Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1931-09-01 · Heft 68 (1.9.1931) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 68 (1.9.1931)
Date
1931-09-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2651273-2653252-2653315--22548-2680781
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Probleme der Kwuza Einzelnummer 0&5 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jedenDienstag ü.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5.75 Goldmark. Auriandsiibomiemeot* werden in der Währung der einzelnen Linder berechnet. Anzeigenpreis: S gmsp. Nonpareille?«31® 0,50 O.-M. Stellengesuche 0,25 G.-M. Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b.H., Berlin W15, Meinekestr.lO. Telephon: J 1 Bismarck 716570־. Anzeigenschluß: Dienstag und Freitag nachmittags 4 U h r RedaktionsschluI Sonntag und Mittwoch nachmittag. Postscheck Komm: Berlin 173 92, Basel V 9355, Belgrad 68032, Brüssel 39433. Budapest 596 93, Danzig 1973, Haag 140 470, Prag 59410. Riga 4155, Strasbourg 16430, Warschau 190708, Wien 156030. Bank - Konten: Darmstädter־ und Nationalbank, Depositen - Kasse Berlin, Kurfürstendamm 52; Rumänisch® Kreditbank, Cemauti (Rumänien); Angl» Palestine Co. in Haifa, Jerusalem, Tel-Aviv. Nummer 68 | Berlin, 1. IX. 1931 י״ט אלול תרצ״א | xxxvi. jahrg. Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer «ffentllch י rechtlich gesicherten Heimstitte In Palästina. ״Basalar Programm.“ Der UndenfflicHuMsptan Triste Bilanz: Chancellors Abschiedsabend der Stadtgemeinde Jerusalem. J e r u s a I e m , 27. August. (J. T. A.) Am 27. August fand in Jerusalem ein von der Stadtgemeinde veranstalteter Abschiedsabend für den High Coinmissioner Sir John Chancellor statt. An der Feier nahmen 500 geladene Gäste, Angehörige aller religiösen Gemeinschaften Jerusalems, teil. Chancellor hielt eine Ansprache, die ganz auf einen Ton der Resignation abgestimmt war. ,,Als ich zum erstenmal hörte, daß ich nach Palästina gehen sollte,41 führte der High Commissioner aus, ״da ergriff mich der Gedanke, ich könnte etwas dazu beitragen, die alte Herrlichkeit dieser Stadt zu erhalten. Jetzt — nach einem von Kummer und Sorge erfüllten dreijährigen Aufenthalt im Lande — verlasse ich die Stadt tief enttäuscht. Ich kann mich nicht rühmen, irgend etwas getan zu haben, um das Land glücklicher zu machen. Ich weiß, wieviel es zu tun gibt und wie wenig getan wurd e." Felix Warbnrg Aber Keren Hafessod Soeben wurde von der American Palestine Campaign, dem Sammelinstrument des Keren Hajessod in Amerika, der )ahresbericht des amerikanischen Keren Haj e s s o d veröffentlicht. Zu diesem Bericht hat Felix M. Warbürg ein Vorwort geschrieben, in dem er auf die Notwendigkeit hinweist, daß Juden aller Richtungen und Anschauungen in einer Zeit, da Palästina schwere Nöte und Prüfungen durchzumachen habe, sich dem Aufbau des jüdischen Heimlands mit voller Hingabe widmen. Warburg führt aus: Zehn Jahre sind seit der Errichtung des Keren Hajessod verflossen, ln diesem Zeitraum diente er nicht nur als Finanzinstrument der Zionistischen Weltorganisation, sondern er ist seit der denkwürdigen Tagung im Jahre 1929 auch der Geldaufbringungsapparat der erweiterten Jewish Agency geworden. Was der Keren Hajessod leistet, schafft in einem weiten Sinne die Grundlagen für den Fortschritt der jewish Agency. Je'dem Mann und jeder Frau,‘die ein Weihendes Interesse am Aufbau Palästinas haben, ist durch diese große Organisation die Möglichkeit geboten, ihre Hingabe und Treue