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Jüdische Rundschau · 1931-10-13 · Heft 79 (13.10.1931) · page 3

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Nr. 79, 13. X. 1931 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 479 Kalifats- Phantasien Die Pariser Ausgabe der ״Chicago Tribüne״ weiß zu berichten, daß der Exsultan Waheed Eddin sich gegenüber Schaukat A1 i bereit erklärt hat, das Kalifat zu übernehmen und seinen Sitz nach Jerusalem zu verlegen. Schaukat Ali, fährt die Zeitung fort, der Führer der Pan-Islam-Bewegung» gegenwärtig Teilnehmer an der indi• sehen Round Table Konferenz in London, hat mehrere Monate lang sorgfältig den Boden für die Wiedererrichtung des Kali* fats mit dem Sitz in Jerusalem vorbereitet und wird jetzt an die britische Regierung einen formellen Antrag nach dieser Richtung hin stellen. Schaukat Ali wird versuchen, die englische Regierung davon zu überzeugen, daß die Wiedervereinlgung von 300 Millionen Moslems unter dem wicdererrichteten Kalifat in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht für Großbritannien von Vorteil sein werde. Schaukat Alis Plan, schreibt ״Chicago Tribüne“ weiter, begegnet aber noch großen Widerstände n; es könne durch ihn nicht allein die indische Konferenz scheitern, sondern auch die unter der Asche schwelende arabisch-jüdische Frage wieder entfacht werden. Schaukat Ali hat an den Großmufti von Jerusalem ein Telegramm gesandt, in dem er ihm mitteilt, daß die Kalifatsangelegenheit gute Fortschritte macht, und ihn bittet, seinen Einfluß dahingehend auszuüben, daß die arabischen Führer in Palästina mit der Parole einer Non-Cooperation mit England solange warten, bis er, Schaukat Ali, seine Chance bei der englischen Regierung ausgenutzt hat. Schaukat Ali möchte auch die jüdischen Widerstände gegen die Errichtung des Kalifats in Jerusalem dadurch überwinden, daß er die arabischen Führer Palästinas zu einer Erklärung veranlaßt, daß die Errichtung des Kalifats von Jerusalem das jüdische Siedlungswerk in keiner Weise berühren werde. Die Errichtung des Kalifats in Mekka, schließt ״Chicago Tribüne“, würde an der Weigerung Ibn Sauds scheitern, der es nicht dulden würde, daß ein anderer weltlicher Herrscher sich in seinem Territorium aufhält; deswegen wurde Jerusalem als Sitz des Kalifats gewählt. Die palästinensisch-arabische Zeitung ״AI Car me 1“ schreibt dazu: ״Wir glauben nicht, daß Schaukat Ali die Absicht hat, der indischen Round Table Konferenz vorzuschlagen, daß der Exsultan Waheed Eddin zum Kalifen proklamiert werde und in Jerusalem seinen Wohpsitz nehmen soll. Wir glauben viel eher, daß sowohl Schaukat Ali als auch der Großmufti Hadsch Emin Husseini noch nicht die bösen Folgen vergessen haben, die der Versuch, den verstorbenen Hussein zum Kalifen zu prokiamieren, gehabt hat. Die Ernennung des Exsultans Waheed Eddin zum Kalifen würde die schärfste Unzufriedenheit des türkischen Volkes, das ihn abgesetzt hat, hervorrufen; dies zu einer Zeit, in der die Araber Palästinas die Sympathie jedes Arabers und Moslems außerhalb brauchen. Wir hoffen, schließt die Zeitung, daß das Ziel der allmoslemitischen Konferenz in Jerusalem lediglich sein wird, die Mittel und Wege zu erörtern, wie man das Heilige Land und die heiligen Stätten des Moslem schützen und die arabische und moslemitische öffentliche Meinung organisieren solle. Wir hoffen, daß König Ibn Saud, der Imam vom Yemen und die türkische Regierung werden eingeladen werden, als die stärksten Mächte des Moslem, Vertreter zu der Jerusalemer Moslem-Konferenz zu entsenden. Neuer Wahlerfolg In Prag Die JUdlschnationalen gewinnen Im Laufe einer Woche 700 Stimmen — Ein Hakenkreuzler mit Hilfe der Jüdisch-Liberalen gewählt! (Von. unserem Berichterstatter.)