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Jüdische Rundschau · 1931-10-13 · Heft 79 (13.10.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 79 (13.10.1931)
Date
1931-10-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 478 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 70, 13. X. 1031 und mußten sich dort einen Platz schaffen. Das zählt nicht, sondern was zählt ist die Hütte, die der Bauer auf sumpfigem Boden aufstellt, daraus wächst dann das Haus, dann das Dorf, dann die Stadt, und das ist der Aufbau eines Volkes und Landes, Das Land muß durch Schmerzen und Liebe und Arbeit, durch Ringen mit allen Widerstanden erworben werden, diese Schmerzen haben wir in anderen Ländern nicht Gelegenheit gehabt durchzukosten. In Palästina sind wir diejenigen, die das Land aufbauen. W i r machen alle diese Schmerzen durch, w i r trocknen die Sümpfe, bauen die Wege, stellen die Hütten, kämpfen mit der Natur. Darum empfand auch die Welt Palästina als etwas anderes als New York oder Warschau. Das ist es, was man ״Heimat׳‘ nennt, Heimat eines Volkes, auch wenn das Volk noch hinten steht und nur die Pioniere den Weg bauen. Darum spielt im Leben des Juden — bewußt oder unbewußt dieses kleine Palästina, das langsam wächst, diese überwiegende Rolle, weil es das erstemal ist, wo wir aufgehört haben, ein Anhängsel zu sein. Hier sind wir selber, wir stehen und fallen mit dem, was wir geschaffen habe n. Darum gehörte es auch von Anfang an zur zionistischen Auffassung, daß wir das größte Gewicht darauf legten, nicht mit Mitteln vorzugehen, die vielleicht andere gebraucht haben, um Länder zu erobern, sondern wir wußten, daß es ankommt auf die Quantität und Qualität unserer eigenen Arbeit, aut Selbsthilfe und eigene Leistung. Gewiß sind wir Bündnisse eingegangen und wir danken allen Freunden, die durch ihre Unterstützung uns unsere Arbeit erleichtern, aber wir waren uns bewußt, daß das Schwergewicht der Arbeit auf uns und unserer eigenen Kraft ruhen wird. Das ist der Trost auch in diesen Zeiten, wo alles zu schwanken scheint, wo ökonomische und politische Experten, an die die Welt geglaubt hat, versagen, da empfinden wir, daß das einzige, was fest steht, ist, was wir selber erbaut haben. Dieses Empfinden hat das jüdische Volk und die ganze Welt, darum beschäftigt sich mit uns soviel die öffentliche Meinung, weil das, was wir hier schaffen, ein Novum ist, qualitativ und prinzipiell verschieden von dem, was die Juden bisher in der weit geschaffen haben. Nun könnte man einwenden, wenn dies alles auch richtig ist, ist es doch keine Antwort auf die täglichen Fragen der einzelnen Juden, die keinen Ausweg, keine materielle Existenz für sich finden. Es gibt heute kein Immigrationsland, alle Länder sind gesperrt, auch Palästina kann nicht diese Ein- Wanderer aufnehmen. Es gibt darauf zwei Arten von Amt- Worten. Die einen sagen: man muß flüchten; da die Länder fesperrt sind, so daß man nicht buchstäblich auswandem ann, so flüchtet man moralisch, indem man Bewegungen und Strömungen akzeptiert, die momentan eine Abhilfe sind, aber in letzter Linie zur Entjudung und zur Enttäuschung führen. Die zweite Antwort geben wir. Wir sagen: Es ist wahr, daß für die brennende, drückende materielle Not der Juden, die heute besteht und vielleicht morgen noch stärker werden kann, das heutige Palästina die Lösung nicht geben kann. Gerade weil Palästina das ist, was ich geschildert habe, muß es und kann es nur langsam gebaut werden. Hätten unsere