für diese große jüdische Sache zum Ausdruck zu bringen. Das jüdische Schulwesen in Osteuropa Friede zwischen Jiddischsten und Hebraisten Aus Polen, Litauen und Lettland kommen traurige Nachrichten über die Lage des jüdischen Schulwesens in den dortigen Ländern. Besonders schlimm ist die Lage in Polen. Sowohl das hebräische Schulwesen, wie auch das jiddische sind notleidend. Die polnische Regierung subventioniert weder das Schulnetz der Tarbuth, noch die Institutionen der Jiddischisten. Das Budget des hebräischen Schulwesens beträgt jährlich 4 700 000 Zloty, das Budget der jiddischistischen Schulen 3 000 000 Zloty. Die Lage des jüdischen Schulwesens wird in den genannten drei Ländern durcii den unseligen Streit zwischen Hebraisten und Jiddischisten erschwert. Außerdem bietet dieser Streit den betreffenden Landesregierungen einen willkommenen Anlaß, die allergrößten Schwierigkeiten bei der staatlichen Subventionierung dieser Schulnetze zu bereiten, bzw. wie in Polen, diesen Streit als Ausrede für die versagte staatliche Unterstützung zu benützen. Derartige Vorgänge haben sich seit Jahren z. B. in Litauen abgespielt. Um so erfreulicher ist die Nachricht, daß sich in Lettland Jiddischisten und Hebraisten zu einem jüdischen Schul- und Kulturverband für Lettland zusammengeschlossen haben, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den scharfen Gegensatz zwischen beiden Lagern zu überbrücken. Der neugegründete Verband wird sich für die Errichtung von ״synthetischen Schulen“ in Lettland einsetzen. In diesen Schulen soll der Unterricht in den Unterstufen in jiddischer Sprache erteilt werden; gleichzeitig soll aber auch das Hebräische als lebende Sprache gelehrt und als nationale Sprache vollständig zu ihrem Recht gelangen. Der Verband hat überdies beschlossen, sich an den Arbeiten für die Hebräische Universität in Jerusalem und für das jiddisch-wissenschaftliche Institut in Wilna zu beteiligen. Angesichts der Notlage der jüdischen Bevölkerung in der ganzen Welt und besonders in Osteuropa ist dieser Versuch, einen modus vivendi zwischen Jiddischisten und Hebraisten zu schaffen, durchaus zu begrüßen. Und es ist nur zu wünschen, daß die Begründer de* Schul- und Kulturverbandes in Lettland in ihren Bemühunen nicht erlahmen und sich durch zweifellos noch kommende chwierigkeiten nicht in ihren Bestrebungen abschrecken lassen. I. s. Arlosoroffs Programm Jerusalem, 28. August. (J.T. A.) Der neue politische Dezernent der Palästinaexekutive, Dr. Arlosoroff, legte in einer Pressekonferenz die Richtlinien dar, die er in seiner Politik in Palästina zu verfolgen gedenkt. Er erklärte, keine Parteipolitik, sondern eine nationale Politik führen zu wollen. Hierbei werde er in gleicher Weise die Interessen aller Klassen, sowie die der Sephardim und der Aschkenasim wahrnehmen und sich insbesondere auch die Förderung der Mittelstandskolonisation angelegen sein lassen. Den Grundzug seiner Politik werde die Kooperation mit England bilden; dabei werde er den Kampf für die jüäi sehen Rechte ohne Kompromiß weiterführen. Maglicherweise werde die Durchführung des Landentwick» lungsplans die Juden zwingen, binnen kurzem einen Ver• teidigungsplan aufzunehmen. Vorläufig sei noch keift jüdischer Berater des Landentwicklungsdirektors ernannt wer• den. Bezüglich der Politik gegenüber den Arabern in Palästina erklärte Arlosoroff, er werde im Sinne einer jüdisch-arabischen Verständigung auf der Basis der Pari-! ä t, wie dies im Koalitionsprogramm der Exekutive auf