!11, Prag, 5. Oktober 1031. Sonntag, den 4. Oktober, eine Woche nach der Wahl in die Kommunal Vertretung von Groß-Prag, fanden die W a h 1 e n in die Gemeindeverwaltungen der einzelnen Prager Stadtteile statt. Die Jüdische Partei konnte bei diesen Wahlen ihrem am letzten Sonntag errungenen Sieg (Stimmenzuwachs 2000) einen neuen großen Erfolg hinzufügen. Die Zahl der für sie abgegebenen Stimmen ist von 8708 am 27. September auf 9360 am 4. Oktober angestiegen, d. h. der Stimmenzuwachs im Verlaufe einer Woche beträgt 652 Stimmen! Die Jüdischnationalen erhalten fünf Mand a t e für die Prager Ortsvertretungen, davon eines neu. Unter den fünf Mandataren befinden sich auch zwei Poale Zionisten. Auch bei diesen Wahlen hatten die liberalen Juden ihre Liste mit den Hakenkreuzlern gekoppelt. Diesem Umstand ist es auch zuzuschreiben, daß in Inner- Prag ein Hakenkreuzler mit dem liberalen Stimmenrest gewählt wurde. Es hat sich also der absurde Fall ergeben, daß ein erbitterter und überzeugter Judengegner mit Hilfe jüdischer Stimmen sein Mandat erhielt. Und dieselben Juden, die sich zu diesem Wahlgeschäfte hergegeben haben, konnten sich nicht genug überbieten, als es galt, gegen die Liste der Zionisten zu Felde zu ziehen. Da wurde natürlich wieder der alte Vorwurf von einem Absperren der jüdischen Bevölkerung in ein neues Ghetto, vom Verrate an jüdischen Interessen (!) u. dg!, mehr erhoben. Die jüdische Bevölkerung ließ sich aber nicht mehr von Menschen belehren, die mit Hakenkreuzlern Wahlbündnisse abschließen. Die Liberalen haben im Verlaufe einer Woche, seit den Wahlen am 27. September, in Prag 884 Stimmen verloren! Auch in der Provinz haben die Jüdische Partei und die Poale Zion beträchtliche Erfolge erzielt. Allerdings fanden in den Orten mit größerer jüdischen Bevölkerung, so in Brünn, Mähr.-Ostrau, Teplitz-Schönau, Munkatsch u. a. keine Wahlen statt. In Bratislava (Preßburg) erhielt die Jüdische Partei 2266 Stimmen und zwei Mandate, die Poale Zion 611 und ein Mandat. Im letzten Heft der Zeitschrift des Brith Schalom, ״Scheifotenu“ ist ein Brief eines der bisherigen Wortführer der Brith Schalom-Gruppe in Palästina, Rabbi Benjamin (Radler-Feldmann), veröffentlicht, worin er seinen Austritt aus dem Brith Schalom bekanntgibt mit der Begründung, daß nach dem letzten Zionistenkongreß keine Notwendigkeit mehr für die Existenz dieser Gruppe vorhanden sei, da ihre Anschauungen bereits von der ganzen zionistischen Bewegung übernommen seien und die Frage einer Verständigung mit den Arabern heute im Mittelpunkt des zionistischen Denkens stehe. Die praktische Durchführung könne am besten von der jüdischen Arbeiterpartei besorgt werden, und auch die neue Exekutive der Jewish Agency bekenne sich zum Verständigungsgedanken. Im Monat August kamen 316 Einwanderer in Palästina an; 210 Juden, 76 Christen und 30 Mohammedaner. Die jüdiseben Einwanderer umfaßten 20 Personen mit einem Kapital von je £ 1000 und darüber, sowie ihre Familien und 29 Personen, die aus Berufsgründen in das Land kamen und einen Einwanderer mit religiösem Beruf. Unter den mohammedanisehen Einwanderern waren zwei mit einem Kapital von je 1000 Pfund und darüber. — Im Laufe des Monats verließen 115 Personen das Land: 77 Juden, 31 Christen und 7 Mohammedaner! An die Freunde des Hebräischen? Die Hebräische Weltkonferenz, die am 6.