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Jüdische Rundschau · 1931-09-08 · Heft 70 (8.9.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 70 (8.9.1931)
Date
1931-09-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Ludwig Lewisohm neue Bücher Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag!!.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldtnark. A uel 8 תcUaboimemeat» werden m der Währung der einzelnen Lander berechnet Anzeigenpreis; 8 gesp. Nonpareillezeile 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25 G.-M. Redaktion, Verlag und Anzeigen -Verwaltung: Jüdische RundschauG.m.b.H.,BerlinW15, Meinekeetr.10. Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. Anzeigenschluß: Dienstag and Freitag nachmittags 4Uhr Postscheck - Konten: Berlin 17592, Basel V 9355, Belgrad 68032, Brüssel 39433, Budapest 596 93, Danzig 1973, Haag 140 470» Prag 59410, Riga 4155, StrashbtJrg 16430, Warschau 190708, Wien 156030. Bank -Konten: Dartnstädter- und Nationalhank, Depositen - Kasse Berlin, Kurfüretendamm 52; Rumänische Kreditbank, Cemauti (Rumänien); Anglo Palestine Co, in Haifa, Jerusalem, Tel -Aviv. Nummer 70 | Berlin, 8. IX. 1931 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״ה אלול תרצ״א | xxxvi. Jahrg. Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volle die Schaffung •Iner öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palflstlna. ״Baseler Programm.‘« Politische Berichte Von unseren Mitarbeitern In aller Kürze Wie wir erfahren, hat sich Dr. Weizmann bereits nach London begeben und dort an mehreren Besprechungen teilgenommen, die sich mit der kritischen Finanzlage der Jewish Agency beschäftigten. Der bisherige High Commissioner Sir John Chancellor hat sich am 2. September im Sonderzug von Jerusalem nach Haifa begeben, von wo er sich am Abend nach England eingeschifft hat. Auf dem Jerusalemer Bahnhof fand ein Abschiedszeremoniell statt, an dem von jüdischer Seite das Mitglied der Exekutive Dr. Arlosoroff und für den Waad Leumi Ben Zwi offiziell teilnahmen. Während des Zeremoniells kreisten neun Aeroplane zu Ehren des scheidenden High Commissioners über dem Bahnhof. Zu Ehren von Dr. Weizmann, der sich einige Tage in Abbazzia auf hielt, fand in der dortigen Synagoge eine Begrüßungsfeier statt, auf der Rabbiner Alexander Stern eine herzliche Begrüßungsrede hielt, in der er die Verdienste des Gastes würdigte und die Judenschaft zu stärkerer Opferbereitschaft für die zionistische Sache aufrief. Dr. Weizmann dankte in bewegten Worten. Am 1. September fand ein von der Kultusgemeinde veranstaltetes Festbankett zu Ehren von Dr. Weizmann statt. Das amerikanische Mitglied der Exekutive, Etnanuel Neu mann, hat Justice Brand eis auf seinem Landsitz besucht und drei Tage lang sämtliche zionistischen Fragen mit ihm erörtert. Es wird betont, daß Brandeis der neuen Exekutive seine volle Unterstützung gewähren will. Die Leitung der amerikanischen Zionistischen Organisation hat eine offizielle Kundgebung erlassen, worin sie die volle Verantwortung für die Haltung der Mehrheit der amerikanischen Delegation des Zionistenkongresses übernimmt und die Zionisten auffordert, interne Differenzen zugunsten der gemeinsamen Arbeit zurückzustellen. Demgegenüber wirft Lipsky der jetzigen amerikanischen Leitung vor, einen vollständigen Mißerfolg in der Führung der zionistischen Geschäfte in Amerika erlitten zu haben. Als Nachfolger des kürzlich verstorbenen Abg. Dr. Ludwig Singer im tschechoslowakischen Parlament wurde von der Exekutive