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Jüdische Rundschau · 1931-10-06 · Heft 77 (6.10.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 77 (6.10.1931)
Date
1931-10-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I. Freunde der Jerusalem ~ Bibliothek Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jedeaDieastag u.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vlerteljälirlich 5,75 Goldmark. Aiislandsabonnements ’werden in der Währung der einzelnen Länder berechnet, Anzeigenpreis: 8 gesp. Nonpareillezeile 0,50 G.-M, Stellengesuche 0.25 G.-M. Nummer 77 I Berlin, 6. X. 1931 Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Redaktion, Verlag und Anzeigen •Verwaltung: Jirdische RundschauG.m.b.H., Berlin W15, Meinekestr.10. Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. Anreisenschi u£: Dianatag und F reiteg nachmittag• 4 U hr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Poetecheck- Konten : Berlin 17392, Basel V 9355, Belgrad 68032, Brüssel 39433, Budapest 59693, Danzig 1973, Haag 140470, Pias 59410, Riga 4155. Strasshurg 16430, Warschau 190708, Wien 156030. B&irtk •Konten: Darrnsiädter- und Nationalbank, Depositen ״ Kasse Berlin, Kurfürstendamm 52; Rumänische Kreditbank, Cemauti (Rumänien); Ang!o P«!esrine Ca, in Haifa, Jerusalem, Tel •Aviv, Schaffung einer dftewtllch. rechtlich geeUhertew Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm." Mahnung zur Einigkeit Ansprachen der neuen Exekutiv Mitglieder Am 30. September fand in London in der Kingsway Hall eine vom zionistischen Landesverband Englands gemeinsam mit der britischen Sektion der Jewish Agency veranstaltete öffentliehe Versammlung zur Begrüßung der neuen Exekutive statt. Den Vorsitz führte Mr. D ’ A v i g d o r G o l d s m i d , der Vorsitzende des Council der Jewish Agency. Ansprachen hielten Herr Sokolow, Dr. Brodetsky und Berl Locker. Das in England übliche Dankesvotutn an die Redner wurde eingebracht von Viscountess Erleigh, der Tochter Lord Melchetts und Schwiegertochter Lord Readings. Der Vorsitzende d'Avigdor Goldsmid sagte in seiner Eröffnungsrede, die Versammlung solle dazu dienen, der neuen Exekutive die volle Unterstützung in ihrer schwierigen Aufgabe zuzusagen. Die neue englische Regierung, so sagt der Redner, steht den zionistischen Bestrebungen mit mehr Sympathie gegenüber, als ihre Vorgängerin. Nun liege es aber auch an den Juden, ihrerseits dafür zu sorgen, daß die in der Palästinaarbeit eingetretenc Stagnation überwunden wird. Redner forderte zum Schluß die englischen Juden auf, durch aktive Mitarbeit und Opferbereitschaft die Arbeit der gegenwärtigen Exekutive zu erleichtern. Präsident Sokolow mit einer herzlichen Ovation empfangen, gedachte zunächst der drei Verstorbenen, Eisenberg, Nassatissin und Lee Frankel. Uebergehend auf die Situation des Zionismus, führte der Redner aus, der Parteikampf, wie er sich zuletzt auf dem Kongreß gezeigt habe, sei an sich kein Uebe!, vielmehr ist geistiger Kampf innerhalb einer Bewegung stets ein Zeichen von intensivem Leben. Im Zionismus waren immer Menschen verschiedener Artung und Geistesrichtung vereint. Aber in einer Situation wie der gegenwärtigen, wo der Zionismus in einer höchst schwankenden Weltlage vor gewaltigen Gefahren steht, müssen die Gegensätze zurückgestellt werden und Einigkeit sowie friedliche Zusammenarbeit für das gemeinsame Ziel seien das Gebot der Stunde. Ein innerzionistischer Waffenstillstand müsse erklärt werden. Wenn wir uns erst von der Atmosphäre des Kongresses befreit haben, dann haben wir mit Realitäten zu