-8. Tammus in Berlin stattgefunden hat, proklamierte die Schaffung der Brit I writ Olamit, der die Aufgabe zufiel, alle auf dem Gebiete der hebräischen Kultur tätigen Organisationen, Institutionen und Privatpersonen unter ihrer Fahne zu vereinigen. Uebereinstimmend wurde anerkannt, daß die Gründung der Brit Iwrit Olamit (Hebräischer Weltbund) ein Gebot der Stunde sei. Die Brit Iwrit Olamit soll der das Bestehen des hebräischen Geisteslebens bedrohenden Gefahr entgegentreten, die der hebräischen Kultur und Erziehung dienenden Institutionen fördern und das Tätigkeitsfeld der hebräischen Volks- und Hoch- Schulbildung wie auch der hebräischen Jugendbewegung und Literatur erweitern. Der Grundpfeiler für die Organisierung der Brit Iwrit Olamit ist der ״Sela“! Der ״Sela“ ist eine Pflichtabgabe eines jeden Juden, der die Erhaltung der hebräischen Kultur wünscht. Jeder ״Sela“- Zahler hat teil am Aufbau des Werkes der hebräischen Bewegung, reiht sich dem Kreise der Mitglieder der Brit Iwrit Olamit ein und erwirbt das Wahlrecht zum Hebräischen Weltkongreß. Jeder hebräische Schriftsteller und Lehrer, jede hebräische Organisation und Institution muß sich an dieser Aktion, die eine VoTksaktion werden soll, aktiv beteiligen. Diese Aktion wird Zeugnis ablegen für den Willen des jüdischen Volkes, seine hebräischen Geistes- und Kulturwerte zu erhalten. Bis zum ersten Hebräischen Kongreß müssen mindestens 100000 ״Selaim“ abgesetzt werden. Die 100000 ״Sela“-Zahler im Jahre 5692 werden die Spitzen- Organisation, die Brit Iwrit Olamit, befestigen und dadurch die Existenz und den Ausbau der um Hilfe flehenden hebräischen Erziehungs- und Kulturinstitutionen sich erstellen. Freunde und Anhänger unserer Sache, erwerbt den ״Sela“ und fördert die Sicherstellung der Brit Iwrit Olamit, des hebräischen Erziehungswerkes, der hebräischen Kunst und Kultur! Dr. Simon Bernfeld, Berlin. Ch. N. Bialik, Tel-Awiw. Professor Dr. Martin Buber, Heppenheim. Rabb. Dr. Emil Cohn, Berlin. Oberrabb. Dr. Ehrenpreis, Stockholm. Chiefrabbi Dr. Herz, London. Wladimir Jabotinski, Paris. Dr. M. Jacobsohn, Breslau. Berl Kaz n elsohn, Tel-Awiw. Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, Vors. d. Jüd. Volkspartei, Berlin. Dr. Koltenscher, Berlin. Rabb. Dr. Arthur Levy, Berlin. R.-A. Dr. Leie wer, Vors. d. Makkabi-Weltverb., Berlin. Prof. Dr. Heinrich Loeve, Berlin. LeoMotzkin, Vors. d. Zion. Aktions-Komitees, Paris. Prof. Dr. Ra bi n, Breslau. S. Ru base ho w, Tel-Awiw. Dr. Sandler, Berlin. Prof. Dr. Simons en, Kopenhagen. Nahum Sokolow, Vors, d. Zion. Weltorgan, u. d. Jewish Agency, London. Dr. Osias Thon, Krakau. Dr. Torczyner, Berlin- Dr. Saul Tschernichowski, Tel-Awiw. Rabb. St. Wise , New York. Dr. Wolfsberg, Berlin. Arnold Zweig, Berlin. Zentral-Komitee der Brit Iwrit Olamit, Berlin. Die Jahresversammlung des Hebräischen Jugendrates fand Ende September statt. Sie nahm einen Bericht der Leitung über die Arbeit des verflossenen Jahres entgegen und arbeitete ein Programm für das nächste Jahr aus. Außerdem wurden Berichte über die hebräische Arbeit in den einzelnen Bünden entgegengenommen und eine neue Leitung gewählt. Dem Bericht entnehmen wir: Die Arbeit in der Moazah hat immer größere Kreise der Jugend erfaßt. Dies kam besonders zum Ausdruck in der großen Beteiligung an unseren beiden großen Festen: in den Spichernsälen (zirka 