Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 81 (20.10.1931)
- Date
- 1931-10-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Weizmann und Harzburg Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5.75 Goldmark. AusIandtnabonHementR werden in det Währung der einzelnen Länder berechnet. An/eigenpr*i*t 8 gesp. Nonpareillezeile 0,50 G-M. Stellengesuche 0,25 G.-M. Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.tn.b.H.,Berlin W15, Meinekestr.10. Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. E ö י ז י k *Konten: Berlin 17392, Bmel V 9355, Belgrad 68032, Brüssel 39433, Budapest 59693. Danrig 1973. Haag 140470, Prag 89410, Rik« 4155, Strass bürg 16430, W.nrluu 190708, Wien 156030. Bank -Konten: Daxmstädter* und NationaSHank, Oepositen - Kasse Berlin, Kurlümtendamto 52; Rumänische Kreditbank, Cemauti (Rumänien); Anglo Palestine Co. in Haifa, |crtn»aletn, Tel-Aviv. Nummer 81 | Berlin, 20. X. 1931 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. ט׳ חשון תרצ״ב | xxxvi. jahrg. Dy «IO..«»—» •ratrefctfflr <■, Voll« «11« *»■««,,fl einer *»lentHcl, ■ rechtlich gesicherten Helm,litt« in PalS.lina. ״Ba.al.r Programm.» Die Sünden nodi nidd gefflhief Die Krisis des Jewish Wie aus Jerusalem gemeldet wird, ist es bisher noch nicht gelungen, die Schulen, die aus dem Erziehungsbudget der Jewish Agency finanziert werden, zu eröffnen. Infolge der Verschlechterung der finanziellen Situation, die die Palästina-Exekutivc zu radikalen Kürzungen des Budgets zwang, mußte das vom Kongreß bzw. vom Council der Jewish Agency vorgesehene Erziehungsbudget von 57 000 Pfund 'nochnia ls um 20 000 Pfund gekürzt werden. Wie wir bereits gemeldet haben, ist daraufhin der Direktor des Erziehungs- Departments, Dr. Btrksotf, zurückgetreten, da er es für unmöglich erklärte, mit dem verbliebenen Budget das Schulwesen zu organisieren. Ueber die das Schulwerk betreffenden organisatorischen Fragen sind die Leser unseres Blattes unterrichtet. Seit mehreren Jahren geht bereits die Diskussion um eine Verkleinerung des Schulwerkes und seine teilweise Uebertragung an den Jischuw, bzw. an die lokalen Stadt- und Ortsgemeinden. Der’ bereits seit langer Zeit als unvermeidlich erkannte allmähliche Abbau des noch aus früheren ״guten“ Jahren überhöhten Schulwerkes wurde leider immer wieder verhindert, insbesondere unter dem Druck der Lehrer- Organisationen, die sich auch auf dem Kongreß und in den Gremien der Zionistischen Organisation und des W'aad Lcumi einen politischen Einfluß sicherten. Es soll durchaus nicht bestritten werden, daß die Lehrerschaft hierbei nicht nur Standesinteressen und nicht nur ihre wirtschaftliche Existenz verteidigt, sondern auch eines der wichtigsten kultureflen und nationalen Güter und eine der größten Errungenschaften des jüdischen Aufbauwerkes. Wir sind jedoch in eine Zeit der Verarmung eingetreten, wo auch große Völker gerade ihre kulturellen Institutionen einzuschränken gezwungen sind. Wir kennen in Preußen aus eigener Erfahrung die große Not des Volksschulwesens und das grau- 5ame Problem der entlassenen Lehrer; dieselbe Frage ist aber auch in England akut. Wie wichtig auch das Schulwesen gerade in Palästina ist, eine Einschränkung läßt sich heute nicht umgehen, und es ist nur Sorge zu tragen, daß bei der notwendigen Umorganisierung möglichst wenig Sc.haden entsteht, d. h., daß ein Minimum an Unterricht —- wenn auch unter weniger komfortablen Bedingungen — mögliehst jedem Kind garantiert wird. Es ist auch noch zu herücksichtigen, daß in Palästina nicht alle jüdischen Schulen der Jewish Agency unterstehen. Es gibt ein ausgedehntes privates Schulwesen, und die privaten Schulen, z. B. die