der Jüdischen Partei einstimmig Dr. Angelo Goldstein nominiert. Dr. Goldstein, Advokat in Prag, gehört seit seiner frühesten Jugend zu den führenden Gestalten des tschechoslowakischen Zionismus, insbesondere im tscheehisehen Sprachgebiet. Am letzten Zionistenkongreß hat Dr. Goldstein als Delegierter der Allgemeinen Zionisten (Gruppe A) teiigenommen. Am 1. September wurde die Redaktion des ״Pa lest ine Bulletin“, der englisch-jüdischen Tageszeitung, Jerusalem, von Gerson Agronsky, dem früheren Pressereferenten der Zionistischen Exekutive, übernommen. Der bisherige Redakteur Goitein ist aus der Redaktion ausgeschieden. Wir haben in der letzten Zeit wiederholt scharfe Kritik an der Führung des ״Palestine Bulletin“ üben müssen, dessen Haltung gegenüber der englischen und arabischen Oeffentlichkeit den jüdische-1 Interessen nicht nützlich war. Wir hoffen, daß unter der neuen Redaktion eine durchgreifende Aenderung der Politik des Blattes eintritt, und es wäre erwünscht, wenn auch die Ziomstische Exekutive ihren Einfluß in dieser Richtung energisch geltend machte. Meir Großman dementiert jetzt offiziell die Gerüchte über die Abwendung eines Teiles der Revisionisten von Jabotinskys Führerschaft. Alle innerhalb der revisionistisehen Organisation bestehenden Meinungsverschiedenheiten seien bis zur revisionistischen Weltkonferenz im Dezember vertagt worden. Laut den aus verschiedenen Teilen der Sowjetunion in Moskau eintreffenden Berichten verläuft die große antireligiöse Kampagne der Apikorsim-(Atheisten-)ZirkeI gegen die _ Abhaltung der jüdischen hohen Feiertage überall ohne Wirkung. ״Emess“ prophezeit, daß in vielen jüdisehen Kolonien wie im vorigen, so auch in diesem Jahre die Bauern zu Rosch Haschanah und Jom Kippur die Arbeit auf den Feldern ruhen lassen werden. Das Völkerbundssekretariat hat eine umfassende Broschüre unter dem Titel ״Der Völkerbund, seine Aufgabe und Organisation“ für die Lehrerschaft in verschiedenen Sprachen erscheinen lassen. Im Aufträge des Völkerbunds- Sekretariats wurde die Broschüre auch in hebräischer und jiddischer Sprache für die Lehrerschaft an hebräischen und jiddischen Schulen herausgegeben. Der Nnmeras clausus in Ungarn Wir haben vor einigen Tagen über die Erklärungen des neuen ungarischen Unterricbtsministers Dr. Ernszt zur Frage des Numerus clausus in Ungarn Mitteilungen gemacht. Nun wird uns aus Budapest mitgeteilt, daß zwei dortige Vertreter der Jewish Agency, Oberregierungsrat Dr, Ignatz Friedmann und Dr. Josef P a t a i, im Namen des Kultusministers Dr. Ernszt verständigt wurden, die Absicht des ungarischen Kultusministeriums gehe nicht dahin, bei der Handhabung der Numerus ciausus-Bestimmungen einseitig gegen irgendeine Konfession zu verfahren. Gleichzeitig wurde den genannten Vertretern der Jewish Agency mitgeteilt, daß der ungarischen Regierung die Bestrebungen der Jewish Agency bekannt sind und mit größtem Wohlwollen verfolgt werden. Die ungarische Regierung vermag abziischätzen, welch bedeutsame Arbeit geleistet werden mußte, damit das Aufbauwerk in Palästina die bereits vorhandenen Resultate zeitige. Die Tatsache, daß die neue ungarische Regierung sich veranlaßt sieht, auf die öffentliche jüdische Meinung im Auslande Rücksicht zu nehmen, ist ein erfreuliches Symptom. Die Erklärungen der ungarischen Regierung werden aber erst dann die vom ungarischen Kultusminister erhoffte Bertihigung herstellen, wenn die Praxis den Erklärungen entsprechen wird. Bis dahin heißt es abwarten und die Ent- Wicklung