600—-700) und in Brieselang (zirka 1000 Jugendliche), ln vielen Bünden (Brith-Haolim, Brith-Trumpeldor, Nordau, Zophim, Hechaluz Cheruth) wurden mit Hilfe der Moazah Chugim geleitet. Unser dramatisches Studio und hebräischer Chor haben viel zur Belebung der Arbeit beigetragen. Leider mußten sie, aus Mangel an Mitteln, in den letzten Monaten aufgegeben werden. Die Beteiligung der Moazah an den lugendlagern und Fahrten war diesmal geringer als im vorigen Jahre, ebenso aus Mangel an Mitteln. Auf dem zentralen Gebiete der Moazah, der Propaganda für Hebräisch- Lernen, sind beträchtliche Erfolge erzielt worden. In manchen Jugendbünden beteiligen sich an den hebräischen Kursen und Privatstunden fast 90 0/0 der Mitglieder. Freilich läßt die Frequenz der Besuche noch viel zu wünschen übrig. — M. Levin sprach über das Arbeitsprogramm für das nächste Jahr. Er forderte ein einheitliches System der hebräischen Arbeit, das von den Bünden zusammen mit der Moazah ausgearbeitet und durchgeführt werden soll. Auf Heimabenden, Fahrten und in Lagern sollte künftig dem Hebräischen mehr Platz eingeräumt werden. Ferner schlägt Levin vor, ein hebräisches interbündisches Lager zu organisieren. Es sollte in jedem Bunde eine Kartothek eingerichtet werden, um einen genauen Ueberblick über die hebräische Arbeit zu gewinnen. Die Chugim sollten weiter gefördert und ausgebaut werden. Unser Streben soll darauf gerichtet sein, das ganze Leben im Bunde allmählich zu hebraisieren. Zum Schluß wurde die neue Moazah-Leitung mit folgender Zusammensetzung gewählt: A. Barasch, Millek Goldschein, Heller, S. Hurwitz, Georg Popa urjd Luba Syman. Zum Vorsitzenden wurde wieder Nachum Levin gewählt. S. H. Die ״Schawua Histadruth“ des Haschomer Hazair wurde, so wird uns vom Haschomer Hazair geschrieben, am 4. Oktober eröffnet durch vier Referate, die die Stellung des Haschomer Hazair aufzeigten als Jugendbewegung, als Erziehungsbewegung, als Kibuzbewegung. Noch einmal wurde uns klar, daß wir unseren Weg, den Weg des Anschlusses an eine starke und große Gemeinschaft jüdischer Jugend gehen mußten, um nicht ein ähnliches Schicksal zu erleiden wie die deutsche Jugendbewegung, nämlich isoliert zu bleiben und ohne Bedeutung für das historische Geschehen. In den Arbeitsgemeinschatten, die in der Jugendherberge Westend stattfanden, haben, wir uns auseinandergesetzt mit den Fragen dieser Bewegung. Wir haben sie einer erneuten und verschärften Kritik unterzogen. Das Wissen um Kampf und Werden der ersten Schomergemeinschatt in Erez-Israel bedeutete uns Erfassung der tiefsten Lebensquellen der Bewegung. Aufbau und Sein der kibuzisehen Realität wurde uns Wegweiser und Wertmesser für unser Streben, ln bewußter Verbundenheit mit den Achim der Welt- Organisation wird der Haschomer Hazair seinen Weg zur Klärung fortsetzen. Spiel, Singen, hebräische Kurse haben die persönlichen Beziehungen gestärkt, die in der Arbeit erwuchsen. Mit einem Neschef, bei dem in humorvoller Weise die Gründung des Haschomer Hazair in Deutschland und seine Zukunft in 2000 Jahren dargestellt wurde, fand die Schawua Histadruth ihren Abschluß. Der Haschomer Hazair in Deutschland hat mit der Winterarbeit begonnen. Julius Rosen wald hat 250 000 Dollar zur Linderung des Loses der Arbeitslosen in Chicago gespendet, Sein Sohn gab für den gleichen Zweck JQ000Q Dollar,. Zum Denen Lehrgang der ״Schale der Jüdischen Jagend“ In dieser Zeit erneut auf die Arbeit der ״Schule der Jüdischen Jugend“ hinzuweisen, möchte nicht