rechnen, was nicht bedeutet, daß wir unsere messianischen Ideale herabmindem. Wir brauchen das Ideal vollkommener Freiheit mehr als unser täglich Brot. Niemand hat das Recht zu sagen: so weit dürft Ihr gehen und nicht weiter. Niemand wollte dem Fortschritt der jüdischen nationalen Entwicklung eine äußerste Grenze setzen. Die Psychologie der Bewegung erfordert, daß der Zionismus nicht nur mit einer großartigen Vergangenheit, sondern auch mit einer ruhmreichen Zukunft verbunden ist. Heute aber müssen wir für das zunächst Erreichbare kämpfen, in dem Bewußtsein, daß auch die kleinen Dinge zur Erreichung des großen Zieles beitragen. Der Redner betont dann die Notwendigkeit einer neuen Einwanderung und neuer Landkäufe und erklärt, die Haltung in Regierungskreisen, gegenüber dem Zionismus sei befriedigend. Wir blicken vertrauensvoll dem neuen High Commissioner entgegen. Wir glauben an den Genius Großbritanniens und an die Heiligkeit internationaler Verpflichtungen, die auf Gerechtigkeit beruhen. Unsere Aufgabe ist es, d a s erschütterte Vertrauen zur Mandatar macht wieder herzustellen. Eine große Aufgabe erwächst uns auch in bezug auf die A r a b e r. Die Beziehungen zwischen den Juden und Arabern waren bisher gering und verkrampft und leider auf arabischer Seite auch voll von Vorurteilen, entstanden aus Fanatismus und Unwissenheit. Wir glauben, daß bald die Zeit kommen wird für permanente Beziehungen gegenseitigen Respekts zwischen den beiden Völkern. Wir werden alle unsere Energien daran setzen, den Weg für einen geistigen, sozialen und wirtschaftlichen Frieden zu ebnen, weil wir die Kraft und Wahrheit des Gedankens der Solidarität im Gegensatz zur unglückseligen feindlichen Rivalität empfinden. Für all dies aber, so schließt der Redner, bedürfen wir zunächst der Einigkeit in unseren eigenen Reihen. Im Kampfe um die Verwirkliebung unseres nationalen Ideals fühlen wir uns eins mit allen Nationalitäten der Welt, die für ihr Recht kämpfen. Das unverletzliche historische Recht der jüdischen Nation auf Erez- Israel muß der entscheidende Faktor in der Palästinafrage werden, dann wird Palästina durch unsere Arbeit ein blühendes Land für alle seine Bewohner werden. Dr. Brodetsky sagt, er habe zwei Jahre unter der genialen politischen Führung Dr. W e i z m a n n s gearbeitet und habe auf dessen eigene Bitte das politische Department in der neuen Exekutive übernommert. indem Redner für die neue Exekutive um volle Unterstützung bittet, charakterisiert er die gegenwärtige politische Situation der Weit, in der alles im Fluß ist, und geht dann über zu einem Bericht über die Bemühungen der neuen Exekutive bei der englischen Regierung. Herr Sokolow und ich, sagt Dr. Brodetsky, hatten Unterredungen mit dem neuen Kolonialminister Thomas und dem Unterstaatssekretär Sir RobertHamilton. Beide haben ihrer Sympathie für das Jüdische Nationalheim und ihrem Wunsch, daß unsere Arbeit günstig fortschreiten soll, Ausdruck gegeben. Es ist keine Uebertreibüng, wenn wir hoffen, daß sich schließlich ein neuer Geist freundlicher Zusammenarbeit entwickeln wird, und ich glaube im Sinne der Versammlung zu sprechen, wenn ich sage: wenn die Regierung das Palästinaproblein mit den Sympathien für die jüdische Sache, die die Baifour-Deklaration und das Mandat geschaffen haben, anfassen wird, dann wird die jüdische Liebe zu Groß- Britannien und das Vertrauen zu ihm wieder hergestellt werden und die Gespenster der Vergangenheit werden vergessen sein. Freilich bleibt noch genug zu tun übrig. Sofort nach dem Kongreß hatte die Exekutive die größte