dem Kongreß festgelegt wurde, tätig sein. Er sei davon überzeugt, daß die Araber im Laufe der Zeit ein Verständigungsprogramm auf dieser: Basis a an.eh men werden. Widerstände und Perspektiven Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AG, Tel-Awiw, den 19. August 1931, ' I. In diesen Tagen trifft der LandentwicMungsdirektor in Palästina ein, um sofort mit den Vorarbeiten für den großen Plan anzufangen. Damit beginnt für die Geschichte des Landes ein neuer Abschnitt. Die Mandatarmacht hat bisher wirtschaftliche Initiative nur in sehr geringem Maße entfaltet. Zwar hat indirekt ihre Administration den Anlaß für bestimmte ökonomische Veränderungen gegeben. Die Entwicklung der Verkehrswege, Einführung einer Reihe von Institutionen, die zu den elementaren Erfordernissen westlicher Verwaltung gehören, haben dem ökonomischen Fortschritt Vorschub geleistet. Insbesondere wird der nun bald beendete Haifaer Hafen, der jedoch sein Entstehen zu einem guten Teile strategischen Erwägungen verdankt, eine Belebung, wenn nicht gar Revolutionierung der Wirtschaft des Landes bedeuten. Aber es darf bei alledem nicht vergessen werden, daß es bisher eine spezielle, nach einem bestimmten Plan geregelte und auf bestimme Ziele hinsteuernde Wirt- Schaftspolitik der Palästina-Regierung kaum gab. Die Administration überließ sich auf diesem Gebiete zu einem guten Teile dem bequemen Wege des Laisser Faire und es ist keine Uebertreibung, zu behaupten, daß ohne den Einfluß jüdischen Kapitals eine Modernisierung der palästinensischen Wirtschaft nur in sehr bescheidenem Maße stattgefunden hätte. Jetzt, wo in London und Jerusalem über die Ausführung eines Landentwicklungsplanes beschlossen worden ist, neigt sich diese Periode des ״wait and see“ ihrem Ende zu. Sie wird von einer Zeit aktiver Wirtschafts- Politik der Verwaltung abgelöst. Die Aufnahme, die der Plan bei der Landesbeyölkemng, oder besser gesagt, bei den Führern findet, ist ein Gemisch von Zurückhaltung, Mißtrauen und Gegnerschaft, die nicht immer offen rum Ausdruck kommen, aber doch klar zu spüren sind. Wenn es — sowohl unter Juden wie unter Arabern — Kreise gibt, die den Plan als solchen begrüßen, so treten sie bisher wenig oder gar nicht in Erscheinung. Die Gründe für diese Einstellung der palästinensischen Politiker zum Development-Scheine sind mannigfach. Bei den Arabern sind sie politischer und wirtschaftlicher Natur, obwohl bisher nur die politischen zum Ausdruck gebracht werden. Gerade in den letzten Tagen zeigten sich umfangreiche Vorbereitungen der arabischen Führerschaft für die Ankunft des neuen Beamten. Die Arabische Exekutive hat sich in einer Vollsitzung ausführlich mit der Frage beschäftigt und hat ihren schon im Winter gefaßten Beschluß wiederholt, den Plan abzulehnen• Begründung: er basiere auf der Baitour-Deklaration und dem Mandat, sei dazu angetan, die Siedlung der Juden und damit die Einwanderung zu begünstigen. Zustimmung bzw. Mitarbeit am Landentwicklungsplan bedeute also implizite eine Anerkennung des Mandats. Diese Begründung erscheint etwas fadenscheinig. Es wird auch deutlich, daß die Mehrzahl der Arabischen Exekutive an einen wirkungsvollen Boykott des Development-Schemes nicht denkt, sie hat auch eine Experten-Kommission eingesetzt, die die im Plane enthaltenen Fragen bearbeiten soll, freilich mit der Aufgabe, der Regierung und dem Volke klarzumachen, was gegen den Plan einzuwenden sei. Die Arabische Exekutive arbeitet zurzeit, wie schon seit längerem, unter einem