Großväter dieselben Ansichten der Judenfrage gehabt wie wir, dann wäre heute bereits mehr Platz für Juden in Palästina. Es ist nicht unsere Schuld, daß wir die ersten sind, daß gerade unserer Generation eine Aufgabe zugefallen ist, die stärkere Schultern als unsere herunterdrücken könnte. Es ist auch nicht notwendig, heute zu _ beweisen, daß in 50 oder 60 Jahren so W׳enn ln Palästina' durch unsere,' Ihre Snstrengung eine Gemeinschaft entsteht, die von der Weh als etwas prinzipiell anderes empfunden wird, eine Gemeinschaft, die mit reinen Mitteln und in schwerer Arbeit entstanden ist, die ein moralischer Kredit für unser Werte ist, dann ist nach meiner tiefen Ueberzeugung der Wert dieser Gemeinschaft unabhängig von der Zahl, ob diese nun eine halbe Million oder eine Mißten Juden beträgt, unabhängig sogar von der politischen Form, die diese Gemeinschaft annehmen wird und die weder ich noch Sie heute bestimmen können. Aber wenn diese Gemeinschaft nach denselben Grundprinzipien und Methoden dort erbaut wird, die wir heute anwenden, so glaube ich — wenn es auch heute manche noch nicht sehen —, daß dieses Gemeinwesen ein Schlüssel zu einer Tür ist, die g e w a 11 i g e Räume im Orient eröffnen kann, in einem Orient der Kapital und Unternehmungsgeist und Arbeit und Intellienz und vor allem Vertrauen braucht. Ich spreche 1er gar nicht von ethischen Gründen, daß wir nicht auf der Freiheit der anderen unser Leben aufbauen wollen. Wenn wir es sogar könnten, dann hätten wir es doch als Juden nicht tun dürfen. Aber wenn wir mit diesen Methoden, die wir heute anwenden, die kostspielig und schwer sind, fortfahren, dann wird in diesem Winkel der Erde Frieden herrschen und diese 6 oder 700000 Juden in Palästina werden vielleicht Wege eröffnen für Millionen nach ihnen, denn die Welt ist heuteso, daß wüste Flächen nicht lange wüst bleiben können, sie müssen fruchtbar gemacht werden durch arbeitende Hände, durch Kapital und Energie. Darum ist der Chaluz in Palästina heute der Pionier, der für Generationen einen Weg bahnt. In der Flucht der schwankenden Erscheinungen fühlen wir, daß auf diesem Boden, der von Tradition und Geschichte getränkt ist, unsere schwache Generation eine große Aufgäbe erfüllt, in einer Zeit der Zerstörung innerhalb und außerhalb des Judentums. Wir können nicht darauf rechnen, daß man unserer Sache stets mit allen Einzelheiten gerecht wird sie muß auch rechnen mit Mißverständnissen von allen Seiten’ aber trotzdem, und vielleicht gerade weil es so schwer ist’ hat dieses Werk einen Ewigkeitswert und bleibt das’ was wir unseren Kindern und Kindeskindern — und ich freue mich, in diesem Saale soviel Jugend versammelt zu sehen — einmal übergeben werden und was ihr Leben schöner und leichter machen wird als unseres war. (Stürmischer Iannanhaltender Beifall.) ’ b Vorsitzender Blumentfeld dankt dem Redner und sagt u. a.: Wir kämpfen auf Kongressen um politische Streitfragen, aber in den Zeiten, die zwischen den Kongressen liegen, haben wir alle gemeinsam unsere Pflicht zu erfüllen. Wir nehmen die Entscheidung des Kongresses hin und kämpfen weiter für unsere Anschauung, aber wir bilden keine Fronden in schwerer Zeit und geben unser Bestes hin für die Bewegung. Wir empfinden, daß einer, der Präsident der Organisation war, noch einen höheren Ehrentitel erlangen kann, nämlich den eines Arbeiters in unserer Bewe- S u n g. Die Bewegung ist dadurch stark, daß viele Ansichten in ihr vorhanden sind, jeder ist in seiner Art ein Diener der