verfolgen. London S., London, 5. September 1931. Die lange erwartete Ernennung der Unterstaats- Sekretäre ist jetzt erfolgt. Es hat sich gezeigt, daß unsere Voraussage, daß außer Malcolm MacDonald kein Mitglied der Arbeiterpartei für einen Ministerposten zur Verfügung stehen wird, sich bestätigt hat, mit Ausnahme der drei oder vier Hilfsminister, die aus der früheren Regierung geblieben sind. Obwohl noch am Donnerstag die ״Times“, die offenbar mit Absicht das angeblich wachsende Verständnis für MacDonalds Haltung innerhalb der Labour Party übertreibt, voraussagte, daß die neue Ministerliste eine ״anständige Labour-Vertretung“ enthalten wird, mußten doch die Kandidaten ausschließlich aus konservativen und liberalen Kreisen gewählt werden. Die für den Zionismus interessanteste Ernennung ist die von Sir Robert Hamilton als Unterstaatssekretärfür die Kolonien. Sir Robert gilt als ein aufrichtiger Freund des Zionismus und hat seinen Sympathien bei verschiedenen Gelegenheiten unzweideutig Ausdruck gegeben. Er war einer der ersten, die sich Col. Wedgwood anschlossen, als dieser seine etwas unglückliche Parole des ״siebenten Dominions“ ausgab. Die ״Seventh Dominion League“, deren Präsident Wedgwood war, wurde nach dem Erscheinen des Weißbuches vom Oktober 1930 zum Zeichen des Protestes aufgelöst. Wedgwood selbst ist durch eine langwierige Krankheit sehr an der Teilnahme am öffentlichen Leben behindert. Sir Robert Hamilton hat bei einer Kundgebung im Rahmen der ״Seventh Dominion League“ das jüdische Palästina-Interesse entschieden verteidigt. Als die Shaw-Kommission nach Palästina entsandt wurde, die bekanntlich aus je einem Mitglied der drei Pariamentsparteien bestand, war als Vertreter der Liberalen zunächst Hamilton in Aussicht genommen, die Regierung aber sprach sich gegen seine Wahl aus, weil er zu sehr als prozionistisch abgestempelt sei und die Kommission aus Männern bestehen müsse, an deren Unvoreingenommenheit kein Zweifel bestehe. Da der Staatssekretär für die Kolonien und Dominions, Mr. T h om a s, als eines der zehn Mitglieder des Kabinetts, das beinahe in Permanenz tagt, gegenwärtig ausschließlich mit den Finanzplänen der Regierung, die am 8. d. M. dem Parlament enthüllt werden sollen, beschäftigt ist, so wird er sich zunächst um die Geschäfte seines Ressorts wenig kümmern können und muß deren Leitung seinen Unterstaatssekretären überlassen. Dadurch wird die Stellung von Sir Robert Hamilton im Kolonialamt gerade jetzt besonders bedeutungsvoll. Das Ministerium von Mr. Thomas gabelt sich in zwei eine zeitlang völlig getrennte und nun wieder unter einem gemeinsamen Haupt vereinigte Aemter, deren jedes seinen Unterstaatssekretär hat. Während Hamilton als Unterstaatssekretär im Kolonialamt fungiert, ist Malcolm MacDonald als Unterstaatssekretär in das Dominion-Office eingezogen. Auch dieser Mitarbeiter von Mr. Thomas ist also ein Freund des Zionismus, und so kann man wohl sagen, daß die zionistische Sache noch niemals in so freundlichen Händen in London lag wie jetzt. Auch unter den übrigen Neuernennungen von Ministern sind einige für die zionistische Welt von Interesse. Wir begnügen uns, zwei Namen zu nennen: Major Ormsby Gore, der frühere konservative Unterstaatssekretär für die Kolonien, der schon im Kriege mit der zionistischen Palästinasache eng verbunden war, bekleidet in der neuen Regierung das Amt des Generalpostmeisters (Post-Minister). Und als ״Financial Secretary to the Treasury“ tritt der konservative Major Walter E 11 i o t in die Regierung