überflüssig erscheinen. In der Schule der Jüdischen Jugend wird versucht, in freiem Lernbetrieb das zu ersetzen, was der allgemeine Bildungsbetrieb und leider auch das jüdische Leben selbst dem jüdischen Jugendlichen an für ihn wesenhaften Bildungselementen vorenthalten. Die schwierigste Aufgabe, die sie sich gestellt hat, ist es, das historische Erbgut des Judentums in seinem überzeitlichen und stets gegenwärtigen Gehalt wirksam zu machen. Dies Geschichts-Bewußtsein, die tiefste Ursache der jüdischen Sonderexistenz auch nach Vernichtung der staatlichen Nation, muß sich in jeder Generation erneuern und es gibt dafür keinen besseren und verläßlicheren Weg als den, sich mit seinen Aeußerungen in der Vergangenheit lebendig auseinanderzusetzen. Darum ist es uns so wichtig, mit der äußeren und inneren jüdischen Geschichte bekanntzumachen, Wege zur Bibel und späterem Schrifttum zu suchen, weil wir uns so in die Kette einreihen, um als ihre egenwärtigen Glieder die Auseinandersetzung mit unseren eitfragen zu betreiben. (Natürlich kann dabei an kein Vorher und Nachher gedacht werden.) So finden selbstverstündlich die Zeitfragen im Arbeitsplan eine wichtige Stelle (die Krise im Wirtschaftsleben der Juden in Deutschland und anderwärts; die besonderen Voraussetzungen jüdischer Sozialarbeit, hebräische Publizistik usw.). Das gleiche gilt von Weltanschauungsfragen; Auseinandersetzung mit dem Sozialismus, religiöse und diesmal auch im besonderen die von Franz Rosenzweig aufgeworfenen Fragen. Der Hebrä isch-Unterrlcht an der Schule der Jüdischen Jugend erhält von dieser Gesamttendenz her seine eigentümliche Note. Er ist nicht ausschließlich auf die Gegenwart der gesprochenen Sprache ausgerichtet, so teuer uns allen auch Tn all ihrer Unvollkommenheit diese Gegenwart ist, sondern erstrebt eine Verwurzelung des Lernenden in dem tausendjährigen Gut, das uns die Sprache birgt, um erst von da zur Umgangssprache zu gelangen. Es soll der sich ausbreitenden hebräisch konvergierenden Am-haarazuth entgegengearbeitet werden. Auf die 21 Kurse und Arbeitsgemeinschaften der Schule kann hier im einzelnen nicht hingewiesen werden. Gedruckte Arbeitspläne, die zu jedem Kurs auch die Disposition wiedergeben, sind unentgeltlich in den jüdischen Buchhandlungen, an den Theaterkassen der Warenhäuser Tietz und des K. D. W, und schließlich von der Geschäftsstelle der Schule, N'24, Oranienburger Str. 29, erhältlich. Möchte es gelingen, in diesen schweren Tagen recht weite Schichten zur Mitarbeit, zum Lernen, für die um unsere Schule sich bildende Schulgemeinde zu gewinnen. Dr. Moritz Spitzer. fn der Ankündigung der Nummer 77 der ״Jüdischen Rundschau“ fiel aus Versehen cler folgende Kurs aus: Dr. Hermann Gerson: Ausgewählte Jesaja-Kapitel, Montag 8—10 Uhr, Auguststraße 11—13. — Der Arbeitsplan weist eine Reihe von Namen auf, die den Lesern unserer Zeitung wofifbekannt sind; so spricht Dr. Georg Landauer über ״Geschichte der deutschen Juden“, Dr. Alfred Marcus über ״Die Wirtschaftskrise der deutschen Juden“, Dr. Max Kreutzberger im Anschluß daran über ״Die jüdische Wirtschaftskrise außerhalb Deutschlands“ u. a. m. Jüdische Künstler auf Berliner Kunstausstellungen. Auf allen großen Herbstausstellungen sieht man in der Hauptsache Landschaften und Porträts, unter letzteren viel jüdische Bildnisse, von jüdischen Künstlern geschaffen, die im übrigen mit jüdischen Motiven wenig hervortreten. Speziell in der Aus- Stellung des Vereins Berliner Künstler bringt eine