Gefahr zu bekämpfen, die jemals unserem Werke in Palästina drohte, nämlich die Schaffung künstlicher Hindernisse für den Boden kauf. In dieser und in anderen Beziehungen war die Exekutive nicht ganz erfolglos. Unsere Arbeit war dadurch gehemmt, daß die großen politischen Veränderungen in England die Verhandlungen mit der Regierung erschwerten. Die Politik der Exekutive beruht auf zwei Grundsätzen: Erstens der Eine Judentragödie im Schwurgerichtssaal Sieben Juden ermordet — der Täter freigesprochen Von unserem Berichterstatter. hl, Prag, 1. Oktober 1931. Vor dem Prager Schwurgericht gelangte am 29. und 30. Septemher ein Sensationsprozeß zur Austragung. Sensationell die Anklage, nicht weniger aber auch der Urteilsspruch. Das Geschelmis, das der Anklage zugrunde lag, reicht zwölf Jahre zurück, in die Zeit des Umsturzes, da die von Freischärlern Bela Kuns besetzten Gebiete der Slowakei von den tschechoslowakischen Truppen geräumt wurden. Zu regulären größeren Kämpfen war es damals nicht gekommen, es gab höchstens kleinere Scharmützel und Zusammenstöße. Am meisten hatte darunter die Zivilbevölkerung zu leiden, insbesondere aber d i e Juden, die von beiden Seiten der Spionage verdächtig erklärt wurden. Am 11. Juni 1919 hatte eine tschechische Patrouille eine der ungarischen Rotarmisten in dem kleinen slowakischen Neste Velky Vitez vertrieben. Nun begaben sich die tschechoslowakischen Soldaten auf die Jagd nach Spionen. Im Orte lebten die zwei jüdischen Familien Lewkowitz und Fleischer. Diesen galt der Besuch. Erst begann man zu ״requirieren“ und ließ nichts niet- und nagelfest. Bei Fleischers verhaftete man die vier Söhne Aladar, Kriegsinvalide, Doktor der Rechte, den kranken Mediziner Wilhelm, Benjamin und den 15jährigen Gymnasiasten Simon. Aladar, der am selben Tage in der nächsten größeren Stadt Markteinkäufe besorgen wollte, hatte 30 000 Kronen bei sich. Es wurde ihnen erklärt, daß man sie als der Spionage verdächtig dem Bezirksvor- Steher einliefern werde. Dann begab sich die Patrouille in das Gasthaus der Frau Lewkowitz und entführte auch deren Söhne, die Studenten Viktor und Artur und den jugendlichen Simon. Die Soldaten führten die sieben Verhafteten zu dem Bataillonskommandanten. Dieser erklärte, der Fall müsse bei der Brigade untersucht werden und gab einem Gefreiten den Befehl, mit drei Soldaten die Verhafteten zum Brigadekommando zu überführen. Kaum hatten sie das Dorf verlassen, als ein fremder Soldat, der Legionär-Korpor a l Horak, eigenmächtig das Kommando über die Eskorte übernahm. Man begab sich auf den Weg. Vorne die sieben unbewaffneten jungen Juden, in einem Abstand von zirka 15 Schritten Horak mit den vier Soldaten. Einer Zeugenaussage zufolge richtete. Horak an die Soldaten die Frage, ob sie Lust hätten, diese Juden niederzu kn allen. Und in dem Moment fiel auch schon der erste Schuß aus seinem Gewehr. Ein Schrei und einer der Verhafteten wälzte sich am Boden. Nach diesem Signal traten auch die übrigen Gewehre in Aktion. Ein, zwei Minuten mag es gedauert haben, ein paar Schüsse, ein paar schreckliche Schreie, ein bißchen Gewimmer, ein paar Leichen. Sieben meuchlings ermordete junge Juden. . . . Im September 1920, vierzehn Monate nach dem Morde, überreichte der Prokurator in Kaschau die Anklage gegen die ganze Eskorte •wegen Verbrechens des gemeinen Mordes. Horak hatte inzwischen abgerüstet, war ins Zivilleben zurückgekehrt und rechtzeitig ins Ausland gefliichtet. Im Jahre 1924, fünf Jahre nach dem Bluttage, wurden drei Soldaten jener Eskorte vom Pilsner Divisionsgericht