ein, einer der ergebensten Freunde der zionistischen Sache im Unterhaus, dessen Name einer weiteren Oeffentlichkeit vielleicht von seiner Teilnahme an der Unterhaus-Debatte vom 17. November 1930 noch in Erinnerung sein wird. (Elliots damalige tapfere Rede ist in der deutsehen Ausgabe des Protokolls dieser Palästina-Debatte, das im Berliner Zionistischen Büro erhältlich ist, nachzulesen. — A. d. R.) Auch ein Sohn Lloyd Georges hat eines der kleineren Aemter erhalten. Die von einigen Zeitungen gebrachte Voraussage, daß auch James Rothschild in ein Untersekretariat berufen werden wird, hat sich nicht bewahrheitet. Die genannten Personen, deren Wirkungskreis auf ihr eigenes Amt beschränkt ist, werden natürlich keinen Einfluß auf Palästinafragen nehmen können; dennoch kann es für uns von Bedentung sein, welche Atmosphäre innerhalb der weiteren Regierung herrscht. Freilich wird die Haltung der Regierung von ganz anderen Momenten bestimmt als von bloßen Sympathien. Sie steht unter dem Druck einer eisernen Notwendigkeit, der Ordnung der Finanzen, und rigorose Sparsamkeit ist oberstes Gebot. Dies kann für die Palästinapolitik von Bedeutung sein. Die ״Jüdische Rundschau“ war die erste Zeitung, die bereits unmittelbar nach dem Kabinettswechsel, am 25. August, der Befürchtung Ausdruck gegeben hat, daß die Sparpolitik der Regierung auch die Dispositionen bezüglich der geplanten 2V2 - M i 11 i 0 n e n - A111 e i he für den Paiästina-Landentwicklungsplan ändern könnte. Obwohl die Regierung noch keine Möglichkeit hatte, sich mit der Sache zu befassen, werden doch neuerdings mehrfach Vcrtnutungen ähnlicher Art geäußert, die freilich noch!:eine sicheren Unterlagen haben müssen, da ja die Ueberlegung, daß die Regierung in dieser Zeit keine ״Luxusausgaben“ machen dürfe, sehr nahe liegt. Es wäre auch daran zu erinnern, daß ein Mann wie Herbert Samuel, der doch wahrhaftig das aktivste Interesse an der Entwicklung Palästinas nimmt, bereits in der Unterhaus - Debatte am 17. November sich dagegen an*■ gesprochen hat, daß die englische Regierung die Garantie für Zinsendienst und Tilgungsfonds der Palästina-Landentwicklungs- Anleihe übernimmt. Herbert Samuel warnte davor, von dem Prinzip abzugehen, daß der britische Steuerzahler durch die Zivilverwaltung Palästinas zum Unterschied von den Militärkosten — nicht belastet werden darf. Derselbe Herbert Samuel ist aber jetzt ein einflußreiches Mitglied des Kabinetts, und es fragt sich, wie weit das neue Kabinett sich von dem Grundsatz leiten lassen wird, daß ein einmal gegebenes Versprechen nicht über den Haufen geworfen werden darf. Da das Kabinett sich nur eine beschränkte Lebensfrist gesetzt hat, so wäre auch möglich, daß man die Palästina-Anleihefrage zunächst einmal bis nach den Neuwahlen vertagt. Dies würde freilich eine tiefgreifende Veränderung der momentanen Palästinapolitik nötig machen, da der Entwicklungskommissar Mr. F r e n c h bekanntlieh bereits seine Arbeit begonnen hat, bis 31. Dezember berichten soll und inzwischen — nach dem Plan der früheren Regierung — das Unterhaus die Anleihefrage erledigt haben sollte. Eine Vertagung des Anleiheplans würde eine ganz neue Situation für Palästina schaffen, da die ganze Politik der Arbeiterregicrung darauf angelegt war, durch Inangriffnahme großer ökonomischer Aufgaben die politische Kontroverse in den Hintergrund zu drängen — eine Anschauung, die auch ,on der Mandatskommission in Genf gutgeheißen worden war. Vielleicht wird die Parlaments- Sitzung vom kommenden Dienstag auch