Schau ״Die Frau unserer Zeit“ eine Reihe interessanter jüdischer Frauenköpfe, darunter ein frisches Damenbildnis Max Liebermanns und das bekannte Porträt der Gattin des Künstlers. Max Kanel malte Elisabeth Bergner in einer die Vielfalt ihres Künstlertums glänzend umfassenden Studie. Lotte Laserstein zeigt mit Polly Tieck die Journalistin unserer Zeit und Otto Marcus den Typ der modernen Jüdin. Temperamentvoll Eugen Spiros Bild der Malerin Lenzen. Unter den Plastiken hat der anmutige verinnerlichte Kopf eines jüdischen Mädchens von K. Harald Isenstein besonderen Rang. Der Künstler tritt in dieser Ausstellung übrigens zum erstenmal mit einem Oelbild an die Öffentlichkeit und zeigt mit einem gut komponierten, flott vorgetragenen Bildnis seiner Gattin, daß er auch auf dem Nachbargebiet seiner Kunst etwas zu sagen weiß. Die Deutsche Kunstausstellung bringt im Rahmen ihrer Herbstausstellung eine kleine Sonderkollektion von Hilde B. Rubinstein, deren Aquarelle und Oelbilder aus Paris und der Pariser Kolonial-Ausstellung recht flüssig und, bei aller Sparsamkeit in der Farbe, plastisch und nuancenreich sind. Die Große Berliner Kunstaus- Stellung enthält einige reizvolle Aquarelle der gleichen Künstlerin, die eine gewisse, von Paris her beeinflußte Originalität zeigen. Eine gute und eigenwertige Arbeit schuf hier auch Adele Reifenberg-Rosenbaum mit einem Pastell schlesischer Landschaft. In die vordere Reihe gehören die farhkräftigen wirksamen Wannsee־Aquarelle der Gertrud Landsberger-Sachs, die herbstlichen Tiergartenbilder der Julie Wolftho rn und die humorvollen Typenzeichnungen der Käthe Münzer-Neumann. Eine Front jüdischer Künstlerinnen, deren Schaffen als qualitätvoll gewertet werden darf. Julius C. T urner, der bekannte jüdische Zeichner der Technik, beweist mit einem Bildnis seiner Mutter und einem Einstei’n-Kopf sein Können auch auf dem Gebiete des Porträts. Auch in einigen interessanten Sonderausstellungcn dieser großen Schau tritt das Schaffen jüdischer Künstler bemerkenswert hervor. In einem Kollektivsaal Prager Maler fallen Schöpfungen von Maxim Kopf und der begabten Charlotte Radnitz auf. Friedrich Feig! zeigt hier ein schmissiges, trefflich charakterisierendes Bildnis Jacob Steinhardts. In einem Sonderzyklus ״DerTan z“ entzücken von neuem die prickelnden zarten Tanzstudien Ernst Opplers, insbesondere seine einzigartigen Pawlowa-Bilder. Mehrere Säle geben einen umfassenden Ueberblick über Exlibris, Bucheigner-Zeichen der letzten Jahrzehnte. Viel geistvolle und launige Einfälle häufen sich hier. Wir finden u. a. Entwürfe von Max Lieber man n , Emst Or 1 ik, K. Harald Isenstein, eine Reihe jüdischreligiöser Symbolisierungen von E. M. Lilien und Palästina- Motive von Hermann Struck. Will Pie ß. Die soeben erschienene Oktober-Ausgabe des Frankfurter israelitischen Gemeindeblattes enthält die letzte Arbeit des vor kurzem verstorbenen Arthur Sa khe i m, eine Erzählung aus der tragischen Geschichte seiner Familie. Die Erzählung trägt den Titel ״Menschen aus einer anderen Welt“ und behandelt die Blutbeschuldigung von Roshana (1659). Der Komponist Joachim Stutschewsky (Wien) bittet uns zu berichtigen, daß seine ״Palästinensischen Skizzzen“, die wir in unserer letzten Musikbeilage besprochen haben, nicht auf palästinensische Volksmelodien zurückgehen, sondern durchweg eigene Einfälle zur Grundlage haben. Der Titel will nur den allgemeinen Charakter des Werkes andeuten,

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