freigesprochen, der vierte zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Das Oberste Militärgericht in Prag bestätigte dieses Urteil. Nun kehrte kürzlich Horak in seine Heimat zurück. Als Zivilist untersteht er nicht mehr den Militärgerichten. Das Oberste Gericht hat auf seinen Wunsch das Prager Kreisgericht zur Durchführung des Straffalles delegiert. Vor den Prager Geschworenen wurde nun über die Anklage verhandelt. Der Angeklagte behauptete, überhaupt nicht schuldig zu sein. Seine Tat stellte er als patriotische Pflicht hin; es sei ihm unbekannt gewesen, daß die sieben jüdischen Bürger vor ein ordentliches Gericht zu stellen gewesen sind. Er verteidigte sich auch damit, von ihnen angegriffen worden zu sein und in Notwehr gehandelt zu haben. Der Vorsitzende stellte fest, daß Horak zehnmal einvernommen worden sei und jedesmal etwas anderes ausgesagt hatte. Ein Zeuge nach dem anderen marschierte nun auf und bestätigte die Anklage: die Offiziere, die den Soldaten ausdrücklich'erklärt hatten, daß die sieben verhafteten Juden erst verurteilt werden könnten, wenn der Spionageverdacht, auf Grund dessen sie verhaftet worden waren, vor Gericht als richtig erwiesen wird; die Soldaten der Eskorte, die noch einmal aussagten, daß Horak mit dem Schießen begönnen und ihnen nachher von dem erbeuteten Geld kleinere Beträge geschenkt habe. Der Ortsvorsteher und andere als Zeugen einvernommene Bewohner der Gegend gaben an, daß die beiden jüdischen Familien im weiten Umkreise als anständige Leute galten und keinerlei Spionageverdacht auf sie gefallen war. Zu erschütternden Szenen kam es, als die greise Mutter der vier ermordeten Brüder Fleischer vor den Geschworenen erschien. Ihr Mann ist einige Jahre vor dem Kriege an derselben Stelle, an der die Justifizierung ihrer Söhne erfolgte, erschlagen worden. Die Schwester der ermordeten Brüder Fleischer, die damals noch ein kleines Mädchen war, gibt an, es sei an jenem Tage Horak bei ihnen erschienen und habe geschrien: ״Wo ist die alte Jüdin, ich will sie aufhängen“. Er habe dann Geld Verlangt und ihr gedroht, auch sie ״hinzumachen“. Der Verteidiger des Angeklagten Horak führte in seinem Plädoyer aus, daß dieser Fall einer von vielen tausenden Fällen war, die an allen Fronten verübt wurden. Dort herrscht eben eine andere Moral, als im Frieden. Er tröstete die weinende Mutter Fleischer damit, daß sie nicht die einzige sei, die in jenen Tagen ihre Kinder verloren habe. Der Staatsanwalt legte den Geschworenen in einer lückenlosen und eindringlichen Analyse dar, daß es für sie keine andere Möglichkeit gäbe, als die beiden Schuldfragen mit einem einhelligen ״Ja“ zu beantworten. Sie aber reagierten hierauf nach einer kurzen Beratung mit dem Worte ״N ein“ und erzwangen so die Freisprechung H o r ä k s. Im Prager Schwurgerichtssaal hat sich ein aufpeitschend schmerzhaftes Stück Judentragik abgespielt! Da ging es um sieben Juden, nicht etwa um sieben Menschen. Sogar die Anklageschrift gebraucht immer das Wort Jude, wo sie sonst die Termini Mensch, Ermordeter, Beschuldigter usw. setzen würde. Und selbst der Staatsanwalt glaubte die Geschworenen darüber belehren zu müssen, daß ״jüdische Mütter ihre Kinder genau so gerne haben wie andere Mütter“. Urteile von Geschworenengerichten sind keine juristischen Entscheidungen; es sind und sollen Urteile sein, welche aus dem naiven Empfinden des Volkes kommen. Sieben Juden sind grundlos über den Haufen geknallt worden. Die Stimme des Volkes antwortet darauf: Freispruch. Das Urteil wurde von der antisemitischen und nationalistisehen Presse mit