über die Absichten der Regierung in dieser Sache einige Klarheit oder wenigstens Andeutungen bringen. Genf i, Genf, 4. September 1931. Der Völkerbundsrat befaßte sich in seiner heutigen Sitzung mit dem Berichte der Mandatskommission, über den der jugoslawische Außenminister Mariakowicz referierte. Der Bericht der Mandatskommission wurde in allen seinen speziellen Teilen, also auch in dem Palästinateil, über den an dieser Stelle bereits berichtet wurde, ohne Debatte angenommen. Eine Debatte entwickelte sich lediglich über den ersten Teil des Berichtes, der nicht Fragen einzelner Länder, sondern allgemeine Fragen des Mandatssystems behandelt. Stehen doch jetzt die Fragen der Beendigung eines Mandates im Vordergrund, da man damit rechnet, daß zwei Mandate der Kategorie A, nämlich zunächst Irak, von dem dies bereits öffentlieh angekündigt ist, dann aber auch Syrien, dessen Entlassung aus dem Mandatsverhältnis von Frankreich bisher nur in unbestimmten Wendungen in Aussicht gestellt wurde, bald erlöschen werden. Palästina würde dann das einzige Mandatsland der Kategorie A bleiben, was einerseits die Unzufriedenheit der palästinensischen Araber erhöhen dürfte, andererseits aber die Sonderstellung Palästinas als eines Ausnahmsfalls der Weltgeschichte deutlicher ins Bewußtsein brächte. Die Debatte in der Mandatskommission dauerte mehr als zwei Stunden und bezog sich nicht nur auf die Voraussetzungen, die für die Selbständigkeit eines ehemaligen Mandatsgebietes gemacht werden müssen, sondern auch auf die Sicherung der Interessen der Völkerbundsstaaten sowie auf die künftige Gestaltung der Rechtsverhältnisse der A u s 1 ä n d e r in den neuen Staaten. Unter den allgemeinen Bediitgungen, die geordnete Regierung und Verwaltung, Finanz- Ordnung und Rechtsordnung vorsehen, ist für uns am wichtigsten die Frage der Minoritäten. Hier kann wohl die Haltung, die der deutsche Außenminister Dr. Cur- < i u s in der Debatte einnahm, als die maßgebende bezeichnet werden: daß nämlich der Völkerbund für die Garantie der Minderheitsrechte sorgen muß, daß aber diese Sorge sich nicht in ein Hindernis der Selbständigerklärung verwandeln soll. Diese Bemerkung wird verständlich, wenn man bedenkt, wie oft sich die Einmischungstendenzen fremder Staaten in die Fürsorge für die schutzbedürftigen Minoritäten verkleiden. In England gibt es bekanntlich eine Strömung, die ihren Widerstand gegen eine Aufhebung des Irak-Mandates auf die Pflicht zum Schutz der irakischen Minderheiten, z. B. der Kurden, stützt. Eine andere wichtige Streitfrage ist das von der Mandatskompiission beantragte Wiederaufleben der in der alten Türkei in Kraft gewesenen, in der modernen Türkei längst beseitigten ״Kapitulationen“. Im Laufe der Debatte im Völkerbundsrat wurde dieser Vorschlag von Lord Ceci 1 und auch vom französischen Vertreter Plan di n kritisiert; es müsse ein anderer Ausweg durch einen entsprechenden Vertrag mit dem neuen Staat gesucht werden. In der schließlich angenommenen R c s o 1 u t i o 11, die in ihren Hauptteilen den Empfehlungen der Mandatskommission entspricht, heißt es u. a., daß der Rat ״angesichts der Verantwortlichkeit, die dem Völkerbund obliegt, an Hand der aufgestellten Grundsätze aber erst nach einer gründliehen Prüfung jedes besonderen Falles die Reife der Mandatsgebiete festzustellen hat, deren Emanzipation vorge::chhgen wurde. Dabei muß der Rat natürlich mit größter Sorgfalt alle von den unter Mandat stehenden Ländern gegen-

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