ibn Saud und Schaukat Ali voneinander denken, bleibt lieber ungesagt. Darum, so schliefst das Blatt, gibt es viele Dinge, über die sich Moslems heute mit mehr Nutzen unterhalten können als über das Kalifat. In aller Kürze Der neue High Commission er, Sir Arthur Wauchope, wird am 20. November in Palästina eintreffen. Die Palästin a-Regierung dementiert offiziell die in einem Teil der Presse verbreiteten Nachrichten, wonach eine Kündigung der bestehenden Zollvereinbarung zwischen Syrien und Palästina beabsichtigt sei. Vierzehn streikende jüdische Arbeiter in dem den Herren Spiro und Getzler gehörenden Orangenhain in Petach Tikwah wurden unter der Beschuldigung, eine illegale Versammlung abgehalten zu haben, mit je drei Pfund Geldstrafe oder 13 Tagen Gefängnis belegt. Acht weitere Streikende wurden verhaftet, aber bald wieder freigelassen. Dr. Chaim W e i 1 m a n n hat eine Einladung des tschechoslowakischen zionistischen Landesverbandes, im Dezember in die Tschechoslowakei zu kommen und in einer Reihe von Städten in öffentlichen Versammlungen zu sprechen, angenommen. Während seines Wiener Aufenthaltes wurde Prof. Einstein von der Wiener Kultusgemeinde empfangen und besiehtigte deren Institutionen. Auch das Zionistische Landeskomitee Oesterreichs begrüßte Prof. Einstein in Wien. Die arabische Zeitung ״Felestin“ veröffentlicht in arabischer Uebersetzung den vollen Text des von Professor Einstein in mehreren Zeitungen publizierten Artikels über die Abrüstungskonferenz von 1932. Wie verlautet, beabsichtigt der arabische Anwalt Auni Abdul H a d i die Gründung einer neuen arabischen Zeitung unter dem Namen ״Al Buraq“ (der arabischen Bezeichnung für die Klagemauer). In Haifa wurde unter Teilnahme der Behörden eine neue Kinderheimstätte für Kinder arbeitender Mütter eingeweiht, die aus einer Stiftung eines Juden in Detroit (U. S. A.) errichtet wurde. Die israelitische theologische Lehranstalt (Rabbinersetninar) in W i en ist zu Beginn des neuen Semesters nicht eröffnet worden, und es besteht für sie die Gefahr, daß sie infolge Geldmangels überhaupt geschlossen, blejbtj _ Die jüdischen Kommunisten entfalten In der letzten Zeit eine auffallend aktive Propaganda unter der zionistischen Jugend für den Anschluß an den Kommunismus, für eine Absage an Palästina und für Förderung des jüdischen Kolonisationswerks in Rußland. Offenbar sind diese Kreise der Meinung, daß der jetzige Augenblick besonders günstig für ihre Propaganda sei, weil man mit Rücksicht auf die aktuellen Schwierigkeiten Unsicherheit und Abfallsbereitschaft bei den Zionisten voraussetzt. Richtig ist, daß auch in den Kreisen der zionistischen Jugend die Abgrenzung vom Kommunismus als besonders dringlich empfunden wird, weil es nur zu verständlich ist, daß sich gerade eine idealistische und aktivistische Jugend, wie sie der Zionismus bisher gefunden hat, angesichts der unsagbaren Not der arbeitenden Menschen von dem Ruf des Kommunismus besonders berührt fühlt. Wenn auch in der Theorie Zionismus und Kommunismus keine echten Gegensätze darstellen und theoretisch durchaus vereinbar sind, so bedeutet doch in der Praxis ein Bekenntnis zum politischen Kommunismus Unvereinbarkeit mit zionistischer Gesinnung und Betätigung. Der Kommunismus erscheint heute als die Form, in der sich ein Teil der jüdischen Jugend assimiliert, und man hat das Bekenntnis zum Kommunismus mit Recht als ״rote Assimilation“ gekennzeichnet. So gesehen, bedeutet natürlich die kommunistische Bewegung eine außerordentliche Gefahr für unsere Jugend, und es müssen alle Kräfte mobilisiert werden, um dieser Gegenströmung zu begegnen. Der Verlauf des Diskussionsabends, zu dem der Jüdische Arbeiter- und Kuiturverein (eine partei-kommunistische Organisation) die zionistische Jugend aller Richtungen für den 22. d. M. geladen hatte, hat bewiesen, wie vollkommen grundlos die Meinung ist, daß heute wesentliche Teile der zionistischen Jugend mit dem Kommunismus sympathisieren oder sich dieser Bewegung gegenüber besonders unsicher fühlen, ln ihrem Kern ist die zionistische Jugend durchaus unerschuf tert, und der jüdisch-kommunistische Agitator Heller hat auf diesem Abend von der