sichtlichem Wohlbehagen aufgenommen. Die fortschrittlichen Zeitungen knüpfen an diesen Freispruch ziemlieh versteckte Kritik, was durch den Umstand erklärlich ist, daß in. der CSR. auf Grund einer noch aus dem Jahre 1862 stammenden Verordnung der Presse verboten wird, sich kritisch mit einem noch im Rechtszuge befindlichen Strafprozeß zu befassen. In den Kreisen der jüdischen Bevölkerung herrscht tiefe Bestürzung und Entrüstung über die antisemitische Haltung der Prager Geschworenen. Wahrung aller aus dem Mandat sich ergebenden jüdischen Rechte und zweitens der Herstellung von freundnachbarlichen Beziehungen zu den Arabern. Für beide diese Zwecke bedarf jedoch die Exekutive der Unterstützung der englischen Regierung. Der letzte Redner, Berl Lodcer wies darauf hin, daß vor kurzer Zeit das Vierteljahrhundert- Jubiläum der zweiten Alijah und in diesen Tagen das zehnjährige Jubiläum der Emelc-Besiedlung gefeiert worden sind. Dies zeigt uns, was in der letzten Epoche trotz aller Schwierigkeiten erreicht worden ist. Locker betonte die große historische Rolle, die der jüdischen Jugend in der zionistischen Bevvegung zugewiesen ist. Diese jüdische Jugend, sagte Locker, die die Ideale und Hoffnungen auf eine nationale Emanzipation und eine soziale Regeneration des Judentums verkörpert, steht heute mitten in einer Welt, die von extremistischen Bewegungen beherrscht wird. Diese Bewegungen ziehen die Jugend an. Angesichts der gegenwärtigen, den Juden besonders ungünstigen Verhältnisse in der Welt ist diese Anziehung vor allem auf die jüdische Jugend besonders stark. Locker appellierte an die Führer der Bewegung, der Frage der Einbeziehung großer Massen jüdischer Jugend in die zionistische Bewegung besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden, denn diese Jugend soll für jüdische Freiheit kämpfen. Die palästinensische Regierung hat eine Warnung gegen Preistreiberei beim Verkauf von Lebensmitteln unter Berufung auf den Sturz des Pfundes erlassen. Bialiks Mahnruf Das Gespenst der Assimilation — Konferenzen des ״Haschomer Hazair“ und der ״Tarbuth“ — Diskussion Grünbaum-Bialik (Von unserem Korrespondenten.) -g. Warschau, 2. Oktober. In den letzten Jahren wird unaufhörlich von der wirtschaftlichen Not und materiellen Verarmung der polnischen Judenheit gesprochen. Der oberflächliche Beobachter geht aber leider an einer anderen, nicht minder wichtigen und ebenso traurigen Erscheinung vorbei: der immer weiter um sich greifenden Assimilation im polnischen Judentum. , Die Führer der jüdischen Kulturpolitik in Polen haben zwar oft auf diese drohenden Symptome mit Nachdruck hingewiesen, ihre Mahnrufe blieben aber fast ohne Widerhall. Das Leben ging weiter und so kam es, daß wir liier plötzlich eine geistige Verheerung wahrnehmen, die für die Zukunft katastrophal sein kann. Chaim Nach man Bialik, der jetzt in Polen ist, bat die polnischen Juden ob dieser Gefahr aufzurütteln versucht. Kein Mann ist so geeignet, diese Mission zu erfüllen, ■wie Bialik. Er weilt in Polen seit einer Woche und schon elang es ihm während dieser Tage in Warschau und in odz, die zusammen eine halbe Million Juden zählen, das Gesamtinteresse des Volkes auf das von ihm aufgerollte Problem zu konzentrieren. Bialik nahm an den Beratungen der Tarbuthkonfercnz in Warschau teil, ging zum ״H a - schon! er Hazai r“, der gerade seine Landestagung abhielt, I kam mit allen Schichten der Bevölkerung zusammen und fand 1 überall aufmerksame Hörer und starken Widerhall. ׳.*י■ .yll , if;■ if m '4\

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