Idee. Wir können uns nicht den Luxus anderer Völker leisten, bei denen heute oft Triebhaftes vergottet wird, wir sind das älteste Geist-Volk, das immer nachdenken mußte, immer sich besinnen mußte, und wir müssen auch in dieser heutigen Zeit die Dinge zu verstehen suchen und unsere Orientierung finden, wir wissen, daß der Zionismus der einzige Ausweg aus den jüdischen Schwierigkeiten ist und wir gehen in die neue Winterarbeit in der Hoffnung, die jüdische weit durch den Zionismus zu erobern und zu adeln. Unter lebhaften Kundgebungen und dem Gesang der Hatikwah wird dann die Versammlung geschlossen. * Der Jewish - Agency-Abend Auch die zweite öffentliche Veranstaltung, die Sonntag Abend unter den Auspizien der deutschen Abteilung der Jewish Agency stattfand, war bis auf das letzte Plätzchen überfüllt. Der Vorsitzende der Versammlung, Rabbiner Dr. Baeck, der außer den Rednern des Abends den anwesenden Vorsitzenden des Administrative-Komitees, Herrn Leo Motzkin begrüßte, verlas ein herzliches Schreiben des Staatssekretärs Dr. Pünder, der mit der Entschuldigung seines Fernbleibens warme Worte für das Gedeihen des Palästinawerkes verband. Der Präsident des deutschen Keren Hajessod, Direktor Oscar Wassermann, der nicht in Berlin weilt, sandte eine Begrüßungsdepesche für die Versammlung und für Dr. Weizmann, in der er betont, welche Bedeutung auch in dieser schweren Zeit das Palästinawerk hat. Dr. Baeck, in seiner Rede fortfahrend, feierte Dr. Weizmann als den Mann, der sich selbst treu geblieben ist und der, ohne sich von Gefühlen fortreißen zu lassen, seine Prinzipien nach seinen Erkenntnissen formt. Er bleibt der Führer, veil er zum Führer geboren ist, unabhängig von dem Amt, .י ־־ er gerade bekleidet. Dr. Baeck warnte vor übermäßigem 1'vsimismus. Pessimismus wird — nach einem Wort Tain es — dort zum System, wo ״Verärgerung und Treulosigkeit“ sich finden. Wir müssen daher den Pessimismus bekämpfen, indem wir die Verärgerten zurückrufen und für jeden Treulosen zwei Treue gewinnen. Man begreift nicht, wieso die Kleinlichkeit der Parteien sich feindlich des Palästinawerkes bemächtigt hat. Wenn irgend etwas wert ist, daß es über das Kleinliche hinausgehoben und daß ihm die Treue immer gewahrt wird, so ist es unser Palästinawerk, ein Werk, dem Menschen sich widmen um der Idee willen, unter Einsetzung ihrer Persönlichkeit, unter Opfern an Behaglichkeit und Eitelkeit. In diesem Werk müßten sich alle zusammenfinden, die Menschen von rechts und die Menschen von links, jeder nach seinem Können und jeder auf seinem Platze. In diesem Sinne schloß Dr. Baeck seine Anspräche mit einem Gelöbnis der Treue für das Palästinawerk. Der nächste Redner, das Mitglied des Councils der Jewish Agency Stadtkämmerer Bruno Asdi fordert gleichfalls dazu auf, das Palästinawerk nicht im Stiche zu lassen. Redner führt u. a. aus: Wenn ich in meinem Arbeitszimmer im Berliner Rathaus sitze und mich mit dem nicht gerade sehr einfachen Problem der Zahlungsfähigkeit der Stadt Berlin zu befassen habe, dann bedarf es eines großen Quantums Zuversieht. Wenn ich mich aber in ganz besonders schwerer Sorge befinde, dann richte ich meine Gedanken auf die Arbeit meines palästinensischen Kollegen, Dr. Werner Senator, des Treasurers der Jewish Agency, und erinnere mich an die größeren Sch wierigkeiten, die er zu überwinden hat. Ich führe mir vor Augen was es bedeutet, ein derartig in die Zukunft weisendes Werk durchzuführen, das ohne das Fundament zwangsmäßiger Steuern auf freiwillige Opferwilligkeit der Menschen abgestellt ist. Und ich stelle mir vor, daß in so schwerer wirtschaftlicher Krise die Opferwilligkeit an der einen oder der anderen Stelle in allzu verständlicher Weise erlahmen muß, daß unter dem Druck der eigenen Nöte die Bereitwilligkeit am Palästinawerk njitzuarbei- 1 ..1i. - , . t .4 . . •יL. I.» «■»*■״ CV-■.