zionistischen Jugend eine sehr deutliche A,bfuhr bekommen. Viel wesentlicher als der Inhalt von Rede und Gegenreden war das Bild und die Stimmung der Versammlung. Die eine Hälfte des Saales besetzt von jüdischen Kommunisten, die sich überwiegend nicht aus Kreisen der Jugend rekrutierten, sondern aus jenem freischwebenden, entwurzelten, zum Abfall neigenden ostjüdisehen Kleinbürgertum zusammengesetzt war, das heute offenbar das Reservoir für die kommunistische Agitation darstellt. Auf der anderen Seite zionistische Jugend aller Bünde, die mit ungeheurer Spannung und Anteilnahme der Diskussion folgte, die offenbar das zentrale Problem dieser Jugend berührte. Der kommunistische Redner des Abends, Otto Heller, der schon von vornherein sich einen haushohen Sieg attestierte, hatte seine Aufgabe offenbar unterschätzt. Denn was er sagte, hätte auch eine weniger entschlossene und weniger sichere zionistische Jugend nicht überzeugen können- Der erste Teil seiner Rede bestand im wesentlichen aus Gedankengängen des poalezionistisehen Theoretikers Ber Borochow, so daß man sich dauernd erstaunt fragte, wann und wie die entscheidende Wendung zum Kommunismus kommen wird. Der Redner bediente sich einer uns aus dem Kampfe mit der Assimilation wohlbekannten ״dialektischen“ Methode. Erst ist das Wunschbild da, dann wird eine pseudowissenschaftliche Theorie erfunden, um dieses Wunschbild zu bestätigen. Es gebe jüdische ״Nationalitäten“, aber keine einheitliche jüdische Nation. Infolgedessen könne es keine zentrale territoriale Lösung der Judenfrage geben. Die Juden müssen in den Heimatsländern zur Produktivierung kommen, dieser Prozeß ist aber nur möglich unter der siegreichen Fahne der kommunistischen Revolution. Die zionistische Bewegung diene den reaktionären Mächten der Bourgeoisie, jeder Spatenstich in Palästina sei ein Stich gegen die Erhebung des Proletariats. Diese Rede war durchsetzt mit einem reichlichen Schuß Demagogie, auf die sich Herr Heller ausgezeichnet versteht. Nach seiner Darstellung arbeiten in Palästina die Chaluzim, damit die Aktien des Lord Melchett steigen. Jüdische Kommunisten wandern dort in ״zionistische Gefängnisse“ usw. Der Fall Cypern Die schweren Unruhen auf der Insel Cypern verdienen auch vom Standpunkt der Palästinapolitik ernste Beachtung. Cypern ist ein Nachbarland Palästinas, mit dem gerade in der letzten Zeit sich vielfache Beziehungen angesponnen haben. Auf der einen Seite wurde es enger in das Verkehrssystem Palästinas einbezogen (die direkte Schiffslinie Triest—Haifa hält nur in Cypern, auch der Wasserflugverkehr sollte, wie kürzlich gemeldet, aufgenommen werden), auf der anderen Seite wurden Handelsbeziehungen angeknüpft, der Besuch der cyprischen Handelsdelegation in Palästina ist noch in Erinnerung, und in letzter Zeit war Cypern auch als Sommerfrische für Palästinenser in Mode gekommen. Aber abgesehen von diesen nachbarlichen Interessen und abgesehen auch davon, daß die Insel Cypern vor Jahrzehnten in zionistischen Diskussionen als angeblich mögliches jüdisches Koloiüsätionsgebiet eine Rolle gespielt Die zionistischen Diskussionsredner, die in stattlicher Reihe auftraten, haben sowohl die Unzulänglichkeit der kommunistisehen Beweisführung als auch diese Demagogie gebührend gegeißelt. In der Diskussion wurde nicht so sehr der Versuch unternommen, die kommunistischen Voraussetzungen zu erschüttern- Es wurden diese Voraussetzungen sozusagen stillschweigend akzeptiert und nachgewiesen, daß trotzdem der Kommunismus eine Lösung der Judenfrage nicht bedeuten kann. Den Standpunkt der Chaluzim vertraten Liebenstein und Seren i. Sie wiesen nach, daß in entscheidenden Punkten die kommunistische Judenpo'.itik sich der zionistischen Konzeption genähert hätte. Die Kommunisten sähen jetzt ein. daß die Judenfrage nicht allein durch politische und gesellschaftliche Emanzipation zu lösen sei. sondern daß eine Produktivierung und sogar eine Bewegung von der Stadt aufs Land nötig sei, ein Prozeß, der früher vom ״Bund“ als lächerlich und romantisch bezeichnet wurde. Die Bolschewisten hätten sich auch nicht gescheut, ein Bündnis mit der viel gelästerten Bourgeoisie einzugehen, um Mittel für den Aufbau Palästinas zu bekommen. Was Heller gegen Palästina vorgebracht hatte, sei nicht überzeugend. Herzl Berger, als Vertreter der Poale Zioft, kritisierte mit sehr viel Elan die praktische Kolonisation in der Krim und Birobidschan. Er zeigte, daß sich diese Kolonisation in dem jüdisch-kommunistischen Organ ״Emess“ ganz anders darstellt als in der Agitation. Auf Zitate aus einem Artikel, die den kommunistischen Hörern offenbar unsympathisch waren, reagierte der Redner des Abends mit dem charakteristischen Zwischenruf: ״Wir haben sie (die Verfasserin dieses Artikels) zum Schweigen gebracht.