schweren politischen Druck der Extremisten, der auf der kürzlich in Nablus stattgefundenen Konferenz in der Bewaffnungsfrage seinen Höhepunkt fand, und muß immer befürchten, der Kompromißlerei und nationalen Gesinnungslosigkeit angeklagt zu werden. Dadurch wird den Gemäßigten der Exekutive ein freies Arbeiten, vor allem die Kooperation mit der Regierung — wie auch mit den Juden — äußerst erschwert und sie sieht sich von Zeit zu Zeit gezwungen, ihre nationale Untadligkeit mit Maßnahmen zu beweisen, die sie sonst kaum ergriffen hätte. Zurzeit ist wieder ein solcher Moment eingetreten. Die Ablehnung des Development-Planes ist eines der Resultate dieses verstärkten Druckes. Es darf jedoch auch nicht übersehen werden, daß die Kreise der Arabischen Exekutive kaum das volle Verstandnis für die sozialen und ökonomischen Bedürfnisse der niederen Volksmassen haben, für die der Landentwicklungsplan — so weit man heute schon beurteilen kann — sorgen soll. Bisher hat die reine Politik das volle Interesse der arabischen Nationalbewegung in Anspruch genommen, wie das meist in den ersten Phasen einer solchen Strömung der Fall ist. Für die komplizierten und unklaren Probleme der Landesentwlcklung im weitesten Sinne, wie der Reform der Fellachen- Wirtschaft, der Hebung des Standards und ähnliche Dinge blieb nur sehr wenig Aufmerksamkeit übrig. Es kommt weiter als schwerwiegendes Moment dazu, daß die Führer dieser Bewegung sich — naturgemäß! -•-• aus der schmalen Schicht der Intelligenz und der alten Familien rekrutieren, die entweder für diese sozialen Fragen nicht viel übrig haben, oder deren private —. und Klasseninteressea der Tendenz einer Modernisierung und sozialen Reform in der Landwirtschaft zuwiderlaufen. Die große Masse derer, denen der Landentwicklungsplan zugute kommen soll, bat heute keine Stimme im Rate, ist nicht fähig, über den engen Horizont des eigenen Dorfes hinauszusehen und wird meist von der nationalen Führerschaft benutzt, wenn sic sie braucht. Bevor sich diese Situation ändern kann, ist eine lange und sorgfältige Erziehungsarbeit und vor allem eine wirtschaftliche Hebung der M.asse erforderlich. Und richtig angefaßt, wird der Landentwicklungsplan diesem Ziele dienen können. Unter den Juden sieht man dem Plane nicht ohne Besorgnisse entgegen. Einer der Gründe dafür, der psychologisch sehr schwer wiegt, ist das starke Mißtrauen, das der palästinensische Jude — als Durchschnitt betrachtet — allen Aktionen der Regierung entgegenbringt. Nach den Ereignissen und »Erfahrungen, nach der Propaganda der letzten Jahre, ist man leicht geneigt, jede Aktion der Regierung, mag sie nun von London oder von Jerusalem ausgehen, als einen Akt aufzufassen, der sich in irgendeiner Weise gegen die Juden richtet. Man braucht nur irgendeine Zeitung zur Hand zu nehmen, die sich mit einer Regierungsmaßnahm• beschäftigt, und wird fast immer dieses bereits tief eingewurzelte Mißtrauen finden. In der Regel sucht man hinter neuen Verfügungen politische Gründe, den Druck der arabischen Politiker, und forscht ängstlich danach, ob eine von der Regierung verursachte Aenderung jüdischen Interessen schaden könne. Wir sind wieder bei dem Zustand angelangt, daß die Araber Regierungshandlungen als prozionistisch, die Juden als antizionistisch betrachten und danach beurteilen. So werden von beiden Seiten die Schritte für den Landentwicklungsplan mit Argwohn betrachtet; die Araber stellen das Projekt als ein Mittel zur Ansiedlung von Juden hin, wobei die Araber in