Biram’sche Realschule in Haifa oder die Evelina de Rothschild- Mädchenschule der Miß Landau in Jerusalem sind auch bereits in normaler Weise eröffnet worden. Auf der anderen Seite ist gerade in Palästina die Gefahr eines Abströmens jüdischer Kinder aus den ärmsten Volksschichten in die auch mit materiellen Vorteilen (Speisung) lockenden Missions-Schulen sehr groß. Es ist also begreiflich, daß die Frage des Schulwesens heute im Vordergrund der zionistischen Sorgen steht. Wie nun gemeldet wird, hat der hebräische Lebrerverband in Palästina an den Präsidenten der Jewish Agency, S okolow, sowie an die Mitglieder der Exekutive Farbstein und Neumann ein Telegramm folgenden Wortlauts gesandt: ״Die jewish Agency-Exekutive hier, die fast vollständig aus Nichtzionisten besteht, will das Erziehungswerk dem Galiläa als Flug •Verkehrs -׳ Zentrum Am 17. Oktober hat der erste Aeroplan deT direkten Fluglinie London—Palästina—Indien London verlassen. Wir haben bereits über diese Neuerung des Flugverkehrs berichtet, durch die Palästina zu einem bedeutenden Verkehrsmittelpunkt wird. Die Flugzeuge werden nicht mehr wie bisher nach Aegypten und von dort weiter über Amman nach Bagdad fliegen, sondern der eigentliche Knotenpunkt wird in Ga ii11 a liegen, und zwar am Tiberiassee. Hier also entsteht das, was Churchill einmal die ״Clapham Junction“ des Nahen Orients genannt hat (Ciapham Junction Ist ein bekannter wichtiger Eisenbahnknotenpunkt in der Nähe von London). Die Fluglinie wird jetzt von London nach Athen geführt, von dort geht es in Wasserflugzeugen nach d em Tiberiassee, wo die Flugzeuge auf dem See niedergehen werden. Zemach, das kleine Fischerdorf am Südende des Sees, den Palästinareisenden bekannt als Eisenbahnstation von Dagania, Kinereth und Tiberias, wird eine Station für die Landflugzeuge, die von Aegypten kommen und von Zemach aus den Flug nach Bagdad fortsetzen. Die Passagiere, die mit dem Wasserflugzeug von Athen ankormnen, werden etwa 4 km im Auto zurücklegen und dann von Zemach mit Landflugzeug nach Bagdad fliegen können, während andererseits von Tiberiassee Wasserflugzeuge nach Cypern gehen sollen. Die Wasserflugzeug-Station wird den Nemen ״Tiberias“ führen, die Landflugzeug-Station den Namen ״Galiläa“. Durch die neuen Einrichtungen wird die Flugpost, die am Sonnabend von London abgeht, bereits am Dienstag in Palästina, am Mittwoch in Bagdad und am nächsten Sonnabend in Indien sein. Es heißt, daß nach der Fertigstellung des Hafens von Haifa die Flugstatlon von Galiläa nach Haifa verlegt werden wird. Agency - Schulwerkes Jischuw übertragen. Der Leiter des Erziehungs-Departments hat deswegen demissioniert und niemand weiß, wann die Schulen wieder eröffnet werden. Die Lehrer haben beschlossen, in die Schulen zu gehen und freiwillig die Arbeit weiterzuführen. Wir appellieren an Sie, diesen destruktiven Tendenzen ein Ende zu setzen und zu diesem Zweck Ihren bevorstehenden Besuch in Palästina zu beschleunigen.“ Die Erregung der Lehrerschaft ist durchaus begreiflich, aber das vorstehende Telegramm zeugt doch von einer Verk e n n u n g der Sachlage. Es ist eine bedauerliche Entgleisung, die Schulfrage zu einem Kriterium zwischen ״zionistischen“ und ״nichtzionistischen“ Mitgliedern der Exekutive zu machen. Ganz abgesehen davon, daß der Erziehungsdirekter, der für die Aufrechterhaltung des Budgets gekämpft hat und auf dessen Demission sich die Lehrer berufen, Dr. Berkson, selbst ״nichtzionistisches“ Mitglied der Exekutive ist, so dürfte man auch annehmen, daß bei den übrigen Mitgliedern der Exekutive diese Angelegenheit keineswegs eine Frage der Gesinnung ist, es handelt sich vielmehr lediglich um eine Maßnahme