-.■»» —t־ —י aber daran, was es bedeutet, daß■ in einem solch chaotischen Wirtschaftszustand, wie wir ihn heute überall sehen, planmäßig ein Werk in Palästina geschaffen wird, und ich stelle mir vor, daß gerade diejenigen, die bei den wirtschaftlichen Verhältnissen zu verzweifeln drohen, diese planmäßige Arbeit im gegenwärtigen Augenblick in Palästina nicht im Stiche lassen können. Auch Palästina kann nicht von der Weltkrise verschont bleiben. Aber das was notwendig ist, ist die Grundlage zu erhalten und den Menschen die Arbeitsmöglichkeit weiter zu schaffen. Alle politischen, sozialen und wirtschaftlichen Bewegütigen genießen nur die Achtung, die sie sich durch ihre eigene Kraft erwerben. Auch die Achtung, die sich das Palästlnawerk erobern kann, ist abhängig von den Opfern, zu denen die Judenheit bereit ist. Dr. Hantke, Direktor des Keren Hajessod, verweist auf die enge Verbundenheit der Keren Hajessod-Arbeit mit der Person Dr. Weizmanns. Der Keren Hajessod richtet jetzt zum zwölften Male seinen Appell an die jüdische Oeffentlichkeit, in dem Bewußtsein, daß er in Palästina etwas Bleibendes geschaffen hat. Sodann ergreift Dr. Weizmann das Wort. Er schildert die einzigartige Stellung Palästinas in der jüdischen Welt und berichtet über die Erfahrungen seiner letzten Palästinareise, wo er persönlich die Fortschntte des Werkes feststellen und sich selbst von der Zuversicht der Siedler inspirieren lassen konnte. Auch in der praktischen! Arbeit werden dauernd Verbesserungen durchgeführt, die Siedlungskosten werden herabgesetzt, man lernt billiger bauen; unser bestes Kapital ist der Idealismus und die Opferfähigkeit der im Lande Lebenden. Sie werden aushalten, die Frage ist für uns nur, ob auch das Hinterland aushalten wird. Heute, wo ganze gesellschaftliche Gefüge durch einige Börsenkrachs zusammenbrechen, können wir Gott danken, daß wir keine Börse haben, sondern auf moralischen Gütern aufbauen: deshalb ist die Krise vielleicht in Palästina noch nicht so fühlbar wie anderswo. Dr. Weizmann schildert die Zukunftsperspektiven Palästinas, den Aufstieg Haifas als Hafen und als Verkehrsknotenpunkt, die sich hieraus ergebenden Vorteile des hinter Haifa gelegenen jüdischen Siedlungsgebietes. Aber das Materielle ist nur ein Unterbau für eine neue Gesittung und ein neues geistiges Leben. In der jüdischen Gesellschaft Palästinas wird vielleicht das Gerechtigkeits- und Gleichheitsgefühl stärker sein als anderswo, und die sozialen Abgründe, die die anderen Länder zerstören, werden dort nicht existieren. Es entsteht eine neue Sprache und Literatur und vor allem Menschen, die der Welt und dem Sein offen und aufrecht in die Augen sehen. Das sind Werte, die nicht nur für die Juden Palästinas von Bedeutung sind, sondern für die Juden der ganzen Welt. Schon heute sieht die Welt Palästina als etwas Neues an, als etwas, was man den Juden nicht zugetraut hätte. Uns alle wird man in Zukunft danach beurteilen, ob wir imstande waren, das Werk weiterzuführen, oder ob wir versagt haben. Ich habe den Glauben an das jüdische Volk,, daß das Werk nie untergehen wird. Aeußere Sch wierigkeiten fallen zwar