den Hintergrund gedrängt werden, jedoch die Anleihe nachher durch Steuern werden tilgen müssen; die Juden fürchten das Umgekehrte, nämlich eine Beschlagnahme des Löwenanteils der Gelder durch die Araber, wobei für jüdische Siedlung wenig übrig bleibt, dagegen der Steuerdruck sich bei ihnen verschärft. Diese Ansicht wird bei den Juden bestärkt durch die Einbeziehung des Problems der ״landlosen Araber" in den LandentwicMungskomplex. Die Schätzung Simpsons von 29 % landloser Araber, die er mittelbar oder unmittelbar mit der jüdischen Land- und Siedlungspolitik in Verbindung brachte, ist unvergessen, und man fürchtet, daß auch die neu angeordneten Schätzungen, die jetzt beginnen sollen, ungenau und übertrieben sein könnten, besonders da sich der Druck von arabischer Seite auf die Regierung keineswegs verringert hat. Die Unklarheit, die trotz der mannigfachen Untersuchungen der letzten Jahre über diesem Problem liegt, rächt sich immer stärker und zieht bedeutsame politische Konsequenzen nach sich. III. Es scheint noch geboten, zu untersuchen, was das Land Palästina von dem Projekt zu erwarten hat. Wir sagten eingangs, daß der Landentwicklungsplan den Beginn einer aktiven Wirtschaftspolitik der Palästina-Regierung darstellt. Dieses aktive Eingreifen der Verwaltung ist bitter notwendig.» Zwar hat Palästina im Laufe des letzten Jahrzehnts dank dem Einströmen jüdischen Kapitals, dem Vorbilde moderner Betriebsmethoden und gewisser Zivilisierungsarbeiten der Behörden beträchtliche Fortschritte in der wirtschaftlichen Entwicklung gemacht. Aber auch heute noch ist der größte Teil seiner Landwirte, nämlich die Masse der Fellachen, hilflos und rückständig, von der Gnade des Geldverleihers und Bodenbesitzers abhängig, niemals seines Lebensunterhalts für das nächste Jahr sicher. Daß die Agrarkrise der letzten Jahre seine Lage noch bedeutend verschlechtert hat, macht eine sofortige Reform noch dringlicher. Es handelt sich jedoch bei diesen Verhältnissen nicht allein um wirtschaftliche Schwierigkeiten. Aus diesen ergibt sich eine Stagnation auf allen anderen Lebensgebieten. Trotz aller Besserungen des letzten Jahrzehnts —? man lese die Berichte der Palästina-Regierung an den Völkerbund — bleibt es eine Tatsache, daß auch eine wirksame Bekämpfung der vielen im Lande herrschenden Krankheiten, eine Behebung des ausgebreiteten Analphabetentums von einer wirtschaftlichen Hebung der großen Masse abhängen. So wie die Dinge heute stehen, kann die Regierung ihren Pflichten, die auf eine umfassende Ausweitung des Schul- und Sanitätsdienstes hinWeisen, nicht nachkommen, weil das Land nicht die nötigen Gelder dafür aufbringen kann. Erst mit einer wirtschaftlichen Entwicklung können sich neue Steuerquellen und damit neue Arbeitsmöglichkeiten ergeben. Erst durch diese Wirtschaftliehe Entwicklung kann der Standard des einzelnen Fellachen so weit gehoben werden, daß er von den neuen Einrichtungen, von Schulen, von hygienischem Unterricht, von einer besser ausgebauten Verwaltung wirklich profitieren kann. Es ist nicht unmöglich, daß diese wirtschaftliche Entwicklung auch nach und nach ohne eine spezielle Regierungsaktion eintreten wird, wenn weiter große Kapitalien ins Land kommen und dadurch auch die öffentlichen Mittel sich vergrößern. Jedoch wird diese Besserung dann sehr viel langsamer vor sich gehen und es ist fraglich, ob sie in genügendem Maße den breiten Schichten, die es am nötigsten haben, zugute kommt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.