der administrativen und finanziellen Notwendigkeit. Es wäre gewiß äußerst ertreulich, wenn der Appell der Lehrer an die drei genannten Herren zur Folge hätte, daß der erforderliche Fehlbetrag in letzter Stunde noch beschafft wird. Insbesondere könnte vielleicht durch Herrn Neumann das amerikanische Judentum, dessen finanzielles Versagen den Hauptgrund der Krise bildet, zu einer äußersten Anstrengung veranlaßt werden. Man muß bedenken, daß bereits das in Basel festgesetzte Budget eine starke Einschränkung des Schulwesens vorsah. Leider ist durch die Versäumnisse der vorhergehenden Jahre ein allmählicher Abbau verhindert worden, so daß die Notwendigkeit jetzt mit katastrophaler Plötzlichkeit vor uns steht. Die Palästin a-Exekutive der Jewish Agency sandte an den Lehrerverband ein Schreiben, in welchem der Wunsch und die Bereitschaft der Lehrerschaft, die Schulen freiwillig zu eröffnen gewürdigt werden, gleichzeitig aber die Lehrerschaft gebeten wird, ihren Beschluß, die Schulen ohne Ermächtigung der Jewish Agency zu eröffnen, nicht zur Durchführung zu bringen, sondern die Weisungen der Exekutive abzuwarten. Die Exekutive erklärt in dem Brief, daß sie keine materielle Verantwortung gegenüber den Lehrern übernimmt, bevor nicht die notwendigen Maßnahmen seitens der kompetenten Instanzen beschlossen worden sind. Herr Sokolow hat an die Lehrerschaft ein Telegramm gerichtet, worin er sein Bedauern ausspricht, daß es ihm infolge der politischen Verhältnisse nicht möglich ist, London zu verlassen und daß er darum dem Ersuchen, sofort nach Palästina zu kommen, nicht nachkommen kann. Auch Emanuel N e u m a n n und F arbstein haben dem Lehrerverband geantwortet, daß sie gegenwärtig nicht nach Palästina kommen können. Neumann betont dabei, daß die Budgetkürzung von den zionistischen und nichtzionistischen Mitgliedern der Exekutive gemeinsam beschlossen worden ist. Die zionistische Bewegung der ganzen Welt verfolgt mit größter Anteilnahme die Entwicklung der Dinge und man kann nur die Hoffnung aussprechen, daß cs der Exekutive der Jewish Agency gelingen wird, in absehbarer Zeit eine Lösung des schwierigen und dringenden Problems zu finden. Aas der Bewegung Friedensschlulj in Amerika und Rumänien Die Einigung im amerikanischen Zionismus, die wir bereits in der vorigen Nummer als unmittelbar bevorstehend bezeichnen konnten, wurde nunmehr vollzogen. Auf einer Sitzung der Landes■ Exekutive (— Landesvorstand) der Zionistischen Organisation Amerikas, an der Lipsky, Robert Szold und Emanuel Neuman teilgenommen haben, kam es zu einem Abkommen zwischen der Lipsky-Gruppe und der Mack-Gruppe. Es wurde eine von Lipsky eingebrachte Resolution angenommen, wonach ein von der Convention nachträglich zu bestätigendes Komitee die Mitglieder der nationalen Administration vorschlagen soll. Die Zusammensetzung der Administration soll derart gestaltet werden, daß eine Zusammenarbeit aller Kräfte der zionistisehen Bewegung in Amerika ohne Rücksicht auf Mehrheit und Minderheit und ohne Unterschied der Partei gesichert werde. Das Komitee wird ferner die Aufgabe haben, das Programm für die am 8. November in Atlantic-City zu eröffnende Conveniion der amerikanischen Zionisten auszuarbeiten. Das Komitee setzt sich zusammen aus Robert Szold, Lipsky, Brodie, Tulin und Rothenberg. Einigung im rumänischen Zionismus. Zur Ueberbrückung der tiefgehenden Gegensätze zwischen den verschiedenen zionistischen Gruppierungen Rumäniens war für den 11. Oktober eine paritätisch zusammengesetzte Konferenz aller zionistischen Gruppen des Landes einberufen worden. Die Konferenz, die von über 1000 Delegierten und Gästen aus mehr als 20 Städten beschickt war, endete mit der Erreichung des angestrebten Zieles: Neuaufbau der Organisation auf föderalistischer Basis, Einsetzung einer Koalitionsexekutive und Sicherung der finanziellen Grundlage des Verbandes. Die Wahlen ergaben folgendes Resultat: Adv. Misu Weißmann (Radikaler) Präsident, Dr. A. Mibashan (Allg. Zionist) erster Vizepräsident, David Nu§baum (Zeire Zion) zweiter Präsident. 