“ Von fanatischen! Wahrheitsdrang war bei den kommunistischen Diskussionsgegnern wenig zu spüren. Jede unbequeme Aeußerung ging unter in einem Lärm von ablehnenden Zwischenrufen. K rm o vr i t z charakterisierte die Methoden der Hellerschen Beweisführung als eine typisch assimilatorische. Da es ein einheitliches jüdisches Volk nicht geben dürfe, müssen eben Definitionen erfunden werden, die sich besser dem Schema einordnen. Sprach die li beral e Assimilation von jüdischer ״Gemeinschaft“ oder jüdischem ״Stamm“, um dem unbequemen ״Volks“-Begriff zu entgehen, so unterscheidet Herr Heller zwisehen ״Nationalität“ und ״Nation“. Natürlich dürfen die Juden keine Nation sein, sondern müssen sich mit dem Attribut Nationalität begnüg«!. Besonderen Widerspruch und Zustimmung zugleich fand die Feststellung vor! Kanowitz, daß die Auseinandersetzung zwischen Zionismus und Kommunismus andere Formen angenommen haben würde, wenn es nicht jüdische Kommunisten gäbe, die durch ihre assimilatorischen Tendenzen verblendet sind. Nachdem noch ein ״linker“ Poale Zionist gesprachen hatte, hielt Heller das S c h 1 u ß w o r t. Dieses Schlußwort stellte eine einzige Provokation dar. Es war so unsachlich, daß wohl der Redner selbst daran wenig Freude gehabt haben dürfte. Seine Ausführungen gingen ziemlich übergangslos in fanatische ״Rot Front“-Rufe und ״Nieder mit den Zionisten“-Rufe über. Die zionistische Jugend antwortete auf das Absingen der Internationale mit der hebräischen Internationale. Der Verlauf dieses Abends, der die zionistische Position nicht zu erschüttern vermochte, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß die kommunistische Agitation unter der zionistisehen Jugend ein ernstzunehmender Faktor ist. Die zionistische Jugend wird dieser Versuchung, zeitgemäßen Parolen zu erliegen, nur entgehen, wenn die zionistische Bewegung und die zionistische Wirklichkeit dem sozialen Erneuerungswillen unserer zionistischen Jugend genügend Raum geben wird. Denn die zionistische Jugend lebt nicht auf einer Insel, sondern nimmt am Leben der Welt teil und ist leidend und handelnd in das große Ringen unserer Tage hineingestellt. Ihre Vorstellungen von Freiheit will sie im Zionismus verwirklichen. Wir haben keine Veranlassung, diesen sozialen Erneuerungs willen als ״Bindestrich-Zionismus“ zu bagatellisieren. Er wird, in richtige Bahnen gelenkt, zu einer schöpferischen Kraft i in Zionismus werden. Dr. Siegfried Kanowitz. hat, liegt das wesentliche Interesse der jetzigen Vorgänge auf einem -anderen Gebiet. Cypern hat nämlich eine nicht unbeträchtliche Stellung in dem System der britischen Vorderasienpolitik, dem auch Palästina eingegliedert ist. Die Insel wurde am 1. Mai 1925 zur englischen Kronkolonie erklärt und einem Gouverneur unterstellt, die Bevölkerung erhielt jedoch ein beschränktes Mitbestimmungsrecht in der Form eines Gesetzgebenden Rates (Legislative Council). Da die Bevölkerung (1921 zirka 310000) etwa zu 20 «,0 aus Moslems (Türken) und 80 »h aus Griechen besteht, stützte sich in politischcr Beziehung England auf die türkische Minorität. Demgemäß bestand der Legislative Council, ganz ähnlich wie es nach der Konstitution von 1922 in Palästina der Fall sein sollte, aus 9 beamteten, von der Regierung ernannten Mitgliedern, 3 mohammedanischen und 12 griechischen Abgeordneten. Die Beamten mit der Minorität zusammen hatten demnach stets die gleiche Stimmenzahl wie die Griechen. Von allem Anfang an aber stand die Insel im Zeichen eines

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