ins Gewicht, aber entscheidend ist unser Wille und die Treue, von der Dr. Baeck gesprochen hat. Kurt Blume nfeld führt aus, frühere jüdische StrÖmungen hingen Ideen nach, die man nach Wunsch annehmen und wieder zurückstellen konnte. Das jüdische Palästinawerk ist etwas grundsätzlich anderes, weil hier nicht nur eine abstrakte Idee vorhanden ist, sondern wirkliche Menschenleben damit verbunden sind; da kann man keine Pause eintreten lassen, wir können die Menschen nicht im Stich lassen. Wir stehen am Anfang einer neuen Geschichte- Periode. Die Zeit von 1789 bis 1914 stand Im Zeichen der Atomisierung des Judentums unter Ausschaltung von Erez Israel aus dem jüdischen Bewußtsein. Die neue Epoche ist dadurch gekennzeichnet, daß Palästina wieder die stärkste Realität im jüdischen Leben wird. Was wir tun, ist von größter Bedeutung für jeden einzelnen Juden, darum haben wir auch den Mut, sogar in diesen schweren Zeiten an die Opferwilligkeit der Juden zu appellieren. Nach einer Tee-Pause hielt dann noch Dr. Schmarja Levin eine zündende Ansprache. * Anläßlich der Anwesenheit von Prof. Dr. Chalm Weizmann veranstaltete Herr Leo Simon, Mitglied des Administrativkomitees der Jewish Agency, einen Empfang in seinem Hause, an dem u. a. teilnahmcn: Ministerialdirektor Dr. Di eckhoff, Ministerialdirektor Dr. R u pp e I, Prof. Franz Oppenheimer, Ministerialdirigent Geh elmrat Dr. Curt Prüfer, Vortragender Legationsrät Geheimrat Dr. Reinebeck, Legationsrat Dr. Grobba, Legationssekretär Dr. Kordt, Herr Berthold Israel, Herr Willy Dreyfus, Herr Dr. Bernhard Kahn, Herr Kurt Blumenfeld, Herr Dr. Arthur Hantke, Herr Dr. Schmarja L e v i n u. a. Der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Kurt Blumenfeld, gab einen Empfangsabend zu Ehren Dr. Weizmanns, an dem etwa 80 Zionisten aus Berlin und dem Reich teilnahmen. Ein weiterer Abend zu Ehren Dr. Weizmanns fand in einem engen Freundeskreis im Hause des Herrn Rudolf Hahn statt. Landesvorsland der Z.V.LD. Am Sonntag, dem 11. Oktober, fand unter dem Vorsitz des Präsidenten der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Kurt Blumenfeld, eine Sitzung des Landesvorstandes statt. Außer den Mitgliedern des Landesvorstandes und Vertretern von Ortsgruppen nahmen zahlreiche Gäste an der Sitzung teil. Der Landesvorstand begrüßte insbesondere Herrn Dr. Weizmann, die Herren Dr. Schmarja Levin, Motzkin, I. Sprinzak, Dr. Hugo Herrmann (Brünn). Die Tagung war als Auftakt für die Winterarbeit der Z.V.f.D. in erster Linie einer Aussprache über Inhalt und Argumentation unserer Propaganda unter den gegenwärtigen Bedingungen gewidmet. Vorliegende schriftliche Referate wurden von Dr. Wolfsberg zusammengefaßt, der dann einleitend noch ein mündliches Referat erstattete. An der außerordentlich lebhaften Debatte beteiligten sich die Herren Dr. Hans Kaufmann, Harry Bein (Düsseldorf), die gewisse praktische Fragen in den Vordergrund rückten, und die Herren Blumenfeld, Alfred Berger, Ginsbuig (Königsberg), Landauer, Landsberg (Wiesbaden), Schmarja Levin, Loebenstein (Leipzig), Dr. Fritz Locwenstein, Lubinski, Potschter, Frau Turnowsky. Nachdem die Herren Dr. Mechner und Dr. Rosenblüth Angelegenheiten des KKL und des KH. behandelt hatten, folgte der Landesvorstand mit besonderer Aufmerksamkeit einem ausführlichen Referat des Herrn Julius Berger: ״Privatinitiative in Palästina“. Berger schilderte die bisherigen Leistungen des Privatkapitals in Palästina und stellte ausführlich die Möglichkeiten für Kapitalanlage