1Lcsscr Ury I §1*11 IPP »Ml Äiii 111* .-:wÄKvJ« Von Dr. Karl Schwarz. Am 7. November wäre Lesser Ury 70 Jahre alt geworden. Die ״Jüdische Randschau“ hatte für dieses Tag; bereits nach• folgenden Aufsatz als Würdigung des großen Jüdischen Künstlers vorbereitet. Nim ereilt uns wenige Wochen vor dem!östlichen Tage . die tragische Kunde von seinem plützlichen Tode. Die Würdigung, die dem Lebenden gelten sollte, muß nun an dieser Stelle als Nachruf für den Verewigten stehen, dessen Platz in der Geschichte der Kunst (und in einem gewissen Sinne auch der Jüdischen Kunst) unverrückbar feststeht. Red. Lesser U ry war in unserer Generation nicht nur einer der prominentesten Maler, nicht nur der bedeutendste jüdische Künstler, sondern darüber hinaus auch der jüdischste Künstler, der, man kann w׳ohl sagen, die Verkörperung des Jüdischen Problems im Künstler überhaupt, das interessanteste, bedeun tendste und — tragischste Beispiel jüdischen ,Kunstgeistes und Kunstschaffens unserer, Zeit darstellt. . . . Man wird ihm nicht gerecht durch . Aufzählung und . kurze Würdigung seiner unzähligen, Werke. Seine biographi-. sehen Daten besagen . nichts Sonderliches. , Man muß. tiefer . schauen, um das Problem Ury zu erfassen, um dieser überragenden, heute , noch lange nicht restlos verstandenen Persönlichkeit näherzukommen, um eine der reichsten Künstlerseelen zu enthüllen. Worin steckt dieses Problem? Ury ist nicht einfach in. ein System einzureihen, in dem sich die Entwicklung .der meisten Künstler abwickel(. Pissarro und Liebermann sind Impressionisten. Auch Ury zählt zu ihnen. Aber während die beiden anderen konsequent als Realisten die impressionistischen Lehren entwickelten und besonders Liebermann durch erstaunliche Beharrlichkeit zum Führer und Meister einer ganzen Generation wurde, ist Ury ebenso als Realist wie als Idealist zu werten. Es ist schwer, die eine Anschauung gegen die andere abzuwägen, da er in beiden Höhepunkte erreicht, immer wieder die eine gegen die andere ausspielt und schließlich über den Impressionismus hinaus in eine ganz neue, ganz einzigartige Problematik und Philosophie hineinwächst. Der an sich zaghafte, ungeschickte, im Leben unsichere und weltfremde Mensel! ist entschlossener, unerschütterlicher Kämpfer in der Kunst, der auf niemanden hört, nur seiner Eingebung folgt und noch heute, äußerlich zwar ein Greis und verstörter Mensch, sich aufbäumt, wenn es gilt, seine Kunst zu vertreten. Ury ist ein glückliches Kind und ein tief unglücklicher Grübler zugleich; er ist unbekümmert und freudestrahlend, aber auch einer der schwerblütigsten Pessimisten. Er kann sich begeistern und in naiver Weise schwärmen, dann wieder grollen und toben. Er preist die Sonne und singt Hymnen — und verdammt das Leben und die Menschen. Angesichts der Natur wird er zum Lyriker, der die feinsten und zartesten Stimmungen erlauscht und in Farben schwelgt wie kaum ein anderer; in Darstellungen philosophischer Ideen und religiöser Themen verzichtet er auf Farbe. Während in den Landschaften das Gedankliche ausgeschaltet erscheint und alles ursprüngliches Erlebnis ist, ist ihm die Zeichnung Ausdruck einer Idee. Vom Naturalismus ausgehend, will er doch /b : 5|:<׳ , ך;י)־•'. ,! i *וון;; . Ul f b 1 "bi i "hr* :i|j ': bl■•' 1 i f\i J *־ : {!; b;4 'Jbf ui Sa