in Palästina und für die Uebersiedlung lind Betätigung in städtischen Gewerben dar. Dieses Referat wird Interessenten auf Wunsch separat von der Z-V. f. D. zur Verfügung gestellt. - - - ■ Beschlüsse der deutschen Revisionisten Der deutsche Landesverband der Revisionisten teilt uns die folgenden Beschlüsse mit, die auf der Landeskonferenz der deutschen Revisionisten am 11. d. M. gefaßt wurden: 1״. Die Z. V. f. D. und ihr Organ, die ״Jüdische Rundschau“, haben seit Jahren in grundsätzlichen politischen Fragen des Zionismus eine Haltung eingenommen, die nach revisionistischer Auffassung mit den Zielen der zionistischen Bewegung unvereinbar ist und nach innen und außen schädliche Wirkung gehabt hat. Nach dem XVII. Zionistenkongreß, dessen Mehrheit sich unzweideutig in Gegensatz zu der von der Z. V. f. D. und der ״Jüdischen Rundschau“ vertretenen Auffassung des Zionismus gestellt hat, ist keinerlei Aenderung in der Halbing der Leitung des deutschen Zionismus eingetreten, vielmehr wird von dieser Seite die Bekämpfung des Revisionismus und die Propagierung der vom Kongreß zurückgewiesenen Politik des früheren Präsidenten der Z. O. mit größter Schärfe weiter getrieben. 2. Der deutsche Landesverband der revisionistischen Union protestiert gegen die einseitige und intolerante politische Haitung der Leitung des deutschen Zionismus, durch welche die Z. V. f. D. aus einer neutralen Arbeitsorganisation aller zionistischen Gruppen zu einer einseitigen Kampforganisation gegen den Revisionismus umgewandelt worden ist. 3. Zum Zeichen des Protestes beschließt die Konferenz: a) die revisionistischen Mitglieder des Landesvorstandes der Z. V. f. D. legen ihre Aemter nieder, b) die deutschen Revisionisten beteiligen sich nicht am Delegiertentag der Z. V.f. D., c) die Landeskonferenz stellt fest, daß die Mitglieder des Landesverbandes der Zionisten-Revisionisten nicht verpflichtet sind, der Z. V. f. D. und ihren lokalen Organisationen anzugehören. Die deutsehen Revisionisten können, soweit die Umstände dies erforderlieh erscheinen lassen, als Einzelpersonen oder als lokale Gruppen den Ortsgruppen der Z. V. f. D. angehören, die Konferenz empfiehlt aber den Mitgliedern des Landesverbandes den Austritt aus den Ortsgruppen bzw. aus der Z. V. f. D. und die Begründung selbständiger revisionistischer Gruppen.“ Wir werden auf diese Beschlüsse noch zurückkommen. General Monash gestorben. Am S. Oktober starb in Melbourne Sir John Monash im Alter von 66 Jahren. Er ist einer der wenigen Juden, die zu höchstem militärischen Rang aufgestiegen sind, im Weltkriege kommandierte er die australisehen Truppen. Er war ein Neffe des Historikers Heinrich Graetz. Sir John war während des Krieges der Begründer der Liga der britischen Juden, die den Zionismus bekämpfte. Später änderte er seine Haltung, erklärte sich für das zionistische Programm und gab sogar seine Zustimmung zu seiner Wahl als Ehrenpräsident der Zionistischen Vereinigung von Australien. Nach den Palästina-Unruhen im August 1929 leitete er eine in der Stadthalle zu Melbourne abgehaltene Protestver- Sammlung. Der Waad Hair in Jerusalem hielt eine Versammlung ab, in der die Frage der Volkszählung erörtert wurde. Der Versammlung wohnten die jüdischen Funktionäre der Volks- Zahlung bei. Der Führer der Jungrevisionisten, Akhi Mayer, versuchte mit einigen Anhängern, die Versammlung zu stören. Er und zwei seiner Gesinnungsgenossen wurden verhaftet.

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